Intuitive Erkenntnis und rationale Erkenntnis
Intuitive Cognition And Rational Cognition
In theologischen Diskussionen ist die Existenz Allahs ein zentrales und folgenreiches Thema. Sie ist das Fundament, auf dem sich alle theologischen Erörterungen gründen. Tatsächlich ist sie der grundlegende Maßstab. Im Lichte dieser Existenz wird die gesamte theologische Weltsicht eines Gläubigen aufgebaut – für ihn selbst, sein Leben und die Welt um ihn herum.
In theological discussions, the existence of Allah is an issue that’s central, and highly consequential. It is the foundation upon which all theological discourses are based. In fact, it is the fundamental delineator. It is in its light that the entire theological outlook of a believer is set up – for himself, his life, and the world around him.
Ich hätte gehofft, dass die obige Aussage offensichtlich ist und zu den selbstverständlichen theologischen Grundannahmen des Theismus gehört, die keines besonderen Beweises bedürfen. Der Glaube an Allah ist der Angelpunkt, um den sich alle Vorstellungen eines Gläubigen drehen. Kein religiöser Begriff kommt ohne dieses Element aus. Deshalb gibt es unter den Anhängern des Islam – von den Gelehrten der Frühzeit bis zu den Zeitgenossen – keine Meinungsverschiedenheit darüber, dass die Anerkennung Allahs und die Bejahung Seiner Existenz das wichtigste Fundament des Glaubens ist. Sie geht allen anderen theologischen Erörterungen voraus. Ohne sie lassen sich keine weiteren islamischen Glaubensinhalte erreichen – etwa der Monotheismus Allahs in der Anbetung und in der Herrschaft, der Glaube an das Prophetentum des Propheten ﷺ und der Glaube, dass der Qur'an das Buch Allahs ist. Obwohl unter den Muslimen dieser Konsens besteht, gibt es Unterschiede hinsichtlich der Beschaffenheit dieser Bejahung, ihrer Quelle und ihrer Verortung in der Seele. Ist die Bejahung Allahs der Seele eingeprägt, oder handelt es sich um erworbenes Wissen, das der Analyse der Belege bedarf?
I would hope to believe the statement above is obvious, and that it is part and parcel of the self-evident theological assertions of theism that require no specific proof. Having faith in Allah is the pivot, around which all the conceptualisations of a believer revolve. There is no religious concept that is void of this element. This is why there is no difference of opinion among the affiliates of Islam – from the ancients to the contemporaries – that recognising Allah and affirming His existence is the most important fundamental of faith. It precedes all other theological discussions. Without it, any other Islamic belief – such as the monotheism of Allah in worship and lordship, belief in the prophethood of the Prophet , and belief that the Qur’an is Allah’s Book – cannot be attained. Though the above consensus exists among Muslims, there is a difference in the nature of this affirmation, its source, and where it is positioned in the soul. Is the affirmation of Allah imprinted on the soul, or is it acquired knowledge that requires analysis of the evidence?
Lassen Sie uns betrachten, wie die Offenbarung mit dieser Frage umgegangen ist, was die frühen muslimischen Gelehrten dazu gesagt haben, wie der Mensch und seine Natur beschaffen sind, und was wir in uns selbst unmittelbar vorfinden. Dabei würden wir feststellen, dass die richtige Position lautet: Die Erkenntnis des Göttlichen ist angeboren. Das Erkennen des Schöpfers stellt eine instinktive und eingeprägte Information dar, die tief in der Seele verankert ist. Sie gleicht anderen instinktiven Erkenntnissen, die keines Beweises bedürfen. Dennoch kann diese angeborene Veranlagung verderben und ein Ungleichgewicht im inneren Kompass des Menschen verursachen. In einer solchen Lage sind Analyse und Beweisführung erforderlich, um den Menschen an jene angeborene Veranlagung zu erinnern, nicht um sie erst in ihm zu begründen. „Die Bejahung des Schöpfers ist angeboren veranlagt, instinktiv und selbstevident. Sie beruht nicht auf Analyse oder Beweisführung.“11 Allerdings gilt: „Obwohl sie denjenigen mit unverdorbenen Veranlagungen instinktiv bekannt ist, bedürfen viele Menschen der Analyse. Manchmal braucht der Mensch sie nicht; zu anderen Zeiten braucht er sie.“12
Let us look at how revelation dealt with this issue, what ancient Muslim scholars said about this, how man and his nature are constructed, and what we innately find in our own selves. We would find that the correct position is that knowledge of the Divine is innate. The recognition of the Creator represents instinctive and imprinted information that is firmly entrenched in the soul. It is like other instinctive knowledge that does not require any proof. Yet, this innate predisposition can become corrupted and cause an imbalance in man’s inner compass. In such a situation, analysis and proof would be required to remind man of that innate predisposition, not to establish it in him. ‘Affirming the Maker is innately predisposed, instinctive, and self-evident. It is not predicated on analysis or evidence.’11 However, ‘even though it is instinctively known to those with uncorrupted predispositions, many people need analysis. Sometimes, man is not in need of it; in other occasions, he is’.12
So, obwohl er einräumt, dass die angeborenen Aspekte des Wissens dann erlangt werden, wenn die Veranlagung gesund und unverdorben ist, kann diese Veranlagung verdorben und krank werden, sodass sie die Wahrheit als Falschheit erblickt. Ein Beispiel dafür ist der Körper, wenn er krank wird – er mag etwas Süßes als sauer empfinden, oder er mag unter Doppeltsehen leiden. Solche Fälle müssten behandelt werden, um die Krankheit zu beseitigen‘.13 Auf dieser Grundlage gilt: ‚Wer Gnosis oder Glauben erlangt … ohne Analyse, für den ist es nicht verpflichtend, dies zu tun; für jene, die dazu nicht in der Lage sind, ist es verpflichtend.‘14
So, even though admitting that ‘the innate aspects of knowledge are gained when the predisposition is sound and uncorrupted, that predisposition can become corrupted and ill, leading it to see the truth as falsehood. An example of this is the body when it becomes ill – it might find that something sweet is sour, or it might suffer from double vision. Such instances would have to be treated to remove the illness’.13 Based on this, ‘whosoever gains gnosis or faith…without analysis, it would not be incumbent on him to do so; for those who cannot do so, it would be incumbent on them’.14
Die Analyse und die Fähigkeit, Beweise für die Existenz Allahs zu erbringen, gehören nicht zu den allgemeinen Pflichten, da die Erkenntnis davon durch die Intuition der Seele erlangt werden kann. Sie wird jedoch für den Menschen verpflichtend, wenn die Anerkennung des Göttlichen in seiner angeborenen Veranlagung fehlt. Dieser Prozess dient dazu, der Seele das ins Gedächtnis zu rufen, was ihre Veranlagung ihr geboten hätte. Die Pflicht zur Analyse und zum Beweis wirkt hier als Mittel, um die primäre Pflicht zu erfüllen, die Existenz Allahs zu bekräftigen. Es ist jedoch unbegründet zu behaupten, dass die Analyse und der Beweis für die Existenz Allahs eine allgemeine Pflicht seien. Eine weitere falsche Behauptung lautet, dass die erste Pflicht eines religiös verantwortlichen Menschen sei:
Analysis and the ability to produce evidence for Allah’s existence are not from the universal obligations, as knowledge of this can be achieved by the soul’s intuition. However, it does become incumbent on man when the recognition of the Divine is absent from his innate predisposition. This process would be to remind the soul what its predisposition would have dictated. The obligation of analysis and evidence here would act as a mechanism to achieve the primary obligation of affirming the existence of Allah.It is, however, unsubstantiated to claim that analysis and evidence for Allah’s existence is a universal obligation. Another false claim is that the first obligation on a religiously liable person is:
• die Kenntnis vom Dasein Allahs.
• to know of Allah’s existence.
• um eine Analyse durchzuführen, die zu Erkenntnis führt.
• to conduct analysis that leads to cognition.
• die Absicht haben, eine Analyse durchzuführen, oder.
• to have the intention to conduct analysis, or.
• bezüglich der Existenz Allahs unentschlossen sein, bevor man die Absicht fasst, eine Untersuchung durchzuführen.
• to be in two minds about Allah’s existence before intending to conduct analysis.
Der Mensch kann die Existenz Allahs durch seine angeborene Veranlagung (Fitra) erkennen. Wer in dieser Hinsicht von Zweifeln befallen wird, muss sich bemühen, solche Ungewissheiten zu vertreiben. Die gesicherte Position in dieser Frage ist die, die Ibn Taymiyyah erwähnt hat: „Die erste religiöse Pflicht kann je nach der Verschiedenheit der Lebensumstände der Menschen unterschiedlich sein. Was für den einen die erste Pflicht sein mag, muss es für einen anderen nicht sein.“15 Ebenso ist es falsch, die Wege der Erkenntnisgewinnung auf eine oder wenige Methoden zu beschränken. Jeder richtige Beweis, der zu dieser Erkenntnis führt, ist für jeden, der ihn benötigt, gesetzlich zugelassen. Das Höchste, was ein solcher Beweis leisten kann, ist, den Menschen an seine ursprüngliche Veranlagung zu erinnern. Ibn Taymiyyah sagt: „Da die Wege, Allah zu erkennen und anzuerkennen, vielfältig sind, haben verschiedene Gruppen von Theologen eine Methode angenommen, um Erkenntnis über Ihn zu gewinnen, in dem Glauben, ihre Methode sei der einzige Weg. Dies ist ein grober Irrtum. Es ist eine Position, die auf keinem Wissen beruht.“16
Man can recognise the existence of Allah via his innate predisposition. Whoever is afflicted by doubt in this regard must work to expel such uncertainties. The verified position in this regard is that which Ibn Taymiyyah mentioned: ‘The first religious obligation can differ based on the variety of people’s situations. What might be the first obligation on one person might not be so on another.’15 Likewise, restricting the ways of analysis to acquire knowledge to one or a few methods is incorrect. Any proper evidence that leads to this knowledge is legislated for anyone who requires it. The most such evidence can offer is to remind a person of his original predisposition. Ibn Taymiyyah says, ‘As the ways of recognising and acknowledging Allah are varied, various groups of theologians adopted a method to ascertain knowledge of Him, believing that their method was the only way. This is a gross error. It is a position not grounded in knowledge.’16
Er fügt hinzu: „Es gibt keinen Gesandten, der, als er zum ersten Mal sein Volk aufrief, gesagt hätte: ‚Ihr seid verpflichtet, die Anerkennung des Schöpfers zu suchen, also stellt Untersuchungen an und leitet Beweise dafür ab, damit ihr Ihn erkennt.‘ Sie waren nicht verpflichtet, diese Anerkennung zuerst zu erlangen, noch waren sie verpflichtet, Zugang zu den Beweisen zu erhalten, die zu dieser Anerkennung führen. Ihre Herzen kannten Ihn bereits und bejahten Ihn. Jedes neugeborene Kind wird auf der Fitrah geboren (der angeborenen und eingeprägten Veranlagung der Seele). Diese Veranlagung kann jedoch verändert werden. Wenn der Mensch ermahnt wird, wird er an seine Veranlagung erinnert. Deshalb sprach Allah zu Mūsā: ‚Sprecht zu ihm mit sanften Worten, vielleicht lässt er sich ermahnen‘, nämlich an das Wissen, das in seiner Fitrah liegt, welches ihn befähigt, seinen Herrn zu erkennen, wie Er ihm Gunst erwiesen hat, wie Er gut zu ihm war und wie er von Ihm abhängig ist. Das wird ihn zum Glauben einladen.“17
He adds: ‘There is no Messenger who, when he first called his people, said, “You are commanded to seek the recognition of the Creator, so conduct analysis and derive evidence for it so that you may recognise Him.” They were not made liable to first gain that recognition, nor were they made liable to access the evidence that led to that recognition. Their hearts already knew Him and affirmed Him. Every newborn is born upon the fiṭrah (innate and imprinted predisposition of the soul). However, this predisposition can be altered. When man is reminded, he is reminded of his predisposition. This is why Allah said to Mūṣā, “Speak to him gently, so perhaps he may be mindful” of the knowledge that is in his fiṭrah, which will enable him to know his Lord, how He favoured him, how He was good to him, and how he is dependent on Him. That will invite him to faith.’17
Die Analyse und das Herleiten von Belegen haben außerdem einen zusätzlichen Nutzen. Wird dies in der richtigen religiösen Weise ausgeübt, kann es zu einem größeren Glauben führen und die fiṭrah im Herzen festigen. Abū al-Muẓaffar al-Samʿānī sagte: „Wir leugnen nicht die Art der Analyse, die im Qur'an und in der prophetischen Überlieferung gebilligt wird, denn sie ermöglicht dem Gläubigen, im Glauben zu wachsen, seine Seele zu beruhigen und Zufriedenheit in seinem Herzen zu finden."18
Analysis and deriving evidence have an additional benefit as well. If executed in the proper religious manner, this can lead to greater faith and entrench the fiṭrah in the heart. Abū al-Muẓaffar al-Samʿānī said, ‘We do not deny the type of analysis that is endorsed by the Qur’an and prophetic tradition, for this allows a believer to increase in faith, calm his soul, and gain contentment in his heart.’18
Der Glaubenszuwachs, den jede richtige Betrachtung bewirkt, beschränkt sich nicht darauf, lediglich die Existenz Allahs zu bejahen. Vielmehr ermöglicht sie dem Diener, einen vertieften Einblick in die vollkommenen Eigenschaften seines Herrn zu gewinnen und anzuerkennen, dass Er vollkommen ist in Seiner Macht, Seinem Willen, Seinem Wissen, Seiner Weisheit, Seiner Barmherzigkeit und dergleichen. Diese Betrachtung und Zufriedenheit gleicht dem, was Ibrāhīm al-Khalīl erlangte: „Mein Herr! Zeige mir, wie Du die Toten lebendig machst.“ Allah sprach: „Glaubst du etwa nicht?“ Ibrāhīm antwortete: „Doch, aber damit mein Herz beruhigt werde.“19
The increase in belief brought about by any proper analysis is not limited to merely affirming the existence of Allah . Rather it allows a servant to gain an enhanced insight into the perfect characteristics of his Lord and acknowledge that He is complete in His power, will, knowledge, wisdom, mercy, and the like. This analysis and contentment offer similar to what Ibrāhīm al-Khalīl gained: ‘“My Lord! Show me how you give life to the dead.” Allah responded, “Do you not believe?” Ibrāhīm replied, “Yes I do, but just so my heart can be reassured.”’19
Mit einer soliden, vernunftgemäßen Analyse kann ein Gläubiger eine größere Zufriedenheit des Herzens erlangen. Dies ist vorgeschrieben, und es wird noch stärker betont, wenn Zweifel und mögliche Einwände eine Person umgeben.
With sound rational analysis, a believer can acquire greater contentment for the heart. This is legislated and is further emphasised in situations when there are doubts and potential objections swirling around a person.
Das Argument aus der Fiṭrah ermöglicht dem Menschen eine zusammenfassende Erkenntnis seines Herrn. Die Fiṭrah ist jedoch nicht in der Lage, ihm eine umfassendere und vollständigere Erkenntnis von Ihm zu vermitteln; hier kommt die Rolle der Offenbarung zum Tragen, die dem Diener die Einzelheiten Seiner vollkommenen und großartigen Eigenschaften offenbart, die ihm eine tiefere Verbindung mit seinem Herrn ermöglichen.
The argument from fiṭrah allows man to obtain synoptic knowledge of His Lord . However, the fiṭrah is unable to offer him a more rounded and complete knowledge of Him; it is here that the role of revelation kicks into play, revealing to the servant the details of His perfect and magnificent attributes that allow him to have a deeper connection with His Lord .
Die Argumentation der Offenbarung für die Existenz des Elements der natürlichen Veranlagung
Revelation’s argument for the existence of the natural predisposition element
Im Beweismaterial der Scharia finden sich Hinweise darauf, dass im Herzen das Element der Fitra vorhanden ist, wenngleich unklar bleibt, was dieses Element erfordert und welche Bedeutungen es umfasst. Klar ist jedoch, dass diese Texte der Scharia es als religiöses Gepräge darstellen. Man bedenke, was Allah sagt: „So richte dein Angesicht aufrichtig auf die Religion aus – die Veranlagung Allahs, auf der Er die Menschen geschaffen hat. Es gibt keine Veränderung in der Schöpfung Allahs. Das ist die richtige Religion, doch die meisten Menschen wissen es nicht.“20
In the evidence of the Shariah, there are pointers to the element of the fiṭrah existing in the soul, albeit with ambiguity surrounding what this element requires and what meanings it comprises of. What is clear is that these texts of the Shariah depict it as a religious imprint. Consider what Allah said: ‘So be steadfast in faith in all uprightness O Prophet – the natural Way of Allah which He has instilled in all people. Let there be no change in this creation of Allah. That is the Straight Way, but most people do not know.’20
Ibn Kathīr erklärte dies: „Richte dein Angesicht also aufrecht auf die Religion aus. Halte an dem fest, was Allah dir vorgeschrieben hat – der monotheistischen Religion Ibrāhīms, zu der Allah dich geleitet und die Er dir vollendet hat. Halte damit an deiner gesunden Fiṭrah fest, auf der Allah die Schöpfung erschaffen hat, denn Er hat Seine Schöpfung so erschaffen, dass sie Ihn erkennt, Ihn als den Einen ansieht und glaubt, dass es außer Ihm keinen Gott gibt.“21 Ähnlich dem obigen Vers ist folgender Vers: „Dies ist die natürliche Weise Allahs. Und wer ist besser als Allah darin, eine Weise festzusetzen? Und wir beten niemanden an außer Ihn.“22 Was Allahs Aussage „Es gibt keine Veränderung an dieser Schöpfung Allahs“ betrifft, so sagte Ibn Kathīr in seinem Tafsīr: „Einige sagten, es bedeute: ‚Verändert nicht die Schöpfung Allahs‘ – die Menschen waren von der Fiṭrah abgewichen, auf der Allah sie erschaffen hatte. Daher ist dieser Vers als Befehl zu lesen, der in die Form einer Aussage gekleidet ist, wie etwa ‚Wer es betritt, ist sicher‘23, d. h.: Beschützt jene, die es betreten. Dies ist eine richtige und zutreffende Auslegung. Andere sagten, dass dies eine tatsächliche Feststellung sei, was bedeutet, dass Allah alle Seine Geschöpfe gleich gemacht hat, indem Er sie im unverfälschten Zustand der Fiṭrah erschuf; niemand wird ohne diese in ihm angelegte Veranlagung geboren, und in dieser Hinsicht besteht kein Unterschied zwischen den Menschen.“24
Ibn Kathīr explained this: ‘So turn your face straight. Continue upon that which Allah legislated for you – the monotheistic religion of Ibrāhīm, which Allah has guided you to and perfected for you. With this, hold fast to your sound fiṭrah, upon which Allah created the creation, for He created His creation so they could recognise Him, consider Him to be one, and believe there is no god besides Him.’21 Similar to the above verse is the following verse: ‘This is the natural Way of Allah. And who is better than Allah in ordaining a way? And we worship none but Him.’22 As for Allah’s statement ‘Let there be no change in this creation of Allah’, Ibn Kathīr said in his Tafsīr, ‘Some said it means “Do not change the creation of Allah” – people had changed from the fiṭrah upon which Allah had created them. Therefore, this verse would be read as a command shrouded by a proposition, like “Whoever enters it is safe”23, i.e., protect those who enter it. This is a sound and proper interpretation. Others said that this is an actual statement of fact, which means that Allah equalised all His creation by creating them on the unadulterated condition of the fiṭrah, nobody is born without this being programmed into him, and there is no disparity between people in this regard.’24
Die Konzeptualisierung der Angeborenheit der Erkenntnis
Conceptualising the innateness of cognition
Wenn wir von der Angeborenheit der Erkenntnis des Göttlichen sprechen, ist nicht gemeint, dass sie seit der Geburt des Menschen in der Seele vorhanden ist. Allah sagt im Qur'an: „Und Allah hat euch aus den Leibern eurer Mütter hervorgebracht, während ihr nichts wusstet, und euch Gehör, Augen und Verstand gegeben, damit ihr vielleicht dankbar seid.“31 Vielmehr ist mit der Angeborenheit der Erkenntnis gemeint, dass sie als Prägung in der Seele angelegt ist, die schließlich in Aktion tritt, sobald die Voraussetzungen für die Anerkennung Allahs erfüllt und die Hindernisse dafür beseitigt sind. Ohne diese Abfolge von Ereignissen ist es möglich, dass die fiṭrah nicht in Aktion tritt. Das kann geschehen, wenn ein äußeres Element die Seele verdirbt. Der Prophet ﷺ hat die Menschen auf diese Tatsache hingewiesen: „Jedes neugeborene Kind wird auf der fiṭrah geboren. Es sind seine Eltern, die es zu einem Juden, Christen oder Magier machen.“ Dazu sagte Ibn Taymiyyah: „Wenn gesagt wird, ein Mensch sei auf der fiṭrah des Islam geboren oder er sei als Monotheist (ḥanīf) geboren usw., bedeutet das nicht, dass er ab dem Moment, in dem er den Leib seiner Mutter verlässt, diese Religion kennt oder sie will. Allah sagt: ‚Und Allah hat euch aus den Leibern eurer Mütter hervorgebracht, während ihr nichts wusstet.‘32 Was seine fiṭrah jedoch bewirkt, ist, dass sie den Glauben des Islam hervorbringt, damit er ihn erkennt und liebt. Eine Seele, die auf der fiṭrah ist, bewirkt die Anerkennung und Liebe ihres Schöpfers und die aufrichtige Hingabe des Glaubens an Ihn. Die Anforderungen der fiṭrah werden schrittweise erlangt, entsprechend dem Grad, in dem die fiṭrah unversehrt ist, je nachdem, in welchem Maße sie vor allem bewahrt wurde, was ihr widerspricht.“33
When we say the innateness of cognition of the Divine, what is not intended is that it is present in the soul ever since man is born. Allah states in the Qur’an, ‘And Allah brought you out of the wombs of your mothers while you knew nothing, and gave you hearing, sight, and intellect so perhaps you would be thankful.’31 Rather, what is intended from the innateness of cognition is that it is an imprint on the soul, which would ultimately kick into action once the prerequisites of acknowledging Allah are met and the obstacles to that are removed. Without this sequence of events, it is possible that the fiṭrah does not kick into action. This can happen because of an external element corrupting the soul. The Prophet alerted people to this fact: ‘Every newborn is born on fiṭrah. It is his parents who make him into a Jew, Christian, or Magian.’ Explaining this, Ibn Taymiyyah said, ‘When it is said that a person is born on the fiṭrah of Islam, or that he was born a monotheist (ḥanīf), etc., it does not mean that he knows about – or wants – this religion from the moment he left his mother’s womb. Allah says, “And Allah brought you out of the wombs of your mothers while you knew nothing.”32 However, what his fiṭrah does is that it begets the faith of Islam in order for him to recognise it and love it. A soul upon the fiṭrah triggers an acknowledgement and love of its Creator, and the sincere devotion of faith for Him. The requirements of fiṭrah are gained gradually according to how perfectly intact the fiṭrah is, depending on to what extent it was safeguarded from anything that contradicts it.’33
Die Zeugnis der Wirklichkeit für die Angeborenheit der Gotteserkenntnis
Reality’s testimony for the innateness of recognising the Divine
Die Wirklichkeit bezeugt, dass die Neigung des Menschen zum Glauben an Allah und die Neigung zum Theismus Kernbestandteile seines Inneren sind. Ein Anzeichen dieses Phänomens ist das Bedürfnis und die Wachsamkeit der Fitra angesichts von Not und schweren Zeiten. Wenn den Menschen irgendeine Heimsuchung oder ein großes Unglück trifft, entsteht in seiner Seele ein unkontrollierbares Gefühl, das er nicht abwehren kann. Dies deutet darauf hin, dass es eine höhere Macht gibt, die imstande ist, es abzuwenden und ihn zu retten. In solchen Situationen empfindet er in sich das Bedürfnis, seinen Herrn anzuflehen, ihn von diesem Unglück zu befreien. Der Qur’an weist auf diese Bedeutung hin mit Versen wie: {Wenn den Menschen ein Schaden trifft, ruft er zu seinem Herrn und wendet sich allein an Ihn.}34
Reality testifies that man’s inclination to faith in Allah , and the inclination to theism, are core elements inside him. One indicator of this phenomenon is the requirement and alertness of the fiṭrah when facing hardships and tough times. Whenever any affliction or major calamity befalls man, an incontrollable feeling is sparked in his soul that he cannot repel. This suggests that there is a higher power who is able to repel it and save him. In such situations, he would find within himself the need to beseech his Lord to deliver him from this calamity. The Qur’an points to this meaning in verses such as: ‘When one is touched with hardship, they cry out to their Lord, turning to Him alone.’34
„Und es kommt vor, dass ihr auf Schiffen seid, die mit günstigem Wind segeln, zur Freude der Passagiere. Plötzlich werden die Schiffe von einem stürmischen Wind erfasst, und die an Bord werden von Wellen von allen Seiten überrollt, und sie glauben, dass sie verloren sind. Dann rufen sie Allah allein an, in aufrichtiger Hingabe: „Wenn Du uns hieraus rettest, werden wir gewiss dankbar sein.““35
‘And it so happens that you are on ships, sailing with a favourable wind, to the passengers’ delight. Suddenly, the ships are overcome by a gale wind and those on board are overwhelmed by waves from every side, and they assume they are doomed. They cry out to Allah alone in sincere devotion, “If You save us from this, we will certainly be grateful.”’35
Nachdem Rāzī die Belege für die Existenz Allahs angeführt hatte, sagte er: „Wenn der Mensch einer großen Prüfung oder einem gewaltigen Unglück gegenübersteht, verliert er jede Hoffnung, weil er meint, dass ihm niemand in der Schöpfung zu Hilfe kommen kann. Es ist, als ob er – an seinen ursprünglichen Schöpfungszustand und die Forderung seiner grundlegenden Natur erinnernd – denjenigen anfleht, der ihm Rettung gewähren und ihn aus seiner Notlage befreien kann. Dies ist nichts anderes als das Zeugnis der fiṭrah, indem er seine Abhängigkeit vom Schöpfer, dem Planenden, anerkennt.“36 Der englische Aphorismus lautet: „There are no atheists in foxholes.“ (In Schützengräben gibt es keine Atheisten.) Im Allgemeinen bejahen die meisten Gelehrten – selbst atheistische – diese angeborene Erkenntnis in der Seele, auch wenn Atheisten sie offensichtlich nicht als fiṭrah bezeichnen. Der Theismus übersteigt den Umweltkontext der Erziehung eines Menschen oder äußere Einflüsse, die diese Veranlagung geprägt haben mögen. Er ist tatsächlich ein Kernmerkmal des Menschen. Zeugnisse hierfür sind zahlreich und zeigen sich in verschiedenen kognitiven Bereichen des Lebens. Die Menschheitsgeschichte lehrt uns, dass Religion ein zentrales Merkmal aller Zivilisationen und Nationen ist. Anthropologische Studien unterstreichen dies, indem sie zeigen, dass das Phänomen der Religion in allen menschlichen Gesellschaften verbreitet war. Psychologie, Soziologie und andere Zweige der Sozialwissenschaften kommen zum gleichen Ergebnis. Tatsächlich gibt es heute eigene Forschungsfelder, die sich speziell mit diesem Phänomen befassen. Ein solcher Zweig, der erst vor Kurzem aus der Neurowissenschaft hervorging, ist die Neurotheologie. Sie erörtert die Art des Zusammenhangs zwischen der Neurostruktur des Menschen und seiner Religiosität. „Religion ist im Menschen fest verdrahtet“ ist eine in diesem Forschungsfeld weithin bekannte Maxime, die besagt, dass Religion dem Menschen natürlich eigen ist und eine Kernkomponente des Menschseins darstellt. Ein interessanter Ausdruck, der mit dem Begriff homo sapiens (weiser Mensch) spielt, stammt von Karen Armstrong in ihrem Buch A History of God, in dem sie vorschlug, dass wir in Wahrheit homo religiosus (religiöse Menschen) seien. Tatsächlich sind die Studien inzwischen so weit fortgeschritten, dass sie nach dem eigentlichen Gen suchen, das für die religiöse Veranlagung im Menschen verantwortlich ist. Der amerikanische Genetiker Dean Hamer veröffentlichte im Jahr 2005 ein Buch mit dem Titel „The God Gene: How Faith Is Hardwired into our Genes“. Andere haben nach dem Bereich des Gehirns gesucht, der für diese Veranlagung verantwortlich ist. Sie stellten eine Reihe von Annahmen auf, nach denen es im Gehirn Zentren gibt, die für die spirituelle Seite des Menschen zuständig sind. Zu diesen Studien gehören jene des Professors Andrew Newberg, der zu diesem Thema eine Reihe von Interviews, Diskussionen und Vorträgen gegeben hat. Außerdem verfasste er gemeinsam mit Mark Robert Waldman ein Buch mit dem Titel „How God Changes Your Brain“.
11 Bayān Talbīs al-Jahmiyyah, 4/570
11 Bayān Talbīs al-Jahmiyyah, 4/570
12 Dar' Ta'āruḍ al-'Aql wa al-Naql, 3/303.
12 Dar’ Taʿāruḍ al-ʿAql wa al-Naql, 3/303.
Dar' Taʿāruḍ al-ʿAql wa al-Naql, 3/306.
13 Dar’ Taʿāruḍ al-ʿAql wa al-Naql, 3/306.
14 Dar' Ta'āruḍ al-'Aql wa al-Naql, 3/306. Siehe auch al-Faṣl fī al-Milal wa al-Ahwā' wa al-Niḥal, 5/246.
14 Dar’ Taʿāruḍ al-ʿAql wa al-Naql, 3/306. See also al-Faṣl fī al-Milal wa al-Ahwā’ wa al-Niḥal, 5/246.
Dar' Ta'āruḍ al-'Aql wa al-Naql, 8/16.
15 Dar’ Taʿāruḍ al-ʿAql wa al-Naql, 8/16.
Dar' Taʿāruḍ al-ʿAql wa al-Naql, 3/333.
16 Dar’ Taʿāruḍ al-ʿAql wa al-Naql, 3/333.
17 Majmūʿ al-Fatāwā, 16.338.
17 Majmūʿ al-Fatāwā, 16.338.
18 Al-Intiṣār li-Ahl al-Ḥadīth, S. 60.
18 Al-Intiṣār li-Ahl al-Ḥadīth, p. 60.
19 Al-Baqarah, 259.
19 Al-Baqarah, 259.
20 Ar-Rūm, 30.
20 Al-Rūm, 30.
21 Tafsīr Ibn Kathīr, 6/313.
21 Tafsīr Ibn Kathīr, 6/313.
22 Al-Baqarah, 138.
22 Al-Baqarah, 138.
23 Āl ʿImrān, 97.
23 Āl ʿImrān, 97.
24 Tafsīr Ibn Kathīr, 6/314.
24 Tafsīr Ibn Kathīr, 6/314.
25 Überliefert von Bukhārī, Hadith Nr. 1359, und Muslim, Hadith Nr. 6926.
25 Narrated by Bukhārī, hadith no. 1359, and Muslim, hadith no. 6926.
20 Ar-Rūm, 30.
20 Al-Rūm, 30.
21 Tafsīr Ibn Kathīr, 6/313.