Einleitung
Introduction
Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten. Segen und Frieden mögen auf dem edelsten der Propheten und Gesandten ruhen, unserem Propheten Muhammad ﷺ, auf seiner Familie und auf allen seinen Gefährten. Einer der schönsten Momente meines Lebens war, als ich den ersten Entwurf meines Buches meinen geliebten Eltern als Geschenk überreichte. Mit diesem neuen Buch fand ich Freude und Wohlgefallen an ihren Worten und Beobachtungen. In Wahrheit sind meine Bemühungen ihre Bemühungen, denn ein Kind ist nichts anderes als eine Verlängerung seiner Eltern. Ich sage dies, um auf Allahs Gunst mir gegenüber hinzuweisen. Vieles von meinem geistigen Schaffen wäre nicht zustande gekommen, wäre es nicht für ihre Unterstützung, ihre Ermutigung und ihre Anleitung. Ich bitte Allah, mich mit ihrem Wohlgefallen zu ehren und ihr Leben an guten Taten zu vermehren. Es ist eine Gewohnheit von mir, sie in jedes Buch einzubeziehen, das ich geschrieben habe. Eine Ausnahme gab es jedoch. Sein Thema und sein Titel lösten bei meinen Eltern Widerspruch aus. Es war ein Widerspruch, der von Überraschung und einer gewissen Empörung gefärbt war. Ihre Überraschung wurde durch das Feuer des Glaubens entfacht, das in ihnen brannte, und durch die Verurteilung eines gefährlichen Musters theologischer Abweichung. Es war, als sagten sie: „Was hat unseren Sohn in dieses Labyrinth geführt?“ Dieses Buch war Die atheistische Miliz. Diese Situation erinnerte mich an eine Geschichte. Ein führender Gelehrter der dialektischen Theologie (kalām) ging einen Weg entlang, gefolgt von Dutzenden Schülern. Eine alte Frau fragte: „Wer ist das?“ Man antwortete ihr: „Kennst du ihn wirklich nicht? Das ist der Mann, der tausend Beweise für die Existenz Allahs vorgebracht hat!“ Sie sagte: „Mein Sohn, wäre er nicht von tausend Zweifeln geplagt, hätte er nicht tausend Beweise nötig!“ Als ihre Worte dem Gelehrten zurückgetragen wurden, sagte er: „O Allah, ich bitte Dich um einen Glauben an Dich wie den der alten Frauen.“1
All praise is for Allah, Lord of the Worlds. May benediction and peace be upon the most honoured of the Prophets and Messengers, our Prophet Muhammad, his family, and all his Companions. One of the loveliest moments in my life was when I presented the first draft of my book as a gift to my beloved parents. With this new book, I found happiness and pleasure in their words and observations. In reality, my efforts are their efforts, as a child is but an extension of its parents. I say this to point out Allah’s favour upon me. Much of my intellectual output would not have happened were it not for their support, encouragement, and supervision. I ask Allah to honour me with their pleasure, and that He increases their age in good deeds. Involving them with every book I have written has been a habit of mine. There was an exception though. Its topic and title evoked a pushback from my parents. It was a pushback that was coloured with surprise and an indignation of sorts. Their surprise was spurred by the fire of faith that burned in them, and the denunciation of a dangerous pattern of theological deviance. It was as if they were saying, ‘What is it that landed our son in this maze?’ That book was The Atheist Militia. This situation reminded me of a story. A leading scholar of dialectic theology (kalām) was walking along a path, followed by dozens of students. An elderly woman asked, ‘Who is this?’ It was put to her, ‘Do you really not know? This is the man who has put forth a thousand proofs for the existence of Allah!’ She said, ‘My son, if he was not afflicted by a thousand doubts, he would not have been in need for a thousand proofs!’ When her words were related back to the scholar, he said, ‘O Allah, I ask for faith in You like that of elderly women.’1
Aus den genannten Gründen bin ich von Anfang an begeistert, dem Leser zu offenbaren, dass ich leidenschaftlich davon überzeugt bin, dass die Anerkennung Allahs, das Bekenntnis zu Seiner Einheit und die Erkenntnis unseres Bedürfnisses nach Ihm zutiefst angeborene und natürliche Veranlagungen des Menschen sind. Dieser Zustand entspricht am ehesten der Natur des Menschen und führt zu innerem Frieden und Zufriedenheit. Ohne ihn wäre das Leben ohne Sinn, und viele existenzielle Fragen der Menschheit blieben unbeantwortet, ja, sie hätten überhaupt keine Antwort. Es scheint, dass die Festigkeit dieser Erkenntnis und der Einfluss, den sie auf die Seele hatte, weitreichender sind, als ich zunächst dachte. Vor vielen Jahren stieß ich auf eine Aussage von Ibn Taimiyya, die ich damals für überraschend hielt, in der er die Existenz dieser natürlichen Veranlagung der Seele zur Erkenntnis des Göttlichen zusammen mit selbstverständlichen und rationalen Positionen erörterte. Er sagt: „Das grundlegende Wissen um das Göttliche ist sowohl natürlich als auch notwendig. Es ist in den Seelen fester verankert als die Grundlagen der Mathematik, etwa ‚Eins ist die Hälfte von zwei‘, oder die Grundlagen des Naturwissens, etwa ‚Ein Körper kann nicht gleichzeitig an zwei Orten existieren‘. Denn solche Wissensinhalte sind Aussagen, die die angeborenen Veranlagungen der meisten Menschen außer Acht lassen können. Beim Wissen um das Göttliche jedoch ist es undenkbar, dass irgendeine natürliche Veranlagung es außer Acht lassen könnte.“2
For the aforementioned reasons, right from the outset I am enthused to reveal to the reader that I fervently believe that recognising Allah , acknowledging His oneness, and recognising our need for Him are deeply innate and natural human dispositions. It is this state that is most aligned with the nature of man, leading to inner peace and contentment. Without it, life would be without meaning, and many existential questions on humanity would remain unanswered. In fact, they would have no answer at all. It seems that the firmness of this recognition and the influence it had on the soul is more sweeping than I first thought. Many years ago, I came across what I considered back then to be a surprising statement by Ibn Taymiyyah, where he discussed the existence of this natural predisposition of the soul in recognising the Divine, in conjunction with self-evident and rational positions. He states, ‘The core knowledge of the Divine is both natural and necessary. It is more firmly established in the souls than the fundamentals of mathematics such as “One is half of two”, or the fundamentals of natural knowledge such as “A body cannot simultaneously exist in two places”. This is because such items of knowledge are expressions that the innate predispositions of most people can disregard. As for the knowledge of the Divine, it is unimaginable that any natural predisposition is able to disregard it.’2
Als ich diese Passage zum ersten Mal las, fragte ich mich: „Ist die Verwurzelung des Glaubens an das Göttliche stärker als diese Beispiele? Ich kann es einfach nicht so sehen! Auch wenn ich anerkenne, dass die Erkenntnis Allahs uns angeboren ist, warum empfinde ich sie nicht als so stark wie jene offensichtlichen Beispiele?“ Einige Schwierigkeiten dieser Frage lösten sich für mich einige Jahre später. Das geschah, nachdem das vollständige Werk Ibn Taymiyyahs, das enzyklopädische Buch Bayān Talbīs al-Jahmiyyah, erschienen war. Darin stieß ich auf eine ausgezeichnete Passage, in der er den angeborenen Glauben an die Erhabenheit Allahs über Seine Schöpfung behandelt: „Dieses Wissen haftet an ihren Seelen. Es lässt sich von ihr nicht trennen, nicht mehr als das instinktive Wissen über greifbare und natürliche Dinge, etwa ‚Eins ist ein Drittel von Drei‘ oder ‚Ein Körper kann nicht zugleich an zwei Orten existieren‘. Denn Letzteres ist ein Wissen, das sie schlicht nicht brauchen; tatsächlich kommt es einem Menschen womöglich nie in den Sinn. Was das Wissen um die Erhabenheit Allahs betrifft, so sage ich: Die Menschen brauchen es nicht nur, sondern sie bedürfen auch dessen, was es mit sich bringt und bedeutet, nämlich des Bittgebets, des Flehens, der Selbsterniedrigung und der Demut vor dem Göttlichen – dem Erhabenen, Den man anruft.“3
When I first saw this passage, I asked myself, ‘Is the entrenchment of belief in the Divine stronger than these examples? I just cannot see it this way! Though I acknowledge that recognising Allah is innate to us, why is it that I do not feel that it is as strong as those self-evident examples?’ Some complexities of this issue were resolved for me a few years later. This was after the full publication of Ibn Taymiyyah’s encyclopaedic book Bayān Talbīs al-Jahmiyyah, in which I came across an excellent passage where he discussed the belief of the innately understood highness of Allah over His creation: ‘This knowledge clings onto their souls. It cannot be separated from it any more than the instinctive knowledge of tangibles and natural matters, such as “One is a third of three”, and “A body cannot simultaneously exist in two places”. This is because the latter is knowledge that they simply do not need; in fact, it may never even occur to a person. As for the knowledge of the highness of Allah, I would say that – in addition to people needing it – people are also in need of what it necessitates and means, which is supplication, asking, self-effacement, and humility unto the Divine – the One Above Who is being invoked.’3
Das Zusammenspiel von Wissen und Handeln in der Erkenntnis des Göttlichen ist ein Aspekt, der die Stärke dieses Verständnisses zeigt, im Vergleich zu jenen anderen, nicht handlungsbezogenen Informationen, die der Mensch im Lauf seines alltäglichen Lebens nicht immer im Gedächtnis behält. Ibn Taymiyyah betont dies auf der nächsten Seite: „Was die Erkenntnis des Göttlichen betrifft, so ist sie weit größer und ehrenvoller, denn es ist für die Kinder Adams notwendig, sich Ihm zuzuwenden, sowohl im Wissen als auch in der Absicht. Dazu wurden sie veranlagt. Das angeborene Vorhandensein dieses instinktiven Wissens und dieser Absicht ist weit tiefer verankert als das Vorhandensein anderer Informationen.“4
The knowledge-action duet vis-à-vis recognising the Divine is one aspect that represents the strength of this understanding, compared to those other non actionable pieces of information that man may not always recollect as he grinds on with daily life. This is underscored by Ibn Taymiyyah on the next page: ‘As for knowing the Divine, it is far greater and more honourable, as it is necessary for the children of Adam in terms of both knowledge and intent to turn to Him. They were predisposed for this. The innate existence of this instinctive knowledge and intent is far more entrenched than the existence of other information.’4
Mit noch deutlicheren Worten sagte er wenige Seiten später: „Allah, verherrlicht sei Er, hat Seine Diener zu zwei Dingen veranlagt: dass ihre Herzen Ihn im Wissen bejahen, und dass sie Ihn in der Praxis, im Gottesdienst und im Bitten um Beistand lieben und sich vor Ihm demütigen. Sie sind somit dazu veranlagt, Ihn zu erkennen und um Seinetwillen zu handeln.“5 Dennoch blieb ich im Unklaren darüber, inwieweit die Anerkennung des Göttlichen in der Seele verankert ist. Das änderte sich, als ich auf folgende Passage aus Ibn Taymiyyahs Antwort stieß: „Es ist bekannt, dass die Stärke der Anziehung zu umstrittenem Wissen nicht jener Anziehung zu unbestrittenem Wissen gleicht. Die Anziehung zu Erkenntnissen wie der Infinitesimalrechnung oder der Naturwissenschaft – etwa ‚Eins ist die Hälfte von zwei‘, ‚Ein Körper kann nicht gleichzeitig an zwei Orten sein‘ und dergleichen – ist in den Herzen nicht so tief verwurzelt, und es gibt auch keinen starken Widerstand dagegen.“6 Und so verhält es sich auch. Die verschiedenen Zweifel, die gegen Allah erhoben werden – und die den Menschen von seiner angeborenen Veranlagung abbringen oder sie schwächen können –, sind weit zahlreicher als die Einwände gegen andere Wissenschaften. Man könnte daher meinen, die Wissenschaften seien offensichtlicher als Allah. Wären jedoch die Seelen der Menschen rein und jene äußeren Ablenkungen aus dem Spiel, dann wäre die Erkenntnis Allahs mit Gewissheit weit stärker und tiefer verankert als das Wissen der Wissenschaften.
In more explicit terms, he went on to say just a few pages later, ‘Allah, Glory to Him, predisposed His servants to two things: that their hearts affirm Him in terms of knowledge, and that they love Him and are humble in front of Him in terms of practice, worship, and seeking assistance. They are thus predisposed to having knowledge of Him and acting for His sake.5 However, I was still puzzled as to what extent recognition of the Divine was entrenched in the soul. This was until I came across the following passage from Ibn Taymiyyah’s response: ‘It is known that the strength of attraction to disputed knowledge is unlike that attraction to unopposed knowledge. The attraction to knowledge of concepts like calculus or nature – such as “One is half of two”, “A body cannot simultaneously be in two places”, and so on – is not as entrenched in the hearts, nor is there any strong opposition to it.’6 And this is how it is. The various doubts that are raised against Allah – which can potentially cause man to turn away from or weaken his innate predisposition – are far more than objections against other sciences. One therefore might feel that the sciences are more self-evident than Allah. However, if people’s souls were pure and those external distractions were taken out of the equation, it would have most certainly been the case that knowing Allah would be far stronger and entrenched than the sciences.
Aus der Sicht der Sequenzanalyse und des kognitiven Konstrukts muss die Anerkennung des Göttlichen der offensichtlichste aller rationalen Begriffe sein. Ohne die Anerkennung Seiner bliebe kein Raum, eine angeborene Erkenntnis zu bekräftigen, über ihre Ursprünglichkeit zu urteilen oder nahezulegen, dass sie über der Natur des Universums, der Materie und des Menschen steht. Der Zugang zur Bejahung jeder selbstverständlichen Wahrheit besteht darin, zuerst an Allah zu glauben. Ohne dies ist es unmöglich, eine kohärente philosophische Weltanschauung aufzubauen, die instinktive und angeborene Begriffe bejaht. Auf dieser Grundlage lässt sich verstehen, was Ibn al-Qayyim von seinem Lehrer berichtete, Allah erbarme sich ihrer beider. Er sagte: „Wie kannst du einen Beweis von jemandem verlangen, der selbst der Beweis für alles ist?“ Er (d. h. Ibn Taymiyya) pflegte häufig diesen Vers zu erwähnen:
From the viewpoint of the sequence analysis and cognitive construct, recognition of the Divine must be the most self-evident of all rational concepts. Without acknowledging Him, there would be no scope left to affirm any innate knowledge, to pass judgement on its instinctiveness, or to suggest that it is above and beyond the nature of the universe, matter, and man. The gateway to affirming any self-evident truth is to first believe in Allah . Without this, it is impossible to construct a coherent philosophical outlook that affirms instinctive and innate concepts. Based on this, one can understand what Ibn al-Qayyim reported from his teacher, may Allah have mercy on both of them. He said, ‘“How can you demand proof for someone who Himself is proof for everything?” He (i.e., Ibn Taymiyyah) used to frequently mention this couplet:
„Nichts kann in den Köpfen richtig sein, wenn der Tag einen Beweis verlangt.“7
“Nothing can be correct in the minds if the day requires proof.”7
Tatsächlich ist es, als würde man Kerzen anzünden, wenn wir an einem ohnehin hellen Tag nach einem Beweis für Allah fragen. Eine solche Szene würde Gelächter hervorrufen, nicht wahr? Doch was sollen wir tun, wenn wir gezwungen wurden, uns mit dieser Frage auseinanderzusetzen? Ein Leser mag fragen: „Warum diese Eile, dieses Thema hier, in der Einleitung des Buches, zu erörtern? Warum nicht die Diskussion dorthin verschieben, wo sie angemessener geführt werden kann und wo die Einzelheiten, Erklärungen und Beweise ordnungsgemäß dargelegt werden können?“ Der Beweggrund dafür ist, zu betonen, dass jede Untersuchung zur Existenz Allahs und die Darlegung ihrer wichtigsten Belege nicht als eine Frage behandelt werden darf, die ein Leser – auch unterbewusst – für strittig halten oder für die er annehmen könnte, sie erfordere eine ausführliche Abhandlung, um ihre Wahrheit zu beweisen. Dies gilt umso mehr, als dagegen Einwände erhoben werden. Viele Menschen lassen sich täuschen und glauben, dass das Zur-Debatte-Stellen einer Sache und ihre Unterwerfung unter Kritik ihre Schlüssigkeit schwäche und dass dieser Prozess die Angelegenheit zu einem legitimen Streitpunkt mache. Man bedenke den Zustand vieler Menschen gegenüber instinktiven und selbstevidenten Wahrheiten der Vernunft. Man sehe, was aus ihnen wurde, als sie mit Schulen der kognitiven Philosophie konfrontiert wurden, und wie der eigentliche Kern und die selbstevidenten Wahrheiten erschüttert wurden – nur weil diese Frage, wie jede andere, zum Gegenstand von Hin und Her wurde. Nachdem ich mich in viele dieser philosophischen Debatten gestürzt und mich intensiv mit ihnen beschäftigt habe, möchte ich das Fazit teilen, das ich daraus gezogen habe. Es ist nicht schwierig, abweichende Behauptungen aufzustellen, die an selbstevidenten und instinktiven Wahrheiten zweifeln lassen. Hält sich eine Person nicht an der selbstevidenten Natur der angegriffenen Sache fest, wird sie zwangsläufig in jene Art von Skepsis verfallen, die das Fundament untergraben kann, auf dem ein kohärentes und vernunftgemäßes Wissensgebäude ruht.
Indeed, when we ask for proof of Allah, it is as if we are lighting candles during an already bright day. Such a scene would provoke laughter, would it not? However, what are we supposed to do when we have been forced into a situation to clarify this? A reader may ask, ‘Why the haste in discussing this issue here, in the introduction of the book? Why not defer the discussion to where it can be more appropriately discussed and where the details, explanation, and proofs can be properly presented?’ The motivation for this is to underscore the notion that any research on the existence of Allah and offering up its most important evidence cannot be treated as an issue which a reader may even subconsciously deem to be contentious, or presume that it requires some lengthy discourse to prove its veracity. This is especially given that there are objections raised to it. Many people are duped into believing that offering up an issue for debate and subjecting it to critique weakens its conclusiveness, and that this process renders the issue into a point of legitimate debate. Consider the state of many people vis-à-vis instinctive and self-evident matters of rationality. Look at what became of them when they were exposed to schools of cognitive philosophy, and how the very core and self-evident truths were shaken – all just because this issue became one of to-and-fro, like any other. After barging shoulders and engrossing myself with many of those philosophical debates, I want to share the conclusion I have deduced. It is not difficult to construct deviant assertions that cast doubt on self-evident and instinctive truths. If a person does not hold on to the self-evident nature of the issue being objected to, he will invariably fall into the type of scepticism that can undermine the foundation upon which a coherent and rational knowledge structure rests.
„…der Vernunft, sonst hättest du bis zum heutigen Tage daran festgehalten. Nun, vielleicht gibt es über der Vernunft noch einen anderen Richter, der, wenn er erschiene, die Vernunft der Falschheit überführen würde, so wie die Vernunft uns widerlegt hat. Und wenn ein solcher dritter Schiedsrichter noch nicht sichtbar ist, folgt daraus nicht, dass er nicht existiert.‘ Auf dieses Argument wusste ich für einige Zeit keine Antwort; eine Überlegung, die sich aus den Erscheinungen des Schlafes ergab, vertiefte meinen Zweifel. „Siehst du denn nicht“, überlegte ich, „dass du im Schlaf deine Träume für unbestreitbar wirklich hältst? Einmal wach, erkennst du sie als das, was sie sind: haltlose Schimären. Wer kann dir also dafür bürgen, dass die Vorstellungen verlässlich sind, die du im Wachzustand aus den Sinnen und aus der Vernunft gewinnst? Für deinen gegenwärtigen Zustand mögen sie wirklich sein; es ist aber auch möglich, dass du in einen anderen Seinszustand eintrittst, der sich zu deinem gegenwärtigen Zustand so verhält, wie dieser sich zu deinem Zustand im Schlaf verhält. In jener neuen Sphäre wirst du erkennen, dass die Schlussfolgerungen der Vernunft nur Schimären sind.“ Dieser mögliche Zustand ist vielleicht jener, den die Sufis „Ekstase“ (ḥāl) nennen, das heißt, nach ihrer Auffassung ein Zustand, in dem sie, in sich versunken und in der Aufhebung der Sinneswahrnehmungen, Schauungen haben, die jenseits der Reichweite des Intellekts liegen. Vielleicht ist auch der Tod ein solcher Zustand, nach jenem Wort des Fürsten der Propheten ﷺ: „Die Menschen schlafen; wenn sie sterben, wachen sie auf.“ Unser gegenwärtiges Leben ist im Verhältnis zum Jenseits vielleicht nur ein Traum, und der Mensch wird nach dem Tod Dinge sehen, die dem direkt entgegengesetzt sind, was sich jetzt vor seinen Augen befindet; dann wird er jenes Wort des Qur’an verstehen: {Heute haben wir dir den Schleier von den Augen genommen, und dein Blick ist scharf.} Solche Gedanken drohten meine Vernunft zu erschüttern, und ich suchte einen Ausweg aus ihnen. Doch wie? Um den Knoten dieser Schwierigkeit zu lösen, war ein Beweis nötig. Ein Beweis aber muss auf ersten Voraussetzungen beruhen, und gerade an diesen zweifelte ich. ‘Dieser unglückliche Zustand dauerte etwa zwei Monate, während derer ich – nicht zwar ausdrücklich oder von Berufs wegen, wohl aber moralisch und im Wesen nach – ein durch und durch Skeptiker war.’ ‘Gott gewährte mir schließlich, mich von dieser geistigen Krankheit zu heilen; mein Verstand gewann Vernunft und Gleichgewicht zurück: Die grundlegenden Voraussetzungen der Vernunft erlangten mit mir all ihre Strenge und Kraft wieder. Meine Befreiung verdankte ich nicht einer Verkettung von Beweisen und Argumenten, sondern dem Licht, das Gott in mein Herz dringen ließ – dem Licht, das die Schwelle aller Erkenntnis erhellt. Anzunehmen, Gewissheit könne nur auf formalen Argumenten beruhen, hieße, die grenzenlose Barmherzigkeit Gottes zu beschränken. Jemand fragte den Propheten ﷺ nach der Erklärung dieser Stelle im Göttlichen Buch: „Gott öffnet für den Islam das Herz dessen, den Er zu leiten erwählt.“ „Damit ist das Licht gemeint“, antwortete der Prophet ﷺ, „das Gott in das Herz strahlen lässt.“ „Und wie kann der Mensch dieses Licht erkennen?“, wurde er gefragt. „An seiner Abkehr von dieser Welt der Täuschung und an einer verborgenen Hinwendung zur ewigen Welt“, antwortete der Prophet ﷺ. Bei einer anderen Gelegenheit sagte er ﷺ: „Gott hat Seine Geschöpfe in Finsternis erschaffen und dann Sein Licht auf sie geworfen.“ Mit Hilfe dieses Lichtes muss die Suche nach der Wahrheit betrieben werden. Da dieses Licht durch Seine Barmherzigkeit von Zeit zu Zeit unter die Menschen herabkommt, müssen wir unablässig darauf achten. Dies wird auch durch einen anderen Ausspruch des Gesandten ﷺ bestätigt: „Gott sendet euch zu bestimmten Zeiten Hauche Seiner Gnade; seid bereit für sie.“ Mein Ziel bei dieser Schilderung ist es, anderen verständlich zu machen, mit welchem Ernst wir nach der Wahrheit suchen sollten, da sie zu Ergebnissen führt, von denen wir nie geträumt hätten. Grundlegende Voraussetzungen müssen nicht gesucht werden, denn sie sind stets in unserem Geist gegenwärtig; wenn wir uns auf eine solche Suche begeben, finden wir nur, dass sie sich beharrlich unserem Zugriff entziehen. Wer jedoch seine Untersuchung über die gewöhnlichen Grenzen hinaustreibt, ist vor dem Verdacht der Nachlässigkeit in der Verfolgung dessen, was in seiner Reichweite liegt, sicher.’ 10 Man kann in dem Schluss dieser Passage eine Reihe von Lehren und Weisheiten finden.
Dies ist die zentrale Idee des Buches. Ich hoffe, dass es seine Ziele erreicht, ohne sich in jene Art von Polemik zu verlieren, die von der Art, wie sich der Atheismus heute tatsächlich zeigt, losgelöst ist. Ziel ist es nicht, die alten theologischen oder philosophischen Argumente vorzustellen oder zu diskutieren, mit denen das Dasein Allahs begründet wurde, etwa das Argument aus der Zeitlichkeit der Körper, das Argument aus der Zusammensetzung, das Argument aus dem besonderen Design oder die Debatten, die sich um diese ranken. Vielmehr soll eine Auseinandersetzung geführt werden, die auf den heutigen Diskurs ausgerichtet ist. Es sind genau jene Gespräche, die ich mit einigen jungen Menschen von heute geführt habe, die vom atheistischen Diskurs beeinflusst wurden. Zudem geht es um die Untersuchung vieler Zweifel und Einwände, die zeitgenössische Atheisten vorbringen. Ich soll den Leserinnen und Lesern nicht verschweigen, dass ich persönlich große Begeisterung dafür hege, die sunnitische dialektische Theologie zu verteidigen, und zwar auf der Grundlage dessen, was in den sunnitischen Büchern und in den Debatten sunnitischer Gelehrter zu diesem Thema überliefert ist, insbesondere in den Schriften von Shaykh al-Islām Ibn Taymiyyah. Dennoch werde ich mich bemühen, meine starken Überzeugungen zugunsten des Sunnismus zu zügeln, um Material und Gedanken anzubieten, die, so hoffe ich, klar, leicht verständlich, erfrischend und für die breitere Gesellschaft nützlich sind. Zum Schluss möchte ich meiner geliebten Ehefrau und meinen geliebten Töchtern – Munā, Fāṭimah, Shaykah und Balsam – meine Hochachtung erweisen für ihre großen Opfer und ihre Geduld, die es mir ermöglicht haben, diese Forschung abzuschließen. Möge Allah ihnen in meinem Namen den besten Lohn gewähren. Ich danke Dr. Ibrāhīm al-Rammāḥ für die Durchsicht des Manuskripts vor der Veröffentlichung und für sein ausgezeichnetes Feedback – möge Allah ihm Lohn und Vergeltung bestimmen. Ich bitte Allah, uns alle zum Guten zu befähigen und zu gewähren, dass die Wahrheit aus unseren Herzen und von unserer Zunge strömt. Er ist der Beste, den man darum bittet.
So this is the central idea of the book. I hope it will achieve its aims without delving into the type of polemic that is detached from how atheism actually manifests itself today. The purpose is not to present or discuss the old theological or philosophical arguments used to establish Allah’s existence, such as the argument from the temporality of bodies, argument from composition, argument from special design, or the discussions surrounding these. Rather, the aim is to have a discussion that is aligned to the discourse occurring today. They are the types of discussions I have been having with some of today’s youth who have been impacted by atheist discourse. It is also the study of many of the doubts and objections raised by contemporary atheists. I should not hide from the readership that, personally speaking, I am highly enthusiastic about defending Sunni dialectic theology, and by what is recorded in the Sunni books and debates by Sunni scholars on this subject, especially the writings of Shaykh al-Islam Ibn Taymiyyah . However, I will try to curb my strong views in favour of Sunnism to offer material and ideas that I hope will be clear, easy to understand, refreshing, and beneficial to wider society. I end this introduction by paying homage to my beloved wife and my beloved daughters – Munā, Fāṭimah, Shaykah, and Balsam – for their great sacrifices and patience that have allowed me to complete this research. May Allah grant them the best of rewards on my behalf. I thank Dr. Ibrāhīm al-Rammāḥ for reviewing the pre-publication draft, and for his excellent feedback – may Allah decree reward and recompense for him. I ask Allah to grant us all the ability for good, and that He allow the truth to emanate from our hearts and tongues. He is the best requestee.
1 Diese Geschichte wird gemeinhin Rāzī zugeschrieben, doch konnte ich ihre Quelle nicht verlässlich nachweisen. Ich erwähne sie nur wegen der Lehre, die sie bietet, und um darauf hinzuweisen, dass sie einen beträchtlichen Teil Wahrheit enthält: Sie erinnert daran, dass die Erkenntnis Allahs dem Menschen angeboren ist und keines besonderen Beweises bedarf, vor allem bei denjenigen, deren fiṭrah unversehrt geblieben ist. In Rāzīs Eintrag in Ibn Ḥajars Lisān al-Mīzān (6/319) heißt es: „Obwohl er in den religiösen Grundlagen tief bewandert war, pflegte er zu sagen: ‚Wer am Glauben der alten Frauen festhält, der wird erfolgreich sein.‘“ Die Religion der alten Frauen wäre nur für diejenigen eine lobenswerte Eigenschaft, deren Glaubenserwerb auf dem Weg der fiṭrah erreicht werden kann. In Nafkh al-Ṭīb min Ghuṣn al-Andalus al-Raṭīb (5/263) heißt es: „Fārābī (Alpharabius) rief häufig aus: ‚O mein Herr, zu Dir klage ich‘, und zwar so oft, dass sich dies in vielen Stellen seiner Rede fand, die dafür gar nicht passend waren, sodass Menschen, die mit seiner Redeweise nicht vertraut waren, überrascht wurden. Er sagte: ‚Mir wurde berichtet, dass Fakhr (Rāzī) an einem Sufi-Scheich vorüberging. Man sagte dem Scheich: ‚Dieser Mann kann tausend Beweise für den Schöpfer erbringen. Willst du zu ihm gehen?‘ Er antwortete: ‚Bei Seiner Ehre, hätte er Ihn wirklich erkannt, hätte er niemals versucht, Ihn überhaupt erst zu beweisen.‘ Diese Nachricht erreichte den Imam (Fakhr al-Dīn al-Rāzī) – er sagte: ‚Wir erkennen Ihn von hinter dem Schleier; sie sehen Ihn ohne jeden Schleier.‘“ Ich bemerke allerdings einige Probleme bei den hier getroffenen Verallgemeinerungen. Ähnlich dieser Geschichte ist das, was Dhahabī in seinem Siyar Aʿlām al-Nubalā’ (22/112) in der Biographie von Najm al-Dīn al-Kubrā erwähnt: „Der produktive Autor Fakhr al-Dīn al-Rāzī suchte ihn auf. Ein Rechtsgelehrter debattierte lange mit ihm über die Erkenntnis und den Monotheismus Allahs. Dann fragten die beiden den Scheich nach der Wissenschaft der Erkenntnis – er sagte: ‚Dies ist ein unumkehrbares Wissen, das den Seelen einfach erscheint.‘“ Fakhr al-Dīn fragte ihn: „Wie gelangt man zu dieser Station, um sie zu erlangen?“ Er sagte: „Indem man die Führerschaft und das Glück aufgibt, in denen du dich gerade befindest.“ Er sagte: „Das kann ich nicht tun. Was ihre Ersatzmittel betrifft – die kann ich –, so sind das Askese, Abgeschiedenheit und die Gesellschaft eines Shaykhs.“ Die grundlegende Erkenntnis Allahs wird der Seele ohne Mühe eingeprägt, denn dies ist die Fitrah, auf der Allah Seine Diener erschaffen hat.
1 This story is commonly attributed to Rāzī, though I have been unable to reliably source it. I have mentioned it only for the lesson it offers, and to point out that it bears a considerable amount of truth: it reminds people of the innate nature of knowing Allah and the fact that it is not in need of specific evidence, especially for those whose fiṭrah remains unblemished. On Rāzī’s entry in Ibn Ḥajar’s Lisān al-Mīzān (6/319), it reads: ‘Though he was deeply proficient in the religious fundamentals, he used to say, “Whoever adheres to the faith of old women, he would be successful.”’ The religion of old women would be a praiseworthy trait only for those whose acquisition of faith can be achieved by way of fiṭrah. In Nafkh al-Ṭīb min Ghuṣn al-Andalus al-Raṭīb (5/263), it says, ‘Fārābī (Alpharabius) used to frequently utter “O my Lord, to You I complain” so frequently that this could be found in many instances of his speech that were not exactly suited to it, thus leaving those unfamiliar with his style of speaking surprised. He said, “I have been told that Fakhr (Rāzī) passed by a sufi shaykh. The shaykh was told, ‘This man can provide a thousand proofs for the Maker. Do you want to go over to him?’ He said, ‘By His honour, had he truly known Him, he would never have attempted to prove Him in the first place.’ This news reached the Imam (Fakhr al-Dīn al-Rāzī) – he said, ‘We know Him from behind the veil; they (i.e., sufis) see Him without any veil.’” I do note some problems with the generalisations made here. Similar to this story is what Dhahabī mentioned in his Siyar Aʿlām al-Nubalā’ (22/112), in the biography of Najm al-Dīn al-Kubrā: ‘The prolific author Fakhr al-Dīn al-Rāzī went to him. A jurist debated him at length on the cognition and monotheism of Allah. Then the two asked the shaykh on the science of cognition – he said, “This is irreversible knowledge that simply appears to souls.” Fakhr al-Dīn asked him, “How does one reach the station to attain it?” He said, “By abandoning the leadership and good fortune you are currently in.” He said, “This I cannot do. As for its substitutes – which I can – they are asceticism, seclusion, and the companionship of a shaykh.”’ The basic knowledge of Allah is imprinted onto the soul without exertion, as this is the fiṭrah upon which Allah created His servants.