Selbstverständlich – Warum Atheismus unnatürlich ist
Self-evident – Why Atheism Is Unnatural
Stell dir vor, eines Abends erhältst du einen Anruf von David, einem alten Schulfreund, neben dem du im Naturwissenschaftsunterricht gesessen hast. Ihr habt seit Jahren nicht mehr miteinander gesprochen, aber du erinnerst dich an die seltsamen Fragen, die er damals stellte. Obwohl du ihn angenehm fandest, warst du kein Fan seiner Ideen. Widerwillig nimmst du den Anruf entgegen. Nach einem kurzen Austausch von Begrüßungen lädt er dich zum Mittagessen ein. Du nimmst die Einladung halbherzig an. Beim Essen fragt er: „Darf ich dir etwas sagen?“ Du antwortest zustimmend, und er beginnt, dir etwas auszudrücken, das du noch nie gehört hast: „Weißt du, die Vergangenheit – also das, was du gestern getan hast, letztes Jahr, und bis zurück zu deiner Geburt – hat eigentlich nie stattgefunden. Sie ist nur eine Illusion in deinem Kopf. Deshalb meine Frage an dich: Glaubst du, dass die Vergangenheit existiert?“ Als vernünftiger Mensch stimmst du seiner Behauptung nicht zu und antwortest: „Welche Beweise hast du dafür, dass die Vergangenheit nicht existiert?“ Nun spule das Gespräch zurück und stell dir vor, du hast die ganze Mahlzeit damit verbracht, zu beweisen, dass die Vergangenheit etwas ist, das wirklich geschehen ist. Welches Szenario bevorzugst du?
Imagine one evening you receive a call from David, one of your old school friends you used to sit next to during science lessons. You haven’t spoken to him for years, but you remember the weird questions he used to ask you. Although you found him pleasant, you were not a fan of his ideas. Reluctantly you answer the phone. After a brief exchange of greetings, he invites you to have lunch with him. You half-heartedly accept his invitation. During lunch he asks, “Can I tell you something?” You reply positively, and he begins to express to you something that you haven’t heard before: “You know, the past— like what you did yesterday, last year, and all the way back to your birth—didn’t really happen. It’s just an illusion in your head. So, my question to you is do you believe the past exists?” As a rational person you do not agree with his assertion and you reply, “What evidence do you have to prove that the past does not exist?” Now rewind the conversation, and imagine you spent the whole meal trying to prove that the past is something that really happened. Which scenario do you prefer?
Der Grund, weshalb Sie das erste Szenario bevorzugen, besteht darin, dass Sie – wie alle anderen vernünftigen Menschen – die Wirklichkeit der Vergangenheit als eine selbstevidente Wahrheit betrachten. Wie bei allen selbstevidenten Wahrheiten liegt die Beweislast bei demjenigen, der sie infrage stellt, wenn jemand sie bestreitet. Wenden wir dies nun auf einen Dialog zwischen Theisten und Atheisten an.
The reason you prefer the first scenario is because you—like the rest of the reasonable people out there—regard the reality of the past as a self-evident truth. As with all self-evident truths, if someone challenges them, the burden of proof is on the one who has questioned them. Now let’s apply this to a theist-atheist dialogue.
Ein Theist lädt seinen atheistischen Freund zum Abendessen ein, und während der Mahlzeit behauptet der Atheist: „Weißt du, Gott existiert nicht. Es gibt keinen Beweis für seine Existenz.“ Der Theist antwortet mit einer Flut verschiedener Argumente für die Existenz Gottes. Hat der Theist jedoch die richtige Strategie gewählt? Bevor wir eine positive Argumentation für die Existenz Gottes vorlegen, sollten wir nicht zunächst untersuchen, warum die Infragestellung der Existenz Gottes als die vorausgesetzte Standardfrage gilt? Die Frage dürfte nicht lauten: Existiert Gott? Vielmehr sollte sie lauten: Welche Gründe haben wir, Seine Existenz zurückzuweisen? Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich glaube, dass wir viele gute Argumente haben, die den Glauben an Gott stützen, und diese werden in diesem Buch behandelt. Der Punkt, den ich hier anspreche, ist: Wenn es keine Argumente gegen die Existenz Gottes gibt, dann ist die rationale Ausgangsposition der Glaube an das Göttliche. Andernfalls käme es einem Infragestellen der Wirklichkeit der Vergangenheit gleich, ohne dafür einen guten Grund zu haben. Aus dieser Perspektive ist der Atheismus unnatürlich.
A theist invites his atheist friend for dinner, and during the meal the atheist asserts, “You know, God does not exist. There’s no evidence for his existence.” The theist replies with a barrage of different arguments for God’s existence. However, has the theist adopted the right strategy? Before we present a positive case for God’s existence, shouldn’t we be probing why questioning God’s existence is the assumed default question? It shouldn’t be: Does God exist? Rather, it should be: What reasons do we have to reject His existence? Now, do not get me wrong. I believe we have many good arguments that support a belief in God, and these are discussed in this book. The point I am raising here is that if there are no arguments against God’s existence, then the rational default position is the belief in the Divine. Otherwise, it would be tantamount to questioning the reality of the past without any good reason to do so. From this perspective atheism is unnatural.
Selbstverständliche Wahrheiten.
Self-evident truths.
Wir halten viele Überzeugungen für offensichtlich wahr. Das bedeutet, dass die Überzeugung als natürlich oder standardmäßig wahr beschrieben werden kann. Zu ihnen gehören:
We consider many beliefs to be self-evidently true. This means the belief can be described as natural or true by default. Some of them include:
• Die Gleichförmigkeit der Natur.
• The uniformity of nature.
• Das Gesetz der Kausalität.
• The law of causality.
• Die Wirklichkeit der Vergangenheit.
• The reality of the past.
Die Gültigkeit unserer Argumentation.
• The validity of our reasoning.
• Die Existenz anderer Geister.
• The existence of other minds.
• Die Existenz einer äußeren Welt.
• The existence of an external world.
Wenn jemand diese Wahrheiten infrage stellt, akzeptieren wir seine Schlussfolgerungen nicht blindlings, und wir antworten gewöhnlich: „Welchen Beweis hast du, sie abzulehnen?“
When someone questions these truths, we do not blindly accept their conclusions, and we usually reply, “What evidence do you have to reject them?”.
Diese Wahrheiten sind selbstevident, da sie dadurch gekennzeichnet sind, dass sie:
These truths are self-evident because they are characterised by being:
• Universell: Sie sind kein Produkt einer bestimmten Kultur, sondern kulturübergreifend. Dies bedeutet nicht, dass alle an die Wahrheit glauben oder dass es irgendeine Art von Konsens gibt. Die selbstevidente Wahrheit entsteht nicht aus bestimmten gesellschaftlichen Bedingungen.
• Universal: Not a product of a specific culture, they are cross-cultural. This doesn’t imply that everyone believes in the truth, or that there is some kind of consensus. The self-evident truth is not born out of specific social conditions.
• Unerlernt: Nicht auf Informationsübertragung beruhend. Sie werden nicht durch Informationen erlangt, die außerhalb der eigenen Introspektion und der Sinne liegen. Mit anderen Worten: Sie werden nicht durch den Erwerb von Wissen erlangt.
• Untaught: Not based on information transfer. They are not acquired via information external to your introspection and senses. In other words, they are not learnt via acquiring knowledge.
• Natürlich: Entsteht durch das natürliche Funktionieren der menschlichen Psyche.
• Natural: Formed due to the natural functioning of the human psyche.
• Intuitiv: Die einfachste und umfassendste Deutung der Welt.
• Intuitive: The simplest and most comprehensive interpretation of the world.
Wenden wir die oben genannten Merkmale auf den Glauben an, dass die Vergangenheit real ist.
Let’s apply the above features to the belief that the past is real.
Die Wirklichkeit der Vergangenheit ist eine selbstevidente Wahrheit, weil sie universell, ungelehrt, natürlich und intuitiv ist. Sie ist eine universelle Wahrheit, weil die meisten – wenn nicht alle – Kulturen an die Vergangenheit glauben, und zwar aus der Sicht, dass die Vergangenheit einst die Gegenwart war. Dies zeigt deutlich, dass dieser Glaube nicht das Ergebnis spezifischer sozialer Umstände ist. Der Glaube an die Vergangenheit ist auch ungelehrt, denn wenn jemand zum ersten Mal erkennt, dass die Vergangenheit ein tatsächlicher Zustand der Dinge war, beruht dies nicht darauf, dass ihm jemand es sagt oder er irgendeine Art des Lernens durchläuft. Niemand wächst mit der Aussage seiner Eltern auf, dass die Vergangenheit real war. Dieser Glaube wird durch die eigene Erfahrung erworben. Die Wirklichkeit der Vergangenheit ist zudem natürlich. Menschen mit normalen rationalen Fähigkeiten stimmen darin überein, dass die Vergangenheit aus Dingen besteht, die geschehen sind.
The reality of the past is a self-evident truth because it is universal, untaught, natural and intuitive. It is a universal truth because most—if not all—cultures have a belief in the past, from a point of view that the past was once the present. This clearly shows that the belief is not a result of specific social circumstances. The belief in the past is also untaught, because when someone first realises that the past was an actual state of affairs, it is not based on someone telling them or any type of learning. No one grows up being told by his or her parents that the past was real. This belief is acquired via their own experience. The reality of the past is also natural. People with normal rational faculties agree that the past consists of things that happened.
Schließlich ist der Glaube, dass die Vergangenheit tatsächlich stattgefunden hat, die einfachste und umfassendste Deutung unserer Erfahrungen, und er beruht auf einem angeborenen Verständnis der Welt. Die Behauptung, die Vergangenheit sei eine Illusion, wirft mehr Probleme auf, als sie löst. Sie erklärt weder umfassend unsere Erinnerungen, unser Erleben zeitlicher Tiefe noch die aufgezeichnete Geschichte.
Finally, the belief that the past once happened is the simplest and most comprehensive interpretation of our experiences, and it is based on an innate understanding of the world. To claim that the past is an illusion raises more problems than it solves. It doesn’t comprehensively explain our memories, our experience of temporal depth and recorded history.
Gott: eine offensichtliche Wahrheit.
God: a self-evident truth.
Ebenso wie die Überzeugung, dass die Vergangenheit einst die Gegenwart war, ist auch die Existenz Gottes eine selbstverständliche Wahrheit. Mit „Gott“ ist in diesem Kapitel der Grundbegriff eines Schöpfers gemeint, einer nichtmenschlichen personalen Ursache oder eines Urhebers. Gemeint ist nicht eine bestimmte religiöse Vorstellung einer Gottheit oder eines Gottes. Die folgende Erörterung erklärt, warum der Glaube an diese Grundidee Gottes universell, unbelehrt, natürlich und intuitiv ist. Bitte beachten Sie, dass dieses Kapitel nicht beabsichtigt, die Existenz Gottes zu beweisen. Vielmehr soll es aufzeigen, dass die Grundposition des Glaubens an einen Schöpfer oder eine letzte Ursache kohärenter ist als die Position des Atheisten.
Just like the belief that the past was once the present, the existence of God is also a self-evident truth. What is meant by ‘God’ in this chapter is the basic concept of a creator, a nonhuman personal cause or designer. It does not refer to a particular religious conception of a deity or God. The following discussion explains why the belief in this basic idea of God is universal, untaught, natural and intuitive. Please note, this chapter does not aim to prove God’s existence. Rather, it aims to highlight that the default position of a belief in a creator or an ultimate cause is more coherent than the atheist’s position.
Universal.
Universal.
Die grundlegende Idee eines Schöpfers oder einer übernatürlichen Ursache des Universums ist kulturübergreifend. Sie ist nicht an eine Kultur gebunden, sondern transzendiert sie, ebenso wie der Glaube an Kausalität und an die Existenz anderer Geister. Zum Beispiel existiert die Vorstellung, dass andere Menschen einen Geist haben, in allen Kulturen, eine Überzeugung, die die meisten vernünftigen Menschen teilen. Die Existenz Gottes oder einer übernatürlichen Ursache ist eine universell verbreitete Überzeugung und nicht das Produkt einer bestimmten Kultur. Verschiedene Vorstellungen von Gott werden in unterschiedlichen Kulturen vertreten, doch das hebt die grundlegende Idee eines Schöpfers oder einer nichtmenschlichen personalen Ursache nicht auf.
The basic underlying idea of a creator, or a supernatural cause for the universe, is cross-cultural. It is not contingent on culture, but transcends it, like the belief in causality and the existence of other minds. For example, the idea of other people having minds exists in all cultures, a belief held by most rational people. The existence of God or a supernatural cause is a universally held belief and not the product of one specific culture. Different conceptions of God are held in various cultures, but this does not negate the basic idea of a creator or nonhuman personal cause.
Trotz der Anzahl an Atheisten auf der Welt ist der Glaube an Gott universell. Ein universeller Glaube bedeutet nicht, dass jeder einzelne Mensch auf dem Planeten daran glauben muss. Ein kulturübergreifender Konsens ist ausreichend Beleg, um die Behauptung zu stützen, dass Menschen universell an die Existenz Gottes glauben und dass dies folglich nicht auf bestimmte soziale Bedingungen zurückzuführen ist. Offensichtlich gibt es weit mehr Theisten als Atheisten auf der Welt, und dies war seit Beginn der aufgezeichneten Geschichte der Fall.
In spite of the number of atheists in the world, the belief in God is universal. A universal belief does not mean every single person on the planet must believe in it. A cross-cultural consensus is enough evidence to substantiate the claim that people universally believe in God’s existence, and therefore, it is not due to specific social conditions. Evidently, there are many more theists than atheists in the world, and this has been the case from the beginning of recorded history.
Ungelehrt.
Untaught.
Selbstverständliche Wahrheiten müssen weder gelehrt noch gelernt werden. Um zum Beispiel zu wissen, was Spaghetti sind, benötige ich Informationen über die westliche Küche und die italienische Kultur. Allein durch Nachdenken darüber kann ich nicht wissen, was Spaghetti sind. Dagegen benötigst du keinerlei Informationen, weder aus Kultur noch aus Bildung, um zu wissen, dass es einen Schöpfer der Dinge gibt. Dies mag der Grund sein, weshalb Soziologen und Anthropologen argumentieren, dass selbst atheistische Kinder, die auf einer einsamen Wüsteninsel gestrandet wären, zu dem Glauben gelangen würden, dass etwas die Insel erschaffen hat.91 Unser Verständnis von Gott unterscheidet sich, doch der zugrunde liegende Glaube an eine Ursache oder einen Schöpfer beruht auf unseren eigenen Überlegungen.
Self-evident truths do not need to be taught or learnt. For example, for me to know what spaghetti is, I require information of western cuisine and Italian culture. I cannot know what spaghetti is merely by reflecting on it. By contrast, you do not require any information, whether from culture or education, to know a creator for things exists. This may be the reason why sociologists and anthropologists argue that even if atheist children were stranded on a desert island, they would come to believe that something created the island.91 Our understanding of God differs, but the underlying belief in a cause or creator is based on our own reflections.
Einige Atheisten rufen aus: „Der Glaube an Gott unterscheidet sich nicht vom Glauben an das Spaghetti-Monster.“ Dieser Einwand ist offensichtlich falsch. Selbstevidente Wahrheiten bedürfen keiner äußeren Information. Die Vorstellung, dass Monster existieren, oder auch nur, dass Spaghetti existieren, setzt eine Informationsübertragung voraus. Niemand erlangt Wissen über Monster oder Spaghetti durch seine eigene Intuition oder Introspektion. Daher ist das Spaghetti-Monster keine selbstevidente Wahrheit, und somit kann der Vergleich mit Gott nicht gezogen werden. Abgesehen vom Kontext dieses Kapitels scheitert dieser Einwand auch aus einem anderen Grund, denn es gibt viele gute Argumente für die Existenz Gottes und keine guten Argumente für die Existenz eines Spaghetti-Monsters.
Some atheists exclaim, “Believing in God is no different than believing in the spaghetti monster”. This objection is obviously false. Self-evident truths do not require external information. The idea that monsters exist, or even that spaghetti exists, requires information transfer. No one acquires knowledge of monsters or spaghetti by their own intuitions or introspection. Therefore, the spaghetti monster is not a self-evident truth; thus, the comparison with God cannot be made. Diverting our attention from the context of this chapter, this objection also fails, as there are many good arguments for God’s existence and no good arguments for the existence of a spaghetti monster.
Natürlich.
Natural.
Der Glaube an eine Art übernatürlichen Urheber oder eine übernatürliche Ursache beruht auf der natürlichen Funktionsweise der menschlichen Psyche. Menschen finden es von Natur aus absurd, dass es ein Gemälde ohne Maler oder ein Gebäude ohne Baumeister gibt. Für das gesamte Universum gilt dasselbe. Die Vorstellung von der selbstevidenten Existenz Gottes ist in der islamischen intellektuellen Tradition ein Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion gewesen. Der klassische Gelehrte Ibn Taimiyya erklärte, dass „die Bejahung eines Schöpfers tief in den Herzen aller Menschen verwurzelt ist … sie gehört zu den zwingenden Notwendigkeiten ihrer Erschaffung …“ 92 Der Gelehrte Al-Raghib al-Asfahani aus dem 12. Jahrhundert behauptet ähnlich, dass die Erkenntnis Gottes „fest in der Seele verwurzelt ist“. 93 Neben der islamischen Position stützt auch eine Fülle von Forschungsergebnissen aus verschiedenen Disziplinen die Schlussfolgerung, dass wir die Welt als geschaffen und gestaltet betrachten sollen.
Belief in some type of supernatural designer or cause is based on the natural functioning of the human psyche. People naturally find the idea of a painting without a painter or a building without a builder absurd. This is no different for the entire cosmos. The concept of God’s self-evident existence has been a topic of scholarly discussion in the Islamic intellectual tradition. The classical scholar Ibn Taymiyya explained that “affirmation of a Maker is firmly-rooted in the hearts of all men… it is from the binding necessities of their creation….” 92 The 12th century scholar Al-Raghib al-Asfahani similarly asserts that knowledge of God “is firmly-rooted in the soul”.93 As well as the Islamic position, a wealth of research in various fields supports the conclusion that we are meant to see the world as created and designed.
Psychologische Beweise.
Psychological evidence.
Die Wissenschaftlerin Olivera Petrovich führte Untersuchungen zu den Ursprüngen natürlicher Dinge wie Pflanzen und Tiere durch und stellte fest, dass Vorschulkinder etwa siebenmal so wahrscheinlich sagten, Gott habe sie erschaffen, als dass Menschen sie erschaffen hätten.94 In ihren populären Interviews, einschließlich privater Korrespondenz, die ich mit ihr geführt habe, kommt Petrovich zu dem Schluss, dass der Glaube an einen nicht anthropomorphen Gott natürlich zu sein scheint und dass der Atheismus eine erworbene kognitive Haltung ist.95 Petrovich hat ein Buch mit dem Titel Natural-Theological Understanding from Childhood to Adulthood veröffentlicht, das dieses Thema weiter ausführt. Der Psychologe Paul Bloom argumentiert, dass neuere Erkenntnisse der kognitiven Psychologie darauf hindeuten, dass zwei zentrale Aspekte religiösen Glaubens – der Glaube an einen Schöpfer und der Glaube an den Dualismus von Geist und Körper – für kleine Kinder natürlich sind.96 In dem Artikel Are Children ‘Intuitive Theists’? untersuchte Professorin Deborah Kelemen Forschungsergebnisse, die nahelegen, dass kleine Kinder die Neigung haben, natürliche Objekte im Hinblick auf Zweck und Absicht zu betrachten. Obwohl weitere Forschung erforderlich ist und sie nur vorsichtig Belege für einen ‘intuitiven Theismus’ andeutet, weist Kelemens Zusammenfassung zusätzlich auf die Schlussfolgerungen hin, die wir in diesem Kapitel besprochen haben:
The academic Olivera Petrovich conducted research concerning the origins of natural things, such as plants and animals, and she found that pre-schoolers were about seven times more likely to say God created them rather than humans.94 In her popular interviews, including private correspondence I have had with her, Petrovich concludes that the belief in a non-anthropomorphic God seems to be natural, and that atheism is an acquired cognitive position.95 Petrovich has published a book called Natural-Theological Understanding from Childhood to Adulthood that elaborates further on this issue. Psychologist Paul Bloom argues that recent findings in cognitive psychology indicate that two key aspects of religious belief—belief in a designer, and belief in mind-body dualism—are natural to young children.96 In the article Are Children ‘Intuitive Theists’? Professor Deborah Kelemen explored research that suggested young children have a propensity to think about natural objects in terms of purpose and intention. Although more research is required, and it only tentatively suggests evidence to support ‘intuitive theism’, Kelemen’s summary further indicates the conclusions we have been discussing in this chapter:
Eine Übersicht über aktuelle kognitionsentwicklungspsychologische Forschung zeigt, dass Kinder etwa im Alter von fünf Jahren natürliche Objekte als nicht von Menschen verursacht verstehen, über die mentalen Zustände nichtnatürlicher Akteure nachdenken können und die Fähigkeit zeigen, Objekte im Hinblick auf ihre Gestaltung zu betrachten. Schließlich legen Erkenntnisse von 6- bis 10-Jährigen nahe, dass die Zuschreibung von Zweck an die Natur durch Kinder mit ihren Vorstellungen über absichtsvolle nichtmenschliche Verursachung zusammenhängt. Zusammengenommen deuten diese Forschungsergebnisse darauf hin, dass der Erklärungsansatz von Kindern treffend als intuitiver Theismus beschrieben werden kann. Aktuelle Forschung von Elisa Järnefelt, Caitlin F. Canfield und Deborah Kelemen mit dem Titel „The divided mind of a disbeliever: Intuitive beliefs about nature as purposefully created among different groups of non-religious adults“ kam zu dem Schluss, dass eine natürliche Neigung besteht, die Natur als gestaltet zu betrachten.98 Diese Schlussfolgerung stützt sich auf drei Studien. Studie 1 basierte auf einer Stichprobe von 352 nordamerikanischen Erwachsenen. Die Stichprobe umfasste religiöse und nichtreligiöse Teilnehmende. Das Verfahren beinhaltete eine zeitlich begrenzte Schöpfungsaufgabe, bei der es sich um „ein bildbasiertes Verfahren handelte, das entwickelt wurde, um die automatischen und reflektierenden Tendenzen Erwachsener zu messen, natürliche Phänomene als zweckgerichtet von irgendeinem Wesen geschaffen anzuerkennen“99. Die Teilnehmenden wurden nach dem Zufallsprinzip entweder einer zeitlich begrenzten oder einer unbegrenzten Bedingung zugeteilt. Allen Teilnehmenden wurden am Computer 120 Bilder präsentiert. Sie sollten dann beurteilen, ob „irgendein Wesen das Ding auf dem Bild absichtsvoll hergestellt hat“, und mit Ja oder Nein antworten, indem sie die entsprechenden Tasten auf der Tastatur drückten.100
“A review of recent cognitive developmental research reveals that by around 5 years of age, children understand natural objects as not humanly caused, can reason about non-natural agents’ mental states, and demonstrate the capacity to view objects in terms of design. Finally, evidence from 6- to 10- year-olds suggests that children’s assignments of purpose to nature relate to their ideas concerning intentional nonhuman causation. Together, these research findings suggest that children’s explanatory approach may be accurately described as intuitive theism.” Recent research by Elisa Järnefelt, Caitlin F. Canfield and Deborah Kelemen, titled The divided mind of a disbeliever: Intuitive beliefs about nature as purposefully created among different groups of non-religious adults, concluded that there is a natural propensity to see nature as designed.98 This conclusion was grounded in three studies. Study 1 was based on a sample of 352 North American adults. The sample included religious and non-religious participants. The procedure involved a speeded creation task which was “a picture-based procedure devised to measure adults’ automatic and reflective tendencies to endorse natural phenomena as purposefully made by some being”99. The participants were randomly assigned either to a speeded or an unspeeded condition. All of the participants were presented with 120 pictures on a computer. They were then to judge whether “any being purposefully made the thing in the picture” and respond yes or no by pressing the relevant keys on a keyboard.100
Studie 2 basierte auf 148 nordamerikanischen Erwachsenen, „die über die E-Mail-Verteiler atheistischer und anderer explizit nichtreligiöser Vereinigungen und Organisationen rekrutiert wurden“101. Den Teilnehmenden von Studie 2 wurde dieselbe zeitlich begrenzte Schöpfungsaufgabe vorgelegt wie in Studie 1. Studie 3 basierte auf 151 finnischen atheistischen Erwachsenen, „die über die E-Mail-Verteiler von Studentenvereinigungen und Organisationen in ganz Finnland rekrutiert wurden“102. Diese Gruppe erhielt eine ähnliche zeitlich begrenzte Schöpfungsaufgabe. Die Ergebnisse waren faszinierend. In ihrer Diskussion kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass Atheisten Dinge als absichtlich geschaffen wahrnahmen:
Study 2 was based on 148 North American adults “who were recruited via the email lists of atheist and other explicitly non-religious associations and organizations”101. The same speeded creation task of Study 1 was given to the participants in Study 2. Study 3 was based on 151 Finnish atheist adults “recruited via the email lists of student associations and organizations all around Finland”102. This group was given a similar speeded created task. The results were fascinating. In their discussion the academics conclude that atheists saw things as purposefully made:
„Im Einklang mit Studie 1 und Studie 2 zeigte Studie 3, dass nicht-religiöse Teilnehmer im nordischen Finnland, wo Nicht-Religiosität kein Thema ist und wo theistische kulturelle Diskurse nicht in der Weise präsent sind wie in den Vereinigten Staaten, dazu neigen, sowohl belebte als auch unbelebte natürliche Phänomene als zweckgerichtet von einem nicht-menschlichen Wesen erschaffen zu betrachten, wenn ihre Verarbeitung eingeschränkt ist. Interessanterweise zeigte der Vergleich zwischen den verschiedenen Gruppen nicht-religiöser Teilnehmer in allen drei Studien, dass die nicht-religiösen finnischen Teilnehmer, trotz des Fehlens prominenter theistischer kultureller Diskurse, eher als nordamerikanische Atheisten dabei scheiterten, ihr allgemeines Maß an Zustimmung zur Schöpfung zu unterdrücken. Dieses Muster der Ergebnisse zeigt, dass der vorherrschende theistische kulturelle Diskurs daher nicht der einzige Faktor ist, der die Neigung von Menschen erklärt, zweckgerichtete Schöpfung in der Natur zu bejahen.“
“Consistent with Study 1 and Study 2, Study 3 revealed that non-religious participants in Nordic Finland, where non-religiosity is not an issue and where theistic cultural discourse is not present in the way it is in the United States, default to viewing both living and non-living natural phenomena as purposefully made by a non-human being when their processing is restricted. Interestingly, comparisons across the different groups of non-religious participants in all three studies showed that, despite the absence of prominent theistic cultural discourse, non-religious Finnish participants were more likely than North American atheists to fail in suppressing their overall level of creation endorsement. This pattern of results shows that ambient theistic cultural discourse is therefore not the only factor that explains people’s tendency to endorse purposeful creation in nature.”.
Die allgemeinen Schlussfolgerungen dieser Forschung beinhalten unter anderem, dass die Ergebnisse „empirische Unterstützung für die These liefern, dass religiöser Nichtglaube kognitiv anstrengend ist“104, und dass „die gegenwärtigen Befunde darauf hindeuten, dass es eine tief verwurzelte natürliche Neigung gibt, die Natur als gestaltet zu betrachten“.105 Mit anderen Worten: Nichtglaube ist intellektuell erschöpfend, und die Wahrnehmung der Dinge als gestaltet ist Teil dessen, was uns zu Menschen macht. Die Studie legt nahe, dass der Theismus angeboren ist. Wie bei den meisten Forschungsarbeiten bleiben jedoch, so das Fazit, „viele Fragen offen hinsichtlich möglicher Zusammenhänge zwischen diesen früh entstehenden Gestaltungsintuitionen“.106
The general conclusions of this research include the fact that the results “lend empirical support to the proposal that religious non-belief is cognitively effortful”104 and that “the current findings suggest that there is a deeply rooted natural tendency to view nature as designed”.105. In other words, non-belief is intellectually exhausting, and seeing things as designed is part of what makes us human. The study suggests that theism is innate. However, as with most research, “many questions remain regarding possible connections between these early developing design intuitions”.106.
Weitere Forschung in der kognitiven und der Entwicklungspsychologie ist nötig, bevor man endgültige Schlüsse ziehen kann. Dennoch stützen die oben genannten Studien die Auffassung, dass der Glaube an Gott natürlich ist. Einige Kritiker mögen Untersuchungen anführen, wonach Kinder aus religiösen Familien in jungen Jahren Schwierigkeiten haben, zwischen Wirklichkeit und Fantasie zu unterscheiden. Diese Forschung kann die genannten Schlussfolgerungen nicht untergraben, denn die Studien konzentrierten sich ausschließlich auf religiöse Erzählungen und nicht auf das Konzept, dass Dinge einen Konstrukteur oder Schöpfer benötigen.107 Selbst dann ist die Tatsache, dass religiöse Kinder möglicherweise Schwierigkeiten haben, Wirklichkeit und Fiktion auseinanderzuhalten, metaphysisch neutral, denn die Behauptung, dies spreche eher für den Atheismus als für den Theismus, setzt voraus, dass der Atheismus wahr und der Theismus Fiktion sei. Solche Forschung würde die oben dargelegten Befunde nicht entkräften. Es muss darauf hingewiesen werden, dass einige der von mir oben vorgestellten Untersuchungen kulturübergreifende Bezüge haben, was bedeutet, dass die Teilnehmer unabhängig von ihrem theistischen oder atheistischen Hintergrund eine Tendenz zu theistisch geprägten Intuitionen zeigten.
Much more research is required in both cognitive and developmental psychology to form any definitive conclusions. However, the above studies support the view that the belief in God is natural. Some objectors may cite research that suggests that children from religious backgrounds have difficulty distinguishing between reality and fantasy at a young age. This research cannot undermine the aforementioned conclusions, because the studies only focused on religious narratives and not the concept of things requiring a designer or creator.107 Even so, the fact that religious children may have difficulty distinguishing between reality and fiction is still metaphysically neutral, because to suggest that it supports atheism rather than theism assumes that atheism is true and theism is fiction. Such research would not invalidate the findings mentioned above. It must be pointed out that some of the research I have presented above has cross-cultural implications, which means that regardless of the participants’ theist and atheist backgrounds, they had a tendency to have theist-like intuitions.
Ein weiterer Einwand besagt, dass Atheismus, da einige Forschungsergebnisse zeigen, dass er kognitiv anstrengend ist – was impliziert, dass mehr Nachdenken erforderlich ist –, damit die rationalste Position sei. Dieser Einwand beruht auf einem falschen Schluss. Die Befunde können ebenso nahelegen, dass der Atheismus die Übernahme falscher Annahmen über die physische Welt erfordert (siehe Kapitel 12); daher wird er infolgedessen geistig belastend.
Another contention includes that since some of the research shows that atheism is cognitively effortful—which implies that more thought is required—then it indicates that it is the most rational position. This objection is based on a false inference. The evidence can also suggest that atheism requires adopting false assumptions about the physical world (see Chapter 12); hence it becomes mentally taxing as a result.
Ich habe nicht die gesamte einschlägige Forschung hier aufgeführt. Die Diskussionen können recht komplex sein, und obwohl es widersprüchliche Studien gibt, sind diese meiner Ansicht nach weniger aussagekräftig. Das Hauptziel dieser Diskussion ist es, einen wachsenden Trend in der Forschung aufzuzeigen, der die Auffassung stützt, dass der Glaube an die Existenz Gottes natürlich ist.
I have not included all of the relevant research here. The discussions can be quite complex and although there are contradictory studies, they are—in my view—less conclusive. The main objective of this discussion is to show a growing trend in the research that supports the view that the belief in God’s existence is natural.
Soziologische und anthropologische Belege.
Sociological and anthropological evidence.
Professor Justin Barrett untersuchte in seinem Buch „Born Believers: The Science of Children’s Religious Belief“ das Verhalten und die Aussagen von Kindern. Er kam zu dem Schluss, dass die Kinder an das glaubten, was er „natürliche Religion“ nennt. Damit ist die Vorstellung gemeint, dass es ein persönliches Wesen gibt, das das gesamte Universum erschaffen hat. Dieses Wesen kann kein Mensch sein, es muss göttlich und übernatürlich sein:
Professor Justin Barrett’s research in his book, Born believers: the science of children’s religious belief, looked at the behaviour and claims of children. He concluded that the children believed in what he calls “natural religion”. This is the idea that there is a personal Being that created the entire universe. That Being cannot be human—it must be divine, supernatural:
Wissenschaftliche Forschung zur Entwicklung des kindlichen Geistes und zu übernatürlichen Glaubensvorstellungen legt nahe, dass Kinder normalerweise und rasch Denkweisen entwickeln, die den Glauben an übernatürliche Akteure begünstigen. Besonders im ersten Lebensjahr unterscheiden Kinder zwischen Akteuren und Nicht-Akteuren und verstehen Akteure als Wesen, die sich zielgerichtet selbst bewegen können, um Ziele zu verfolgen. Sie sind bestrebt, Handlungsfähigkeit in ihrer Umgebung zu erkennen, selbst bei nur spärlichen Belegen. Kurz nach ihrem ersten Geburtstag scheinen Babys zu verstehen, dass Akteure, nicht aber natürliche Kräfte oder gewöhnliche Gegenstände, Ordnung aus Unordnung schaffen können… Diese Neigung, Funktion und Zweck zu sehen, verbunden mit dem Verständnis, dass Zweck und Ordnung von denkenden Wesen stammen, macht es wahrscheinlich, dass Kinder natürliche Phänomene als absichtlich geschaffen wahrnehmen. Wer ist der Schöpfer? Kinder wissen, dass Menschen dafür nicht in Frage kommen. Es muss ein Gott gewesen sein… Kinder werden als Gläubige einer natürlichen Religion geboren, wie ich es nenne….108
“Scientific research on children’s developing minds and supernatural beliefs suggests that children normally and rapidly acquire minds that facilitate belief in supernatural agents. Particularly in the first year after birth, children distinguish between agents and non-agents, understanding agents as able to move themselves in purposeful ways to pursue goals. They are keen to find agency around them, even given scant evidence. Not long after their first birthday, babies appear to understand that agents, but not natural forces or ordinary objects, can create order out of disorder… This tendency to see function and purpose, plus an understanding that purpose and order come from minded beings, makes children likely to see natural phenomena as intentionally created. Who is the Creator? Children know people are not good candidates. It must have been a god… children are born believers of what I call natural religion….”108
Intuitiv.
Intuitive.
Die Existenz eines Schöpfers ist die intuitivste Deutung der Welt. Sie ist die einfachste und umfassendste Erklärung des Universums und unserer Existenz. Sie ist auch ohne ausdrückliche Belehrung leicht zu verstehen. Der Mensch hat ständig die Neigung, Dingen Ursachen zuzuschreiben, und das gesamte Kosmos gehört zu diesen Dingen (siehe Kapitel 5 und 6). Nicht jede Intuition ist wahr, doch sind Belege erforderlich, damit jemand von seinen anfänglichen Intuitionen über die Dinge abrückt. Wenn jemand beispielsweise Design und Ordnung im Universum wahrnimmt, lautet die intuitive Schlussfolgerung, dass es einen Designer gibt (siehe Kapitel 8). Um diese Person zu einem Sinneswandel zu bewegen, sind gültige Belege nötig, die die kontraintuitive Sicht rechtfertigen. Der Glaube an einen Gott, Schöpfer, Designer oder eine übernatürliche Ursache ist eine selbstevidente Wahrheit. Er ist universell, unbelehrt, natürlich und intuitiv. In diesem Licht ist die richtige Frage nicht: Existiert Gott? Die richtige Frage sollte lauten: Warum lehnst du die Existenz Gottes ab? So drehst du den Spieß um, und das zu Recht; Atheismus ist unnatürlich. Die Beweislast liegt bei dem, der eine selbstevidente Wahrheit infrage stellt. Wenn jemand behauptet, die Vergangenheit sei eine Illusion oder andere Menschen besäßen keinen Geist, müsste er die Beweislast tragen. Atheisten sind darin nicht anders. Sie müssen rechtfertigen, dass sie eine Ursache oder einen Schöpfer des Universums ablehnen.
The existence of a creator is the most intuitive interpretation of the world. It is the simplest and most comprehensive explanation of the universe and our existence. It is also easy to understand without explicit instruction. Human beings have an affinity to attribute causes to things all the time, and the entire cosmos is one of those things (see Chapters 5 and 6). Not all intuitions are true, but evidence is required to make someone depart from their initial intuitions about things. For example, when someone perceives design and order in the universe, the intuitive conclusion is that there is a designer (see Chapter 8). To make that person change their mind, valid evidence is required to justify the counter-intuitive view. The belief in a God, creator, designer or supernatural cause is a self-evident truth. It is universal, untaught, natural and intuitive. In this light, the right question to ask is not: Does God exist? The right question should be: Why do you reject God’s existence? This way you will have turned the tables and rightly so; atheism is unnatural. The onus of proof is on someone who challenges a self-evident truth. When someone claims that the past is an illusion or that other people do not have minds, he or she would have to shoulder the burden of proof. Atheists are no different. They have to justify their rejection of a cause or creator for the universe.
„Atheismus ist offensichtlich wahr“ Manche Atheisten argumentieren, der Atheismus sei standardmäßig wahr. Die Ablehnung einer Ursache oder eines Schöpfers ist jedoch nicht offensichtlich. Obwohl der Atheismus heute auch eine weit verbreitete Position ist (und vielleicht seit Beginn der aufgezeichneten Geschichte war), wird er gelehrt und widerspricht der Intuition. Menschen müssen lernen, das Konzept eines Schöpfers oder einer Ursache für die Dinge abzulehnen. Die Leugnung eines Schöpfers für das Universum ist nicht die einfachste und umfassendste Erklärung. Sie mag einfach sein, doch sie bietet keine umfassende Erklärung. Tatsächlich wirft sie weit mehr Probleme auf, als sie löst. Zum Beispiel: Wie könnte das Universum aus dem Nichts entstehen (siehe Kapitel 5)? Wie könnte dieses kontingente Universum keine Erklärung für seine Existenz haben (siehe Kapitel 6)? Der Atheist mag entgegnen, dass es alternative Erklärungen für den Ursprung und die Beschaffenheit des Universums gibt. Das ist richtig. Diese Erklärungen sind jedoch nicht offensichtlich. Sie sind nicht der Standard, sondern erworbene Positionen. Wie zuvor erwähnt, muss man, um das als offensichtlich Geltende abzulehnen, Belege vorlegen. Ich weise alternative Erklärungen für die Existenz des Kosmos nicht zurück; ich weise lediglich darauf hin, was die Standardposition ist. Da die grundlegende Idee eines Schöpfers standardmäßig als wahr gilt, sollten wir zuerst fragen: Welche Belege haben wir, um die Existenz eines Schöpfers zu verwerfen?
“Atheism is self-evidently true” Some atheists argue that atheism is true by default. However, the rejection of a cause or a creator is not self-evident. Although atheism is now also a universal position (and may have been since the beginning of recorded history), it is taught and is counter-intuitive. People have to learn to reject the concept of a creator or cause for things. Denying a creator for the universe is not the simplest and most comprehensive explanation. It may be simple, but it does not provide a comprehensive explanation. It actually creates far more problems than it solves. For instance, how could the universe come into existence from nothing (see Chapter 5)? How could this contingent universe have no explanation for its existence (see Chapter 6)? The atheist may respond by saying that there are alternative explanations for the origins and nature of the universe. This is true. However, these explanations are not self-evident. They are not the default; they are acquired positions. As mentioned previously, in order to reject what is considered self-evident, one must provide evidence. I am not dismissing alternative explanations for the existence of the cosmos, I am merely pointing out what is the default position. Since the basic idea of a creator is true by default, the first question we should ask is: What evidence do we have to reject the existence of a creator?.
Die angeborene Veranlagung: Fitrah.
The innate disposition: fitrah.
Gott als eine selbstevidente Wahrheit steht im Zusammenhang mit dem islamtheologischen Begriff der Fitrah. Das Wort stammt von der dreibuchstabigen arabischen Wurzel f-ṭ-r (aus der Wörter wie faṭrun und faṭarahu abgeleitet sind) und bedeutet ein erschaffenes oder geschaffenes Ding. Aus lexikalischer Sicht bezeichnet die Fitrah etwas, das Gott in uns erschaffen hat. Theologisch ist die Fitrah der natürliche Zustand bzw. die angeborene Veranlagung des Menschen, die Gott mit einem angeborenen Wissen um Ihn und mit der Neigung erschaffen hat, den Göttlichen zu verehren.109 Dies stützt sich auf die authentische Aussage des Propheten Muhammad ﷺ, der sagt: „Jedes Kind wird im Zustand der Fitrah geboren. Dann machen seine Eltern es zu einem Juden, einem Christen oder einem Zoroastrier …“110
God as a self-evident truth relates to the Islamic theological concept concerning the fitrah. The word comes from the Arabic trilateral stem fa ṭa ra ( which relates to words such as fatrun and fatarahu), meaning a created or made thing. From a lexical point of view, the fitrah refers to something that has been created within us by God. Theologically, the fitrah is the natural state or the innate disposition of the human being that has been created by God with innate knowledge of Him and with the affinity to worship the Divine.109 This is based on the authentic statement of the Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم which states, “every child is born in a state of fitrah. Then his parents make him a Jew, a Christian or a Magian….”110
Diese prophetische Überlieferung lehrt, dass jeder Mensch diese angeborene Veranlagung besitzt, doch äußere Einflüsse wie die Erziehung und, darüber hinaus, die Gesellschaft verwandeln den Menschen in jemanden, der Glaubensvorstellungen und Praktiken annimmt, die nicht mit dem angeborenen Wissen um Gott übereinstimmen. Zum Konzept der Fitra gibt es zahlreiche gelehrte Diskussionen. So vertritt der Theologe Al-Ghazali aus dem 11. Jahrhundert die Auffassung, die Fitra sei ein Mittel, durch das Menschen die Wahrheit von Gottes Existenz erkennen und dass Ihm unsere Anbetung gebührt. Er vertrat außerdem die Ansicht, das Wissen um Gott sei etwas, das „jeder Mensch in den Tiefen seines Bewusstseins besitzt“.111 Ibn Taymiyya, der Gelehrte des 14. Jahrhunderts, beschreibt die angeborene Veranlagung als etwas, das Gott in Seiner Schöpfung erschaffen hat und das ein eingeprägtes Wissen um Gott enthält.
This Prophetic tradition teaches that every human being has this innate disposition, but external influences such as parenting and by extension society—change the human being into someone who adopts beliefs and practices that are not in line with the innate knowledge of God. There have been numerous scholarly discussions on the concept of the fitrah. For example, the 11th century theologian Al-Ghazali argues that the fitrah is a means that people use to acquire the truth of God’s existence and that He is entitled to our worship. He also maintained that knowledge of God is something “every human being has in the depths of his consciousness”.111 Ibn Taymiyya, the 14th century scholar, describes the innate disposition as something God created within His creation that contains ingrained knowledge of God:
„…die Existenz eines vollkommenen Schöpfers ist aus der Fitra bekannt, und dieses Wissen ist eingeprägt, notwendig und offensichtlich.“112
“…the existence of a perfect Creator is known from the fitrah, and this knowledge is ingrained, necessary, and obvious.”112
Obwohl die Fitrah ein natürlicher Zustand ist, kann sie durch äußere Einflüsse „verschleiert“ oder „verdorben“ werden. Diese Einflüsse können, wie der oben genannte Prophetische Überlieferung zeigt, Erziehung, Gesellschaft und Gruppenzwang umfassen. Solche Einflüsse können die Fitrah trüben und einen Menschen daran hindern, die Wahrheit anzuerkennen. Ibn Taymiyya vertritt die Auffassung, dass der Mensch, wenn der natürliche Zustand durch andere Einflüsse getrübt ist, andere Beweise für die Existenz Gottes benötigen kann:
In spite of the fact that the fitrah is a natural state, it can be ‘veiled’ or ‘spoiled’ by external influences. These influences, as indicated by the above Prophetic tradition, can include parenting, society and peer pressure. These influences can cloud the fitrah and prevent someone from acknowledging the truth. Ibn Taymiyya argues that when the natural state is clouded with other influences, the person may require other evidences for God’s existence:
„Die Bejahung eines Schöpfers und Seiner Vollkommenheit ist für denjenigen, dessen angeborene Veranlagung unversehrt geblieben ist, angeboren und notwendig, auch wenn es neben dieser Bejahung noch viele andere Beweise dafür gibt, und oft, wenn die angeborene Veranlagung verändert ist, … benötigen viele Menschen solche anderen Beweise.“
“Affirmation of a Creator and His perfection is innate and necessary with respect to one whose innate disposition remains intact, even though alongside such an affirmation it has many other evidences for it as well, and often when the innate disposition is altered… many people may be in need of such other evidences.”.
Diese anderen Belege können auch rationale Argumente umfassen. Ibn Taymiyya war kein starker Befürworter rationaler Argumente für die Existenz Gottes. Er vertrat die Ansicht, dass die fitrah der hauptsächliche Weg sei, das Göttliche zu bejahen. Dennoch verwarf er sichere rationale Beweise für die Existenz Gottes nicht.114 Diese rationalen Argumente müssen jedoch mit der islamischen Theologie übereinstimmen und dürfen keine Prämissen (oder Annahmen) übernehmen, die ihr widersprechen. Aus der Perspektive der islamischen Erkenntnislehre ist es wichtig zu wissen, dass die Überzeugung von der Existenz Gottes nicht allein aus einer Art induktiver, deduktiver, philosophischer oder wissenschaftlicher Evidenz abgeleitet wird. Vielmehr wecken diese Belege die fitrah und befreien sie von Trübungen, sodass der Mensch das angeborene Wissen um Gott erkennen kann. Die Wahrheit von der Existenz Gottes und der Tatsache, dass Er unserer Anbetung würdig ist, ist der fitrah bereits bekannt. Die fitrah kann jedoch durch Sozialisation und andere äußere Einflüsse getrübt werden. Daher besteht die Rolle rationaler Argumente darin, uns an die Wahrheit zu „erinnern“, die wir bereits kennen. Zur Veranschaulichung dieses Punktes stellen Sie sich vor, ich räume den Dachboden meiner Mutter auf. Während ich alte Taschen umräume und unerwünschte Gegenstände wegwerfe, finde ich mein Lieblingsspielzeug, mit dem ich als Fünfjähriger gespielt habe. Ich werde an etwas erinnert, von dem ich bereits Kenntnis habe. In meinem Kopf denke ich: „Ach ja. Ich erinnere mich an dieses Spielzeug. Es war mein Liebling.“ Mit der Wahrheit des Glaubens an Gott und der Tatsache, dass Er unserer Anbetung würdig ist, verhält es sich nicht anders. Rationale Argumente dienen als geistige und intellektuelle Erweckungen, um das Wissen zu erkennen, das in unserer fitrah enthalten ist.
These other evidences can include rational arguments. Ibn Taymiyya was not a strong advocate of rational arguments for God’s existence. He maintained that the fitrah was the main way of affirming the Divine. However, he did not dismiss sound rational proofs for God’s existence.114 Nevertheless, these rational arguments must conform to Islamic theology and not adopt premises (or assumptions) that contradict it. From the perspective of Islamic epistemology, it is important to know that conviction in the existence of God is not solely inferred from some type of inductive, deductive, philosophical or scientific evidence. Instead, these evidences awaken and uncloud the fitrah so the human being can recognise the innate knowledge of God. The truth of God’s existence and the fact that He is worthy of our worship is already known by the fitrah. However, the fitrah can be clouded by socialisation and other external influences. Therefore, the role of rational arguments is to ‘remind’ us of the truth that we already know. To illustrate this point, imagine I am cleaning my mother’s loft. As I move old bags around and throw away unwanted objects, I find my favourite toy that I used to play with when I was 5 years old. I am reminded about something that I already have knowledge of. In my mind I think, “Oh yeah. I remember this toy. It was my favourite.” The truth of believing in God and the fact that He is worthy of our worship is no different. Rational arguments serve as spiritual and intellectual awakenings to realise the knowledge that is contained in our fitrah.
Weitere Wege, wie die Fitra von Trübungen befreit werden kann, sind Selbstbeobachtung, geistige Erfahrungen, Nachdenken und Sinnen. Der Qur'an fördert das Fragen und das tiefe Nachdenken über die Dinge:
Other ways the fitrah can be unclouded include introspection, spiritual experiences, reflection and pondering. The Qur’an promotes questioning and thinking deeply about things:
„So erklären Wir die Zeichen im Einzelnen für Menschen, die nachdenken."115
“Thus do We explain in detail the signs for who give thought.”115
„Darin liegt wahrlich ein Zeichen für ein Volk, das nachdenkt.“116
“Indeed in that is a sign for a people who give thought.”116
„Oder sind sie aus nichts erschaffen worden? Oder sind sie die Schöpfer [ihrer selbst]? Oder haben sie die Himmel und die Erde erschaffen? Nein, vielmehr sind sie nicht gewiss.“117
“Or were they created by nothing? Or were they the creators [of themselves]? Or did they create the heavens and the Earth? Rather, they are not certain.”117
Die islamische Erkenntnislehre betrachtet rationale Argumente als Mittel und nicht als Zweck. Sie dienen dazu, die fitrah zu wecken oder von Trübungen zu befreien. Deshalb ist es sehr wichtig festzuhalten, dass Rechtleitung allein von Gott kommt und kein noch so großer Umfang an rationalen Beweisen das Herz dazu bringen kann, die Wahrheit des Islam zu erkennen. Gott macht dies sehr deutlich: „Du kannst nicht leiten, wen du liebst, sondern Gott leitet, wen Er will. Und Er kennt am besten die, die recht geleitet sind.“118 Rechtleitung ist eine geistliche Angelegenheit, die auf Gottes Barmherzigkeit, Wissen und Weisheit gründet. Wenn Gott will, dass jemand durch rationale Argumente geleitet wird, dann wird ihn nichts davon abhalten, die Wahrheit anzunehmen. Entscheidet Gott jedoch, dass jemand die Rechtleitung nach einer göttlichen Weisheit nicht verdient, dann wird diese Person die Wahrheit niemals annehmen, ganz gleich, wie viele überzeugende Argumente ihr vorgelegt werden.
Islamic epistemology views rational arguments as means and not ends. They serve as a way of awakening or unclouding the fitrah. This is why it is very important to note that guidance only comes from God, and no amount of rational evidence can convince one’s heart to realise the truth of Islam. God makes this very clear: “Indeed, you do not guide whom you like, but God guides whom He wills. And He is most knowing of the [rightly] guided.”118 Guidance is a spiritual matter that is based on God’s mercy, knowledge and wisdom. If God wills that someone is guided through rational arguments, then nothing will stop that person from accepting the truth. However, if God decides that someone does not deserve guidance—based on a Divine wisdom— then regardless of how many cogent arguments that are presented, that person will never accept the truth.
Abschließend ist der Glaube an die Existenz Gottes eine selbstevidente Wahrheit. Wie bei allen selbstevidenten Wahrheiten liegt die Beweislast bei demjenigen, der sie infrage stellt. Der Glaube an Gott könnte nur dann untergraben werden, wenn es einen positiven Beweis für die Nichtexistenz des Göttlichen gäbe. Wie dieses Buch jedoch zeigen wird, sind die wenigen Argumente, die Atheisten gegen die Existenz Gottes vorbringen, schwach und philosophisch oberflächlich (siehe Kapitel 11 und 12). Die selbstevidente Wahrheit Gottes wurde bereits vor über 1.400 Jahren im Qur'an angesprochen:
To conclude, the belief in God’s existence is a self-evident truth. As with all self-evident truths, when someone challenges them, the onus of proof is on them. The only way the belief in God can be undermined is if there is any positive evidence for the non-existence of the Divine. However, as this book will show, the few arguments that atheists have against the existence of God are weak and philosophically shallow (see Chapters 11 and 12). The self-evident truth of God was addressed in the Qur’an over 1,400 years ago:
„Kann es Zweifel an Gott geben, dem Schöpfer der Himmel und der Erde?“119
“Can there be doubt about God, Creator of the heavens and Earth?”119
Um dieses Kapitel abzuschließen, erklärt der islamische Gelehrte Wesam Charkawi treffend, dass die Existenz Gottes mit unserer natürlichen Veranlagung übereinstimmt:
To end this chapter, Islamic scholar Wesam Charkawi aptly explains that God’s existence is in line with our natural disposition:
„Tatsächlich ist der erste Sinn in der Tiefe eines Menschen, wenn er in sich selbst und in der ihn umgebenden Welt nachsinnt, das Gefühl einer höheren Macht, die über die Welt herrscht, mit dem Vermögen, über Leben und Tod, Schöpfung und Vernichtung, Bewegung und Stillstand sowie alle verschiedenen Arten feinsinniger Veränderungen zu verfügen, die in ihr geschehen. Ohne Zweifel nimmt die Menschheit diese Wirklichkeit wahr und glaubt tief an sie, ganz gleich, ob man in der Lage ist, Beweise zu erbringen, die die Wahrheit dieses Gefühls bestätigen, oder nicht. Dies ist ein natürlicher Instinkt bzw. die natürliche Veranlagung (fitrah) des Menschen, und sie ist in der Tat ein präziser und genauer Beweis … Darüber hinaus spüren wir in uns das Vorhandensein von Mitgefühl, Liebe, Hass, Ermutigung und Abneigung. Doch was ist der Beweis dafür, dass sie existieren, selbst während sie in uns flattern? Kann man mehr Beweise erbringen als das, was man fühlt und wahrnimmt, und dennoch ist es ohne Zweifel real? Man empfindet Begeisterung und spürt Schmerz, doch ist man nicht in der Lage, einen Beweis zu erbringen, der ihre Existenz mit mehr belegt als mit dem, was man fühlt? Ohne Zweifel ist dies der natürliche Weg (fitrah) bzw. der Instinkt, auf dem die Menschheit erschaffen wurde, und dies sind die tiefen Gefühle, die in uns verankert sind. Sie sind nicht grundlos oder vergeblich in uns, sondern sie sind eine natürliche Wahrheit, die mit der Welt übereinstimmt.”120
“Indeed, the first sense in the depth of a person if he contemplates within himself and in the world around him is the sense of a higher power that reigns over the world with the command to dispose over life and death, creation and annihilation, motion and stillness and all the different types of meticulous changes that occur in it. Unequivocally, mankind senses this reality and believes in it deeply, regardless of whether one is able to produce evidence to verify the truth of this feeling or is unable. This is a natural instinct or the natural disposition of mankind, which is indeed a precise and exact evidence… In addition, we feel in ourselves the presence of compassion, love, hate, encouragement and dislike, though what is the proof that it exists, even while it flutters within us? Is one able to bring forth evidence more than that which he feels and senses, and yet it is real without doubt? One feels excitement and senses pain, yet is one unable to establish evidence to prove it exists with more than what he feels? Without doubt, this is the natural way [fitrah] or instinct on which mankind has been created, and these are the deep feelings that have been embedded within us. They are not within us for no reason or in vain, rather it is a natural truth that corresponds to the world.”120