Feinde der Vernunft – Warum Atheismus irrational ist
Adversaries Of Reason – Why Atheism Is Irrational
Stellen Sie sich vor, Sie sind Taxifahrer, und eines Tages erhalten Sie einen Anruf, dass Sie zwei Fahrgäste am Bahnhof abholen sollen. Sie sind ganz in der Nähe, also kommen Sie etwas früher an als vereinbart. Der Zug der Fahrgäste trifft ein, und nach wenigen Augenblicken steigen sie in Ihr Auto. Sie tauschen Grüße aus, und dann fragen Sie, wohin sie möchten. Sie bitten Sie, sie zu ihrem Büro zu bringen, das etwa 9 Meilen entfernt liegt. Sie starten den Wagen und fahren los. Nach einiger Zeit setzen Sie sie vor ihrem Büro ab. Nun spulen Sie die Geschichte zurück. Stellen Sie sich vor, dass Sie, gleich nachdem die Fahrgäste in Ihr Auto gestiegen sind, eine Augenbinde anlegen. Könnten Sie in diesem Szenario Ihre Fahrgäste zu ihrem Ziel bringen? Die Antwort ist offensichtlich. Sie könnten sie niemals an ihr Ziel fahren, weil Sie blind sind; Sie können wegen der Augenbinde nicht sehen. Was aber, wenn Sie darauf bestünden, mit aufgesetzter Augenbinde Ihr Fahrzeug lenken zu können? Würden Ihre Fahrgäste Sie dann nicht als unvernünftig, wenn nicht gar als verrückt bezeichnen? Der Taxifahrer, der sehen kann, steht für den islamischen Theismus, und der Taxifahrer mit der Augenbinde steht für den Atheismus.
Imagine you are a taxi-driver and one day you receive a call to pick up two passengers from the train-station. You are quite close so you arrive before the scheduled time. The passengers’ train arrives and after a few moments they get into your car. You exchange greetings and then you ask them where they want to go. They request that you take them to their office, which is about 9 miles away. You start the car and begin to drive. After some time, you drop them off at their office. Now rewind the story. Imagine that just after the passengers get into your car, you put on a blindfold. In this scenario, would you be able to drive your passengers to their destination? The answer is obvious. You could never drive them to their destination because you are blind; you cannot see because of the blindfold. However, what if you insisted that you could drive your vehicle with your blindfold on? Wouldn’t your passengers describe you as irrational, if not insane? The taxi-driver who can see represents Islamic theism, and the taxi-driver who has a blindfold on represents atheism.
Einführung in das Argument.
Introducing the argument.
Bevor ich erkläre, warum die Taxifahrer in dieser Geschichte Analogien für Atheismus und islamischen Theismus sind, möchte ich einige wesentliche Hintergrundinformationen vorausschicken. Sowohl Muslime als auch Atheisten gehen davon aus, dass sie die Fähigkeit zu denken besitzen. Das bedeutet, dass wir in der Lage sind, gedankliche oder rationale Einsichten zu gewinnen. Wir „sehen" in unserem Geist einen Weg zu einer Schlussfolgerung. Unser Verstand nimmt Prämissen oder Aussagen und „fährt" sie zu einem gedanklichen Ziel, mit anderen Worten zu einer logischen Schlussfolgerung. Dies ist ein zentrales Merkmal eines rationalen Geistes. Warum also gleicht der Atheismus einem Taxifahrer mit verbundenen Augen? Die meisten Formen des Atheismus implizieren den philosophischen Naturalismus, der verlangt, dass Vernunft (und alles andere) allein durch blinde, nicht-rationale physikalische Prozesse erklärt werden muss. Doch so wie man Fahrgäste nicht mit verbundenen Augen zu ihrem Büro fahren kann, können blinde physikalische Prozesse niemals Prämissen in unserem Geist zu einem gedanklichen Ziel „fahren". Sie können die logischen Beziehungen zwischen den Prämissen eines Arguments weder erzeugen noch erkennen. Daher ist der Atheismus faktisch gleichbedeutend mit der Ablehnung der Vernunft selbst, weil er seine eigene Voraussetzung ungültig macht. Unsere Fähigkeit zu denken passt schlicht nicht in das naturalistische Weltbild, denn Rationalität kann nicht aus blinden, nicht-rationalen physikalischen Prozessen entstehen. Dies zu behaupten kommt dem Glauben gleich, dass etwas aus dem Nichts entstehen könne. Aus dieser Perspektive ist der Atheismus irrational. Der Atheismus untergräbt genau das, womit er Gott leugnen will: die Vernunft. Warum aber gleicht der islamische Theismus einem Taxifahrer, der sehen kann? Unsere Fähigkeit zu gedanklichen Einsichten passt in den islamischen Theismus, weil diese Fähigkeit einleuchtend ist (d. h. hinreichend erklärt wird), da sie uns vom Schöpfer gegeben wurde, Der All-Sehend, All-Wissend und All-Weise ist. Ein Ding kann nichts hervorbringen, was es nicht enthält oder wozu es nicht die Fähigkeit (oder das Potenzial) besitzt. Mit anderen Worten: Rationalität kann nur aus Rationalität entstehen. Deshalb kann unsere Fähigkeit, geistige Einsichten zu gewinnen, vom Schöpfer stammen. Das Argument dieses Kapitels besagt, dass unsere Fähigkeit zu vernünftigem Denken sowohl von Atheisten als auch von Theisten vorausgesetzt wird. Diese Voraussetzung passt jedoch gut zum islamischen Theismus und ergibt unter dem Atheismus keinen Sinn. Daher wäre es nur vernünftig, den islamischen Theismus dem Atheismus vorzuziehen. Dieses Kapitel wird diese Behauptungen im Einzelnen untersuchen. Bevor ich jedoch genauer darauf eingehe, folgt der Dialog, der zusammenfasst, was in diesem Kapitel besprochen wird:
Before I explain why the taxi-drivers in this story are analogies of atheism and Islamic theism, let me provide you with some essential background information. Both Muslims and atheists assume that they have the ability to reason. This means that we are able to form mental or rational insights. We “see” our way to a conclusion in our minds. Our minds take premises or statements and “drive” them to a mental destination; in other words, a logical conclusion. This is a key feature of a rational mind. So why is atheism like a taxi-driver with a blindfold on? Most forms of atheism imply philosophical naturalism, which demands that reason (and everything else) must only be explained via blind, non-rational physical processes. However, just as you cannot drive passengers to their office with a blindfold on, physical processes that are blind can never “drive” any premises in our minds to a mental destination. In other words, they cannot create and recognise the logical relations between the premises of an argument. Therefore, atheism is in effect equivalent to rejecting reason itself, because it invalidates its own assumption. Our ability to reason simply does not fit within the naturalistic worldview, because rationality cannot come from blind, non-rational physical processes. To maintain that it can is the same as believing that something can come from nothing. From this perspective, atheism is irrational. Atheism invalidates the thing that it claims to use to deny God: reason. So why is Islamic theism like a taxi-driver who can see? Our ability to form mental insights fits within Islamic theism because this ability makes sense (i.e. is explained adequately), as it was given to us by the Creator Who is All-Seeing, The-Knowing and The-Wise. A thing cannot give rise to something if it does not contain it, or if it does not have the ability (or the potential) to give rise to it. In other words, rationality can only come from rationality. This is why our ability to form mental insights can come from the Creator. The argument in this chapter asserts that our ability to reason is assumed by both atheists and theists. This assumption, however, fits nicely within Islamic theism and does not fit or make sense under atheism. Therefore, it would only be rational to accept Islamic theism over atheism. This chapter will examine these assertions in detail. However, before I elaborate, the dialogue below is a summary of what will be discussed in this chapter:
„Atheist: „Es gibt keinen Beweis für die Existenz Gottes. Der Glaube an Gott ist irrational.““
Atheist: “There is no evidence for the existence of God. Belief in God is irrational.”.
„Das ist eine interessante Behauptung. Bevor wir fortfahren: Darf ich dich fragen, ob du glaubst, dass du über Verstandeskräfte verfügst? Anders gesagt: Glaubst du, dass du denken und schlussfolgern kannst?“
Muslim: “That’s an interesting assertion. Before we continue, can I ask you, do you believe that you have rational faculties? In other words, do you believe you can reason?”.
Atheist: „Offensichtlich. Jede rationale Person würde Gott leugnen. Es gibt schlicht keinerlei Beweise.“
Atheist: “Obviously. Any rational person would deny God. There’s simply no evidence.”.
Muslim: „Gut, schön. Darf ich fragen, wie du deine Vernunftfähigkeiten im Atheismus erklärst?“
Muslim: “Okay, great. So can I ask, how do you explain your rational faculties under atheism?”.
Atheist: „Was meinst du damit?“. Muslim: „Nun, glaubst du, dass sich alle Phänomene durch physische Dinge erklären lassen? Und glaubst du, dass es kein Übernatürliches gibt?“ Atheist: „Sicher.“.
Atheist: “What do you mean?”. Muslim: “Well, do you believe all phenomena can be explained via physical stuff? And do you believe that there is no supernatural?” Atheist: “Sure.”.
Muslim: „Physische Dinge sind bloß blind und nicht-rational. Wie also kann Rationalität aus Nicht-Rationalität entstehen? Wie kann etwas aus etwas hervorgehen, das es nicht enthält und nicht das Potenzial besitzt, es hervorzubringen? Wie können wir rationale Einsichten aus blind wirkenden physischen Prozessen gewinnen? Wie erklärst du in diesem Licht deine eigene Fähigkeit zu denken?“ Atheist: „Nun, wir haben ein Gehirn, das sich entwickelt hat.“ Muslim: „Gut, und laut Atheismus beruht ein entwickeltes Gehirn ebenfalls auf physischen Dingen, oder?“
Muslim: “Physical stuff is just blind and non-rational. So how can rationality come from non-rationality? How can anything arise from something that does not contain it or have the potential to give rise to it? How can we form rational insights based on blind physical processes? In this light, how can you explain your ability to reason?”. Atheist: “Well, we have a brain that has evolved.”. Muslim: “Okay, and according to atheism an evolved brain is based on physical stuff too, no?”.
Atheist: „Ja, aber unser Gehirn hat sich so entwickelt, dass es rational ist, denn je mehr man über die Welt weiß, desto wahrscheinlicher überlebt man.“
Atheist: “Yes, but our brains have evolved to be rational, because the more you know about the world the more likely you are to survive.”.
Muslim: „Das stimmt nicht; auch nicht-rationale Überzeugungen über die Welt können zum Überleben beitragen."
Muslim: “That’s not true; holding non-rational beliefs about the world can lead to survival too.”.
Atheist: „Na und? Wir nehmen beide an, dass die Vernunft wahr ist, also ist das kein Problem.“
Atheist: “So what? We both assume reason to be true, so it’s not an issue.”.
Muslim: „Nun, für mich ist es nicht so. Aber unter dem Atheismus ergibt deine Fähigkeit zu denken keinen Sinn. Der Atheismus hat genau die Voraussetzung ungültig gemacht, die er zu benutzen behauptet, um Gott zu leugnen. Es ist also absurd, Atheist zu sein, da der Atheismus die Vernunft selbst aufhebt.“ Atheist: „Nein, du musst mir zuerst Gott beweisen.“
Muslim: “Well, for me it isn’t. But under atheism your ability to reason does not make sense. Atheism has invalidated the very assumption that it claims to use to deny God. So it is absurd to be an atheist since atheism nullifies reason itself.”. Atheist: “No, you have to prove God to me first.”.
Muslim: „Das ist eine Ausflucht, denn du verwendest das Wort ‚Beweis‘.“
Muslim: “That’s a cop-out, because your use of the word ‘proof’.
Die Annahme, dass Sie denken können, setzt Ihre Vernunft voraus. Doch diese Annahme ist nicht gerechtfertigt, denn unter dem Atheismus wird die Rationalität hinfällig. Rationalität kann nicht aus Irrationalität entstehen. Aus dieser Sicht ist der Atheismus irrational. Rationalität kann jedoch aus Rationalität entstehen. Deshalb erklärt der islamische Theismus am besten, warum wir unsere Vernunft gebrauchen können, denn sie stammt von dem Schöpfer, Der All-Sehend, All-Wissend und All-Weise ist.
assumes your ability to reason. However, you are not justified in making such an assumption because rationality is nullified under atheism. Rationality cannot come from non-rationality. From this perspective, atheism is irrational. However, rationality can come from rationality. This is why Islamic theism explains best why we can use our reason, as it came from the Creator Who is All-Seeing, The-Knowing and The-Wise.”.
Was ist Vernunft?
What is reason?.
Im Zusammenhang dieser Argumentation bezieht sich Vernunft auf die Tatsache, dass wir über rationale Fähigkeiten verfügen. Wir können Wahrheit erlangen, wir haben den Wunsch zu entdecken, und wir können folgern, induzieren und deduzieren. Ein wesentlicher Aspekt unserer rationalen Fähigkeiten ist die Fähigkeit, zu einer logisch gültigen Schlussfolgerung zu gelangen. Wenn wir logisch schlussfolgern, beruhen unsere Schlussfolgerungen auf unserer rationalen Einsicht, die sich in unserem Geist vollzieht; wir sehen, dass die Schlussfolgerung zwingend folgt. Fachlich gesprochen beruhen die Schlussfolgerungen, die wir ziehen, auf den logischen Beziehungen zwischen den Prämissen eines logischen Arguments. Wir sehen, dass die Schlussfolgerung aufgrund dieser Beziehungen folgt. Dieses „Sehen“ lässt sich nicht physisch erklären. Nichts in der physischen Welt kann erklären, warum und wie diese Prämissen mit der Schlussfolgerung verbunden sind. Zusammengefasst: Wenn wir logisch schlussfolgern, haben wir eine geistige Einsicht, dass die Schlussfolgerung logisch folgt; sie ist logisch mit ihren vorausgehenden Prämissen verbunden. Deduktive Argumente sind ein gutes Beispiel, um unsere rationalen Einsichten zu erläutern. Deduktive Argumente sind solche, bei denen die Prämissen die Wahrheit der Schlussfolgerung garantieren. Ein deduktives Argument ist gültig, wenn seine Schlussfolgerung notwendig aus seinen Prämissen folgt. Es ist schlüssig, wenn es gültig ist und seine Prämissen wahr oder rational akzeptabel sind. Betrachten wir das folgende deduktive Argument: 1. Alle Junggesellen sind unverheiratete Männer. 2. John ist ein Junggeselle.
In the context of this argument, reason refers to the fact that we have rational faculties. We can acquire truth, we desire to discover, and we can infer, induce and deduce. A significant aspect of our rational faculties is the ability to come to a logically valid conclusion. When we reason logically, our conclusions will be based on our rational insight that is occurring in our minds; we see that the conclusion follows. Technically speaking, the conclusions we make are based on the logical relations between the premises of a logical argument. We see that the conclusion follows based on these relations. This “seeing” cannot be explained physically. Nothing in physical world can explain why and how these premises are connected to the conclusion. In summary, when we reason logically we have a mental insight that the conclusion follows logically; it is logically connected to its previous premises. Deductive arguments are a good example to explain our rational insights. Deductive arguments are where the premises guarantee the truth of the conclusion. A deductive argument is valid if its conclusion follows necessarily from its premises. It is sound if it is valid and its premises are true or rationally acceptable. Consider the following deductive argument: 1. All bachelors are unmarried men. 2. John is a bachelor.
3. Daher ist John ein unverheirateter Mann.
3. Therefore, John is an unmarried man.
Wir wissen, dass (3) aufgrund unserer Einsicht notwendig aus (1) und (2) folgt. Nichts in der physischen Welt kann beweisen, warum (3) mit den vorausgehenden Prämissen verbunden ist; anders gesagt, warum es logisch daraus folgt. Die Schlussfolgerung folgt nicht nur notwendig aufgrund der Bedeutung der Wörter in den Prämissen65; sie folgt vielmehr aufgrund der Beziehungen, die zwischen ihnen bestehen.
We know that (3) necessarily follows from (1) and (2) based on our insight. Nothing in the physical world can prove why (3) is connected to the previous premises; in other words, why it logically follows. The conclusion doesn’t only necessarily follow by virtue of the meaning of the words in the premises65; it does so due to the relations occurring between them.
66 Die Verbindung zwischen der Schlussfolgerung und den logischen Beziehungen zwischen den Prämissen lässt sich nicht physisch beobachten und erklären. Aus dieser Perspektive besitzt die Vernunft eindeutig eine transzendente Dimension. Um diesen Punkt zu verdeutlichen, betrachte man das folgende deduktive Argument:
66 The connection between the conclusion and the logical relations between the premises cannot be observed and explained physically. From this perspective, reason clearly has a transcendent dimension. To drive this point home, consider the following deductive argument:
1. John hat 5 Modifus beobachtet.
1. John has observed 5 modifus.
2. Die 5 Modifus, die John beobachtet hat, sind gelb.
2. The 5 modifus John has observed are yellow.
3. Daher muss mindestens ein Modus gelb sein.
3. Therefore, some modifus at least must be yellow.
Dies ist ein gültiges Argument; die Schlussfolgerung folgt notwendigerweise aus den Prämissen. John hat 5 gelbe Modifus beobachtet, daher folgt notwendigerweise, dass mindestens einige Modifus gelb sein müssen. Ausgehend von den Prämissen (1) und (2) muss (3) folgen. Warum aber sind wir uns einig, dass die Schlussfolgerung (3) notwendigerweise aus diesen Prämissen folgt? Warum glauben wir an die logische Gültigkeit der Schlussfolgerung, obwohl wir nicht wissen, was ein Modifu ist? (Übrigens habe ich das Wort erfunden.) Es liegt daran, dass der logische Ablauf des Arguments in unserem Geist stattfindet, unabhängig von der Bedeutung der Prämissen und unabhängig von etwaigen persönlichen Schlüssen, die wir aus unseren eigenen Erfahrungen gezogen haben könnten. Zwischen den Beziehungen der Prämissen und der Schlussfolgerung besteht ein Zusammenhang. Wir haben eine Einsicht in die Schlussfolgerung (3) gewonnen, ohne auf äußere, materielle oder semantische Daten zurückzugreifen. Wir haben eine Einsicht in etwas gewonnen, das nicht auf unserer Erfahrung beruht (wir wissen nicht, was ein Modifu ist). Tatsächlich würde die Schlussfolgerung auch dann notwendigerweise folgen, wenn man das Wort „gelb“ durch „zelb“ ersetzt (ein weiteres erfundenes Wort); dann müssten einige Modifus (mindestens 5) zelb sein. Unser Geist ist nicht nur zu einer Schlussfolgerung gelangt, die auf keinerlei äußeren Belegen beruht; unser Geist hat auch Beziehungen zwischen den Prämissen hergestellt. Diese Beziehungen lassen sich nicht mit physischen oder empirischen Belegen erklären. Unser Geist hat unsere Einsicht gelenkt und geleitet (mit anderen Worten, diese logischen Beziehungen hergestellt), um zu dem Schluss zu kommen, dass (3) aus (1) und (2) folgen muss. Unser Geist hat die Prämissen (1) und (2) genommen und unsere Einsicht so geleitet, dass sie zu (3) gelangt.
This is a valid argument; the conclusion necessarily follows from the premises. John has observed 5 yellow modifus, so it necessarily follows that at least some modifus must be yellow. Given premises (1) and (2), (3) must follow. However, why do we agree that the conclusion (3) necessarily follows from these premises? Why do we believe in the logical validity of the conclusion, although we have no idea what a modifu is? (By the way, I have made the word up). It is because the logical flow of the argument occurs in our minds regardless of the meaning of the premises and any personal inferences we might ever have formed from our own experiences. There is a connection between the relations of the premises and the conclusion. We have achieved an insight into conclusion (3) without any external, material and semantic data. We have achieved an insight into something that is not based on our experience (we do not know what a modifu is). In actual fact, if the word “yellow” was replaced with “zellow” (another made-up word), the conclusion would still necessarily follow; some modifus (at least 5) must be zellow. Not only have our minds come to a conclusion that is not based on any external evidence; our minds have also established relations between the premises. These relations cannot be explained using physical or empirical evidence. Our minds have directed and driven our insight (in other words, established these logical relations) to conclude that (3) must follow from (1) and (2). Our minds have taken premises (1) and (2) and driven or directed our insight to conclude (3).
Doch in einem geistigen Ziel oder Endpunkt angetrieben oder gelenkt zu werden, ist kein Merkmal eines physikalischen Prozesses. Physikalische Prozesse sind blind, zufällig und besitzen keine absichtliche Kraft, die sie irgendwohin lenkt.
However, being driven or directed to a mental destination or endpoint is not a characteristic of a physical process. Physical processes are blind, random and have no intentional force directing them anywhere.
Dies bedeutet, dass wir mithilfe physikalischer Prozesse nicht erklären können, wie wir zu einer Einsicht in eine Schlussfolgerung gelangen. Begründung: eine Annahme der Wissenschaft Der menschliche Verstand hat eine besondere Eigenschaft: Wir können zwischen Recht und Unrecht, Wahrheit und Falschheit, Schönheit und Hässlichkeit unterscheiden. Dies unterscheidet uns klar von den Tieren. Unsere geistigen Fähigkeiten haben es uns ermöglicht, voranzukommen und Fortschritte zu machen. Tatsächlich müssen wir unseren Verstandeskräften vertrauen, bevor wir überhaupt mit der Wissenschaft beginnen können. Eine der zentralen Annahmen der Wissenschaft lautet, dass unser Geist die Fähigkeit zum Denken besitzt. Ohne eine solche Annahme könnten wir Begriffe wie Beweis, Tatsache, Wahrheit und Nachweis nie verwenden. Die menschliche Praxis der Wissenschaft beruht auf der Annahme, dass wir denken können. Das bedeutet, dass die Existenz der Vernunft durch keine Art wissenschaftlicher Erklärung vollständig erfasst werden kann. Wenn etwa ein Wissenschaftler eine überprüfbare Hypothese oder eine beantwortbare Frage untersucht, wird vorausgesetzt, dass sich die Ergebnisse rational erklären lassen. Wissenschaftler gehen außerdem davon aus, dass sie die logische Gültigkeit einer wissenschaftlichen Erklärung beurteilen können. Dies setzt offensichtlich voraus, dass der Wissenschaftler seine Vernunft gebraucht, bevor er überhaupt Wissenschaft betreibt. Das heißt nicht, dass die Wissenschaft gar keine teilweise Erklärung für unsere Fähigkeit zu denken liefern kann. Sie ist jedoch nicht in der Lage, die Vernunft von einem grundlegenden Standpunkt aus zu begründen. Der Versuch, zu zeigen, wie die Vernunft durch irgendeinen physikalischen Prozess entstanden ist, erklärt nichts über ihre transzendente Dimension. Dazu gehört auch die Fähigkeit, zu einer logisch gültigen Schlussfolgerung zu gelangen, die durch eine Einsicht im eigenen Geist bestimmt wird. Deshalb ist es unzureichend, sich allein auf eine wissenschaftliche Erklärung zu verlassen: Sie berücksichtigt nicht, dass wir die Schlussfolgerung in unserem Geist erkennen. Wir sind fähig, aus den Beziehungen zwischen Prämissen eine logische Schlussfolgerung zu ziehen. Dies können wir auch tun, ohne dass die Schlüsselbegriffe der Prämissen auf etwas beruhen, das wir verstehen oder empirisch überprüfen können. Die Wissenschaft kann sich nur mit dem befassen, was in irgendeiner Weise beobachtet werden kann; logische Beziehungen zwischen Prämissen können nicht beobachtet werden. Da die Wissenschaft Vernunft voraussetzt, um überhaupt mit der Erklärung der Vernunft beginnen zu können, würde die Behauptung, sie könne unsere Fähigkeit zu denken irgendwie rechtfertigen, einem Argumentieren im Kreis gleichkommen. Die Wissenschaft ist ein nützliches Werkzeug, um uns zu helfen, die Welt zu verstehen, doch sie hat viele Grenzen (siehe Kapitel 12). An dieser Stelle könnte man einwenden, dass Annahmen nicht erklärt oder begründet werden müssen, da manche Annahmen (oder Grundprinzipien) ohne Beweis als wahr angenommen werden. Das ist ein berechtigter Einwand.
Allerdings besteht ein Unterschied zwischen gültigen und ungültigen Annahmen. Damit eine Annahme gültig ist, muss sie in dem Wissensbereich, der Vorstellung oder Theorie, die sie stützt, Sinn ergeben. Kann eine Annahme, die ein Weltbild stützen soll, jedoch nicht in dieses Weltbild passen, so darf sie nicht vorausgesetzt werden. Beispielsweise beruht die Wissenschaft auf der Vorstellung, dass es eine „Beständigkeit in den Ursachen gibt, die die natürliche Welt wirken lassen“.67
However, there is a difference between valid and invalid assumptions. For an assumption to be valid it must make sense to the sphere of knowledge, concept or theory that it supports. However, if an assumption that aims to support a worldview cannot fit within that worldview, then the assumption cannot be presumed. For example, science rests on the notion that there is “consistency in the causes that operate the natural world”67
Wenn Wissenschaftler immer zu dem Schluss kämen, dass physikalische Ursachen inkonsistent sind, müsste diese Annahme verworfen oder geändert werden. Wenn der philosophische Naturalismus (und sogar die Wissenschaft) behauptet, dass Vernunft durch zufällige, nicht-rationale physikalische Prozesse erklärt werden kann, wie kann dann ein Atheist, der den Naturalismus vertritt, eine solche Annahme begründen, wenn sie offensichtlich nicht in die Perspektive des Naturalismus passt? Der Naturalismus leugnet tatsächlich die Vernunft, denn Rationalität kann nicht aus nicht-rationalen physikalischen Prozessen entstehen. Geistige Einsichten können nicht aus blinden physikalischen Prozessen hervorgehen. Daher müssen Atheisten entweder ihre Weltanschauung ändern oder die Vorstellung verwerfen, dass wir vernunftbegabt sind.
. If scientists were to always conclude that physical causes are inconsistent, then that assumption would need to be dismissed or changed. If philosophical naturalism (and even science) maintains that reason can be explained via random, non-rational physical processes, then how can an atheist—who adopts naturalism—account for such an assumption when it clearly cannot fit within the perspective of naturalism? Naturalism actually denies reason, because rationality cannot come from non-rational physical processes. Mental insights cannot come from blind physical processes. Therefore, atheists must change their worldview or dismiss the idea that we are rational.
Im Atheismus können wir unsere Verstandesfähigkeiten nicht begründen.
Under atheism we cannot justify our rational faculties.
Die meisten Atheisten sind philosophische Naturalisten; der Naturalismus behauptet, dass es kein Übernatürliches gibt und dass physikalische Prozesse alle Phänomene erklären können. Nach dem Naturalismus zeigt sich, wenn wir die grundlegendsten Ebenen der Wirklichkeit betrachten, dass alles das Ergebnis blinder, zufälliger, nicht-rationaler physikalischer Prozesse ist; Elementarteilchen, Atome und Moleküle schwirren ohne jede Richtung, Lenkung oder beabsichtigtes Ergebnis umher. Physische Materie hat keinen Zweck; nichts treibt diese physikalischen Prozesse absichtlich an. Wenn dem so ist, wie können wir dann behaupten, dass unser Geist die Fähigkeit besitzt, geistige Einsichten zu gewinnen? Wie können wir den Anspruch erheben, zu einer Schlussfolgerung gelangen zu können? Ein zentraler Bestandteil der Vernunftfähigkeit ist das Erlangen rationaler Einsichten, also das geistige Erkennen, dass etwas aufgrund der logischen Beziehungen zwischen Prämissen logisch aus etwas anderem folgt. Genau hier scheitert der Naturalismus, denn er behauptet, dass alle Phänomene auf zufälligen, nicht-rationalen physikalischen Prozessen beruhen.
Most atheists are philosophical naturalists; naturalism asserts that there is no supernatural, and that physical processes can explain all phenomena. According to naturalism, if we probe the most basic levels of reality, we see that everything is the result of blind, random, non-rational physical processes; subatomic particles, atoms and molecules are whizzing around without any direction, guidance or intended outcome. Physical stuff has no purpose; nothing is intentionally driving these physical processes. If this is the case, though, how can we claim our minds have the ability to achieve mental insights? How can we claim the ability to reach a conclusion? A key part of being able to reason is to have rational insights, to see in one’s mind that something logically follows from something else based on the logical relations between premises. This is where naturalism fails, as it asserts that all phenomena are based on random, non-rational physical processes.
Die Fähigkeit, Prämissen zu nehmen und sie zu einem gedanklichen Ziel zu „treiben“, wird hinfällig, wenn man postuliert, dass diese Fähigkeit aus blinden, nicht-rationalen physikalischen Prozessen stammt. Ein Ding kann etwas nicht hervorbringen, wenn es dieses nicht enthält oder nicht die Fähigkeit (bzw. das Potenzial) besitzt, es hervorzubringen. Zum Beispiel kann ich dir keine 500 Dollar geben, wenn ich das Geld nicht habe, und ich kann den Betrag nicht aufbringen, wenn ich arbeitslos bin und eine schlechte Kreditwürdigkeit habe (dieses Prinzip wird in diesem Buch durchgehend verwendet).
The ability to take premises and “drive” them towards a mental destination is invalidated if one postulates that the ability comes from blind, non-rational physical processes. A thing cannot give rise to something if it does not contain it, or if it does not have the ability (or the potential) to give rise to it. For example, I cannot give you $500 if I do not have the money, and I cannot raise the amount if I am jobless with bad credit (this principle will be used throughout this book).
Ebenso: Wenn physikalische Prozesse keine Rationalität enthalten, wie sollen sie dann hervorbringen können? Physikalische Prozesse enthalten per Definition keine Rationalität, und sie besitzen keine „Einsicht“. Sie können nicht erkennen, welche Schlussfolgerung aus einem Argument folgt. Physikalische Prozesse werden nicht zielgerichtet oder absichtlich gelenkt oder gesteuert. Deshalb ist schon die Andeutung, Rationalität könne aus nicht-rationalen physikalischen Prozessen entstehen, genau dasselbe wie der Glaube, dass etwas aus dem Nichts entstehen könne. Betrachten wir folgendes Beispiel. Ähnlich wie die Geschichte am Anfang dieses Kapitels gibt es zwei Busfahrer. Der erste hat gute Augen und ist ein erfahrener Fahrer. Der zweite Busfahrer ist blind und unerfahren. Der erste Fahrer beginnt seine Fahrt und nimmt zwei Personen namens „Prämisse 1“ und „Prämisse 2“ auf. Ihr Endziel ist „Schlussfolgerung“. Er sieht das Ziel auf seiner Karte, und als sich die Fahrt dem Ende nähert, erkennt er die letzte Haltestelle klar. Der zweite Fahrer wird an der Bushaltestelle zu seinem Bus geleitet. Im Bus warten „Prämisse 1“ und „Prämisse 2“. Ihr Ziel ist dasselbe wie im ersten Szenario. Dem Fahrer gelingt es, den Bus zu starten. Glauben Sie jedoch, dass er das Ziel erreichen wird? Wie der Taxifahrer mit der Augenbinde wird er niemals das Endziel erreichen. Physikalische Prozesse haben dasselbe Problem. Sie sind blind. Sie können Vernunft nicht erklären, denn ein Merkmal der Rationalität ist die Fähigkeit, Einsicht zu gewinnen oder zu einer Schlussfolgerung zu gelangen, und aus etwas Blindem kann man keine Einsicht gewinnen. Eine solche Behauptung kommt dem Satz gleich, etwas könne aus dem Nichts entstehen. Aus dieser Perspektive ist der Atheismus wegen seiner naturalistischen Sichtweise nicht nur irrational, sondern ein Gegner der Vernunft. Er hebt genau das auf, was notwendig ist, um irgendeine Aussage über Gott zu treffen:
Likewise, if physical processes do not contain rationality, then how do they give rise to it? Physical processes by definition do not contain rationality, and they do not have “insight”. They cannot see the conclusion that follows from an argument. Physical processes are not purposefully or intentionally driven or directed. Therefore, to even suggest that rationality can come from non-rational physical processes, is exactly the same as believing that something can come from nothing. Consider the following example. Similar to the story at the beginning of this chapter, imagine there are two bus-drivers. The first has good eyesight and is an experienced driver. The second bus-driver is blind and inexperienced. The first driver starts his journey and picks up two people called “Premise 1” and “Premise 2”. Their final destination is “Conclusion”. He sees the destination on his map and as the journey is coming to an end he clearly observes the final stop. The second driver is escorted to his bus at the bus station. Waiting on the bus are “Premise 1” and “Premise 2”. Their destination is the same as in the first scenario. The driver manages to start the bus. However, do you think he will reach the destination? Just like the taxi-driver with the blindfold, he will never reach the final destination. Physical processes suffer the same problem. They are blind. They cannot explain reason because a feature of rationality is the ability to derive insight or reach a conclusion, and one cannot obtain insight from something that is blind. To assert such a thing is the equivalent of saying something can arise from nothing. From this perspective, atheism—because of its naturalistic perspective—is not only irrational, but an adversary of reason. It invalidates the thing that is required to make any claim about God:
reason itself. Da Rationalität nicht aus Nicht-Rationalität hervorgehen kann, folgt, dass der Naturalismus unsere Fähigkeit zu denken nicht erklären kann. Trotz dieses Arguments gibt es einige mögliche Einwände. Diese werden am Ende dieses Kapitels besprochen. Ein zentraler Einwand lautet jedoch, dass Computerprogramme die Fähigkeit zu deduktivem Schließen besitzen: Computerprogramme bestehen aus physischer Materie; also können physikalische Prozesse die Rationalität erklären. Dieser Einwand wird am Ende dieses Kapitels ausführlich behandelt. Der Kernpunkt ist jedoch, dass Computerprogramme keine „Einsichten“ haben; insbesondere haben sie keine bedeutungsvollen Einsichten. Menschliche Rationalität umfasst die Fähigkeit, bedeutungsvolle Schlussfolgerungen zu ziehen. Schon die Tatsache, dass wir die Implikationen oder die Bedeutung einer Schlussfolgerung hinterfragen können (auch wenn wir ihre Bedeutung nicht kennen, wie im Falle der oben genannten Modifus), zeigt, dass menschliche Rationalität bedeutungsvolle Einsichten einschließt. Computerprogramme besitzen diese bedeutungsvollen Einsichten nicht. Tatsächlich beruht ein Computersystem auf syntaktischen Regeln (der Manipulation von Symbolen), nicht auf Semantik (Bedeutung). Dies wird später noch näher erläutert.
reason itself. Since rationality cannot come from non-rationality, it follows that naturalism cannot explain our ability to reason. Despite this argument, there are a few possible objections. These will be discussed at the end of this chapter. However, one key objection argues that computer programmes have the ability to reason deductively: computer programmes are made up of physical stuff; therefore, physical processes can explain rationality. This contention will be addressed in detail at the end of this chapter. However, the main point is that computer programmes do not have “insights”; in particular, they do not have meaningful insights. Human rationality involves the ability to establish meaningful conclusions. The very fact that we can question the implications or the meaning of a conclusion (even if we do not know its meaning, as in the case of the modifus above) indicates that human rationality involves meaningful insights. Computer programmes do not have these meaningful insights. In actual fact, a computer system is based on syntactical rules (the manipulation of symbols), not on semantics (meaning). This will be explained further later.
Kann die darwinistische Evolution unsere Verstandesfähigkeiten rechtfertigen?
Can Darwinian evolution justify our rational faculties?.
Laut Naturalisten haben sich unsere Geister so entwickelt, dass sie vernunftbegabt sind. Naturalisten argumentieren, dass es für unsere Vorfahren vorteilhaft war, die Wahrheit über ihre Umwelt zu kennen. Die Fähigkeit, zwischen Wahrheit und Falschheit zu unterscheiden, war für ihr Überleben notwendig. Obwohl der Naturalismus die Annahme ungültig macht, dass wir die Fähigkeit zum Denken besitzen, erscheint die darwinistische Evolution auf den ersten Blick als plausible Erklärung. Kratzt man jedoch etwas tiefer, stößt man auf eine Vielzahl von Problemen. Selbst Charles Darwin hatte Zweifel an dieser Frage. Er erkannte, dass sich unsere Fähigkeit, Wahrheit zu erlangen, nicht erklären ließe, wenn sie sich nur aus niederen Lebensformen entwickelt hätte. In einem Brief aus dem Jahr 1881 schrieb er: „Aber dann kommt mir immer der schreckliche Zweifel, ob die Überzeugungen des menschlichen Geistes, der sich aus dem Geist der niederen Tiere entwickelt hat, überhaupt von Wert oder irgendwie vertrauenswürdig sind. Würde irgendjemand den Überzeugungen eines Affengeistes trauen, wenn es in einem solchen Geist überhaupt Überzeugungen gibt?“68 Sehen wir nun, ob die naturalistische Evolution einen Rettungsring bieten kann, mit dem sich die menschliche Vernunft retten lässt. Wenn wir den Begriff naturalistische Evolution verwenden, meinen wir die Vorstellung, dass der Evolutionsprozess frei von göttlichem Eingreifen ist; nach dieser Vorstellung haben sich unsere Geister vernunftbegabt entwickelt, weil unsere Fähigkeit zu denken und wahre Überzeugungen zu gewinnen für das Überleben notwendig ist. Gegen diese Behauptung gibt es mehrere Probleme. Erstens ist unsere Fähigkeit, zwischen Wahrheit und Falschheit zu unterscheiden, keine Voraussetzung fürs Überleben. Zweitens ist das Erlangen geistiger Einsichten ebenfalls keine Voraussetzung für unseren dauerhaften Fortbestand. Evolution betrifft die Fähigkeit zu überleben, nicht die Fähigkeit, logisch gültige Schlussfolgerungen zu ziehen. Schließlich ist unsere Fähigkeit und unser Verlangen zu entdecken, ein notwendiges Merkmal eines vernunftbegabten Geistes, oft nachteilig für unser Überleben. Eines der zentralen Merkmale unserer vernunftbegabten Geister ist ihre Fähigkeit, die Wahrheit zu erlangen und das Falsche zu verwerfen. Wir verfügen auch über geistige Einsichten und die Fähigkeit, aufgrund vorausgehender Prämissen eine Schlussfolgerung zu erkennen. Genau diese Prozesse wenden wir an, wenn wir Wissenschaft betreiben. Nun stellt sich die Frage: Kann die naturalistische Evolution diese Fähigkeiten erklären? Die Antwort lautet nein. Um diese Idee zu widerlegen, genügt es zu zeigen, dass falsche Überzeugungen zum Überleben führen können. Dann müsste der Evolutionsprozess nicht zwangsläufig zu rationalen Fähigkeiten führen. Können also falsche Überzeugungen das Überleben begünstigen? Es dauert nicht lange, um festzustellen, dass zahllose falsche Überzeugungen genau das tun. Ein Individuum, das glaubt, alle Insekten mit roten Markierungen am Körper seien giftig, wird alle solchen Insekten meiden und dadurch überleben. Diese Überzeugung ist jedoch falsch, denn viele Insekten mit roten Anteilen am Körper sind harmlos, der Siebenpunkt-Marienkäfer ist das offensichtlichste Beispiel. Ein anderer Mensch mag alle Pilze meiden, weil er glaubt, sie seien giftig, und überlebt so. Wir wissen jedoch, dass manche Pilze, etwa Champignons, völlig gesund und nahrhaft sind. Der Philosophieprofessor Anthony O’Hear liefert ein ähnliches Beispiel, um zu zeigen, dass die Evolution eher falsche als wahre Überzeugungen hervorbringen kann, und somit nicht-rationale Überzeugungen zum Überleben führen können: „Ein Vogel mag Raupen mit bestimmten Farbmustern meiden, weil sie giftig sind; er wird jedoch auch ungiftige Raupen mit ähnlichen Farben meiden und mag dafür eine falsche Überzeugung über die Giftigkeit der harmlosen Raupe besitzen. Die Überlebenschancen des Vogels steigen natürlich dadurch, dass er jene Raupenart meidet, die sowohl giftige als auch harmlose Raupen umfasst. Eine falsche Überzeugung bezüglich einer bestimmten Raupe ist also ein Nebenprodukt einer überlebensfördernden Disposition.“ „Da die harmlosen Raupen sich durch Nachahmung der giftigen entwickelt haben, liegt hier eine evolutionäre Erklärung der Falschheit vor, was den allgemeinen Punkt bekräftigt, dass es keinen direkten Weg gibt, von evolutionären Vorgängen zur Wahrheit zu gelangen."69
Die Tatsache, dass falsche Überzeugungen zum Überleben führen können, wirft für den Naturalismus eine weitere schwierige Frage auf: Warum sollten wir unserem Verstand vertrauen? Da es keine notwendige Verbindung zwischen Wahrheit und Überleben gibt – und da falsche Überzeugungen ebenfalls zum Überleben führen können –, wie können wir dann unseren Verstandeskräften vertrauen, wenn sie aus einem evolutionären Prozess hervorgegangen sein könnten, der von falschen Überzeugungen angetrieben wurde? Auch unser Entdeckungsdrang stellt die Evolutionstheorie vor ein Problem. Es gibt keinen Grund, warum die Evolution zu Fähigkeiten führen sollte, die es uns erlauben, die Gesetze der Physik zu verstehen oder Mathematik zu betreiben. Es ergibt einfach keinen Sinn, dass wir am Ende Geister haben sollten, die imstande sind, das Universum zu begreifen. Kakerlaken und Käfer überleben außerordentlich gut und das seit Millionen von Jahren, doch wir sehen sie nicht bei einer Tasse Kaffee über die existenziellen und logischen Implikationen des Atheismus (oder irgendetwas anderes) diskutieren. Stellen Sie sich einen Moment lang Folgendes vor: Eine Rakete mit 500.000 Kilogramm Treibstoff soll mit 17.500 Meilen pro Stunde in den Weltraum geschossen werden. Was treibt einen Astronauten an, dieses Shuttle zu besteigen, ohne zu wissen, ob er zurückkehren oder überhaupt den Weltraum erreichen wird? Ist dieser Wunsch zu erforschen und zu entdecken dem Überleben förderlich? Was treibt einen Bergsteiger an, den Mount Everest zu besteigen, Kälte und harte Bedingungen zu ertragen, ohne zu wissen, ob er den Gipfel erreichen wird? Ist er nicht darauf ausgelegt, sein Überleben an erste Stelle zu setzen? Was treibt einen Mönch an, sich zu isolieren, ehelos zu bleiben und sich der Suche nach innerem Frieden zu widmen? Widerspricht dies nicht völlig dem Überleben und der Fortpflanzung? In der Tat ist der Wunsch zu entdecken beim Menschen mächtig und überwiegt in vielen Fällen den Wunsch zu überleben. Wir sehen viele Fälle, in denen Menschen sich von genau den Dingen abwenden, die ihrem Überleben dienlich wären, und dabei wahres Glück und Frieden finden. Wie lässt sich also unser Entdeckungsdrang erklären, der zu Tätigkeiten führt, die dem Überleben abträglich sind? Die Antwort lautet: gar nicht. Diese Wünsche ergeben keinen Sinn, wenn man eine naturalistische Evolution annimmt. Zusammenfassend lässt sich sagen: Unsere höher entwickelte Vernunft und unser Lernbedürfnis führen uns oft dazu, Zeit auf „überflüssige“ Tätigkeiten zu verwenden, die weder dem Überleben noch der Fortpflanzung dienen, etwa Kunst, Spiritualität, Philosophie oder die Entwicklung neuartiger Verhütungsmethoden. Die natürliche Auslese hätte all dies eliminieren müssen, denn solche Verhaltensweisen haben keinen adaptiven Nutzen. Da der darwinistische Evolutionsmechanismus nur „Überleben und Fortpflanzung“ erklärt, kann er weder unsere Fähigkeit zu denken noch deren auffälligstes Merkmal erklären: den Drang zu entdecken. Aus diesen beiden Problemen sollte klar hervorgehen, dass die darwinistische Evolutionstheorie, die auf Überleben und nicht auf Wahrheit ausgerichtet ist, eine unzureichende Erklärung für unsere Vernunftfähigkeit und unseren Entdeckungsdrang darstellt. Akademiker haben diese Probleme erkannt und bemerkenswerte Aussagen dazu gemacht. Der Biologe John Gray erklärt: „Wenn sich der menschliche Geist unter den Zwängen des Überlebens entwickelt hat, welcher Grund besteht dann zu der Annahme, dass er Erkenntnis über die Wirklichkeit gewinnen kann, wenn es zur Fortpflanzung der Art lediglich erforderlich ist, dass seine Irrtümer und Illusionen nicht tödlich sind? Eine rein naturalistische Philosophie kann das Wissen, von dem wir glauben, dass wir es besitzen, nicht erklären.“70 Der Entdecker der DNA, Francis Crick, sagte: „Unser hochentwickeltes Gehirn hat sich schließlich nicht unter dem Druck entwickelt, wissenschaftliche Wahrheiten zu entdecken, sondern nur, um clever genug zu sein, zu überleben und Nachkommen zu hinterlassen.“71 Der Kognitionswissenschaftler Steven Pinker schrieb: „Unser Gehirn wurde auf Fitness hin geformt, nicht auf Wahrheit. Manchmal ist die Wahrheit adaptiv, manchmal aber nicht.“72 Obwohl Sam Harris, ein offen atheistischer Neurowissenschaftler, glaubt, dass die Wissenschaft irgendwann Antworten liefern wird, räumt er ein: „… unsere logischen, mathematischen und physikalischen Intuitionen wurden von der natürlichen Auslese nicht darauf ausgelegt, der Wahrheit nachzuspüren.“73 Wenn Atheisten also behaupten, sie hätten mit ihren Verstandeskräften bewiesen, dass Gott nicht existiert, so ist das eine Form intellektueller Heuchelei. Um die Tatsache zu erklären, dass sie einen vernünftigen Verstand besitzen, müssen sie entweder den Atheismus oder die Vernunft selbst leugnen. Die intellektuelle Ironie besteht darin, dass ihre Fähigkeit zu denken am besten durch die Existenz Gottes erklärt wird. Eine Anmerkung zum evolutionären Reliabilismus Viele Naturalisten räumen ein, dass es keine notwendige Verbindung zwischen Überleben und Wahrheit gibt. Sie halten es für sehr wahrscheinlich, dass es biologische Bedingungen und Drucksituationen gab, die zuverlässige kognitive Fähigkeiten hervorbrachten, welche wahre Überzeugungen erzeugen. Diese Fähigkeiten müssen der biologischen Fitness zuträglich gewesen sein und wurden in der Folge von der natürlichen Auslese begünstigt. Die Ansicht, dass die darwinistische Evolution unsere wahrheitszuverlässigen kognitiven Fähigkeiten erklären kann, wird als evolutionärer Reliabilismus bezeichnet. Damit der evolutionäre Reliabilismus gerechtfertigt ist, muss die Wahrscheinlichkeit, dass die natürliche Auslese wahrheitszuverlässige kognitive Fähigkeiten begünstigt, größer sein als die Wahrscheinlichkeit, dass sie unzuverlässige kognitive Fähigkeiten begünstigt, die falsche Überzeugungen hervorbringen. Die Hauptprämisse dieses Arguments besagt, dass wahrheitszuverlässige kognitive Fähigkeiten die Fitness stärker förderten (also unserem Überleben und unserer Fortpflanzung zuträglicher waren) als unzuverlässige kognitive Fähigkeiten, die falsche Überzeugungen erzeugten. Auf der Grundlage unserer bisherigen Diskussion wird diese Prämisse jedoch untergraben. Es gibt weitere Gründe, weshalb diese Prämisse nicht gerechtfertigt ist; einige davon werden im Folgenden erörtert.
Unzuverlässige kognitive Fähigkeiten, die falsche Überzeugungen hervorbrachten, hätten unser Überleben und unsere Fortpflanzung begünstigen können. Wir hätten vorsichtige Prozesse der Überzeugungsbildung haben können, die falsch, aber fitnessfördernd waren. Der Akademiker James Sage argumentiert:
Unreliable cognitive faculties that produced false beliefs could have led to our survival and reproduction. We could have held cautious belief-forming processes that were false, yet fitness enhancing. The academic James Sage argues:
„Zum Beispiel könnte sich ein Organismus verstecken, weil er fälschlicherweise glaubt, dass ein Raubtier in der Nähe ist. Evolutionär betrachtet lohnt es sich, vorsichtige Prozesse der Überzeugungsbildung zu haben, die gefährliche Raubtiere „übermäßig oft erkennen“, besonders dann, wenn falsche Überzeugungen nur geringe Kosten verursachen.“74
“For example, an organism may hide because it believes falsely that a predator is nearby. Evolutionarily, it pays to have cautious belief-forming processes that “over detect” dangerous predators, especially when false beliefs carry little cost.”74
Wahrheitszuverlässige kognitive Fähigkeiten hätten von der natürlichen Selektion möglicherweise nicht begünstigt werden können, da sie mit hohen Kosten verbunden waren. James Sage vertritt die Auffassung, dass wahrheitszuverlässige kognitive Fähigkeiten „einen hohen Preis fordern“75. Die biologischen Kosten dieser Fähigkeiten umfassen Folgendes:
Truth-reliable cognitive faculties could have not been favoured by natural selection as they came as a high cost. James Sage maintains that truth-reliable cognitive faculties “come at a high price”75. The biological cost of these faculties involves the following:
„(i) Das Gehirn benötigt Sauerstoff, Kalorien und Kühlung, (ii) das Berechnen detaillierter Schlussfolgerungen (selbst mit minimalen Daten) erfordert erheblichen Zeit- und Konzentrationsaufwand, (iii) der Zugriff auf Informationen aus früheren Erfahrungen erfordert umfangreiche Speicherkapazität und Abrufwege, (iv) das Erkennen relevanter Informationen erfordert mehrstufige Sortier-Subroutinen, (v) das Ordnen von Wünschen und Zielen erfordert umfangreiches Abwägen und Nachdenken, und (vi) das Nutzen von „Detektoren“ (und anderen Wahrnehmungseingaben) erfordert Präzision und Schärfe. Jeder dieser Faktoren ist mit einem erheblichen biologischen Aufwand verbunden.“76
“(i) the brain requires oxygen, calories, and cooling, (ii) calculating detailed inferences (even with minimal data) requires considerable time and concentration, (iii) accessing information from past experience requires extensive storage capacity and retrieval pathways, (iv) identifying relevant information requires multi-level sorting subroutines, (v) ranking desires and goals requires extensive deliberation and reflection, and (vi) utilizing “detectors” (and other perceptual inputs) requires precision and acuity. Each of these factors carries a significant biological cost.”76
Da wahrheitszuverlässige kognitive Fähigkeiten wichtige biologische Ressourcen, die für das Überleben unerlässlich sind, stark beanspruchen, könnte die natürliche Selektion unzuverlässige kognitive Fähigkeiten begünstigt haben, die die Fitness steigerten und falsche Überzeugungen hervorbrachten, welche weniger belastend waren.
Since truth-reliable cognitive faculties put a strain on key biological resources that are essential for survival, natural selection could have favoured fitness enhancing unreliable cognitive faculties that produced false beliefs which were less taxing.
Wie bei vielen philosophischen Themen gibt es Argumente dafür und dagegen beim evolutionären Reliabilismus. Für eine eingehende Diskussion darüber, warum der evolutionäre Reliabilismus unsere wahrheitszuverlässigen kognitiven Fähigkeiten nicht hinreichend erklärt, mit Erwiderungen auf populäre und akademische Einwände, lesen Sie bitte meinen Aufsatz „Kann die Evolution unsere wahrheitszuverlässigen kognitiven Fähigkeiten hinreichend erklären?“.78
Like with many philosophical topics there are arguments for and against evolutionary reliabilism. For an in-depth discussion on the why evolutionary reliabilism does not adequately explain our truth-reliable cognitive faculties, with responses to popular and academic objections, please read my essay Can evolution adequately explain our truth-reliable cognitive faculties?78
Islamischer Theismus: die beste Erklärung.
Islamic theism: the best explanation.
Ich könnte dir keinen Laib Brot geben, wenn ich nicht zuerst einen hätte oder nicht die Fähigkeit besäße, einen zu beschaffen oder herzustellen. Dies beruht auf folgendem rationalen Grundsatz: Ein Ding kann etwas anderes nicht hervorbringen, wenn es dieses nicht enthält oder nicht die Fähigkeit besitzt, es hervorzubringen. Zum Beispiel können nicht-rationale Kräfte keine Rationalität hervorbringen, da sie diese von vornherein nicht enthalten. Physikalische Prozesse sind nicht-rational, weil sie keine „Einsicht“ besitzen. Sie können nicht erkennen, dass eine Schlussfolgerung aus vorangegangenen Prämissen folgt. Gott erklärt die Tatsache, dass wir über einen rationalen Verstand verfügen, denn Rationalität kann vom Schöpfer kommen, Der All-Sehend, All-Wissend und All-Weise ist. Wenn es am Anfang des Universums nur nicht-rationale, blinde, zufällige physische Materie und Prozesse gegeben hätte, dann könnten diese, wie auch immer sie angeordnet wären, keine Rationalität hervorbringen. Wenn aber am Anfang ein Schöpfer mit den oben genannten Namen und Eigenschaften existierte, folgt daraus, dass das Universum bewusste Wesen mit der Fähigkeit zum logischen Denken enthalten kann. Aus dieser Sicht brauchen Atheisten tatsächlich Gott, um ihre rationalen Fähigkeiten zu erklären. Daher ist die Existenz eines Schöpfers, der All-Sehend, All-Wissend und All-Weise ist, die beste Erklärung für ein Universum mit bewussten Lebewesen, die über die Fähigkeit zur Vernunft verfügen. Aus islamisch-theistischer Sicht bietet sich eine schöne und einfache Antwort auf die zentralen Fragen dieses Kapitels. Gott hat uns erschaffen und uns einen rationalen Verstand mit dem Wunsch zu entdecken gegeben, um uns bei der Erfüllung unseres Zwecks zu helfen. Eine Weise, wie Gott dies tut, besteht darin, uns auf Seine Schöpfung zu lenken, in der Seine Zeichen liegen (d. h. Hinweise, Anhaltspunkte, Indizien). Indem wir über diese Zeichen nachsinnen und sie betrachten, können wir Seine Majestät und Seine schöpferische Macht würdigen, und diese Wertschätzung und Anerkennung führen uns dann natürlicherweise dazu, Ihn anzubeten (siehe Kapitel 15). Gott hat durch Sein Wissen, Seine Macht und Seinen Willen das Universum und unseren Verstand erschaffen, weshalb wir die Fähigkeit besitzen zu denken und die miteinander verknüpften Prinzipien des Kosmos zu entdecken. Dies erinnert an einen schönen Vers des Qur’an: Gott spricht: „Wir werden ihnen Unsere Zeichen an den Horizonten und in ihnen selbst zeigen, bis ihnen klar wird, dass es die Wahrheit ist. Genügt es nicht bezüglich deines Herrn, dass Er über alle Dinge Zeuge ist?“79. Gott ermutigt uns fortwährend zum Nachdenken, dazu, unseren Verstand zu gebrauchen: „Denken sie denn nicht über den Qur’an nach, oder liegen Schlösser auf [ihren] Herzen?“80. „Wollt ihr denn nicht vernünftig sein?“81. Diese Verse zeigen, dass wir die Fähigkeit besitzen, über die natürliche Welt nachzudenken und zu vernünftigen Schlüssen zu gelangen, um die Wahrheit zu erkennen. Gott sagt im Qur’an außerdem: „Wahrlich, in der Erschaffung der Himmel und der Erde und im Wechsel von Nacht und Tag sind Zeichen für Menschen mit Verstand.“82
Daraus lässt sich eine umfassende Schlussfolgerung ziehen. Gott hat uns einen vernunftbegabten Verstand und den Wunsch zu entdecken gegeben, damit wir unsere Vernunft gebrauchen können, um das Universum in all seiner Schönheit zu verstehen, was uns wiederum dazu führt, Den anzubeten, Der es erschaffen hat (siehe Kapitel 15). Gott hat in uns eben jene Werkzeuge angelegt, die wir benötigen, um uns mit Disziplinen wie der Wissenschaft zu befassen. Das Paradoxe daran ist, dass manche von uns, wenn sie diese von Gott geschenkte Gabe entdecken, sie dazu benutzen, Gott selbst herauszufordern (siehe Kapitel 12). Gegen diese Argumentation gibt es einige zentrale Einwände, die im Folgenden behandelt werden.
From this, we can draw a comprehensive conclusion. God gave us rational minds and the desire to discover, so that we can use our rational faculties to understand the universe in all its beauty, which in turn leads us to worship the One Who created it (see Chapter 15). God placed within us the very tools required for us to engage in disciplines such as science, yet the irony is that when some of us find this God-given gift, they use it to challenge God Himself (see Chapter 12). There are some key objections to this argument that are addressed below.
Lückenbüßer-Gott.
God of the gaps.
Der Einwand des „Gottes der Lücken“ behauptet, dass eine Lücke im wissenschaftlichen Wissen über ein bestimmtes Phänomen nicht zum Glauben an die Existenz Gottes oder zur Berufung auf göttliches Wirken führen sollte, weil die Wissenschaft irgendwann weit genug fortschreiten werde, um eine Erklärung zu liefern. Dieser Einwand lässt sich auf die Argumentation dieses Kapitels nicht anwenden, denn sie befasst sich nicht mit einer Lücke innerhalb des wissenschaftlichen Wissens, sondern mit den Grundlagen der Wissenschaft. Die Fähigkeit zu denken ist vorausgesetzt, bevor überhaupt Wissenschaft betrieben werden kann. Zu behaupten, die Wissenschaft werde eines Tages ihre eigenen Voraussetzungen erklären, käme einem Zirkelschluss gleich. Diese Frage liegt jenseits des Bereichs der Wissenschaft, da wir über die grundlegenden Annahmen der Wissenschaft selbst sprechen. Daher ist der Einwand des „Gottes der Lücken“ in diesem Fall fehl am Platz.
The “god of the gaps” objection asserts that a gap in scientific knowledge about a particular phenomenon should not give rise to belief in God’s existence, or reference to Divine activity, because science will eventually progress far enough to provide an explanation. This objection cannot be applied to the argument presented in this chapter because it does not address a gap within scientific knowledge; it addresses the foundations of science. The ability to reason is required before any science can take place. To argue that science will eventually explain its own assumptions is tantamount to arguing in a circle. This discussion is beyond the realm of science, as we are discussing the foundational assumptions of science itself. Hence the “god of the gaps” objection is in this case misplaced.
Dies ist ein präsuppositionales Argument.
This is a presuppositional argument.
Der Presuppositionalismus ist eine Form der Argumentation, die behauptet, dass wir die Vernunft nicht ohne die christliche Weltanschauung erklären können. Die Behauptung besagt, dass man die Vernunft nicht gebrauchen kann, wenn sie nicht erklärt ist. Der Atheist kann jedoch – und tut dies zu Recht – das Argument an den Christen zurückgeben. Der Atheist kann fragen, warum der Christ glaubt, er habe seine Fähigkeit zu denken bereits erklärt. Antwortet der Christ, die christliche Weltanschauung erkläre seine Fähigkeit zu denken, dann ist der Atheist berechtigt zu fragen, wie das geschehen soll, und die Argumentation kann sich im Kreis drehen. Das Argument in diesem Kapitel ist kein presuppositionalistisches. Es akzeptiert die Annahme, dass wir die Fähigkeit zu denken besitzen, und es argumentiert nicht, dass man, bevor man seine Vernunft gebraucht, zuerst seine Fähigkeit zu denken erklären muss. Das Argument beantwortet die Frage: Angenommen, wir akzeptieren die Tatsache, dass wir denken können, welche Weltanschauung erklärt unsere Fähigkeit dazu am besten? Es argumentiert, dass die beste Erklärung unserer Fähigkeit zu denken durch die Existenz Gottes gegeben ist, und dass der Naturalismus – und damit auch der Atheismus – die Annahme, dass wir die Fähigkeit zu denken besitzen, ungültig macht. Daher muss der Atheismus verworfen werden. Rationalität kann aus Komplexität entstehen.
Presuppositionalism is a form of argument that asserts that we cannot account for reason without the Christian worldview. The assertion maintains that you cannot use reason if it is unaccounted for. However, the atheist can—and rightly does—throw the argument back at the Christian. The atheist can ask why the Christian believes he has accounted for his ability to reason. If the Christian replies that the Christian worldview accounts for his ability to reason, then the atheist is within his right to ask how, and the argument can go around in circles. The argument in this chapter is not a presuppositional one. It accepts the assumption that we have the ability to reason, and it does not argue that before you use your reason you need to account for your ability to reason. The argument answers the question: Given that we accept the fact that we can reason, what worldview best explains our ability to do so? It argues that the best way to explain our ability to reason is by God’s existence, and that naturalism—and by extension, atheism—invalidates the assumption that we have the ability to reason. Therefore, atheism must be rejected. Rationality can arise out of complexity.
Emergentistische Materialisten argumentieren, dass ein System komplexer physikalischer Prozesse, die komplexe Wechselwirkungen eingehen, Eigenschaften oder Phänomene hervorbringen kann, die in den einzelnen Bestandteilen des Systems nicht vorhanden sind. Der emergentistische Materialist verweist auf die Geschichte der Wissenschaft: Was einst als „rätselhaft“ galt, wurde später entmystifiziert, als die zugrunde liegenden komplexen Prozesse verstanden wurden. Deshalb begegnet der emergentistische Materialist dem Vernunftargument mit der Annahme, dass unsere Fähigkeit zu denken – genauer gesagt die Fähigkeit, eine Einsicht in eine Schlussfolgerung zu gewinnen – auf komplexen Prozessen im Gehirn beruht. Sobald diese Prozesse verstanden sind, wird auch unsere Fähigkeit zu denken erklärt sein. Ein häufig von emergentistischen Materialisten angeführtes Beispiel ist Wasser, H2O. Wasser besteht aus Wasserstoff und Sauerstoff, also aus Gasen, doch in chemischer Verbindung bilden sie die lebenserhaltende Flüssigkeit. Wasser besitzt Eigenschaften, die Wasserstoff und Sauerstoff nicht besitzen. Solche Beispiele geben dem emergentistischen Materialisten die Zuversicht, dass eine Eigenschaft aus einem System komplexer Prozesse entstehen kann, obwohl sie in den Bestandteilen dieses Systems nicht vorhanden ist. Dieses Beispiel ist jedoch fehl am Platz, denn das in diesem Kapitel dargelegte Argument betrifft nicht den Fall, dass ein physisches Ding ein anderes physisches Ding hervorbringt (wie die Gase Wasserstoff und Sauerstoff die physikalischen Eigenschaften des Wassers hervorbringen). Vielmehr bedarf das Erklärungsbedürftige einer nichtphysischen Eigenschaft (dem geistigen Erfassen einer Schlussfolgerung), die aus physischen Eigenschaften (blinden physikalischen Prozessen) entsteht. Wenn die komplexen Prozesse, die der Gehirnaktivität zugrunde liegen, verstanden und all ihre kausalen Wechselwirkungen kartiert wären, wie würde das unsere Fähigkeit zu denken erklären? Es bliebe weiterhin unbeantwortet: Wie können wir mithilfe unserer Fähigkeit, Einsichten zu gewinnen, Wahrheit erlangen, wenn die Geister angeblich auf vorausgegangenen blinden, zufälligen physikalischen Prozessen beruhen? Einfach auf Komplexität zu verweisen erklärt nichts und läuft darauf hinaus, zu sagen: „Es geschieht eben.“ Mir scheint, der emergente Materialismus ist ein schwacher Versuch, die Lücke zu füllen, die eine naturalistische Weltsicht hinterlässt (Kapitel 7 zeigt, dass der emergente Materialismus subjektive bewusste Erfahrungen nicht erklären kann). Ein weiteres Problem am H2O-Beispiel ist, dass rationale Einsichten, die auf Beziehungen zwischen Prämissen beruhen, sehr verschieden von physikalischen Prozessen zu sein scheinen, in diesem Fall von neuronaler Aktivität. Das H2O-Beispiel setzt voraus, dass rationale Einsichten und physikalische Prozesse dasselbe sind. Professor Raymond Tallis argumentiert: „Sowohl glänzendes Wasser als auch H2O-Moleküle müssen als das eine oder das andere erkannt werden. Sie entsprechen zwei verschiedenen Beobachtungsweisen … Die beiden Aspekte des Wassers sind zwei Erscheinungsweisen, zwei Arten, es zu erfahren, und das trifft kaum auf neuronale Aktivität zu, die als elektrochemische Aktivität und als Erfahrung auftritt.“83
Die weiterreichende Folge der Übernahme des emergenten Materialismus besteht darin, dass wir Theorien zulassen, die die physischen Beziehungen oder Prozesse eines Systems nicht erklären können. Wenn man argumentiert, Komplexität könne neue Eigenschaften erklären, ohne darzulegen, wie diese entstehen, warum sollten wir dann erwarten, dass eine Theorie irgendetwas erklärt? Bloß darauf zu warten, dass sich unser wissenschaftliches Verständnis verbessert, ist kein Argument. Das ist vergleichbar damit, einem angehenden Bauarbeiter zu erklären, man könne ein Haus bauen, indem man viele Ziegelsteine hat. Das ist nicht richtig; zum Bau eines Hauses braucht es auch anderes, etwa Zement, einen Plan, Maurer, Klempner, Elektriker, Werkzeug usw. Abschließend lässt sich sagen: Der emergente Materialismus ist keine kohärente Theorie; er ist ein inkohärenter Versuch, die Lücke zu füllen, die der Naturalismus hinterlässt.
The wider implication of adopting emergent materialism is that we allow theories that cannot explain the physical relations or processes of a system. If one argues that complexity can explain new properties—without explaining how they emerge—then why should we expect a theory to explain anything? Merely waiting for our scientific understanding to improve is not an argument. This is equivalent to explaining to a trainee builder that you can build a house by having many bricks. This is not true; other things are also required to build a house, such as cement, a design, bricklayers, plumbers, electricians, tools, etc. In conclusion, emergent materialism is not a coherent theory; it is an incoherent attempt to fill the gap left by naturalism.
Computer sind rational; daher können physikalische Prozesse Rationalität erklären.
Computers are rational; therefore, physical processes can explain rationality.
Ein häufiger Einwand gegen das Argument, dass Rationalität nicht aus physikalischen Prozessen entstehen kann, ist die angebliche Fähigkeit von Computerprogrammen, deduktiv zu schlussfolgern. Ein zentrales Merkmal der Rationalität besteht darin, dass in einem gültigen deduktiven Argument die Schlussfolgerung notwendigerweise aus den Prämissen folgt. Da Computerprogramme auf physikalischen Prozessen beruhen und ein zentrales Merkmal der Rationalität aufweisen, so lautet die Argumentation, können physikalische Prozesse unsere Fähigkeit zu denken erklären. Auch dies ist eine fehlgeleitete Behauptung. Wie in diesem Kapitel herausgestellt wurde, beruht menschliches Denken darauf, mentale Einsichten zu haben, die auf den logischen Beziehungen zwischen den Prämissen gründen. Computerprogramme können nichts „sehen“. Menschen haben nicht nur Einsichten; unsere Einsichten sind zudem bedeutungsvoll. Wir sind in der Lage, die Bedeutung der Schlussfolgerungen, zu denen wir gelangen, zu verstehen und zu hinterfragen. Computerprogramme werden nicht als Wesen mit bedeutungsvollen Einsichten charakterisiert. Computerprogramme beruhen auf syntaktischen Regeln (der Manipulation von Symbolen), nicht auf Semantik (Bedeutung). Um den Unterschied zwischen Semantik und Syntax zu verstehen, betrachten Sie die folgenden Sätze:
A common objection to the argument that rationality cannot arise from physical processes is the alleged ability of computer programmes to engage in deductive reasoning. A key feature of rationality is that, in a valid deductive argument, the conclusion necessarily follows. Since computer programmes are based on physical processes and exhibit a key feature of rationality, physical processes can account for our ability to reason, the argument goes. This is another misplaced contention. As highlighted in this chapter, human reasoning is based on having mental insights based on the logical relations between premises. Computer programmes cannot “see” anything. Humans not only have insights; our insights are also meaningful. We have the ability to understand and question the meaning of the conclusions we come to. Computer programmes are not characterised as having meaningful insights. Computer programmes are based on syntactical rules (the manipulation of symbols), not semantics (meaning). To understand the difference between semantics and syntax, consider the following sentences:
• Ich liebe meine Familie.
• I love my family.
• Ich liebe meine Familie.
• αγαπώ την οικογένειά μου.
Das Bengalische Satz "আমি আিার পমরবারকে ভালবামি." enthält offensichtlich Tippfehler oder Zeichen, die keinen sinnvollen Text ergeben. Nach dem Wortlaut sollte er vermutlich lauten: „আমি আমার পরিবারকে ভালোবাসি.“ – Ich liebe meine Familie. Auf Deutsch: Ich liebe meine Familie.
• আমি আিার পমরবারকে ভালবামি.
Diese drei Sätze bedeuten dasselbe: Ich liebe meine Familie. Das bezieht sich auf die Semantik, die Bedeutung der Sätze. Aber die Syntax ist verschieden. Mit anderen Worten: Die verwendeten Symbole sind unterschiedlich. Der erste Satz verwendet englische „Symbole“, der zweite griechische, der letzte bengalische. Daraus lässt sich das folgende Argument entwickeln:
These three sentences mean the same thing: I love my family. This refers to semantics, the meaning of the sentences. But the syntax is different. In other words, the symbols used are unalike. The first sentence is using English ‘symbols’, the second Greek, and the last Bangla. From this, the following argument can be developed:
1. Computerprogramme sind syntaktisch (auf Syntax beruhend).
1. Computer programmes are syntactical (based on syntax).
2. Verstände haben eine Semantik.
2. Minds have semantics.
3. Syntax allein ist weder hinreichend noch konstitutiv für Semantik.
3. Syntax by itself is neither sufficient for, nor constitutive for semantics.
4. Computerprogramme sind daher für sich allein genommen keine Geister.84.
4. Therefore, computer programmes by themselves are not minds.84.
Stellen wir uns vor, eine Lawine ordnet zufällig Felsbrocken am Berg so an, dass sie die Worte „I love my family“ ergeben. Es wäre absurd zu behaupten, der Berg wisse, was diese Anordnung von Steinen (Symbolen) bedeutet. Dies zeigt, dass die bloße Manipulation von Symbolen (Syntax) allein keine Bedeutung (Semantik) hervorbringt.85
Imagine that an avalanche somehow arranges mountain rocks into the words I love my family. It would be absurd to say that the mountain knows what the arrangement of rocks (symbols) means. This indicates that the mere manipulation of symbols (syntax) does not give rise to meaning (semantics).85
Computerprogramme beruhen auf der Manipulation von Symbolen, nicht auf Bedeutungen. Ebenso kann ich die Bedeutung des Satzes auf Bengalisch nicht allein dadurch erkennen, dass ich die Buchstaben (Symbole) manipuliere. Wie oft ich auch die bengalischen Buchstaben umstelle, ich werde die Bedeutung der Wörter nicht verstehen. Deshalb brauchen wir für die Semantik mehr als die richtige Syntax. Computerprogramme arbeiten mit Syntax und nicht mit Semantik. Computer wissen nichts von der Bedeutung irgendetwas. Professor John Searles Gedankenexperiment vom chinesischen Zimmer ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass die bloße Manipulation von Symbolen nicht zu einem Verständnis dessen führt, wofür sie stehen.
Computer programmes are based on the manipulation of symbols, not meanings. Likewise, I cannot know the meaning of the sentence in Bangla just by manipulating the letters (symbols). No matter how many times I manipulate the Bangla letters, I will not be able to understand the meaning of the words. This is why for semantics, we need more than the correct syntax. Computer programmes work on syntax and not on semantics. Computers do not know the meaning of anything. Professor John Searle’s Chinese Room thought-experiment is a powerful way of showing that the mere manipulation of symbols does not lead to an understanding of what they mean:
„Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem Raum eingeschlossen, und in diesem Raum stehen mehrere Körbe voller chinesischer Schriftzeichen. Stellen Sie sich vor, dass Sie (wie ich) kein Wort Chinesisch verstehen, Ihnen wird aber ein Regelbuch in englischer Sprache gegeben, das beschreibt, wie die chinesischen Zeichen zu manipulieren sind. Die Regeln legen die Manipulation der Zeichen rein formal fest, im Hinblick auf ihre Syntax, nicht auf ihre Semantik. Die Regel könnte also lauten: ‚Nimm ein Gekritzel aus Korb Nummer eins heraus und lege es neben ein Gekritzel-Zeichen aus Korb Nummer zwei.‘ Nehmen wir nun an, dass andere chinesische Zeichen in den Raum hineingereicht werden und dass Sie weitere Regeln erhalten, nach denen Sie chinesische Zeichen wieder aus dem Raum herausreichen. Nehmen wir weiter an, dass die Leute draußen, ohne dass Sie es wissen, die hereingereichten Zeichen ‚Fragen‘ nennen und die von Ihnen hinausgereichten Zeichen ‚Antworten auf Fragen‘. Nehmen wir außerdem an, dass die Programmierer so gut darin sind, die Programme zu entwerfen, und Sie so gut darin sind, die Zeichen zu manipulieren, dass Ihre Antworten bald von denen eines muttersprachlichen Chinesen nicht zu unterscheiden sind. Da sitzen Sie nun in Ihrem Raum, schieben Ihre chinesischen Zeichen hin und her und reichen chinesische Zeichen als Antwort auf eingehende chinesische Zeichen hinaus … Der Kern der Geschichte ist schlicht dieser: Dadurch, dass Sie aus der Sicht eines äußeren Beobachters ein formales Computerprogramm ausführen, verhalten Sie sich genau so, als würden Sie Chinesisch verstehen, und doch verstehen Sie kein einziges Wort Chinesisch.“86
“Imagine that you are locked in a room, and in this room are several baskets full of Chinese symbols. Imagine that you (like me) do not understand a word of Chinese, but that you are given a rule book in English for manipulating the Chinese symbols. The rules specify the manipulation of symbols purely formally, in terms of their syntax, not their semantics. So the rule might say: ‘Take a squiggle-squiggle out of basket number one and put it next to a squiggle-squiggle sign from basket number two.’ Now suppose that some other Chinese symbols are passed into the room, and that you are given further rules for passing back Chinese symbols out of the room. Suppose that unknown to you the symbols passed into the room are called ‘questions’ by the people outside the room, and the symbols you pass back out of the room are called ‘answers to questions.’ Suppose furthermore, that the programmers are so good at designing the programs and that you are so good at manipulating the symbols, that very soon your answers are indistinguishable from those of a native Chinese speaker. There you are locked in your room shuffling your Chinese symbols and passing out Chinese symbols in response to incoming Chinese symbols… Now the point of the story is simply this: by virtue of implementing a formal computer program from the point of view of an outside observer, you behave exactly as if you understood Chinese, but all the same you do not understand a word of Chinese.”86
In dem Gedankenexperiment des Chinesischen Zimmers simuliert die Person im Zimmer einen Computer. Eine andere Person verwaltet die Symbole so, dass es den Anschein erweckt, die Person im Zimmer verstehe Chinesisch. Die Person im Zimmer versteht die Sprache jedoch nicht; sie ahmt diesen Zustand lediglich nach. Professor Searle kommt zu dem Schluss:
In the Chinese Room thought-experiment, the person inside the room is simulating a computer. Another person manages the symbols in a way that makes the person inside the room seem to understand Chinese. However, the person inside the room does not understand the language; they merely imitate that state. Professor Searle concludes:
„Die Symbole allein – also bloß die Syntax – reichen nicht aus, um die Semantik zu besitzen. Das bloße Manipulieren von Symbolen garantiert nicht das Wissen darüber, was sie bedeuten.“87
“Having the symbols by themselves—just having the syntax— is not sufficient for having the semantics. Merely manipulating symbols is not enough to guarantee knowledge of what they mean.”87
Der Einwand könnte darauf erwidern, dass zwar das Computerprogramm die Bedeutung nicht kenne, wohl aber das Gesamtsystem. Professor Searle hat diesen Einwand als „Systemantwort“88 bezeichnet. Warum aber kennt das Programm die Bedeutung nicht? Die Antwort ist einfach: Es hat keine Möglichkeit, den Symbolen eine Bedeutung zuzuweisen. Da ein Computerprogramm Symbolen keine Bedeutung zuweisen kann, wie soll dann ein Computersystem, das auf dem Programm beruht, die Bedeutung verstehen? Allein dadurch, dass man das richtige Programm besitzt, kann man kein Verstehen hervorbringen. Searle stellt eine erweiterte Version des Gedankenexperiments vom Chinesischen Zimmer vor, um zu zeigen, dass auch das System als Ganzes die Bedeutung nicht versteht: „Stellen Sie sich vor, ich prägte mir den Inhalt der Körbe und des Regelbuchs ein und führte alle Berechnungen im Kopf aus. Sie können sich sogar vorstellen, dass ich das im Freien tue. Es gibt nichts im ‚System‘, das nicht in mir wäre, und da ich kein Chinesisch verstehe, versteht auch das System es nicht.“89
The objector might respond to this by arguing that although the computer programme does not know the meaning, the whole system does. Professor Searle has called this objection “the systems reply”88. However, why is it that the programme does not know the meaning? The answer is simple: it has no way of assigning meaning to the symbols. Since a computer programme cannot assign meaning to symbols, how can a computer system—which relies on the programme—understand the meaning? You cannot produce understanding just by having the right programme. Searle presents an extended version of the Chinese Room thought-experiment to show that the system, as a whole does not understand the meaning: “Imagine that I memorize the contents of the baskets and the rule book, and I do all the calculations in my head. You can even imagine that I work out in the open. There is nothing in the ‘system’ that is not in me, and since I don’t understand Chinese, neither does the system.”89
Eine einfache Antwort auf diesen Einwand besteht auch darin, dass Computer keine unabhängigen Systeme sind, die zu deduktivem Denken fähig wären. Sie wurden von Menschen entworfen, entwickelt und hergestellt, die bewusst und vernunftbegabt sind. Daher sind Computer lediglich eine Verlängerung unserer Fähigkeit, rationale Einsichten zu gewinnen. William Hasker erklärt:
A simple response to this objection also includes the fact that computers are not independent systems with the ability to engage in deductive reasoning. They were designed, developed and made by human beings that are conscious and rational. Therefore, computers are just a protraction of our ability to perform rational insights. William Hasker explains:
„Computer funktionieren so, wie sie funktionieren, weil sie mit rationaler Einsicht ausgestattet wurden. Ein Computer ist mit anderen Worten lediglich eine Erweiterung der Rationalität seiner Konstrukteure und Nutzer; er ist ebenso wenig eine eigenständige Quelle rationaler Einsicht, wie ein Fernsehgerät eine eigenständige Quelle für Nachrichten und Unterhaltung ist.“90.
“Computers function as they do because they have been endowed with rational insight. A computer, in other words, is merely an extension of the rationality of its designers and users; it is no more an independent source of rational insight than a television set is an independent source of news entertainment.”90.
Der Atheismus hat weder ein Monopol auf die Vernunft noch kann er eines beanspruchen. Es ist bedauerlich, dass sich zunehmend die Auffassung verbreitet, Atheisten seien rational und der Atheismus gründe auf Vernunft. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Blinde, zufällige physikalische Prozesse können unsere Fähigkeit zu denken nicht erklären. Gerade deshalb entzieht der Atheismus dem die Grundlage, dessen er sich bedient, um das Göttliche zurückzuweisen. Nach islamischem Theismus dagegen leben wir in einem vernünftig geordneten Universum, das vom Allsehenden, Allweisen und Allwissenden Schöpfer erschaffen wurde, der uns die Fähigkeit zur Vernunft verliehen hat. Diese Sichtweise ist in sich stimmig und erklärt unsere Verstandeskräfte vollständig; nichts anderes vermag das (ja, nichts anderes kann es). Zu behaupten, blinde, zufällige physikalische Prozesse könnten unser Sehen, Denken und Lernen begreiflich machen, ist unvernünftig. Wer an diesem Denken festhält, ist in Wahrheit ein Gegner der Vernunft. Er gleicht einem Taxifahrer, der sich die Augen verbindet und darauf besteht, seine Fahrgäste dennoch ans Ziel bringen zu können.
Atheism does not—and cannot—have a monopoly on reason. It is a shame that there is a growing perception that atheists are rational, and that atheism is based on reason. Nothing could be further from the truth. Blind, random physical processes cannot account for our ability to reason. This is why atheism invalidates the very thing it claims to use to reject the Divine. However, according to Islamic theism, we live in a rational universe created by the All-Seeing, The-Wise and The-Knowing Creator, who gave us the ability to reason. This is coherent and accounts fully for our rational faculties; nothing else will (indeed, nothing else can). Maintaining that blind, random physical processes can make sense of our ability to see, think and learn is irrational. Those who persist in this thinking are in fact adversaries of reason. They are no different from a taxi-driver putting on a blindfold and insisting that he can drive his passengers to their destination.