6. Übergänge in Landschaften: Unser „hier“, „dort“ und „anderswo“ wahrnehmen
6. Transitioning Landscapes: Noticing Our ‘here’, ‘there’ And ‘elsewhere’
Während wir lernen, uns behutsam durch unsere Räume zu bewegen und ein besseres Verständnis und eine größere Wertschätzung für andere Menschen zu entwickeln, ist es wichtig, in den Kontexten, die wir bewohnen, auf kulturelle Codes zu achten. Jede „Landschaft“ spricht Bände über Tradition, Kunst, Religion, Erfahrungen, Geschichte und Feiern. Obwohl die „Landschaft“ jedes Landes aus denselben gesellschaftlichen Prozessen besteht, bezeichnet „landscaping“ als Verb die Art und Weise, wie Land durch menschliches Handeln umgestaltet wird und dabei einzigartige Räume entstehen, auf denen Orte verortet sind. Für jeden Einzelnen kann jeder Moment in Bezug auf diesen Raum etwas anderes bedeuten. Zu jedem Zeitpunkt können neue Sinnorte entstehen, und auch die soziale Bedeutung kann sich in Bezug auf diesen Raum verzerren.
As we learn to move and tread lightly through our spaces and foster a better understanding and appreciation of other people, it is important to remain mindful of cultural codes in the contexts we inhabit. Each “landscape” speaks volumes of tradition, art, religion, experiences, histories and celebrations. While ‘landscape’ of any land is made up of the same societal processes, ‘landscaping’ understood as a verb is about the way in which land is transformed by human agency, creating unique spaces upon which sites are located. For each individual, each moment can mean something different in relation to that space. New sites of meaning can emerge at any given time and social meaning too can become contorted in relation to that space.
Ein sehr aufschlussreicher Abschnitt von Versen, der uns anregt, uns mit wachem Verstand, einem verständigen Herzen, Glauben, Einfühlungsvermögen und Dankbarkeit in unserer Umgebung zu bewegen, findet sich in Sūrat an-Naml (27) im Zusammenhang mit dem Propheten Sulaymān (Friede sei auf ihm).
A very insightful set of verses that enable us to consider navigating through spaces with an alert mind, a heart of understanding, faith, empathy and gratitude is found in Surah al-Naml (27) pertaining to Prophet Sulaymān (upon him be peace):
27:17 – Vor Salomo wurden seine Heerscharen aus Dschinn, Menschen und Vögeln in geordneten Reihen aufgestellt.
27:17 - Solomon’s hosts of jinn, men, and birds were marshalled in ordered ranks before him.
Der erste der besprochenen Verse beschreibt die Anordnung einer Schlachtszene.
The first of the discussed verses describes a battle scene arrangement.
Der Vers ruft Bilder von Macht, Ordnung, Königreich und Stärke wach. Zunächst erkennen wir, dass Prophet Sulaymān der passive Nutznießer eines so wunderbaren Schauspiels der Macht ist. Der Muslim wird auf Schöpfungen von Raum und Grenzen aufmerksam gemacht, auf Landschaften und Schauplätze. Was folgt, ist eine Ankunft in einem neuen Raum, einem anderen Raum, der dennoch würdig ist.
The verse invokes images of might, order, kingdom and strength. To begin, we realise that Prophet Sulaymān is the passive beneficiary of such a marvellous spectacle of power. The Muslim is alerted to creations of space and boundaries, to landscapes and settings. What follows is an arrival into a new space, a different space, but nonetheless worthy:
27:18 – Als sie das Tal der Ameisen erreichten, sprach eine Ameise: „Ameisen, geht in eure Wohnungen, damit Sulaymān und seine Heerscharen euch nicht unbemerkt zertreten.“ Prophet Sulaymān und sein Heer aus Menschen, Dschinn und Vögeln erreichen ein Tal der Ameisen. Der Übergang von einem Ort zeitlicher Macht, großen Ausmaßes, in ein Tal, niedrig gelegen und von Ameisen bewohnt, winzig an Größe, bildet einen treffenden Gegensatz. Wir denken über Bewegungen im Raum nach, vom Vertrauten zum Fremden, vom Raum des „Hier“ in Räume des „Dort“. Der Vers berichtet, dass eine Ameise die anderen Ameisen davor warnte, dass das Heer Prophet Sulaymāns heranrückt.
27:18 - and when they came to the Valley of the Ants, one ant said, ‘Ants! Go into your homes, in case Solomon and his hosts unwittingly crush you.’ Prophet Sulaymān and his army of humans, jinn and birds reach a valley of ants. The transitioning from a site of temporal power, large in scope, into a valley, low in landscape and inhabited by ants, miniature in size, juxtaposes well. We reflect on movements through space, from familiarity to foreignness, from space of ‘here’ into spaces of ‘there’. We are told in the verse that an ant warned the other ants that Prophet Sulaymān’s army was approaching.
Sie müssen sich in ihre „Wohnstätten“ (masākin) zurückziehen. Das Wort leitet sich von sakan ab, woraus wir maskan (Heim, Zuhause) und sakīna (Ruhe, Gelassenheit) bilden. Es bekräftigte, dass auch die Ameisen in ihrer bescheidenen Lage Heime haben, Orte der Zugehörigkeit und der Sicherheit. Sie haben einen Ort der Ruhe.
They must retreat into their ‘dwellings’ (masākin). The word derives from sakan, from which we get maskan (home) and sakīna (tranquility). It reinforced that the ants, too, in their lowly setting, also have homes, places of belonging and security. They have a place of tranquillity.
Auch sie sind in der Lage, eine andere Perspektive einzunehmen und einen drohenden Schaden für andere zu spüren. Die Empathiefähigkeit ist ein auffälliges Merkmal des Appells. Auch der Vers ist bemerkenswert in dem, was er über die Eigenschaft offenbart, gut von anderen zu denken: Die Ameise erkennt an, dass Prophet Sulaymān und sein Heer die drohende Zerstörung nicht bemerken würden.
They too are also able to take perspective and feel an impending harm on others. The empathy bearing is a salient feature of the appeal. The verse is striking too for what it reveals of the quality of forming a good opinion in that the ant acknowledges that Prophet Sulaymān and his army would be undiscerning of the feared destruction.
Vers 19 ist ein wunderschöner Vers, der ein Bittgebet von tiefer Bedeutung enthält und ein aufrichtiges Gefühl von Demut und Dankbarkeit beim Propheten Sulaymān (Salomo) erkennen lässt.
Verse 19 is a beautiful verse and contains a supplication profound in meaning and suggestive of a heartfelt sense of humility and gratitude in Prophet Sulaymān:
27:19 – Salomo lächelte breit über ihre Worte und sprach: „Herr, gib mir die Eingebung, dankbar zu sein für die Segnungen, die Du mir und meinen Eltern gewährt hast, und Gutes zu tun, das Dir gefällt; nimm mich durch Deine Gnade auf in die Reihen Deiner rechtschaffenen Diener.“ Zu Beginn erfahren wir, dass er „lächelte und über ihre Rede lachte“. Dies spiegelt die wohlwollende Natur des Königs-Propheten wider. Prophet Sulaymān findet Freude an dem kleinen Moment des „Ineinandergreifens“ zwischen den Welten, Landschaften und der Schöpfung, und wendet sich im Bittgebet an seinen Herrn. Der Beginn seines Gebets, „Herr, gib mir die Eingebung, dankbar zu sein für die Segnungen, die Du mir und meinen Eltern gewährt hast“, ist Ausdruck des Dienertums, ein Gebet, das jeder Muslim lernen sollte. Wenn ein Muslim durch Landschaften zieht oder anderen begegnet – kleineren, vielleicht schwächeren, entrechteten, ärmeren –, ist dies ein Moment der Besinnung, in dem er seine vollkommene Abhängigkeit von Allāh, seine Dankbarkeit und seine Aufrichtigkeit zum Ausdruck bringen soll. Es ist daher unerlässlich, dass das Herz des Muslims stets in der Gedenkens an Allāh gegenwärtig bleibt.
27:19 - Solomon smiled broadly at her words and said, ‘Lord, inspire me to be thankful for the blessings You have granted me and my parents, and to do good deeds that please You; admit me by Your grace into the ranks of Your righteous servants.’ At the outset we learn that he “smiled, laughing at her speech”. This reflects the good-willed nature of the king-prophet. Finding joy at the small moment of “intermeshing” between ‘worlds’, landscapes, creation, Prophet Sulaymān supplicates. The opening of his prayer, “Lord, inspire me to be thankful for the blessings You have granted me and my parents” is reflective of servitude, a prayer every Muslim should learn. A Muslim’s transitioning through landscapes or in the encountering of others - smaller, perhaps weaker, disenfranchised, poorer – is a reflective moment to express his utmost dependence on Allāh, gratitude and earnestness. It is thus essential that the Muslim’s heart remains ever present in the remembrance of Allāh.
Die Einbeziehung seiner Eltern in das Bittgebet durch Prophet Sulaymān verleiht der Demut und Dankbarkeit, die darin zum Ausdruck kommt, zusätzliche Tiefe. Die zeitlichen Räume von „hier“ und „dort“ finden nun ein „anderswo“. Das Gebet und die Ausrichtung des Propheten Sulaymān übersteigen das Irdische, und er findet Trost in der Zwiesprache mit seinem Herrn. Der Muslim gibt seine Angelegenheiten Allāh zurück, ungeachtet dessen, was er an eigenem Erfolg und eigener Fähigkeit wahrnimmt. Obwohl er ein Prophet war, empfand Prophet Sulaymān das Bedürfnis, Allāh um Rechtleitung zu bitten, damit er diejenigen Taten verrichte, die Allāh am meisten wohlgefällig sind, und nicht irgendeine Tat, mit der er bereits vertraut sein mochte. Auch bat er Allāh nicht, ihn zusammen mit den anderen Propheten ins Paradies aufzunehmen, sondern mit „Deinen rechtschaffenen Dienern“. Darüber hinaus bat er Allāh, ihn dort aufzunehmen, nicht aufgrund seiner eigenen Taten, seines Gehorsams, seines Dienens, seiner Anbetung, seiner Mühe oder irgendetwas anderem, sondern allein durch „Deine Barmherzigkeit“. Eine solche Bewegung, ein Hindurchschreiten durch den Raum und eine Selbstbetrachtung im Verhältnis zu einem Anderen, findet eine schöne Harmonie, wenn das Ziel und die Ausrichtung auf Den gerichtet sind, der außerhalb von Zeit und Raum existiert. Es ermöglicht uns zudem, eine Persönlichkeit als geprägt durch elterliche Einflüsse zu betrachten. In diesem Fall stellen wir fest, dass Prophet Sulaymān der Sohn von Prophet Dāwūd war, und Vater und Sohn werden im Qur’ān gemeinsam als awwāb (jemand, der seine Angelegenheiten stets zu Allāh zurückkehren lässt) beschrieben. Aufgrund der Hingabe des Vaters schlossen sich auch die Berge und Vögel Dāwūd im Gedenken an Allāh an. Auch sie werden daher als awwāb beschrieben. Neigungen zur Verderbtheit – Entmenschlichung und Ausgrenzung des Anderen – ebenso wie Neigungen zur Rechtschaffenheit werden stark durch elterliche und gesellschaftliche Einflüsse geprägt.
Prophet Sulaymān’s inclusion of his parents in his supplication adds further interest into the breadth of such humility and gratitude. The temporal spaces of ‘here’ and ‘there’ now find an ‘elsewhere’. Prophet Sulaymān’s prayer and focus transcends the earthly and he can find comfort in communing with His Lord. The Muslim, despite what he self-witnesses of success and ability returns his affairs to Allāh. Though he was a Prophet, Prophet Sulaymān felt the need to ask Allāh for guidance to perform those actions which were the most pleasing unto Allāh, not any action with which he might have already been familiar with. Nor did He ask Allāh to enter him into heaven with only other prophets, but instead with “Your righteous slaves”. Furthermore, he asked Allāh to enter him therein not because of his own doings, his obedience, servitude, worship, effort or anything else, but only by “Your Mercy”. Such a transitioning, a moving through space and reflection of self in relation to an Otherness becomes beautifully harmonised when the goal and focus is upon He who exists outside of time and space. It can also enable us to consider a personality as one shaped by parental influences. In this instance, we note that Prophet Sulaymān was the son of Prophet Dāwūd, and father and son are altogether described as awwāb (to always return one’s affairs unto Allāh) in the Qur’ān. On account of the father’s devotion so too did the mountains and birds join Dawūd in remembrance of Allāh. They too are thus described as awwāb . Tendencies of depravity – dehumanisation and othering – as well as tendencies of uprightness, are well informed by parental and social influences.
Wir existieren im Leben als miteinander verbundene Wesen, gebunden durch Bande der verschiedensten Beziehungen. Negative Vorurteile gegenüber anderen entstehen manchmal aus den prägenden Jahren eines Menschen, und diese können sich verfestigen.
We exist as attached entities in life, attached by cords of relationships of all kinds. Negative stereotypes about others are sometimes formed from a person’s formative years, and these can become entrenched.