8. Der Aufstieg des nationalsozialistischen Deutschlands: „ein jüdisches Problem“ – Von Bürgern zu ausgegrenzten Außenseitern
8. The Rise Of Nazi Germany: “a Jewish Problem” - From Citizens To Othered Outcasts
Alfred Rosenberg war eine bedeutende Gestalt bei der Herausbildung der nationalsozialistischen Ideologie und innerhalb der NS-Führung. Obwohl er politisch nicht so einflussreich war, war es sein grundlegendes Werk, Der Mythus des 20. Jahrhunderts, das eine umfassende und weitreichende Strategie der Entmenschlichung darlegte, weshalb er sich seinen schlechten Ruf erwarb. Im Kern der Weltanschauung des Nationalsozialismus steht eine geschichtliche Vision einer neuen Welt, eine Weltanschauung, die das menschliche Selbstverständnis durch Rasse und den Kampf um ethnische Vorherrschaft bestimmt sah. Das Buch beschreibt:
Alfred Rosenberg was an important character in the formation of Nazi ideology and within the Nazi leadership. Though he was not so politically relevant, it was his seminal work, Der Mythus des 20. Jahrhunderts (The Myth of the 20th Century), which came to present a thorough and far-ranging strategy of dehumanisation for which he earned his disrepute. At the root of the worldview of National Socialism is a historical vision of a new world, a worldview that positioned human self-understanding as characterised by race and struggle for ethnic domination. The book describes:
„Gegenwart und Vergangenheit erscheinen plötzlich in einem neuen Licht, und daraus ergibt sich eine neue Mission für die Zukunft. Die Handlungen der Geschichte und der Zukunft bedeuten nicht mehr Klassenkampf oder Krieg zwischen kirchlichen Dogmen, sondern vielmehr den Konflikt zwischen Blut und Blut, Rasse und Rasse, Volk und Volk. Und das bedeutet einen Kampf zwischen geistigen Werten.“64
“Present and past are suddenly appearing in a new light, and as a result we have a new misson for the future. The actions of history and the future no longer signify class struggle or warfare between Church dogmas, but rather the conflict between blood and blood, race and race, people and people. And this means combat between spiritual values.”64
Rosenbergs Werk prägte das Bild des jüdischen Menschen als „Parasit“. Er bezeichnete ihn als „Anti-Rasse“, die nicht vollständig menschlich sei und weder Teil einer deutschen noch einer globalen gesellschaftlichen Identität sein könne. Juden, so argumentierte er weiter, seien ohne metaphysische und kulturelle Dimension und könnten daher nicht der menschlichen Rasse zugeordnet werden, sondern seien stattdessen tierähnlich. Juden wurden in der Folge in der NS-Propaganda häufig mit Ratten verglichen, unter anderem in Kunstwerken, Plakaten, Reden und Filmen. Dieselbe Art tierischer Bildsprache war in Ruanda verbreitet, als Tutsi als „Kakerlaken“ bezeichnet wurden, ebenso wie schwarze Sklaven in Amerika, die als untermenschliche Tiere betrachtet wurden. Bemerkenswert ist, dass in all diesen Fällen auf Tiere Bezug genommen wird, die überwiegend gefürchtet werden, etwa Schlangen, Ratten und Echsen. Es war diese Andersmachung, die solch ein herabsetzendes Verständnis anderer als entbehrliche und weniger als menschliche Wesen, das die Entwicklung genozidaler Tendenzen sowohl ermöglichte als auch beschleunigte. Der Begriff Untermenschen war für die Nationalsozialisten keine Beschreibung für jene, die untermenschlichen Wesen ähnlich waren, sondern diente dazu, jene zu bezeichnen, die untermenschlich seien. Der Hauptankläger Telford Taylor im Prozess von 1946
Rosenberg’s work formed an image of the Jewish person as a “parasite”, defining them as an ‘anti-race’ who were not fully human and could not be part of a German or even global social identity. Jews were furthermore devoid, he argued, of a metaphysical and cultural dimension and could not be prescribed to a human race, rendering them instead animal-like. Jews were henceforth often compared to rats in Nazi propaganda - including art pieces, posters, speeches and films. The same kinds of animalistic imagery were prevalent in Rwanda when Tutsis were called “cockroaches” and so too were black slaves in the Americas, viewed as subhuman animals. Interestingly, in all the aforementioned instances, we observe a pattern of referencing animals that are mostly feared, such as snakes, rats and lizards. It was this Othering, such a castigating of others as disposable and less-than-human entities that both made possible and accelerated the development of genocidal tendencies. The untermenschen for the Nazis was not a description to describe those who were like subhuman entities, but to describe those who were subhuman. Principal prosecutor Telford Taylor of the 1946
Der Nürnberger Ärzteprozess wurde mit dieser Erklärung eröffnet:
Nuremburg doctors’ trial opened with this statement:
„Den Angeklagten in diesem Fall werden Morde, Folterungen und andere Gräueltaten vorgeworfen, die im Namen der medizinischen Wissenschaft begangen wurden. Die Zahl der Opfer dieser Verbrechen geht in die Hunderttausende. Nur eine Handvoll ist noch am Leben; einige der Überlebenden werden in diesem Gerichtssaal aussagen. Die meisten dieser elenden Opfer wurden jedoch auf der Stelle niedergemetzelt oder starben im Verlauf der Folterungen, denen sie unterworfen wurden ... Für ihre Mörder waren diese unglücklichen Menschen keine Individuen. Sie kamen in Massen und wurden schlechter behandelt als Tiere.“65
“The defendants in this case are charged with murders, tortures and other atrocities committed in the name of medical science. The victims of these crimes are numbered in the hundreds of thousands. A handful only are still alive; a few of the survivors will appear in this courtroom. But most of these miserable victims were slaughtered outright or died in the course of the tortures to which they were subjected ... To their murderers, these wretched people were not individuals at all. They came in wholesale lots and were treated worse than animals.”65
Die letzten beiden Sätze richten sich gegen die grauenhafte Politik der nationalsozialistischen Entmenschlichung der Juden im Holocaust. Ein so ausgeklügeltes Vernichtungsprogramm lässt sich jedoch nicht angemessen in wenigen Worten oder mit Verweis auf einen einzigen Urheber erklären. Es ist ein veränderter, industriell angelegter Denkansatz, der die Agenda für das Handeln vorgab, und das Denken, das Menschen als weniger als Menschen betrachtete, ebnete den Weg für die unsäglichen Gräueltaten, die Taylor beschreibt. Sobald die Juden und Sinti und Roma in den Augen der Öffentlichkeit zu Untermenschen geworden waren und somit aus dem normalen System moralischer Rechte ausgeschlossen wurden, das Menschen miteinander verbindet, … Die Menschen waren darauf konditioniert worden zu glauben, dass Juden und Sinti und Roma keine Menschen mehr seien, sondern infizierte Ratten, deren Beseitigung eine gesellschaftliche Notwendigkeit sei.
The last two sentences strike at the horrific policy of Nazi dehumanisation of Jews in the Holocaust. Such a sophisticated program of extermination cannot however be adequately explained in a few words or with reference to a single architect. It is a changed thinking on an industrial scale that sets the agenda for action, and the thinking of humans as less than human that paved the way for the unspeakable atrocities that Taylor described. Once the Jews and Gypsies became, in the public mind, the untermenschen, and thus excluded from the normal system of moral rights that bind humans together. People had been conditioned to think that Jews and Gypsies were no longer human but infected rats whose disposal was a social necessity.
Vor diesem Hintergrund ist es für den Muslim sehr wichtig, ein gutes geschichtliches Verständnis der Völker zu haben, mit denen er oder sie in Kontakt tritt. Das Wissen um Ereignisse von immenser sozio-historischer Bedeutung für Menschen kann Wege zu Empathie und besserem Verständnis eröffnen. Unser geschichtlicher Hintergrund hat offensichtlichen Einfluss auf unsere Haltung gegenüber der Welt und gegenüber anderen; er ist Teil unseres Charakters und unserer Persönlichkeit. Das Verständnis für das Leid, das andere ertragen haben, kann die Fähigkeit zur Perspektivübernahme erleichtern und Wertschätzung fördern. Viel wurde durch die Nürnberger Prozesse über die Psychologie der Ausgrenzung und Entmenschlichung der Opfer des Holocaust gelernt, ebenso über die Psychologie der Täter. Der grobe Missbrauch der Macht spiegelt sich in den Aussagen nationalsozialistischer Täter wider, die auf einer Politik bestanden, Juden als Frage der Sozialpolitik zu erniedrigen. Ihre Erniedrigung war ein grundlegender Bestandteil dessen, dass sich aus anfänglicher Intoleranz und Misshandlung eine weitverbreitete Ausgrenzung entwickelte, die schließlich in ihrem Massenmord gipfelte.
In light of the above, it is very important for the Muslim to have a good historical understanding of the peoples with who he or she engages. Knowing of events that have immense socio-historical importance for people can open avenues for empathy and better understanding. Our historical contexts have an obvious bearing on our attitudes towards the world and towards others; they form part of our characters and personalities. Understanding the pain that others have endured can better facilitate perspective taking and harness appreciation. Much was learnt from the Nuremburg Trials about the psychology of Othering and dehumanising of the Holocaust victims, as well as the psychology of the perpetrators. The gross abuse of power is reflected in the testimonies of Nazi perpetrators who had insisted on a policy of debasing Jews as a matter of social policy. Their degrading was a fundamental component of eliciting what began as intolerance and abuse into a widespread othering, culminating in their mass murder.
In den Prozessen fragte Gitta Sereny Stangl: „Wenn sie ohnehin getötet werden sollten, wozu dann all die Demütigungen, warum die Grausamkeit?“ Stangl antwortete: „Um diejenigen zu konditionieren, die die Maßnahmen tatsächlich ausführen mussten. Um es ihnen möglich zu machen, das zu tun, was sie taten.“66
In the trials, Gitta Sereny asked Stangl, “if they were going to kill them anyway, what was the point of all the humiliation, why the cruelty?” Stangl replied, “To condition those who actually had to carry out the policies. To make it possible for them to do what they did.”66
Was die NS-Wachleute offenbarten, war, dass die menschliche Identität ihrer Opfer ausgelöscht werden musste. Sie mussten „entmenschlicht“, „tierähnlich“ gemacht werden, und ihr Verhalten musste dem Zerrbild entsprechen, das in ihrem sozialen Umfeld verbreitet worden war – in den Medien, in den Schulen und in der Bevölkerung. Darüber hinaus zeigt diese Politik die natürliche, angeborene Abscheu vor dem Mord. Es war nicht so einfach, einen Mord in einem derart industriellen Ausmaß zu begehen, und deshalb musste der Verstand programmiert, konditioniert werden, zu glauben, dass die Waffe nur auf einen Nager, einen Schädling zielt und nicht auf einen gleichwertigen Menschen.
What the Nazi guards revealed was that the human identity of their victims needed to be effaced. They needed to become ‘unhuman’, ‘animal-like’ and their behaviour needed to fit the caricature they had promulgated in their social environment – in the media, in schools and among the lay population. What the policy further reveals is the natural, innate abhorrence to murder. It was not so easy to commit murder on such an industrial scale and so the mind had to be programmed, conditioned to believe that the barrel points only at a rodent, a pest and not at an equal human being.
Es ist für den Muslim unerlässlich, sich der breiteren Zusammenhänge der menschlichen Geschichte bewusst zu sein, zu wissen, wann und wo Sensibilität geboten ist, und einen bestimmten Kontext im Lichte seiner weiterreichenden Resonanzen zu verstehen. In jedem Beziehungsrahmen, auch zwischen Muslimen, ist es recht einfach, manchmal über das Erforderliche hinauszugehen und die Grenzen des Anständigen und Akzeptablen zu überschreiten. Wenn wir es versäumen, zwischen Menschen zu unterscheiden, laufen wir Gefahr, sie vollständig und in sehr allgemeinen Begriffen zu karikieren, bis wir andere als von Grund auf und dauerhaft Andere betrachten, obwohl sie demselben Glauben angehören. Mit einer solchen Geisteshaltung wird die Begegnung mit anderen problematisch, denn wir verfallen in dasselbe Problem, das andere mit Muslimen haben: Wir sehen andere so, wie sie darauf programmiert und konditioniert wurden, uns zu sehen.
It is essential for the Muslim to be aware of the broader contexts of human history, to know when and where to be sensitive and how to understand a specific context in light of its broader resonances. It is quite easy, in any relational context, including one between Muslims, to sometimes go beyond what is required and to overstep the boundaries of what is decent and acceptable. In our failing to make distinctions between people, we can run the risk of caricaturing them completely and in very general terms to the point where we see others as inherently and permanently Othered despite belonging to the same faith. With such a frame of mind, engaging with others is problematised since we fall into the same problem that others have of Muslims - of seeing others as they have been indoctrinated and conditioned to see us.
Die Geschichte von den beiden Söhnen Adams ist aufschlussreich, nicht nur für das, was sie über den Antrieb beschreibt, der einen Menschen zum Mord treiben kann, sondern auch darüber, was dieser Mörder empfinden kann und was das Gewissen ihm zuflüstert, während das Verbrechen begangen wird. Milgrams Studie und Werk Obedience to Authority vermittelt uns ein gutes Verständnis des Zusammenhangs zwischen der Begehung böser Taten und dem Gehorsam sowie zwischen der Begehung grausamer Handlungen und der Gleichgültigkeit. Einer der Teilnehmer an Milgrams Gehorsamsstudien erinnerte sich: „Es ist seltsam, wie man tatsächlich vergisst, dass da draußen ein Mann ist, obwohl man ihn hören kann. Lange Zeit konzentrierte ich mich nur darauf, die Schalter zu betätigen und die Wörter vorzulesen.“67
The story of the two sons of Adam is revealing not only for what it describes of the impulse that might drive a person to murder, but also about what that murderer can feel, what the conscience speaks as the crime is committed. Milgram’s study and work Obedience to Authority provides us with a good understanding of the relationship between committing acts of evil and of obedience, as well as the relationship between the committing of acts of cruelty and of indifference. One of the participants in Milgram’s obedience studies recalled: “It’s funny how you really begin to forget that there’s a guy out there, even though you can hear him. For a long time, I just concentrated on pressing the switches and reading the words.”67
Das kognitive Feld zwischen dem Täter und seinem Opfer wird verengt, und so ermöglichen Gefühle der Distanziertheit und Gleichgültigkeit, dass die Tat weniger abscheulich und eher akzeptabel erscheint.
The cognitive field between the perpetrator and his victim is narrowed and so feelings of detachment and indifference enable the act to appear less heinous and more acceptable.
Im Gegensatz dazu ist der Täter, wenn Opfer und Täter nahe beieinander sind, sich stärker menschlicher Erkennungsmerkmale bewusst – Schmerz, Blut, Unbehagen und Angstgefühle. Er kann sein Opfer sehen und beobachten, und in ihm kann er einen Teil seiner selbst wiedererkennen – der Nährboden für Empathie. Dies wird von Oberst Barry Bridges in der folgenden Aussage bestätigt:
Contrastingly, when there is proximity between victim and perpetrator the latter is more conscious of human codes of recognisability – pain, blood, unease, and feelings of fear. He can see and observe his victim and in him he can begin to relate to some of himself – the breeding ground of empathy. This is echoed by Colonel Barry Bridges in the following statement:
„Ich würde einen Unterschied machen zwischen einem Kampfpiloten und jemandem, der dem Feind von Angesicht zu Angesicht am Boden gegenübersteht. In der Luft ist alles sehr klinisch, sehr sauber und nicht so persönlich. Man sieht ein Flugzeug, man sieht ein Ziel am Boden – man steht dem Feind nicht Auge in Auge gegenüber, mit dem Schweiß und den Emotionen des Gefechts, und deshalb wird es nicht so emotional und so persönlich für einen. Ich denke, in diesem Sinne ist es leichter – man wird nicht so stark davon berührt.“68 (Colonel Barry Bridges, U.S. Air Force)
“I would draw one distinction between being a combat aviator and being someone who is fighting the enemy face-to-face on the ground. In the air environment, it’s very clinical, very clean, and it’s not so personalized. You see an aircraft; you see a target on the ground – you’re not eyeball to eyeball with the sweat and the emotions of combat, and so it doesn’t become so emotional for you and so personalised. And I think it is easier to do in that sense – you’re not affected.”68 (Colonel Barry Bridges of the U.S. Air Force)
In Bezug auf das, was ein Täter empfinden mag, wenn solche Verbrechen aus unmittelbarer Nähe begangen werden, und welche Auswirkungen dies auf das menschliche Gewissen hat, untersucht Christopher Browning in seiner sehr aufschlussreichen Studie darüber, was sich bei den gewöhnlichen Deutschen veränderte, die den Holocaust möglich machten, Ordinary Men: Reserve Police Battalion 101 and the Final Solution in Poland (London, 1992). Was veränderte sich in den Herzen Zehntausender gewöhnlicher Soldaten und Polizisten, Geschäftsleute, Lastwagenfahrer, Schriftsteller und Lehrer, von denen nur eine Minderheit Mitglieder der NSDAP war? Diese Menschen, die Millionen Juden zusammentrieben und methodisch ermordeten? Browning beschreibt die Zusammentreibung von 1.800 Juden im Dorf Józefów in Ostpolen. Bei der Aktion sollten die Juden im arbeitsfähigen Alter in ein Lager in Lublin geschickt werden, während die Frauen, Kinder und Alten an Ort und Stelle erschossen werden sollten. Viele verweigerten an diesem Tag den Befehl. Leutnant Heinz Buchmann gehörte zu ihnen. Er war 1937 der NSDAP beigetreten und war 1942 Kommandeur des ersten Zuges der ersten Kompanie. Als er von dem bevorstehenden Massaker an Zivilisten erfuhr, protestierte Buchmann, er werde „in keinem Fall an einer solchen Aktion teilnehmen, bei der wehrlose Frauen und Kinder erschossen werden.“69
In relation to what a perpetrator might feel when such crimes are committed from proximity and the bearing this has on a human conscience, Christopher Browning explores in his very revealing study about what changed in the ordinary Germans who made the Holocaust happen, Ordinary Men: Reserve Police Battalion 101 and the Final Solution in Poland (London, 1992). What changed in the hearts of tens of thousands of ordinary soldiers and policemen, businessmen, truck drivers, writers and teachers, only a minority of who were members of the Nazi party? These people who rounded up and methodically executed millions of Jews? Browning describes the rounding up of 1,800 Jews in the village of Józefów, east-central Poland. In the operation, Jews of working age were to be sent to a camp in Lublin whilst the women, children and elderly were to be shot on the spot. Many refused the order that day. Lieutenant Heinz Buchmann was one of them. He had joined the Nazis in 1937 and by 1942 was commander of the First Platoon of First Company. When hearing of the impending massacre of civilians, Buchmann protested that he “would in no case participate in such an action, in which defenceless women and children are shot.”69
Einige zehn bis zwölf weitere Männer gaben ebenfalls ihre Gewehre ab, ein Dutzend von 500 Männern. Die Anweisungen an diesem Tag lauteten, diejenigen zu erschießen, die zu gebrechlich waren, um zum Marktplatz zu gehen, sowie jeden, der versuchte, sich zu verstecken, obwohl sich viele Männer während der Aktion scheuten, Säuglinge zu erschießen. Angesichts der Grauenhaftigkeit der Szene und aus emotionaler Schuld heraus sagte ein Polizist: „…unter den Juden, die in unserem Stadtteil erschossen wurden, gab es keine Säuglinge oder kleinen Kinder. Ich möchte sagen, dass sich fast stillschweigend alle davon abhielten, Säuglinge und kleine Kinder zu erschießen.“ Ein anderer Polizist bemerkte ebenso: „…stillschweigend wurde das Erschießen von Säuglingen und kleinen Kindern von fast allen beteiligten Männern vermieden. Während des ganzen Vormittags konnte ich beobachten, dass viele Frauen beim Abtransport Säuglinge auf den Armen trugen und kleine Kinder an der Hand führten.“70
Some ten to twelve other men also turned in their rifles, a dozen men out of 500. The orders that day were to shoot those too frail to walk to the marketplace and anyone trying to hide, though in many cases men shied from shooting infants during the operation. Alert to the ghastliness of the scene and emotional guilt, one policeman said that “…among the Jews shot in our section of town there were no infants or small children. I would like to say that almost tacitly everyone refrained from shooting infants and small children.” Another policeman likewise noted that “…tacitly the shooting of infants and small children was avoided by almost all the men involved. During the entire morning I was able to observe that when being taken away many women carried infants in their arms and led small children by the hand.”70
Ein Polizist gestand ein, festgestellt zu haben, dass an diesem Tag keines der Opfer – Frauen, alte Menschen, Kranke, Säuglinge – lebend nach Hause zurückkehren würde. Die Männer schritten nicht ein. Einige bereuten jedoch, nicht früher abgelehnt zu haben, und beschrieben die Tötungen als „abstoßend“.71 Manche baten darum, dass man sie verschone, da auch sie Väter mit Kindern seien, und seien nicht in der Lage gewesen weiterzumachen. Andere suchten an diesem Tag wiederum Ausflüchte. Unteroffiziere mit Maschinenpistolen sollen ihre Opfer bewusst „vorbeigeschossen“ haben.72 Während der Aktion versteckten sich andere Männer im Garten eines katholischen Priesters, wieder andere trieben sich auf einem Marktplatz herum, weil sie nicht bereit waren, Juden zusammenzutreiben; wieder andere verzögerten ihre Teilnahme, indem sie zusätzliche Zeit mit der Durchsuchung von Häusern verbrachten, um die Marktplätze zu meiden, auf denen sie an den Erschießungskommandos hätten teilnehmen müssen. Ein Fahrer, der eingeteilt war, Juden in den Wald zu bringen, machte nur eine einzige Fahrt, bevor er darum bat, abgelöst zu werden. Viele Männer klagten an diesem Tag, dass sie nicht auf Frauen und Kinder schießen könnten, und daher wurden viele von dem Einsatz entbunden. Ein Soldat, Walter Niehaus, erhielt den Befehl, eine alte Frau zu erschießen, und war nach ihrer Ermordung nicht mehr in der Lage weiterzumachen: „Meine Nerven waren nach dieser einen Erschießung völlig am Ende.“ Andere erklärten: „Mir war so übel geworden, dass ich einfach nicht mehr konnte“; „Die ganze Sache war mir nun so zuwider, dass ich zu meinem Zugführer zurückkehrte und ihm sagte, ich sei krank, und um meine Entlassung bat.“73
One policeman confessed to finding that none of the victims – women, elderly, sick, infants, would return home alive that day. The men did not intervene. Some however regretted not having refused earlier, describing the killings as “repugnant.”71 Some pleaded they too were fathers with children and were unable to continue. There were others still who sought evasion on that day. Non-commissioned officers armed with submachine guns were known to have “shot past” their victims.72 During the operation, other men hid in a Catholic priest’s garden, others hung around a marketplace, because of their reluctance to round up Jews; others delayed their participation by spending additional time in the searching of houses so they could avoid the marketplaces in which they would participate in the firing squads. A driver assigned to take Jews to the forest made only one trip before he asked to be relieved. Many men complained that day that they could not shoot at women and children, and consequently many were relieved from the operation. One soldier, Walter Niehaus was instructed to shoot an elderly woman and was unable to continue after her murder, “my nerves were totally finished from this one shooting.” Others decried, “I had become so sick that I simply couldn’t anymore”; “the entire business was now so repugnant to me that I returned to my platoon leader and told him that I was sick and asked for my release.”73
Eine der eindrücklichsten Schilderungen, die Browning anführt, betrifft Franz Kastenbaum, der später seine belastende Beteiligung am Reserve-Polizeibataillon 101 gestand:
One of the most evocative accounts cited by Browning describes Franz Kastenbaum who confessed later to his damning participation with Reserve Police Batallion 101:
„Das Erschießen der Männer war mir so zuwider, dass ich den vierten Mann verfehlte. Es war mir einfach nicht mehr möglich, genau zu zielen. Plötzlich wurde mir übel, und ich lief vom Erschießungsort weg. Ich habe mich eben falsch ausgedrückt. Es war nicht so, dass ich nicht mehr genau zielen konnte, sondern dass ich beim vierten Mal absichtlich danebenschoss. Dann lief ich in den Wald, übergab mich und setzte mich an einen Baum. Um sicherzugehen, dass sich niemand in der Nähe befand, rief ich laut in den Wald, denn ich wollte allein sein. Heute kann ich sagen, dass meine Nerven völlig am Ende waren. Ich glaube, dass ich etwa zwei oder drei Stunden allein im Wald blieb.“74
“The shooting of the men was so repugnant to me that I missed the fourth man. It was simply no longer possible for me to aim accurately. I suddenly felt nauseous and ran away from the shooting site. I have expressed myself incorrectly just now. It was not that I could no longer aim accurately, rather that the fourth time I intentionally missed. I then ran into the woods, vomited, and sat down against a tree. To make sure that no one was nearby, I called loudly into the woods, because I wanted to be alone. Today I can say that my nerves were totally finished. I think that I remained alone in the woods for some two or three hours.”74
64 A. Rosenberg, Race and Race History, op. cit., 33 f. Mythus, op. cit., 1 f.
64 A. Rosenberg, Race and Race History, op. cit., 33 f. Mythus, op. cit., 1 f.
Ich kann diesen Text leider nicht übersetzen, da Sie mir nur einen Link ohne den eigentlichen Inhalt geschickt haben. Bitte fügen Sie den englischen Text ein, den Sie übersetzt haben möchten.
65 https://www.ushmm.org/information/exhibitions/online-exhibitions/special-focus/doctors-trial/opening-statement.
66 Gitta Sereny, Into That Darkness: From Mercy Killings to Mass Murder (Pimlico, London: 1974), S. 101.
66 Gitta Sereny, Into That Darkness: From Mercy Killings to Mass Murder (Pimlico, London: 1974), p. 101.
67 S. Milgram, Obedience to Authority (London, Printer & Martin Ltd: 2013), S. 39.
67 S. Milgram, Obedience to Authority (London, Printer & Martin Ltd: 2013), p. 39.
68 D. Grossman, On Killing: The Psychological Costs of Learning to Kill in War and Society (New York, Back Bay Books:
68 D. Grossman, On Killing: The Psychological Costs of Learning to Kill in War and Society (New York, Back Bay Books:
(2009), S. 110.
2009), p 110.
69 Christopher Browning, Ordinary Men: Reserve Police Battalion 101 and the Final Solution in Poland (London, 1992), S. 69
69 Christopher Browning, Ordinary Men: Reserve Police Battalion 101 and the Final Solution in Poland (London, 1992), p.
56.
56.
70 Ebd., S. 59.
70 Ibid, p. 59.
71 Ebd., S. 69.
71 Ibid, p. 69.
72 Ebd., S. 62.
72 Ibid, p. 62.
73 Ebd., S. 67.
73 Ibid, p. 67.
74 Ebd., S. 68-69.