Der Hintergrund
The Backdrop
Bevor man Al-Kawthar analysiert, ist es wichtig, kurz die Herausforderung des Qur'āns, das sprachliche Umfeld, in dem er offenbart wurde, sowie die literarische Wirkung und die Autorität des Buches zu erläutern.
Before analysing Al-Kawthar it is important to briefly explain the challenge of the Qur’ān, the linguistic environment in which it was revealed, and the book’s literary impact and authority.
Die Herausforderung
The Challenge
Mehrere Verse des Qur'ān drücken ein Taḥaddī an seine Leser aus. Das arabische Wort Taḥaddī bedeutet wörtlich „Herausforderung". Nach Ansicht vieler Gelehrter beziehen sich diese Verse auf die sprachliche und literarische Unnachahmlichkeit des Qur'ān, die im Zentrum des Anspruchs des Qur'ān steht, göttlichen Ursprungs zu sein. Der Qur'ān sagt:
Several verses in the Qur’ān express a Taḥaddī to its readers. The word Taḥaddī in Arabic literally means “Challenge”. According to many scholars, these verses refer to the linguistic and literary inimitability of the Qur’ān, which lies at the heart of the Qur’ān’s claim to being of Divine origin. The Qur’ān states:
„Wenn ihr über das zweifelt, was Wir Unserem Diener offenbart haben, dann bringt eine Sure hervor, die dem gleicht. Und ruft eure Helfer an, außer Allah, wenn ihr wahrhaftig seid.“6.
“If you are in doubt of what We have revealed to Our messenger, then produce one chapter like it. Call upon all your helpers, besides Allah, if you are truthful.”6.
Und.
And.
„Oder sagen sie, er habe ihn erdichtet? Nein, sie glauben nicht. Sollen sie doch eine Rede wie diese hervorbringen, wenn sie wahrhaftig sind.“ 7.
“Or do they say he fabricated the message? Nay, they have no faith. Let them produce a recital like it, if they speak the truth.”7.
Die einzigartigen literarischen und sprachlichen Merkmale des Qur'ān wurden von Muslimen genutzt, um eine Reihe von Argumenten vorzubringen, die ihren Glauben stützen, dass das Buch göttlichen Ursprungs ist.
The unique literary and linguistic features of the Qur’ān have been used by Muslims to articulate a number of arguments to substantiate their belief that the book is from the Divine.
Die Unnachahmlichkeit des Qur'ān entwickelte sich zu der muslimisch-theologischen Lehre von al-i'jāz al-Qur'ān. Das Wort i'jāz ist ein Verbalnomen, das „Wundersamkeit" bedeutet und vom Verb a'jaza abgeleitet ist, welches bedeutet: „etwas nicht zu tun, unfähig zu werden oder zu sein, machtlos, ohnmächtig oder außerstande zu werden, etwas auszuführen."8.
The inimitability of the Qur’ān developed into the Muslim theological doctrine of al-i‘jāz al-Qur’ān. The word i‘jāz is a verbal noun that means ‘miraculousness’ and comes from the verb a‘jaza, which means: “to fail to act, to be or become incapable of, to become powerless, impotent or unable to carry out something.”8.
Nach der Auffassung zahlreicher klassischer Koranexegeten fordern die verschiedenen Verse, die zur Herausforderung auffordern, ein Kapitel wie dieses hervorzubringen, die sprachkundigen Gelehrten jeder Epoche kühn dazu auf, die sprachlichen und literarischen Merkmale des Qur’ān nachzuahmen.9 Die Mittel, die zur Bewältigung dieser Herausforderung nötig sind, sind die endlichen grammatikalischen Regeln, die literarischen und sprachlichen Stilmittel sowie die Buchstaben, aus denen die arabische Sprache besteht; dies sind unabhängige Maßstäbe, die allen zur Verfügung stehen. Jalāl al-Dīn al-Suyūṭī, ein produktiver Schriftsteller und Gelehrter des 15. Jahrhunderts, fasst diesen Punkt zusammen:
According to numerous classical Qur’ānic commentators, the various verses that issue a challenge to produce a chapter like it daringly call for the linguistic experts of any era to imitate the Qur’ān’s linguistic and literary features.9 The tools needed to meet this challenge are the finite grammatical rules, literary and linguistic devices, and the letters that comprise the Arabic language; these are independent measures available to all. Jalal al-Din al-Suyūṭī, a prolific 15thcentury writer and scholar, summarises this point:
„…als der Prophet ihnen die Herausforderung überbrachte, waren sie die wortgewandtesten Redner, und so forderte er sie heraus, etwas dem Qur’ān Gleichkommendes hervorzubringen ﷺ. Viele Jahre vergingen, und sie waren nicht dazu imstande, so wie Gott sagt: {Sollen sie denn eine ähnliche Rede vorbringen, wenn sie wahrhaftig sind?} (Q.52:34). Danach forderte er sie heraus, zehn Suren ähnlicher Art hervorzubringen, wobei Gott sagt: {Sprich: So bringt zehn gleichartige Suren hervor und ruft an, wen ihr außer Gott rufen könnt, wenn ihr wahrhaftig seid.} Danach forderte er sie heraus, auch nur eine einzige [Sure] hervorzubringen, wobei Gott sagt: {Oder sprechen sie: Er hat es erdichtet? Sprich: So bringt eine erdichtete Sure gleicher Art hervor und ruft an, wen ihr außer Gott rufen könnt, wenn ihr wahrhaftig seid.} (Q.11:13). Als sie [die Araber] nicht in der Lage waren, auch nur eine einzige Sure gleicher Art hervorzubringen, obwohl es unter ihnen die wortgewandtesten Redner gab, verkündete [der Prophet] offen ihr Versagen und ihre Unfähigkeit [, die Herausforderung zu bestehen], und erklärte die Unnachahmlichkeit des Qur’ān. Dann sprach Gott: {Sprich: Wenn sich die Menschen und die Dschinn zusammentäten, um etwas dem Qur’ān Gleichkommendes hervorzubringen, sie würden es nicht hervorbringen können, selbst wenn sie einander beistünden.} (Q.17:88).10
“…when the Prophet brought [the challenge] to them, they were the most eloquent rhetoricians so he challenged them to produce something like the Qur’ān, and many years passed and they were unable to do so as God says, Let them then produce a recitation similar to it, if indeed they are truthful (Q.52:34). Then, [the Prophet] challenged them to produce 10 chapters like it where God says, Say, bring then ten chapters like it and call upon whomever you can besides God, if you are truthful. Then, he challenged them to produce a single [chapter] where God says, Or do they say he [i.e. the Prophet] has forged it? Say, bring a forged chapter like it and call upon whomever you can besides God, if you are truthful(Q.11:13). When the [Arabs] were unable to produce a single chapter like [the Qur’ān] despite there being the most eloquent rhetoricians amongst them, [the Prophet] openly announced the failure and inability [to meet the challenge] and declared the inimitability of the Qur’ān. Then God said, Say, if all of humankind and the jinn gathered together to produce the like of the Qur’an, they could not produce it—even if they helped one another (Q.17:88).”10
Die arabischen Meister der Dichtkunst und Literatur des 7. Jahrhunderts waren nicht in der Lage, auch nur annähernd etwas wie den Qur'ān hervorzubringen. Sie waren machtlos und unfähig, etwas Vergleichbares zu schaffen. Dass er seit seiner ersten Offenbarung nicht erreicht wurde, überrascht die meisten Gelehrten, die mit der arabischen Sprache und den stilistischen Merkmalen des Qur'ān vertraut sind, nicht. Diese Schlussfolgerung wird in diesem Aufsatz anhand der literarischen und sprachlichen Analyse der kürzesten Sure des Qur'ān untermauert.
The Arab poetic and literary masters of the 7th century failed to produce anything like that of the Qur’ān. They were powerless and incapable of producing anything like it. The fact that it has not been matched since it was first revealed, does not surprise most scholars familiar with the Arabic language and the stylistic features of the Qur’ān. This conclusion will be substantiated in this essay with the literary and linguistic analysis of the Qur’ān’s shortest chapter.
Die sprachliche Umgebung
The Linguistic Environment
Den Kontext der Herausforderung zu verstehen, ist von großer Bedeutung, um die Unnachahmlichkeit des Qur'ān zu würdigen. Der Qur'ān stellte diese Herausforderung den größten Sprachkennern des Arabischen, den Arabern des 7. Jahrhunderts. Dass sie den Gipfel der Beredsamkeit erreicht hatten, wird von vielen Gelehrten bestätigt.
Understanding the context of the challenge is significant in appreciating the Qur’ān’s inimitability. The Qur’ān posed this challenge to the greatest Arabic linguists; the 7th century Arabs. The fact that they reached the peak of eloquence is affirmed by many scholars.
Laut dem Biographen der Dichter aus dem 9. Jahrhundert, al-Ǧumaḥī, war der Vers für die Araber das Verzeichnis alles dessen, was sie wussten, und der äußerste Umfang ihrer Weisheit; mit ihm begannen sie ihre Angelegenheiten, und mit ihm beendeten sie sie.11 Der Gelehrte Ibn Ḫaldūn aus dem 14. Jahrhundert hebt die Bedeutung der Dichtung im arabischen Leben hervor: „Man muss wissen, dass die Araber die Dichtung als eine Form der Rede hoch schätzten. Daher machten sie die Dichtung zum Archiv ihrer Geschichte, zum Beweis für das, was sie für richtig und falsch hielten, und zur wichtigsten Grundlage des Bezugs für die meisten ihrer Wissenschaften und ihrer Weisheit.“12
According to 9th century biographer of the poets, Al-Jumaḥī, “Verse was to the Arabs the register of all they knew, and the utmost compass of their wisdom; with it they began their affairs, and with it they ended them.”11 14th century scholar Ibn Khaldūn highlights the importance of poetry in Arab life: “It should be known that Arabs thought highly of poetry as a form of speech. Therefore, they made poetry the archives of their history, the evidence for what they considered right and wrong, and the principal basis of reference for most of their sciences and wisdom.”12.
Sprachliche Fähigkeit und Sprachkunst waren ein äußerst einflussreiches Merkmal des sozialen Umfelds der arabischen Welt im 7. Jahrhundert. Der Literaturkritiker und Historiker Ibn Rashīq veranschaulicht dies: „Wenn in einem arabischen Stamm ein Dichter aufstieg, kamen die anderen Stämme, um zu gratulieren, es wurden Festmahle bereitet, die Frauen versammelten sich mit Lauten, wie sie es bei Hochzeiten tun, und alte wie junge Männer freuten sich alle über die gute Nachricht. Die Araber gratulierten einander nur zur Geburt eines Kindes und dann, wenn ein Dichter unter ihnen aufstieg.“13 Der Gelehrte Ibn Qutayba aus dem 9. Jahrhundert beschrieb die Dichtung so, wie die Araber sie sahen: „Das Bergwerk des Wissens der Araber, das Buch ihrer Weisheit … der wahrhaftige Zeuge am Tag des Streits, der endgültige Beweis zur Zeit der Auseinandersetzung.“14
Linguistic ability and expertise were a highly influential feature of the 7th century Arab social environment. The literary critic and historian Ibn Rashīq illustrates this: “Whenever a poet emerged in an Arab tribe, other tribes would come to congratulate, feasts would be prepared, the women would join together on lutes as they do at weddings, and old and young men would all rejoice at the good news. The Arabs used to congratulate each other only on the birth of a child and when a poet rose among them.”13 9th century scholar Ibn Qutayba defined poetry as the Arabs saw it: “The mine of knowledge of the Arabs, the book of their wisdom… the truthful witness on the day of dispute, the final proof at the time of argument.”14.
Linguistische und literarische Autorität und Wirkung
Linguistic and Literary Authority and Impact
Es ist wichtig festzuhalten, dass nicht nur muslimische, sondern auch nichtmuslimische Gelehrte nicht bestreiten, dass der Koran eine Autorität in der arabischen Literatur ist und einen beispiellosen Einfluss ausgeübt hat. So schreiben beispielsweise Wadad Kadi und Mustansir Mir:
It is important to note that non-Muslim and Muslim scholars do not contend that the Qur’ān is an authority in Arabic literature and has had an unparalleled influence. For instance, Wadad Kadi and Mustansir Mir state:
„Obwohl das Arabische als Sprache und literarische Tradition zur Zeit der prophetischen Tätigkeit Muhammads ﷺ bereits recht gut entwickelt war, erreichte die Sprache erst nach dem Aufkommen des Islam mit seiner in arabischer Sprache verfassten Grundschrift ihre höchste Ausdruckskraft, und die Literatur ihren höchsten Grad an Komplexität und Raffinesse. Es ist tatsächlich wohl keine Übertreibung zu sagen, dass der Qur'an eine der auffälligsten Kräfte bei der Entstehung der klassischen und nachklassischen arabischen Literatur war.“19.
“Although Arabic, as a language and a literary tradition, was quite well developed by the time of Muhammad’s prophetic activity, it was only after the emergence of Islam, with its founding scripture in Arabic, that the language reached its utmost capacity of expression, and the literature its highest point of complexity and sophistication. Indeed, it probably is no exaggeration to say that the Qur’an was one of the most conspicuous forces in the making of classical and post-classical Arabic literature.”19.
Der einzigartige und unvergleichliche Gebrauch der arabischen Sprache im Qur'ān war die Ursache für die dramatische geistige Erneuerung der Wüstenaraber, und nach dreizehn Jahren seit der ersten Offenbarung wurde er zur grundlegenden Referenz für eine neue Zivilisation. Diese unnachahmliche Rede, der Qur'ān, wurde zur einzigartigen Quelle der politischen, philosophischen und spirituellen Weltanschauung der neuen Zivilisation. David Margoliouth, der Professor für Arabistik an der Universität Oxford war, erläutert diesen Einfluss des Qur'ān:
The Qur’ān’s unique and unparalleled use of the Arabic language was the cause of the dramatic intellectual revival of desert Arabs, and after thirteen years of the first revelation, it became the foundational reference for a new civilisation. This inimitable speech, the Qur’ān, became the unique source of the new civilisation’s political, philosophical, and spiritual outlook. David Margoliouth, who was a Professor of Arabic at University of Oxford, explains this impact of the Qur’ān:
„Der Koran [sic] nimmt unbestreitbar eine bedeutende Stellung unter den großen religiösen Büchern der Welt ein. Obwohl er das jüngste der epochemachenden Werke dieser Literaturgattung ist, steht er keinem anderen nach, was die wunderbare Wirkung betrifft, die er auf große Massen von Menschen ausgeübt hat. Er hat eine nahezu neue Phase des menschlichen Denkens und einen neuen Typus von Charakter hervorgebracht. Er verwandelte zunächst eine Anzahl heterogener Wüstenstämme der Arabischen Halbinsel in eine Nation von Helden und schuf dann die weitreichenden politisch-religiösen Organisationen der muslimischen Welt, die heute eine der großen Kräfte sind, mit denen Europa und der Osten zu rechnen haben.“20.