Der göttliche Zusammenhang – Das Argument aus der Abhängigkeit
The Divine Link – The Argument From Dependency
Stell dir vor, du trittst aus deinem Haus und findest auf deiner Straße eine Reihe von Dominosteinen, die sich weiter erstreckt, als deine Augen reichen. Du beginnst ein Geräusch zu hören, das mit der Zeit allmählich lauter wird. Dieses Geräusch ist dir vertraut, denn du hast als Kind selbst mit Dominosteinen gespielt; es ist das Geräusch, wenn sie umfallen. Schließlich siehst du dieses beeindruckende Schauspiel fallender Dominosteine auf dich zukommen. Du bewunderst sehr, wie die grundlegenden Gesetze der Physik ein so bemerkenswertes Schauspiel hervorbringen können. Gleichzeitig bist du aber auch traurig, denn der letzte Dominostein ist nun nur wenige Zentimeter vor deinen Füßen gefallen. Noch immer aufgeregt von dem, was gerade geschehen ist, beschließt du, die Straße hinabzugehen, um den ersten Dominostein zu finden, in der Hoffnung, der Person zu begegnen, die für dieses wunderbare Erlebnis verantwortlich ist.
Imagine you walk out of your house and on your street you find a row of dominoes that stretch far beyond what your eyes can see. You start to hear a noise that gets slightly louder as time passes. This noise is familiar to you, as you used to play with dominoes as a child; it is the sound of them falling. Eventually, you see this amazing display of falling dominoes approaching you. You greatly admire how the basic laws of physics can produce such a remarkable spectacle; however, you are also saddened because the last domino has now fallen a few inches away from your feet. Still excited about what has just happened, you decide to walk down the street to find the first domino, hoping to meet the person responsible for producing this wonderful experience.
Ich möchte dir ein paar Fragen stellen. Wenn du die Straße entlanggehst, wirst du irgendwann dort ankommen, wo die Kette der Dominosteine begann? Oder wirst du für immer weitergehen? Die naheliegende Antwort lautet, dass du irgendwann den ersten Dominostein finden wirst. Ich möchte aber, dass du fragst, warum. Du weißt, dass du den ersten Dominostein finden wirst, weil du verstehst, dass der letzte Dominostein, der dir zu Füßen fiel, niemals gefallen wäre, wenn die Dominokette ewig weitergegangen wäre. Bevor der letzte Dominostein fallen könnte, müsste eine unendliche Anzahl von Steinen gefallen sein. Eine unendliche Anzahl fallender Dominosteine würde aber eine unendliche Zeit zum Fallen brauchen. Mit anderen Worten: Der letzte Dominostein würde nie fallen. Einfach ausgedrückt: Damit der letzte Dominostein fallen kann, muss der Stein davor vorher fallen, und damit dieser fallen kann, muss der Stein davor ihm vorausgehen. Ginge das ewig so weiter, würde der letzte Stein niemals fallen. Bei dieser Analogie bleibend, möchte ich eine weitere Frage stellen. Angenommen, du gehst die Straße entlang und findest schließlich den ersten Dominostein, der den Fall der gesamten Kette ausgelöst hat. Was würdest du über diesen ersten Dominostein denken? Würdest du glauben, dass dieser Stein von selbst gefallen ist? Anders gefragt: Glaubst du, dass sich der Fall des ersten Dominosteins irgendwie erklären lässt, ohne auf etwas Äußeres zu verweisen? Offensichtlich nicht; das widerspricht unserer grundlegenden Intuition über die Wirklichkeit. Nichts geschieht wirklich von selbst. Alles verlangt irgendeine Erklärung. Also muss der Fall des ersten Steins durch etwas anderes ausgelöst worden sein: einen Menschen, den Wind oder einen Gegenstand, der ihn angestoßen hat, usw. Was auch immer dieses „Etwas anderes“ ist, es muss Teil unserer Erklärung der fallenden Dominosteine sein.
Keeping the above scenario in mind, I want to ask you a few questions. As you walk down your street, will you eventually reach where the chain of dominoes began? Or will you keep on walking forever? The obvious response is that you will eventually find the first domino. However, I want you to ask why. The reason you know that you will find the first domino is because you understand that if the domino chain went on forever, the last domino that fell by your feet would never have fallen. An infinite number of dominoes would have to fall before the last domino could fall. Yet an infinite amount of falling dominoes would take an infinite amount of time to fall. In other words, the last domino would never fall. Putting this in simple terms, you know that in order for the last domino to fall, the domino behind must fall prior to it, and for that domino to fall, the domino behind it must fall prior to it. If this went on forever, the last domino would never fall. Sticking with the analogy, I want to ask you another question. Let’s say, walking down the street, you finally come across the first domino which led to the falling of the entire chain. What would your thoughts be about the first domino? Would you think this domino fell ‘by itself’? In other words, do you think the falling of the first domino can somehow be explained without referring to anything external to it? Clearly not; that runs against the grain of our basic intuition about reality. Nothing really happens on its own. Everything requires an explanation of some sort. So the first domino’s fall had to have been triggered by something else—a person, the wind or a thing hitting it, etc. Whatever this ‘something else’ is, it has to form a part of our explanation of falling dominoes.
Um unsere bisherigen Überlegungen zusammenzufassen: Die Kette von Dominosteinen kann weder eine unendliche Anzahl von Gliedern enthalten, noch kann der erste Dominostein ohne jeden Grund zu fallen beginnen.174
So to sum up our reflections thus far: neither could the chain of dominoes contain an infinite number of items, nor could the first domino start falling for no reason whatsoever.174
Dieser obige Vergleich ist eine Zusammenfassung des Abhängigkeitsarguments. Das Universum gleicht gewissermaßen einer Reihe von Dominosteinen. Das Universum und alles darin ist abhängig. Sie können nicht von etwas abhängen, das wiederum von etwas anderem abhängt, und so weiter ohne Ende. Die einzig plausible Erklärung lautet, dass das Universum und alles darin von jemandem oder etwas abhängen muss, dessen Existenz in gewisser Hinsicht unabhängig vom Universum (und überhaupt von allem anderen) ist. Anders ausgedrückt darf dieses Etwas nicht in derselben Weise „abhängig“ sein wie das Universum, denn das würde lediglich einen weiteren Dominostein zur Kette hinzufügen, der dann wiederum einer Erklärung bedürfte. Daher muss es ein unabhängiges und ewiges Wesen geben, von dem alles abhängt. So einfach dies klingt, muss ich, um dieses Argument zu verstehen, zunächst definieren, was ich unter „abhängig“ verstehe.
This above analogy is a summary of the argument from dependency. The universe is somewhat like a row of dominoes. The universe and everything within it is dependent. They cannot depend on something else, which in turn depends on something else, forever. The only plausible explanation is that the universe, and everything within it, has to depend on someone or something whose existence is in some ways independent from the universe (and anything else for that matter). Put differently, this thing must not be ‘dependent’ the way the universe is, because that would just add one more domino to the chain, which would then require an explanation. Therefore, there must be an independent and eternal Being that everything depends upon. Simple as this sounds, in order to understand this argument, I will have to define what I mean by ‘dependent’.
Die Frage ist eine Übersetzungsaufgabe, daher hier die deutsche Übersetzung des Satzes: Was bedeutet es, wenn wir sagen, etwas sei abhängig?
What does it mean when we say something is dependent?.
1. Erstens handelt es sich um etwas, das nicht notwendig ist. Das Wort „notwendig“ hat eine spezifische, fachliche Bedeutung in der Philosophie.
1. Firstly, it is something that is not necessary. The word ‘necessary’ has a specific, technical meaning in philosophy.
Entgegen dem gängigen Sprachgebrauch bedeutet es nicht, dass man etwas braucht. Wenn Philosophen sagen, etwas sei notwendig, meinen sie vielmehr, dass es unmöglich, undenkbar war, dass es nicht existiert.175 Ich verstehe, dass dieses Konzept etwas schwer zu fassen sein mag. Das liegt daran, dass nichts in unserer empirischen Erfahrung jemals notwendig ist. Eine angemessene Vorstellung davon, was „notwendig sein“ bedeutet, können wir jedoch gewinnen, indem wir an das Gegenteil denken. Dass ein Ding oder Gegenstand nicht notwendig ist, bedeutet, dass er nicht existieren muss. Anders gesagt: Wenn denkbar ist, dass ein Ding nicht existiert hätte, ist es nicht notwendig. Der Stuhl, auf dem Sie vermutlich gerade sitzen, ist eindeutig nicht notwendig – wir können uns tausend verschiedene Szenarien vorstellen, in denen er nicht existiert hätte. Vielleicht hätten Sie ihn nicht gekauft, der Hersteller hätte ihn nicht herstellen oder der Händler ihn nicht verkaufen wollen. Ihr Stuhl hätte sehr leicht nicht existieren können. Diese Möglichkeit des „Nicht-dagewesen-Seins“ ist ein zentrales Merkmal abhängiger Dinge.
Contrary to popular use, it does not indicate something you need. Rather, when philosophers say something is necessary, they mean that it was impossible, inconceivable for it to not have existed.175 I understand why this may be a bit of a difficult concept to grasp. This is because nothing in our empirical experience is ever necessary. We can, however, get an adequate understanding of what ‘being necessary’ means by thinking about the opposite. A thing or object not being necessary implies that it does not have to exist. In other words, if it is conceivable that a thing could have not existed, it is not necessary. The chair you are presumably sitting on is clearly not necessary—we can imagine a thousand different scenarios where it might not have existed. You may not have chosen to buy it, the manufacturer may not have chosen to make it, or the dealer may not have chosen to sell it. Clearly, your chair very easily could not have existed. Now this possibility of ‘not-having-been-there’ is a key feature of dependent things.
Etwas, das diese Eigenschaft besitzt, verlangt nach einer Erklärung für seine Existenz. Denn bei etwas, das möglicherweise nicht existiert hätte, kann man ohne Weiteres fragen: Warum existiert dieses Ding? Diese durchaus berechtigte Frage verlangt nach einer Erklärung. Es kann nicht sein, dass das Ding aus sich selbst heraus existiert, denn an seiner Existenz ist nichts notwendig. Zu sagen, das Ding erkläre sich irgendwie selbst, hieße, die eben besprochene Eigenschaft der Abhängigkeit zu leugnen. Also muss die Erklärung etwas Äußeres sein. Eine Erklärung in diesem Zusammenhang bedeutet eine äußere Menge von Faktoren, die einen Grund dafür liefern, warum etwas existiert.
Something that has this feature requires an explanation for its existence. This is because for something that might not have existed, you can easily ask: Why does this thing exist? That perfectly legitimate question calls for an explanation. It cannot be that the thing exists on its own, because there is nothing necessary about its existence. To say that the thing somehow explains itself would be to deny the property of dependence we just discussed. Thus, the explanation must be something external to it. An explanation in this context means an external set of factors that provide a reason for why something exists.
Wenn wir zu unserer Stuhl-Analogie zurückkehren: Die Gesamtheit mehrerer Faktoren – z. B. der Hersteller, der ihn anfertigt, der Händler, der ihn verkauft, und du, der ihn kauft – bildet die Erklärung für die Existenz des Stuhls. Wenn also etwas eine äußere Gesamtheit von Faktoren benötigt, bedeutet das, dass es von etwas anderem als sich selbst abhängig ist. Folglich ist seine Existenz von etwas Äußerem abhängig. Dies ist eine grundlegende, intuitive und vernünftige Form des Schlussfolgerns. Denn Fragen zu stellen über etwas Existierendes, das nicht hätte existieren können, ist das Kennzeichen eines vernünftigen Verstandes.
Going back to our chair analogy, the collection of a number of factors—e.g., the manufacturer making it, the dealer selling it, and you buying it—form the explanation for the chair’s existence. Therefore, if something requires an external set of factors, it means that it is dependent on something other than itself. Consequently, its existence is dependent on something external. This is a basic, intuitive and rational form of reasoning. This is because questioning something that exists that could not have existed, is the mark of a rational mind.
Denken Sie darüber nach, was Wissenschaftler tun. Sie weisen auf verschiedene Merkmale der Wirklichkeit hin und fragen: Warum ist diese Blume so beschaffen? Warum verursacht dieses Bakterium jene Krankheit? Warum dehnt sich das Universum in genau dem Tempo aus, in dem es sich ausdehnt? Was diesen Fragen ihre Berechtigung verleiht, ist die Tatsache, dass keine von ihnen notwendig ist; alle könnten auch anders sein, als sie sind. Um dieses Konzept besser zu verstehen, betrachten Sie folgendes Beispiel:
Think about what scientists do. They point to different features of reality and ask—why is this flower a certain way? Why does that bacteria cause this disease? Why is the universe expanding at the rate that it is? What gives these questions legitimacy is the fact that none of them are necessary; all of them might not have been the way that they are. To facilitate a greater understanding of this concept, consider the following example:
Wenn du morgens aufwachst, gehst du die Treppe hinunter und betrittst die Küche. Du öffnest den Kühlschrank, und auf dem Eierkarton findest du einen Kugelschreiber. Du schließt die Kühlschranktür natürlich nicht und schließt daraus, dass die Existenz des Kugelschreibers einer Notwendigkeit entspringt. Du denkst nicht, dass der Kugelschreiber von selbst in den Kühlschrank gelangt ist. Du fragst dich, warum der Kugelschreiber auf dem Eierkarton liegt. Du stellst diese Frage, weil die Existenz des Kugelschreibers auf dem Eierkarton nicht notwendig ist. Sie bedarf einer Erklärung, sowohl für ihr Dasein als auch für ihre Beschaffenheit. Die Erklärungen können verschieden ausfallen, doch dass eine Erklärung nötig ist, bedeutet, dass der Kugelschreiber abhängig ist. Der Kugelschreiber braucht eine äußere Menge von Faktoren, die einen Grund dafür liefern, warum er im Kühlschrank liegt und warum er so beschaffen ist, wie er ist. Zum Beispiel: Die Tatsache, dass der Kugelschreiber hergestellt wurde, dass dein Sohn ihn in einem Schreibwarengeschäft gekauft und dann in den Kühlschrank gelegt hat, liefert die äußere Menge von Faktoren, die für den Kugelschreiber verantwortlich ist. Der Kugelschreiber ist daher von diesen äußeren Faktoren abhängig, und diese Faktoren erklären seine Existenz.
Waking up in the morning, you go down the stairs and walk into the kitchen. You open the fridge and on top of the egg box you find a pen. You obviously do not close the fridge door and conclude that the pen’s existence is necessary. You do not think that the pen in the fridge got there by itself. You question why the pen is on top of the egg box. The reason you ask this question is because the pen’s existence on the egg box is not necessary. It requires an explanation for its existence and for the way that it is. The explanations can vary, but the fact that an explanation is needed means that the pen is dependent. The pen requires an external set of factors to provide a reason for why it is placed in the fridge, and why it is the way that it is. For instance: the fact that the pen was made, and your son bought the pen from a stationary shop, and then put the pen in the fridge provides the external set of factors responsible for the pen. The pen is therefore dependent on these external factors, and these factors explain the pen’s existence.
2. Zweitens ist etwas abhängig, wenn seine Bestandteile oder grundlegenden Bausteine auf eine andere Weise hätten angeordnet sein können. Denn es muss etwas außerhalb dieses Dings gegeben haben, das seine spezifische Anordnung bestimmt hat.176 Lassen Sie mich dies an einem Beispiel verdeutlichen:
2. Secondly, something is dependent if its components or basic building blocks could have been arranged in a different way. This is because there must have been something external to that thing which determined its specific arrangement.176 Let me elaborate with an example:
Sie fahren nach Hause und kommen an einem Kreisverkehr vorbei. Dort sehen Sie einen Blumenstrauß, angeordnet zu den drei Wörtern: „I love you“. Daraus können Sie schließen, dass an der Anordnung der Blumen nichts notwendig ist. Sie hätten auch anders angeordnet sein können; zum Beispiel hätte statt „I love you“ auch „I adore you“ verwendet werden können. Ebenso hätten die Blumen gar nicht angeordnet, sondern etwa regellos verstreut sein können. Da die Blumen auch anders gesetzt sein könnten, muss eine äußere Kraft, die nicht zu den Blumen selbst gehört, ihre Anordnung bestimmt haben. In diesem Fall könnte es der örtliche Gärtner gewesen sein oder das Ergebnis eines städtischen Projekts. Dieser Punkt trifft auf nahezu alles zu, was Sie beobachten. Die Bestandteile von allem, sei es ein Atom, ein Laptop oder ein Organismus, sind auf eine bestimmte Weise zusammengesetzt. Außerdem existiert jeder grundlegende Baustein nicht notwendigerweise. Die Grundbestandteile von etwas können sich nicht selbst erklären und bedürfen daher einer Erklärung (siehe die erste Definition oben).
You are driving home and you pass a roundabout. You see a bunch of flowers arranged in the following three words: ‘I love you’. You can conclude that there is nothing necessary about the arrangement of the flowers. They could have been arranged in another way—for example, the words ‘I adore you’ instead of ‘I love you’ could have been used. Alternatively, the flowers could have not been arranged at all—they might have been randomly scattered. Since the flowers could have been set in a different way, some force external to them must have determined their arrangement. In this case, it could have been the local gardener or the result of a local government project. This point holds true for pretty much everything you observe. The components of everything, be it an atom or a laptop or an organism, are composed in a specific way. Furthermore, each basic building block does not exist necessarily. The basic components of something cannot explain themselves and therefore require an explanation (see the first definition above).
3. Drittens ist etwas abhängig, wenn es für seine Existenz auf etwas außerhalb seiner selbst angewiesen ist. Dies entspricht dem gesunden Menschenverstand im Verständnis dieses Wortes. Eine andere Möglichkeit, Abhängigkeit zu erklären, besteht darin festzustellen, dass etwas nicht selbsterhaltend ist. Ein Beispiel dafür ist eine Hauskatze. Die Katze erhält sich nicht selbst; sie benötigt äußere Dinge zum Überleben. Dazu gehören Nahrung, Wasser, Sauerstoff und Unterkunft.
3. Thirdly, a thing is dependent if it relies on something outside itself for its existence. This is a common sense understanding of the word. Another way of explaining that something is dependent is by stating that it is not self-sustaining. An example includes a pet cat. The cat does not sustain itself; it requires external things to survive. These include food, water, oxygen and shelter.
4. Schließlich sind die bestimmenden Merkmale eines abhängigen Dings, dass es begrenzte physische Eigenschaften besitzt. Dazu können Gestalt, Größe, Farbe, Temperatur, Ladung, Masse usw. gehören. Warum ist das so?
4. Finally, the defining features of a dependent thing are that it has limited physical qualities. These can include shape, size, colour, temperature, charge, mass, etc. Why is this so?
Wenn etwas ein begrenztes körperliches Merkmal hat, muss dieses Merkmal durch etwas außerhalb seiner selbst begrenzt sein, etwa durch eine äußere Quelle oder eine äußere Menge von Faktoren. Die folgenden Fragen verdeutlichen diesen Punkt: Warum hat es diese Grenzen?
Well, if something has a limited physical feature, that feature must be limited by something external to itself, such as an external source or external set of factors. The following questions highlight this point: Why does it have these limits?
Warum ist es nicht doppelt so groß oder hat eine andere Form oder Farbe? Das Ding hat sich diese Begrenzungen nicht selbst gegeben. Wenn ich zum Beispiel einen Cupcake mit seinen begrenzten physischen Eigenschaften von Größe, Form, Farbe und Textur in die Hand nähme und behauptete, er existiere notwendigerweise, würdet ihr mich für töricht halten. Ihr wisst, dass seine Größe, Farbe und Textur von einer externen Quelle gesteuert wurden: in diesem Fall der Bäcker. Dinge mit begrenzten physischen Eigenschaften haben diese nicht selbst hervorgebracht. Es muss eine Erklärung geben, die die Existenz dieser begrenzten physischen Eigenschaften erklärt.
Why is it not twice the size, or a different shape or colour? The thing did not give itself these limitations. For example, if I picked up a cupcake with its limited physical qualities of size, shape, colour and texture, and claimed that it existed necessarily, you would think I was foolish. You know that its size, colour and texture have been controlled by an external source: in this case, the baker. Things with limited physical qualities did not give rise to them. There must be an explanation to explain the existence of these limited physical qualities.
Es ist vernünftig zu behaupten, dass alle Dinge mit begrenzten physischen Eigenschaften endlich sind; es muss etwas zuvor gegeben haben, das für ihre Eigenschaften verantwortlich war. Das bedeutet, dass alle begrenzten physischen Objekte irgendwann einen Anfang hatten, denn es ist undenkbar, dass begrenzte physische Objekte ewig sind. Dies liegt daran, dass vor jedem begrenzten physischen Objekt eine äußere Ursache oder ein Bündel von Faktoren existiert haben muss, das seine Begrenzungen verursacht hat. Stell dir vor, ich würde eine Pflanze aufheben und behaupten, sie sei ewig. Wie würdest du darauf reagieren? Du würdest über eine solche Behauptung lachen. Selbst wenn du den Anfang der Pflanze nicht miterlebt hast, weißt du, dass sie endlich ist, aufgrund ihrer begrenzten physischen Eigenschaften. Doch selbst wenn begrenzte physische Objekte (einschließlich des Universums) ewig wären, würde das nichts daran ändern, dass sie abhängig sind und nicht notwendigerweise existieren. Dieses Argument gilt unabhängig davon, ob Objekte ewig sind oder einen Anfang haben.
It is reasonable to assert that all things with limited physical qualities are finite; there must have been something prior that was responsible for their qualities. This means that all limited physical objects at one point had a beginning, because it is inconceivable that limited physical objects are eternal. This is due to the fact that an external source or set of factors must have existed prior to any limited physical object and caused its limitations. Imagine if I picked up a plant and claimed that it was eternal. How would you respond? You would laugh at such an assertion. Even if you didn’t witness the plant’s beginning, you know it is finite because of its limited physical qualities. However, even if limited physical objects (including the universe) were eternal, it would not change the fact that they are dependent and do not exist necessarily. This argument works regardless of whether or not objects are eternal or have a beginning.
Wenn wir die obige umfassende Definition dessen, was es heißt, abhängig zu sein, anwenden, gelangen wir zu dem Schluss, dass das Universum und alles, was darin ist, abhängig ist. Denke über alles nach, was dir in den Sinn kommt: einen Stift, einen Baum, die Sonne, ein Elektron und sogar ein Quantenfeld. All diese Dinge sind in gewisser Weise abhängig. Wenn dies zutrifft, dann lässt sich alles, was wir wahrnehmen – einschließlich des Universums – auf eine der folgenden Arten erklären:
Applying the above comprehensive definition of what it means to be dependent leads us to conclude that the universe and everything within it is dependent. Reflect on anything that comes to mind—a pen, a tree, the sun, an electron, and even a quantum field. All of these things are dependent in some way. If this is true, then all that we perceive—including the universe—can be explained in one of the following ways:
1. Das Universum und alles, was wir wahrnehmen, ist ewig, notwendig und unabhängig.
1. The universe and all that we perceive are eternal, necessary and independent.
2. Die Existenz des Universums und alles, was wir wahrnehmen, hängt von etwas anderem ab, das seinerseits ebenfalls abhängig ist.
2. The existence of the universe and all that we perceive depends on something else which is also dependent.
3. Das Universum und alles, was wir wahrnehmen, leitet seine Existenz von etwas anderem ab, das aus sich selbst heraus existiert und demnach ewig und unabhängig ist.
3. The universe and all that we perceive derives its existence from something else that exists by its own nature and is accordingly eternal and independent.
Ich werde jede Erklärung durchgehen und besprechen, welche am besten die Abhängigkeit des Universums und alles darin erklärt.
I will take each explanation and discuss which one best explains the dependency of the universe and everything within it.
1. Das Universum und alles, was wir wahrnehmen, ist ewig, notwendig und unabhängig.
1. The universe and all that we perceive are eternal, necessary and independent.
Könnten das Universum und alles, was wir wahrnehmen, ewig existieren und von sich selbst abhängen? Dies ist keine rationale Erklärung. Das Universum und alle Dinge, die wir wahrnehmen, müssen nicht notwendigerweise existieren; sie hätten auch nicht existieren können. Zudem besitzen sie begrenzte physische Eigenschaften. Da sie diese Begrenzungen nicht selbst hervorbringen konnten, muss etwas Äußeres sie ihnen auferlegt haben. Das Universum und alle Dinge, die wir wahrnehmen, erklären sich nicht aus ihrer eigenen Existenz heraus, und ihre Bestandteile hätten auch anders angeordnet sein können. Daher sind sie abhängig, und abhängige Dinge existieren nicht unabhängig. Selbst wenn das Universum ewig wäre, bliebe bestehen, dass es einen äußeren Satz von Faktoren geben muss, der seine begrenzten physischen Eigenschaften hervorgebracht hat. Außerdem hätten die Bestandteile oder Grundbausteine des Universums auch anders angeordnet sein können, und das Universum hätte auch nicht existieren können. Das Universum kann sich nicht aus seiner eigenen Existenz heraus erklären. Mit diesen Überlegungen können wir die Ansicht, die Ewigkeit des Universums biete irgendeine Erklärung für seine Existenz, getrost verwerfen (dieser Punkt wird weiter unten näher erläutert).
Could the universe and everything that we perceive exist eternally and depend on themselves? This is not a rational explanation. The universe and all the things that we perceive do not necessarily exist; they could have not existed. They also have limited physical qualities. Since they could not give rise to their own limitations, something external must have imposed these limitations on them. The universe and all the things we perceive do not explain themselves by virtue of their own existence, and their components could have been arranged in a different way. Therefore, they are dependent, and dependent things do not exist independently. Even if the universe were eternal, it still stands that there must have been an external set of factors that gave rise to its limited physical qualities. In addition, the universe’s components or basic building blocks could have been arranged in a different way, and the universe could have not existed. The universe cannot explain itself by virtue of its own existence. With these considerations, we can safely reject the view that the eternity of the universe somehow provides an explanation for its existence (this point is explained further below).
2. Die Existenz des Universums und alles, was wir wahrnehmen, hängt von etwas anderem ab, das ebenfalls abhängig ist.
2. The existence of the universe and all we perceive depends on something else which is also dependent.
Die Existenz des Universums und alles dessen, was wir wahrnehmen, kann nicht von etwas anderem abhängen, das seinerseits ebenfalls abhängig ist. Da das Universum und alles, was wir wahrnehmen, sich nicht selbst erklären, erklärt die Annahme eines weiteren abhängigen Dings, das sie erklären soll, überhaupt nichts. Denn auch das abhängige Ding, das das Universum und alles Existierende erklären soll, bedarf selbst einer Erklärung für seine Existenz. Daher ist der einzige Weg, abhängige Dinge zu erklären, der Verweis auf etwas, das nicht abhängig und deshalb notwendig ist.
The existence of the universe and all that we perceive could not depend on something else which is also dependent. Since the universe and all that we perceive do not explain themselves, then postulating another dependent thing to explain them does not explain anything at all. This is because the dependent thing that is supposed to explain the universe and everything that exists, also requires an explanation for its existence. Therefore, the only way to explain things that are dependent is by referring to something that is not dependent and therefore necessary.
Dennoch könnte jemand einwenden, dass das Dasein all dessen, was wir wahrnehmen, von etwas anderem abhängt, und dieses wiederum von einem anderen Ding, und so fort ins Unendliche. Das ist falsch. Zum Beispiel: Könnte dieses Universum durch ein anderes Universum erklärt werden, das wiederum durch ein anderes Universum erklärt wird, wobei sich die Kette der Erklärungen endlos fortsetzt? Damit wäre das Problem, dass eine Erklärung gefordert ist, nicht gelöst. Selbst wenn es unendlich viele Universen gäbe, die alle voneinander abhängen, könnte man immer noch fragen: Warum existiert diese unendliche Kette von Universen? Ob das Universum ewig ist oder nicht, es bedarf dennoch einer Erklärung für seine Existenz.
Despite this, someone may argue that the existence of all we perceive depends on something else, which in turn depends on another thing, ad infinitum. This is false. For instance: Could this universe be explained by another universe, which in turn is explained by another universe, with the series of explanations continuing forever? This would not solve the problem of requiring an explanation. Even if there were an infinite number of universes all dependent on each other, we could still ask: Why does this infinite chain of universes exist? Whether or not the universe is eternal, it still requires an explanation for its existence.
Stellen Sie sich das folgende Beispiel vor. Angenommen, es gäbe unendlich viele Menschen. Jeder Mensch wäre durch die biologische Aktivität seiner Eltern hervorgebracht worden, und jeder dieser Eltern wiederum durch die biologische Aktivität ihrer Eltern, und so weiter ad infinitum. Es wäre dennoch durchaus vernünftig zu fragen: Warum gibt es überhaupt Menschen? Selbst wenn diese Kette von Menschen keinen Anfang hätte, bliebe die Tatsache bestehen, dass diese Kette einer Erklärung bedarf. Da jeder Mensch in der Kette auch nicht hätte existieren können und begrenzte körperliche Eigenschaften besitzt, ist er abhängig und nicht notwendig. Sie bedürfen dennoch einer Erklärung. Allein die Aussage, die Kette der Menschen sei unendlich, ändert nichts an der Notwendigkeit einer Erklärung.
Consider the following example. Imagine there are an infinite number of human beings. Each human being was produced by the biological activity of their parents, and each of these parents was in turn produced by the biological activity of their parents, ad infinitum. It would still be perfectly reasonable to ask: Why are there any human beings at all? Even if this chain of human beings had no beginning, the fact remains that this chain requires an explanation. Since each human being in the chain could have not existed and possesses limited physical qualities, they are dependent and not necessary. They still require an explanation. Just saying the chain of human beings is infinite does nothing to change the need for an explanation.
Diese Option setzt außerdem voraus, dass eine unendliche Kette von Abhängigkeiten möglich ist. Das ist jedoch undenkbar. Zur Veranschaulichung stelle man sich vor, die Existenz dieses Universums hinge von einem anderen Universum ab, dessen Existenz wiederum von einem weiteren Universum abhinge, und so weiter. Würde dieses Universum dann jemals entstehen? Die Antwort lautet nein, denn es müssten erst unendlich viele Abhängigkeiten hergestellt sein, bevor dieses Universum existieren könnte. Man bedenke: Eine unendliche Anzahl von Dingen endet nie; daher könnte dieses Universum nicht existieren, wenn es eine unendliche Menge von Abhängigkeiten gäbe.
This option also assumes that an infinite regress of dependencies is possible. However, this is inconceivable. To illustrate this point, imagine the existence of this universe was dependent on another universe, and the existence of that universe was also dependent on another universe, and so on. Would this universe ever come to be? The answer is no, because an infinite number of dependencies would need to be established before this universe could exist. Remember, an infinite number of things do not end; therefore, this universe could not exist if there were an infinite set of dependencies.
3. Das Universum und alles, was wir wahrnehmen, leitet seine Existenz von etwas anderem ab, das aus sich selbst heraus existiert und demnach ewig und unabhängig ist.
3. The universe and all that we perceive derives its existence from something else that exists by its own nature and is accordingly eternal and independent.
Da alles, was wir wahrnehmen, in irgendeiner Weise abhängig ist, ist die vernünftigste Erklärung, dass die Existenz von allem von etwas anderem abhängt, das unabhängig und daher ewig ist. Es muss unabhängig sein, denn wäre es abhängig, bräuchte es eine Erklärung. Es muss auch ewig sein, denn wäre es nicht ewig – mit anderen Worten endlich –, wäre es abhängig, da endliche Dinge eine Erklärung für ihre Existenz benötigen. Daher können wir schließen, dass das Universum und alles, was wir wahrnehmen, von etwas abhängt, das ewig und unabhängig ist. Dies wird am besten durch die Existenz Gottes erklärt. Das Argument aus der Abhängigkeit wird von der islamischen intellektuellen Tradition gestützt. Das Konzept eines unabhängigen Wesens, das dafür verantwortlich ist, alles ins Dasein zu bringen, wird an verschiedenen Stellen im Qur’an hervorgehoben. Zum Beispiel sagt Gott:
Since everything we perceive is dependent in some way, then the most rational explanation is that the existence of everything depends on something else that is independent, and therefore eternal. It has to be independent because if it were dependent, it would require an explanation. It also has to be eternal because if it was not eternal—in other words, finite—it would be dependent as finite things require an explanation for their existence. Therefore, we can conclude that the universe, and everything that we perceive, depends upon something that is eternal and independent. This is best explained by the existence of God. The argument from dependency is supported by the Islamic intellectual tradition. The concept of an independent Being that is responsible for bringing everything into existence is highlighted in various places in the Qur’an. For example, God says:
„Gott ist unabhängig von allem, was existiert.“178
“God is independent of all that exists.”178
„O ihr Menschen! Ihr seid es, die Gott bedürfen, während Er allein der Selbstgenügsame ist, der Lobenswürdige.“179
“O mankind! It is you who stand in need of God, whereas He alone is self-sufficient, the One whom all praise is due.”179
Der klassische Koran-Exeget Ibn Kathir kommentiert den obigen Vers: „Sie bedürfen Seiner in allem, was sie tun, doch Er bedarf ihrer überhaupt nicht … Er ist einzigartig darin, frei von allen Bedürfnissen zu sein, und hat keinen Teilhaber und keinen Gefährten.“180
The classical exegete Ibn Kathir comments on the above verse: “They need Him in all that they do, but He has no need of them at all… He is unique in His being free of all needs, and has no partner or associate.”180
Die intellektuelle Tradition des Islam brachte Gelehrte wie Ibn Sina (im Westen als Avicenna bekannt) hervor, der ein ähnliches Argument entwickelte. Er vertrat die Auffassung, dass Gott Wājib al-Wujūd, das notwendigerweise Seiende, ist. Ibn Sina argumentierte, dass Gott notwendigerweise existiert und Er für die Existenz von allem verantwortlich ist. Alles andere als Gott ist abhängig, was Ibn Sina als Mumkin al-Wujūd bezeichnete.
Islam’s intellectual tradition produced the like of Ibn Sina (known in the West as Avicenna), who articulated a similar argument. He maintained that God is Waajib al-Wujood, necessarily existent. Ibn Sina argued that God necessarily exists and He is responsible for the existence of everything. Everything other than God is dependent, which Ibn Sina described as Mumkin al-Wujud.
Das Argument aus der Abhängigkeit wurde auch von vielen anderen einflussreichen islamischen Gelehrten übernommen und angepasst, darunter Al-Razi, Al-Ghazali und Imam al-Haramayn al-Juwayni. Al-Ghazali liefert eine knappe Zusammenfassung dieses Arguments:
181 The argument from dependency has also been adopted—and adapted—by many other influential Islamic scholars, some of whom include Al-Razi, Al-Ghazali and Imam al-Haramayn al-Juwayni. Al-Ghazali provides a concise summary of this argument:
„Es lässt sich die Existenz selbst nicht leugnen. Etwas muss existieren, und wer sagt, überhaupt nichts existiere, macht sowohl den Verstand als auch die Notwendigkeit zum Gespött. Der Satz, dass das Sein selbst nicht zu leugnen ist, ist demnach eine notwendige Prämisse. Dieses Seiende, dessen Existenz im Prinzip zugestanden wurde, ist nun entweder notwendig oder kontingent… Das bedeutet: Ein Seiendes muss entweder aus sich selbst heraus genügen oder abhängig sein… Daraus argumentieren wir: Wenn das Seiende, dessen Existenz zugestanden wird, notwendig ist, dann ist die Existenz eines notwendigen Seienden erwiesen. Ist seine Existenz dagegen kontingent, so hängt jedes kontingente Seiende von einem notwendigen Seienden ab; denn der Sinn seiner Kontingenz besteht darin, dass sein Dasein und sein Nichtdasein gleichermaßen möglich sind. Was eine solche Beschaffenheit hat, kann sein Dasein nicht ohne einen bestimmenden oder auswählenden Urheber erhalten. Auch dies ist notwendig. Aus diesen notwendigen Prämissen ist also die Existenz eines notwendigen Seienden erwiesen.“182.
“There is no denying existence itself. Something must exist and anyone who says nothing exists at all makes a mockery of sense and necessity. The proposition that there is no denying being itself, then, is a necessary premise. Now this Being which has been admitted in principle is either necessary or contingent… What this means is that a being must be self-sufficient or dependent… From here we argue: If the being the existence of which is conceded be necessary, then the existence of a necessary Being is established. If, on the other hand, its existence is contingent, every contingent being depends on a necessary Being; for the meaning of its contingency is that its existence and non-existence are equally possible. Whatever has such a characteristic cannot have its existence selected for without a determining or selecting agent. This too is necessary. So from these necessary premises the existence of a necessary Being is established.”182.
Zusammengefasst ist Gott nach islamischer Theologie:
In summary, according to Islamic theology, God is:
Unabhängig.
• Independent.
Das Wesen, von dem alles abhängt.
• The Being that everything depends on.
• Derjenige, der alles erhält.
• The One that sustains everything.
• Ewig.
• Everlasting.
• Selbstgenügsam.
• Self-sufficient.
• Wājib al-Wujūd (notwendigerweise Seiende).
• Waajib al-Wujood (necessarily existent).
Ich werde nun auf einige der wichtigsten Einwände gegen dieses Argument eingehen.
I will now address some of the key objections against this argument.
Das Universum existiert unabhängig.
The universe exists independently.
Eine typische atheistische Behauptung lautet: Wenn wir sagen, dass Gott unabhängig und notwendig ist, warum können wir dann nicht dasselbe für das Universum sagen? Dieser Einwand ist aus den folgenden Gründen fehlgeleitet. Erstens ist am Universum nichts notwendig; es hätte auch nicht existieren können. Zweitens hätten die Bestandteile des Universums auch anders angeordnet sein können. Ob man diese Bestandteile für Quarks oder für eine Art Quantenfeld hält, in jedem Fall bleibt die Frage bestehen:
A typical atheist contention is: If we are saying that God is independent and necessary, why cannot we say the same thing for the universe? This is a misplaced contention for the following reasons. Firstly, there is nothing necessary about the universe; it could have not existed. Secondly, the components of the universe could have been arranged in a different way. Whether one considers these components to be quarks or some type of quantum field, it still raises the question:
Warum sind sie so angeordnet, wie sie sind? Da eine andere Anordnung der Quarks oder Felder anstelle der Zusammensetzung, die tatsächlich existiert, hätte bestehen können, folgt daraus, dass das Universum abhängig ist.183
Why are they arranged the way that they are? Since a different arrangement of quarks or fields could have existed instead of the collection that does exist, it follows that the universe is dependent.183
Alles, was wir innerhalb des Universums wahrnehmen, besitzt begrenzte physische Eigenschaften; dazu gehören die Galaxien, Sterne, Bäume, Tiere und Elektronen. Sie haben eine bestimmte Gestalt, Größe und physische Form. Daher sind diese Dinge, die wir um uns herum wahrnehmen – die Dinge, aus denen das gesamte Universum besteht – endlich und abhängig.
Everything we perceive within the universe has limited physical qualities; this includes the galaxies, stars, trees, animals and electrons. They have a specific shape, size and physical form. As such, these things that we perceive around us—the things that make up the entire universe—are finite and dependent.
Das Universum ist einfach eine nackte Tatsache.
The universe is just a brute fact.
Eine andere Behauptung legt nahe, dass wir keine Fragen über das Universum stellen sollten. Während seiner berühmten Radiodebatte mit Pater Copleston sagte der Philosoph Bertrand Russell: „Ich würde sagen, das Universum ist einfach da, und das ist alles“184. Diese Haltung ist offen gesagt ein intellektueller Ausweg. Man betrachte die folgende Analogie vom schwebenden grünen Ball:185
Another contention suggests that we should not ask any questions about the universe. During his famous radio debate with Father Copleston, the philosopher Bertrand Russell said, “I should say that the universe is just there, and that’s all”184. This position is frankly an intellectual cop-out. Consider the following hovering green ball analogy:185
Stellen Sie sich vor, Sie gehen in Ihrem örtlichen Park spazieren und sehen mitten auf dem Kinderspielplatz einen schwebenden grünen Ball. Wie würden Sie reagieren? Würden Sie einfach vorbeigehen und ihn als notwendigen Bestandteil des Spielplatzes akzeptieren? Natürlich nicht; Sie würden sich fragen, warum er existiert und warum er so beschaffen ist, wie er ist. Nun vergrößern Sie den Ball auf die Größe eines Universums. Die Frage bleibt dieselbe: Warum existiert der Ball, und warum ist er so, wie er ist? Daher ist es berechtigt, zu fragen, warum das Universum so beschaffen ist, wie es ist.
Imagine you were walking in your local park and you saw a hovering green ball in the middle of the children’s playground. How would you react? Would you walk by and accept it as a necessary part of the playground? Of course not; you would question why it exists and how it is the way that it is. Now, extend the ball to the size of a universe. The question still remains: Why does the ball exist and why is it the way that it is? Hence, the validity of questioning why the universe is the way that it is.
Außerdem ist diese Behauptung absurd, denn sie untergräbt die Wissenschaft selbst. Innerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft gibt es ein Forschungsfeld, das sich der Frage widmet, die Existenz und die grundlegenden Eigenschaften des Universums zu erklären. Dieses Feld heißt Kosmologie. Es ist ein durchaus legitimer Zweig wissenschaftlicher Untersuchung, und das Universum als eine „bloße Tatsache“ zu bezeichnen, wird einer etablierten wissenschaftlichen Praxis nicht gerecht.
Furthermore, this contention is absurd because it undermines science itself. Within the scientific community is a field of study dedicated to trying to explain the existence and basic features of the universe. This field is called cosmology. This is a perfectly legitimate field of scientific enquiry, and to label the universe as a ‘brute fact’ does a disservice to an established scientific practice.
Die Wissenschaft wird eines Tages eine Antwort finden!
Science will eventually find an answer!.
Diese Einwendung argumentiert, dass das in diesem Kapitel Dargelegte eine Form des „Gott-der-Lücken“-Fehlschlusses sei. Sie besagt, dass unsere Unwissenheit über naturwissenschaftliche Phänomene nicht als Beweis für die Existenz Gottes oder für göttliches Wirken gelten sollte, weil die Wissenschaft irgendwann eine Erklärung liefern werde. Diese Einwendung geht jedoch fehl, weil das Argument aus der Abhängigkeit keine naturwissenschaftliche Frage beantworten will. Sein Anliegen ist metaphysischer Natur; es sucht das Wesen und die Implikationen abhängiger Dinge zu verstehen. Dieses Argument lässt sich auf alle naturwissenschaftlichen Erklärungen und Phänomene anwenden. Selbst wenn wir viele Universen als Erklärung für natürliche Phänomene annähmen, wären sie immer noch abhängig. Warum? Weil die Bestandteile dieser Erklärungen auch anders angeordnet sein könnten und ihre Existenz nicht aus sich selbst heraus erklärbar ist, oder weil sie etwas außerhalb ihrer selbst zu ihrer Existenz benötigen und begrenzte physische Eigenschaften besitzen. Daher sind sie abhängig, und – wie in diesem Kapitel erörtert – kann man ein abhängiges Ding nicht durch ein anderes abhängiges Ding erklären. Wenn Angehörige der wissenschaftlichen Gemeinschaft behaupten, etwas Unabhängiges und Ewiges gefunden und damit die Existenz des Universums erklärt zu haben, würde ich nach einem Beweis fragen. Interessanterweise würde genau in dem Moment, in dem sie einen empirischen Beweis vorlegten, ihr eigener Widerspruch offenbar, denn Dinge, die sinnlich wahrnehmbar sind, besitzen begrenzte physische Eigenschaften und gelten daher ebenfalls als abhängig.
This objection argues that what has been presented in this chapter is a form of the ‘God of the gaps’ fallacy. It argues that our ignorance of scientific phenomena should not be taken as proof of God’s existence or Divine activity, because science will eventually provide an explanation. This is a misplaced objection because the argument from dependency does not aim to address a scientific question. Its concern is with metaphysics; it seeks to understand the nature and implications of dependent things. This argument can be applied to all scientific explanations and phenomena. For example, even if we were to theorise many universes as an explanation for natural phenomena, they would still be dependent. Why? Because the components of these explanations could be arranged in a different way and cannot be explained by virtue of their own existence, or they require something else outside of themselves to exist and have limited physical qualities. Therefore, they are dependent, and—as discussed in this chapter—you cannot explain a dependent thing with another dependent thing. If members of the scientific community claim to have found something that is independent and eternal, and in turn explained the existence of the universe, I would ask for proof. Interestingly, the minute they provide some empirical proof would be the moment they contradict themselves, because things that can be sensed have limited physical qualities, therefore qualifying as dependent.
Wissenschaft kann niemals etwas Unabhängiges und Ewiges entdecken, nicht nur weil sie empirisch wäre, sondern auch weil Wissenschaft nur mit beobachtbaren, abhängigen Dingen arbeitet. Deshalb ist es sinnlos zu sagen, die Wissenschaft würde ein unwissenschaftliches Objekt entdecken! Lasst uns einen Moment innehalten und darüber nachdenken, was Wissenschaft ist. Wissenschaft als Disziplin ist darauf ausgerichtet, Antworten und Erklärungen zu liefern (siehe Kapitel 12).
Science cannot ever discover anything independent and eternal, not only because it would be empirical, but also because science only works on observable dependent things. Therefore, it makes no sense to say that science would discover an unscientific object! Let’s take a moment and think about what science is. Science, as a discipline, is in the business of providing answers and explanations (see Chapter 12).
Nur abhängige Dinge können Erklärungen haben. Dies vor Augen, erkennen wir, dass der Geltungsbereich der Wissenschaft auf den Bereich abhängiger Objekte beschränkt ist. Daher kann die Wissenschaft nur eine Antwort geben, die sich auf ein anderes abhängiges Objekt bezieht. Sie kann das metaphysische Wesen dieses Arguments nicht ansprechen. Wie wir dargelegt haben, kann man ein abhängiges Objekt nicht mit einem anderen abhängigen Objekt erklären, denn auch dieses würde einer Erklärung bedürfen (und wie Sie sich erinnern, haben wir bereits besprochen, dass es kein Ding geben kann, das zu seiner Existenz von etwas anderem abhängt, welches wiederum von noch etwas anderem abhängt, ad infinitum). Da die Erklärung etwas Unabhängiges und Ewiges ist, kann die Wissenschaft niemals in die Diskussion eintreten, weil sie auf den begrenzten Bereich empirischer, abhängiger Dinge beschränkt ist.
Only dependent things can have explanations. With this in mind, we realise the scope of science is restricted to the realm of dependent objects. Therefore, science can only provide an answer that would relate to another dependent object. It cannot address the metaphysical nature of this argument. As we have explained, you cannot explain a dependent object with another dependent object, because that dependent object would also require an explanation (and if you recall, we have already discussed that there cannot be a thing that depends on something else to exist, which in turn depends on still another thing, ad infinitum). Since the explanation is something that is independent and eternal, science can never enter into the discussion because it has a limited scope of empirical, dependent things.
Sie haben vorausgesetzt, dass Gott existiert, da Er das einzige ist, das notwendigerweise existiert.
You’ve assumed God exists, as He is the only thing that necessarily exists.
Die Argumentation in diesem Kapitel hat Gott nicht vorausgesetzt. Die Argumentation hat auch den Begriff der Notwendigkeit nicht erfunden, um so zu Gott zu gelangen. Vielmehr hat die Abhängigkeit des Universums und alles dessen, was wir wahrnehmen, zu der Vorstellung geführt, dass es ein ewiges, unabhängiges Wesen geben muss, das notwendigerweise existiert. Diese Schlussfolgerung macht die islamische Definition Gottes verständlich. Die Begriffe der Notwendigkeit und der Abhängigkeit sind in der Philosophie wohlbekannt und werden dort diskutiert (die Verwendung des Wortes Abhängigkeit in dieser Argumentation wird in der Philosophie üblicherweise als Kontingenz bezeichnet). Es handelt sich dabei nicht um erfundene Konzepte, mit denen die Erklärung „Gott“ durch die Hintertür eingeschmuggelt werden soll.
The argument in this chapter has not assumed God. The argument has not made up the idea of necessity in order to lead to God. Rather, the dependency of the universe and everything that we perceive has led to the idea that there must be an eternal, independent being that exists necessarily. This conclusion makes sense of the Islamic definition of God. The ideas of necessity and dependency are well known and discussed in philosophy (the use of the word dependency in this argument is usually referred to as contingency in philosophy). They are not made up concepts to try and sneak the God explanation via the backdoor.
„Verlangt Gott keine Erklärung?“
“Doesn’t God require an explanation?”.
Die Argumentation in diesem Kapitel ist zu dem Schluss gekommen, dass es ein ewiges, unabhängiges Wesen geben muss, das notwendigerweise existiert. Dies macht die islamische Vorstellung von Gott verständlich. Ein notwendiges Wesen bedarf keiner Erklärung. Gengenommen bedarf ein solches Wesen keiner Erklärung, die sich auf etwas außerhalb seiner selbst bezieht (anders als abhängige Dinge). Vielmehr wird ein notwendiges Wesen durch seine eigene Existenz erklärt. Mit anderen Worten: Es war unmöglich, dass es nicht existierte. Daher bedarf es keiner Erklärung außerhalb seiner selbst.
The argument presented in this chapter has concluded that there must be an eternal, independent being that exists necessarily. This makes sense of the Islamic conception of God. A necessary being doesn’t require an explanation. Technically, such a being doesn’t require an explanation that refers to something external to it (unlike dependent things). Rather, a necessary being is explained by virtue of its own existence. In other words, it was impossible for it to have not existed. Therefore, it doesn’t require an explanation external to itself.
Der Trugschluss der Zusammensetzung.
The Fallacy of Composition.
Der Fehlschluss der Komposition ist ein Denkfehler, bei dem fälschlicherweise geschlossen wird, dass das Ganze dieselben Eigenschaften haben muss wie seine einzelnen Teile.186 Eine solche Behauptung ist jedoch nicht immer fehlerhaft. Es kann sein, dass manche Ganzheiten die Eigenschaften enthalten, die in ihren einzelnen Teilen vorhanden sind; das ist jedoch nicht immer der Fall. Ein Beispiel: Eine Mauer (das Ganze) besteht aus Ziegelsteinen (einzelne Teile). Ziegelsteine sind hart, also ist die Mauer hart. Das ist wahr. Betrachten wir dagegen einen persischen Teppich. Der Teppich (das Ganze) besteht aus Fäden (einzelne Teile); es wäre falsch zu folgern, dass der Teppich leicht ist, weil die einzelnen Fäden leicht sind. Im Hinblick auf das Obige könnte der Einwender argumentieren, dass aus der Tatsache, dass das Universum aus abhängigen Teilen besteht, logisch nicht folgt, dass es abhängig ist. Dieser Einwand ist jedoch fehl am Platz. Aus unserer Erfahrung heraus bilden abhängige Dinge stets abhängige Ganzheiten. Ein Haus besteht zum Beispiel aus abhängigen Materialien, und ein Haus ist abhängig. Es hat begrenzte physische Eigenschaften, es hätte nicht existieren können, und seine grundlegenden Bausteine hätten anders angeordnet sein können. Ebenso besteht das Universum aus abhängigen Dingen, also ist es abhängig. Die Beweislast liegt beim Einwender, zu zeigen, dass abhängige Dinge keine abhängigen Ganzheiten bilden.
The fallacy of composition is a fallacy of reasoning that mistakenly concludes that the whole must have the same properties as its individual parts.186 However, making such a claim is not always fallacious. It could be that some wholes contain the properties that exist within its individual parts; however it is not always the case. For example, a wall (the whole) is made of bricks (individual parts). Bricks are hard, therefore the wall is hard. This is true. Conversely, take into consideration a Persian rug. The rug (the whole) is made up of threads (individual parts); it would be false to conclude that since the individual threads are light the rug is also light. With respect to the above, the objector may argue that it does not logically follow the universe is dependent because it is made up of dependent parts. Nevertheless this is a misplaced objection. From our experience dependent things always form dependent wholes. For example, a house is made up of dependent materials and a house is dependent. It has limited physical qualities, it could have not existed and its fundamental building blocks could have been arranged in a different way. Similarly the universe is made up of dependent things therefore it is dependent. The onus of proof is on the objector to show that dependent things do not make up dependent wholes.
Bevor ich dieses Kapitel beende, rate ich dazu, das Buch Necessary Existence von Professor Alexander R. Pruss und Professor Joshua L. Rasmussen zu lesen.187 Das Buch behandelt ähnliche und weitere akademische Einwände gegen dieses Argument. Außerdem empfehle ich Mohammed Hijabs Buch Kalam Cosmological Arguments für eine vertiefte islamische Perspektive.188
Before I end this chapter, I advise reading the book Necessary Existence by Professor Alexander R. Pruss and Professor Joshua L. Rasmussen.187 The book addresses similar and other academic objections to this argument. I also recommend reading Mohammed Hijab’s book Kalam Cosmological Arguments for an in-depth Islamic perspective.188
Abschluss mit einem geistlichen Gedanken.
Ending on a spiritual note.
Dieses Verständnis Gottes ist nicht bloß eine intellektuelle Übung; vielmehr sollte es ein tiefes Gefühl der Sehnsucht und Liebe zu Gott hervorrufen. In diesem Kapitel haben wir geschlussfolgert, dass Gott notwendigerweise existiert und alles nur durch Ihn existieren kann. In diesem Sinne sind wir als Menschen nicht nur im philosophischen Sinne von Gott abhängig, sondern auch im gewöhnlichen Wortgebrauch; wir könnten nicht hier sein ohne Ihn, und alles, was wir haben, verdanken wir letztlich Ihm allein.
This understanding of God is not just an intellectual exercise; rather, it should instil a deep sense of yearning and love for God. In this chapter, we have concluded that God necessarily exists and everything can only exist because of Him. In this sense, we as human beings are not only dependent on God in the philosophical sense, but also in the normal use of the word; we couldn’t be here without Him, and everything that we have is ultimately due to Him alone.
Die folgende bewundernswerte kurze Geschichte lehrt uns, dass wir letztlich auf Gott angewiesen sind und unser Erfolg in diesem Leben und im Jenseits in Seiner grenzenlosen Barmherzigkeit liegt; deshalb sollten wir uns Gott unterwerfen und Seinen Willen erfüllen.
The following marvellous short story teaches us that, since we are ultimately dependent on God, and our success in this life and the hereafter lies with His boundless mercy, we should submit to God and accomplish His will:
„Eines Tages machte ich mich auf, meine Felder zu bestellen, begleitet von meinem kleinen Hund, dem erklärten Todfeind der Affen, die die Pflanzungen verwüsteten. Es war die Zeit der großen Hitze. Mein Hund und ich waren so erhitzt, dass wir kaum noch atmen konnten. Ich begann zu denken, dass einer von uns beiden bald ohnmächtig umfallen würde. Dann sah ich, Gott sei Dank, einen Tiayki-Baum, dessen Zweige ein Gewölbe erfrischenden Grüns bildeten. Mein Hund stieß kleine Freudenlaute aus und wandte sich diesem gesegneten Schatten zu.“
“One day I set out to tend my fields, accompanied by my little dog, sworn enemy of the monkeys which ravaged the plantations. It was the season of great heat. My dog and I were so hot that we could scarcely breathe. I began to think that one or other of us would soon fall in a faint. Then, thank God, I saw a Tiayki tree, the branches of which presented a vault of refreshing greenery. My dog gave little cries of joy and turned towards this blessed shade.
Als er den Schatten erreicht hatte, kehrte er, anstatt dort zu bleiben, wo er war, zu mir zurück, die Zunge heraushängend. Als ich sah, wie seine Flanken keuchten, erkannte ich, wie völlig erschöpft er war. Ich ging auf den Schatten zu. Mein Hund war voller Freude. Dann tat ich für einen Augenblick so, als wollte ich meinen Weg fortsetzen. Das arme Tier stöhnte kläglich, folgte mir aber dennoch, den Schwanz zwischen die Beine geklemmt. Er war offensichtlich verzweifelt, aber entschlossen, mir zu folgen, was auch immer daraus werden mochte. Diese Treue bewegte mich zutiefst. Wie konnte man die Bereitschaft dieses Tieres, mir sogar in den Tod zu folgen, obwohl es keinerlei Zwang dazu gab, wirklich ermessen? Er ist mir ergeben, sagte ich mir, weil er mich als seinen Herrn ansieht und deshalb sein Leben riskiert, nur um an meiner Seite zu bleiben. „O mein Herr“, rief ich, „heile meine aufgewühlte Seele! Mach meine Treue der dieses Wesens ähnlich, das ich verächtlich einen Hund nenne. Gib mir, wie Du es ihm gegeben hast, die Kraft, über mein Leben zu herrschen, damit ich Deinen Willen erfülle und dem Weg folge, auf den Du mich leitest – ohne zu fragen: Wohin gehe ich? Ich bin nicht der Schöpfer dieses Hundes, und doch folgt er mir gehorsam, unter Inkaufnahme tausendfacher Leiden. Du, Herr, hast ihn mit dieser Tugend beschenkt. Gib, o Herr, allen, die Dich darum bitten – so wie ich –, die Tugend der Liebe und den Mut der Nächstenliebe!“ Dann kehrte ich um und suchte Zuflucht im Schatten. Voller Freude legte sich mein kleiner Gefährte mir gegenüber hin, sodass seine Augen auf die meinen gerichtet waren, als wollte er ernsthaft zu mir sprechen.189
When he had reached the shade, instead of staying where he was, he came back to me, his tongue out. Seeing how his flanks were palpitating, I realised how completely exhausted he was. I walked towards the shade. My dog was full of joy. Then, for a moment, I pretended to continue on my way. The poor beast groaned plaintively, but followed me none the less, his tail between his legs. He was obviously in despair, but determined to follow me, whatever might come of it. This fidelity moved me profoundly. How could one fully appreciate the readiness of this animal to follow me, even to death, although he was under no constraint to do so? He is devoted to me, I said to myself, because he regards me as his master and so risks his life simply to stay beside me. ‘Oh my Lord,’ I cried, ‘Heal my troubled soul! Make my fidelity like that of this being whom I call, contemptuously, a dog. Give me, as You have given to him, the strength to master my life so that I may accomplish Your will and follow—without asking, Where am I going?—the path upon which You guide me! I am not the creator of this dog, yet he follows me in docility, at the cost of a thousand sufferings. It is You, Lord, who has gifted him with this virtue. Give, O Lord, to all who ask it of You—as I do— the virtue of Love and the courage of Charity!’ Then I retraced my steps and took refuge in the shade. Full of joy, my little companion lay down facing me so that his eyes were turned to mine, as though he wished to speak seriously to me.”189