14. Der Völkermord in Ruanda 1994 und ein Paradigma der Rettung
14. The Genocide Of Rwanda 1994 & A Paradigm Of Rescuing
„PIO: Wenn wir in den Sümpfen einen Tutsi aufgespürt hatten, sahen wir keinen Menschen mehr. Ich meine einen Menschen wie uns, der ähnliche Gedanken und Gefühle teilt. Die Jagd war grausam, die Jäger waren grausam, die Beute war grausam – die Grausamkeit bemächtigte sich des Geistes.“158
“PIO: We no longer saw a human being when we turned up a Tutsi in the swamps. I mean a person like us, sharing similar thoughts and feelings. The hunt was savage, the hunters were savage, the prey was savage-savagery took over the mind.”158
Im 19. Jahrhundert wurden das heutige Ruanda und Burundi, überwiegend christliche Länder, deutsche Kolonien, und die neuen Machthaber errichteten in den Ländern eine feudale Gesellschaftsordnung.
In the 19th century present-day Rwanda and Burundi, predominantly Christian countries, became Germany colonies, and the new powers founded a feudal society in the countries.
Aus den beiden vorherrschenden Volksgruppen, den Hutu und den Tutsi, bestand die Tutsi-Aristokratie, die von Viehzüchtern abstammte. Nachdem Deutschland den Ersten Weltkrieg verloren hatte, übertrug der Völkerbund das ostafrikanische Mandat für Ruanda und Burundi (Ruanda-Urundi) an Belgien, und so wurde Französisch zur Sprache der Regierung.
Made up of two dominant tribes, the Hutu and the Tutsi, the Tutsi nobility descended from cattle ranchers. After Germany lost the First World War, the League of Nations entrusted the East African mandate of Rwanda and Burundi (Ruanda-Urundi) to Belgium, and thus French became the language of the government.
Ab den 1930er Jahren schrieb die belgische Regierung allen Afrikanern vor, Identitätskarten bei sich zu tragen, auf denen ihre ethnische Zugehörigkeit, Sprache und Religion vermerkt waren. Die Ruander wurden in drei ethnische Gruppen eingeteilt: 80 bis 85 % Hutu, 14 bis 19 % Tutsi und 1 % Twa. Wie es Kolonialmächte zu tun pflegen, betrieben die Belgier eine Politik des Teilens und Herrschens. Sie trennten die Gruppen entlang rassischer Linien und grenzten sie gegeneinander aus, indem sie die Tutsi zu einer überlegenen Rasse erklärten, die über hellere Haut, größere Statur und schmale Nasen verfügte – ein eher europäisches Erscheinungsbild. Die Hutu hingegen galten als minderwertig, mit dunklerer Haut und kleinerem Wuchs. Die belgische Regierung gewährte den Tutsi damit mehr Macht, gesellschaftlichen Status sowie wirtschaftliche und bildungsbezogene Vorrechte.
From the 1930s, the Belgian government made it mandatory for all Africans to carry identity cards displaying their ethnicity, language and religion. The Rwandans were divided into three ethnic groups, 80 to 85% Hutu, 14 to 19% Tutsi and 1% Twa. As colonisers do, practising a divide and rule policy, the Belgian separated and marginalised the groups along racial lines determining that the Tutsi were a superior race who had lighter skin, were taller and had thin noses – a more European type look. The Hutu on the other hand were held to be inferior, with darker skin and shorter statures. The Belgium government thus granted more power, status, economic and educational privileges to the Tutsis.
Muslime in Ruanda machten nur einen sehr kleinen Anteil der Bevölkerung des Landes aus und hatten lange Zeit unter einer negativen Propaganda zu leiden, die zu zahlreichen Fällen von Diskriminierung geführt hatte. Muslime wurden mit abwertenden Begriffen wie „Umuswahili“ bezeichnet, die sich davon ableiteten, dass viele Muslime früherer Generationen Swahili gesprochen hatten. Außerdem gab es Versuche von Lehrern, muslimische Kinder zum Christentum zu bekehren, und wenn sich einige widersetzten, sahen sie sich Behinderungen und Einschränkungen bei der Fortsetzung ihrer Bildung gegenüber. Viele muslimische Eltern, die solche Bekehrungsversuche fürchteten, entschieden sich dafür, ihre Kinder nicht zur Schule zu schicken, und schrieben sie stattdessen in Madrasas ein. Dies hatte langfristige Folgen, da Muslime als marginalisierte Gruppe mit geringem Einfluss im politischen Leben verbleiben sollten.
Muslims in Rwanda only represented a very small proportion of the country’s inhabitants and had long suffered the brunt of a negative propaganda, which had led to many cases of discrimination. Muslims were referred to by the disparaging terms “Umuswahili” derived from the fact that many Muslims in earlier generations had spoken Swahili. There were also attempts by teachers to convert Muslim children to Christianity, and if any resisted they faced preventions and restrictions in furthering their education. Many Muslim parents who feared such conversion attempts opted to not send their children to school and to enrol them instead into madrasas. This had long term effects since Muslims would remain as a marginal group with little influence in political life.
Am 6. April 1994 wurde ein Flugzeug, das die verstorbenen Präsidenten Habyarimana von Ruanda und Ntaryamira von Burundi nach Hause brachte, über dem internationalen Flughafen Kanombe in Kigali abgeschossen.
On April 6, 1994, a plane carrying home the late Presidents Habyarimana of Rwanda and Ntaryamira of Burundi was shot down above the Kanombe International Airport in Kigali.
Der Absturz wurde von den Hutu den Tutsi-Rebellen angelastet, und was danach geschah, war ein sporadisches Aufbrechen von Hass und Rachsucht. Dies gipfelte in einer brutalen Kampagne aus Mord und Gewalt, die sich von der Hauptstadt auf das übrige Land ausbreitete.
The crash was blamed by Hutus on Tutsi rebels and what transpired was a sporadic festering of hate and revenge. This culminated in a savage campaign of murder and violence which spread from the capital to the rest of the country.
Aufgrund eines äußerst intensiven Programms zur Entmenschlichung der Tutsi-Bevölkerung wurde ein Großteil der Gewalt von Nachbar gegen Nachbar, von Ehemann gegen Ehefrau, von Geistlichen gegen ihre Gemeinde und von Lehrern gegen ihre Schüler verübt. Die Hutu-Miliz, die Interahamwe, griff dazu, Männer und Frauen zu erschlagen, mit denen sie aufgewachsen waren, die dieselben Kirchen und Schulen besucht, dieselbe Sprache gesprochen und sogar untereinander geheiratet hatten.
Due to a very intense program of dehumanisation of the Tutsi population, much of the violence was carried out between neighbour and neighbour, husband and wife, clergy and congregation, teacher and students. Hutu militia, the interhamwe, resorted to hacking to death men and women they had grown up with, who attended the same churches, the same schools, spoke the same language and even intermarried.
Die Kampagne zur Ausgrenzung der Tutsi wurde über Schulen, Medien und politische Rhetorik geschürt und verbreitet, wodurch bewaffnete Jugendliche dazu angestachelt wurden, offen zu morden. Die Mörder zwangen andere, dasselbe zu tun, und riefen Parolen wie „Tu oder stirb“ – also töte oder werde getötet –, und lockten sie mit Versprechungen von Nahrung, Geld und dem Erbe des Landes der Tutsi, die sie töteten.
The campaign of Otherising the Tutsis was fermented and disseminated through schools, media and in political rhetoric, inspiring armed youth to kill openly. The murderers would force others to do the same, evoking slogans of “do or die”, meaning kill or get killed, enticing them with promises of food, money and an inheritance of land belonging to the Tutsis they kill.
Viele, die andere nicht selbst töteten, arbeiteten mit Mördern zusammen und verrieten Verstecke der Tutsi. Obwohl einige der Gewaltausbrüche vereinzelte Ereignisse waren, waren auch zahlreiche hochrangige Tutsi-Politiker und Geschäftsleute an der Verbreitung virulenter antihutuistischer Propaganda beteiligt. Das Land verfiel ohne nationale oder wirksame gemeinschaftliche Führung zu einem grauenhaften Schlachtfeld, Reisebeschränkungen verhinderten freie Bewegung, und Unsicherheit herrschte überall.
Many who did not physically kill others, colluded with murderers to reveal Tutsi hiding places. Though some of the violent outbursts were sporadic events, many high-level Tutsi politicians and businessmen were also implicated in the festering of virulent anti-Hutu propaganda. The country, without national or effective community leadership, degenerated into a horrendous killing field, travel restrictions prevented free movement and insecurity was rife.
Was 1994 in Ruanda geschah, war die Unmenschlichkeit des Menschen gegenüber dem Menschen, bei der jede Moral außer Kraft gesetzt war. Entmenschlichung tritt dann ein, wenn manche Menschen andere Menschen aus der sittlichen Ordnung der Menschheit ausschließen. In den Augen der Täter verlieren solche Menschen den Status, der sie mit der menschlichen Rasse verbindet. Die Tutsi wurden mit einer „beschmutzten Identität“ gebrandmarkt, einem Zustand des Nichts, als „Dinge“, „Kakerlaken“, als „Tiere“, und das Land versank in einen wilden Ausbruch von Mord. Derselbe Prozess der Entmenschlichung zeigte sich bei der Vergewaltigung von Nanking im Jahr 1937. Der Holocaust begann auf die gleiche Weise – durch eine ausgeklügelte Reihe von Propaganda, die in den Medien und Schulen verbreitet wurde. Die Lynchmorde an Schwarzen in Amerika wurden durch eine Kultur vorbereitet, in der Schwarze als „Nigger“ stigmatisiert wurden. Ähnlich wurde die Bezeichnung „Gooks“ verwendet, um die Vietnamesen beim Massaker von My Lai zu Anderen zu machen, bei dem amerikanische Soldaten Hunderte vietnamesischer Zivilisten töteten. Dazu bietet Mark Baker eine verstörende Perspektive: „Ich genoss das Schießen und das Töten. Ich war regelrecht erregt, wenn ich sah, wie ein Gook erschossen wurde. Wenn ein GI erschossen wurde, selbst wenn ich ihn nicht kannte … das hat mich getroffen. Ein GI war real. Aber wenn ein Gook getötet wurde, war es, als würde ich hier hinausgehen und eine Kakerlake zertreten.“159 Glenn Gray schildert einen Vorfall aus dem Zweiten Weltkrieg:
What transpired in Rwanda in 1994 was man’s inhumanity to man wherein all morality was suspended. Dehumanisation occurs when some human beings exclude other human beings from the moral order of humanity. In the eyes of perpetrators such human beings lose the status that holds them together with the human race. The Tutsi were castigated with a “spoiled identity”, a state of nothingness, as “things”, “cockroaches”, as “animals” and the country descended into a savage outbreak of murder. This same process of dehumanisation existed in the rape of Nanking in 1937. The Holocaust began the same way – through an elaborate series of propaganda which featured in media and schools. The lynchings of black people in America was precipitated by a culture of stigmatising blacks as “niggers”. Similarly, the label of “gooks” was used to Otherise the Vietnamese in the My Lai massacre in which hundreds of Vietnamese civilians were killed by American soldiers. About this, Mark Baker offers us a haunting perspective: “I enjoyed the shooting and the killing. I was literally turned on when I saw a gook get shot. When a GI got shot, even if I didn’t know him…that would bother me. A GI was real. But if a gook got killed, it was like me going out here and stepping on a roach.”159 Glenn Gray recounts an incident from World War II:
„Als ein japanischer Soldat weit hinter der Kampflinie aus seinem Versteck „aufgescheucht“ wurde, ruhte und scherzte die aus relativ unerfahrenen Soldaten bestehende Einheit. Doch sie griffen zu ihren Gewehren und machten ihn zur lebenden Zielscheibe, während er verzweifelt auf der Lichtung umherrannte, auf der Suche nach Sicherheit. Die Soldaten fanden seine Bewegungen unbändig komisch, und ihr Gelächter verhinderte, dass sie dem unglücklichen Mann rasch ein Ende setzten. Schließlich aber gelang es ihnen, ihn zu töten, und der Vorfall erheiterte den gesamten Zug, der noch tagelang etwas zum Reden und Scherzen hatte. Bei der Schilderung dieser Geschichte ... betonte der Veteran die Ähnlichkeit des feindlichen Soldaten mit einem Tier. Keinem der amerikanischen Soldaten schien jemals in den Sinn gekommen zu sein, dass er möglicherweise menschliche Gefühle der Angst und den Wunsch empfand, verschont zu bleiben.“160
“When a Japanese soldier was “flushed” from his hiding place well behind the lines of combat, “the unit, made up of relatively green troops, was resting and joking. But they seized their rifles and began using him as a live target while he dashed frantically around the clearing in search of safety. The soldiers found his movements uproariously funny and were prevented by their laughter from making early end of the unfortunate man. Finally, however, they succeeded in killing him, and the incident cheered the whole platoon, giving them something to talk and joke about for days afterward. In relating this story...the veteran emphasized the similarity of the enemy soldier to an animal. None of the American soldiers apparently ever considered that he may have had human feelings of fear and the wish to be spared.”160
Limbardo schreibt, dass die „Gooks“ von gestern in den „Hajis“ und „Handtuchköpfen“ des Irakkriegs von heute weiterleben, da ein neues Korps von Soldaten diese anders aussehenden Bürger und Soldaten herabwürdigt. Er zitiert Sergeant Mejla: „Man versucht irgendwie, die Tatsache auszublenden, dass sie Menschen sind, und sie als Feinde zu sehen… Man nennt sie ‚Hajis‘, verstehst du. Man tut all die Dinge, die es einem leichter machen, sie zu töten und schlecht zu behandeln.“161
Limbardo writes that “Yesterday’s “gooks” have become today’s “hajis and “towel heads” in the Iraq War as a new corps of soldiers derogates these different-looking citizens and soldiers. He cites Sergeant Mejla: “You just sort of try to block out the act that they’re human beings and see them as enemies…You call them ‘hajis. you know. You do all the things that make it easier to deal with killing them and mistreating them.”161
Die berühmten Stanford-Experimente und die Experimente von Albert Bandura sollten die Macht entmenschlichender Etiketten aufzeigen, die eine Kultur der Andersartigkeit erzeugen, die zur Schädigung anderer führt. Die Forscher zeigten, dass das Entmenschlichen anderer durch Karikaturen und Etiketten ihnen menschliche Eigenschaften absprach. Umgekehrt zeigte ihre Forschung auch, dass positive Etikettierung die Wirkung hatte, mehr Achtung gegenüber Menschen zu fördern.
The famous Stanford experiments and those conducted by Albert Bandura sought to demonstrate the power of dehumanising labels to generate a culture of Otherness which would lead to harming of others. The researchers showed that dehumanising others with caricatures and labels divested others of human qualities. Conversely, their research also showed that positive labelling had the effect of enhancing a greater respect towards people.
Die Archetypen des Terroristen oder des nicht vertrauenswürdigen Feindes, die durch visuelle Propaganda im nationalsozialistischen Deutschland gegenüber Juden geschaffen wurden, oder die medialen Darstellungen von Arabern, auf die Shaheen und andere hinweisen, erzeugen die Vorstellung eines gefährlichen „Them“ als „Außenseiter“ und „feindselig“. Der wiederholte Gebrauch solcher Bilder zusammen mit negativen medialen Narrativen erzeugt eine gesellschaftliche Paranoia gegenüber der Frau im Burka-Gewand oder dem stark bärtigen Mann.
The archetypes of terrorist or untrustworthy enemy created by visual propaganda in Nazi Germany of Jews or the media portrayals of Arabs that Shaheen and others point out generates an idea of a dangerous “them”, as “outsiders” and “hostile”. The repeated use of such images together with negative media narratives creates a societal paranoia about the burqa attired woman or the heavily bearded man.
„Unsere Waffen beherrschten unsere Köpfe“
“ Our Arms Ruled Our Heads”
In Jean Hatzfelds sehr erschütterndem Bericht über den Völkermord in Ruanda, der größtenteils aus Zeugenaussagen von Tätern besteht, lesen wir grausige Schilderungen von Menschen, die in allen Einzelheiten beschreiben, wie sich der Völkermord vollzog, und in denen die Prozesse der Andersmachung und der Entmenschlichung deutlich werden.
In Jean Hatzfeld’s very harrowing account of the Rwandan genocide, made up largely of testimonials by perpetrators we come to read grizzly accounts of human beings who describe in graphic detail the events of the genocide in which the processes of Othering and dehumanisation are made plain:
„JOSEPH-DESIRE: Der Mann, der mit der Machete in der Hand losstürmte, hörte nicht mehr auf irgendetwas. Er vergaß alles, vor allem sein Niveau an Intelligenz. Jeden Tag dasselbe zu tun bedeutete, dass wir nicht darüber nachdenken mussten, was wir taten. Wir gingen hinaus und kamen zurück, ohne auch nur einen einzigen Gedanken zu haben. Wir jagten, weil es die Ordnung des Tages war, bis der Tag vorbei war. Unsere Arme herrschten über unsere Köpfe; jedenfalls hatten unsere Köpfe nichts mehr zu sagen.“ „FULGENCE: Wir wurden immer grausamer, immer gelassener, immer blutiger. Aber wir sahen nicht, dass wir immer mehr zu Mördern wurden. Je mehr wir zerhackten, desto mehr wurde das Zerhacken, wenn ich so sagen darf, zum Kinderspiel. Am Abend traf man vielleicht einen Kollegen. Für einige wurde es zu einer Belohnung, und sie riefen: „Du, mein Freund, kauf mir ein Primus, oder ich schlage dir den Schädel auf, denn ich habe jetzt Geschmack daran gefunden!“ Doch für viele war es einfach so, dass ein langer Tag gerade zu Ende gegangen war. Wir hörten auf, an Pflichten oder Vorteile zu denken; wir dachten nur noch daran, weiterzumachen, womit wir angefangen hatten. Jedenfalls hielt es uns so fest umklammert, dass wir nicht darüber nachdenken konnten, welche Wirkung es auf uns hatte.“
“JOSEPH-DESIRE: The one who rushed off machete in hand, he listened to nothing anymore. He forgot everything, first of all his level of intelligence. Doing the same thing every day meant we didn’t have to think about what we were doing. We went out and came back without having a single thought. We hunted because it was the order of the day, until the day was over. Our arms ruled our heads; in any case our heads no longer had their say.” “FULGENCE: We became more and more cruel, more and more calm, more and more bloody. But we did not see that we were becoming more and more killers. The more we cut, the more cutting became child’s play if I may say so. In the evening you might meet a colleague. For a few, it turned into a treat, would call out, “You, my friend, buy me a Primus or I’ll cut open your skull, because I have a taste for that now!” But for many, it was simply that a long day had just come to an end. We stopped thinking about obligations or advantages – we thought only about continuing what we had started. In any case, it held us so tight, we could not think about its effect on us”.
Islam als heilende Kraft nach dem Völkermord
Islam As A Healing Force Following The Genocide
Was in den Wochen, Monaten und Jahren nach dem Völkermord geschah, insbesondere in der ersten Zeit, war ein tiefes Interesse am Islam unter den christlichen Menschen Ruandas. Als die Geschichten über die Aufrichtigkeit und den Mut der Muslime bekannt wurden, die sich weigerten, an den Tötungen teilzunehmen, und stattdessen das Leben der Tutsi-Opfer zu retten suchten, wollten viele mehr über den Glauben erfahren, der ein solches Verhalten hervorbrachte. Ein Artikel der Washington Post vom 23. September 2002 mit dem Titel „Islam Attracting Many Survivors of Rwanda Genocide“ von Emily Wax beschreibt:
What transpired in the weeks, months and years following the genocide, and most particularly in the initial period was a deep interest in Islam among the Christian people of Rwanda. As the stories unfolded of the integrity and bravery of the Muslims who refused to take part in the killings and instead resorted to saving the lives of Tutsi victims, many wanted to learn about the faith that inspired such conduct. A Washington Post article from September 23, 2002, entitled ‘Islam Attracting Many Survivors of Rwanda Genocide’ by Emily Wax describes:
„Seit dem Völkermord sind die Ruander in großer Zahl zum Islam konvertiert. Muslime machen heute 14 Prozent der 8,2 Millionen Menschen in dem Land aus, das als Afrikas katholischste Nation gilt – doppelt so viele wie vor Beginn der Tötungen.“169
“Since the genocide, Rwandans have converted to Islam in huge numbers. Muslims now make up 14 percent of the 8.2 million people here in Africa’s most Catholic nation, twice as many as before the killings began.”169
Der Artikel beschreibt die Erfahrung ruandischer Christen mit der muslimischen Minderheit sowie die Weise, wie die positiven Reaktionen nach dem Völkermord neue Räume des Verständnisses zwischen den Menschen dieses Landes eröffneten:
The article describes the experience of Rwandan Christians with the minority Muslims and the way the positive responses following the genocide opened up new spaces of understanding between the people of that country:
Sagahutu sagte, sein Vater habe in einem Krankenhaus gearbeitet, wo er mit einer muslimischen Familie gut befreundet gewesen sei. Diese habe Sagahutu bei sich aufgenommen, obwohl sie Hutu gewesen seien. „Ich habe sie fünfmal am Tag beten sehen. Ich habe mit ihnen gegessen und gesehen, wie sie lebten“, sagte er. „Wenn sie beten, stehen Hutu und Tutsi in derselben Moschee. Es gibt keinen Unterschied. Das musste ich sehen.“170
“Sagahutu said his father had worked at a hospital where he was friendly with a Muslim family. They took Sagahutu in, even though they were Hutus. “I watched them pray five times a day. I ate with them and I saw how they lived,” he said. “When they pray, Hutu and Tutsi are in the same mosque. There is no difference. I needed to see that.”170
158 Jean Hatzfeld, A Time for Machetes: The Rwandan Genocide: The Killers Speak (Serpents Tail, London: 2008), S. 42.
158 Jean Hatzfeld, A Time for Machetes: The Rwandan Genocide: The Killers Speak (Serpents Tail, London: 2008), p. 42.
159 Sam Keen, Faces of the Enemy, (Harper & Row, San Francisco: 1986), S. 125.
159 Sam Keen, Faces of the Enemy, (Harper & Row, San Francisco: 1986), p. 125.
160 Ebd., S. 62.
160 Ibid, p. 62.
161 Philip Zimbardo, The Lucifer Effect: How Good People Turn Evil (Rider Books: 2007), S. 307-308; C.J. Nemeth, „Differential Contributions to Majority and Minority Influence", Psychological Review 93 (1986), S. 23-32.
161 Philip Zimbardo, The Lucifer Effect: How Good People Turn Evil (Rider Books: 2007), pp 307-308; C.J. Nemeth, “Differential Contributions to Majority and Minority Influence,” Psychological Review 93 (1986), pp. 23-32.
162 Jean Hatzfeld, A Time for Machetes: The Rwandan Genocide: The Killers Speak (Serpents Tail, London: 2008), S. 45.
162 Jean Hatzfeld, A Time for Machetes: The Rwandan Genocide: The Killers Speak (Serpents Tail, London: 2008), p. 45.
163 Ebd., S. 62.
163 Ibid, p. 62.
164 Ebd., S. 42.
164 Ibid, p. 42.
165 Ebd., S. 43.
165 Ibid, p. 43.
Ebd.
166 Ibid.
167 Kristin Doughty und David Moussa Ntambara, „Resistance and Protection: Muslim Community Actions During the Rwandan Genocide“, Collaborative Learning Projects (2005), S. 13.
167 Kristin Doughty and David Moussa Ntambara, ‘Resistance and Protection: Muslim Community Actions During the Rwandan Genocide’, Collaborative Learning Projects (2005), p. 13.
168 Kristin Doughty und David Moussa Ntambara, „Resistance and Protection: Muslim Community Actions During the Rwandan Genocide“, Collaborative Learning Projects (2005), S. 17.
168 Kristin Doughty and David Moussa Ntambara, ‘Resistance and Protection: Muslim Community Actions During the Rwandan Genocide’, Collaborative Learning Projects (2005), p. 17.