Die Existenz Gottes
The Existence Of God
Fragen nach dem Wesen Gottes sowie nach der Existenz der Hölle, des Paradieses oder der Engel bereiten uns einige Schwierigkeiten, weil wir sie nicht wahrnehmen können, eines der oben aufgeführten Kriterien. Ist es möglich, ihre Existenz trotz unserer Nichtwahrnehmung zu beweisen? Beginnen wir mit der Existenz Gottes. Wie zuvor dargelegt, lässt sich die Existenz Gottes beweisen, indem man über alle bekannten Dinge nachdenkt und daraus ableitet, dass sie alle begrenzt und abhängig sind. Die Summe aller begrenzten und abhängigen Dinge ist begrenzt bzw. endlich, und alle endlichen Dinge haben einen Anfang und ein Ende. Alle endlichen Dinge müssen erschaffen worden sein, denn es bedarf einer äußeren Kraft, um etwas in den Zustand des Daseins zu versetzen. Alle abhängigen Dinge sind nicht selbsterhaltend; sie bedürfen daher einer Kraft, die sie erhält, und sie existieren nicht aus eigenem Antrieb. Die Kraft, die wir durch einen rationalen Beweis identifiziert haben, nennen wir Gott oder Allah. Dieser Beweis ergibt sich aus der Untersuchung alles dessen, was unserer Wahrnehmung zugänglich ist, und erfüllt somit unser Kriterium der Wahrnehmungsgrenze. Dass Gott unendlich und selbstbestehend ist und wir weder Sein Wesen noch Seine Beschaffenheit wahrnehmen können, ist für den Beweis Seiner Existenz nicht von Belang. Und Zeit darauf zu verwenden, das wahrnehmen zu wollen, was wir nicht wahrnehmen können, ist kontraproduktiv und wird nicht zu „Seelenfrieden“ führen.
Questions of the nature of God, and the existence of Hell, Paradise, or Angels, cause us some difficulty, because we cannot perceive them, one of the criteria listed above. Is it possible to prove their existence despite our non-perception of them? Let us start with the existence of God. As outlined earlier the existence of God can be proven by contemplating upon all known things, and deducing that they are all limited and dependant. The sum of all limited and dependant things is limited or finite and all finite things have a beginning and end. All finite things must have been created, as an external force is required to move something into a state of existence. All dependant things are not selfsustaining, they therefore require a force to sustain them, they do not exist of their own accord. The force we have identified, through rational proof, we have called God or Allah. This proof has come through examining all within our perception therefore meets our limit of perception criteria. The fact that God is infinite and self-subsistent, and we cannot perceive Gods nature or description is not of concern in proving Gods existence. And to spend time trying to perceive what we cannot is counter productive and will not lead to 'peace of mind'.
Wir haben intellektuell ein überzeugendes Argument für die Existenz Gottes vorgebracht. Wir müssen nun auch prüfen, ob dies mit der Natur des Menschen übereinstimmt. Der Mensch besitzt gewisse Instinkte und organische Bedürfnisse, deren Befriedigung er unablässig anstrebt.
We have intellectually brought a convincing argument for the existence of God. We must also examine if this agrees with mans nature. Man has certain instincts and organic needs, the satisfaction of which he constantly strives for.
Die organischen Bedürfnisse sind das Bedürfnis nach Nahrung und Trinken, ohne die der Mensch sterben wird.
The organic needs are for food and drink, without which man will die.
Instinkte lassen sich in drei Kategorien einteilen: Selbsterhaltung bzw. Selbstschutz, Fortpflanzung bzw. Sexualität und Religiosität. Bei dem Menschen lassen sich deutlich bestimmte Erscheinungsformen oder Wesenszüge erkennen, die sein Verlangen widerspiegeln, diese Instinkte zu befriedigen. So erwirbt der Mensch Güter und schöne Gegenstände, besitzt gern Eigentum, strebt nach einer Arbeit und einem Einkommen, kann habgierig sein und spart möglicherweise für die Zukunft, um seinen Selbsterhaltungstrieb zu befriedigen. Ebenso sind Mitgefühl, Zuneigung, Liebe, Ehe und sexuelle Neigungen Ausdruck des Fortpflanzungstriebes im Menschen. Der Wunsch, etwas von größerer Macht oder größerem Einfluss anzubeten, zu heiligen, zu verehren oder sich ihm zu nähern, gehört zum Religiositätsinstinkt des Menschen.
Instincts can be categorised as three: Survival or self-preservation, Procreation or sexual, and Religiousness. We can see clearly certain manifestations or traits in man reflecting his desire to satisfy these instincts. Thus man acquires goods and nice objects, likes to own property, wants a job and income, can be greedy, and may save for the future, in attempting to satisfy his instinct for survival. Similarly compassion, affection, love, marriage, and sexual tendencies are expressions of the procreational instinct in man. The desire to worship, sanctify, revere or approach something of greater power or influence are part of man's instinct of religiousness.
In einer stark materialistischen und säkularen Welt bestreiten viele den religiösen Instinkt im Menschen. Die Tatsachen sprechen gegen diese Ansicht. Selbst in den bekennend atheistischsten Gesellschaften, etwa im kommunistischen Russland, wo die Lehre des Kommunismus die Existenz eines Schöpfers leugnet, finden wir Büsten und Statuen von Menschen, die prominent aufgestellt werden, um das Verlangen des Menschen zu befriedigen, zu etwas emporzublicken, das größer ist als er selbst. Manche Gesellschaften sind vom Anbeten des Schöpfers zum Verehren von Menschen wie Lenin oder Marx übergegangen. Im Westen ist die Lage nicht anders: Der Mensch verehrt oder bewundert oft Politiker, einflussreiche Geschäftsleute, Prominente, Mitglieder von Königshäusern oder sogar Sportler.
In a highly material and secular world many would deny the instinct of religiousness in man. The facts disagree with this opinion. Even in the most avowed of atheist societies, such as Communist Russia, where the creed of Communism denies the existence of a Creator we find busts and statues of men prominently displayed in order to satisfy man's desire to look up to something greater than him. Man has gone in some societies from the worship of the Creator to the worship of men like Lenin or Marx. In the West the situation is no different with man often worshipping or revering politicians, influential businessmen, celebrities, Royalty, or even sports personalities.
Eine solche Situation der menschlichen Anbetung ist letztlich nicht befriedigend, da alle Menschen gleichermaßen begrenzt und abhängig sind und der Mensch das endgültige Schicksal eines anderen Menschen nicht beeinflussen kann.
Such a situation of human worship is not ultimately satisfying as all men are equally limited and dependant and man cannot affect mans ultimate destiny.
Wir sehen, wie Politiker und Philosophen Fehler begehen, wie Geschäftsleute zuweilen scheitern, und kein Sportler vermag sein Schicksal zu verändern.
We see politicians and philosophers making mistakes, businessmen at times failing, and no sportsman could alter his destiny.
Wenn der Mensch seinen Instinkt für Religion befriedigen will, sollte er nur das verehren, was Macht über ihn hat und zu dem er letztlich zurückkehren wird. Gott zu verehren oder die Beziehung zu Gott zu heiligen bedeutet, dass der Mensch im Leben einen besonderen Schwerpunkt hat: die Anerkennung seiner Mängel und das Suchen nach Führung in allen Angelegenheiten des Lebens bei der einzigen Quelle mit absolutem Wissen und Verständnis. Allein den Schöpfer zu verehren, den, der absolutes Wissen und Macht besitzt, kann die einzig wahrhaft befriedigende Form der Anbetung sein, in voller Übereinstimmung mit dem Instinkt des Menschen für Religion. Anbetung oder die Verehrung anderer Menschen oder materieller Dinge wie Geld ist intellektuell schwach und befriedigt unsere Instinkte nicht.
If man is to satisfy his instinct for religion he should only revere that which has control over him, and to which he will ultimately return. To worship or sanctify the relationship with God means man has a particular focus in life, that of acknowledging his shortcomings, and seeking guidance for all matters in life from the only source with absolute knowledge and understanding. To worship only the Creator, the one with absolute knowledge and control can be the only truly satisfying form of worship, in full agreement with man's instinct for religion. Worship, or looking up to other men or material things like money is intellectually weak and doesn't satisfy our instincts.
Obwohl der Mensch durch seine instinktiven Gefühle an die Existenz Gottes glauben kann, kann dies unzuverlässig und gefährlich sein, da sich Gefühle ändern und Irrtümer in den Glauben und das Handeln einschleusen können. In der Geschichte finden wir viele Beispiele dafür, dass Menschen weit vom rechten Weg abkamen, indem sie an Hirngespinste oder Aberglauben glaubten oder Gott menschliche Eigenschaften zuschrieben, von einem Sohn Gottes sprachen, von einer Reinkarnation Gottes usw. All dies ist falsch und kann leicht zum Unglauben führen. Aus diesem Grund ist es für den Muslim verpflichtend, an die Existenz Gottes nicht allein durch instinktive Gefühle zu glauben, sondern mit Hilfe des Verstandes. Der Gläubige muss intellektuell von der Existenz Gottes überzeugt sein, andernfalls könnten sich die Glaubensgefühle nachteilig verändern. Vorstellungen, von denen Menschen überzeugt sind, ändern sich nicht, solange nicht ein stärkeres intellektuelles Argument vorgebracht wird. Daher ist der Gebrauch des Verstandes für ein dauerhaftes Verständnis und einen dauerhaften Glauben erforderlich.
Whilst man may believe in the existence of God through use of his instinctive emotions, this can be unreliable and dangerous as emotions change and can add errors to one's beliefs and actions. In history we see many examples of men going far astray in believing fantasies or superstitions, or attributing human qualities to God, talking of a son of God, God reincarnate etc. all of which is false and can lead easily to disbelief. For this reason it is obligatory for the Muslim to believe in the existence of God not solely through instinctive emotion, but with use of the mind. The believer must be intellectually convinced of the existence of God or else emotions of belief could be adversely changed. Concepts which people are convinced of will not change unless a stronger intellectual argument is brought, so use of the mind is required for a lasting understanding and belief.
„Siehe! In der Erschaffung der Himmel und der Erde und im Wechsel von Nacht und Tag sind wahrlich Zeichen für Menschen mit Verstand" (Qur'an 3:190)
"Behold! in the creation of the heavens and the earth, and the alteration of night and day, these are indeed signs for men of understanding" (Qur'an 3:190)
Der Koran enthält Hunderte von Versen, die den Menschen dazu anleiten, das Universum und die Schöpfung zu betrachten und tiefgründig darüber nachzudenken, ihre wechselseitigen Zusammenhänge zu beobachten und ihre Eigenschaften zu erkennen, die einen durch den Gebrauch des Verstandes und der Vernunft zum Glauben an den Schöpfer führen.
The Qur'an includes hundreds of verses directing man to look and contemplate deeply upon the universe and creation, to look at its interrelationships, and attributes which guide one to belief in the Creator, through use of the mind and ration.
Wahrlich, in der Erschaffung der Himmel und der Erde, im Wechsel von Nacht und Tag, in den Schiffen, die mit dem, was den Menschen nützt, auf dem Meer dahinfahren, im Wasser, das Allah vom Himmel herabsendet und wodurch Er die Erde nach ihrem Absterben wieder belebt, und in der Verbreitung allerlei Getiers darauf, in der Wendung der Winde und den Wolken, die zwischen Himmel und Erde dienstbar gehalten werden: darin sind Zeichen (der Herrschaft Allahs) für Menschen, die Verstand haben. (Koran 2:164)
"Lo in the creation of the heavens and the earth, and the difference of night and day, and the ships which run upon the sea with that which is of use to men, and the water which Allah sends down from the sky, thereby reviving the earth after its death, and dispersing all kinds of beasts therein, and (in) the ordinance of the winds, and the clouds obedient between heaven and earth: are signs (of Allah's sovereignty) for people who have sense." (Qur'an 2:164)
Die Existenz Gottes haben wir mit verstandesmäßigen und intuitiven Argumenten behandelt, indem wir sämtliche Belege heranzogen, die unserer Wahrnehmung zugänglich sind. Von diesem Standpunkt aus müssen wir die übrigen Glaubensgrundsätze (Aqeedah) hinterfragen und die Richtigkeit ihrer Artikel prüfen. Wir beginnen mit der Untersuchung der Frage der göttlichen Leitung. Was hat Gott uns gegeben, und welches Verfahren steht dem Menschen zur Verfügung, um seine Probleme zu lösen?
The existence of God we have covered using intellectual and instinctive arguments and by utilizing all evidences within our perception. From this position we need to question the rest of the creed (Aqeedah) and challenge the correctness of its articles. We start by examining the question of divine guidance. What has God given us, what is the mechanism for man to solve his problems?