11 Die Struktur des Staates
11 The Structure of the State
68. Die Herrschaftsstruktur im Islam unterscheidet sich grundlegend von allen anderen Herrschaftsstrukturen. Sie ist kein monarchisches System, noch billigt sie das monarchische System. Sie gesteht dem Staatsoberhaupt keine anderen Rechte zu als diejenigen, die jedem Einzelnen in der Umma zustehen. Auch macht sie das Staatsoberhaupt nicht zum Eigentümer; er ist vielmehr ein Vollstrecker der Schari'a Allahs. Zudem ist er nicht ein Symbol für die Umma, bei dem er besitzt, aber nicht regiert. Vielmehr wird er von der Umma in das Amt der Herrschaft eingesetzt, wo er in ihrem Namen regiert, ohne irgendetwas von dieser Herrschaft zu besitzen. Diese Struktur kennt auch keinerlei Kronprinzenschaft.
68. The ruling structure in Islam fundamentally differs from all other structures of ruling. It is not a monarchical system, nor does it approve of the monarchical system. It does not allow the head of the state any rights other than those that any individual in the Ummah is entitled to. Nor does it make the head of the state an owner; he is rather an executor of the Shar’ of Allah. Also, he is not a symbol for the Ummah, where he owns but does not govern. He is rather appointed by the Ummah in the post of ruling, where he governs on her behalf, without owning any thing of this ruling. This structure does not have crown prince hood at all either.
Es ist auch kein republikanisches System. Die Führung des Staates ist darin nicht auf einen bestimmten Zeitraum festgelegt. Vielmehr ist sie auf eine bestimmte Weise festgelegt. Somit muss der Khaleefah bestimmte Bedingungen erfüllen, um für das Amt des Khilafah geeignet zu sein. Verletzt er eine dieser Bedingungen, so wird er vom Khilafah ausgeschlossen und sofort abgesetzt oder unterliegt der Absetzung. Solange er diese Bedingungen erfüllt, bleibt er jedoch Khaleefah bis zu seinem Tod. Außerdem beschränkt das Volk im republikanischen System die Befugnisse des Präsidenten der Republik. Dies unterscheidet sich vom Islam, wo die Befugnisse des Staatsoberhauptes nicht beschränkt sind; denn er besitzt alle Befugnisse, und er ist der Staat mit all seinen Funktionen.
Nor is it a republic system. The leadership of the state in it is not fixed for a specific period. It is rather fixed with a specific manner. Thus, the khaleefah has to meet certain conditions in order to be suitable for the post of Khilafah. If any of these conditions was broken, then he will become alien from the Khilafah, and he is removed immediately or becomes subject to removal. However, as long as he meets these conditions, he will remain as khaleefah until he dies. Moreover, the people limit the functions of the president of the republic in the republican system. This is different to Islam, where the functions of the head of the state are not limited; for he has all the functions, and he is the state with all of its functions.
Es ist auch kein autokratisches System, denn das Staatsoberhaupt ist durch die Ahkaam der Shar' gebunden. Es kann also weder etwas erlauben, was harām ist, noch etwas verbieten, was halāl ist. Vielmehr ist es an die Shar' gebunden. Dies unterscheidet sich vom autokratischen System, in dem das Staatsoberhaupt uneingeschränkte Autorität besitzt und nach seiner eigenen Ansicht handelt. Er ist dort der Gesetzgeber und zugleich der Vollstrecker. Der Khalīfah hingegen ist nicht der Gesetzgeber, sondern vielmehr der Vollstrecker der Shar'.
It is also not an autocratic system, because the head of the state is restricted by the ahkaam of Shar’. So he cannot allow something that is haraam, nor prohibit something that is halaal. He is rather bound by the Shar’. This is different to the autocratic system, where the head of the state has unrestricted authority and he proceeds according to his own view. He is the legislator and the executor. While the Khaleefah is not the legislator, he is rather executor of the shar’.
Es ist auch kein imperialistisches System. Denn die regierten Provinzen sind, so verschieden sie auch in ihrer ethnischen Herkunft sein mögen, alle mit einer zentralen Autorität verbunden. Der Islam stellt die unterschiedlichen ethnischen Herkünfte im gesamten Staat auf die gleiche Stufe. Er verschafft dem Zentrum des Staates gegenüber den anderen Provinzen keinen Vorteil. Außerdem haben alle Provinzen einen gemeinsamen Haushalt, und die Einnahmen werden im Interesse aller erhoben. Die Ausgaben in jeder Provinz werden nicht auf Grundlage der eigenen Einnahmen beschlossen, sondern auf Grundlage ihrer eigenen Bedürfnisse, unabhängig von der Höhe ihrer Einnahmen. Darüber hinaus gelten in allen Provinzen dasselbe Recht und dieselbe Herrschaftsgewalt.
It is not also an imperialistic system. This is because the governed provinces, no matter how much they are different in terms of ethnic origins, they are all related to one central authority. Islam put the different ethnic origins all over the State on the same level. It does not give the centre of the state any advantage over the other provinces. Besides, all the provinces have one budget and revenues are collected for the interest of all of them. Expenses in each province are not decided based on its own revenues, rather based on its own needs, regardless of the amount of its revenues. Moreover, all the provinces have the same law and ruling authority.
Es ist auch kein föderales System, in dem seine Provinzen durch ihre Selbstverwaltung getrennt und zugleich durch die gemeinsame Herrschaft vereint sind. Vielmehr handelt es sich um ein System der Einheit, in dem alle seine Provinzen als ein einziges Land betrachtet werden. Keine seiner Provinzen besitzt irgendeine Herrschaftsbefugnis, weder in der Innenpolitik, der Außenpolitik, der Wirtschaft noch im Bildungswesen oder überhaupt irgendeine andere Befugnis. Vielmehr liegt die gesamte Autorität in einer Hand und in einem Zentrum. Die Scharia hat das Töten und Kämpfen angeordnet, um die Einheit zu bewahren. Der Gesandte Allahs ﷺ sagte: „Und wer einem Imam den Treueid geleistet und ihm die Hand gereicht hat, die Frucht seines Herzens, so soll er ihm gehorchen, soweit er kann. Kommt aber ein anderer, der ihm die Herrschaft streitig machen will, so schlagt dem anderen den Hals ab.“ Somit unterscheidet sich die Struktur des Staates von der Struktur aller anderen Staaten. Er ist ein Khalif, der die Scharia umsetzt; er kann kein Khalif werden, das heißt, er besitzt keine Befugnis, es sei denn, die Muslime haben ihn durch den Treueid bestellt, freiwillig und mit Freude. Sobald er Khalif geworden ist, fallen alle Herrschaftsfunktionen allein in seine Hände.
It is also not a federal system, where its provinces are separate through their self-autonomy, and at the same time united through the common ruling. It is rather a system of unity, where all its provinces are considered one country. None of its provinces has any of the ruling authority, neither in the internal policy, foreign policy, economy or education, or any other authority at all. Rather, the whole authority is in one hand, and in one center. The Shar’ ordered killing and fighting in order to preserve the unity. The Messenger (PBUH) said: “And whoever gave a bay’ah to an Imam, thus giving him the clasp of his hand the fruit of his heart, let him obey him as much as he can. If any other person came wanting to dispute with him, then strike the neck of the other person.” Thus, the structure of the State differs from the structure of all the other States. He is a Khaleefah who implements the Shar’; he cannot become a Khaleefah, i.e. he does not have the authority, unless the Muslims appointed him by the bay’ah, willingly and happily. Once he becomes Khaleefah, all the functions of ruling fall into his hands alone.
69. Autorität unterscheidet sich von Gewalt, auch wenn sie ohne Gewalt nicht fortbestehen kann. Ebenso unterscheidet sich Gewalt von Autorität, auch wenn sie ohne Autorität nicht rechtmäßig sein kann.
69. Authority differs from force, though it cannot continue without it. Similarly, force differs from authority, though it cannot be sound without it.
Autorität ist Herrschaft, und sie ist die Wilaayat ul-Amr (die Verantwortung für die Angelegenheiten). Sie ist eine ausführende Instanz für die Gesamtheit der Gedanken, Konzepte und Maßstäbe, die von der Ummah angenommen werden. Die Funktion der Autorität (Sultaan) besteht somit darin, die Regeln (Ahkaam) auszuführen, sich um die Belange der Menschen zu kümmern und ihre Angelegenheiten zu verwalten.
Authority is ruling, and it is the Wilaayat ul-Amr (responsibility in charge). It is an executing entity for the host of thoughts, concepts and criteria accepted by the Ummah. Thus, the function of the authority (sultaan) is to execute the rules (aHkaam), look after the affairs of the people, and manage their matters.
So unterscheidet sich Gewalt von Autorität, obwohl Autorität ohne Gewalt nicht bestehen kann. Denn Gewalt ist das Mittel, mit dem die Autorität geschützt wird, und ebenso den Komplex aus Gedanken, Konzepten, Maßstäben und Regeln, auf dem die Autorität gründet. Gewalt ist zugleich ein Mittel, dessen sich die Autorität bedient, um die Regeln durchzusetzen, Verbrecher, Tyrannen und Übeltäter zu unterdrücken und sie zu bezwingen, bis sie sich den Regeln unterwerfen.
Thus, it is different to force, though authority cannot exist without force. This is because force is the tool for protecting the authority and the host of thoughts, concepts, criteria and rules upon which the authority is established. Force is, at the same time, a tool that the authority uses to execute the rules, repress the criminals, tyrants and offenders, and subdue them until they abide by the rules.
Was die Gewalt im Staat betrifft, so dient sie nicht dazu, sich um die Angelegenheiten des Volkes zu kümmern oder dessen Belange zu verwalten. Mit anderen Worten: Sie ist keine Autorität (Sultaan), obwohl das Bestehen, die Bildung, die Führung, die Planung und die Vorbereitung der Gewalt ohne Autorität nicht möglich sind.
As for force in the State, it is not for looking after the affairs of the people or managing their matters. In other words, it is not authority (sultaan), though the existence, formation, management, planning and preparation of force are not possible without authority.
Gewalt ist eine physische Macht, verkörpert durch das Militär, einschließlich der Polizei, mit der die Autorität Regeln durchsetzt, Verbrecher und Sünder bezwingt, Aufständische unterdrückt und Angreifern Widerstand leistet. Sie wird außerdem als Mittel verstanden, die Autorität zu schützen sowie das Gefüge von Gedanken, Konzepten und Maßstäben, auf dem die Autorität gegründet ist.
Force is a physical entity represented in the army, including the police, by which the authority executes rules, subdues the criminals and sinners, suppresses the rebels and resists the aggressors. It is also taken as a tool to protect the authority and the host of thoughts, concepts and criterion, on which the authority is established.
Daraus wird deutlich, dass Autorität etwas anderes ist als Zwang, und Zwang etwas anderes als Autorität.
It thus becomes obvious that authority is different to force, and that force is something different to authority.
Deshalb ist es nicht erlaubt, dass die Autorität zur Gewalt wird; denn würde die Autorität zur Gewalt, so würde ihre Fürsorge für die Angelegenheiten der Menschen verdreht. Dies liegt daran, dass die Begriffe und Maßstäbe der Autorität zu Begriffen der Unterdrückung, des Zwangs und der Herrschaft würden und nicht zu Begriffen der Fürsorge. Die Autorität würde sich außerdem in eine Militärherrschaft verwandeln, die keine andere Aufgabe hat als Einschüchterung, Beherrschung, Unterdrückung, Zwang und das Vergießen von Blut.
Therefore, it is not allowed for the authority to become force; because if the authority became force, then it’s caring for the people’s affairs would be perverted. This is because the authority’s concepts and criterion would become concepts of suppression, oppression and dominion, and not concepts of caring. The authority would also change to become a military rule that has no task other than intimidation, domination, suppression, oppression and shedding blood.
Da es nicht erlaubt ist, dass die Autorität zur Gewalt wird, ist es ebenso nicht erlaubt, dass die Gewalt zur Autorität wird, denn sie würde dann anfangen, nach der Logik der Macht zu herrschen. Sie würde auch die Angelegenheiten der Menschen mit den Begriffen und Maßstäben des Kriegsrechts und den Vorstellungen von Unterdrückung und Gewaltherrschaft führen. Diese beiden Vorgehensweisen würden Zerstörung und Verderben hervorbringen, Schrecken, Furcht und Panik verursachen und die Umma an den Rand des Untergangs führen. Dies würde der Umma den größten Schaden zufügen, während der schariatische Grundsatz besagt: „Es ist nicht erlaubt, Schaden zuzufügen, noch Schaden mit Schaden zu vergelten.“
As it is not allowed for the authority to change to become force, it is likewise not allowed for the force to become authority, because it would start to rule using the logic of power. It would also look after the affairs of the people with the concepts and criterion of martial laws and the concepts of suppression and oppression. These two approaches would create destruction and ruin, cause terror, fear and panic, and lead the Ummah to the brink of ruin. This would cause greatest harm to the Ummah, while the Shar’ee principle states: “it is not allowed to inflict harm, and nor to answer harm with harm.”.
70. Das Herrschaftssystem beruht auf vier Grundsätzen:
70. The ruling system is based on four principles:
a) Die Souveränität gehört der Scharia und nicht dem Volk.
a) Sovereignty is for the Sharee’ah and not for the people.
b) Die Autorität liegt bei der Ummah.
b) Authority belongs to the Ummah.
c) Die Einsetzung eines einzigen Khalifen ist für die Muslime Fardh.
c) Appointment of a single Khaleefah is Fard on the Muslims.
d) Nur der Khalifah hat das Recht, Regeln der Scharia zu erlassen.
d) Only the Khaleefah has the right to adopt Sharee’ah rules.
So ist der Khalifah derjenige, der die Verfassung und die Gesetze in Kraft setzt. Dass die Souveränität Allah gehört und nicht dem Volk, wie es demokratische Verfassungen festlegen, liegt daran, dass die islamische Umma nicht von ihrem Willen geleitet wird, um zu tun, was immer sie möchte. Vielmehr wird sie durch die Gebote und Verbote Allahs geleitet. Sie ist der Scharia unterworfen, und daher gehört die Souveränität der Scharia. Dass die Autorität der Umma zukommt, liegt daran, dass die Scharia angeordnet hat, dass der Khalifah durch die Umma bestellt wird und dass der Khalifah die Autorität durch die Bay'ah erhält. Der dritte Grundsatz, die Pflicht zur Bestellung des Khalifah, ist im edlen Hadith belegt, in dem er ﷺ sagte:
So the Khaleefah is the one who enacts the constitution and canons. As for the sovereignty belonging for Allah and not for the people, as is stipulated by democratic constitutions, this is because the Islamic Ummah is not directed by her will, to do whatever she wishes. Rather, she is directed by the orders and prohibitions of Allah. She is subject to the Sharee’ah and hence sovereignty belongs to the Sharee’ah. As for the authority belonging to the Ummah, this is because the Sharee’ah has enjoined that the Khaleefah be appointed via the Ummah and that the Khaleefah takes the authority through the Bay’ah. As for the third principle, the obligation of appointing the Khaleefah, it is established in the noble Hadeeth: He (PBUH) said:
„Wer seine Hand von einem Gehorsam zurückzieht, wird Allah am Tag des Gerichts ohne Beweis für sich begegnen; und wer ohne eine Bai'a auf seinem Hals stirbt, stirbt den Tod der Dschahiliyya.“ Die Pflicht (Wadschib) ist also das Vorhandensein der Bai'a auf dem Hals eines jeden Muslims, d. h. das Vorhandensein eines Kalifen, der aufgrund seiner Präsenz eine Bai'a am Hals eines jeden Muslims verdient. Was den vierten Grundsatz betrifft, so ist dieser durch den Idschma' der Sahaba festgestellt worden. Aus diesem Idschma' wurden die bekannten Grundsätze der Scharia abgeleitet: „Der Befehl des Imams beendet den Streit“, „der Befehl des Imams wird ausgeführt“, „Der Sultan (Imam) behält sich das Recht vor, neue Gesetze für die zahlreichen neu aufkommenden Angelegenheiten zu erlassen.“
“The one who withdraws his hand from an obedience he will meet Allah on the Day of Judgment with no proof for him; and the one who dies without a bay’ah on his neck will die the death of Jaahiliyyah.” So the waajib is the presence of the bay’ah on the neck of every Muslim, i.e. the presence of a Khaleefah who, through his presence, deserves a bay’ah in the neck of every Muslim. As for the fourth principle, this has been established by the Ijmaa’ of the Sahabah. From this Ijmaa’ the famous Sharee’ah principles have been taken: “The order of the Imaam removes the dispute,” “the order of the Imaam is executed,” “The Sultan (Imam) reserves the right to adopt new laws for as many new matters that arise.”.
71. Der Staat beruht auf acht Säulen:
71. The state is based on eight pillars:
1. Der Khalifa 2. Bevollmächtigte Gehilfen – mit Vollmachten 3. Die ausführenden Gehilfen 4. Der Emir des Dschihad 5. Die Statthalter (Walis)
1. The Khaleefah 2. Delegated Assistants - with powers of attorney 3. The Executing Assistants 4. The Ameer of Jihad 5. The Governors (Waalis)
6. Die Judikative 7. Die Verwaltungsabteilungen 8. Die Madschlis al-Ummah Der Gesandte Allahs ﷺ errichtete die Struktur des Staates in diesem Rahmen, und er befahl den Muslimen, ein Staatsoberhaupt zu bestimmen, als er ihnen befahl, einen Khalifen einzusetzen. Der Gesandte ﷺ wählte Abu Bakr und Umar zu seinen Wesiren, d. h. Beratern. Er ﷺ sagte:
6. The Judiciary 7. The Administrative Departments 8. The Majlis of the Ummah The Messenger of Allah (PBUH) established the state structure in this framework and he ordered the Muslims to appoint a head of state when he ordered them to appoint a Khaleefah. The Messenger (PBUH) chose Abu Bakr and Umar as his wazeers i.e. assistants. He (PBUH) said:
„Meine beiden Minister unter den Menschen auf Erden sind Abu Bakr und Umar.“ Was die Provinzen betrifft, so setzte er Walis ein und setzte Richter (Qadis) ein, die zwischen den Menschen richten. Was die Verwaltung betrifft, so setzte der Gesandte ﷺ Verwalter ein, die die verschiedenen Regierungsabteilungen leiteten. Was das Emirat des Dschihad betrifft, das die folgenden Bereiche verwaltet: Außenpolitik, Krieg, innere Angelegenheiten und Industrieangelegenheiten, so übernahmen der Gesandte ﷺ und die Khulafaa’ nach ihm dieses Amt selbst. ‘Umar b. al-Khattab jedoch richtete eine Abteilung für die Soldaten ein und setzte eine bestimmte Person dafür verantwortlich, was zu den verpflichtenden Befugnissen des Emirs des Dschihad gehört. Was die Majlis al-Ummah betrifft, so beriet sich der Gesandte ﷺ mit den Muslimen, wann immer er es wollte. Er rief beständig bestimmte Personen zur Beratung hinzu, und sie waren die Vertreter des Volkes. Dies macht deutlich, dass der Gesandte ﷺ den Staat in einer bestimmten Form strukturierte.
“My two ministers among the people of the earth are Abu Bakr and Umar.” As for the provinces, he appointed waalis and he appointed judges (qaadis) to judge between the people. As for the administration, the Messenger (PBUH) appointed administrators to manage the various governmental departments. As for the ameership of Jihaad, which will administrate the following aspects: foreign affairs, war, internal affairs and industrial affairs, the Messenger (PBUH) and the Khulafaa’ after him used to undertake this post themselves. However, ‘Umar b. al-Khattab established a department for the soldiers and appointed a specific person to be responsible for it, which is one of the mandatory powers of the Ameer of Jihaad. As for the Majlis al- Ummah, the Messenger (PBUH) used to consult the Muslims whenever he wanted. He used to call upon certain individuals consistently to consult them and they were the representatives of the people. This makes clear that the Messenger (PBUH) established a structure for the state in a specific form.
72. Der Khalifa ernennt einen bevollmächtigten Stellvertreter, der die Verantwortung der Herrschaft übernimmt. Der Khalifa überträgt ihm die allgemeine Verantwortung für die Führung der Angelegenheiten nach seiner eigenen Auffassung und ihre Ausführung auf der Grundlage seines Idschtihād.
72. The Khaleefah appoints a delegated assistant to undertake the responsibility of ruling. The Khaleefah delegates to him the general responsibility of managing the affairs according to his view and to execute them based on his Ijtihaad.
Deshalb wird festgelegt, dass die Ernennung nur dann ein Vollmachtsvertrag ist, wenn sie einen Wortlaut enthält, der eine allgemeine Aufsicht anzeigt, d. h. der anzeigt, dass er alle verpflichtenden Befugnisse der Herrschaft besitzt. Mit anderen Worten: Der Wortlaut muss erkennen lassen, dass er der Stellvertreter des Khalifen ist. Daher muss man bei der Ernennung des Gehilfen Worte verwenden, die die Wirklichkeit des Gehilfen anzeigen: dass er der Stellvertreter des Khalifen ist und alle verpflichtenden Befugnisse des Khalifen übernimmt. Er hat, was der Khalif an Herrschaftsbefugnissen hat. Was die Autorität betrifft, ist er genau wie der Khalif. Deshalb beschwerten sich die Leute bei Abu Bakr über ‘Umar, als ‘Umar die Verantwortung eines Gehilfen übernahm. Sie fragten ihn: „Bist du der Khalif oder ist es ‘Umar?“ Er antwortete: „Ich und er.“ Und das geschah vor den Sahaba. Der Gehilfe kann jedoch nichts unternehmen, bevor er den Khalifen vor der Handlung informiert hat. Hindert ihn der Khalif daran, so unterlässt er die Handlung; andernfalls führt er sie aus. Den Khalifen zu informieren bedeutet jedoch nicht, dass eine Erlaubnis eingeholt wurde; es heißt lediglich, den Khalifen über etwas in Kenntnis zu setzen. Er wartet nicht auf eine Erlaubnis, sondern führt die Handlung nach der Information aus, es sei denn, der Khalif hindert ihn daran. Der Khalif ist berechtigt, Handlungen des Gehilfen aufzuheben, wenn es Handlungen waren, die der Khalif selbst hätte aufheben können, hätte er sie selbst unternommen. Bei Handlungen hingegen, die der Khalif selbst auch dann nicht hätte ändern können, wenn er sie unternommen hätte, kann der Khalif sie nicht aufheben, wenn der Gehilfe sie ausgeführt hat. Dies kann eine Entscheidung sein, die der Gehilfe in der richtigen Weise vollzogen hat, oder Geld, das er seiner Bestimmung gemäß ausgegeben hat. Der Khalif muss alle Handlungen des Gehilfen überprüfen, um die richtigen zu bestätigen und die falschen zu berichtigen. So vertritt der Gehilfe den Khalifen in allen Aufgaben des Khilafah. Jedoch besteht seine Aufgabe darin, dem Khalifen jede Angelegenheit, die er erledigt hat, und jede Ernennung, die er vorgenommen hat, mitzuteilen; all dies muss vor der Ausführung geschehen. Daneben hat er sich jeder Handlung zu enthalten, die ihm untersagt ist. Dieser Assistent wurde früher als Wesir der Befugnisübertragung (wazeer tafweedh) bezeichnet.
That is why it is stipulated that in order for the appointment to be a contract of delegation, it should include wording that indicates it is a general supervision, i.e. it indicates that he has all the mandatory powers of ruling. In other words, it should include wording that indicates that he is the delegate of the Khaleefah. Therefore, when appointing the assistant, one must use words that indicate the reality of the assistant, that he is the delegate of the Khaleefah, and he takes all the mandatory powers of the Khaleefah. He has what the Khaleefah has in terms of ruling powers. In terms of authority he is exactly like the Khaleefah. That is why the people used to complain to Abu Bakr about ‘Umar, when Umar assumed the responsibility of assistant. They used to ask him: “are you the Khaleefah or is it ‘Umar?” He used to reply: “me and him”; and this happened in front of the Sahabah. However, the assistant cannot undertake something until he has informed the Khaleefah before doing the action. If the Khaleefah prevents him then he desists from undertaking the action, otherwise he would execute it. Informing the Khaleefah about something does not mean permission has been taken; it is rather informing the Khaleefah about something. He does not wait for permission but does the action after informing the Khaleefah, unless the Khaleefah prevents him from doing so. The Khaleefah is entitled to cancel actions undertaken by the assistant, if they were actions that the Khaleefah could cancel if he had undertaken them himself. As for the actions that the Khaleefah himself could not change if he undertook them, the Khaleefah can’t cancel them if the assistant executed them. This could be a ruling that the assistant executed in its proper way, or money that he spent for its due. The Khaleefah must review all the actions of the assistant, so as to endorse the correct ones and rectify the wrong ones. Thus the assistant represents the Khaleefah in all the functions of Khilafah. However, his function is to inform the Khaleefah of every matter he accomplished and every appointment he performed; all of that must be done before execution. This is beside him abstaining from any action he is obstructed from doing. This assistant used to be called delegate assistant ‘wazeer tafweedh’.
73. Der Khalifah ernennt einen ausführenden Assistenten. Seine Aufgabe gehört zu den administrativen Handlungen und nicht zur Herrschaft. Seine Abteilung führt die Anweisungen aus, die der Khalifah an die Innen- und Außenressorts erteilt, und legt ihm alle Angelegenheiten zur Prüfung vor, die von diesen Ressorts zu bearbeiten sind. Auf diese Weise wird er zur Verbindung zwischen dem Khalifah und den anderen: Er leitet die Befehle weiter, die der Khalifah erlässt, und berichtet dem Khalifah zurück, was ihm vorgelegt wurde. Diese Struktur steht als Assistent des Khalifah, doch ist es ein Assistent in der Ausführung, nicht in der Herrschaft. Daher hat der Khalifah das Recht, jemanden zu ernennen, der die Handlungen mit ihm durchführt; und er kann mehr als eine Person in diesem Amt ernennen. Ernennt er mehr als eine Person, so beauftragt er jede davon, eine bestimmte Abteilung zu leiten. Der ausführende Assistent, der „Wazeer Tanfeedh“, ist unmittelbar mit dem Staatsoberhaupt verbunden. Seine Beziehung besteht allein zum Staatsoberhaupt, denn er führt aus, was dieser von ihm will, und berichtet ihm, was an ihn gelangt. Er ist also wie der Assistent, der zu den Strukturen gehört, die unmittelbar mit dem Khalifah verbunden sind, jedoch nicht zu den herrschaftlichen Strukturen gehört. Demnach besteht das Haus des Khilafah aus drei Teilen: erstens dem Khalifah, dem Staatsoberhaupt; zweitens den Assistenten, die „Wazeers of Tafweedh“ genannt werden; und drittens der Struktur der Ausführung, die „Wazeer Tanfeedh“ genannt wird.
73. The Khaleefah will appoint an executive assistant. His work is part of the administrative actions and not part of ruling. His department executes the directives issued by the Khaleefah to the home and foreign departments, and submits all business to him that needs to be looked into from those departments, so that he becomes the connection between the Khaleefah and others, where he channels what the orders the khaleefah issues of and he reports back to the khaleefah what has been submitted to him. This structure stands as an assistant to the Khaleefah, though it is an assistant in execution, not in ruling. So the Khaleefah has the right to appoint someone who will carry out the actions with him; and he can appoint more than one person in that post. If he appointed more than one person, he would assign each one to head a specific division. The executing assistant ‘wazeer tanfeedh’ is directly linked to the head of State. His relationship is only with the head of State, because he executes what he wants from him, and reports to him what comes (to him). So he is like the assistant, which is from the structures directly linked to the Khaleefah, though it is not from the ruling structures. Accordingly, the house of Khilafah consists of three sections: firstly, the Khaleefah, who is the head of State; secondly, the assistants or what is called ‘wazeers of tafweedh’; and thirdly the structure of execution, or what is called ‘wazeer tanfeedh.’.
74. Die Majlis al-Ummah setzt sich aus Personen zusammen, die die Muslime vertreten, indem sie die Herrscher zur Rechenschaft ziehen und ihnen gegenüber ihre Meinung vertreten, damit der Khaleefah auf sie zurückgreifen kann. Nichtmuslimen ist es erlaubt, Mitglieder der Majlis al-Ummah zu sein, um ihre Beschwerden über jegliche Unterdrückung durch die Herrscher oder über die fehlerhafte Anwendung der Regeln des Islam auf sie vorzubringen. Sie haben kein Recht, in der Shura konsultiert zu werden, die Kandidaten für das Khilafah auszuwählen, den Khaleefah zu wählen, ihm die Bay’ah zu geben oder die Gesetze und deren Gesetzgebung zu erörtern. Diese Mitglieder werden direkt vom Volk gewählt. Jeder, der die Staatsbürgerschaft besitzt, mündig und bei klarem Verstand ist, hat das Recht, Mitglied der Majlis zu sein, sei es Mann oder Frau, Muslim oder Kaafir. Die muslimischen Mitglieder sind berechtigt, die Kandidaten für das Khilafah auszuwählen, und ihre Meinung in dieser Angelegenheit ist bindend.
74. The Majlis al-Ummah is composed of people who represent the Muslims in accounting the rulers and representing them in opinion so that the Khaleefah can refer to them. It is allowed for non- Muslims to be part of the majlis al-Ummah in order to voice their complaints about any oppression of the rulers, or about the misapplication of the rules of Islam upon them. They do not have a right to be consulted (in Shura), to select the candidates for the Khilafah, to elect the Khaleefah, to give him bay’ah, or to discuss the laws and their legislation. These members are elected directly by the people. Anyone who carries the citizenship is mature and sane, has the right to be a member of the Majlis, whether man or women, Muslim or kaafir. The Muslim members are entitled to select the candidates for the Khilafah and their opinion in this matter is binding.
75. Die Muslime haben das Recht, politische Parteien zu gründen, um die Herrschenden zur Rechenschaft zu ziehen und über die Umma an die Macht zu gelangen, unter der Bedingung, dass diese Parteien auf der Grundlage der islamischen ʿAqīda gegründet werden und die Regeln, die sie übernehmen, aus den Bestimmungen der Scharīʿa stammen. Die Partei benötigt keine Lizenz. Jede Partei, die auf etwas anderem als dem Islam beruht, ist verboten, so etwa kommunistische, nationalistische oder patriotische Parteien.
75. The Muslims have the right to establish political parties to account the rulers and to arrive at power via the Ummah, on condition that these parties are established on the basis of the Islamic ‘Aqeedah and the rules that they adopt are from the Sharee’ah rules. The party does not need any license; any party based on other than Islam is banned, such as communist, nationalistic or patriotic parties.
76. Alle Bürger haben das Recht, jede Zeitung oder Zeitschrift, ob politisch oder anderer Art, herauszugeben und jedes Buch ohne Notwendigkeit einer Lizenz zu veröffentlichen. Wer etwas druckt, verbreitet oder veröffentlicht, das der Grundlage widerspricht, auf der der Staat gegründet ist, nämlich der islamischen ‘Aqeedah, wird bestraft.
76. All citizens have the right to issue any newspaper or journal, whether political or otherwise, and issue any book without the need for a license. Anyone who prints, propagates or publishes anything that contradicts the basis on which the state is established, i.e. the Islamic ‘Aqeedah, will be punished.