Atheismus – Seine Definition, Geschichte und Verbreitung
Atheism – Its Definition, History And Growth
Der beste Ausgangspunkt ist eine Definition. Atheismus bedeutet sprachlich „Nicht-Theist“, mit anderen Worten: jemand, der nicht an einen Gott oder an Götter glaubt. Das Präfix a bedeutet keiner oder nicht, und Theismus, abgeleitet vom Wort theos, bezeichnet den „Glauben an die Existenz eines eingreifenden Gottes oder mehrerer Götter“. Beide Begriffe stammen aus dem Griechischen, doch der bloße Blick auf die wörtliche Bedeutung reicht nicht aus, um die Implikationen dieses Begriffs zu erklären. Was impliziert also die Ablehnung eines Gottes oder mehrerer Götter? Deutet sie darauf hin, dass derjenige, der sich selbst als Atheist bezeichnet, positive Argumente zugunsten des Atheismus hat? Bedeutet es, dass er derzeit von keinen theistischen Argumenten überzeugt ist? Oder bedeutet es lediglich, dass er an keine Götter glaubt?
The best place to start is with a definition. Atheism linguistically means ‘not a theist’; in other words, someone who does not believe in a God or gods. The prefix a means none or not, and theism, coming from the word theos, denotes a ‘belief in the existence of an intervening God or gods’. Both come from Greek, but relying on the literal meaning is not enough to explain the implications of the term. So what does disbelief in a God or gods imply? Does it indicate that the one who describes himself as an atheist has positive arguments in favour of atheism? Does it mean that they are currently not convinced by any theistic arguments? Or does it mean that they just do not believe in any gods?
Akademiker haben sich nicht auf eine Definition von Atheismus geeinigt, doch mein Anliegen ist kein philosophisches Haarspalten. Mein Fokus ist ein praktischer.5 Lassen Sie uns die erste Frage behandeln, die ich aufgeworfen habe: Weist es darauf hin, dass derjenige, der sich selbst als Atheist beschreibt, positive Argumente zugunsten des Atheismus hat? In diesem Sinne ist ein Atheist jemand, der einen Wissensanspruch erhebt, nämlich dass es keinen Gott gibt. Ein solcher Anspruch bedarf jedoch der Begründung. Die Behauptung ist eine positive Aussage, und sie erfordert eine Art Argument, das sie stützt. Daher muss dieser Typ von Atheist Belege für seine Position vorlegen.
Academics have not reached a consensus on a definition for atheism, but my concern is not with philosophical hair-splitting. My focus is a practical one.5 Let’s address the first question I raised: Does it indicate that the one who describes himself as an atheist has positive arguments in favour of atheism? In this sense, an atheist is someone who makes a knowledge claim—that there is no God. Nevertheless, such a claim requires justification. The claim is a positive assertion, and it requires some sort of argument to back it up. Therefore, this type of atheist must provide evidence for their position.
Dies führt uns zur zweiten Frage: Bedeutet das, dass der Atheist derzeit von keinem theistischen Argument überzeugt ist? Das scheint weit entfernt vom Atheismus zu sein und in das Gebiet des Agnostizismus hineinzuführen. Eine solche Position würde implizieren, dass er, wenn ihm ein gutes Argument für die Existenz Gottes angeboten würde, es akzeptieren müsste. Schließlich stellt sich die Frage: Bedeutet das, dass es sich bei der Person um jemanden handelt, der einfach an keine Götter glaubt? Wenn ein Atheist aufgrund bloßer Wahl und ohne jede rationale Untersuchung ungläubig ist, worin unterscheidet sich das dann von jedem anderen Glauben, sei es der Glaube an Feen oder an Astrologie? Aus meiner Erfahrung heraus lautet die Frage: Warum glaubst du an keine Götter?
This leads us to the second question: Does it mean that the atheist is currently not convinced by any theistic arguments? This seems to be far removed from atheism and is entering into the realm of agnosticism. Holding such a position would imply that if a good argument were offered for God’s existence, they would have to accept it. Finally, we have the question: Does it mean that the person is someone who just does not believe in any gods? If an atheist disbelieves based on mere choice, in the absence of any rational investigation, then how does that differ from any other belief, whether it is the belief in fairies or astrology? From my experience, the question why do you believe in no gods?
„ist ein ausgezeichneter Gesprächseinstieg mit einem Atheisten (siehe Kapitel 4). Je nach Antwort, die ich erhalte, erkenne ich klar, ob sie Agnostiker sind, Atheisten, die ohne jeglichen positiven Beweis glauben, oder ob sie einen Einwand gegen Gott gefunden haben. Wenn sie Agnostiker sind, besteht die beste Strategie darin, gute Gründe dafür vorzulegen, warum man an die Existenz Gottes glaubt. Wenn sie aufrichtig sind und das Argument gültig ist, dann sollten sie die Existenz des Göttlichen anerkennen. Wenn sie an keine Götter glauben, ohne dafür Belege zu haben, dann halte ich es für hilfreich, sie dazu zu bringen, ihre Überzeugungen zu hinterfragen und darüber nachzudenken. Ich würde sie fragen: Welche Belege hast du, um die Existenz Gottes abzulehnen? Ich würde ihnen außerdem die negativen Folgen aufzeigen, die es hat, etwas allein aus eigener Wahl zu glauben, ohne jede Vernunftgrundlage oder intellektuelle Basis. Wenn sie behaupten, Beweise gegen die Existenz Gottes gefunden zu haben, würde ich sie um diese Beweise bitten. In diesem Fall wäre es als Muslim meine Aufgabe zu zeigen, dass die vorgelegten Belege falsch sind oder missverstanden werden, und zugleich darzulegen, warum Gott doch existiert.
is an excellent conversation starter with an atheist (see Chapter 4). Depending on the response I receive, I clearly know if they are agnostics, atheists who believe without any positive evidence, or if they have found an argument against God. If they are agnostics, then the best strategy is to provide good reasons for why you believe God exists. If they are sincere, and the argument is valid, then they should accept the existence of the Divine. If they believe in no gods without evidence, then what I find useful is to get them to question and think about their beliefs. I would ask them: What evidence do you have to reject God’s existence? I would also show them the negative implications of just believing in something based on mere choice without any reasoning or intellectual basis. If they claim to have found evidence against God’s existence, I would ask them for the evidence. In that case, as a Muslim, it would be my job to show how the evidence they have provided is false or misunderstood, while at the same time presenting a case for why God does exist.
So hier ist eine Zusammenfassung dessen, was es praktisch bedeutet, Atheist zu sein. Erstens gibt es die negative Aussage, dass man einfach ein Ungläubiger gegenüber einem Gott oder Göttern ist. Zweitens gibt es die Ansicht, dass die gegenwärtigen Argumente für die Existenz Gottes nicht überzeugend sind, was einen Agnostizismus impliziert. Schließlich gibt es die positive Aussage, dass es keine Götter gibt. Eine solche Aussage erfordert ein Argument. Aus meiner Erfahrung heraus sind viele Atheisten, ungeachtet der spitzfindigen Debatten zu diesem Thema, einfach deshalb Atheisten, weil sie von keinem Argument für das Göttliche überzeugt sind. Das bedeutet, dass die meisten Atheisten gar keine echten Atheisten sind, sondern verkappte Agnostiker. Es gibt also Hoffnung, und man muss lediglich ein gutes Argument für den Theismus vorbringen. Es ist wichtig zu beachten, dass die praktischen Definitionen, die ich hier vorgeschlagen habe, nicht binär sind; es gibt verschiedene Grade jedes Atheistentyps. Atheisten können auch durch eine dieser Definitionen oder eine Kombination davon beschrieben werden. Wenn es doch nur so einfach wäre. Menschen sind keine intellektuellen Roboter. Eine Vielzahl emotionaler, sozialer, spiritueller und psychologischer Faktoren bestimmt, welche Weltanschauung wir annehmen. Die unzähligen Variablen, die zu bestimmten Entscheidungen oder Überzeugungen führen, zu entwirren, ist unmöglich. Dennoch ist Atheismus meiner Erfahrung nach keine strikt intellektuelle Entscheidung, die aus Vernunft und Wissenschaft erwächst. Im Gegenteil, der Atheismus ist tief in der Psychologie verwurzelt (wobei ich anerkenne, dass dies auf manche, aber nicht auf alle Atheisten zutrifft).
So here’s a summary of what it practically means to be an atheist. Firstly, there is the negative assertion that one is simply a disbeliever in a God or gods. Secondly, there is the view that the current arguments for God’s existence are not convincing, which implies agnosticism. Finally, there is the positive assertion that there are no gods. Such an assertion requires an argument. From my experience, regardless of the hair-splitting debates on this issue, many atheists are atheists simply because they are not convinced by any argument in favour for the Divine. This means that most atheists are not really atheists at all, but closet agnostics. So there is hope, and all one has to do is offer a good argument for theism. It is important to note that the practical definitions I have proposed here are not binary; there are varying degrees of each type of atheist. Atheists can also be described as having one or a combination of these definitions. If only it was that easy. Human beings are not intellectual robots. An array of emotional, social, spiritual and psychological factors determines which worldview we adopt. Unravelling the vast number of variables that lead to certain decisions or beliefs is impossible. However, from my experience, atheism is not a strict intellectual decision born out of reason and science. On the contrary, atheism is deeply rooted in psychology (although I appreciate this applies to some and not all atheists).
Misotheismus: Hass auf Gott.
Misotheism: hatred of God.
Obwohl er nicht als eine Form des Atheismus gilt, hielt ich es für äußerst interessant, eine andere Form der Ablehnung des Göttlichen näher zu beleuchten. Statt die Existenz Gottes zu leugnen, beinhaltet diese Sichtweise einen Hass auf Gott und den Wunsch, dass Er nicht existieren möge. Bekannt als Misotheismus, abgeleitet vom griechischen misos, das Hass bedeutet, und theos, das Gott bedeutet, hat sich diese religiöse Auflehnung lange im Verborgenen gehalten. Es ist an der Zeit, Licht auf diese Anklage gegen Gott zu werfen, die manche als die psychologische Grundlage bestimmter Formen des Atheismus betrachten könnten. Associate Professor Bernard Schweizer hat ein Buch zu diesem Thema geschrieben. Nachdem er zahlreiche literarische Werke bedeutender Denker und Schriftsteller durchforstet hat, darunter Algernon Charles Swinburne, Zora Neale Hurston, Rebecca West, Elie Wiesel, Peter Shaffer und Philip Pullman, kommt er zu dem Schluss, dass sie offenbar mit der Vorstellung eines mitfühlenden und barmherzigen Gottes in einer Welt des Bösen und des Leidens ringen. Er weist darauf hin, dass ihre Motivation für den Hass auf Gott darin liegt, dass sie „im Allgemeinen von bewundernswerten humanistischen Impulsen geleitet werden“.6
Although not considered a form of atheism, I thought it would be of great interest to elaborate on another type of rejection of the Divine. Rather than rejecting God’s existence, this perspective involves a hatred of God and a wish that He did not exist. Known as misotheism, coming from the Greek misos, meaning hatred, and theos meaning God, this religious rebellion has been lurking in the dark. It is time some light was shed on this denunciation of God, which some might argue is the psychological basis for certain types of atheism. Associate Professor Bernard Schweizer has written a book on the topic; after sifting through a number of literary works of prominent thinkers and writers, including Algernon Charles Swinburn, Zora Neale Hurston, Rebecca West, Elie Wiesel, Peter Shaffer and Philip Pullman, he concludes that they seem to struggle with the idea of a compassionate and merciful God in a world of evil and suffering. He indicates that the motivation for their hatred of God is due to being “generally motivated by admirable humanistic impulses”6
Schweizer weist außerdem darauf hin, dass der Misotheist emotional und psychisch belastet ist. Er argumentiert, es sei „durchaus richtig, dass psychisch, emotional und körperlich verwundete Menschen am ehesten von Gott abwenden“.7
. Schweizer also indicates that the misotheist is emotionally and psychologically troubled. He argues that it is “quite true that the psychologically, emotionally, and physically wounded are most likely to turn away from God”7
...und dass es „keineswegs sicher ist, dass wirksamere Formen der Verkündigung die Flammen des Misotheismus löschen oder den Weg zum Atheismus versperren würden"8
, and that it is “by no means certain that more effective forms of ministering would help douse the fires of misotheism or block the path to atheism”8
Obwohl diese Denker und Schriftsteller verschiedene Arten von Gottesfeinden darstellen, stellen sie alle Gottes Rolle beim menschlichen Leid in Frage.
. Although these thinkers and writers represent different types of misotheists, they all question God’s role in human suffering:
„Die Lage ist für den Misotheisten eine andere. Für ihn ist die Unvereinbarkeit von weitverbreitetem Übel mit dem Bild eines wohlwollenden Gottes ein reales Problem und nicht bloß ein Fall theologischer Haarspalterei. Misotheisten sind echte Ankläger Gottes, und sie werden ihn für willkürliches Übel und unverdientes Leid zur Rechenschaft ziehen. So kommen Atheisten und Misotheisten von entgegengesetzten Richtungen zur Frage nach Gottes Rolle beim menschlichen Leid: Der Ungläubige würde sagen, der Misotheist erhebe einen ungültigen Anspruch, der auf Fiktion beruht. Dem Misotheisten selbst gilt Gott gerade deshalb, weil er gläubig ist, nicht als Sündenbock, sondern als Komplize oder Anstifter des Übels.“9
“The situation is different for the misotheist. To him, the incompatibility of widespread evil with the image of a benevolent God is a real problem, not merely a case of hair-splitting theological arguments. Misotheists are genuine accusers of God, and they will hold him accountable for random evil and undeserved suffering. Thus, atheists and misotheists come to the question of God’s role in human suffering from opposed directions: the unbeliever would say that the misotheist makes an invalid claim based on fiction. To the misotheist himself, precisely because he is a believer, God is not a scapegoat but an accomplice or an instigator of evil.”9
Schweizers Studie ist recht differenziert. Er unterteilt den Misotheismus in agnostische Misotheisten, absolute Misotheisten und politische Misotheisten. Um den Hauptgedanken des Professors zusammenzufassen: Den Misotheisten bewegt eine zentrale Frage: Was hat die Menschheit verdient, dass Gott all das Böse und Leid zulässt, das geschieht? Aus meiner Erfahrung würde ich behaupten, dass nicht wenige Atheisten heimliche Misotheisten sind. Eine Frage, die diese Schlussfolgerung meist bestätigt, lautet: Würdest du Gott anbeten, wenn es ihn gäbe? (siehe Kapitel 15). Die Antwort vieler Atheisten, denen ich begegnet bin, lautet Nein, und sie verweisen häufig auf das Ausmaß an „unnötigem“ und „grundlosem“ Übel und Leid in der Welt. Auch wenn ich ihre Sorge und ihren Schmerz über das Leid fühlender Wesen nachempfinde, leiden Atheisten wie Misotheisten gleichermaßen an einer verdeckten Form von Egozentrik. Das bedeutet, dass sie sich große Mühe geben, die Welt nicht aus einer anderen Perspektive als mit ihren eigenen Augen zu betrachten. Dabei begehen sie jedoch einen Fehlschluss emotionaler, oder besser gesagt spiritueller Art. Sie vermenschlichen Gott und machen Ihn zu einem begrenzten Menschen. Sie nehmen an, Gott müsse die Dinge so sehen wie wir und deshalb das Böse beenden. Lässt Er es weiterhin zu, so müsse Er infrage gestellt und zurückgewiesen werden.
Schweizer’s study is quite nuanced. He categorises misotheism into agnostic misotheists, absolute misotheists and political misotheists. To summarise the professor’s main point, the misotheist is motivated by a key question: What has humanity done to deserve God and all the evil and suffering that He allows to occur? From my experience, I would contend that quite a few atheists are closet misotheists. One question to ask that usually testifies to this conclusion is: If God did exist, would you worship Him? (see Chapter 15). The response from many atheists that I have encountered would be no, and they frequently cite the amount of ‘unnecessary’ and ‘gratuitous’ evil and suffering in the world. Although I empathise with their concern and anguish at the suffering inflicted on fellow sentient beings, atheists and misotheists alike suffer from a veiled type of egocentrism. This means they make special effort not to see the world from any perspective other than through their own eyes. However, in doing so, they commit a type of emotional—or spiritual—fallacy. They anthropomorphise God and turn Him into a limited man. They assume that God must see things the way we see things, and therefore He should stop the evil. If He allows it to continue, He must be questioned and rejected.
Der Vergleich des Menschen mit Gott zeigt, dass sie nicht in der Lage sind, die Dinge ganzheitlich zu verstehen. Der Misotheist würde an dieser Stelle wohl ausrufen, dies bedeute, der Mensch besitze mehr Mitgefühl als Gott. Das verdeutlicht noch stärker seine Unfähigkeit, die Dinge aus einer Perspektive jenseits der eigenen zu betrachten, und offenbart sein Versagen, zu begreifen, dass Gottes Handlungen und Wille mit einer göttlichen Vernunft übereinstimmen, die uns nicht zugänglich ist. Gott ist mit dem Auftreten von Übel und Leid nicht zufrieden. Er verhindert diese Dinge nicht, weil Er etwas sieht, was wir nicht sehen, nicht, weil Er mit Übel und Leid, die fortbestehen, einverstanden wäre. Gott hat das ganze Bild, wir haben nur einen Pixel. Dies zu verstehen, schafft seelische und geistige Ruhe, denn der Gläubige erkennt, dass sich letztlich alles, was in der Welt geschieht, in eine überlegene göttliche Weisheit einfügt, die auf überlegener göttlicher Güte beruht. Dies nicht anzunehmen, ist gerade der Punkt, an dem der Misotheist in den Sumpf von Hochmut, Egozentrik und letztlich Verzweiflung gerät. Er hat die Prüfung nicht bestanden; sein Hass auf Gott lässt ihn vergessen, wer Gott ist, und er verwirft die Tatsache göttlicher Weisheit, Barmherzigkeit und Güte (siehe Kapitel 11).
Comparing man with God exposes their inability to understand things holistically. The misotheist would probably at this point exclaim that this means man has more compassion than God. This further highlights their inability to see things from beyond their perspective, and reveals their failure to fathom that God’s actions and will are in line with a Divine reason that we cannot access. God is not content with the occurrence of evil and suffering. God does not stop these things from happening because He sees something we do not, not because He is content with evil and suffering to continue. God has the picture and we merely have a pixel. Understanding this facilitates spiritual and intellectual tranquillity because the believer understands that ultimately, all that occurs in the world is in line with a superior Divine wisdom that is based on superior Divine goodness. Refusing to accept this is actually where the misotheist falls into the quagmire of arrogance, egocentrism and ultimately, despair. He has failed the test; his hatred of God makes him forget who God is and dismiss the fact of Divine wisdom, mercy and goodness (see Chapter 11).
Atheismus und philosophischer Naturalismus.
Atheism and Philosophical Naturalism.
Bevor ich auf die islamische Definition des Atheismus eingehe, bietet dieses Kapitel eine gute Gelegenheit, ein Konzept vorzustellen, auf das in vielen Kapiteln dieses Buches Bezug genommen wird. Wie der Atheismus leugnet auch der philosophische Naturalismus das Göttliche und das Übernatürliche. Es überrascht daher nicht, dass die meisten Atheisten den philosophischen Naturalismus als Weltanschauung übernehmen. Der philosophische Naturalismus ist die Auffassung, dass alle Phänomene innerhalb des Universums durch physikalische Prozesse erklärt werden können. Diese physikalischen Prozesse sind blind und nicht-rational. Das bedeutet, dass sie nicht absichtlich auf ein Ziel oder einen Bestimmungsort ausgerichtet sind und dass sie nicht in der Lage sind, logische Beziehungen zwischen Dingen oder Ideen zu schaffen und zu erkennen.
Eine kurze Geschichte des Atheismus.
A brief history of atheism.
In der islamischen Geschichte stellte der Atheismus keine bedeutende gesellschaftliche und intellektuelle Bedrohung dar, bis im 8. Jahrhundert die Dahriyya aufkam. Diese Denker waren Empiristen, die glaubten, dass alles Wissen ausschließlich durch die empirische Methode erlangt werden könne. Sie vertraten die Auffassung, dass der Kosmos ewig sei und aus vier Qualitäten bestehe, die für alles Existierende verantwortlich seien. Sie argumentierten, dass alles schon immer existiert habe und keines Schöpfers oder Urhebers bedürfe.14
In Islamic history Atheism was not a major social and intellectual threat until the emergence of the 8th century Dahriyya. These thinkers were empiricists who believed that all knowledge could only be acquired via the empirical method. They believed that the cosmos was eternal and composed of four qualities, which were responsible for everything that existed. They argued that everything had always existed and did not require any creator or maker.14
Laut Kitab al-Aghani von Faraj al-Isfahani debattierte Abu Hanifa, der berühmte Rechtsgelehrte und Begründer einer der traditionellen Rechtsschulen, im 8. Jahrhundert mit einem Dahri. Abu Hanifa war dafür bekannt, die Dahriyya in öffentlichen Debatten intellektuell in die Enge zu treiben (siehe Kapitel 8). Viele islamische Gelehrte antworteten auf die Behauptungen der Dahriyya, darunter Al-Ghazali, Ibn al-Jawzi, al-Jaḥiẓ, Muhammad b. Shabib, Ibn Qutayba und Abu ‘Isa al-Warraq.15 In Al-Ghazalis Buch Kimiyaʾ-yi sa‘adat beschreibt er die Dahriyya als Reduktionisten, die kein ganzheitliches Verständnis vom Universum und seinem Zweck haben. Er behauptet, sie seien wie Ameisen auf einem Blatt Papier, die ihren Blick nicht von der Tinte oder dem Stift heben können, die sie vor sich sehen, und so nicht erkennen, wer schreibt.16
According to Kitab al-Aghani by Faraj al-Isfahani, Abu Hanifa, the famous jurist and founder of one of the traditional schools of thought, debated a Dahri in the 8th century. Abu Hanifa was known to have intellectually hammered the Dahriyya in public debates (see Chapter 8). Many of the Islamic scholars responded to the claims of the Dahriyya, including Al-Ghazali, Ibn al-Jawzi, al-Jaḥiẓ, Muhammad b. Shabib, Ibn Qutayba, and Abu ‘Isa al-Warraq.15 In Al-Ghazali’s book, Kimiyaʾ-yi sa‘adat, he describes the Dahriyya as reductionists who do not have a holistic understanding of the universe and its purpose. He asserts that they are like ants on a piece of paper that cannot lift their eyes from the ink or the pen they see before them, thus failing to see who is writing.16
Die islamische Geschichte des Atheismus zeigt eindeutig ein Umfeld intellektueller Diskussion und Debatte, das nur durch gegenseitigen Respekt und Toleranz ermöglicht werden konnte. Der Koran macht unmissverständlich deutlich, dass die Vielfalt der Glaubensüberzeugungen Teil des Willens Gottes ist und dass es niemals irgendeine Form von Zwang geben darf, sondern nur gegenseitigen Respekt und Toleranz.
Nach den 1960er Jahren kam der Logische Positivismus zu Fall. Einer der zentralen Gründe für seinen Niedergang war, dass er sich selbst widerlegte. Das Bedeutungskriterium der logischen Positivisten besagte, dass jede Aussage durch physische Erfahrung verifiziert werden müsse; das Kriterium selbst ließ sich jedoch nicht durch physische Erfahrung verifizieren. Folglich war das Kriterium selbst bedeutungslos. Nach dem Untergang des Logischen Positivismus erlebte die akademische Welt die intellektuelle Wiederbelebung des Theismus. Das Time Magazine kommentierte 1980 den Aufstieg des intellektuellen Theismus: „In einer stillen Revolution des Denkens und der Argumentation, die vor zwei Jahrzehnten kaum jemand hätte vorhersehen können, kehrt Gott zurück. Am faszinierendsten ist, dass dies nicht unter Theologen oder gewöhnlichen Gläubigen geschieht, sondern in den nüchternen intellektuellen Kreisen akademischer Philosophen, wo der Konsens Gott schon lange aus dem fruchtbaren Diskurs verbannt hatte.“27
Post 1960s saw the death of logical positivism. One of the key reasons for its demise was the fact that it was self-defeating. The logical positivists’ criterion for meaning was that any statement had to be verified by physical experience; however, the criterion itself could not be verified by physical experience. Consequently, the criterion itself was meaningless. After the demise of logical positivism, the academic world saw the intellectual resurrection of theism. Time magazine in 1980 commented on the rise of intellectual theism: “In a quiet revolution in thought and argument that hardly anybody could have foreseen only two decades ago, God is making a comeback. Most intriguingly, this is happening not amongst theologians or ordinary believers, but in the crisp intellectual circles of academic philosophers, where the consensus had long banished the Almighty from fruitful discourse.”27
Eine Ursache für die intellektuelle Wiederbelebung des Theismus waren die faszinierenden wissenschaftlichen Entdeckungen der Mitte des 20. Jahrhunderts. Dazu gehört der „Urknall“, der einen kosmischen Anfang des Universums postuliert. Dies war ein Bruch mit dem herkömmlichen Denken, das ein statisches und ewiges Universum annahm, das keines Schöpfers bedürfe (siehe Kapitel 5). In den 1970er Jahren entdeckten Kosmologen das faszinierende Phänomen der Feinabstimmung, das deutlich zeigte, dass die Gesetze und die Beschaffenheit des Universums so entworfen und fein abgestimmt zu sein scheinen, dass komplexes, bewusstes Leben wie der Mensch existieren kann (siehe Kapitel 8). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten wir ein völlig unzureichendes Verständnis der Grundlagen der Biologie. Wir hielten Zellen – die Bausteine der Organismen – für bloße homogene Klumpen von Protoplasma. Im Jahr 1953 jedoch zeigten James Watson und Francis Crick die Doppelhelixstruktur der DNA, des Informationsspeichers der Zelle. Auf diese Entdeckung folgte die molekularbiologische Revolution, die auf mikroskopischer Ebene immer faszinierendere und komplexere Merkmale zutage förderte. Crick (selbst ein Atheist) war so beeindruckt von der Universalität des genetischen Codes, dass er überzeugt war, dies könne nicht zufällig geschehen sein, und argumentierte, dass irgendeine Art außerirdischer Intervention beteiligt gewesen sein müsse.28 Diese Entdeckungen und Fortschritte in der Wissenschaft sowie ihre philosophischen Implikationen brachten den Theismus Schritt für Schritt zurück an den intellektuellen und akademischen Diskussionstisch. Heute ist der Theismus eine durchaus respektable Position.