Ein Universum aus dem Nichts? – Das Argument des Qur'an für Gott
A Universe From Nothing? – The Qur’an’s Argument For God
Stell dir vor, du sitzt in der Ecke eines Raumes. Die Tür, durch die du hereingekommen bist, ist nun vollständig versiegelt, und es gibt weder einen Weg hinein noch hinaus. Die Wände, die Decke und der Boden bestehen aus Stein. Alles, was du tun kannst, ist in den offenen, leeren Raum zu starren, umgeben von kalten, dunklen und steinernen Wänden. Aus unendlicher Langeweile schläfst du ein. Einige Stunden vergehen; du wachst auf. Als du die Augen öffnest, bist du erschrocken zu sehen, dass sich mitten im Raum ein Schreibtisch mit einem Computer darauf befindet. Du näherst dich dem Schreibtisch und bemerkst einige Worte auf dem Bildschirm des Computers: Dieser Schreibtisch und dieser Computer sind aus dem Nichts entstanden.
Imagine you find yourself sitting in the corner of a room. The door that you entered through is now completely sealed and there is no way of entering or exiting. The walls, ceiling and floor are made up of stone. All you can do is stare into open, empty space, surrounded by cold, dark and stony walls. Due to immense boredom, you fall asleep. A few hours pass by; you wake up. As you open your eyes, you are shocked to see that in the middle of the room is a desk with a computer on top of it. You approach the desk and notice some words on the computer screen: This desk and computer came from nothing.
Glauben Sie, was Sie auf dem Bildschirm lesen? Natürlich nicht. Auf den ersten Blick verlassen Sie sich auf Ihre Intuition, dass es unmöglich ist, dass Computer und Schreibtisch ohne vorherige Aktivität oder Ursache entstanden sind. Dann beginnen Sie darüber nachzudenken, was tatsächlich geschehen sein könnte. Nach einiger Überlegung erkennen Sie eine begrenzte Anzahl vernünftiger Erklärungen. Die erste lautet, dass sie aus keinen kausalen Bedingungen oder vorherigen Aktivitäten hervorgegangen sein könnten, mit anderen Worten: aus nichts. Die zweite ist, dass sie sich selbst verursacht oder erschaffen haben könnten. Die dritte ist, dass sie von einer vorherigen Ursache erschaffen oder dorthin gestellt worden sein könnten. Da Ihre kognitiven Fähigkeiten normal und funktionsfähig sind, schließen Sie, dass die dritte Erklärung die rationalste ist. Obwohl diese Form des Denkens universell ist, findet sich eine robustere Variante des Arguments, die im Qur'an eindrucksvoll zusammengefasst ist. Das Argument besagt, dass die möglichen Erklärungen für das Entstehen eines endlichen Wesens sein könnten, dass es aus nichts kam, dass es sich selbst erschuf, dass es von etwas anderem Geschaffenen erschaffen worden sein könnte oder dass es von etwas Ungeschaffenem erschaffen wurde. Bevor ich das Argument weiter aufschlüssele, muss festgehalten werden, dass der Qur'an häufig rationale, intellektuelle Argumente vorbringt. Der Qur'an ist ein überzeugender und kraftvoller Text, der seine Leser zu erreichen sucht. Daher drängt er sich unserem Verstand und unserem Herzen positiv auf, und er erreicht dies, indem er tiefgründige Fragen stellt und überzeugende Argumente vorbringt. Die außerordentliche Professorin für Islamwissenschaft Rosalind Ward Gwynne kommentiert diesen Aspekt des Qur'an: „Allein die Tatsache, dass so viel des Qur'an in Form von Argumenten gestaltet ist, zeigt, in welchem Maße Menschen als Wesen wahrgenommen werden, die Gründe für ihre Handlungen brauchen….“121
Do you believe what you have read on the screen? Of course you do not. At first glance you rely on your intuition that it is impossible for the computer and the desk to have appeared from no prior activity or cause. Then you start to think about what could possibly have happened. After some thought you realise a limited number of reasonable explanations. The first is that they could have come from no causal conditions or prior activity—in other words, nothing. The second is that they could have caused or created themselves. The third is that they could have been created or placed there by some prior cause. Since your cognitive faculties are normal and in working order, you conclude that the third explanation is the most rational. Although this form of reasoning is universal, a more robust variation of the argument can be found eloquently summarised in the Qur’an. The argument states that the possible explanations for a finite entity coming into being could be that it came from nothing, it created itself, it could have been created by something else created, or it was created by something uncreated. Before I break down the argument further, it must be noted that the Qur’an often presents rational intellectual arguments. The Qur’an is a persuasive and powerful text that seeks to engage its reader. Hence it positively imposes itself on our minds and hearts, and the way it achieves this is by asking profound questions and presenting powerful arguments. Associate Professor of Islamic Studies Rosalind Ward Gwynne comments on this aspect of the Qur’an: “The very fact that so much of the Qur’an is in the form of arguments shows to what extent human beings are perceived as needing reasons for their actions….”121
Gwynne vertritt außerdem die Ansicht, dass dieses Merkmal des Koran die islamische Gelehrsamkeit beeinflusst hat.
Gwynne also maintains that this feature of the Qur’an influenced Islamic scholarship:
„Vernunft und Argumentation sind so zentral für den Inhalt des Qur'an und so untrennbar mit seiner Struktur verbunden, dass sie in vielerlei Hinsicht das Bewusstsein der Qur'an-Gelehrten selbst geprägt haben.“122
“Reasoning and argument are so integral to the content of the Qur’an and so inseparable from its structure that they in many ways shaped the very consciousness of Qur’anic scholars.”122
Diese Beziehung zwischen Vernunft und Offenbarung wurde bereits von den frühen islamischen Gelehrten verstanden. Sie erkannten, dass vernunftgemäßes Denken eine der Wege war, die intellektuellen Grundlagen des Islam zu beweisen. Der islamische Gelehrte Ibn Taymiyya schreibt im 14. Jahrhundert, dass die frühe islamische Wissenschaft „wusste, dass sowohl offenbarungsbasierte als auch vernunftbasierte Beweise wahr sind und dass sie einander bedingen. Wer rationalen … Beweisen die ihnen gebührende vollständige Untersuchung zukommen ließ, wusste, dass sie mit dem übereinstimmen, worüber die Gesandten ihn unterrichteten, und dass sie ihm die Notwendigkeit bewiesen, den Gesandten in dem zu glauben, worüber sie ihn unterrichteten.“123
This relationship between reason and revelation was understood even by early Islamic scholars. They understood that rational thinking was one of the ways to prove the intellectual foundations of Islam. The 14th century Islamic scholar Ibn Taymiyya writes that early Islamic scholarship “knew that both revelational and rational proofs were true and that they entailed one another. Whoever gave rational… proofs the complete enquiry due them, knew that they agreed with what the messengers informed them about and that they proved to them the necessity of believing the messengers in what they informed them about.”123.
Das koranische Argument.
The Qur’anic argument.
Der Koran liefert ein überzeugendes Argument für die Existenz Gottes: „Sind sie etwa aus nichts erschaffen worden? Oder sind sie die Schöpfer [ihrer selbst]? Oder haben sie die Himmel und die Erde erschaffen? Nein, sie sind nicht gewiss.“124
The Qur’an provides a powerful argument for God’s existence: “Or were they created by nothing? Or were they the creators [of themselves]? Or did they create the heavens and Earth? Rather, they are not certain.”124
Obwohl sich dieses Argument auf den Menschen bezieht, lässt es sich auch auf alles anwenden, was zu existieren begonnen hat oder entstanden ist. Der Koran verwendet das Wort khuliqu, das erschaffen, gemacht oder entstanden bedeutet.125 Es kann sich also auf alles beziehen, was ins Dasein getreten ist.
Although this argument refers to the human being, it can also be applied to anything that began to exist, or anything that emerged. The Qur’an uses the word khuliqu, which means created, made or originated.125 So it can refer to anything that came into being.
Nun wollen wir die Argumentation aufschlüsseln. Der Qur'an nennt vier Möglichkeiten, wie etwas erschaffen wurde oder ins Dasein bzw. Sein gekommen ist:
Now let us break down the argument. The Qur’an mentions four possibilities to explain how something was created or came into being or existence:
• Durch nichts erschaffen: „Oder wurden sie durch nichts erschaffen?“
• Created by nothing: “or were they created by nothing?”.
• Selbsterschaffen: „Oder sind sie etwa selbst die Schöpfer ihrer selbst?“
• Self-created: “or were they the creators of themselves?”.
• Von etwas Erschaffenem erschaffen: „Oder haben sie die Himmel und die Erde erschaffen?“, was impliziert, dass ein erschaffenes Ding letztlich von etwas anderem Erschaffenen erschaffen wurde.
• Created by something created: “or did they create the heavens and the Earth?”, which implies a created thing being ultimately created by something else created.
• Von etwas Ungeschaffenem erschaffen: „Vielmehr sind sie sich nicht sicher“, was impliziert, dass die Leugnung Gottes unbegründet ist, und daher besagt die Aussage, dass es einen ungeschaffenen Schöpfer gibt.126.
• Created by something uncreated: “Rather, they are not certain”, implying that the denial of God is baseless, and therefore the statement implies that there is an uncreated creator.126.
Dieses Argument lässt sich auch in eine allgemeingültige Formel fassen, die keinen Bezug auf die Schrift erfordert:
This argument can also be turned into a universal formula that does not require reference to scripture:
1. Das Universum ist endlich.
1. The universe is finite.
2. Endliche Dinge könnten aus dem Nichts entstanden sein, sich selbst erschaffen haben, letztlich von etwas Geschaffenem erschaffen worden sein oder von etwas Ungeschaffenem erschaffen worden sein.
2. Finite things could have come from nothing, created themselves, been ultimately created by something created, or been created by something uncreated.
3. Sie können nicht aus dem Nichts entstanden sein, sich nicht selbst erschaffen haben, und auch nicht letztlich von etwas Geschaffenem erschaffen worden sein.
3. They could not have come from nothing, created themselves, or have been ultimately created by something created.
4. Also wurden sie von etwas Ungeschaffenem erschaffen.
4. Therefore, they were created by something uncreated.
Das Universum ist endlich.
The universe is finite.
Eine Reihe philosophischer Argumente zeigt die Endlichkeit des Universums. Das überzeugendste und einfachste dieser Argumente besteht darin, aufzuzeigen, dass ein tatsächliches physisches Unendliches nicht existieren kann. Die Art des tatsächlichen Unendlichen, um die es hier geht, ist ein differenziertes Unendliches, also ein Unendliches, das aus diskreten Teilen besteht, etwa aus physischen Dingen oder Objekten. Zu diesen physischen Dingen können Atome, Quarks, Busse, Giraffen und Quantenfelder gehören. Das undifferenzierte Unendliche dagegen ist ein Unendliches, das nicht aus diskreten Teilen besteht. Dieses Unendliche ist in sich widerspruchsfrei und kann existieren. Beispielsweise ist die Unendlichkeit Gottes ein undifferenziertes Unendliches, da Er nicht aus diskreten physischen Teilen zusammengesetzt ist. In der islamischen Theologie ist Er einzig in Seiner Einheit und transzendent.
A range of philosophical arguments shows the finitude of the universe The most cogent and simplest of these arguments involves demonstrating that an actual physical infinite cannot exist. The type of actual infinite that I am addressing here is a differentiated type of infinite, which is an infinite made up of discrete parts, like physical things or objects. These physical things can include atoms, quarks, buses, giraffes and quantum fields. The undifferentiated type of infinite, however, is an infinite that is not made of discrete parts. This infinite is coherent and can exist. For instance, the infinity of God is an undifferentiated infinite, as He is not made up of discrete physical parts. In Islamic theology, He is uniquely one and transcendent.
Die überzeugendsten und intuitivsten Argumente zur Begründung der Unmöglichkeit eines aktualen Unendlichen kommen in Form von Gedankenexperimenten vor. Hier geht es um die Unmöglichkeit, dass ein physisches Unendliches verwirklicht wird. Dies unterscheidet sich von mathematischen Unendlichkeiten. Diese sind zwar logisch kohärent, existieren aber im mathematischen Bereich, der in der Regel auf Axiomen und Annahmen beruht. Unser Anliegen ist, ob das Unendliche in der realen physischen Welt verwirklicht werden kann.
The most persuasive and intuitive arguments to substantiate the impossibility of an actual infinite, come in the form of thought experiments. Now the concern here is with the impossibility of the physical infinite being actualised. This is different from mathematical infinites. Although logically coherent, these exist in the mathematical realm, which is usually based on axioms and assumptions. Our concern is whether the infinite can be realised in the real physical world.
Ich bitte um den Text, den Sie übersetzt haben möchten. Bitte fügen Sie ihn ein.
Take the following examples into consideration:
1. Ballbeutel: Stell dir vor, du hättest eine unendliche Anzahl an Bällen in einem Beutel. Wenn du zwei Bälle herausnimmst, wie viele Bälle hast du dann noch? Mathematisch gesehen hast du immer noch eine unendliche Anzahl. Praktisch betrachtet sollte es jedoch zwei weniger sein als das, was im Beutel war. Was wäre, wenn du stattdessen zwei weitere Bälle hineinlegen würdest? Wie viele Bälle sind dann vorhanden? Es sollten zwei mehr sein als das, was im Beutel war.
1. Bag of balls: Imagine you had an infinite number of balls in a bag. If you take two balls away, how many balls do you have left? Well, mathematically you still have an infinite number. However, practically, you should have two less than what is in the bag. What if you added another two balls instead of removing them? How many balls are there now? There should be two more than what was in the bag.
Man sollte zählen können, wie viele Bälle sich in der Tasche befinden, doch das kann man nicht, weil das Unendliche nur eine Vorstellung ist und in der wirklichen Welt nicht existiert. Dies zeigt deutlich, dass es keine aktual unendliche Menge aus abzählbaren physischen Teilen oder Dingen geben kann. Im Lichte dieser Tatsache sagte der berühmte deutsche Mathematiker David Hilbert: „Das Unendliche ist in der Wirklichkeit nirgends zu finden. Es existiert weder in der Natur, noch bildet es eine legitime Grundlage für rationales Denken … die Rolle, die dem Unendlichen noch bleibt, ist allein die einer Vorstellung.“127.
You should be able to count how many balls are in the bag, but you cannot because the infinite is just an idea and does not exist in the real world. This clearly shows you cannot have an actualised infinite made up of discrete physical parts or things. In light of this fact, the famous German mathematician David Hilbert said, “The infinite is nowhere to be found in reality. It neither exists in nature nor provides a legitimate basis for rational thought… the role that remains for the infinite to play is solely that of an idea.”127.
2. Stapel aus Würfeln unterschiedlicher Größe: Stell dir einen Stapel Würfel vor. Jeder Würfel ist nummeriert. Der erste Würfel hat ein Volumen von 10cm3
2. Stack of cubes with different sizes: Imagine you had a stack of cubes. Each cube is numbered. The first cube has a volume of 10cm3
Der nächste Würfel darauf hat ein Volumen von 5 cm.3
. The next cube on top of that has a volume of 5cm3
und der nächste Würfel ist halb so groß wie der vorherige Würfel. Das geht unendlich weiter (immer wieder auf dieselbe Weise, für immer). Nun gehe ganz nach oben zum Stapel und entferne den Würfel oben. Du kannst das nicht. Es ist kein Würfel zu finden. Warum? Weil es bedeuten würde, dass die Würfel nicht bis ins Unendliche reichen, wenn es oben einen Würfel zu finden gäbe.
and the next cube is half of the previous cube. This goes on ad infinitum (again and again in the same way forever). Now go to the top of the stack and remove the cube at the top. You cannot. There is no cube to be found. Why? Because if there was a cube to be found at the top it would mean that the cubes did not reach infinity.
Da es jedoch keinen obersten Würfel gibt, zeigt sich auch – obwohl das mathematische Unendliche existiert (mit Annahmen und Axiomen) –, dass man in der realen Welt kein aktual verwirklichtes Unendliches haben kann. Da der Stapel kein Ende hat, zeigt sich, dass das Unendliche, das aus diskreten physischen Dingen besteht (in diesem Fall den Würfeln), nicht physisch realisiert werden kann.
However, since there is no cube at the top, it also shows— even though the mathematical infinite exists (with assumptions and axioms)—that you cannot have an actualised infinite in the real world. Since there is no end to the stack, it shows the infinite—that is made up of discrete physical things (in this case the cubes)—cannot be physically realised.
Konzeptionell unterscheidet sich das Universum nicht von dem Beutel mit Kugeln oder dem Stapel von Würfeln, die ich oben erklärt habe. Das Universum ist real. Es besteht aus diskreten physischen Dingen. Da das differenzierte Unendliche in der realen Welt nicht existieren kann, folgt daraus, dass das Universum nicht unendlich sein kann. Dies impliziert, dass das Universum endlich ist, und da es endlich ist, muss es einen Anfang gehabt haben. Die wissenschaftliche Forschung zum Anfang des Universums wurde hier nicht erörtert, da die Datenlage derzeit unterbestimmt ist. Unterbestimmtheit ist eine „These, die besagt, dass es für jede wissenschaftlich begründete Theorie immer mindestens eine konkurrierende Theorie gibt, die ebenfalls durch die vorliegenden Belege gestützt wird …“ 128. Es gibt etwa 17 konkurrierende Modelle zur Erklärung der kosmologischen Belege. Einige dieser Modelle kommen zu dem Schluss, dass das Universum endlich ist und einen Anfang hatte, andere argumentieren, dass das Universum vergangenheitlich ewig ist. Die Belege sind nicht eindeutig. Die Schlussfolgerungen könnten sich ändern, wenn neue Belege beobachtet oder neue Modelle entwickelt werden (siehe Kapitel 12).
Conceptually, the universe is no different to the bag of balls or the stack of cubes I have explained above. The universe is real. It is made up of discrete physical things. Since the differentiated infinite cannot exist in the real world, it follows that the universe cannot be infinite. This implies that the universe is finite, and since it is finite it must have had a beginning. The scientific research that relates to the beginning of the universe has not been discussed here because the data is currently underdetermined. Underdetermination is a “thesis explaining that for any scientifically based theory there will always be at least one rival theory that is also supported by the evidence given…” 128 .There are around 17 competing models to explain the cosmological evidence. Some of these models conclude that the universe is finite and had a beginning and others argue that the universe is past eternal. The evidence is not conclusive. The conclusions might change when new evidence is observed or new models are developed (see Chapter 12).
Nun sind wir in der Lage, die vier logischen Möglichkeiten anzuwenden, um den Anfang des Universums zu erklären, und jede einzelne davon zu erörtern.
Now we are in a position to apply the four logical possibilities to explain the beginning of the universe and discuss each one.
Aus dem Nichts erschaffen?. Bevor ich auf diese Möglichkeit eingehe, muss ich festlegen, was mit „Nichts“ gemeint ist. Nichts wird definiert als die Abwesenheit aller Dinge. Um dies besser zu veranschaulichen, stellen wir uns vor, alles, sämtliche Materie, Energie und Potenzialität, wäre verschwunden; dieser Zustand würde als Nichts beschrieben. Dies ist nicht mit dem Quantenvakuum oder -feld zu verwechseln, einem Konzept, das ich später erläutern werde. Nichts bezeichnet außerdem die Abwesenheit jeglicher kausalen Bedingung. Eine kausale Bedingung ist jede Art von Ursache, die eine Wirkung hervorbringt. Diese Ursache kann materiell oder immateriell sein.
Created from nothing?. Before I address this possibility, I need to define what is meant by ‘nothing’. Nothing is defined as the absence of all things. To illustrate this better, imagine if everything, all matter, energy and potential, were to vanish; that state would be described as nothing. This is not to be confused with the quantum vacuum or field, a concept I will explain later. Nothing also refers to the absence of any causal condition. A causal condition is any type of cause that produces an effect. This cause can be material or non-material.
Die Behauptung, dass Dinge aus dem Nichts entstehen können, bedeutet, dass Dinge ohne jegliches Potenzial, ohne jegliche Materie oder überhaupt aus nichts ins Dasein treten können. Eine solche Behauptung widerspricht unseren Intuitionen und steht im Widerspruch zur Vernunft.
Asserting that things can come from nothing means that things can come into being from no potential, no matter or nothing at all. To assert such a thing defies our intuitions and stands against reason.
Könnte das Universum aus dem Nichts entstanden sein? Die naheliegende Antwort lautet nein, denn aus dem Nichts entsteht nichts. Das Nichts kann nichts hervorbringen. Etwas kann nicht ohne jegliche kausale Bedingungen entstehen. Man kann es auch mit einer einfachen Rechnung betrachten: Was ist 0 + 0 + 0? Es ist nicht 3, sondern 0.
So, could the universe have come into existence from nothing? The obvious answer is no, because from nothing, nothing comes. Nothingness cannot produce anything. Something cannot arise from no causal conditions whatsoever. Another way of looking at it is by way of simple math. What is 0 + 0 + 0? It is not 3, it’s 0.
Einer der Gründe, warum dies so intuitiv ist, liegt darin, dass es auf einem rationalen (oder metaphysischen) Prinzip beruht: Sein kann nicht aus Nichtsein entstehen. Die gegenteilige Behauptung nenne ich Gegendiskurs. Jeder könnte alles behaupten. Wenn jemand behaupten kann, dass das gesamte Universum aus dem Nichts entstanden sei, dann wären die Folgen absurd. Man könnte behaupten, dass alles ohne jegliche kausalen Bedingungen entstehen könne. Damit etwas aus dem Nichts entsteht, muss es mindestens eine Art Potenzial oder kausale Bedingungen haben. Da das Nichts die Abwesenheit aller Dinge ist, einschließlich jeglicher kausalen Bedingung, kann etwas nicht aus dem Nichts entstehen. Die Annahme, dass etwas aus dem Nichts entstehen kann, ist logisch gleichbedeutend mit der Vorstellung, dass Dinge ohne jegliche kausale Bedingungen vergehen, verfallen, vernichtet werden oder verschwinden können. Wer behauptet, dass etwas aus dem Nichts entstehen kann, muss auch annehmen, dass etwas ganz ohne kausale Bedingungen verschwinden kann. Wenn beispielsweise ein Gebäude vollständig verschwände, dürften solche Personen über dieses Ereignis nicht überrascht sein, denn wenn Dinge ganz ohne kausale Bedingungen entstehen können, folgt logisch, dass Dinge ebenso durch das Fehlen kausaler Bedingungen verschwinden können. Doch zu behaupten, Dinge könnten einfach ohne Bezug auf irgendeine kausale Bedingung verschwinden, wäre rational absurd. Ein verbreitetes Argument lautet, das Universum könne aus dem Nichts entstanden sein, weil im Quantenvakuum Teilchen spontan entstehen. Dieses Argument setzt voraus, dass das Quantenvakuum Nichts sei. Das ist jedoch nicht richtig. Das Quantenvakuum ist etwas; es ist kein absoluter Leerraum, und es gehorcht den Naturgesetzen. Das Quantenvakuum ist ein Zustand flüchtiger Energie. Es ist also nicht nichts, sondern etwas Physisches.
One of the reasons that this is so intuitive is because it is based on a rational (or metaphysical) principle: being cannot come from nonbeing. To assert the opposite is what I would call counter discourse. Anyone could claim anything. If someone can claim that the entire universe can come from nothing, then the implications would be absurd. They could assert that anything could come into being without any causal conditions at all. For something to arise from nothing it must have at least some type of potential or causal conditions. Since nothing is the absence of all things, including any type of causal condition, then something could not arise from nothing. Maintaining that something can arise from nothing is logically equivalent to the notion that things can vanish, decay, annihilate or disappear without any causal conditions whatsoever. Individuals who argue that something can come from nothing must also maintain that something can vanish from no causal conditions at all. For example, if a building completely vanished, such individuals should not be surprised by the event, because if things can come from no causal conditions at all, then it logically implies that things can vanish by means of no causal conditions as well. However, to argue that things can just vanish without reference to any causal condition would be rationally absurd. A common contention is that the universe could come from nothing because in the quantum vacuum particles pop into existence. This argument assumes that the quantum vacuum is nothing. However, this is not true. The quantum vacuum is something; it is not an absolute void and it obeys the laws of physics. The quantum vacuum is a state of fleeting energy. So it is not nothing, it is something physical.129.
Professor Lawrence Krauss’ „Nichts“.
Professor Lawrence Krauss’s ‘nothing’.
Professor Lawrence Krauss’s Buch „A Universe from Nothing“ belebte die Debatte über die leibnizsche Frage neu und machte sie einem breiten Publikum bekannt: „Warum gibt es überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?“130 In seinem Buch argumentiert Krauss, dass es plausibel sei, dass das Universum aus „nichts“ entstanden ist. So absurd dies auch klingen mag, müssen einige Voraussetzungen und Klarstellungen offengelegt werden, um den Kontext seiner Schlussfolgerungen zu verstehen.
Professor Lawrence Krauss’s book, A Universe from Nothing, invigorated and popularised the debate on the Leibnizian question: “Why is there something rather than nothing?”130 In his book, Krauss argues that it is plausible that the universe arose from ‘nothing’. Absurd as this may sound, a few presuppositions and clarifications need to be brought to light to understand the context of his conclusions.
Krauss’ „Nichts“ ist in Wirklichkeit etwas. In seinem Buch nennt er das Nichts „instabil“131, und an anderer Stelle bekräftigt er, dass das Nichts etwas Physisches ist, das er „leeren, aber vorhandenen Raum“132 nennt.
Krauss’s ‘nothing’ is actually something. In his book, he calls nothing “unstable”131, and elsewhere he affirms that nothing is something physical, which he calls “empty but pre-existing space”132.
Dies ist eine interessante sprachliche Abweichung, denn die Definition von „nichts“ in der englischen Sprache bezeichnet eine universale Verneinung, doch Krauss’ „Nichts“ scheint eine Bezeichnung für etwas zu sein. Obwohl seine Forschung behauptet, „Nichts“ sei die Abwesenheit von Zeit, Raum und Teilchen, führt er den untrainierten Leser in die Irre und versäumt es, (ausdrücklich) zu bestätigen, dass dennoch eine physische Substanz vorhanden ist. Selbst wenn, wie Krauss behauptet, keine Materie existiert, müssen physikalische Felder vorhanden sein. Das liegt daran, dass es unmöglich ist, einen Bereich ohne Felder zu haben, da Gravitation nicht blockiert werden kann. In der Quantentheorie erfordert Gravitation auf dieser Ebene der Realität keine Objekte mit Masse, wohl aber physische Substanz. Daher ist Krauss’ „Nichts“ tatsächlich etwas. An anderer Stelle seines Buches schreibt er, dass alles aus Quantenfluktuationen entstanden sei, was eine Schöpfung aus „Nichts“ erkläre, was jedoch einen bereits vorhandenen Quantenzustand voraussetzt, damit dies überhaupt möglich ist.133.
This is an interesting linguistic deviation, as the definition of nothing in the English language refers to a universal negation, but it seems that Krauss’s ‘nothing’ is a label for something. Although his research claims that ‘nothing’ is the absence of time, space and particles, he misleads the untrained reader and fails to confirm (explicitly) that there is still some physical stuff. Even if, as Krauss claims, there is no matter, there must be physical fields. This is because it is impossible to have a region where there are no fields because gravity cannot be blocked. In quantum theory, gravity at this level of reality does not require objects with mass, but does require physical stuff. Therefore, Krauss’s ‘nothing’ is actually something. Elsewhere in his book, he writes that everything came into being from quantum fluctuations, which explains a creation from ‘nothing’, but that implies a pre-existent quantum state in order for that to be a possibility.133.
Professor David Albert, der Autor von „Quantum Mechanics and Experience“, verfasste eine Rezension zu Krauss’ Buch und kommt ähnlich zu dem Schluss:
Professor David Albert, the author of Quantum Mechanics and Experience, wrote a review of Krauss’s book, and similarly concludes:
„Aber das ist einfach nicht richtig. Relativistisch-quantenfeldtheoretische Vakuumzustände sind nicht weniger als Giraffen, Kühlschränke oder Sonnensysteme bestimmte Anordnungen einfacher physikalischer Substanz. Das wahre relativistisch-quantenfeldtheoretische Gegenstück dazu, dass überhaupt keine physikalische Substanz existiert, ist nicht diese oder jene bestimmte Anordnung der Felder – es ist schlicht das Fehlen der Felder! Dass manche Anordnungen der Felder dem Vorhandensein von Teilchen entsprechen und andere nicht, ist nicht rätselhafter als die Tatsache, dass manche möglichen Stellungen meiner Finger einer Faust entsprechen und andere nicht. Und dass Teilchen im Laufe der Zeit entstehen und wieder verschwinden können, während sich die Felder neu anordnen, ist nicht rätselhafter als die Tatsache, dass Fäuste entstehen und wieder verschwinden können, während sich meine Finger neu bewegen. Und keines dieser Entstehen und Verschwinden kommt – wenn man es richtig betrachtet – auch nur entfernt einer Schöpfung aus dem Nichts gleich.“ 134.
“But that’s just not right. Relativistic-quantum-field-theoretical vacuum states — no less than giraffes or refrigerators or solar systems — are particular arrangements of simple physical stuff. The true relativistic-quantum-field-theoretical equivalent to there not being any physical stuff at all isn’t this or that particular arrangement of the fields —it is just the absence of the fields! The fact that some arrangements of fields happen to correspond to the existence of particles and some do not is not any more mysterious than the fact that some of the possible arrangements of my fingers happen to correspond to the existence of a fist and some do not. And the fact that particles can pop in and out of existence, over time, as those fields rearrange themselves, is not any more mysterious than the fact that fists can pop in and out of existence, over time, as my fingers rearrange themselves. And none of these poppings — if you look at them aright — amount to anything even remotely in the neighbourhood of a creation from nothing.” 134.
Philosophische Unterscheidungen.
Philosophical distinctions.
Interessanterweise scheint Professor Krauss die Definition von „Nichts“ geändert zu haben, um Leibniz’ immerwährende Frage zu beantworten. Dies macht die gesamte Diskussion problematisch, da Krausss Definition bekannte philosophische Unterscheidungen verwischt. Der Begriff „Nichts“ hat sich stets auf das Nichtsein oder die Abwesenheit von etwas bezogen.135 Die Konsequenz von Krausss „Nichts“ wäre daher, dass es vernünftig sein könnte, Folgendes zu behaupten:
Interestingly, Professor Krauss seems to have changed the definition of nothing in order to answer Leibniz’s perennial question. This makes the whole discussion problematic as Krauss’s definition blurs well-known philosophical distinctions. The term ‘nothing’ has always referred to non-being or the absence of something.135 Therefore, the implications of Krauss’s ‘nothing’ is that it could be reasonable for someone to assert the following:
„Ich hatte gestern Abend ein wunderbares Abendessen, und es war nichts.“
“I had a wonderful dinner last night, and it was nothing.”.
„Ich bin in der Halle niemandem begegnet, und man hat mir den Weg zu diesem Raum gezeigt.“
“I met nobody in the hall and they showed me directions to this room.”.
„Nichts schmeckt mit Salz und Pfeffer.“136.
“Nothing is tasty with salt and pepper.”136.
Diese Aussagen sind irrationale Aussagen und stellen daher bedeutungslose Behauptungen dar, es sei denn, jemand ändert freilich die Definition von Nichts. Es ist kein Wunder, dass Professor Krauss andeutet, dass seine Auffassung von Nichts nicht auf Nicht-Sein verweist. Er schreibt: „Eines ist jedoch sicher. Die metaphysische ‚Regel‘, die von jenen, mit denen ich über die Frage der Schöpfung debattiert habe, als unumstößliche Überzeugung vertreten wird, nämlich dass ‚aus nichts nichts entsteht‘, hat keine Grundlage in der Wissenschaft.“137
These statements are irrational statements and therefore amount to meaningless propositions, unless of course someone changes the definition of nothing. It is no wonder that Professor Krauss hints that his view of nothing does not refer to non-being. He writes: “One thing is certain, however. The metaphysical ‘rule,’ which is held as ironclad conviction by those with whom I have debated the issue of creation, namely that ‘out of nothing, nothing comes,’ has no foundation in science.”137
Das bedeutet offensichtlich, dass Krauss das Nichts so umgedeutet hat, dass es etwas anderes bedeutet, denn die Wissenschaft als Methode befasst sich mit Dingen in der physischen Welt. Die Wissenschaft kann nur in Begriffen natürlicher Phänomene und natürlicher Prozesse antworten. Wenn wir Fragen stellen wie: Was ist der Sinn des Lebens? Existiert die Seele? Was ist das Nichts? Erwartet man im Allgemeinen metaphysische Antworten – und diese liegen damit außerhalb des Bereichs jeder wissenschaftlichen Erklärung (siehe Kapitel 12).
This clearly means Krauss has changed the meaning of nothing to mean something, because science as a method focuses on things in the physical world. Science can only answer in terms of natural phenomena and natural processes. When we ask questions like: What is the meaning of life? Does the soul exist? What is nothing? The general expectation is to have metaphysical answers—and hence, outside the scope of any scientific explanation (see Chapter 12).
Wissenschaft kann die Vorstellung des Nichts oder des Nicht-Seins nicht behandeln, denn die Wissenschaft beschränkt sich auf Probleme, die sich durch Beobachtungen lösen lassen. Der Wissenschaftsphilosoph Elliot Sober bestätigt diese Einschränkung. In seinem Aufsatz Empiricism schreibt er, dass „die Wissenschaft gezwungen ist, ihre Aufmerksamkeit auf Probleme zu beschränken, die Beobachtungen lösen können.“138 Deshalb hat Professor Krauss die Bedeutung des Wortes „Nichts“ verändert, damit die Wissenschaft ein Problem lösen kann, das sie ursprünglich nicht lösen konnte. Vielleicht sollte dieses Ergebnis als Niederlage betrachtet werden, denn es kommt einem Eingeständnis gleich, eine Frage nicht beantworten zu können. Anstatt die Niederlage einzugestehen oder die Frage an jemand anderen weiterzugeben, greift man dann zur Veränderung der Bedeutung der Frage.
Science cannot address the idea of nothing or non-being, because science is restricted to problems that observations can solve. Philosopher of science Elliot Sober verifies this limitation. He writes in his essay Empiricism that “science is forced to restrict its attention to problems that observations can solve.”138 Therefore, Professor Krauss has changed the meaning of the word “nothing”, in order for science to solve a problem that it could not originally solve. Perhaps this outcome should be accepted as a defeat as it is tantamount to someone not being able to answer a question, and instead of admitting defeat or referring the question to someone else, resorting to changing the meaning of the question.
Es wäre intellektuell ehrlicher gewesen, schlicht zu sagen, dass der Begriff des Nichts ein metaphysischer Begriff ist, und die Wissenschaft sich nur mit dem befasst, was beobachtet werden kann.
It would have been intellectually more honest to just say that the concept of nothing is a metaphysical concept, and science only deals with what can be observed.
Unschlüssige Forschung und populärwissenschaftliche Sprachakrobatik.
Inconclusive research and popularising linguistic gymnastics.
Abgesehen von alldem gibt Professor Krauss zu, dass seine Forschung zum „Nichts“ mehrdeutig ist und keine eindeutigen Belege liefert. Er schreibt: „Ich betone das Wort könnte, denn wir werden vielleicht nie genug empirische Informationen haben, um diese Frage eindeutig zu klären.“139
Putting all of this aside, Professor Krauss admits that his ‘nothingness’ research is ambiguous and lacks conclusive evidence. He writes, “I stress the word could here, because we may never have enough empirical information to resolve this question unambiguously.”139
An anderer Stelle seines Buches räumt er die Unschlüssigkeit seines Arguments ein: „Aufgrund der beobachtungsbedingten und damit zusammenhängenden theoretischen Schwierigkeiten, die mit der Ausarbeitung der Einzelheiten verbunden sind, erwarte ich, dass wir in dieser Hinsicht vielleicht nie mehr als Plausibilität erreichen werden.“140.
Elsewhere in his book he admits the inconclusive nature of his argument: “Because of the observational and related theoretical difficulties associated with working out the details, I expect we may never achieve more than plausibility in this regard.”140.
In Anbetracht dessen hätte Professor Krauss einfach sagen sollen, dass das Universum aus etwas Physischem wie einem Vakuumzustand entstanden ist, anstatt das Wort „nichts“ neu zu definieren. Doch Krauss scheint fest entschlossen zu sein, diese sprachlichen Verrenkungen zu popularisieren. Während unserer Debatte: Islam oder Atheismus: Was ergibt mehr Sinn? verwies ich auf sein Buch, um zu erklären, dass sein „Nichts“ etwas ist, etwa eine Form von Quantennebel. Er reagierte jedoch und sagte, sein Nichts sei „kein Raum, keine Zeit, keine Gesetze… es gibt kein Universum, nichts, null, nada, überhaupt nichts“.141
In light of this, Professor Krauss should have just said the universe came from something physical like a vacuum state, rather than redefining the word nothing. But Krauss seems to be adamant in popularising his linguistic gymnastics. During our debate: Islam or Atheism: Which Makes More Sense? I referred to his book to explain that his nothing is something, like some form of quantum haze. However, he reacted and said that his nothing is “No space, no time, no laws… there’s no universe, nothing, zero, zip, nada.”141
Krauss schien eine wichtige verborgene Prämisse absichtlich ausgelassen zu haben: In seinem Nichts ist immer noch etwas physikalische Substanz vorhanden, was er in einem öffentlichen Vortrag auch eindeutig eingeräumt hat. Er sagte, dass Etwas und Nichts „… physikalische Größen“ seien.142
Krauss seemed to have deliberately omitted an important hidden premise: there is still some physical stuff in his nothing, something which he clearly admitted to in a public lecture. He said that something and nothing are “… physical quantities.”142
Zusammengefasst: Professor Kraussens „Nichts ist etwas“. Das Universum sei aus etwas Physischem entstanden, das Krauss „Nichts“ nennt, und somit bleibe die Frage Leibniz’ unbeantwortet: Warum gibt es überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts? In Wirklichkeit beantwortet Krauss nur die Frage: Wie ist etwas aus etwas entstanden? Das ist eine Frage, die die Wissenschaft beantworten kann und die keine sprachlichen Verrenkungen erfordert.
In summary, Professor Krauss’s nothing is something. The universe came from something physical which Krauss calls “nothing”, and therefore failing to answer Leibniz’s question: Why is there something rather than nothing? In reality, Krauss only answers the question: How did something come from something? That is a question that science can answer, and which does not require linguistic acrobatics.
Die Existenz Gottes wird durch Krauss’ Sicht auf das Nichts nicht untergraben. Alles, was er uns tatsächlich vorgelegt hat, ist, dass das Universum (Zeit und Raum) aus etwas entstanden ist. Daher bedarf das Universum weiterhin einer Erklärung für seine Existenz.
God’s existence is not undermined by Krauss’s view on nothing. All that he has really presented to us is that the universe (time and space) came from something. Therefore, the universe still requires an explanation for its existence.
„Kausalität ergibt nur innerhalb dieses Universums Sinn; deshalb könnte das Universum aus dem Nichts entstanden sein.“
“Causality only makes sense within this universe; therefore, the universe may have come from nothing.”.
Historische und akademische Diskussionen über den Begriff der Kausalität umfassen David Humes Einwand, dass Kausalität ein aus unseren Erfahrungen abgeleiteter Begriff ist. Wenn Hume mit Blick auf die Kausalität recht hat, dann sind wir nicht berechtigt anzunehmen, dass der Begriff der Kausalität außerhalb unserer Erfahrungen existiert oder Sinn ergibt. Da das Argument in diesem Kapitel sich auf Ereignisse außerhalb unserer Erfahrung bezieht, nämlich darauf, wie das Universum entstanden ist, kann Kausalität nicht zur Erklärung dieser Ereignisse herangezogen werden. Anders gesagt: Das Universum könnte aus dem Nichts entstanden sein, denn der Begriff der Kausalität ergibt vielleicht nur innerhalb des Universums Sinn und lässt sich auf nichts anwenden, was außerhalb davon liegt. Wenn wir keine Erfahrung vom Anfang des Universums oder von dem haben, was vor seiner Existenz geschah, dann sollten wir in dieser Frage schlicht schweigen.
Historical and academic discussions on the notion of causality include David Hume’s objection that causality is a concept derived from our experiences. If Hume is right about causality, then we are not justified in postulating that the concept of causality exists or makes sense outside of our experiences. Since the argument in this chapter refers to events outside of our experience—how the universe came into existence—causality cannot be used to explain these events. In other words, the universe could have come from nothing, because the notion of causality may only make sense within the universe and cannot be applied to anything outside of it. If we have no experience of the beginning of the universe or what happened prior to its existence, then we should simply stay silent on the matter.
Dieser Einwand geht fälschlicherweise davon aus, dass die Kausalität ein auf Erfahrung beruhender Begriff ist. Die Kausalität ist a priori; ein Wissen, das vor aller Erfahrung liegt. Sie ist ein metaphysischer Begriff, der erforderlich ist, damit wir unsere Erfahrungen überhaupt verstehen können. Wir bringen sie zu jeder Erfahrung mit, anstatt dass unsere Erfahrung sie uns bringt. Es ist wie beim Tragen gelb getönter Brillengläser: Alles erscheint gelb, nicht wegen irgendetwas da draußen in der Welt, sondern wegen der Brille, durch die wir alles betrachten. Ohne Kausalität könnten wir kein sinnvolles Verständnis der Welt haben. Betrachten wir folgendes Beispiel: Stell dir vor, du betrachtest das Weiße Haus in Washington D.C. Dein Blick mag zur Tür wandern, über die Säulen, dann zum Dach und schließlich hinüber zum vorderen Rasen. Du kannst die Reihenfolge deiner Wahrnehmungen auch umkehren; du kannst zuerst den Rasen betrachten, dann das Dach, die Säulen und schließlich die Tür. Nun stelle dem einen anderen Erlebnis gegenüber: Du bist auf der Themse in London und siehst ein Boot vorbeitreiben. Du kannst nur die Vorderseite des Bootes sehen, bevor du die Rückseite siehst, und du kannst die Reihenfolge dieser Erfahrung nicht umkehren, da das Boot vorbeizieht. Als du das Weiße Haus betrachtetest, hattest du die Wahl, zuerst die Tür und dann die Säulen usw. zu sehen. Du konntest die Reihenfolge deiner Wahrnehmungen auch umkehren. Beim Boot hattest du hingegen keine Wahl. Die Vorderseite des Bootes erschien zuerst, und du konntest deine Wahrnehmungen nicht umordnen, indem du versuchtest, die Rückseite vor der Vorderseite zu sehen. Was bestimmt die Reihenfolge, in der du diese Erfahrungen gemacht hast? Warum weißt du, wann du deine Wahrnehmungen ordnen kannst und wann nicht? Die Antwort ist der Begriff der Kausalität. Während du das Weiße Haus und das Boot wahrnimmst, finden in deinem Geist logische Kausalverbindungen statt.
This objection falsely assumes that causality is a concept based on experience. Causality is a priori; knowledge prior to experience. It is a metaphysical concept, that is required in order for us to understand our experiences in the first place. We bring it to all our experience, rather than our experience bringing it to us. It is like wearing yellow-tinted glasses, everything looks yellow not because of anything out there in the world, but because of the glasses through which we are looking at everything. Without causality, we would not be able to have a meaningful understanding of the world. Take the following example into consideration; imagine you are looking at the White House in Washington DC. Your eyes may wonder to the door, across the pillars, then to the roof and finally over to the front lawn. You can also reverse the order of your perceptions; you can first start to look at the lawn, then to the roof, the pillars and finally the roof. Now contrast this to another experience, you are on the river Thames in London and you see a boat floating past. You can only see the front of the boat before you see the back, and you cannot reverse the order of that experience as the boat floats past. When you looked at the White House you had a choice to see the door first and then the pillars and so on. You could also reverse the order of your perceptions. However, with the boat you had no choice. The front of the boat was the first to appear, and you could not reorder your perceptions by trying to see the back before you saw the front. What dictates the order in which you had these experiences? Why is it that you know when you can order your perceptions and when you cannot? The answer is the concept of causality. There are logical causal connections occurring in your mind while you are perceiving the White House and the boat.
Der springende Punkt hierbei ist, dass man nicht in der Lage wäre, zwischen Erfahrungen zu unterscheiden, die von einem selbst geordnet werden, und solchen, die unabhängig geordnet werden, wenn man nicht den Begriff der Kausalität besäße. Ohne Kausalität wären unsere Erfahrungen ganz anders, als sie tatsächlich sind. Sie wären lediglich eine einzige Abfolge von Erfahrungen: eines nach dem anderen. Kausalität ist unabhängig von der Erfahrung, denn wir könnten nichts ohne sie erfahren. Daraus folgt logisch, dass die Kausalität vor unserer Erfahrung des Universums existiert.
The point to take here is that you would not have been able to make the distinction that some experiences are ordered by yourself and others are ordered independently, unless you had the concept of causality. In absence of causality, our experiences would be very different from the way that they are. They would be a single sequence of experiences only: one thing after another. Causality is independent of experience because we would not be able to experience anything without it. Therefore, it logically follows that causality exists prior to our experience of the universe.
Wenn man aus nichts nichts machen kann, wie hat Gott dann aus nichts erschaffen?
If you cannot have something from nothing, then how did God create from nothing?.
Diese Behauptung ist falsch, denn sie impliziert, dass Gott nichts ist. Gott ist ein einzigartiger Akteur, der durch Seinen Willen und Seine Macht fähig ist zu erschaffen und Dinge ins Dasein zu bringen. Es handelt sich daher nicht um einen Fall, in dem etwas aus dem Nichts kommt. Gottes Wille und Macht waren die ursächlichen Bedingungen, durch die das Universum ins Dasein gebracht wurde. Dass etwas aus dem Nichts entsteht, ist unmöglich, denn Nichts bedeutet Nicht-Sein, keinerlei Potenzialität und keinerlei ursächliche Bedingungen. Es ist unvernünftig zu behaupten, dass etwas aus einer absoluten Leere ohne jegliche Potenzialität oder vorausgehende ursächliche Tätigkeit entstehen kann. Gott stellt diese ursächliche Tätigkeit durch Seinen Willen und Seine Macht bereit. Auch wenn die islamische intellektuelle Tradition davon spricht, dass Gott aus dem Nichts erschafft, bedeutet dieser Schöpfungsakt, dass kein materieller Stoff vorhanden war. Er setzt jedoch nicht voraus, dass es keine ursächlichen Bedingungen oder Potenzialität gab.
This contention is false, as it implies that God is nothing. God is a unique agent with the potential to create and bring things into existence through His will and power. Therefore, it is not the case of something coming from nothing. God’s will and power were the causal conditions to bring the universe into existence. Something coming from nothing is impossible, because nothing implies non-being, no potential and no causal conditions. It is irrational to assert that something can emerge from an absolute void without any potential or prior causal activity. God provides that causal activity via His will and power. Even though the Islamic intellectual tradition refers to God creating from nothing, this act of creation means that there was no material stuff. However, it does not assume that there were no causal conditions or potential.
143 Gottes Wille und Macht bilden die kausalen Bedingungen, die das Universum ins Dasein bringen.
143 God’s will and power form the causal conditions to bring the universe into existence.
Selbsterschaffen?
Self-created?.
Konnte sich das Universum selbst erschaffen? Der Begriff „erschaffen“ bezeichnet etwas, das entstanden ist, und daher einst nicht existierte. Eine andere Art, von etwas zu sprechen, das erschaffen wurde, besteht darin zu sagen, dass es ins Dasein gebracht wurde. Alle diese Wörter implizieren, dass etwas endlich ist, da alles, was erschaffen wurde, endlich ist. Wenn man das Konzept der Schöpfung versteht, gelangt man zu dem Schluss, dass Selbsterschaffung eine logische und praktische Unmöglichkeit ist. Dies liegt daran, dass Selbsterschaffung impliziert, dass etwas zur gleichen Zeit existierte und nicht existierte, was unmöglich ist. Etwas, das entstanden ist, bedeutet, dass es einst nicht existierte; zu sagen, es habe sich selbst erschaffen, impliziert jedoch, dass es existierte, bevor es existierte! Betrachten Sie folgende Frage: War es für Ihre Mutter möglich, sich selbst zur Welt zu bringen? Eine solche Behauptung würde bedeuten, dass sie hätte geboren werden müssen, bevor sie geboren wurde. Wenn etwas erschaffen wird, heißt das, dass es einst nicht existierte und daher keine Macht hatte, irgendetwas zu tun. Zu behaupten, es habe sich selbst erschaffen, ist also unmöglich, denn es könnte vor seiner Erschaffung keine Macht besessen haben, um sich selbst zu erschaffen. Dies gilt für alle endlichen Dinge, und dazu gehört auch das Universum. Der islamische Gelehrte Al-Khattabi fasst den Trugschluss dieses Arguments treffend zusammen:
Could the universe have created itself? The term ‘created’ refers to something that emerged, and therefore it was once not in existence. Another way of speaking about something being created is that it was brought into being. All of these words imply something being finite, as all things that were created are finite. Understanding the concept of creation leads us to conclude that self-creation is a logical and practical impossibility. This is due to the fact that self-creation implies that something was in existence and not in existence at the same time, which is impossible. Something that emerged means that it once was not in existence; however, to say that it created itself implies that it was in existence before it existed! Consider the following question: Was it possible for your mother to give birth to herself? To claim such a thing would suggest that she would have to be born before she was born. When something is created, it means it once did not exist, and therefore had no power to do anything. So to claim that it created itself is impossible, as it could not have any power before it was created in order to create itself. This applies to all finite things, and that includes the universe too. Islamic scholar Al-Khattabi aptly summarises the fallacy of this argument:
„Dies ist ein noch trügerischeres Argument, denn wenn etwas nicht existiert, wie kann man es dann als mächtig beschreiben, und wie könnte es etwas erschaffen? Wie könnte es irgendetwas tun? Wenn diese beiden Argumente widerlegt sind, dann ist erwiesen, dass sie einen Schöpfer haben. Mögen sie also an Ihn glauben.“144
“This is [an] even more fallacious argument, because if something does not exist, how can it be described as having power, and how could it create anything? How could it do anything? If these two arguments are refuted, then it is established that they have a creator, so let them believe in Him.”144
Andrew Compson, der derzeitige Vorsitzende der British Humanist Association, hat sich einmal mit mir an der University of Birmingham in einer öffentlichen Debatte auseinandergesetzt. Ich trug das koranische Argument für die Existenz Gottes vor. Seine Antwort auf meine Behauptung, Selbsterschaffung sei unmöglich, lautete, Selbsterschaffung finde sich bei einzelligen Organismen, in der Biologie auch als ungeschlechtliche Fortpflanzung bekannt. Sein Einwand ist aus mehreren Gründen falsch. Erstens handelt es sich bei dem, was er bei einzelligen Organismen anführte, nicht um Selbsterschaffung, sondern um eine Form der Fortpflanzung, bei der Nachkommen aus einem einzigen Organismus hervorgehen und ausschließlich das genetische Material dieses Elternteils erben. Zweitens: Wenn wir sein Beispiel logisch auf das Universum übertragen, setzt es voraus, dass das Universum immer existiert hat, denn damit ungeschlechtliche Fortpflanzung stattfinden kann, braucht man ein Elternteil, das vor dem Nachkommen existierte. Sein Einwand bestätigt somit eigentlich genau den Punkt, den ich machte: Das Universum hat einst nicht existiert, daher konnte es sich nicht selbst ins Dasein bringen. Sie mögen denken, dieser Einwand sei absurd und es sei nicht nötig gewesen, ihn zu erörtern. Da stimme ich zu. Ich habe ihn jedoch aufgenommen, um zu zeigen, wie unvernünftig manche atheistischen Gegenargumente sein können.
Andrew Compson, the current chair of the British Humanist Association, once engaged in a public debate with me at the University of Birmingham. I presented the Qur’anic argument for God’s existence. His response to my assertion that self-creation is impossible was that self-creation can be found in single-celled organisms, also known in biology as asexual reproduction. Andrew’s objection is false on a few grounds. Firstly, what he referred to in single-celled organisms is not self-creation, but rather a mode of reproduction by which offspring arise from a single organism and inherit the genetic material of that parent only. Secondly, if we logically extend his example to the universe, it assumes that the universe always existed, because for asexual reproduction to occur you need a parent that existed prior to the offspring. Therefore, his objection actually proves the point I was making; the universe once never existed, so it could not bring itself into existence. You may be thinking that this objection is absurd, and it was not necessary to discuss it. I agree. However, I included this to show how unreasonable some atheist counter-arguments can be.
Von etwas anderem erschaffen, das selbst erschaffen wurde?
Created by something else that was created?.
Nehmen wir der Argumentation halber an, wir antworten auf die Frage „Wurde das Universum von etwas anderem Geschaffenem erschaffen?“ mit „Ja“. Wird das den Fragesteller zufriedenstellen? Offensichtlich nicht. Der streitsüchtige Mensch wird zweifellos fragen: „Und was hat dann dieses Ding erschaffen?“ Würden wir antworten: „Ein weiteres geschaffenes Ding“, was, glauben Sie, würde er sagen? Ja, Sie haben richtig geraten: „Was hat dieses Ding erschaffen?“ Würde sich dieser lächerliche Dialog endlos fortsetzen, so würde er nur eines beweisen: die Notwendigkeit eines ungeschaffenen Schöpfers.
For argument sake, let’s answer “yes” to the following question: Was the universe created by something else created? Will that satisfy the questioner? Obviously not. The contentious person will undoubtedly ask, “Then, what created that thing?” If we were to answer, “Another created thing”, what do you think he would say? Yes, you guessed right: “What created that thing?” If this ridiculous dialogue continued forever, then it would prove one thing: the need for an uncreated creator.
Warum? Weil wir nicht den Fall haben können, dass ein geschaffenes Ding, wie das Universum, von einem anderen geschaffenen Ding in einer unbegrenzten Reihe erschaffen wird, die bis in die Unendlichkeit zurückreicht (bekannt als unendlicher Regress von Ursachen). Das ergibt einfach keinen Sinn. Betrachten wir die folgenden Beispiele:
Why? Because we cannot have the case of a created thing, like the universe, being created by another created thing in an unlimited series going back forever (known as an infinite regress of causes). It simply does not make sense. Consider the following examples:
• Stell dir vor, ein Scharfschütze hat sein vorgesehenes Ziel erfasst und funkt die Zentrale an, um die Erlaubnis zum Schuss zu erbitten.
• Imagine that a sniper, who has acquired his designated target, radios through to HQ to get permission to shoot.
Die HQ weist den Scharfschützen jedoch an, zu warten, während sie bei jemandem höher oben um Erlaubnis bittet. Daraufhin bittet die Person weiter oben wiederum jemanden noch höher oben um Erlaubnis, und so weiter und so fort. Wenn dies für immer so weitergeht, wird der Scharfschütze dann jemals das Ziel erschießen können? Natürlich nicht! Er wird weiter warten, während jemand anderes auf eine Person weiter oben wartet, die den Befehl erteilt. Es muss einen Ort oder eine Person geben, von dem bzw. der der Befehl ausgeht; einen Ort, an dem es niemanden mehr darüber gibt. Unser Beispiel veranschaulicht somit den vernunftmäßigen Fehler der Vorstellung eines unendlichen Regresses von Ursachen. Wenn wir dies auf das Universum anwenden, müssen wir annehmen, dass es einen ungeschaffenen Schöpfer gehabt haben muss. Das Universum, das ein geschaffenes Ding ist, könnte nicht von einem anderen geschaffenen Ding erschaffen worden sein, ad infinitum. Wäre dies der Fall, würde dieses Universum nicht existieren. Da es existiert, können wir die Vorstellung eines unendlichen Regresses von Ursachen als irrationalen Gedanken verwerfen.145.
HQ, however, tells the sniper to hold on while they seek permission from someone higher-up. Subsequently, the person higher-up seeks permission from the guy even higher up, and so on and so on. If this keeps going on forever, will the sniper ever get to shoot the target? Of course not! He will keep on waiting while someone else is waiting for a person higher up to give the order. There has to be a place or person from where the command is issued; a place where there is no one higher. Thus, our example illustrates the rational flaw in the idea of an infinite regress of causes. When we apply this to the universe we have to posit that it must have had an uncreated creator. The universe, which is a created thing, could not be created by another created thing, ad infinitum. If that were the case this universe would not exist. Since it exists, we can dismiss the idea of an infinite regress of causes as an irrational proposition.145.
• Stellen Sie sich vor, ein Wertpapierhändler an der Börse dürfte seine Aktien oder Anleihen nicht kaufen oder verkaufen, ohne zuvor die Erlaubnis seines Investors einzuholen. Hätte der Wertpapierhändler seinen Investor gefragt, müsste er außerdem bei seinem Investor nachfragen. Stellen Sie sich vor, dies ginge endlos so weiter. Würde der Wertpapierhändler dann jemals seine Aktien oder Anleihen kaufen oder verkaufen? Die Antwort lautet nein. Es muss einen Investor geben, der die Erlaubnis erteilt, ohne selbst eine Erlaubnis zu benötigen. Ähnlich verhält es sich, wenn wir dies auf das Universum anwenden: Wir müssten dann einen Schöpfer des Universums annehmen, der selbst unerschaffen ist.
• Imagine if a stock trader at the stock exchange was not able to buy or sell his stocks or bonds before asking permission from the investor. Once the stock trader asked his investor, he also had to check with his investor. Imagine if this went on forever. Would the stock trader ever buy or sell his stocks or bonds? The answer is no. There must be an investor who gives the permission without requiring any permission himself. In similar light, if we apply this to the universe, we would have to posit a creator for the universe that is uncreated.
Sobald die obigen Beispiele direkt auf das Universum angewendet werden, zeigt sich die Absurdität der Vorstellung, dass das Universum letztlich von etwas Geschaffenem erschaffen wurde. Man stelle sich vor, dieses Universum, U1, sei von einer früheren Ursache, U2, erschaffen worden, und U2 sei wiederum von einer anderen Ursache, U3, erschaffen worden, und so ginge es ohne Ende weiter. Dann gäbe es U1 überhaupt nicht. Denke darüber so nach: Wann entsteht U1? Erst nachdem U2 entstanden ist. Wann entsteht U2? Erst nachdem U3 entstanden ist. Dasselbe Problem setzt sich fort, selbst wenn wir ewig weitergehen. Wenn die Fähigkeit von U1, zu entstehen, von einer unendlichen Kette erschaffener Universen abhinge, würde U1 niemals existieren.146 Wie der islamische Philosoph und Gelehrte Dr. Jaafar Idris schreibt:
Once the above examples are applied to the universe directly, it will highlight the absurdity of the idea that the universe ultimately was created by something created. Consider if this universe, U1, was created by a prior cause, U2, and U2 was created by another cause, U3, and this went on forever. We wouldn’t have universe U1 in the first place. Think about it this way, when does U1 come into being? Only after U2 has come into being. When does U2 come into being? Only after U3 has come into being. This same problem will continue even if we go on forever. If the ability of U1 to come into being was dependent on a forever chain of created universes, U1 would never exist.146 As Islamic philosopher and scholar Dr. Jaafar Idris writes:
„Es gäbe dann keine Reihe wirklicher Ursachen, sondern nur eine Reihe von Nichtexistierendem … Tatsache ist jedoch, dass es um uns herum Existierendes gibt:"
“There would be no series of actual causes, but only a series of non-existents… The fact, however, is that there are existents around us:
„Daher muss ihre letztendliche Ursache etwas anderes sein als zeitliche Ursachen.“147
therefore, their ultimate cause must be something other than temporal causes.”147
Von etwas Ungeschaffenem erschaffen?
Created by something uncreated?.
Was ist die Alternative? Die Alternative ist eine erste Ursache. Mit anderen Worten: eine unverursachte Ursache oder ein ungeschaffener Schöpfer. Der Theologe und Philosoph Al-Ghazali aus dem 11. Jahrhundert fasste die Existenz einer unverursachten Ursache oder eines ungeschaffenen Schöpfers folgendermaßen zusammen: „Dasselbe lässt sich über die Ursache der Ursache sagen. Nun kann dies entweder ins Unendliche weitergehen, was absurd ist, oder es wird an ein Ende kommen.“148
So, what is the alternative? The alternative is a first cause. In other words, an uncaused cause or an uncreated creator. The 11th century theologian and philosopher Al-Ghazali summarised the existence of an uncaused cause or an uncreated creator in the following way: “The same can be said of the cause of the cause. Now this can either go on ad infinitum, which is absurd, or it will come to an end.”148
Was die obige Diskussion im Wesentlichen aussagt, ist, dass etwas immer existiert haben muss. Nun gibt es zwei naheliegende Möglichkeiten: Gott oder das Universum. Da das Universum einen Anfang hatte und abhängig ist (siehe Kapitel 6), kann es nicht immer existiert haben. Daher muss das, was immer existiert hat, Gott sein. Im Anhang zu Professor Anthony Flews Buch „There is a God“ erklärt der Philosoph Abraham Varghese diese Schlussfolgerung auf einfache und zugleich eindringliche Weise. Er schreibt: „Nun können Theisten und Atheisten sich zweifellos in einem Punkt einig sein: Wenn überhaupt etwas existiert, muss ihm etwas vorausgegangen sein, das immer existiert hat. Wie kam diese ewig existierende Wirklichkeit zustande? Die Antwort lautet: Sie ist nie zustande gekommen. Sie hat immer existiert. Wählen Sie: Gott oder Universum. Etwas hat immer existiert.“149
What the above discussion is essentially saying is that something must have always existed. Now there are two obvious choices: God or the universe. Since the universe began and is dependent (see Chapter 6), it cannot have always existed. Therefore, something that always existed must be God. In the appendix to Professor Anthony Flew’s book There is a God, the philosopher Abraham Varghese explains this conclusion in a simple yet forceful way. He writes: “Now, clearly, theists and atheists can agree on one thing: if anything at all exists, there must be something preceding it that always existed. How did this eternally existing reality come to be? The answer is that it never came to be. It always existed. Take your pick: God or universe. Something always existed.”149.
So gelangen wir zu dem Schluss, dass es für alles Geschaffene einen ungeschaffenen Schöpfer gibt. Die Kraft dieses Arguments zeigt sich in der Reaktion des Gefährten des Propheten Muhammad ﷺ, Jubayr ibn Mut’im. Als er die betreffenden Verse des Qur'an hörte, die dieses Argument behandeln, sagte er: „Mein Herz war fast im Begriff zu fliegen.“150 Der Gelehrte Al-Khattabi sagte, der Grund, weshalb Jubayr von diesen Versen so bewegt war, sei gewesen, dass „der starke Beweis, der darin enthalten ist, sein feinfühliges Wesen berührte, und er es mit seinem Verstand begriff“.151
Thus, we can conclude that there exists an uncreated creator for everything that is created. The power of this argument is captured in the reaction of the companion of the Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم Jubayr ibn Mut’im. When he heard the relevant verses of the Qur’an addressing this argument he said, “my heart almost began to soar.”150 The scholar Al-Khattabi said that the reason Jubayr was so moved by these verses was because of “the strong evidence contained therein touched his sensitive nature, and with his intelligence understood it.”151
Bisher steht fest, dass es einen ungeschaffenen Schöpfer geben muss. Dies impliziert nicht das traditionelle Gottesverständnis. Wenn wir jedoch sorgfältig über den ungeschaffenen Schöpfer nachdenken, können wir Schlussfolgerungen ziehen, die zum traditionellen Verständnis von Gott führen.
What has been established so far is that there must be an uncreated creator. This does not imply the traditional concept of God. However, if we think carefully about the uncreated creator, we can form conclusions that lead to the traditional understanding of God.
Ewig.
Eternal.
Da dieser Schöpfer ungeschaffen ist, bedeutet dies, dass er immer existiert hat. Etwas, das nicht begonnen hat, hat immer existiert, und etwas, das immer existiert hat, ist ewig. Der Qur'an macht dies sehr deutlich: „Gott, der Ewige Zuflucht. Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt worden.“152
Since this creator is uncreated, it means that it was always in existence. Something that did not begin has always existed, and something that has always existed is eternal. The Qur’an makes this very clear: “God, the Eternal Refuge. He neither begets nor is born.”152.
Wer hat Gott erschaffen?
Who created God?.
Eine typische Antwort auf die Ewigkeit des Göttlichen ist das veraltete atheistische Klischee: Wer hat Gott erschaffen? Dieser kindische Einwand ist eine grobe Verzerrung und ein gründliches Missverständnis des Arguments, das ich in diesem Kapitel dargelegt habe. Auf diesen Einwand gibt es zwei Hauptantworten.
A typical response to the eternality of the Divine is the outdated atheist cliché: Who created God? This childish contention is a gross misrepresentation and misunderstanding of the argument I have been elucidating in this chapter. There are two main responses to this objection.
Erstens: Die dritte Möglichkeit, die wir zur Frage besprochen haben, wie das Universum entstanden ist, lautete: Könnte es von etwas Geschaffenem erschaffen worden sein? Wir haben erörtert, dass dies letztlich nicht möglich ist, wegen der Absurdität eines unendlichen Rückschritts von Ursachen. Die Schlussfolgerung war einfach: Es muss einen ungeschaffenen Schöpfer gegeben haben. Ungeschaffen zu sein bedeutet, dass Gott nicht erschaffen wurde. Ich habe bereits einige Beispiele angeführt, um diese Tatsache zu verdeutlichen. Zweitens: Sobald wir zu dem Schluss gekommen sind, dass die beste Erklärung für die Entstehung des Universums das Konzept Gottes ist, wäre es unlogisch zu behaupten, jemand habe Ihn erschaffen. Gott hat das Universum erschaffen und ist nicht an dessen Gesetze gebunden; Er ist per Definition ein ungeschaffenes Wesen, und Er ist niemals entstanden. Etwas, das nie einen Anfang hatte, kann nicht erschaffen worden sein. Professor John Lennox erklärt diese Punkte auf folgende Weise:
Firstly, the third possibility that we discussed concerning how the universe came into being was: Could it be created by something created? We discussed that this was ultimately not possible because of the absurdity of the infinite regress of causes. The conclusion was simple: there must have been an uncreated creator. Being uncreated means God was not created. I have already presented a few examples to highlight this fact. Secondly, once we have concluded that the best explanation for the emergence of the universe is the concept of God, it would be illogical to maintain that someone created Him. God created the universe and is not bound by its laws; He is, by definition, an uncreated Being, and He never came into existence. Something that never began cannot be created. Professor John Lennox explains these points in the following way:
„Ich höre einen irischen Freund sagen: ‚Nun, eines beweist es – wenn‟144.
“I can hear an Irish friend saying: ‘Well, it proves one thing- if144.
„…dass sie ein besseres Argument hätten, würden sie es verwenden.“ Sollte das als eine ziemlich starke Reaktion gelten, bedenke man nur die Frage: Wer hat Gott erschaffen? Schon das Stellen dieser Frage zeigt, dass der Fragende einen Gott im Sinn hat, der erschaffen wurde. Es ist dann kaum überraschend, dass man sein Buch *The God Delusion* nennt. Denn genau das ist ein erschaffener Gott: eine Täuschung, praktisch per Definition – wie Xenophanes schon Jahrhunderte vor Dawkins darlegte. Ein aufschlussreicherer Titel hätte *The Created-God Delusion* lauten können. Das Buch hätte dann auf eine Broschüre reduziert werden können – aber die Verkaufszahlen hätten vielleicht gelitten … Denn der Gott, der das Universum erschaffen hat und es erhält, wurde nicht erschaffen – Er ist ewig. Er wurde nicht „gemacht“ und unterliegt daher auch nicht den Gesetzen, die die Wissenschaft entdeckt hat; vielmehr hat Er das Universum mit seinen Gesetzen geschaffen. Tatsächlich begründet genau dieser Umstand den grundlegenden Unterschied zwischen Gott und dem Universum. Das Universum ist entstanden, Gott nicht.“153.
they had a better argument, they would use it.’ If that is thought to be a rather strong reaction, just think of the question: Who made God? The very asking of it shows that the questioner has created God in mind. It is then scarcely surprising that one calls one's book The God Delusion. For that is precisely what a created god is, a delusion, virtually by definition—as Xenophanes pointed out centuries before Dawkins. A more informative title might have been: The Created-God Delusion. The book could then have been reduced to a pamphlet—but sales might just have suffered… For the God who created and upholds the universe was not created—He is eternal. He was not ‘made’ and therefore subject to the laws that science discovered; it was he who made the universe with its laws. Indeed, the fact constitutes the fundamental distinction between God and the universe. The universe came to be, God did not.”153.
Transzendent
Transcendent.
Dieser ungeschaffene Schöpfer kann nicht Teil der Schöpfung sein. Ein nützliches Beispiel zur Veranschaulichung ist ein Tischler, der einen Stuhl anfertigt. Beim Entwerfen und Herstellen des Stuhls wird er nicht selbst zum Stuhl. Er ist vom Stuhl verschieden. Dies gilt auch für den ungeschaffenen Schöpfer. Er hat das Universum erschaffen und ist daher von dem verschieden, was Er erschaffen hat. Der Theologe und Gelehrte Ibn Taymiyya vertrat die Auffassung, dass der Begriff „geschaffen“ impliziere, dass etwas von Gott verschieden sei.154
This uncreated creator cannot be part of creation. A useful example to illustrate this is when a carpenter makes a chair. In the process of designing and creating the chair, he does not become the chair. He is distinct from the chair. This applies to the uncreated creator as well. He created the universe and therefore is distinct from what He created. The theologian and scholar Ibn Taymiyya argued that the term, “created”, implied that something was distinct from God.154
Wäre der Schöpfer Teil der Schöpfung, so wäre Er bedingt bzw. abhängig und mit begrenzten körperlichen Eigenschaften behaftet. Das wiederum würde bedeuten, dass Er einer Erklärung für Seine Existenz bedürfte, was impliziert, dass Er nicht Gott sein kann (siehe Kapitel 6).
If the creator was part of creation, it would make Him contingent or dependent with limited physical qualities. This, in turn, would mean that He would require an explanation for His existence, which would imply He cannot be God (see Chapter 6).
Der Koran bekräftigt die Erhabenheit Gottes. Er sagt: „Ihm gleicht nichts.“155.
The Qur’an affirms the transcendence of God. It says, “There is nothing like unto Him.”155.
Wissen.
Knowing.
Dieser ungeschaffene Schöpfer muss Wissen besitzen, denn das Universum, das Er erschaffen hat, folgt festgelegten Gesetzen. Dazu gehören das Gesetz der Schwerkraft, die schwache und die starke Kernkraft sowie die elektromagnetische Kraft (siehe Kapitel 8). Diese Gesetze implizieren einen Gesetzgeber, und ein Gesetzgeber impliziert Wissen. Der Koran sagt: „Gewiss, Gott ist über alle Dinge wissend.“156
This uncreated creator must have knowledge because the universe that He created has established laws. These include the law of gravity, the weak and strong nuclear force, and the electromagnetic force (see Chapter 8). These laws imply there is a lawgiver, and a lawgiver implies knowledge. The Qur’an says, “Indeed God is, of all things, Knowing.”156.
Kraftvoll.
Powerful.
Dieser ungeschaffene Schöpfer muss mächtig sein, denn Er hat das Universum erschaffen, und das Universum besitzt ungeheure Energie, sowohl nutzbare als auch potenzielle. Nehmen wir zum Beispiel die Anzahl der Atome im beobachtbaren Universum, die etwa 1080,157 beträgt.
This uncreated creator must be powerful because He created the universe, and the universe has immense energy, both usable and potential. Take, for instance, the number of atoms in the observable universe, which is around 1080.157.
Würde man auch nur eines dieser Atome spalten, würde es eine ungeheure Menge an Energie freisetzen – bekannt als Kernspaltung. Ein erschaffenes Ding mit nutzbarer und potenzieller Energie könnte diese nicht aus sich selbst erlangt haben. Letztlich stammt sie vom Schöpfer, der seinerseits mächtig sein muss.
If you were to take just one of these atoms and split it, it would release an immense amount of energy— known as nuclear fission. A created thing with usable and potential energy could not have acquired that from itself. Ultimately, it came from the Creator, who in turn must be powerful.
Wenn der Schöpfer keine Macht besäße, würde das bedeuten, dass Er unfähig, unvermögend und schwach wäre. Da das Universum erschaffen wurde, ist es ein einfacher Beweis dafür, dass Er Fähigkeit und Macht besitzen muss. Stelle dir nun die gewaltige Macht des Schöpfers vor, indem du über das Universum und alles nachdenkst, was es enthält. Der Qur'an bekräftigt die Macht Gottes:
If the creator did not have power, it would mean that He is unable, incapable and weak. Since the universe was created, it is a simple proof that He must have ability and power. Now just imagine the immense power of the Creator by reflecting on the universe and all that it contains. The Qur’an asserts the power of God:
„Gott erschafft, was Er will, denn wahrlich, Gott hat Macht über alle Dinge.“158.
“God creates what He wills for verily God has power over all things.”158.
Das Allmacht-Paradoxon.
The omnipotence paradox.
Die islamische Position zur Fähigkeit Gottes wird in folgender glaubensmäßiger Aussage aus dem Glaubensbekenntnis des Imam At-Tahawi zusammengefasst. Dort heißt es: „Er ist allmächtig. Alles ist von Ihm abhängig, und jede Angelegenheit ist für Ihn mühelos.“159
The Islamic position regarding God’s ability is summed up in the following creedal statement found in The Creed of Imam Al-Tahawi. It states, “He is Omnipotent. Everything is dependent on Him, and every affair is effortless for Him.”159
Ein häufig vorgebrachter Einwand gegen die Macht Gottes ist das Allmachtsparadox. Es betrifft die Frage, ob ein allmächtiges Wesen seine eigene Macht begrenzen kann. Die daraus abgeleitete Frage lautet: Wenn Gott allmächtig ist, kann Er einen Stein erschaffen, den Er nicht bewegen kann? Um diese Frage zu beantworten, muss zunächst die Bedeutung von „Allmacht“ geklärt werden. Sie beinhaltet die Fähigkeit, jede mögliche Angelegenheit zu verwirklichen. Allmacht schließt außerdem die Unmöglichkeit des Scheiterns ein. Der Fragesteller sagt jedoch, da Gott allmächtig sei, sei Er zu allem fähig, also auch zum Scheitern. Dies ist irrational und absurd, denn es entspricht der Aussage, „ein allmächtiges Wesen kann kein allmächtiges Wesen sein“. Das Nichterreichen oder Nichtvollbringen einer Sache ist kein Merkmal der Allmacht. Aus dieser Sicht beschreibt die Fähigkeit Gottes, „einen Stein zu erschaffen, den Er nicht bewegen kann“, tatsächlich ein Ereignis, das unmöglich und bedeutungslos ist.
However, a common objection to God’s power is the omnipotence paradox. This concerns the ability of an All-Powerful Being to limit its power. The question that is raised is: If God is omnipotent, can He create a stone He cannot move? To answer this question, the meaning of ‘omnipotence’ needs to be clarified. What it implies is the ability to realise every possible affair. Omnipotence also includes the impossibility of failure. The questioner, however, is saying that since God is All-Powerful, He is capable of anything, including failure. This is irrational and absurd, as it is equivalent to saying “an All-Powerful Being cannot be an All-Powerful Being”. Failure to achieve or do something is not a feature of omnipotence. From this perspective, the ability of God to “create a stone He cannot move” actually describes an event that is impossible and meaningless.
Die Frage beschreibt keinen möglichen Sachverhalt, genau wie wenn wir „eine weiße schwarze Krähe“ oder „ein kreisrundes Dreieck“ sagen würden. Solche Aussagen beschreiben nichts; sie haben keinen Informationswert und sind bedeutungslos. Warum sollten wir also überhaupt eine Frage beantworten, die keine Bedeutung hat? Um es deutlich zu sagen: Die Frage ist nicht einmal eine Frage.
The question does not describe a possible affair, just as if we were to say “a white black crow” or “a circle triangle”. Such statements describe nothing at all; they have no informative value and are meaningless. So why should we even answer a question that has no meaning? To put it bluntly, the question is not even a question.
In seiner Erörterung des Koranverses „Gott hat Macht über alle Dinge“ erklärt der klassische Gelehrte Al-Qurtubi, dass sich Gottes Macht auf jeden möglichen Zustand der Dinge erstreckt: „Dieser [Vers] ist allgemein… Er bedeutet, dass es erlaubt ist, Gott mit der Eigenschaft der Macht zu beschreiben. Die Gemeinschaft stimmt darin überein, dass Gott den Namen Der-Mächtige trägt… Gott hat Macht über jede Möglichkeit, ob sie ins Dasein gebracht wird oder unverwirklicht bleibt.“161
In his discussion of the Qur’anic verse, “God has power over all things”,160 classical scholar Al-Qurtubi explains that God’s power refers to every possible state of affairs: “This [verse] is general… it means that it is permitted to describe God with the attribute of power. The community agree that God has the name The-Powerful… God has power over every possibility whether it is brought into existence or remains non-existent.”161
Abschließend: Gott kann einen Stein erschaffen, der schwerer ist als alles, was wir uns vorstellen können, doch Er wird den Stein stets bewegen können, denn Versagen gehört nicht zu den Eigenschaften der Allmacht.162.
To conclude, God can create a stone that is heavier than anything we can imagine, but He will always be able to move the stone because failure is not a feature of omnipotence.162.
Will.
Will.
Dieser ungeschaffene Schöpfer muss aus mehreren Gründen einen Willen besitzen. Erstens: Da dieser Schöpfer ewig ist und ein endliches Universum ins Dasein gebracht hat, muss er das Universum dazu gewählt haben, zu entstehen. Dieser Schöpfer muss das Universum zum Entstehen gewählt haben, als das Universum nicht existierte und hätte nicht existieren können. Etwas, das eine Wahl treffen kann, besitzt offensichtlich einen Willen. Zweitens enthält das Universum Wesen, die einen bewussten Willen und eine Willensfreiheit besitzen. Daher muss auch derjenige, der das Universum mit lebendigen Wesen, die einen Willen haben, erschaffen hat, einen Willen besitzen. Man kann einer Sache nichts geben, was man selbst nicht besitzt (oder etwas hervorbringen, was man nicht in sich enthält). Also besitzt der Schöpfer einen Willen.
This uncreated creator must have a will for a number of reasons. Firstly, since this creator is eternal and brought into existence a finite universe, it must have chosen the universe to come into existence. This creator must have chosen the universe to come into existence when the universe was non-existent and could have remained so. Something that has a choice obviously has a will. Secondly, the universe contains beings that have a conscious will and volition. Therefore, the one who created the universe with living beings that have a will must also have a will. One cannot give something to a thing that one does not have (or give rise to something that one does not contain). Therefore, the Creator has a will.
Drittens gibt es zwei Arten von Erklärungen, die wir auf die Erschaffung des Universums anwenden können. Die erste ist eine wissenschaftliche Erklärung, die zweite eine persönliche. Lassen Sie mich dies am Beispiel des Tees erläutern. Um Tee zuzubereiten, muss ich etwas Wasser zum Kochen bringen, den Teebeutel in die Tasse legen und ihn ziehen lassen. Dieser Vorgang lässt sich wissenschaftlich erklären. Das Wasser muss 100 Grad Celsius (212 Grad Fahrenheit) erreichen, bevor es den Siedepunkt erreicht, es muss eine halbdurchlässige Membran (den Teebeutel) durchdringen, und ich muss meine Glykogenspeicher nutzen, damit sich meine Muskeln zusammenziehen und meine Gliedmaßen bewegen können, sodass all dies geschieht. Ein ausgebildeter Wissenschaftler könnte selbstverständlich noch genauer ins Detail gehen, doch ich denke, Sie verstehen den Punkt. Andererseits lässt sich der gesamte Vorgang auch persönlich erklären: Der Tee wurde zubereitet, weil ich Lust auf Tee hatte. Nun wenden wir dies auf das Universum an. Wir haben keine Beobachtungen oder empirischen Belege darüber, wie der Schöpfer das Universum erschaffen hat; wir können uns nur auf eine persönliche Erklärung stützen, nämlich dass Gott beschlossen hat, dass das Universum entsteht. Selbst wenn wir eine wissenschaftliche Erklärung hätten, würde sie eine persönliche nicht ausschließen, wie das Teebeispiel zeigt.163
Thirdly, there are two types of explanations we can apply to the creation of the universe. The first is a scientific explanation, and the second is a personal one. Let me explain this using tea. In order to make tea, I have to boil some water, place the tea bag in the cup and allow it to infuse. This process can be explained scientifically. The water must be 100 degrees Celsius (212 degrees Fahrenheit) before it reaches boiling point, it has to travel across a semipermeable membrane (tea bag), and I have to use my glycogen stores to enable my muscles to contract to move my limbs to ensure all of this takes place. Obviously, a trained scientist could go into further detail, but I think you get the point. Conversely, the whole process can also be explained personally: the tea has been made because I wanted some tea. Now let’s apply this to the universe. We do not have observations or empirical evidence on how the Creator created the universe; we can only rely on a personal explanation, which is that God chose for the universe to come into existence. Even if we had a scientific explanation, it would not negate a personal one, as shown in the tea example.163
Der Koran bestätigt die Tatsache, dass Gott einen Willen hat: „Dein Herr vollbringt, was Er will.“164
The Qur’an affirms the fact that God has a will: “Your Lord carries out whatever He wills.”164
Der islamische Gelehrte Al-Ghazali legt eine beredte Zusammenfassung der Folgerungen dar, die sich daraus ergeben, dass Gott einen Willen hat. Er behauptet, dass alles, was geschieht, auf Gottes Willen zurückgeht und dass sich nichts ihm entziehen kann:
Islamic scholar Al-Ghazali presents an eloquent summary of the implications of God having a will. He asserts that everything that happens is due to God’s will and nothing can escape it:
„Wir bezeugen, dass Er der Wollende aller Dinge ist, die sind, der Herrscher über alle entstandenen Erscheinungen; es gelangt nichts in die sichtbare oder unsichtbare Welt, weder Geringes noch Reichliches, weder Kleines noch Großes, weder Gutes noch Böses, weder Nutzen noch Schaden, weder Glauben noch Unglauben, weder Wissen noch Unwissenheit, weder Erfolg noch Misserfolg, weder Zunahme noch Abnahme, weder Gehorsam noch Ungehorsam, außer durch Seinen Willen. Was Er will, geschieht, und was Er nicht will, geschieht nicht; es gibt keinen Blick des Auges und keinen flüchtigen Gedanken des Herzens, der nicht Seinem Willen unterworfen wäre. Er ist der Schöpfer, der Wiederhersteller, der Vollbringer dessen, was Er will. Es gibt niemanden, der Seinen Befehl aufhebt, niemanden, der Seine Bestimmungen ergänzt, niemanden, der einen Diener davon abhält, Ihm ungehorsam zu sein, außer durch Seine Hilfe und Sein Erbarmen, und niemand hat die Macht, Ihm zu gehorchen, außer durch Seinen Willen.“165.
“We attest that He is the Willer of all things that are, the ruler of all originated phenomena; there does not come into the visible or invisible world anything meagre or plenteous, small or great, good or evil, or any advantage or disadvantage, belief or unbelief, knowledge or ignorance, success or failure, increase or decrease, obedience or disobedience, except by His will. What He wills is, and what He does not, will not; there is not a glance of the eye, nor a stray thought of the heart that is not subject to His will. He is the Creator, the Restorer, the Doer of whatsoever He wills. There is none that rescinds His command, none that supplements His decrees, none that dissuades a servant from disobeying Him, except by His help and mercy, and none has power to obey Him except by His will.”165.
Eine Anmerkung zu Kausalität, Zeit und dem Urknall.
A Note on Causality, Time and The Big Bang.
Einige Einwender argumentieren, dass Kausalität nur mit Zeit einen Sinn ergibt. Sie vertreten die Ansicht, dass wir, da die Zeit mit dem Urknall begann und es zu Beginn des Urknalls kein „Vorher“ gab, nicht behaupten können, dass etwas das Universum verursacht hat. Ohne Zeit gebe es „keine Ursache und keine Wirkung, denn die Ursache kommt vor der Wirkung.“166
Some objectors argue that causality only makes sense with time. They maintain that since time began at the Big Bang, we cannot claim something caused the universe because there was no ‘before’ at the beginning of the Big Bang. In absence of time, there is “no cause or effect, because cause comes before effect.”166
Es gibt einige Probleme mit diesem Einwand.167.
There are a few problems with this objection.167.
• Die Auffassung, dass Kausalität nur im Zeitverlauf Sinn ergeben könne, bedarf des Beweises. In der Philosophie herrscht kein Konsens über die Definition und das Wesen der Kausalität. Es gibt verschiedene Ansätze, die Kausalität und kausale Beziehungen zu definieren und zu verstehen suchen. Einer dieser Ansätze ist die simultane Kausalität. Sie ist die Auffassung, „dass Ursachen stets gleichzeitig mit ihren unmittelbaren Wirkungen eintreten.“168 Man könnte argumentieren, dass das Universum und seine Ursache zur selben Zeit entstanden. Das folgende Gedankenexperiment veranschaulicht eine solche kausale Beziehung. Man stelle sich eine ewige Kugel auf einem ewigen Kissen vor. Die Kugel verursacht die Delle im Kissen, doch die Ursache (die Kugel) geht der Wirkung (der Delle im Kissen) nicht voraus, da Zeit aufgrund der Ewigkeit der Objekte keine Rolle spielt.169 Im Rahmen dieser Argumentation könnte es sein, dass der Augenblick, in dem Gott das Universum ins Dasein brachte, zugleich der Augenblick war, in dem das Universum entstand. Diese Art der Verursachung ist atemporal. Das bedeutet, dass die Ursache (in diesem Fall Gottes Wille und Macht) kausal, aber nicht zeitlich (in der Zeit) vorausging. Ursache und Wirkung traten gleichzeitig ein.
• The view that causality can only make sense with time requires proof. In philosophy there is no consensus on the definition and nature of causality. There are various approaches that attempt to define and understand causality and causal relations. One such approach is simultaneous causality. This is the view “that causes always occur simultaneously with their immediate effects.”168 One could argue that the universe and its cause occurred at the same time. The following thought experiment explains such causal relation. Imagine an eternal ball on an eternal pillow. The ball causes the indentation of the pillow, but the cause (ball) does not come before the effect (indentation in the pillow); as time is not a factor due to the eternality of the objects.169 In the context of this argument, it could be that the moment God brought the universe into existence was the moment the universe came into being. This type of causation is atemporal. This means that the cause (in this case, God’s will and power) occurred prior causally but not prior temporally (in time). The cause and affect occurred simultaneously.
• Er setzt voraus, dass es in der Wissenschaft einen Konsens über den Begriff der Zeit gibt. In der Quantenmechanik und der allgemeinen Relativitätstheorie gibt es unterschiedliche Begriffe von Zeit. Die Annahme, es gäbe nur eine einzige Auffassung von Zeit, stellt die Fachliteratur falsch dar.170.
• It assumes there is a consensus on the notion of time in science. There are different notions of time in quantum mechanics and general relativity. To assume that there is one conception of time misrepresents the literature.170.
• Dieser Einwand ist selbstwidersprüchlich. Wenn Kausalität ohne Zeit nicht existieren kann, dann müsste auch der Urknall verworfen werden. Da an der Singularität des Urknalls keine Zeit existierte, sondern eine Grenze der Zeit, und diese Grenze offensichtlich mit dem übrigen Universum kausal verbunden ist: Wie kann dann diese kausale Beziehung ohne Zeit einen Sinn ergeben? Wenn die Einwender akzeptieren, dass die Grenze mit dem übrigen Universum kausal verbunden ist, sollten sie auch dieselbe zeitlose kausale Beziehung akzeptieren, als Gott beschloss, Seinen Willen und Seine Macht zu offenbaren und das Universum zu erschaffen.171. Wenn sie behaupten, dass Kausalität außerhalb der Zeit keinen Sinn ergibt, müssen sie die kausale Beziehung zwischen der Grenze der Singularität und dem übrigen Universum ablehnen, was dem Verwerfen der Existenz des Universums gleichkäme. Der Einwender kann einwenden, dass manche Physiker behaupten, das Universum habe keine Grenze. Dies ist jedoch ein umstrittenes Thema ohne Konsens.172
• This objection is self-defeating. If causality cannot exist without time then the Big Bang should be rejected. Given that at the point of the Big Bang’s singularity there was no time, but a boundary to time, and the boundary is obviously causally connected to the rest of the universe, then how can this causal relation makes sense with no time? If the objectors accept that the boundary is causally connected to the rest of the universe, they should also accept the same atemporal causal relation when God decided to manifest His will and power to create the universe.171. If they maintain that causality doesn’t make sense outside of time, they will have to reject the causal relation between the boundary of the singularity to the rest of the universe, which is tantamount to rejecting the existence of the universe. The objector can argue that some physicists maintain that the universe has no boundary. This however is a contentious issue with no consensus.172
Da es keinen Konsens über die Natur der Kausalität gibt und das Konzept der Zeit umstritten ist, ist der obige Einwand kein unterminierender Defeater für das in diesem Kapitel dargelegte Argument.
Given that there isn’t a consensus on the nature of causality and the concept of time is contested, the objection above is not an undercutting defeater to the argument presented in this chapter.
Obwohl es noch andere Einwände gegen das in diesem Kapitel dargelegte Argument gibt, stellen sie keine Widerlegungen dar. Das bedeutet: Selbst wenn diese Einwände nicht beantwortet werden könnten, behielte das Argument trotzdem seine rationale Kraft. Dennoch gibt es einige Fragen, die dieses Argument herausfordern, darunter: Wenn der Schöpfer des Universums ewig ist, warum begann das Universum dann zu existieren, als es existierte, anstatt von Ewigkeit her zu bestehen? Wenn Gott maximal vollkommen und transzendent ist, was hat Ihn dann veranlasst, überhaupt zu erschaffen? Benötigt Gott die Schöpfung, um Eigenschaften der Vollkommenheit zu besitzen? Diese Fragen wurden in einem Aufsatz mit dem Titel „The Kalam Cosmological Argument and the Problem of Divine Creative Agency and Purpose“ intelligent behandelt.173.
Although there are other objections to the argument presented in this chapter, they do not qualify as defeaters. This means that even if these objections could not be responded to, the argument would still maintain its rational force. Nevertheless, there are some questions that challenge this argument, including: If the Creator of the universe is eternal, why did the universe begin to exist when it did, instead of existing from eternity? If God is maximally perfect and transcendent, what caused Him to create at all? Does God require creation in order to possess attributes of perfection? These questions have been intelligently addressed in a paper entitled The Kalam Cosmological Argument and the Problem of Divine Creative Agency and Purpose.173.
In diesem Kapitel haben wir gesehen, dass der Koran ein intuitives und überzeugendes Argument für die Existenz Gottes bietet. Da das Universum endlich ist, hatte es einen Anfang. Wenn es einen Anfang hatte, dann lässt es sich damit erklären, dass es aus dem Nichts stammt, sich selbst erschaffen hat, letztlich von etwas Geschaffenem erschaffen wurde oder von etwas Ungeschaffenem erschaffen wurde. Die vernünftige Antwort lautet, dass das Universum von einem ungeschaffenen Schöpfer ins Dasein gerufen wurde, der transzendent, wissend, mächtig ist und einen Willen besitzt. Dieser Schöpfer muss zudem einzigartig eins sein, doch davon wird in Kapitel 10 die Rede sein.
In this chapter, we have seen that the Qur’an provides an intuitive and powerful argument for God’s existence. Since the universe is finite, it had a beginning. If it began, then it can be explained as coming from nothing, creating itself, being ultimately created by something created or being created by something uncreated. The rational answer is that the universe was brought into being by an uncreated creator who is transcendent, knowing, powerful and has a will. This creator must also be uniquely one, but that will be discussed in Chapter 10.
Die Argumentation dieses Kapitels stützt sich auf die Tatsache, dass das Universum endlich sein muss. Das folgende Argument zeigt jedoch, dass selbst dann, wenn das Universum keinen Anfang hätte, dennoch die Existenz Gottes notwendig ist.
The argument of this chapter relies on the fact that the universe must be finite. However, the following argument shows that even if the universe did not have a beginning, it still necessitates God’s existence.