15. Schlussfolgerung
15. Conclusion
Empathie ist der Grundstein jeder Beziehung, die Größe, die es einem Menschen ermöglicht, in einem anderen etwas von sich selbst zu erkennen, oder etwas von seinem erwarteten Selbst, oder etwas, das er vom anderen erwartet, in sich selbst. Da alle in diesem Buch vorgestellten Fallstudien darauf abzielen, binäre Unterscheidungen in Frage zu stellen, folgen die Beispiele nicht ganz dem Ethos der emotionalen Ansteckung durch Mitgefühl, sondern dem Ethos, Eigenart bei den anderen zu finden, mit denen wir in Kontakt treten und die uns mitunter herausfordern. Das Maß, in dem man sich in einen anderen einfühlen kann, hat einen ursächlichen Einfluss auf das Wohlergehen dieses „Anderen“. Es kann eine Frage von Leben und Tod sein, von Verletzung und Sicherheit. Empathie, die man als eine verwirklichte Emotion betrachten könnte, beginnt nicht als Handlung, als körperliche Abschreckung oder Hilfeleistung. Vielmehr setzt sie etwas in Gang, das zu einer wesentlichen Handlung eines anderen Menschen werden kann. Sie verlangt keine gedankliche Verschiebung von Identitäten, sondern wirkt auf eine räumliche Verschiebung und eine Überlagerung menschlicher Unterscheidungsmuster.
Empathy is the building block of relationships, the determinant that enables one to see something of himself in another, or something of his expected self, or something expected in another, in himself. Since the case studies presented in this book all seek to determine a challenging of binary distinctions the examples embrace the ethos not entirely of the emotional contagion of compassion but of finding distinctness in others we interact with and are sometimes challenged by. The extent to which one can empathise with another has a causative bearing on the wellbeing of that ‘Other’. It can be a matter of life and death, of injury and safety. Empathy, what might be considered an actualised emotion, does not begin as an action, a physical deterrent or assistance. It actually puts into motion what might become a substantial action of another person. It does not call for a mental shifting of identities in as much as it acts on a spatial shifting and an overlapping of human codes of distinction.
Empathie ist die Vorstellung davon, was ein anderer Mensch ist, in Bezug auf das Hin- und Herwandern seiner oder ihrer Zeit zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen dem Bedenken dessen, was einst war, und dem, was im Leben dieses Menschen geschehen kann oder könnte, zwischen dem Zusammenführen der Fäden des eigenen menschlichen Daseins und dem Betrachten des „Anderen“ als ebenso den Zeitlichkeiten unterworfen und somit im selben „Rahmen“ der Zeit gebunden. Manchmal ist die Infragestellung der eigenen Identität, ob rassisch oder ethnisch, ein notwendiges Mittel, um Empathie zu erzeugen. Für viele Deutsche war Sophie Scholls (von der Weißen Rose) Widerstand gegenüber der Einschüchterung durch die Nationalsozialisten im Rückblick eine geradezu typisch „deutsche“ Reaktion.175 Ein frühes Beispiel für Sophies Bewusstsein der den Juden zugeschriebenen Andersartigkeit fordert uns heraus, über das Paradox in Selbst-/Fremd-Konstruktionen und die Zeitlichkeiten physischer Grenzen nachzudenken. Als ihre jüdischen Mitschülerinnen Anneliese Wallersteiner und Luise Nathaan der Eintritt in den BDM (Bund Deutscher Mädel) verweigert wurde, bemerkte Scholl: „Warum kann Luise mit ihren blonden Haaren und blauen Augen [nicht] Mitglied sein, während ich mit meinen dunklen Haaren und dunklen Augen Mitglied bin?“176 Wir erfahren außerdem, dass Sophie, als ein beliebter junger männlicher Lehrer plötzlich entlassen wurde, kommentierte: „Was hat er getan? Nichts … Er war nur kein Nationalsozialist, deshalb war es unmöglich, dass er dazugehörte. Das war sein Verbrechen.“177 Beide Beispiele zeugen von Sophies umfassenderem Verständnis von Identität und Ort. Die Ausgrenzung ihrer Freundinnen und ihres Lehrers deutet auf eine vorausgesetzte Zuordnung und Zugehörigkeit hin; der Nationalsozialismus stellte für sie die Normalität des Raumes ebenso in Frage wie die Menschen, die sich in diesem Raum bewegten. Ihre Distanz ist eine ethische Selbstprüfung ihrer selbst, ihrer Moral, ihrer Gesellschaft und ihrer Entscheidungen; es ist eine Distanz, die emotionale Reaktion auslöst und nicht verhindert.
Empathy is imagining what another person is in relation to the shifting of his or her time between the past and present, between considering what once was and what can or might transpire in the life of that person, between drawing together of the strands of one’s own human existence and considering the ‘Other’ as vulnerable to the same temporalities and thus bound in the same ‘frame’ of time. Sometimes the challenging of self-identity, racial or ethnic, is at times a necessary medium for generating empathy. For many Germans, Sophie Scholl’s (of the White Rose Movement) defiance in the face of Nazi intimidation was, in retrospection, a quintessentially ‘German’ response.175 An early example of Sophie’s consciousness of the Otherness ascribed to Jews challenges us to consider the paradox in self/other constructs and the temporalities of physical boundaries. When Jewish friends from her class, Anneliese Wallersteiner and Luise Nathaan, were refused entry into the BDM (Bund Deutscher Mädel), the League of German Girls, Scholl remarked, ‘Why can’t Luise, with her blonde hair and blue eyes [not] be a member, while I with my dark hair and dark eyes am a member?’176 We also learn that when a popular young male teacher was suddenly dismissed Sophie commented: ‘What did he do? Nothing…He just wasn’t a Nazi, so it was impossible for him to belong. That was his crime.’177 Both examples speak of Sophie’s broader construct of identity and place. The removal of her friends and teacher suggest a presumed allocation and belonging; Nazism for her challenged the normality of space as it did the occupants of that space. Her distance is an ethical self-examination of herself, her morals, her society and her choice-making; it is a distance which activates and does not prevent emotional response.
Unsere Welt verändert sich rasant. Mehr als 300 Millionen Menschen leben außerhalb ihrer Heimatländer, und der durchschnittliche Mensch ist heute aufmerksamer für seine Welt als je zuvor. Das dichotome Verhältnis zwischen Selbst und Anderem, manchmal zwischen Zuschauer und Beobachtetem, ist deutlicher geworden. Die Krise der Rohingya in Myanmar oder der Syrer, die in einem massenhaften Exodus aus ihrem Land fliehen, um dem andauernden Konflikt zu entkommen; Terroranschläge und wahllose Tötungen durch den IS, durch neonazistische weiße Suprematisten oder durch hindunationalistische Gruppen erzeugen Angst in unserer Welt, und manchmal erzeugt die Unsicherheit, die wir empfinden, Gefühle, die von Angst, Verunsicherung und Abscheu reichen. An diesen Knotenpunkten rücken Menschen zusammen, wir werden furchtsam und misstrauisch. Diese Gefühle von Furcht, Misstrauen, Verallgemeinerungen, der Druck innerhalb der Gruppe, sich den Vorurteilen gegenüber dem Anderen anzupassen, Gefühle des Verrats und wiederkehrende Diskriminierung in feindseligen Gemeinschaften werden zu potenziellen Hindernissen für Empathie.
Our world is rapidly changing. More than 300 million people live outside of their native homelands and the average person is today more alert to his world than ever before. The dichotomous relationship between Self and Other, sometimes between spectator and spectated, has become more pronounced. The crisis of refugees of the Rohingya in Myanmar or Syrians in their mass exodus out of their country to escape the ongoing conflict; terrorist attacks and indiscriminate killings committed by ISIS, by neo-Nazi white supremacists or by Hindu nationalists create anxiety in our world and sometimes the insecurity we feel generates feelings that can range from anxiety, insecurity and abhorrence. At these junctions, humans group together, we become fearful and untrusting. These feelings of fear, mistrust, generalisations, in-group pressure to conform to prejudices of the other, feelings of betrayal and recurrent discrimination in hostile communities become potential barriers to empathy.
In Harper Lees „Wer die Nachtigall stört“ leidet Maycomb County unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise, und die Angst und das Misstrauen gegenüber anderen wachsen, etwa gegenüber dem rätselhaften Boo Radley und dem kriminalisierten schwarzen Charakter Tom Robinson. Der Prozess gegen Tom Robinson verstärkt und verschärft die Abgrenzung zwischen der überwiegend weißen Bevölkerung und schürt Furcht und Verunsicherung unter den schwarzen Einwohnern von Maycomb County. Wenn eine Gesellschaft große und rasche Veränderungen erlebt, wird es nur allzu leicht, eng zu definieren, wer zur Eigengruppe gehört, wer ein wahrer Teil der Gesellschaft, ein wahrer Bürger und Patriot ist. Gleichzeitig kann in solchen Zeiten eine andere Strömung in diesen Gesellschaften wirken, die jedoch Empathie, Nachsicht und Verständnis erfordert. Sie erzeugt normativere Reaktionen, wie ein Gefühl der Zugehörigkeit und des Brückenbauens, anstatt des Andersmachens und des Ausgrenzens.
In Harper Lee’s To Kill a Mockingbird, Maycomb County, living with the effects of the Great Depression grows in anxiety and distrust of others like the enigmatic Boo Radley and the criminalised black character, Tom Robinson.178 The trial of Tom Robinson furthers and heightens the in-grouping between predominantly white inhabitants and exacerbates fear and insecurity of Maycomb County’s black inhabitants. When big and rapid changes are experienced in society, it becomes all too easy for people to narrowly define who belongs to the in-group, who is a true member of society, a true citizen, and patriot. Simultaneously there is another current that can also operate in such societies during such times, but this one requires empathy, forbearance and understanding. This generates more normative responses, such as a sense of belonging and bridging as opposed to Othering and ostracising.
Indem Menschen stigmatisiert werden, treten sie als die Anderen der Gesellschaft hervor, als Barbaren, als solche, die am Rande der Menschlichkeit stehen. Zwischen ihnen und den Herrschenden besteht eine vermeintliche Randständigkeit.
By stigmatising people, they come to emerge as society’s Others, barbarians, those on the margins of humanity. Between them and the dominants, there exists a supposed marginality.
Für die Israelis bedeutet die Trennmauer, dass Hunderttausende Palästinenser vom alltäglichen Leben, von Arbeit, Reisen und ihren Feldern abgeschnitten werden und dass der Weg zu Familien, medizinischen Einrichtungen und Schulen beschwerlich wird. Dadurch sind die Palästinenser an territoriale Konstruktionen gebunden. Das verschärft den Gegensatz zwischen dem Selbst und dem Anderen. Diese entfernten Anderen werden eingeschränkt, weniger im Rahmen einer Landschaftsgestaltung als vielmehr durch andere Verhaltenscodes, durch die das physisch Entfernte kulturell oder anderweitig nicht nähergebracht werden kann. Zwischen ihnen und den Herrschenden existiert eine angenommene Randständigkeit.
For Israelis, the separation wall, cutting off hundreds of thousands of Palestinians from everyday life, work, travel, from their farmlands and making strenuous the journey to families, medical facilities and schools mean the Palestinians are bound by territorial constructions. This allows the opposition between the Self and Other to be aggravated. These distant Others are restricted, not so much in frames of landscaping, but in other codes of behaviourism by which the physically distant cannot be rendered close, culturally or otherwise. Between them and the dominants there exists a supposed marginality.
Was Menschen von sich selbst sehen und wie sie sich vorstellen, wie sie gesehen werden, wirkt sich auf die kollektive Selbstidentität aus, und Beziehungen zwischen dem Selbst und dem Anderen können in einer binären Ordnung bestehen, oder empathische Sichtweisen können diese Tendenzen herausfordern. Wir betrachten I. Dharkers Gedicht „The Right Word“.179 Aus dem Rahmen eines feindseligen Angreifers tritt ein verletzliches Opfer hervor. In ihrem Gedicht sehen wir uns einer linearen Erkenntnis gegenübergestellt, die einen Jungen betrifft, dessen Beschreibung in der poetischen Stimme noch nicht vollständig erfasst wurde: „Ich sehe sein Gesicht. Keine Worte können mir jetzt helfen / Gleich vor der Tür, / verloren im Schatten, / steht ein Kind, das dem meinen gleicht.“ Darauf folgt eine Erkenntnis, eine Annahme. Obwohl das Bild des Kindes vom Terroristen über den Freiheitskämpfer und den feindseligen Militanten bis zum Guerillakrieger wandert, wird das Kind, das „im Schatten verloren“ war, durch einen Code des Wiedererkennens, durch eine körperliche Ähnlichkeit, menschlich. Gerade diese Loslösung von einem dem Jungen zugeschriebenen Bild hin zu einem Bild des eigenen Selbst, das sich im Jungen wiederfindet, ermöglichte es der Sprecherin, ihre früheren Vorurteile über den Jungen und die Welt, aus der er stammt, zu überdenken. Die Dichterin lehrt, dass Menschen vielleicht nicht so sehr unter den Etiketten leiden müssten, die wir ihnen geben, wenn wir weniger schnell urteilen würden: „Ich öffne die Tür. / Komm herein, sage ich. / Komm herein und iss mit uns. / Das Kind tritt ein / und zieht vorsichtig an meiner Tür / seine Schuhe aus.“ Entmenschlichung ist eine Verwischung von Unterscheidungen, eine Darstellung der Anderen als gesichtslos und unserer selbst unähnlich. Wie erörtert, hat der Aufstieg der Drohnenkriegführung an unserem heutigen Himmel, des ferngesteuerten Luftkriegs, eine neue Form depersonalisierter Tötungen hervorgebracht, eine Form der Entmenschlichung, der Distanz und der Abkopplung. Chamayou erklärt in Drone Theory: „Tausende Meilen können nun zwischen dem Abzug, auf dem der Finger ruht, und dem Geschütz liegen, aus dem die Kugel abgefeuert wird.“180 Der Mechanismus der Entmenschlichung und die Art, wie er die Wahrhaftigkeit des menschlichen Gewissens verrät, indem es sich in einer gewaltsamen Selbstentzweiung dazu zwingt, von dem wegzusehen, was an ihm selbst vor ihm selbst liegt, ist dabei zentral. Das Letztere spiegelt sich hier in einem japanischen Gefangenenlager während des Zweiten Weltkriegs wider:
What others see of themselves and how they imagine themselves being seen have a bearing on collective self-identity and relationships between self and Other can exist in a binary, or empathic outlooks can challenge those tendencies. We look upon I. Dharker’s poem, ‘The Right Word’.179 Out of a frame of a hostile aggressor emerges a vulnerable victim. We are confronted with a linear realisation in her poem concerning a boy whose description in the oetic voice has not been fully discerned, “I see his face. No words can help me now/Just outside the door,/lost in shadows,/is a child who looks like mine.” What follows is a realisation, an acceptance. Though the image of the child traverses from a terrorist, a freedom-fighter, a hostile militant to a guerrilla warrior, the child who was ‘lost in shadows’ is humanised through a code of recognition, a physical similarity. It is this separation from an image imputed onto the boy to an image of oneself found in the boy that enabled the speaker to reconsider her previous prejudices about the boy and the world from which he arises. The poet teaches that if we were less quick to judge perhaps people would not have to live up to the labels that we give them, “I open the door./Come in, I say./Come in and eat with us./The child steps in/and carefully, at my door,/takes off his shoes.” Dehumanisation is a blurring of distinctions, a rendering of Others as faceless, and unlike ourselves. As discussed, the rise of drone warfare in our skies today, of remote-controlled air war, has generated a new mode of depersonalised killings, of dehumanisation, distance and detachment. Chamayou in Drone Theory explained: “Thousands of miles can now be interposed between the trigger on which one’s finger rests and the cannon from which the cannonball will fly.”180 The mechanism of dehumanisation and the way it betrays the trueness of human conscience in its forcible self-antagonising to ‘look away’ from what lies of ‘itself’ before itself. The latter is reflected here in a Japanese prison camp during World War II:
Die Japaner zeigten im Verlauf unserer täglichen Kontakte plötzlich eine Abneigung, uns in die Augen zu sehen. Wir wussten, dass sie Vorkehrungen trafen, damit auch nicht der flüchtigste Blick auf die offensichtliche und wehrlose Menschlichkeit eines Menschen durch ihre Abwehr dringen und das Zerrbild widerlegen konnte, das ein dämonisches Vorurteil in ihnen von uns gezeichnet hatte. Je näher der Sturm rückte, desto intensiver arbeitete dieser Mechanismus. Seine auffälligste Ausprägung hatte ich in den Augen eines japanischen Offiziers gesehen, der vor einem zum Tode verurteilten ambonesischen Soldaten stand und sich vorbeugen musste, um das lange schwarze Haar vom Nacken über Kopf und Augen des Verurteilten zu streichen, bevor er sein Schwert ziehen und dem Mann den Kopf abschlagen konnte. Bevor der Schlag fiel, war er gezwungen, geradeaus über den dem Tode geweihten Kopf hinwegzublicken, und sah weder diesen Kopf noch uns, die in einer zerlumpten langen Reihe vor ihm standen.181
“The Japanese showed a sudden reluctance to meet our eyes in the course of our daily contacts. We knew that they were taking precautions to ensure that not a single glimpse of one’s obvious and defenceless humanity should slip through their defences and contradict the caricature some demoniac a priori image had made of us within them. The nearer the storm came the more intense the working of this mechanism became. I had seen its most striking manifestation in the eyes of a Japanese officer who, with a condemned Ambonese soldier before him, had had to lean forward and brush the long black hair from the back of the neck over the head and eyes of the condemned man before he could draw his sword and cut off the man’s head. Before the blow fell he had been compelled to look straight ahead over the doomed head seeing neither it nor us who stood, raggedly, in a long line in front of him.”181
Es ist nicht klar, wer die Anderen sind, die wir zu Anderen machen, und genau dieses Paradox erhält das Othering aufrecht. Ein „Anderer“ ist das Ergebnis der Paranoia eines „Selbst“ gegenüber jemandem, den es zu fürchten und zu verdächtigen gelernt hat; ausgelöst wird diese Haltung meist von Politikern und Medien und nicht durch persönlichen Kontakt. Bisweilen grenzen Politiker ethnische oder religiöse Gruppen auf verschlüsselte Weise aus, wie es während der Wahlkampagnen von Präsident Trump besonders deutlich zu beobachten war, und aktivieren so bei den Menschen Angst und Furcht. Trumps Reisebann von 2017 gegen alle Muslime war symptomatisch für eine wahllose Karikierung aller Muslime als potenzielle Terroristen. Dies trug erheblich dazu bei, Haltungen und Loyalitäten innerhalb der eigenen Gruppe zu stärken, und schuf einen Raum, in dem Menschen anti-muslimische Ressentiments offener äußern konnten.
It is not clear who the Othered we are otherising are, and this paradox is precisely what sustains the Othering. An ‘Other’ is a result of a ‘self’s paranoia about someone he has been led to fear and suspect, which is usually driven by politicians and the media as opposed to personal contact. Sometimes politicians, very noticeable during President Trump’s election campaigns, Otherise ethnic or religious groups in a coded way and therefore activate people’s sense of anxiety and fear. Trump’s 2017 travel ban on all Muslims was symptomatic of an indiscriminate caricaturing of all Muslims as potential terrorists. This did much to harness in-group attitudes and loyalties, which opened up a space where people could be more explicit in expressing anti-Muslim sentiments.
Die Rhetorik, die dazu diente, Mexikaner als Vergewaltiger und Drogendealer darzustellen, trug zur Normalisierung der Ausgrenzung des Anderen bei und machte es akzeptabler, ja sogar wünschenswert, Forderungen nach ihrer Abschiebung und dem Bau einer Mauer zu unterstützen. Ironischerweise ist genau die Mauer das, was Othering bewirkt. Sie teilt und trennt uns. Othering wird also sowohl gesellschaftlich als auch kulturell hervorgebracht und erreicht seinen Höhepunkt in Momenten der Unruhe. Begegnungen zwischen Menschen können jedoch eine bemerkenswerte Wirkung entfalten: Sie kehren Stereotype nicht nur um, sondern überbrücken auch die Unterschiede zwischen Menschen, sodass unsere Verschiedenheit im Licht einer gemeinsamen Menschlichkeit betrachtet wird und als Zeichen der wunderbaren Schöpfung Allāhs gilt.
The rhetoric employed to caricature Mexicans as rapists and drug dealers furthered the normalising of Othering, making it more acceptable and even desirable to support calls for their deportation and for a building of a wall. Ironically, the wall is precisely what Othering does. It divides and separates us. Othering is thus both socially and culturally created and peaks at moments of unease. Human encounters, however, can have a remarkable effect of not only reversing stereotypes but also to bridge the distinctions between people so that our differences are viewed in light of a shared humanity and a sign of the amazing creation of Allāh.
Wir, uns, die Menschheit, sind ein gemeinsames Unterfangen. Versuche, andere menschliche Wesen zu entstellen und aus dem menschlichen Rahmen zu tilgen, verlangen von uns allen, die Hand zu reichen und Brücken zu bauen. Wir sind dazu aufgerufen, anderen eine Stimme zu geben: den Opfern von Krieg und Völkermord, den gesellschaftlich Ausgegrenzten, den strukturell Enteigneten. Wir müssen uns daran erinnern, dass die Kosten eines Krieges nicht nur an der physischen Zerstörung von Häusern und staatlicher Infrastruktur gemessen werden, sondern auch an den verlorenen Leben, an seelischen und geistigen Verletzungen und an der Erschaffung unzähliger „Anderer“. Wir müssen den Entstehungstendenzen genozidaler Gewalt in unserer Welt entschieden entgegentreten. Theodor Adorno suchte in seinem wegweisenden Essay „Erziehung nach Auschwitz“ (1966) die Verantwortung von Bildung und Erziehenden zu betonen, in jungen Menschen empathische Haltungen zu fördern, die Haltungen der Andersmachung in Frage stellen. Die Abfolge von Genoziden, Kriegen und Massenmorden seit Auschwitz zeugt jedoch davon, dass wir noch sehr viel mehr zu tun haben. Wir müssen die globalen medialen Narrative und Darstellungen herausfordern, die Mitmenschen zum Anderen machen oder aus einem gemeinsamen Zustand der Würde ausschließen und die über andere das Stigma entwerteter, entmenschlichter Identitäten bringen. Es liegt an uns, eine wichtige Rolle beim Aufbau von Gesellschaften zu spielen, die Menschen verbinden, die Brücken schlagen. Brücken zu bauen eröffnet Räume, fördert Verständnis, Kommunikation und die Stärkung des gemeinsamen menschlichen Geistes.
We, us, humanity, are a collective effort. Attempts at disfiguring and erasing of others from the human frame requires us all to reach across and bridge. We are to give a voice unto others - victims of war, genocide, social outcasts, the structurally dispossessed. We are to remember that the cost of war is measured not only in terms of physical destruction of homes and state infrastructure but of lives that have been lost, of psychological and spiritual damage, of the creating of countless ‘others’. We must push back against the emergence of genocidal tendencies in our world. Theodor Adorno attempted in his seminal essay ‘Education After Auschwitz’ (1966) to stress the responsibility of education and educators to herald empathic tendencies in young people who challenge attitudes of otherness. The sequence of genocides, however, wars and mass killings, since Auschwitz are a testament that there is so much more for us to do. We must challenge global media narratives, and representations that otherise or exclude fellow humans from a collective state of worthiness, that unleash on others the stigma of devalued, dehumanised, identities. It is upon us to play important roles in building societies that connect people, that bridge. Bridging allows us to open spaces, to foster understanding, communication and an enhancing of the collective human spirit.
Lasst uns uns daran erinnern, dass es gegen unser Menschsein verstößt, andere zu entmenschlichen; es verstößt gegen das, was Allah in uns von Natur aus geschaffen hat, nämlich einander zu sehen, zu bewundern und zu respektieren. Die Stämme im Norden von Natal in Südafrika haben einen schönen Grußspruch: „Sawu bona“, was wörtlich „Ich sehe dich“ bedeutet. Ein anderes Mitglied des Stammes würde mit „Sikhona“ antworten, was wörtlich „Ich bin hier“ bedeutet. Die Bedeutung eines solchen Grußes lässt sich in dem Gedanken zusammenfassen: Solange du mich nicht siehst, existiere ich nicht. Der Versuch, einander ohne die Stereotype, die Mauern und die Distanz, sowohl physisch als auch kulturell, zu sehen, die unsere Wahrnehmungen voneinander verzerren, war eines der Ziele dieses Buches. Als Muslime sind wir angewiesen, nach einem höheren Verhaltenskodex zu leben, einem, der ein tiefes Bewusstsein füreinander und für die Welt verkörpert, die wir gemeinsam bewohnen. Und Allah hat in der Tat gesagt:
Let us remind ourselves that it is against our humanness to dehumanise others, it is against what Allāh created naturally within us, which is to see, admire and respect each other. The South African North Natal tribes have a beautiful greeting phrase, “Sawu bona” which literally means “I see you.” Another member of the tribe would reply “Sikhona” which literally means “I am here.” The implication of such a greeting is encapsulated in the idea that until you see me I do not exist. Attempting to see each other without the stereotypes, the walls, the distance both physical and cultural, that mar our perceptions of each other has been one of the goals of this book. As Muslims we are instructed to live by a higher code of conduct, one that embodies a deep consciousness about each other and the world which we collectively inhabit. And Allāh indeed said:
„Dann gehörte er zu denen, die glaubten und einander zur Geduld rieten und einander zur Barmherzigkeit rieten."" Koran, Sure „Die Stadt" (90)17
“Then he was among those who believed and advised one another to patience and advised one another to mercy.” The Quran Chapter ‘The City’ 90:17
F. McDonough, Sophie Scholl: The Real Story of the Woman who Defied Hitler (The History Press, Gloucestershire:
175 F. McDonough, Sophie Scholl: The Real Story of the Woman who Defied Hitler (The History Press, Gloucestershire:
(2009), S. 153–159.
2009), pp. 153-159.
176 Hermann Vinke, Das kurze Leben der Sophie Scholl (Harper and Row Publishers, New York: 1980), S. 42; Frank McDonough, Sophie Scholl: The Real Story of the Woman who Defied Hitler (The History Press, Gloucestershire: 2009), S.
176 Hermann Vinke, The Short Life of Sophie Scholl (Harper and Row Publishers, New York: 1980), p. 42; Frank McDonough, Sophie Scholl: The Real Story of the Woman who Defied Hitler (The History Press, Gloucestershire: 2009), p.
27.
27.
177 Frank McDonough, Sophie Scholl: The Real Story of the Woman who Defied Hitler (The History Press, Gloucestershire:
177 Frank McDonough, Sophie Scholl: The Real Story of the Woman who Defied Hitler (The History Press, Gloucestershire:
(2009), S. 27.
2009), p. 27.
178 Harper Lee, To Kill a Mockingbird. HarperCollins: 1960 (Perennial Classics edition: 2002).
178 Harper Lee, To Kill a Mockingbird. HarperCollins: 1960 (Perennial Classics edition: 2002).
179 I. Dharker, „The Right Word“ - https://genius.com/Imtiaz-dharker-the-right-word-annotated.
179 I. Dharker, The Right Word’ - https://genius.com/Imtiaz-dharker-the-right-word-annotated.
180 Grégoire Chamayou, Drone Theory (übers. Janet Lloyd) (Paris, The New Press: 2015), S. 12.
180 Grégoire Chamayou, Drone Theory (trans. Janet Lloyd) (Paris, The New Press: 2015), p. 12.
181 Larens Van der Post, Merry Christmas, Mr. Lawrence (New York: Quill, 1983), S. 153.
181 Larens Van der Post, Merry Christmas, Mr. Lawrence (New York: Quill, 1983), p. 153.