Die meisten Menschen im Westen glauben an eine höhere Macht, und das Scheitern der neuatheistischen Bewegung
Most Westerners Believe in a Higher Power, and the Failure of the New Atheist Movement
Laut den neuesten religiösen Daten aus der britischen Einstellungsumfrage bleiben Muslime eher bei ihrem Glauben als jede andere religiöse Gruppe (93 % Verbleib) (Curtice et al., 2019). Außerdem ergab die neueste Studie des Pew Research Center, dass „der Anteil amerikanischer Muslime, die den Islam verlassen, durch jene ausgeglichen wird, die Muslime werden“ (Mohammed und Sciupac, 2018), wobei 23 % in den USA den Glauben verlassen. Zu den Gründen für den Austritt zählen eine Abneigung gegen organisierte Religion (12 %), der Unglaube an Gott (8 %), das Fehlen einer echten „Verbindung“ zum Glauben (8 %), nicht religiös zu sein (5 %) und weitere. Trotz des Fehlens von Wissenschaft oder Darwinismus in dieser Studie ist es wichtig festzuhalten, dass die meisten Teilnehmer kein Englisch sprechen konnten und Farsi- oder Arabisch-Übersetzung benötigten. Zudem waren jene, die in der US-Pew-Umfrage den Islam verließen, eher Einwanderer aus dem Iran (22 %) (Pew Research Methodologies). Diese Punkte könnten helfen, die Unterschiede zwischen den Schätzungen zum Glaubensverbleib britischer und amerikanischer Muslime zu erklären. Darüber hinaus stützen diese Befunde nicht die Auffassung, dass die darwinistische Evolution eine „revolutionäre“ theologische oder demografische Wirkung auf die tatsächlichen Massen (ob muslimisch oder christlich) in der westlichen Welt hat.
According to the latest religious data from the British attitude survey, Muslims are more likely to retain their faith than any other religious group (93% retention) (Curtice et al., 2019). Moreover, the latest Pew Research study revealed that ‘the share of American Muslims who leave Islam is offset by those who become Muslim’ (Mohammed and Sciupac, 2018) with 23% leaving the faith in the USA. Reasons for leaving include a dislike for organised religion (12%), disbelieving in God (8%), never ‘connecting’ with the faith (8%), not being religious (5%) among others. Despite the lack of science or Darwinism in this study, it is vital to note that most participants could not speak English and required Farsi or Arabic translation. Moreover, those who left Islam in the USA Pew Survey were more likely to be immigrants from Iran (22%) (Pew Research Methodologies). These points may help explain disparities between UK and US Muslim faith retention estimates. Furthermore, these findings do not support Darwinian evolution as having a ‘revolutionary’ theological or demographic impact on the actual masses (either Muslim or Christian) in the Western world.
Vielmehr waren sowohl bei muslimischen als auch bei christlichen Fällen politische Ideologien wie der Liberalismus oder moralische Einwände gegen die Religion (manchmal mit liberalen Voraussetzungen, die zentrale Lehren der Religion untergraben) am einflussreichsten, wie Matthew Sheard feststellt, der eine eigene Studie mit 98 atheistischen Teilnehmern durchführte und zu dem Schluss kam:
Rather, in both Muslim and Christian cases political ideology, like liberalism, or moral arguments against religion (sometimes with liberal assumptions which undermine key teachings of religion) were most influential as noted by Matthew Sheard, who ran his own study with 98 atheist participants concluding:
Wie bei Budds Studie waren auch unter den Gründen, die die Probanden für ihren Unglauben angaben, antireligiöse Ursachen vertreten; Einwände gegen die Theologie waren ebenso verbreitet wie traumatische Erfahrungen mit Religion oder persönliche Traumata, die religiöse Zweifel auslösten. Obwohl jedoch Rationalismus, atheistischer politischer Radikalismus und der Kontakt mit Atheisten etwa ein Viertel der genannten Gründe ausmachten, gab es nur sehr wenige Bezüge auf die „rationalistischen Klassiker“, auf die Wissenschaft oder auf den Darwinismus (Sheard, 2014, S. 12).
As with Budd’s study, the reasons subjects gave for their unbelief included anti-religious causes; objections to theology were as prevalent as traumatic experiences of religion or personal traumas that caused religious doubts. However, though rationalism, atheistic political radicalism and contact with atheists constituted about a quarter of the reasons given, there was very little reference to the ‘rationalist classics’, to science, or to Darwinism (Sheard, 2014, p.12).
Es gibt wenig bis gar keine Belege dafür, dass die darwinistische Evolutionslehre Apostasie in christlichen und muslimischen Glaubensgemeinschaften hervorruft; vielmehr erzeugt sie, wie Youssef Chouhoud untersucht hat, Zweifel.
There is little to no evidence that Darwinian evolution creates apostasy in Christian and Muslim faith communities, rather, that it creates doubt as investigated by Youssef Chouhoud.
Chouhoud studierte 600 muslimische Teilnehmer aus einem Querschnitt der Gesellschaft und ermittelte, was bei ihnen Zweifel auslöst. 8 % der Teilnehmer führten ihren „großen Zweifel“ auf die darwinsche Evolutionstheorie zurück, verglichen mit 14 %, die ihn religiös-dogmatischen Haltungen zuschrieben (Chouhoud, 2018, S. 6). Letztlich sind wissenschaftliche Argumente, wie sie von Apologeten des Neuen Atheismus verwendet werden, möglicherweise nicht ausschlaggebend dafür, dass sich Menschen innerhalb muslimischer oder christlicher Glaubensgemeinschaften vom Glauben abwenden; jedoch waren die wissenschaftlichen Argumente geringfügig wirksam, wenn es darum ging, die Meinung von Christen und Muslimen zu ändern.
Chouhoud studied 600 Muslim participants from a cross-section of society identifying what causes them to ‘doubt’. 8% of participants attributed their ‘great deal of doubt’ to Darwinian evolution compared to 14% who attributed it to religiously dogmatic attitudes (Chouhoud, 2018, p.6). Ultimately, scientific arguments used by New Atheist apologists may not be instrumental in causing religious apostasy within Muslim or Christian faith communities, however, the scientific arguments were marginally effective in changing the minds of Christians and Muslims.
Die New Atheists nutzen sowohl Buchverkäufe als auch soziale Medien, um ihre Botschaft zu verbreiten, wobei YouTube-Videos eine große Rolle spielen und New-Atheist-Material auf einer Vielzahl nicht offizieller Seiten frei verfügbar ist. Nur wenige New Atheists haben eigene YouTube-Kanäle, darunter Richard Dawkins, dessen Kanal den Titel „Richard Dawkins Foundation for Science and Reason“ trägt und der trotz nur seltener Videobeiträge noch 334.000 Abonnenten hat (Stand: 18. April 2020). Sam Harris betreibt einen offiziellen YouTube-Kanal mit dem Titel „Sam Harris“ und 394,000
New Atheists use both book sales and social media to enhance their message, with YouTube videos featuring heavily and New Atheist material being freely available on a variety of non-official sites. Only a few New Atheists have their own YouTube channels including Richard Dawkins who has a channel titled ‘Richard Dawkins Foundation for Science and Reason’ which, despite infrequently posting videos, still has 334, 000 subscribers (18 April 2020). Sam Harris has an official YouTube channel titled ‘Sam Harris’ with 394,000
Abonnenten (18. April 2020). Andere Neue Atheisten, wie Lawrence Krauss, betreiben kleinere Kanäle mit 3.140 Abonnenten (18. April 2020) und sind daher nicht der Berücksichtigung wert.
subscribers (18 April 2020). Other New Atheists, like Lawrence Krauss, host minor channels having 3,140 subscribers (18 April 2020) and are, therefore, not worthy for consideration.
Wenn man diese YouTube-Zahlen mit Google Trends analysiert, bekommt man eine bessere Einordnung dieser Zahlen.
Analysing these YouTube figures through Google Trends, puts these figures into perspective.
Durch den Vergleich des YouTube-Suchinteresses an Richard Dawkins mit dem einer beliebten Fernsehsendung
By comparing YouTube search interest of Richard Dawkins against a popular T.V.
Persönlichkeit; konkret der britische Gesellschaftskommentator Piers Morgan, von 2008 bis heute (18. April 2020). Im genannten Zeitraum erreicht Morgan 16 „Durchschnittspunkte“, Dawkins 10.
personality; specifically, the UK social commentator Piers Morgan, from the years 2008 to the present (18 April 2020), Morgan scores 16 ‘average points’ to Dawkins’s 10 over this period.
Die Analyse der „Websuchen“ für denselben Zeitraum ergibt einen Durchschnittswert von 11.
Analysing ‘web searches’ instead for the same period, establishes an average score of 11
Punkte für Morgan zu Dawkins' 4. Wenn diese Vergleiche in den USA repliziert werden, verringert sich Dawkins' gesellschaftlicher Einfluss. Vergleicht man Sam Harris' YouTube-Google-Trends-Daten mit denen des Gesellschaftskommentators Joe Rogan für denselben Zeitraum (2008 bis April 2020), so erzielt Rogan im Durchschnitt 23 Punkte, Harris hingegen 3 Punkte. Wenn man bedenkt, dass Dawkins und Harris die bekanntesten Neuen Atheisten sind, ist es schwer vorstellbar, dass ihre Aktivität in den sozialen Medien den demografischen Wandel oder den Glaubensabfall unter Christen oder Muslimen in der englischsprachigen westlichen Welt maßgeblich beeinflussen kann.
points for Morgan to Dawkins’s 4. If these comparisons are replicated in the US, Dawkins’s social impact lessens. If we compare Sam Harris’ YouTube Google Trends data with the social commentator Joe Rogan for the same period (2008 till April 2020) we find Rogan scores on average 23 points to Harris’ 3 points. Considering that Dawkins and Harris are the most popular New Atheists, it is difficult to imagine that their social media activity can sufficiently influence demographic change or apostasy among Christians or Muslims in the English-speaking Western world.
Die Neuen Atheisten haben auf Twitter mehr Anhänger als auf anderen Plattformen. Twitter ist als textbasierte Anwendung mit einer Begrenzung der Zeichenzahl ein schwieriges Medium, um die Meinungen von Menschen zu beeinflussen. Dennoch habe ich die Twitter-Timelines der bekanntesten Neuen Atheisten gesammelt, um Retweets, Likes und Reaktionen zu analysieren, und dabei bewertet, ob es den Neuen Atheisten gelungen ist, die Ansichten der Menschen zu diesen Themen zu verändern, indem sie die zuvor dargelegten wissenschaftlichen Argumente einsetzten. Methodisch bin ich auf zwei Hauptprobleme gestoßen (dass Twitter die Anzahl der Timeline-Tweets auf 3200 begrenzt).
New Atheists have more followers on Twitter than other platforms. Twitter, being a text-based programme with limitations on numbers of characters, is a difficult platform through which to alter people’s opinions. Nevertheless, having collected the twitter time-lines of the most prominent New Atheists with the aim of analysing re-tweets, likes and responses, I have assessed whether New Atheists have been successful in changing people’s minds on these issues by employing the previously outlined scientific arguments. Methodologically, I encountered two primary issues (that Twitter limits the number of time-line tweets to 3200)
(siehe Twitter-Website). Selbst nach Rücksprache mit Datenwissenschaftlern, um diese Probleme zu beheben, konnte ich jedoch keinen Weg finden, auf die Konten derjenigen zuzugreifen, die einen besagten Beitrag „retweetet“ oder „geliked“ haben.
(see Twitter website). Moreover, even after consultation with Data Scientists to mitigate these issues, I could not identify a way to access the accounts of those who ‘retweeted’ or ‘liked’ a said post.
Nach der Zusammenstellung der Zeitleisten von Richard Dawkins, Sam Harris, Daniel Dennett, Steven Pinker, A. C. Grayling, Lawrence Krauss und Peter Singer habe ich anhand von Schlüsselwörtern ermittelt, wie oft diese zentralen Figuren versucht haben, ihre wissenschaftlichen Argumente gegen die „Gottesthese“ auf Twitter einzusetzen. Zu den Schlüsselwörtern gehörten unter anderem „Bibel“, „Koran“, „Schöpfung“, „intelligentes Design“, „Kreationismus“, „Kreationist“, „Darwin“ und „Darwinismus“. Ziel war es, die Wirksamkeit dieser Tweets bei den Weiterleitenden oder denjenigen, die sie mit „Gefällt mir“ markierten, zu bestimmen, indem ihr Verhalten vor und nach der Veröffentlichung des Beitrags verfolgt wurde. Dies erwies sich jedoch als unnötig, da nur vier Tweets von Richard Dawkins für die wissenschaftlichen Argumente gegen die in den neuatheistischen Schriften betonte Gotteserzählung relevant zu sein schienen, und alle wurden von anderen Konten weitergeleitet. Die Tweet-IDs lauteten 918078516608032000, 918078459569737729, 918078401264717000 und 918078321820340225, und sie waren nicht außergewöhnlich. So leitet Dawkins beispielsweise folgende Aussage weiter: „ ‚Ohne Gott könnten lebende Organismen nicht so komplex, elegant und funktional sein.‘ Wenn du das glaubst, geh und lerne etwas Biologie.“ (Dawkins, Twitter). Diese Aussage enthält kein Argument und hat kaum Wirkung auf jemanden, der sich vom Glauben abwenden möchte. Der Kommentarbereich des Tweets zeigt darüber hinaus, in welchem Maße Dawkins’ Twitter-Auftritt einer atheistischen Echokammer gleicht, denn die meistgelikten Kommentare stammen von Menschen, die bereits ähnliche Ansichten wie Dawkins äußern.
Following collation of the time-lines of Richard Dawkins, Sam Harris, Daniel Dennett, Steven Pinker, A. C. Grayling, Lawrence Krauss and Peter Singer, I used key words to establish the number of times these key figures attempted to use their scientific arguments against the ‘God thesis’ on twitter. Keywords included, but were not limited to, ‘bible’, ‘Quran’ ,‘creation’, ’intelligent design’, ‘creationism’, ‘creationist’, ‘Darwin’, ‘Darwinism’ among others. The objective was to establish the efficacy of these tweets on re-tweeters or likers by tracking their behaviour before and after the post was made. Unfortunately this was deemed unnecessary as only four tweets, from Richard Dawkins, seemed to be relevant to the scientific arguments against the God narrative emphasised in New Atheist writings, and all were retweeted from other accounts. The tweet ID’s were 918078516608032000, 918078459569737729, 918078401264717000 and 918078321820340225 and they were unextraordinary. For example, Dawkins retweets ‘ “Without God, living things couldn’t be so complex, elegant and functional.” If that’s what you think, go away and learn some biology.’ (Dawkins, Twitter). This statement lacks an argument and confers minimal impact on anyone wanting to apostatise. The comment section of the tweet further outlines the extent to which Dawkins’s twitter resembles an atheistic echo chamber, with the most liked comments originating from those already expressing similar sentiments to Dawkins’s.