Warum ist der Westen zunehmend irreligiös geworden?
Why Has The West Become Increasingly Irreligious?
Anthony Wallace sagt:
Anthony Wallace says:
Der Glaube an übernatürliche Kräfte ist dazu verurteilt, auf der ganzen Welt auszusterben, infolge der zunehmenden Angemessenheit und Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse (Wallace, 1966, S. 264-5).
Belief in supernatural powers is doomed to die out, all over the world, as a result of the increasing adequacy and diffusion of scientific knowledge (Wallace, 1966, p.264-5).
Doch treiben Entwicklungen im wissenschaftlichen Wissen die Menschen vom Übernatürlichen weg?
But are developments of scientific knowledge driving people away from the supernatural?
Zahlreiche Versuche wurden unternommen, um die im Westen zu beobachtende irreligiöse Entwicklung zu verstehen. Eine erschöpfende Darlegung der soziologischen Gründe dafür liegt außerhalb des Rahmens dieser Arbeit. Die zentrale Frage, die untersucht wird, lautet, inwieweit die wissenschaftliche Argumentation des Neuen Atheismus diesen Trend beeinflusst hat, wobei einer der ersten soziologischen Versuche, Irreligiosität in England zu untersuchen, von Susan Budd stammt und in Varieties of Unbelief (1977) beschrieben wird. Budd stützte sich auf Nachrufe aus säkularen und ethischen Organisationen von 200
Numerous attempts were undertaken to understand the irreligious trajectory witnessed in the West. An exhaustive explication of sociological reasons for this are beyond this paper’s scope. The main question under investigation is the extent to which New Atheist scientific argumentation has impacted this trend with one of the first sociological attempts to investigate irreligiosity in England conducted by Susan Budd and described in Varieties of Unbelief (1977). Budd used obituaries from secular and ethical organisations of 200
Biographien zwischen 1850 und 1960 (Sheard, 2014, S. 1), die drei Ursachen für Unglauben nennen, darunter „das Lesen der Bibel und rationalistischer Klassiker, ein Misstrauen und Groll gegenüber Geistlichen und eine Kritik am Glauben an die Unsterblichkeit“ (Budd, 1977, S. 106). Wissenschaft und Darwinismus fehlen hier auffällig. Die Jahre zwischen 1958 und 1974 waren vielleicht die dramatischste Phase der demografischen Hinwendung zur Religionslosigkeit in der westlichen Welt.
biographies between 1850-1960 (Sheard, 2014, p.1) identifying three causes for unbelief, including ‘reading the Bible and rationalist classics, a distrust and resentment towards clergy members and a criticism of belief in immortality’ (Budd, 1977, p.106). Science and Darwinism are conspicuously absent here. The periods between 1958-1974 were perhaps most dramatic in demographic movement towards irreligiosity in the Western world.
Unter Bezugnahme auf den britischen Kontext nennt Hugh McLeod als Gründe für eine irreligiöse Entwicklung Individualismus, Sozialismus, Szientismus, Feminismus, religiöse Kritik, die „sexuelle Revolution“ und den Wohlstand der Nachkriegszeit (McLeod, 2005, S. 206). Eine irreligiöse familiäre Sozialisation wurde von McLeod (und den meisten Soziologen, die diese Epoche untersuchen) als primärer Grund für Irreligiosität im Erwachsenenalter angeführt (McLeod, 2005, S. 228). Die Bedeutung dieser Periode für den Wandel hin zur Irreligiosität wird von Callum Brown deutlich formuliert:
Elaborating on the British context Hugh McLeod mentions individualism, socialism, scientism, feminism, religious criticism, the ‘sexual revolution’ and post-war affluence as reasons for an irreligious direction (McLeod, 2005, p.206). An irreligious family socialisation was indicated by McLeod (and most sociologists studying this period) as a primary reason for irreligiosity in adulthood (McLeod, 2005, p.228). The criticality of this period in altering to irreligiosity is toughly stated by Callum Brown:
Es dauerte mehrere Jahrhunderte (in dem Zeitabschnitt, den Historiker früher als das Dunkle Mittelalter bezeichneten), bis Britannien zum Christentum bekehrt war, doch hat es weniger als vierzig Jahre gedauert, bis das Land dem Christentum den Rücken kehrte (Brown, 2009, S. 1).
It took several centuries (in what historians used to call the Dark Ages) to convert Britain to Christianity, but it has taken less than forty years for the country to forsake it (Brown, 2009, p.1).
Bei einer Untersuchung von 836 Studierenden im kanadischen Kontext identifiziert Bruce Hunsberger die primäre Sozialisation im Elternhaus als den bedeutsamsten Faktor für Irreligiosität (Hunsberger, 1984, S. 1).
Analysing 836 students in a Canadian context, Bruce Hunsberger identifies primary socialisation in the home as the most salient factor for irreligiosity (Hunsberger, 1984, p.1).
Ausgehend vom Zeitraum 1987–2012 im amerikanischen Kontext und unter Heranziehung des General Social Survey (Davis und Smith, 1992) führen Michael Hout und Claude Fischer die zunehmende politische Polarisierung als einen maßgeblichen Grund für Irreligiosität an und stellen fest:
Surveying the time period from 1987-2012 from an American context and using the General Social Survey (Davis and Smith, 1992) to inform their results, Michael Hout and Claude Fischer link increased political polarisation as a salient reason for irreligiosity, stating:
Politisch Linksliberale äußerten deutlich häufiger keine religiöse Präferenz, Gemäßigte taten dies etwas häufiger, und politisch Konservative (Hout und Fischer, 2014, S. 438).
Political liberals became substantially more likely to express no religious preference, moderates became somewhat more likely to do so, and political conservatives (Hout and Fischer, 2014, p.438).
Hout und Fischer erwähnen den Begriff „Autonomie“ ausdrücklich und behaupten:
Hout and Fischer make special mention of ‘autonomy’ claiming:
In diesem Beitrag gehen wir von einem Wertewandel hin zu mehr Autonomie und weg von traditioneller Autorität aus. Bei der Formulierung unserer Hypothese stützen wir uns auf sozialpsychologische Forschung aus den 1950er Jahren, die die Entstehung einer positiven Neigung zugunsten des selbstständigen Denkens feststellte, die wir als „Autonomie“ bezeichnen. Der größte Teil der Belege stammt aus Befragungen, in denen die Teilnehmenden Dinge einordnen sollten, die es für ein Kind wichtig sein könnte zu lernen, darunter „selbst zu denken“ und „zu gehorchen“ sowie weitere potenziell wünschenswerte Eigenschaften (Hout und Fischer, 2014, S. 433).
Original to this paper, we invoke a value shift toward greater autonomy and away from traditional authority. In formulating our hypothesis we have drawn on social psychological research in the 1950s that identified the emergence of a positive bias in favor of thinking for oneself we refer to as “autonomy.” Most evidence has been compiled by asking survey respondents to rank things it might be important for a child to learn, including “to think for him or herself” and “to obey” among other potentially desirable qualities (Hout and Fischer, 2014, p.433).
Darüber hinaus kommt Stephen Merino unter Verwendung des General Social Survey (Davis und Smith, 1992) im amerikanischen Kontext zu dem Schluss:
Furthermore, using the General Social Survey (Davis and Smith, 1992) in an American context, Stephen Merino concludes:
Die jüngsten Kohorten, die ohne Religion aufgewachsen sind, sind noch liberaler – Prozent, verglichen mit etwa 20 Prozent, die sich als konservativ bezeichnen. Ebenso neigen neuere Kohorten, die ohne Religion aufgewachsen sind, deutlich stärker dazu, ein mangelndes Vertrauen in Kirchen und religiöse Organisationen zu äußern (Merino, 2012, S. 10).
The most recent cohorts raised with no religion are even more liberal – percent, compared with roughly 20 percent who self-identify as conservative. Likewise, more recent cohorts raised with no religion are much more likely to express a lack of confidence in churches and religious organizations (Merino, 2012, p.10).
Im britischen Kontext führt Linda Woodhead „individuelle Freiheit“ und „liberale Demokratie“ als einen „maßgeblichen Faktor“ an (Woodhead und Catto, 2012, S. 253) und stellt fest:
In a British context, Linda Woodhead cites ‘individual freedom’ and ‘liberal democracy’ as a ‘salient factor’ (Woodhead and Catto, 2012, p.253), stating:
Meine These lautet daher, dass die wachsende Pluralisierung und Liberalisierung in Großbritannien seit den 1970er Jahren auf gegenläufige Tendenzen im Bereich der Religion gestoßen ist, und dass gerade dieser Widerspruch den zunehmend raschen Anstieg der Kategorie „keine Religion“ mit erklärt. Nicht dass Religion oder Spiritualität als solche dem „modernen Menschen“ zuwider geworden wären, wie manche ältere Säkularisierungstheoretiker und „Aufklärungsatheisten“ gern annahmen, sondern dass die konkreten Formen von Religion, die im spätmodernen Großbritannien angeboten werden, nicht jene sozialen, spirituellen und moralischen Güter bieten, die jüngere Menschen bejahen und ersehnen (Woodhead and Catto, 2012, S. 258).
My argument is thus that growing pluralisation and liberalisation in Britain have, since the 1970s, been met by opposite tendencies in religion, and that it is this clash which helps to explain the increasingly rapid rise of ‘no religion’. It’s not that religion or spirituality per se have become objectionable to ‘modern man’, as some older secularisation theorists and ‘enlightenment atheists’ liked to think, but that the particular kinds of religion on offer in late modern Britain have not offered the social, spiritual and moral goods which younger people affirm and desire (Woodhead and Catto, 2012, p.258).
Woodhead widerlegt die Theorien der Säkularisierung wirkungsvoll, indem sie feststellt:
Woodhead effectively refutes theories of secularisation, stating:
Die ungleichmäßige weltweite Verteilung von „keiner Religion“ untergräbt vereinfachende Darstellungen der Säkularisierung, die sich vorstellten, alle Länder würden durch die unwiderstehlichen Kräfte der Modernisierung auf denselben säkularen Endpunkt zugetrieben (Woodhead, 2012, S. 254).
The patchy global distribution of ‘no religion’ undermines simplistic accounts of secularisation that imagined all countries propelled to the same secular destination point by the irresistible forces of modernisation (Woodhead, 2012, p.254).
Woodhead's Einschätzung der Grenzen von Zensusdaten (die in England alle zehn Jahre erhoben werden) ist nützlich, da sie berücksichtigt, dass die Daten verzerrt sein können, weil die Erhebung durch die Haushaltsvorstände erfolgt (Woodhead, 2012, S. 246). Woodhead begegnet diesen Problemen, indem sie Umfragefragen entwickelt, mit denen das Ausmaß des Atheismus eines Teilnehmers abgestuft erfasst wird (Woodhead, 2012, S. 49–50). Sie kommt zu dem Schluss, dass „nur 13 Prozent der ‚Nones‘ streng säkular sind – was unter 5 Prozent der Bevölkerung entspricht“ (Woodhead, 2012, S. 250), und dass „das Wachstum von ‚keiner Religion‘ nicht mit dem Wachstum des Säkularismus gleichgesetzt werden kann, wie ihn die ‚New Atheists‘ vertreten“ (Woodhead, 2012, S. 250). Fahmi (2018) stützt diese Befunde, indem er berichtet, dass rund 90 % der Amerikaner an eine „höhere Macht“ glauben, obwohl 26 % angeben, keiner Religion anzugehören (Pew Research, 2019). Dementsprechend ist nur eine Minderheit der religiösen „Nones“ entschieden atheistisch.
Woodhead’s appreciation of census data limitations (collected each decade in England) is useful as it accounts for data skewing due to its collection by heads of households (Woodhead, 2012, p.246). Woodhead mitigates these issues by creating survey questions which scale the extent of a participant’s atheism (Woodhead, 2012, p.49-50), concluding that ‘only 13 percent of ‘nones’ are strongly secular—amounting to under 5 per cent of the population’ (Woodhead, 2012, p.250) and that ‘the growth of ‘no religion’ cannot be conflated with the growth of the secularism championed by the ‘New Atheists’ (Woodhead, 2012, p.250). Fahmi (2018) supports these findings reporting that approximately 90% of Americans believe in a ‘higher power’ despite 26% claiming to have no religion (Pew Research, 2019). Accordingly, only a minority of religious ‘nones’ are ‘confidently’ atheistic.
Diese Daten sind bemerkenswert, da sie nahelegen, dass die Zahl der „selbstbewussten Atheisten“ in Großbritannien (5 %) ungefähr der Zahl der Muslime entspricht.
This data is noteworthy as it effectively suggests that the number of ‘confident atheists’ in Britain (5%) is similar to the number of Muslims.