8. Wir machten ihn zu anderen Gestalten
8. We Made Him Into Other Forms
Dann haben wir ihn in andere Gestalten verwandelt.
Then we made him into other forms
Das Wort khalqan bedeutet gestalten, formen und modellieren. Es bedeutet auch machen, erschaffen und hervorbringen.91 Das Wort akhara bedeutet ein anderer oder noch einer.92 Al-Razi zitiert den Gefährten des Propheten ﷺ und Koranexegeten Ibn Abbas, dass „andere Formen“ alle verschiedenen Arten des Wachstums umfasst, einschließlich des Fötus-, Säuglings- und Kindesalters.93
The word khalqan means to shape, to form and to mold. It also means to make, to create and to originate.91The word akhara means another or one more.92 Al-Razi quotes the companion of the Prophet ﷺ, and qur’anic exegete, Ibn Abbas that ‘other forms’ signifies all various types of growth including foetal, infancy, and childhood. 93
WISSENSCHAFTLICHE INTERPRETATION
SCIENTIFIC INTERPRETATION
Die Begriffe, die im Qur'an zur Beschreibung des abschließenden Prozesses verwendet werden, entsprechen der modernen Embryologie. Von der 8. Woche bis zum Ende der Schwangerschaft findet die Phase des Wachstums und der Vergrößerung statt, während der das Baby beginnt, menschenspezifische ästhetische Merkmale auszubilden. Diese Phase wird gewöhnlich als fetales Stadium bezeichnet. Die „Gestalt“ des Babys entwickelt sich von ununterscheidbar zu „geformt“ und „gestaltet“ in die menschliche „Form“. Barry Mitchell und Ram Sharma beschreiben diese Wachstumsphase:
The terms used in the Qur’an to describe the final process correspond to modern embryology. From the 8th week to the end of pregnancy the period of growth and enlargement occurs, during which time the baby begins to form human-specific aesthetic features. This is usually called the foetal stage. The baby’s ‘shape’ develops from indistinguishable to being ‘molded’ and ‘made to look like’ the human ‘form’. Barry Mitchell and Ram Sharma convey this stage of growth:
Der Zeitraum vom Ende der 8. Woche bis zur vollen Schwangerschaftsdauer (38 Wochen) ist eine Phase des Wachstums und der Vergrößerung (die Fetalperiode).94
The period of time from the end of week 8 to full term (38 weeks) is a phase of growth and enlargement (the fetal period).94
ZUSAMMENFASSUNG
SUMMARY
Das Stadium khalqan akhara: Das Ende des embryonalen Stadiums und der Beginn einer neuen Wachstumsphase.
The khalqan akhara stage: The end of the embryonic stage, and the beginning of a new phase of growth.
WAR AL-HARITH BIN KALADA DIE QUELLE DES MEDIZINISCHEN WISSENS DES PROPHETEN ﷺ?
WAS AL-HARITH BIN KALADA THE SOURCE OF THE PROPHET’S MEDICAL KNOWLEDGE
Der Arzt al-Harith bin Kalada wurde Mitte des 6. Jahrhunderts im Stamm der Banu Thaqif in Ta’if geboren. Einige Historiker vertreten die Auffassung, dass er seine medizinische Ausbildung an der medizinischen Schule von Dschundaischapur erhielt, wo er die Lehren des Aristoteles und Galens kennenlernte.95 Diesen Historikern zufolge:
The physician al-Harith bin Kalada was born in the middle of the 6th century in the tribe of Banu Thaqif in Ta’if. Some historians maintain that he received his medical education at the Jundishapur medical school where he learnt the teachings of Aristotle and Galen.95 According to these historians:
Die entscheidende Verbindung zwischen islamischer und griechischer Medizin ist in der späten sasanidischen Medizin zu suchen, besonders in der Schule von Dschundischapur und weniger in jener von Alexandria. Zur Zeit des Aufkommens des Islam stand Dschundischapur in seiner Blüte. Es war das bedeutendste medizinische Zentrum seiner Zeit und vereinte die griechische, indische und iranische medizinische Tradition in einer weltoffenen Atmosphäre, die den Boden für die islamische Medizin bereitete. 96
The major link between Islamic and Greek medicine must be sought in late Sasanian medicine, especially in the School of Jundishapur rather than that of Alexandria. At the time of the rise of Islam Jundishapur was at its prime. It was the most important medical centre of its time, combining the Greek, Indian and Iranian medical traditions in a cosmopolitan atmosphere which prepared the ground for Islamic medicine. 96
Dieser Erzählung zufolge glauben einige Historiker und Kommentatoren, der Prophet Muhammad ﷺ habe die Berichte von Aristoteles und Galen über den sich entwickelnden menschlichen Embryo über Ibn Kalada abgeschrieben und bei ihm medizinischen Rat gesucht.97 Dies ist aus verschiedenen Gründen unbegründet.
Following this narrative some historians and commenta tors believe the Prophet Muhammad plagiarised Aristotle’s and Galen’s accounts of the developing human embryo via bin Kalada, and sought medical advice from him.97 This is unfounded for various reasons.
1. Wie bereits erörtert: Wenn der Prophet ﷺ tatsächlich vom Wissen des Ibn Kalada über die griechischen Ärzte beeinflusst worden wäre, wie hat er dann konkret das Falsche zurückgewiesen, das Richtige verbessert und neue Stufen oder Teile der Prozesse hinzugefügt, die allesamt durch die moderne Embryologie bestätigt werden?
1. As previously explored, if the Prophet ﷺ had indeed been influenced by bin Kalada’s knowledge of the Greek physicians, how did he specifically reject what was wrong, improve what was right, and add new stages or parts of the processes, of which all are corroborated by modern embryology?.
2. Die Behauptung, der Prophet ﷺ habe bei Ibn Kalada medizinischen Rat eingeholt, impliziert und bedingt weder die Tatsache, dass er Ibn Kaladas Werk abgeschrieben habe. Die Beweislast liegt bei demjenigen, der die Behauptung aufstellt. Aus historischer Sicht gibt es keinen direkten und eindeutigen Beleg dafür, dass der Prophet ﷺ seine Ansichten zur Embryologie über Ibn Kalada entwickelt hat.
2. Claiming the Prophet ﷺ sought medical advice from bin Kalada neither implies nor stipulates the fact that he copied bin Kalada’s work. The onus of proof is on the one who is making the claim. From a historical perspective there is no direct and explicit evidence that indicates the Prophet ﷺ manufactured his views on embryology via bin Kalada.
3. Frühe historische Quellen über das Leben des Propheten ﷺ veranschaulichen und betonen die Integrität seines Charakters. Er war kein Lügner, und dies zu behaupten ist unhaltbar. Die Annahme, er habe bin Kalada abgeschrieben, während er am Qur'an als dem Wort Gottes festhielt, ist daher undenkbar. Selbst seine Gegner verkündeten ihn als den „Vertrauenswürdigen“ ﷺ.98
3. Early historical sources on the Prophet’s ﷺ life illustrate and emphasise the integrity of his character. He was not a liar and to assert as much is indefensible. The presumption that he copied bin Kalada, while maintaining the Qur’an to be the word of God, is therefore inconceivable. He was known even by the enemies to his message as the “Trustworthy”.98
Eine einflussreiche Mythologie hat sich um die nestorianische Tätigkeit in der Stadt Gondeschapur [Dschundischapur] im südwestlichen Persien gebildet. Der oft wiederholten Legende zufolge machten die Nestorianer Gondeschapur bis zum sechsten Jahrhundert zu einem bedeutenden intellektuellen Zentrum und gründeten, was manche Enthusiasten als Universität bezeichnen, wo Unterricht in allen griechischen Wissenschaften erteilt werden konnte. Es wird behauptet, Gondeschapur habe eine medizinische Schule mit einem auf alexandrinischen Lehrbüchern beruhenden Lehrplan sowie ein nach byzantinischen Vorbildern gestaltetes Hospital besessen, das das Reich mit in der griechischen Medizin ausgebildeten Ärzten versorgte. Am wichtigsten ist, dass Gondeschapur angeblich eine entscheidende Rolle bei der Übersetzung griechischer Gelehrsamkeit in die Sprachen des Nahen Ostens gespielt habe und sogar der einzige bedeutendste Kanal gewesen sei, über den griechische Wissenschaft zu den Arabern gelangte. Neuere Forschungen haben jedoch ein deutlich weniger dramatisches Bild ergeben. Wir haben keine überzeugenden Belege für die Existenz einer medizinischen Schule oder eines Hospitals in Gondeschapur, wenngleich es offenbar eine theologische Schule und vielleicht ein angeschlossenes Krankenhaus gab. Zweifellos war Gondeschapur Schauplatz ernsthafter intellektueller Bemühungen und einer gewissen medizinischen Praxis – es stellte seit dem achten Jahrhundert eine Reihe von Ärzten für den abbasidischen Hof in Bagdad –, doch ist fraglich, ob es je zu einem bedeutenden Zentrum medizinischer Ausbildung oder Übersetzungstätigkeit wurde. Auch wenn die Geschichte von Gondeschapur in ihren Einzelheiten unzuverlässig ist, so ist die Lehre, die sie vermitteln sollte, dennoch gültig. 102.
An influential mythology has developed around Nestorian activity in the city of Gondeshapur [ Jundishapur] in south-western Persia. According to the often-repeated legend, the Nestorians turned Gondeshapur into a major intellectual center by the sixth century, establishing what some enthusiasts have chosen to call a university, where instruction in all of the Greek disciplines could be obtained. It is alleged that Gondeshapur had a medical school, with a curriculum based on Alexandrian textbooks, and a hospital modeled on Byzantine hospitals, which kept the realm supplied with physicians trained in Greek medicine. Of greatest importance, Gondeshapur is held to have played a critical role in the translation of Greek scholarship into Near Eastern languages and, indeed, to have been the single most important channel by which Greek science passed to the Arabs. Recent research has revealed a considerably less dramatic reality. We have no persuasive evidence for the existence of a medical school or a hospital at Gondeshapur, although, there seems to have been a theological school and perhaps an attached infirmary. No doubt Gondeshapur was the scene of serious intellectual endeavour and a certain amount of medical practice —it supplied a string of physicians for the Abbasid court at Baghdad beginning in the eighth century— but it is doubtful that it ever became a major center of medical education or of translating activity. If the story of Gondeshapur is unreliable in its details, the lesson it was meant to teach is nonetheless valid. 102.
5. Historiker wie Manfred Ullman und Franz Rosenthal stehen dem Material über Ibn Kalada skeptisch gegenüber. Sie bezeichnen ihn als legendäre Gestalt104, die literarische Anspielungen auf erfundene Figuren enthält. Professor Gerald Hawting schreibt in seinem Aufsatz The Development of the Biography of al-Harith ibn Kalada and the Relationship between Medicine and Islam:
5. Historians such as Manfred Ullman and Franz Rosenthal are skeptical about the material referring to bin Kalada. They refer to him as a legendary figure104, which has literary allusions to characters of fictitious creation. Professor Gerald Hawting, in his essay The Development of the Biography of al-Harith ibn Kalada and the Relationship between Medicine and Islam, writes:
In diesen späteren Quellen sind die Informationen über al-Harith bruchstückhaft, die Hinweise auf seinen Beruf als Arzt sind nicht einheitlich und treten, wo sie vorkommen, eher beiläufig auf, und es scheint nur wenig Auskunft über die Art seiner Heilkunst oder Einzelheiten seines Lebens zu geben.105 Aus dieser Perspektive schwächt der Rückgriff auf unzuverlässige oder nicht schlüssige historische Berichte über bin Kaladas „Beruf als Arzt“ das Argument, der Prophet ﷺ habe den Arzt aus dem 7. Jahrhundert nachgeahmt.
In these latter sources the information about al-Harith is fragmentary, references to his profession as a doctor are not consistent and, where they occur, tend to be incidental, and there seems to be little information about the nature of his medicine or detail about his life.105 From this perspective, using unreliable or inconclusive historical narratives concerning bin Kalada’s “profession as a doctor” serve to weaken the argument that the Prophet ﷺ copied the 7th century physician.
6. Für eine bedeutende medizinische Schule weder im 6. noch im 7. Jahrhundert scheint es keine Belege zu geben. Der Mediziner und Medizinhistoriker Plinio Prioreschi weist in seinem Buch A History of Medicine darauf hin, dass es keine persischen Quellen gibt, die die Behauptung stützen, Gundeschapur habe in der Geschichte der Medizin eine bedeutende Rolle gespielt.106
6. There appears to be no evidence of a major medical school in either the 6th or 7th century. The academic medic and historian Plinio Prioreschi in his book A History of Medicine highlights that there are no Persian sources that substantiate the claim that Jundishapur played a significant role in the history of medicine.106
7. Es gibt historische Berichte, wonach Ibn Kalada zum Islam übergetreten ist und als Gefährte des Propheten ﷺ galt. Der Ethnograph und Sprachwissenschaftler William Brice schreibt in seinem Buch An Historical Atlas of Islam: Er war zum Islam übergetreten und hatte den Status eines der Gefährten des Propheten ﷺ erlangt.107.
HAT DER PROPHET MENSCHLICHE UND TIERISCHE EMBRYONEN SEZIERT? Wait, I must correct that: the translation should be in German, and I should translate the text faithfully rather than answer it. The correct German translation is: HAT DER PROPHET ﷺ MENSCHLICHE UND TIERISCHE EMBRYONEN SEZIERT?
DID THE PROPHET DISSECT HUMAN AND ANIMAL EMBRYOS
Kritiker behaupten, der Prophet Muhammad ﷺ habe menschliche und tierische Embryonen seziert oder untersucht und sei daher als Erklärung seines wissenschaftlichen Wissens heranzuziehen. Eine unmittelbare Widerlegung dieser Behauptung ist, dass viele der im Qur'an beschriebenen Stadien mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind, sondern optischer Hilfsmittel bedürfen; Beispiele hierfür sind das Stadium der Nutfah und das Stadium der 'Alaqah. Ein weiterer triftiger Grund, der diese Behauptung entkräftet, ist die Unpraktikabilität und Kontraproduktivität, dass der Prophet ﷺ seine Zeit mit der Untersuchung von Embryonen verbracht haben soll, während seine erklärte Mission darin bestand, die Botschaft des Islam zu verbreiten. Diese Verse (also jene, die die Entwicklung des Embryos beschreiben) haben weder das Wesen noch die Verbreitung des Islam beeinflusst, und sie hätten dies auch kaum getan, insbesondere im Arabien des 7. Jahrhunderts, in dem ein so tiefes Verständnis der Embryologie unwahrscheinlich war. Schließlich: Warum gibt es keinerlei Überlieferungen darüber, dass der Prophet ﷺ tierische oder menschliche Embryonen seziert hat? Eine solche Behauptung steht nicht im Einklang mit dem Leben und der Mission des Propheten Muhammad ﷺ.
Critics allege that the Prophet Muhammad ﷺ dissected or examined human and animal embryos, and therefore serves as an explanation of his scientific knowledge. An immediate refutation of this allegation is that many of the stages described in the Qur’an cannot be seen with the naked eye but require optical aids, examples of which include the nutfah stage and the `alaqah stage. Yet another poignant reason invalidating this is the impracticalness and counter-productivity of the Prophet ﷺ spending his time examining embryos, when his proclaimed mission was to spread the message of Islam. These particular verses (that is; the verses detailing the development of the embryo) did not, and would have been unlikely to, affect the essence or propagation of Islam, especially in a 7th century Arabian context where such deep understandings of embryology was improbable. Finally, why aren’t there any records of the Prophet ﷺ dissecting animal or human embryos? Such a claim does not tally with the life and mission of the Prophet Muhammad ﷺ.
IST DER KORAN IN BEZUG AUF DIE HERKUNFT DES SPERMAS UNGENAU?
IS THE QUR’AN INACCURATE CONCERNING WHERE SPERM COMES FROM
Der Mensch möge also betrachten, woraus er erschaffen wurde. Er wurde aus einem ausgestoßenen Samenwasser erschaffen, das zwischen dem Rückgrat und den Rippen hervortritt.114.
So let man observe from what he was created. He was created from a fluid, ejected, emerging from between the backbone and the ribs.114.
Die oben genannten Verse wurden von verschiedenen Kritikern und Kommentatoren als wissenschaftlich unzutreffend verurteilt, und jeder Versuch, aus ihnen eine korrekte Bedeutung herauszulesen, wurde als textliche Akrobatik bezeichnet. Diese Einschätzung ergibt sich aus der Analyse der Wörter (sulb) und (tara’ib), die mit „Rückgrat“ und „Rippen“ übersetzt werden. Diejenigen, die an der wissenschaftlichen Unrichtigkeit des Qur’an festhalten, behaupten, dass die oben genannte Übersetzung für die Wörter sulb und tara’ib nicht mit den modernen Entwicklungen in der Physiologie in Einklang gebracht werden könne. Nach einer lexikalischen Analyse dieser Wörter wird sich jedoch zeigen, dass diese Wörter tatsächlich mit der modernen Physiologie übereinstimmen.
The above verses have been condemned by various critics and commentators as being scientifically inaccurate, and any attempt to salvage an accurate meaning from them has been suggested to be tantamount to textual acrobatics. This evaluation arises from an analysis of the words (sulb) and (tara’ib) which have been translated to mean ‘backbone’ and ‘ribs’. Those who maintain the scientific inaccuracy of the Qur’an claim the above translation for the words sulb and tara’ib cannot be reconciled with modern developments in physiology. However, after a lexical analysis of these words it will be seen that these words do in fact concur with modern physiology.
Das Wort (ṣulb) hat verschiedene Bedeutungen, darunter hart, fest, massiv, steif und starr. Es bezeichnet außerdem jeden Abschnitt der Wirbelsäule, insbesondere den Lendenabschnitt und die Lenden. Es bezieht sich speziell auf Männer115 116. Das Wort (tarāʾib) bedeutet Brustbein, die Rippen117 oder den Beckenbogen118, und dieses Wort bezieht sich nach Ansicht der meisten Autoren speziell auf Frauen.
The word (sulb) carries various meanings including hard, firm, solid, stiff and rigid. It also means any portion of the backbone, particularly the lumbar portion and the loins. It is specific to males115 116. The word (tara’ib) means breastbone, the ribs117 or the pelvic arch118, and this word according to most authors refers specifically to women.
Mit solchen Untersuchungen der Deutungen, die die arabische Sprache zulässt, lässt sich folgern, dass der Koran mit der modernen Physiologie übereinstimmt, denn es ist allgemein bekannt, dass das Sperma und der Samen aus einem Bereich stammen, der als die Lende bezeichnet wird, und die Eizelle aus dem Bereich des Beckenbogens. Beide sind für die Erschaffung des Menschen erforderlich, das heißt, für die Entstehung des menschlichen Wesens.
DUNKT DIE PROPHETISCHE ÜBERLIEFERUNG DIE WISSENSCHAFTLICHE GENAUIGKEIT DES QUR'AN?
DO THE PROPHETIC TRADITIONS UNDERMINE THE SCIENTIFIC ACCURACY OF THE QUR’AN
Prophetische Überlieferungen, die die Sicht des Qur'an auf den sich entwickelnden menschlichen Embryo verdeutlichen und erläutern, stimmen mit der modernen Embryologie überein. Es gibt zahllose Überlieferungen, die diese Behauptung untermauern. So verdeutlicht beispielsweise die folgende Überlieferung zur Geschlechtsbestimmung, dass die prophetischen Überlieferungen mit den wissenschaftlichen Entwicklungen im Einklang stehen:
Prophetic traditions that clarify and elucidate the qur’anic view on the developing human embryo correspond with modern embryology. There are a myriad of traditions that substantiate this claim. For instance the following tradition on gender determination highlights how the Prophetic traditions are in line with scientific developments:
Der Engel wird zu dem Nutfah gesandt, nachdem sich dieser 40 oder 45 Nächte lang in der Gebärmutter festgesetzt hat, und sagt: „Herr! Soll es unglücklich oder glücklich sein?“ Dann wird dies niedergeschrieben. Dann sagt er: „Herr! Soll es männlich oder weiblich sein?“ 119
The angel is sent to the nutfah after it has settled in the uterus for 40 or 45 nights and says, “Lord! Is it to be wretched or happy?” Then this is inscribed. Then he says, “Lord! Is it to be male or female? 119
Während der 6. Woche der sich entwickelnden Embryonalentwicklung sind die primären Geschlechtsstränge fingerartige Ausstülpungen. Zu diesem Zeitpunkt sehen die männlichen und die weiblichen Gonaden identisch aus. Kurz nach der 6. Woche tritt jedoch ein bedeutsames Ereignis ein, das den körperlichen Ausdruck der genetischen Ausstattung des Embryos bestimmt. Dieses Ereignis ist die Aktivierung von Genen, die die Produktion männlicher und weiblicher Hormone anregt:
During the 6th week of the developing embryo the primary sex cords are finger like projections. At this time both the male and female gonads appear identical. However, just after the 6th week a significant event occurs that determines the physical expression of the embryo’s genetic make up. This event is the activation of genes that stimulates the production of male and female hormones:
Ist das Y-Chromosom in der Zelle des Embryos vorhanden, wird ein Gen auf dem kurzen Arm dieses Chromosoms mit der Bezeichnung SRY aktiviert. Dies setzt eine chemische Kettenreaktion in Gang, die weitere Gene aktiviert und die Produktion männlicher Hormone anregt. Ist hingegen das X-Chromosom vorhanden oder fehlt das SRY-Gen auf dem Y-Chromosom, entwickelt sich der Embryo zu einem weiblichen Individuum, und zwar durch Mechanismen, die noch nicht vollständig verstanden sind.120
If the Y chromosome is resent in the embryo’s cell, a gene within the short arm of the chromosome called SRY will turn on, initiating a chemical chain reaction that will turn on other genes and stimulate the production of male hormones. If the X chromosome is resent, or if the SRY gene is missing from the Y chromosome, the embryo will develop into a female via mechanisms that are not fully understood.120
Dies zeigt deutlich eine starke Übereinstimmung zwischen der Embryologie und der oben genannten Überlieferung.
This clearly shows a strong correspondence between embryology and the above tradition.
Allerdings gibt es eine bestimmte Überlieferung, der Kritiker wissenschaftliche Ungenauigkeit vorgeworfen haben. Die folgende Überlieferung wurde so ausgelegt, dass die Stadien der nutfah, 'alaqah und mudghah in drei Abschnitten von jeweils 40 Tagen verlaufen, was eine Zeitspanne von 120 Tagen ergibt. Diese Auslegung stimmt nicht mit dem Erscheinungsbild des Embryos in dieser Zeit überein:
However, there is a particular tradition that critics have claimed to be scientifically inaccurate. The following tradition has been interpreted to mean that the nutfah, `alaqah and mudghah stages occur in three 40 day sequences, making it a period of 120 days. This interpretation does not concur with the appearance of the embryo during this time:
Außerdem verwendet die betreffende Überlieferung die Wendung „ähnlich wie das“, die als Wiederholung des Zeitraums verstanden werden kann. Die Wendung ist mujmal, was in den klassischen Wissenschaften allgemein bedeutet, während die genannte Überlieferung mubayyan ist, also eindeutig. Die Regel nach den klassischen Wissenschaften lautet, dass das Allgemeine durch das Eindeutige spezifiziert wird, um die Bedeutung und Absicht des Sprechers genau wiederzugeben. Viele Gelehrte wie Imam Malik und der Gelehrte Ibn Azzamlakani aus dem 7. Jahrhundert kamen zu dem Schluss, dass die Stadien nutfah, ʿalaqah und mudghah innerhalb der ersten 40 Tage eintreten.
Additionally, the tradition in question uses the phrase ‘like that’ which can be understood as a repetition of the time period. The phrase is mujmal, which in the classical sciences means general, whereas the aforementioned tradition is mubayyan, meaning explicit. The rule according to the classical sciences is that the general is specified by the explicit to give an accurate portrayal of the meaning and intention of the speaker. Many scholars such as Imam Malik and the 7th century scholar Ibn Azzamlakani reached the conclusion that the nutfah, `alaqah and mudghah stages occur during the first 40 days.
EINE ANMERKUNG ZUR VERWENDUNG VON ÜBERSETZUNGEN
A NOTE ON USING TRANSLATIONS
Verschiedene Kritiker, die argumentieren, dass die oben genannten Verse (also jene zur embryonalen Entwicklung und zum Ursprung des Spermas) nicht mit wissenschaftlichen Fakten übereinstimmen, neigen dazu, die vorhandenen Koranübersetzungen zu verwenden, um aufzuzeigen und hervorzuheben, dass sich bestimmte Wörter im Koran nicht mit wissenschaftlichen Wahrheiten in Einklang bringen lassen. Dieser Ansatz ist fehlerhaft. Die Übersetzungswissenschaft kommt zu dem Schluss, dass es zwischen Sprachen niemals Äquivalenz geben kann, und dies zu behaupten würde fälschlicherweise eine kulturelle und sprachliche Symmetrie zwischen zwei verschiedenen Sprachen voraussetzen, die sprachlich nicht erreichbar ist. Diese Klarstellung gilt insbesondere für das Arabische und die europäischen Sprachen mehr als für alle anderen, da beide „sprachlich und kulturell inkongruent“ sind.124 Daher wird eine Übersetzung niemals eine Abbildung des Originaltextes sein, und wer völlige Äquivalenz anstrebt, „jagt einer Fata Morgana nach“.125 Folglich ist eine lexikalische Analyse, verbunden mit einem Verständnis der koranischen Exegese und dem aktuellen Wissen der modernen Wissenschaft, erforderlich, um fundierte Schlussfolgerungen über Wissenschaft und den Koran zu ziehen.
Various critics who argue the aforementioned verses (i.e. on embryonic development and the origins of sperm) are not in line with scientific facts, tend to use the available qur’anic translations to express and highlight how certain words in the Qur’an cannot be reconciled with scientific truths. This approach is flawed. Translation studies conclude that there can never be equivalence between languages123, and to assert this would wrongfully presume cultural and linguistic symmetry between two different languages, which is linguistically unattainable. This clarification is applicable more so to Arabic and European languages than any other as they are both “linguistically and culturally incongruous”.124 Therefore, a translation will never be a representation of the original text and anyone who seeks total equivalence “is chasing a mirage”.125 Hence, a lexical analysis, coupled with an understanding of qur’anic exegesis and up-to-date knowledge of modern science, is required to form sound conclusions concerning science and the Qur’an.
In dem Bemühen, die Kluft zwischen den Sprachen zu überbrücken, ist eine detaillierte Untersuchung der Bedeutungen und Konnotationen jedes einzelnen Wortes erforderlich. Infolgedessen erstellen Übersetzer zahlreiche Übersetzungen ein und desselben Verses. Darüber hinaus sind Übersetzungen stark abhängig von exegetischen Werken und der großen Bandbreite an Interpretationen, die sie bieten. Eine bestimmte Übersetzung heranzuziehen oder die Belege für Punkte einer Argumentation auf eine einzige Auslegung zu beschränken, lässt keinen Raum für angemessene Grundlagen, um zu einer vorgeschlagenen Schlussfolgerung zu gelangen, und kann solche auch nicht liefern. Bei Versen über Naturphänomene variieren die Auslegungen je nach dem Hintergrundwissen, das ein bestimmter Exeget zu dem Thema besitzt. Offensichtlich ist es ein unfundiertes und wirkungsloses Mittel, Schlüsse auf die Unrichtigkeit des Qur'ān zu stützen, wenn sie auf ungenauen Auslegungen und Übersetzungen beruhen. Wenn alle möglichen Bedeutungen eines bestimmten Verses mit dem Wissen über die natürliche Welt abgeglichen würden und sich dabei zeigte, dass sie unstimmig und unvereinbar sind, dann würde die Schlussfolgerung, der Qur'ān sei ungenau, ernsthaft in Betracht gezogen. Bislang ist dies nicht der Fall gewesen, wie es die in dieser Arbeit vorgelegte Analyse aufgezeigt, belegt und bekräftigt hat. Allgemeiner betrachtet verleihen die sprachlichen Merkmale des qur'ānischen Arabisch dem Qur'ān Tiefe. Seine Verwendung von Wörtern mit mehrschichtigen Bedeutungen ermöglicht ozeanische Mengen an Auslegungen und bildet die Grundlage und den Antrieb für eine der größten und einflussreichsten Zivilisationen der Welt. Wie der akademische Linguist Hussein Abdul-Raof schreibt: Der Reichtum der qur'ānischen Sprache und ihre Offenheit für verschiedene Auslegungen helfen zu erklären, wie dieses einzige Buch eine der großen Zivilisationen der Welt hervorbringen konnte. 126