Vorwort: Meine Reise
Preface: My Journey
Was ist der Sinn, ein Buch über Gott, den Islam und den Atheismus zu schreiben? Philosophen, Denker und Akademiker unterschiedlicher religiöser Hintergründe haben bereits Bücher zu ähnlichen Themen verfasst, warum also das Rad neu erfinden? Um das zu erklären, lassen Sie mich ein wenig von dem Weg erzählen, den ich bisher in meinem Leben zurückgelegt habe.
What is the point of writing a book about God, Islam and atheism? Philosophers, thinkers and academics from various religious backgrounds have already written books on similar topics, so why reinvent the wheel? To explain this, let me elaborate a little on the journey that I have taken so far in my life.
Ich wurde in London als Kind griechischer Eltern geboren. Beide kamen in den Siebzigerjahren aus verschiedenen Gründen in das Vereinigte Königreich. Mein Vater wollte vor allem dem Leben in Athen entfliehen. Meine Mutter hatte kaum eine Wahl; sie war eine Flüchtling, vertrieben durch die türkische Invasion Zyperns im Jahr 1974. Meine Eltern haben viele Härten erlebt, doch mit Liebe, Geduld und Entschlossenheit sind sie heute zwei der glücklichsten, liebevollsten, mitfühlendsten und toleranten Menschen, die ich kenne. Ich bin unendlich dankbar, sie in meinem Leben zu haben. Trotz all ihrer Rückschläge beschäftigte meinen Vater am meisten die Lösung dessen, was man seine ganz eigene Form einer sogenannten existenziellen Krise nennt. Er war auf der Suche nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Sein Weg führte ihn dazu, eine Reihe von Büchern anzuschaffen. Zu Hause hatte ich Zugang zu einer breiten Auswahl an Literatur, von „The Power of Positive Thinking“ bis „The Science of the Mind“. Mein Vater war stets in seine Bücher vertieft und teilte seine Gedanken ständig mit uns. Ich bin das mittlere von seinen drei Kindern, und keiner von uns hatte damals einen reif genug entwickelten Verstand, um zu begreifen, was er sagte. In diesem Umfeld aufgewachsen, übernahm ich die existenzielle Qual meines Vaters und begann, Fragen nach den Grundlagen meiner eigenen Existenz zu stellen. Ich erinnere mich noch daran, wie ich mich etwa im Alter von elf Jahren in die Badewanne setzte und eine Weile dort saß und weinte. Ich fühlte mich so einsam. Mir kam der Gedanke, dass ich der Einzige war, der sich seiner Existenz bewusst war (siehe Kapitel 7). Nur ich wusste, wie es sich anfühlt, ich zu sein, ob ich nun allein in der Badewanne saß oder mit Freunden im Park spielte. Daraus entstand ein Zweifel an der Existenz des Bewusstseins anderer Menschen. Waren sie wirklich bewusst? Existierten sie in einem realen Sinne? Was fühlten sie? Welche bewussten Erfahrungen machten sie, wenn ich nicht dabei war, um sie zu beobachten? Später im Leben erfuhr ich, dass dies eine Form des Solipsismus ist, also der Auffassung, dass man nur sicher sein kann, dass der eigene Geist existiert. Dennoch war es eine zutiefst einsame Erfahrung, die, wie ich glaube, die emotionale Triebkraft war, Antworten auf sehr wichtige Fragen in meinem Leben zu finden. Diese Erfahrung hat in mir die Überzeugung verankert, dass der Begriff der Wahrheit sehr wichtig ist. Auf meiner Suche nach der Wahrheit pflegte ich mich mit meinen Freunden zu unterhalten und ihnen Fragen zu ihren Überzeugungen zu stellen. Ich hatte das Glück, Kontakte zu Menschen aus unzähligen Ethnien und Kulturen zu haben. Dies war einer der Segnungen, die mir zuteilwurden, als ich im Londoner Bezirk Hackney aufwuchs. Ich empfand, dass das Leben ohne die Kenntnis der Wahrheit unwirklich und trügerisch erschien. Viele Psychologen haben anerkannt, dass Menschen richtig liegen wollen und, wenn sie sich über Dinge unsicher sind, von sozialen Normen zu lernen suchen. Aus dieser Perspektive ist die Suche nach der Wahrheit sehr wichtig, denn sie bietet die Möglichkeit, zu formen, wer wir sind oder wer wir sein wollen.
I was born in London to Greek parents. Both of them came to the UK in the seventies for different reasons. My father mainly wanted to escape life in Athens. My mother did not have much of a choice; she was a refugee driven out by the Turkish invasion of Cyprus in 1974. My parents suffered many hardships, but with love, patience and determination they have become now two of the happiest, most loving, compassionate and tolerant people I know. I am eternally grateful to have them in my life. Despite all their setbacks, what concerned my father the most was solving his version of what people call an existential crisis. He was in search of answers to life’s key questions. His journey led him to acquire an array of books. At home, I had access to a wide range of literature, from The Power of Positive Thinking to The Science of the Mind. My father was always immersed in his books and constantly shared his ideas with us. I am the middle of his three children, and none of us at the time had mature enough minds to comprehensively grasp what he was saying. Being brought up in this background, I picked up my father’s existential anguish, and I began to ask questions about the basis of my own existence. I still remember how, at around the age of eleven, I would go into the bath and sit in the tub for a while, crying. I felt so lonely. What occurred to me was that I was the only one conscious of my existence (see Chapter 7). Only I knew what it was like to be me, whether I was alone in the bath or playing with friends in the park. This created a sense of doubt about the existence of other people’s conscious lives. Were they really conscious? Did they exist in a real sense? What were they feeling? What were their conscious experiences when I was not there to witness them? Later in life, I learnt that this was a form of solipsism, which is the view that you can only be certain that your mind exists. Nevertheless, it was a profoundly lonely experience, which I believe was the emotional driving force to find answers to very important questions in my life. This experience instilled within me that the concept of truth is very important. In my search for truth, I used to engage with my friends and ask them questions about their beliefs. I was so fortunate to have connections with people from myriad ethnicities and cultures. This was one of the blessings of being brought up in the London borough of Hackney. I felt that without knowing the truth, life seemed unreal and illusory. Many psychologists have acknowledged that human beings want to be right and seek to learn from social norms when they are unsure about things. From this perspective, the search for truth is very important as it offers the possibility of shaping who we are or the person we want to be.
Ich empfand es als gleichbedeutend damit, mir selbst etwas vorzumachen oder eine Lüge zu akzeptieren, wenn ich nicht nach der Wahrheit suchte. Die Suche nach der Wahrheit war daher ein Mittel, um mit meiner eigenen Existenz aufrichtig zu sein, da ich danach strebte, die Wahrheit dieses Lebens und meinen Platz darin zu erkennen. Für mich war es in sich widersprüchlich, an der skeptischen Sichtweise der Wahrheit festzuhalten, die besagt, dass es keine Wahrheit gibt. Denn die Vorstellung, es gebe keine Wahrheit, ist selbst eine Behauptung. Wie hätte ich dann behaupten können, der Skeptizismus sei wahr, alles andere aber nicht? Darin liegt die Inkonsistenz der skeptischen Sichtweise: Ein Skeptiker würde die Wahrheit des Skeptizismus behaupten, alle anderen Wahrheiten hingegen leugnen. Folglich musste ich, welche Position ich auch einnahm, immer doch eine Wahrheit anerkennen.
I felt that not searching for the truth was tantamount to lying to myself, or accepting a lie. Therefore, the search for truth was a means of trying to be sincere with my own existence, as I would be seeking to establish the truth of this life and my place within it. For me, holding on to the sceptical view of the truth, which argues that there is no truth, was self-defeating. This is because the concept that there is no truth is actually a claim itself, so how could I claim that scepticism is true but everything else is not? This is the inconsistency of the sceptical view; a sceptic would claim the truth of scepticism, but would deny all other truths. Consequently, no matter what position I held, I still had to accept a truth.
Als ich zum ersten Mal etwas über den Islam erfuhr, faszinierten mich zwei Aspekte. Der erste war die Gewissheit, die von meinen muslimischen Freunden ausging. Der zweite waren ihre sozialen und spirituellen Praktiken; beide führten schließlich dazu, dass ich den Islam annahm. Dies ist nicht der Ort, um ausführlich auf meine Konversion einzugehen. Es gab jedoch einen Zeitpunkt, an dem ich intellektuell von den rationalen Grundlagen des Islam überzeugt war, und dennoch reichte das für mich nicht aus, um die Religion anzunehmen. Also begann ich, zwei Praktiken zu übernehmen. Erstens fing ich an, einige Kapitel des Qur'an auf Arabisch zu lernen und mehrere der fünf täglichen Gebete zu verrichten, die Muslime als Teil ihrer spirituellen Praxis ausführen. Wenn ich mich niederwarf, was ein Teil des islamischen Gebets ist, sprach ich zu Gott und bat Ihn um Seine Führung. Dies tat ich nach einer spirituellen Einsicht, die ich von dem Freund meines Bruders, Amir Islahi, erhielt. Er studierte damals Medizin an der Universität, besuchte aber meinen College-Campus und gab uns Ratschläge. Da ich muslimische Freunde hatte, hörte ich ihm zu. Amir sagte einmal, in Anlehnung an die Worte des Propheten Muhammad ﷺ, dass man Gott während der Niederwerfung am nächsten sei, und man solle daher zu Ihm sprechen. Ich fand das tiefgründig, denn das Gesicht spiegelt wider, wer wir sind. Oft steht es für unser Ego und unsere Eitelkeit, doch Muslime demütigen sich und erkennen an, dass sie im Vergleich zu Gott nichts sind. In dieser Hingabe finden sie wahrhaftig zu sich selbst: als Diener des Einen, der sie erschaffen hat. In der Niederwerfung, der körperlichen Haltung der Demut und des Ablegens des Egos, sprechen Muslime zu Gott. So begann auch ich, mit Ihm zu sprechen, und bat um Führung. Dr. Amir Islahi ist heute mein Freund, doch ich glaube nicht, dass er weiß, welche Wirkung die wenigen Worte, die er mir vor über 15 Jahren mitteilte, auf mich hatten. Zweitens begann ich, mehr Gespräche mit einem Schulfreund, Moynul Ahmed, zu führen. Er kam zu mir nach Hause und sprach mit mir über den Islam, und ich stellte ihm Fragen. Doch schon früh im Prozess war ich intellektuell überzeugt, während mein Herz tot war. Nichts von dem, was ich über die Wahrheit des Islam wusste, war verinnerlicht. In diesem Ringen, das Wissen mit dem zu verbinden, was ich empfand, traf ich Moynul am 4. Oktober 2002 vor meinem Haus und setzte mich in sein Auto. Ehrlich gesagt erinnere ich mich nicht mehr genau daran, was er mir erzählte, wohl aber daran, wie ich mich fühlte. Er gab eine tiefgründige und poetische Beschreibung der Gewissheit des Todes. Die genauen Worte kann ich nicht mehr abrufen; es wäre, als wollte man eine schwarze Katze im Dunkeln fangen. Dennoch traf es mich tief und öffnete irgendwie eine Tür, die verschlossen zu sein schien, sodass meine Gewissheit über die Wahrheit des Islam nun mein Herz erreichte.
When I first learnt about Islam, two aspects fascinated me. The first was the certainty that emanated from my Muslim friends. The second was their social and spiritual practices; both eventually led me to accept Islam. This is not the space to go into detail about my conversion. However, there was a point when I became intellectually convinced in the rational foundations of Islam, yet it still was not enough for me to embrace the religion. So I started adopting two practices. First, I started to learn some chapters of the Qur’an in Arabic, and pray several of the five daily prayers that Muslims carry out as part of their spiritual practice. When I used to prostrate, which is a part of the Islamic prayer, I would talk to God, asking for His guidance. I did this after receiving a spiritual insight of my brother’s friend, Amir Islahi. He was studying medicine at university, but he would visit my college campus and give us advice. Since I had Muslim friends, I would listen to him; echoing the words of the Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم, Amir once said that you are closest to God during prostration, so speak to Him. I found this profound because the face reflects who we are. Many times it represents our ego and vanity, yet Muslims humble themselves and acknowledge that they are nothing compared to God. In that submission they truly find themselves; servants of the One that created them. In prostration, the physical station of humility and egolessness, Muslims speak to God. So I started talking to Him too, and begged for guidance. Dr. Amir Islahi is now my friend, but I do not think he knows the impact of those few words he conveyed to me over 15 years ago. Second, I began to have more conversations with a school friend of mine, Moynul Ahmed. He would come to my house and speak to me about Islam, and I would ask him questions. However, early on in the process I was intellectually convinced, but my heart was dead. Nothing I knew about the truth of Islam had been internalised. In this struggle to combine what I knew with what I felt, I met Moynul outside my house and sat in his car on 4 October 2002. To be honest, I do not really remember what he told me, but I remember how I felt. He expressed a profound and poetic description of the certainty of death. I cannot recall the exact words; to do so would be like catching a black cat in the dark. However, it hit me hard and somehow opened a door that seemed to have been locked, allowing my certainty in the truth of Islam to affect my heart.
Menschen denken nicht gern über den Tod nach. Er lässt in uns die Erkenntnis aufkommen, dass alle Bindungen, die wir in dieser Welt aufgebaut haben, enden werden. Vor allem aber macht er uns auf die harte Tatsache aufmerksam, dass wir nicht mehr auf diesem Planeten existieren werden. Wir müssen der Wirklichkeit eines unvermeidlichen persönlichen Weltuntergangs ins Auge sehen. Es gibt viele philosophische Theorien über den Tod. Manche Denker vertreten zum Beispiel die Ansicht, der Tod sei wie ein ewiger Schlaf. Andere haben erklärt, der Tod sei als Teil des Lebens zu betrachten, etwas, womit sich jeder Mensch abfinden muss, um gut zu leben; er gehöre zu dem, was mit der Annahme unserer Endlichkeit verbunden ist. Wieder andere Denker haben behauptet, der Tod sei ein Übergang von diesem Leben in ein Jenseits, das entweder das ewige Leben der Glückseligkeit durch die Barmherzigkeit Gottes umfasst oder die Qual, weil wir darauf beharren, die Barmherzigkeit und Führung Gottes zurückzuweisen.
Human beings do not enjoy thinking about death. It creates the realisation within us that all of the attachments we have built in this world will cease to be. Significantly, it awakens us to the brutal fact that we will no longer exist on this planet. We have to face the reality of an inevitable personal apocalypse. There have been many philosophical theories about death. For example, some thinkers hold the view that death is like a permanent sleep. Others have explained that death is to be considered part of life, something which every person must come to terms with in order to live well; part of what is involved in accepting our finitude. Some thinkers have claimed that death is a transition from this life to an afterlife, which includes the eternal life of bliss via Divine mercy, or pain because of our insistence on rejecting the mercy and guidance of God.
Ganz gleich, welche Ansichten wir über den Tod haben, wir können uns alle darin einig sein, dass er ein Thema ist, über das wir nicht genug nachdenken. Das mag makaber klingen, doch es bringt einen tiefgreifenden Nutzen, über den Tod nachzusinnen: Es führt zu der Erkenntnis, dass das Leben kurz ist. Das Nachdenken über unsere Endlichkeit hilft, unser Ego zu verringern, und unsere egoistischen Wünsche erscheinen uns nicht mehr so wichtig. Unsere vergänglichen Bindungen an die materielle Welt werden in die richtige Perspektive gerückt, und unser Leben wird hinterfragt – all dies bringt großen Nutzen. Wie der Theologe Al-Ghazali im 11. Jahrhundert sagte: „…in der Erinnerung an den Tod liegen Lohn und Verdienst.“2 Die Betrachtung des Todes regt zum Nachdenken an und eröffnet uns ein Fenster der Gelegenheit, über das Wesen unserer Existenz zu reflektieren.
Whatever our views on death are, we can all agree it is a subject that we do not think about enough. This may sound morbid, but there is a profound benefit in reflecting on death—it brings about the realisation that life is short. Pondering our finite nature helps diminish our egos and our selfish desires no longer seem that important. Our ephemeral attachments to the material world are put into perspective and our lives are questioned—all of which offer great benefit. As the 11th century theologian Al-Ghazali said, “…in the recollection of death there is reward and merit.”2 Contemplating death provokes thought and gives us a window of opportunity to reflect on the nature of our existence.
Über den Tod nachzudenken hat mir Antworten auf die Frage gegeben, wie ich mein Leben betrachten sollte. Es hat mich gelehrt, abzuwägen, wie viel Bedeutung ich materiellen Dingen beimessen sollte. Indem ich mein Leben durch die Linse des Todes betrachtete, gelangte ich in einen emotionalen und intellektuellen Raum, in dem ich meine Lage auf diesem Planeten einschätzen konnte. Woher komme ich? Was sollte ich hier tun? Wohin gehe ich? Der Tod war die treibende Kraft hinter diesen entscheidenden Fragen, denn in dem Moment, in dem ich erkannte, dass dieses Leben kurz ist und dass ich eines Tages meinen letzten Atemzug tun werde, hat das alles in die richtige Perspektive gerückt.
Reflecting on death, answered questions on how I should view life. It taught me to measure how much importance I should attach to material things. In viewing my life through the lens of death, I entered an emotional and intellectual space where I could assess my situation on this planet. How did I come to be? What should I be doing here? Where am I going? Death was the driving force behind these critical questions, because the moment I recognised that this life is short, that one day I will breathe my last, it put everything into perspective.
Um zu verstehen, was ich durchgemacht habe, möchte ich, dass du über den Tod nachdenkst. Stell dir vor, du bist eine Minute lang hier und im nächsten Augenblick bist du nicht mehr. Du hast wahrscheinlich schon Angehörige verloren, die verstorben sind; wie hast du dich gefühlt? Hast du Einsamkeit, Leere und eine fehlende Bindung zu den Dingen empfunden, die dir früher so wichtig waren? Wenn du jetzt in diesem Augenblick den Tod kosten würdest, so wie jeder Mensch ihn irgendwann kosten wird, was würde das für dich bedeuten? Was würdest du in deinem Leben anders machen, wenn du die Chance bekämst, zurückzukehren? Welche Gedanken und Ideen würdest du ernster nehmen? Wie würde deine Sichtweise aussehen, wenn du dein Leben noch einmal leben könntest, nachdem du die tragische Realität des Todes erfahren hast?
To understand what I went through, I want you to reflect on death; imagine you are here one minute and the next you are no more. You have probably experienced loved ones that have passed away; how did you feel? Did you feel loneliness, emptiness and lack of attachment to the things you used to take so seriously? Now, if you were to taste death this instant, as every human being eventually will, what would that mean to you? What would you do differently with your life if you were given the chance to go back? What thoughts and ideas would you take more seriously? What would your outlook be if you could relive your life having experienced the tragic reality of death?
Das Traurige am Tod ist, dass wir nicht zurückkehren können. Diese Erkenntnis lastete schwer auf meinem Gemüt. Ein tiefes Nachdenken über den Tod führte mich zu dem Schluss, dass das Leben kurz ist und dass ich es ohne Verzögerung zum Besseren wandeln wollte. Am darauffolgenden Morgen nahm ich ein Taxi zur London Central Mosque und nahm den Islam an. Das Datum war der 5. Oktober 2002.
The sad thing about death is that we cannot go back. This realisation weighed heavily on my mind. Deeply reflecting on death led me to the conclusion that life is short, and that I wanted to transform it for the better without delay. The very next morning I took a taxi to London Central Mosque and embraced Islam. The date was October 5, 2002.
Mein Bedürfnis, die Wahrheit zu erkennen, wandelte sich in den Wunsch, anderen von der Wahrheit zu erzählen. In meiner Naivität griff ich nach allem, von dem ich meinte, es unterstütze den Islam und seine rationalen Grundlagen. Ich studierte die Werke verschiedener christlicher Philosophen, weil es auf Englisch für Muslime kaum etwas dieser Art gab – die tiefgründigsten islamischen Schriften sind größtenteils auf Arabisch verfasst. Dadurch wurde mein Lernprozess zwangsläufig schwierig. Die Argumente christlicher Philosophen zu übernehmen, war nicht der beste Weg, den islamischen Theismus zu verinnerlichen. Obwohl beide Religionen vieles gemeinsam haben, gibt es große und subtile Unterschiede. Während meiner Jahre als Muslim habe ich vieles auf die harte Tour gelernt. Ich habe viele Fehler und Irrtümer begangen, und ein großer Teil dieses Buches besteht aus den Lektionen, die ich daraus gezogen habe. Viele meiner Fehler sind im Internet für jeden einsehbar. Dieser Prozess von Versuch und Irrtum hatte sowohl Vorteile als auch negative Folgen. Die negativen Folgen bestehen darin, dass alle meine Missgriffe, Fehltritte und Versäumnisse für jeden sichtbar sind. Wenn Sie dieses Buch lesen, können Sie jedoch aus meinen Fehlern lernen und müssen die Dinge nicht auf die harte Tour lernen. Versuch und Irrtum haben die Argumente, die ich übernommen habe, verfeinert, weiterentwickelt und gestärkt. Diese Reise hat mich außerdem erkennen lassen, dass Toleranz und Mitgefühl zu unseren höchsten Tugenden gehören. Diese Erfahrungen stellten auch meine Ansichten über meinen eigenen Glauben infrage und halfen mir, die Tür zu der Erkenntnis zu öffnen, dass der Islam eine mitfühlende Tradition hat. Durch die Lehren des Propheten Muhammad ﷺ habe ich verstanden, dass Mitgefühl alles verschönert.
My need to know the truth transformed into a desire to tell others about the truth. In my naivety, I would latch onto anything that I felt supported Islam and its rational foundations. I would study the works of various Christian philosophers because nothing of that sort was accessible to Muslims in the English language—most profound Islamic intellectual writings are in Arabic. This inevitably made my learning process hard. Adopting the arguments espoused by Christian philosophers was not the best way to imbibe Islamic theism. Although the two faiths have a lot in common, there are huge and subtle differences. Throughout my years as a Muslim, I have learnt things the hard way. I have made many mistakes and errors, and much of this book consists of the lessons that I have learnt. Many of my mistakes are available for all to see on the Internet. This process of trial and error has had its benefits as well as its negative consequences. The negatives are that all of my blunders, slip-ups and oversights are available for all to see. However, by reading this book, you can learn from my mistakes and you do not have to learn things the hard way. Trial and error have refined, developed and strengthened the arguments I have adopted. This journey has also made me appreciate that tolerance and compassion are among our highest virtues. These experiences also challenged my views on my own faith, and helped open the door to find out that Islam has a compassionate tradition. Through the Prophet Muhammad’s صلى الله عليه وسلم teachings, I understood compassion beautifies everything.
Ich habe meine Ideen und Argumente mit einigen der klügsten atheistischen Köpfe der Welt geprüft. Ich habe mit prominenten atheistischen Akademikern und Denkern aus einem breiten Spektrum intellektueller Hintergründe debattiert. Zu meinen Gesprächspartnern gehörten Professor Simon Blackburn, Dr. Brendan Larvor, Dr. Stephen Law, Professor Richard Norman, Dr. Nigel Warburton, Professor Peter Simons, Professor Lawrence Krauss, Professor Graham Thompson, Dr. Peter Cave und Dan Barker. Ich hatte sogar eine kurze Diskussion auf der Straße mit Professor Richard Dawkins, doch leider wurden wir unterbrochen, und Dawkins verließ rasch den Ort. Die Themen, die wir debattiert haben, reichten von „Können wir ohne Religion besser leben?“ und „Kann Bewusstsein am besten durch die Existenz Gottes erklärt werden?“ bis hin zu „Islam oder Atheismus: Was ergibt mehr Sinn?“. Diese Debatten haben zur Verbesserung meiner Argumente beigetragen. Es war ein großer Segen, und diejenigen, die mit meinem Werk vertraut sind, haben gesehen, dass ich mich weiterentwickelt habe: von der Wiedergabe der Argumente analytischer Philosophen hin zu Positionen, die im islamischen Denken verwurzelt sind. Das heißt jedoch nicht, dass ich „das Kind mit dem Bade ausgeschüttet“ habe. Wie Sie in diesem Buch sehen werden, habe ich alle soliden, universellen und belastbaren Argumente beibehalten, ihnen aber einen islamischen Charakter verliehen und sie verfeinert, um sicherzustellen, dass sie theologisch und rational kohärent sind.
I have tested my ideas and arguments with some of the brightest atheist minds in the world. I have debated prominent atheist academics and thinkers from a wide range of intellectual backgrounds. Some of my interlocutors have been Professor Simon Blackburn, Dr. Brendan Larvor, Dr. Stephen Law, Professor Richard Norman, Dr. Nigel Warburton, Professor Peter Simons, Professor Lawrence Krauss, Professor Graham Thompson, Dr. Peter Cave and Dan Barker. I have even had a brief street discussion with Professor Richard Dawkins, but unfortunately we were interrupted and Dawkins made a quick exit. The topics we have debated range from “Can we live better lives without religion?”, “Can consciousness be best explained by God’s existence?” to “Islam or Atheism: Which Makes More Sense?”3 These debates have facilitated improvements to my arguments. It has been a huge blessing, and those who are familiar with my work have seen that I have evolved from mirroring the arguments of analytical philosophers to developing positions rooted in the Islamic tradition. This does not mean I have ‘thrown away the baby with the bathwater’. As you will see in this book, I have kept all the sound, universal and robust arguments, while giving them an Islamic flavour, as well as refining them to ensure that they are theologically and rationally coherent.
Der Abschluss meines Masterstudiums der Philosophie an der University of London hat sich als sehr wertvoll erwiesen. Meine Fähigkeit, philosophische Standpunkte kritisch zu hinterfragen und zu untermauern, hat sich verbessert. Derzeit setze ich mein Promotionsstudium in diesem Fachgebiet fort, und es ist meine Absicht, das Gelernte dazu zu nutzen, einem breiten Publikum einen klugen und mitfühlenden Standpunkt zum traditionellen Islam darzulegen. Diese akademischen Erfahrungen haben die logische Abfolge und den Inhalt der in diesem Buch dargelegten Argumente geprägt und beeinflusst. Sie haben mich außerdem in meiner Überzeugung bestärkt, dass die islamische Theologie, das islamische Denken und die islamische Philosophie, die im Koran und in den Lehren des Propheten ﷺ gründen, intuitiv, kohärent und belastbar sind.
Completing my Master’s degree in philosophy at the University of London has proven to be very beneficial. My ability to critically challenge and support philosophical views has improved. I am currently continuing postgraduate studies in this field, and it is my intention to use what I have learnt to articulate an intelligent and compassionate case for traditional Islam to a wide range of audiences. These academic experiences have shaped and influenced the logical flow and content of the arguments presented in this book. They have also strengthened my view that Islamic theology, thought and philosophy—grounded in the Qur’an and the prophetic teachings—are intuitive, coherent and robust.
Kein anderes Buch in englischer Sprache legt einen intelligenten und differenzierten Fall für den islamischen Theismus dar und setzt sich zugleich mit der Unschlüssigkeit des Atheismus auseinander. Dies soll keine Lobpreisung dieses Buches sein; vielmehr zeigt es, wie groß der Mangel an Schriften zu diesem Thema ist. Während der Vorträge, die ich an Universitätscampus auf der ganzen Welt gehalten habe, bin ich mit Tausenden muslimischer und nichtmuslimischer Studierender und Akademiker in Austausch getreten. Diese Begegnungen haben, zusammen mit dem Aufkommen des Atheismus, deutlich gemacht, dass Menschen ein intellektuelles Verlangen nach der islamischen Sicht auf Gott, der Rolle der Offenbarung und der Persönlichkeit des Propheten Muhammad ﷺ haben. Dieses Buch will diesen Durst stillen und so englischsprachigen Lesern eine kohärente Reihe von Argumenten für die Existenz Gottes, Seine Einheit und dafür bieten, warum Er unserer Anbetung würdig ist, einschließlich eines überzeugenden Beweises für den Koran und das Prophetentum Muhammads ﷺ. Es setzt sich zudem mit einer breiten Palette akademischer und populärer Argumente und Einwände auseinander, die die Leugnung des Göttlichen befürworten, und geht auf diese ein.
No other book available in the English language articulates an intelligent and nuanced case for Islamic theism, while addressing the incoherence of atheism. This is not to praise this book; rather, it highlights the lack of writing on this topic. During the lectures that I have delivered at university campuses all around the world, I have interacted with thousands of Muslim and non-Muslim students and academics. These interactions, in addition to the rise of atheism, have made it quite clear that people have an intellectual thirst concerning the Islamic view of God, the role of revelation and the personality of the Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم. This book aims to quench that thirst, thereby providing an English reader with a coherent set of arguments for God’s existence, oneness and why He is worthy of our worship, including a compelling case for the Qur’an and the prophethood of Muhammad صلى الله عليه وسلم. It also responds to and addresses a wide range of academic and popular arguments and objections that favour the denial of the Divine.
Dieses Buch enthält eine Verbindung aus universellen und islamischen Argumenten für die Existenz Gottes, für den Koran und für das Prophetentum Muhammads ﷺ. Viele dieser Argumente wurden über die Jahre hinweg mit Akademikern und Denkern erprobt und getestet. Jedes Kapitel enthält einschlägige islamische Quellenverweise, die die islamische Grundlage jedes Arguments aufzeigen; dadurch ist gewährleistet, dass sie nicht nur philosophisch fundiert, sondern auch islamisch kohärent sind. Ungefähr fünfzig Prozent der Verweise in diesem Buch stammen aus der islamischen Überlieferung; dazu gehören Verweise aus dem Koran und aus den Überlieferungen des Propheten ﷺ.4
This book contains a combination of universal and Islamic arguments for God’s existence, the Qur’an and the prophethood of Muhammad صلى الله عليه وسلم. Many of these arguments have been tried and tested with academics and thinkers over the years. Each chapter has relevant Islamic references to show the Islamic basis for each argument, which ensures that they are not only philosophically sound but Islamically coherent. Approximately fifty percent of the references in this book come from the Islamic tradition; this includes references from the Qur’an, the Prophetic Traditions4
(bekannt als Hadith; Ahadith, Pl.) und die islamische Gelehrtentradition. Dieses Buch konzentriert sich nicht nur auf den islamischen Theismus und eine Antwort auf den Atheismus; es behandelt ein zentrales Argument für die göttliche Urheberschaft des Qur'an und erläutert, wie wir, wenn wir die Lebenserfahrungen, Lehren und Wirkung des Propheten Muhammad ﷺ betrachten, nur zu dem Schluss kommen können, dass er der letzte Gesandte Gottes war. Bedeutsam ist, dass es ausführlich darlegt, warum Gott unserer Anbetung würdig ist, was der Grund unserer Existenz ist.
(known as hadith; ahadith, pl) and the Islamic scholarly tradition. This book does not just focus on Islamic theism and a response to atheism; it addresses a key argument for the Divine authorship of the Qur’an and explains how, by looking at the life experiences, teachings and impact of the Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم, we can only conclude that he was the final messenger of God. Significantly, it elaborates in detail on why God is worthy of our worship, which is the reason for our existence.
Unabhängig davon, ob Sie sich selbst als Muslim, Atheist oder Skeptiker betrachten, lade ich Sie ein, dieses Buch mit offenem Herzen und offenem Geist zu lesen. Ich glaube wirklich, dass Sie, wenn Sie dieser Einladung folgen, unter anderem zu dem Schluss kommen werden, dass der Atheismus ein intellektuelles Trugbild ist und dass die islamische Vorstellung von Gott kohärent und wahr ist. Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie erkennen, dass die Bezeichnung „intellektuelles Trugbild“ treffend für den Atheismus ist. Eine Fata Morgana ist eine optische Täuschung, die wir aufgrund atmosphärischer Bedingungen erleben. Ebenso beruhen die Bedingungen, die die Leugnung des Göttlichen begünstigen, auf falschen Annahmen über die Welt, inkohärenten Argumenten, pseudointellektuellen Behauptungen, die emotionale Probleme verschleiern, und gelegentlich auf Egozentrik. Der Atheismus gründet nicht auf einer Verpflichtung zur Vernunft; in vielerlei Hinsicht ist er vielmehr ihr Gegenspieler (siehe Kapitel 3).
Irrespective of whether you consider yourself a Muslim, atheist or sceptic, I invite you to read this book with an open heart and mind. I truly believe that if you respond to this invitation, one of the conclusions you will reach is that atheism is an intellectual mirage and that the Islamic conception of God is coherent and true. Once you read this book you will see that the phrase ‘intellectual mirage’ is an apt description for atheism. A mirage is an optical illusion that we experience due to atmospheric conditions. Likewise, the conditions that facilitate the denial of the Divine are based on false assumptions about the world, incoherent arguments, pseudointellectual postulations that veil emotional issues and on occasion, egocentricity. Atheism is not based on a commitment to reason; in many ways, it is its adversary (see Chapter 3).