Nicht hassen, sondern debattieren – Dialog mit dem Islam
Don’t Hate, Debate – Dialogue With Islam
Um es umgangssprachlich auszudrücken: Das Internet ist phat. Hier steckt ein Wortspiel dahinter, denn im Slang bedeutet „phat“ so viel wie „excellent“ (großartig), und lautlich kann es zugleich „big or large“ (groß, umfangreich) heißen. Beides trifft auf das Internet zu. Es kann eine hervorragende Informationsquelle sein, zugleich aber so riesig, dass sich darin nicht mehr alle authentischen und gültigen Informationen zu einem bestimmten Thema auffinden lassen. Neben seinem positiven Wert ist es auch ein weiter Abgrund voller Lügen, Fehlinformationen und Verzerrungen. Das Internet kann zudem ziemlich unnachgiebig sein. Ich selbst habe die dunkle Seite des Internets schon oft erlebt. Alle meine Fehler, Missverständnisse und Irrtümer sind dort für jedermann zum Spott abrufbar. Was mich aber zufriedenstellt, ist, dass es auch eine Quelle bietet, aus der Menschen lernen können. Ich bin ein überzeugter Verfechter des Darlegens gegensätzlicher Standpunkte, denn in diesem Zusammenhang setzt sich die Wahrheit immer durch. Dieses Buch ist tatsächlich ein Produkt des Lernens aus meinen Misserfolgen und Irrtümern. Heißt das nun, dass dieses Buch perfekt ist? Offensichtlich nicht. Es führt mich jedoch zu einem sehr wichtigen Punkt. Welcher Art von Leser Sie sich auch zurechnen (Atheist, Skeptiker, Agnostiker, Muslim, Säkularist, Humanist usw.), Sie werden zweifellos weitere Fragen haben oder weitergehende Erläuterungen wünschen. Deshalb habe ich ein Online-Portal entwickelt, das unser Gespräch weiterführen wird. Alle Fragen, Kommentare, Bedenken oder konstruktiven Rückmeldungen, die Sie haben, werden unter www.hamzatzortzis.com/thedivinereality entgegengenommen und geprüft. Das ist für diese Art von Publikation recht ungewöhnlich, denn das Buch soll kein Monolog, sondern ein Dialog sein. Die Diskussion folgt ethischen Regeln, zu denen gehört, dass keine Kraftausdrücke (es sei denn, man zitiert jemanden, um einen berechtigten Punkt zu belegen), keine persönlichen Angriffe und keine herabwürdigende Sprache verwendet werden. Abgesehen davon ist alles erlaubt. Kein einzelnes Buch deckt alles zu diesem Thema ab, und manche Fragen wurden vor allem aus Gründen des Umfangs und der Priorisierung ausgelassen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die islamische Tradition keine Antworten bereithält. Ich würde Interessierten raten, offen zu bleiben und sich aufrichtig auf einen Dialog einzulassen. Sehen Sie, in unserem Leben gibt es zwei Sphären: die eine ist unser Drama, die andere ist unsere Wirklichkeit. Wir meinen, unser Drama und unsere Wirklichkeit seien dasselbe. Das stimmt schlicht nicht. Unser Drama besteht aus unseren negativen Erfahrungen der Vergangenheit, begrenzten Verstandesfähigkeiten, Vorstellungen und Sichtweisen. Die Wirklichkeit ist einfach das, was ist, ohne verzerrte Perspektive. Doch wir verzerren die Wirklichkeit immer, weil wir unser Drama über sie legen. Deshalb fällt es uns schwer, mit anderen Menschen in Verbindung zu treten, und genau deshalb scheint unser Leben ein einziger großer Kreis zu sein, in dem wir dieselben Fehler auf unterschiedliche Weise wiederholen. Wir alle haben das schon einmal getan. Wir haben in der Vergangenheit einige negative Erfahrungen gemacht, die unsere Fähigkeit zerstören, in der Gegenwart tief mit Menschen in Verbindung zu treten, und so eine Zukunft mit den Bausteinen der Vergangenheit errichten. Es ist kein Wunder, dass wir dieselben Fehler wiederholen. Wir müssen erkennen, dass die Vergangenheit nicht gleich der Zukunft ist. Daher bitte ich Sie, welche Erfahrungen Sie auch immer mit Religion, dem Islam und Argumenten für Gott und Offenbarung gemacht haben mögen, sich nicht von ihnen das Urteilsvermögen trüben zu lassen, wenn Sie über das nachdenken, was Sie in diesem Buch gelesen haben.
To use a colloquialism, the Internet is phat. There’s a play on words here, because according to slang, ‘phat’ means ‘excellent’, and phonetically it can mean ‘big or large’. They both apply to the Internet. It can be an excellent source of information, but it can also be too big to access all the authentic and valid information about a particular topic. Besides its positive value, it is also a large abyss of lies, misinformation and misrepresentations. The Internet can also be quite unforgiving. I personally have experienced the dark side of the Internet many times. All of my mistakes, misunderstandings and errors are there for everyone to laugh at, but what makes me content is that it also provides a source for people to learn. I’m a true believer in espousing contrasting views, because in this context the truth always prevails. This book is actually a product of learning from my failures and errors. Now, does that mean this book is perfect? Obviously not. However, it does lead me to a very important point. Whatever kind of reader you describe yourself to be (atheist, sceptic, agnostic, Muslim, secular, humanist, etc.) you will undoubtedly have more questions or would like further clarifications. This is why I have developed an online portal that will continue our conversation further. Any questions, comments, concerns or constructive feedback you have will be assessed at www.hamzatzortzis.com/thedivinereality. This is quite unique for this type of publication because the book is not meant to be a monologue, but a dialogue. The discussion does have ethical rules, which include no expletives (unless you’re quoting someone to make a valid point), personal attacks or degrading speech. Aside from that, anything goes. No one book covers everything on this topic, and some issues have been left out, mostly due to scope and priority. However, this does not mean that the Islamic tradition lacks answers. I would advise interested parties to keep an open mind and to sincerely engage in a dialogue. You see, we have two spheres in our life: one is our drama, and the other is our reality. We think our drama and reality are the same. This is simply not true. Our drama consists of our negative past experiences, limited intellects, ideas and perspectives. Reality is just what is, without any skewed perspective. However, we always skew reality because we superimpose our drama on it. This is why we find it hard to connect with other human beings, and this is precisely why our lives seem to be one giant circle, repeating the same mistakes in different ways. We all have done this before. We have had a couple of negative experiences in the past which destroy our ability to connect deeply with people in the present, thereby creating a future with the building blocks of the past; it is no wonder we repeat the same mistakes. We have to realise that the past does not equal the future. So whatever your experiences with religion, Islam and arguments for God and revelation, I ask you to not allow them to cloud your judgement when reflecting on what you have read in this book.
Ich möchte diesen Abschnitt damit abschließen, einige Ratschläge aus dem Qur'an und der Prophetischen Überlieferung zum Gespräch, zur Auseinandersetzung und zum Umgang mit anderen weiterzugeben. Gott befiehlt Seinem edlen Propheten Moses, beim Überbringen der Botschaft des Islam mild zu Pharao zu sprechen: „Und sprecht zu ihm mit milden Worten; vielleicht lässt er sich mahnen.“606
I would like to end this section by sharing some Qur’anic and prophetic advice on discussing, debating and dealing with others. God commands His noble Prophet Moses to speak mildly to Pharaoh while conveying the message of Islam to him: “And speak to him mildly; perhaps he might accept admonition.”606
Der Exeget Al-Qurtubi erklärt, dass dieser Vers impliziert: Wenn Musa befohlen wurde, mit Pharao, der ein Unterdrücker war, sanft und milde zu sprechen, dann ist es umso angemessener, dass andere diesem Befehl folgen, wenn sie mit anderen sprechen und wenn sie das Gute gebieten und das Böse verbieten: „Wenn Musa befohlen wurde, mit Pharao milde zu sprechen, dann ist es umso angemessener, dass andere diesem Befehl folgen, wenn sie mit anderen sprechen und wenn sie das Gute gebieten und das Böse verbieten.“607
The exegete Al-Qurtubi explains that this verse implies that if Moses were commanded to speak softly and mildly to Pharaoh, who was an oppressor, then imagine how we must speak to others: “If Musa was commanded to speak mildly to Pharaoh then it is even more appropriate for others to follow this command when speaking to others and when commanding the good and forbidding the evil.”607
Gott befiehlt dem Propheten Muhammad ﷺ, mit den Menschen in der bestmöglichen Weise über gute Worte zu sprechen: „Lade zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Predigt ein, und streite mit ihnen auf eine Weise, die besser ist.“608
God commands the Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم to discuss using good words in the best possible manner: “Invite to the way of your Lord with wisdom and beautiful preaching, and argue with them in a way that is better.”608
Der Grammatiker Al-Zamakhshari kommentiert den obigen Vers, indem er behauptet, dies bedeute, dass wir mit anderen ohne jegliche Schroffheit umgehen müssen: „Mit ihnen auf die bessere Weise zu streiten bedeutet, die beste Methode der Argumentation zu verwenden, nämlich die Methode der Freundlichkeit und Sanftheit ohne Grobheit und Härte.“609
The grammarian Al-Zamakhshari comments on the above verse by asserting that this means we must engage with others without any harshness: “Arguing with them in a way that is better means using the best method of argumentation which is the method of kindness and gentleness without gruffness and harshness.”609
Die Verwendung guter Worte im Gespräch gehört zu den größten Tugenden in der islamischen Tradition. Der Koran bietet ein schönes Beispiel, in dem ein gutes Wort mit einem Baum verglichen wird, der beständige Früchte trägt und feste Wurzeln hat: „Hast du nicht gesehen, wie Gott ein Gleichnis prägt: ein gutes Wort wie ein guter Baum, dessen Wurzel fest ist und dessen Zweige hoch im Himmel stehen? Er bringt seine Frucht zu jeder Zeit hervor, mit der Erlaubnis seines Herrn. Und Gott prägt den Menschen Gleichnisse, damit sie vielleicht bedenken. Und das Gleichnis eines schlechten Wortes ist wie ein schlechter Baum, der von der Oberfläche der Erde ausgerissen ist und keinen Halt hat. Gott festigt diejenigen, die glauben, mit dem festen Wort, im diesseitigen Leben und im Jenseits. Und Gott lässt die Frevler irregehen. Und Gott tut, was Er will.“610
Using good words in the context of discussion is one of the greatest virtues in the Islamic tradition. The Qur’an presents a beautiful example of comparing a good word with a tree with perpetual fruit and firm roots: “Have you not considered how God presents an example, [making] a good word like a good tree, whose root is firmly fixed and its branches [high] in the sky? It produces its fruit all the time, by permission of its Lord. And God presents examples for the people that perhaps they will be reminded. And the example of a bad word is like a bad tree, uprooted from the surface of the Earth, not having any stability. God keeps firm those who believe, with the firm word, in the worldly life and in the Hereafter. And God sends astray the wrongdoers. And God does what He wills.”610
Es ist mein persönlicher Wunsch, dass wir alle, indem wir einige dieser zeitlosen Werte und Lehren verinnerlichen, das Böse mit dem Guten abwehren und erkennen, dass es keinen Grund zum Hass gibt, und so enge Freundschaften ermöglichen, auch wenn wir uneinig sind.
It is my personal wish that by internalising some of these timeless values and teachings, we can all repel evil with good, and realise there is no need to hate, thereby facilitating close friendships even if we disagree.
„Und nicht gleich sind die gute Tat und die schlechte. Wehre das Böse mit dem ab, was besser ist; dann wird derjenige, zwischen dir und dem Feindschaft besteht, wie ein inniger Freund sein.“611
“And not equal are the good deed and the bad. Repel evil by that deed which is better; and thereupon the one whom between you and him is enmity will become as though he were a devoted friend.”611
Die schöne Lehre dieses Verses liegt darin, dass im arabischen Original auf das Wort „abwehren“ kein direktes Objekt folgt. Dies bedeutet, dass wir alles durch das abwehren müssen, was besser ist. Die Gelehrten haben gesagt, dass dies heißt, dass wir auf alles mit dem antworten müssen, was tugendhafter und schöner ist.
The beautiful teaching of this verse is that in the original Arabic the word ‘repel’ is not followed by a direct object. This implies that we must repel anything by that which is better. The scholars have said that this means that we must respond to anything by that which is more virtuous and more beautiful.
Lasst uns Menschen der Tugend und Menschen der Schönheit werden.
Let us become people of virtue and people of beauty.