Die Leugnung Gottes, die Leugnung deiner selbst – das Argument aus dem Bewusstsein
Denying God, Denying You – The Argument From Consciousness
Mein Vater geht sehr gern spazieren. Dabei denkt er über die tiefgründigen Fragen nach, die den denkenden Menschen beschäftigen. Auf einem dieser Spaziergänge beschloss er, den berühmten Speakers Corner in London zu besuchen. Dieser Ort ist für seine lauten und hitzigen Diskussionen über den Menschen, das Leben und das Universum bekannt, einschließlich Politik und allerlei Verschwörungstheorien. Er ist ein Platz für uneingeschränkte Redefreiheit, an dem jeder nahezu alles sagen kann, was er möchte, und auf jede beliebige Weise. An der Ecke finden meist theologische und philosophische Debatten statt, die sich um die Existenz Gottes drehen. An dem Tag, an dem mein Vater dort war, hörte er einer Diskussion darüber zu, ob wir gute Gründe haben, an das Göttliche zu glauben oder nicht. Mein Vater unterbrach die Diskussion und sagte ihnen: „Wer Gott ablehnt, verleugnet sich selbst.“ Als mein Vater mir diese Geschichte erzählte, verstand ich die Tragweite seiner Worte nicht wirklich. Doch einige Jahrzehnte später möchte ich in diesem Kapitel seine tiefe Weisheit weiter ausführen.
My father loves going for walks. He ponders the profound questions that plague the thinking man. On one of these walks, he decided to visit the famous Speakers Corner in London. It is known for its loud and heated discussions about man, life and the universe, including politics and all sorts of conspiracies. It is a place for unfettered free speech, where anyone and everyone can say almost what they want in any way they want. The corner usually witnesses theological and philosophical debates centred on God’s existence. The day my father visited the corner he was listening to a discussion about whether or not we have good reasons to believe in the Divine. My father interrupted the discussion and told them, “If you reject God, you deny yourself.” When my father told me this story, I didn’t really understand the implications of what he said. However, fast-forward a few decades, I would like to expand on his profound wisdom in this chapter.
Mein Vater versuchte der Menge zu erklären, dass wir, weil wir ein Bewusstsein davon haben, wer wir sind (und was wir fühlen), ein Zeichen dafür sind, dass Gott existiert. Im weiteren Sinne bezog sich mein Vater auf das phänomenale Bewusstsein; einfach ausgedrückt, auf die Tatsache, dass wir innere subjektive Erfahrungen machen. Das phänomenale Bewusstsein bezieht sich auf unsere Fähigkeit, ein inneres subjektives Bewusstsein davon zu haben, wie es ist, einen bestimmten bewussten Zustand zu erleben. Wenn ich zum Beispiel meine Lieblingsschokolade esse oder wenn ich einer Rezitation des Qur'an zuhöre, bin ich mir dieser inneren Erfahrung bewusst und kann nachempfinden, wie es ist, sich in diesem bewussten Zustand zu befinden. Niemand sonst kann jedoch darauf zugreifen, wie es für mich ist, diese subjektiven Erfahrungen zu machen. Andere Menschen haben natürlich ihre eigenen Sichtweisen auf Schokolade und die Rezitation des Qur'an, aber sie werden niemals wirklich erfahren oder begreifen, was ich bei diesen Erfahrungen empfinde.
My father was trying to tell the crowd that since we have an awareness of who we are (and what we feel), it is a sign that God exists. In a broad sense, what my father was referring to was phenomenal consciousness; in simple terms, the fact that we have inner subjective experiences. Phenomenal consciousness relates to our ability to have an inner subjective awareness of what it is like to experience a particular conscious state. For example, when I eat my favourite chocolate or when I listen to a recitation of the Qur’an, I am aware of that internal experience, and I can appreciate what it is like to be in that conscious state. However, no one else can access what it is like for me to have those subjective experiences. Of course, other people will have their own perspectives of chocolate and the recitation of the Qur’an, but they will never truly experience or comprehend what I feel during those experiences.
Auch wenn Sie alles über mein Gehirn wüssten, könnten Sie nicht herausfinden, wie es sich für mich anfühlt, eine bestimmte Erfahrung zu machen, sei es, Orangensaft zu trinken, einen wunderschönen Sonnenuntergang zu betrachten oder sich zu verlieben. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Neurowissenschaft größtenteils eine Wissenschaft der Korrelationen ist. Neurowissenschaftler beobachten die Gehirnaktivität und setzen sie in Beziehung zu dem, was die Teilnehmer angeben, bewusst wahrzunehmen. Diese Korrelationen können uns jedoch nie etwas darüber sagen, wie es für die Teilnehmer ist, sich in einem bestimmten Bewusstseinszustand zu befinden; sie können nur zeigen, wann dieser auftritt. Man könnte einwenden, dass ein Teilnehmer den Neurowissenschaftlern Daten aus der Ich-Perspektive liefern könnte, indem er seine subjektive Erfahrung beschreibt, und so die Frage beantworten würde. Dies ist jedoch keine Antwort, denn selbst wenn jemand Wörter wie „kalt“, „schmerzhaft“, „süß“, „schön“ und „traurig“ verwendet, kann er uns nie sagen, wie es sich anfühlt, diese Erfahrungen und Gefühle zu haben. Worte sind Träger von Bedeutung und Erfahrung, doch wir müssen über Worte hinausgehen, um das bewusste Erleben eines anderen vollständig zu verstehen. Ein weiterer schwer fassbarer Aspekt innerer bewusster Erfahrungen ist die Frage, warum subjektive Erfahrungen aus nicht bewussten biologischen und physikalischen Prozessen entstehen. Warum entsteht ein einzigartiges inneres Erleben aus nicht bewusster Materie? Dies ist eine weitere wichtige Frage in der Philosophie des Geistes und der Neurowissenschaft. Die bisher dargelegten Aspekte bilden das, was Fachleute das schwierige Problem des Bewusstseins nennen. Dieses ist trotz zahlreicher hitziger Debatten über die Natur unseres Selbst und unserer bewussten Erfahrungen bislang ungelöst. Der Forschungsstipendiat Daniel Bor beschreibt das Problem folgendermaßen:
Even if you were to know everything about my physical brain, you would not be able to find out what it is like for me to have a particular experience, whether drinking orange juice, staring at a beautiful sunset or falling in love. The main reason for this is that neuroscience is mostly a science of correlations. Neuroscientists observe brain activity and correlate that activity with what the participants report they are conscious of. However, these correlations can never tell us anything about what it is like for participants to be in a given state of consciousness; it can only tell us when it occurs. You may argue that a participant may provide neuroscientists with first-person data by describing his or her subjective experience, thereby answering the question. Nonetheless, this is not an answer, because even if someone uses words like ‘cold’, ‘painful’, ‘sweet’, ‘beautiful’ and ‘sad’, they can never tell us what it is like to have those experiences and feelings. Words are vehicles for meaning and experience, but we must go beyond words to fully understand the conscious experience of another. Another elusive aspect of internal conscious experiences is why subjective experiences arise from non-conscious biological and physical processes. Why does a unique internal experience arise from non-conscious matter? This is another important question in the philosophy of the mind and neuroscience. The issues I have introduced so far form what academics call the hard problem of consciousness. This has remained unresolved, despite having sparked many heated debates on the nature of who we are and our conscious experiences. Research fellow Daniel Bor states the problem in the following way:
„Auf der Welt gibt es viele schwierige Probleme, doch nur eines darf sich „das schwierige Problem“ nennen. Das ist das Problem des Bewusstseins – wie rund 1300 Gramm Nervenzellen das nahtlose Kaleidoskop aus Empfindungen, Gedanken, Erinnerungen und Emotionen hervorbringen, das jeden wachen Augenblick erfüllt … Das schwierige Problem bleibt ungelöst.“190.
“There are a lot of hard problems in the world, but only one gets to call itself ‘the hard problem’. That is the problem of consciousness—how 1300 grams or so of nerve cells conjures up the seamless kaleidoscope of sensations, thoughts, memories and emotions that occupy every waking moment… The hard problem remains unresolved.”190.
Die bloße Tatsache, dass wir innere subjektive bewusste Erfahrungen haben, kann nur durch die Existenz eines Allwissenden Wesens erklärt werden. Dieses Wesen erschuf das physische Universum mit bewussten Geschöpfen und gab ihnen die Fähigkeit, sich ihrer inneren subjektiven Erfahrungen bewusst zu sein. Andere Erklärungen scheitern von vornherein – beispielsweise bietet eine kalte, materialistische Sicht auf das Universum keine Hoffnung auf eine Lösung dieses Problems. Stell dir vor, am Anfang des Universums gab es nichts als einfache Anordnungen von Materie, und nach einer langen Zeitspanne ordneten sie sich selbst zu Menschen um, um Bewusstsein zu bilden. Das klingt wie Magie, denn Materie ist kalt, blind und nicht bewusst; wie könnte sie für ein solches Phänomen verantwortlich sein? Das kann sie nicht. Zum Beispiel kann ich dir keine 10 £ geben, wenn ich sie nicht habe. Ebenso kann Materie kein Bewusstsein hervorbringen, wenn sie es nicht enthält oder nicht das Potenzial dazu besitzt. Du könntest einwenden, dass ich das Geld verdienen und dann jemandem geben kann; ebenso könnte Materie das Bewusstsein irgendwie durch einen komplexen Prozess „verdienen“. Das ist falsch, denn ein einzelner nicht bewusster Prozess plus ein anderer einzelner nicht bewusster Prozess ergibt immer noch zwei nicht bewusste Prozesse. Es ist, als versuchte man, ein Stück Eisen in Holz zu verwandeln: Egal, wie man das Eisen bearbeitet, es wird niemals zu Holz, selbst wenn man noch mehr Eisen hinzufügt.
The very fact that we have internal subjective conscious experiences can only be explained by the existence of an All-Aware Being. This Being created the physical universe with conscious creatures, and gave them the ability to be aware of their internal subjective experiences. Other explanations fail from the onset—for instance, a cold, materialistic view on the universe offers no hope for a solution to the problem. Imagine in the beginning of the universe all you had were simple arrangements of matter, and after a long period of time, they rearranged themselves into human beings to form consciousness. This sounds like magic, because matter is cold, blind and non-conscious, so how can it be responsible for such a phenomenon? It cannot. For example, I cannot give you £10 if I do not have it. Likewise, matter cannot give rise to consciousness if it does not contain it or have the potential to give rise to it. You may argue that I can earn the money and then give it to someone; likewise, matter can somehow ‘earn’ consciousness via some complex process. This is false, because an individual non-conscious process plus another individual non-complex process still equal two non-conscious processes. It is like trying to turn a piece of iron into wood: no matter how you manipulate the iron, it will never turn into wood, even if you add more iron.
Der Umfang dieses Kapitels besteht darin, die populären Erklärungen für das schwierige Problem des Bewusstseins zu dekonstruieren und darzulegen, wie ein theistischer Ansatz und damit die Existenz Gottes eine weit bessere Erklärung liefert. Ich werde außerdem aufzeigen, dass dies keine Frage ist, auf die „die Wissenschaft irgendwann Antworten geben wird“. Denn selbst wenn wir alles über das Gehirn wüssten und ausschließlich auf biologische, materialistische (oder auch nicht-theistische philosophische) Erklärungen bestünden, würden wir das schwierige Problem des Bewusstseins dennoch nicht beantworten.
The scope of this chapter is to deconstruct the popular explanations for the hard problem of consciousness and explain how a theistic approach, and by extension God’s existence, provides a far better explanation. I will also bring to light that this is not an issue for which ‘science will eventually give us the answers’, because even if we were to know everything about the brain and insist on referring solely to biological, materialist (or even non-theistic philosophical) explanations, we will still not answer the hard problem of consciousness.
Mehr zum harten Problem.
More about the hard problem.
Nach eigenem Eingeständnis hat die Frage des Bewusstseins vielen Akademikern unlösbare Probleme bereitet, insbesondere jenen, die in ihrem materialistischen Ansatz übermäßig dogmatisch sind. In seinem Buch Consciousness: Confessions of a Romantic Reductionist räumt Professor Christof Koch offen ein:
By their own admission, the issue of consciousness has caused many academics unsolvable problems, especially those who are excessively dogmatic in their materialistic approach. In his book Consciousness: Confessions of a Romantic Reductionist, Professor Christof Koch openly admits:
„Wie das Gehirn bioelektrische Aktivität in subjektive Zustände überführt, wie von Wasser reflektierte Photonen auf magische Weise zur Wahrnehmung eines schillernden aquamarinfarbenen Bergsees werden, ist ein Rätsel. Die Natur der Beziehung zwischen dem Nervensystem und dem Bewusstsein bleibt schwer fassbar und ist Gegenstand erbitterter und endloser Debatten … Zu erklären, wie ein hochgradig organisierter Materieklumpen eine innere Perspektive besitzen kann, hat die wissenschaftliche Methode vor eine Herausforderung gestellt, obwohl sie sich in so vielen anderen Bereichen als außerordentlich fruchtbar erwiesen hat.“191.
“How the brain converts bioelectrical activity into subjective states, how photons reflected off water are magically transformed into the percept of an iridescent aquamarine mountain tarn is a puzzle. The nature of the relationship between the nervous system and consciousness remains elusive and the subject of heated and interminable debates… Explaining how a highly organized piece of matter can possess an interior perspective has daunted the scientific method, which in so many other areas has proved immensely fruitful.”191.
Diese ungelösten Probleme betreffen nicht den physischen Aufbau des Gehirns und die Frage, wie wir bestimmte Bewusstseinszustände mit Gehirnaktivität korrelieren können. Wenn ich Schmerzen empfinde, zeigt eine gewisse Aktivität in meinem Gehirn an, dass ich Schmerzen empfinde. Niemand bestreitet, dass das physische Gehirn und das Bewusstsein miteinander in Beziehung stehen, doch muss ich hier betonen: Es handelt sich nur um eine Beziehung. Das Gehirn und das Bewusstsein sind nicht dasselbe. Man betrachte folgende Analogie: Das Gehirn ist das Auto, und das Bewusstsein ist der Fahrer. Das Auto bewegt sich nicht ohne den Fahrer, und der Fahrer kann es nicht starten oder richtig benutzen, wenn es beschädigt oder kaputt ist. Dennoch sind beide in gewisser Weise verschieden und voneinander unabhängig.
These unresolved problems do not concern the physical makeup of the brain and how we can correlate some conscious states with brain activity. If I am experiencing pain, some sort of activity in my brain indicates that I am experiencing pain. No one is denying that the physical brain and consciousness are related, but I must stress here, it is just a relationship. The brain and consciousness is not the same thing. Take the following analogy into consideration: the brain is the car, and consciousness is the driver. The car will not move without the driver, and the driver will not be able to start the car—or use it properly—if it is damaged or broken. However, they are both different and independent in some way.
Welche Probleme versuchen Fachleute auf diesem Gebiet zu lösen, und warum sind Gehirn und Bewusstsein nicht dasselbe? Die Antwort auf diese Fragen liegt in dem, was als das schwierige Problem des Bewusstseins bekannt ist. Das schwierige Problem des Bewusstseins betrifft die Tatsache, dass wir innere subjektive Erfahrungen machen. Anders ausgedrückt besteht das Problem darin, dass wir mit der Sprache der Wissenschaft in der dritten Person nicht erklären können, wie es sich für einen bestimmten Organismus anfühlt, eine subjektive bewusste Erfahrung zu haben. Professor David Chalmers, der die Bezeichnung das schwierige Problem des Bewusstseins populär gemacht hat, erklärt:
What are the problems that specialists in the field are trying to address, and why are the brain and consciousness not the same thing? The answer to these questions lies in what is known as the hard problem of consciousness. The hard problem of consciousness concerns the fact that we have internal subjective experiences. In other words, the problem is that we cannot explain what it is like for a particular organism to have a subjective conscious experience in terms of the third-person language of science. Professor David Chalmers, who popularised the phrase the hard problem of consciousness, explains:
„Das wirklich schwierige Problem des Bewusstseins ist das Problem der Erfahrung. Wenn wir denken und wahrnehmen, gibt es ein Surren von Informationsverarbeitung, aber es gibt auch einen subjektiven Aspekt… Dieser subjektive Aspekt ist Erfahrung. Wenn wir zum Beispiel sehen, haben wir visuelle Empfindungen: die gefühlte Qualität von Rot, die Erfahrung von Dunkel und Hell, die Qualität der Tiefe in einem physischen Feld. Andere Erfahrungen begleiten die Wahrnehmung in anderen Modalitäten: der Klang einer Klarinette, der Geruch von Mottenkugeln. Dann gibt es körperliche Empfindungen, von Schmerzen bis zu Orgasmen; innerlich hervorgerufene mentale Bilder; die gefühlte Qualität von Emotionen; und die Erfahrung eines Stroms bewussten Denkens. Was all diese Zustände verbindet, ist, dass es sich irgendwie anfühlt, in ihnen zu sein. Alle sind Erfahrungszustände… Wenn irgendein Problem als das Problem des Bewusstseins gelten kann, dann dieses. Im zentralen Sinn von „Bewusstsein“ ist ein Organismus bewusst, und ein mentaler Zustand ist bewusst, wenn es sich irgendwie anfühlt, in diesem Zustand zu sein.“192.
“The really hard problem of consciousness is the problem of experience. When we think and perceive, there is a whir of information processing, but there is also a subjective aspect… This subjective aspect is experience. When we see, for example, we experience visual sensations: the felt quality of redness, the experience of dark and light, the quality of depth in a physical field. Other experiences go along with perception in different modalities: the sound of a clarinet, the smell of mothballs. Then there are bodily sensations from pains to orgasms; mental images that are conjured up internally; the felt quality of emotion; and the experience of a stream of conscious thought. What unites all these states is that there is something it is like to be in them. All of them are states of experience… If any problem qualifies as the problem of consciousness, it is this one. In this central sense of ‘consciousness’, an organism, and a mental state is conscious if there is something it is like to be in that state.”192.
Professor Torin Alter fügt der Definition des harten Problems des Bewusstseins eine weitere Dimension hinzu, indem er sich auf die Unfähigkeit konzentriert, zu beantworten, warum physische Gehirnprozesse bewusste Erfahrung hervorbringen:
Professor Torin Alter adds another dimension to the definition of the hard problem of consciousness, by focusing on the inability to answer why physical brain processes produce conscious experience:
„Während ich diese Worte tippe, sind kognitive Systeme in meinem Gehirn mit der Verarbeitung visueller und auditiver Informationen beschäftigt. Diese Verarbeitung geht mit Zuständen phänomenalen Bewusstseins einher, etwa dem auditiven Erleben des Tipp-tipp-tipp der Tastatur und dem visuellen Erleben, wie die Buchstaben auf dem Bildschirm erscheinen. Wie erzeugt die Aktivität meines Gehirns diese Erfahrungen? Warum genau diese und keine anderen? Warum geht überhaupt jedes physische Ereignis mit bewusstem Erleben einher? Die Gesamtheit dieser Fragen ist als das schwierige Problem des Bewusstseins bekannt … Selbst wenn alle damit verbundenen Funktionen und Fähigkeiten erklärt sind, könnte man sich vernünftigerweise fragen, warum es sich so anfühlt, Buchstaben auf einem Computerbildschirm erscheinen zu sehen.“193.
“As I type these words, cognitive systems in my brain engage in visual and auditory information processing. This processing is accompanied by states of phenomenal consciousness, such as the auditory experience of hearing the tap-tap-tap of the keyboard and the visual experience of seeing the letters appear on the screen. How does my brain's activity generate those experiences? Why those and not others? Indeed, why is any physical event accompanied by conscious experience? The set of such problems is known as the hard problem of consciousness… Even after all the associated functions and abilities are explained, one might reasonably wonder why there is something it is like to see letters appear on a computer screen.”193.
Lassen Sie mich die obigen Definitionen anhand eines Beispiels vereinfachen. Angenommen, Sie essen eine Erdbeere. Wissenschaftler und Philosophen könnten im Gehirn Korrelationen finden, die darauf hindeuten, dass Sie etwas essen, vielleicht sogar, dass es sich um eine Frucht handelt, und ob Sie sie als schmackhaft oder süß empfinden, indem sie Sie bitten, Ihre bewusste Erfahrung zu beschreiben. Dennoch könnten sie niemals herausfinden oder untersuchen, wie es für Sie ist, eine Erdbeere zu essen, oder was Schmackhaftigkeit und Süße für Sie bedeuten und wie sie sich anfühlen, und warum Sie gerade diese besondere subjektive Erfahrung des Erdbeeressens haben, die aus physischen Prozessen entsteht.
Let me simplify the above definitions with an example. Say you were to eat a strawberry. Scientists and philosophers would be able to find correlations in the brain that indicate that you are eating something, maybe even the fact that you are eating a piece of fruit, and whether or not you find it tasty or sweet by asking you to describe your conscious experience. Nevertheless, they could never find out or examine what it is like for you to eat a strawberry, or what tastiness or sweetness mean and feel for you, and why you have had that particular subjective experience of eating a strawberry arising from physical processes.
Es ist wichtig festzuhalten, dass es bei der vorliegenden Frage nicht bloß um ein epistemisches Problem geht; es liegt nicht daran, dass wir die Neurobiologie nicht verstehen oder nicht nachvollziehen können, wie es für jemanden ist, ein inneres, subjektives Bewusstseinserlebnis zu haben, allein durch die Beobachtung neurobiologischer Vorgänge. Vielmehr handelt es sich um ein ontologisches Problem; es betrifft den Ursprung und die Natur des phänomenalen Erlebens. Das Wesen des Physischen (in diesem Fall der Neurobiologie) und das des subjektiven Bewusstseins sind grundverschieden. Dass wir nicht herausfinden können, wie es für jemanden ist, ein subjektives Bewusstseinserlebnis zu haben, und dass wir nicht wissen, wie solche Erlebnisse aus physischen Prozessen entstehen, wirft die folgenden metaphysischen Fragen auf: Was ist das Wesen der bewussten Erfahrung? Was ist die letzte Quelle dieser Erfahrungen?
It is important to note that the issue at hand is not merely an epistemic one; it is not due to a lack of understanding neurobiology or not being able to understand what it is like for someone to have an inner subjective conscious experience just by observing neurobiological happenings. Rather, it is an ontological problem; it concerns the source and nature of phenomenal experience. The nature of the physical (in this case, neurobiology) and subjective consciousness are completely different. Not being able to find out what it is like for someone to have a subjective conscious experience, and not knowing how these experiences arise from physical processes, raises the following metaphysical questions: What is the nature of conscious experience? What is the ultimate source of these experiences?.
Auseinandersetzung mit den gescheiterten Ansätzen.
Addressing the failed approaches.
Eine Reihe konkurrierender Ansätze versucht, das Phänomen des Bewusstseins und sein hartes Problem zu erklären. Zu diesen Ansätzen gehören biologische, materialistische und nicht-materialistische Erklärungen. Ich werde erörtern, warum sie das harte Problem des Bewusstseins nicht lösen und warum ein theistischer Ansatz die beste Erklärung bietet. Mit anderen Worten: Die Existenz Gottes bietet eine rationale Grundlage, um Fragen zu beantworten, die Philosophen und Neurowissenschaftler bisher nicht beantworten konnten.
A range of competing approaches attempt to explain the phenomenon of consciousness and its hard problem. These approaches include biological, materialist and non-materialist explanations. I will attempt to discuss why they do not address the hard problem of consciousness, and why a theistic approach provides the best explanation. In other words, God’s existence provides a rational basis to answer the questions philosophers and neuroscientists have been unable to answer.
Biologische Ansätze
Biological approaches.
Lassen Sie uns zunächst darauf eingehen, warum biologische Erklärungen gescheitert sind. Zu diesen Versuchen gehören Francis Crick und Christof Kochs Toward a Neurobiological Theory of Consciousness, Bernard Baars' Global-Workspace-Theorie, Gerald Eldermans und Giulio Tononis Theorie des Dynamic Core, Rodolfo Llinás' Theorie der thalamokortikalen Bindung, Victor Lammes Theorie der rekurrenten Verarbeitung, Semir Zekis Theorie des Mikrobewusstseins und Antonio Damasios Theorie The Feeling of What Happens. Es ist nicht Zweck dieses Kapitels, die technischen Einzelheiten und Schwächen dieser empirischen Theorien zu erörtern, da sie allesamt philosophische Implikationen und Annahmen haben, die weiter unten behandelt werden. Keine von ihnen behandelt jedoch das harte Problem des Bewusstseins umfassend. Professor David Chalmers erläutert das Scheitern der biologischen Ansätze, das harte Problem des Bewusstseins anzugehen, in seinem Buch The Character of Consciousness, er 145.
Let us first address why biological explanations have failed. Some of these attempts include Francis Crick and Christof Koch’s Toward a Neurobiological Theory of Consciousness, Bernard Baars’s Global Workplace theory, Gerald Elderman’s and Giulio Tononi’s The Dynamic Core theory, Rodolfo Llinas’s Thalamocortical Binding theory, Victor Lamme’s Recurrent Processing theory, Semir Zeki’s Microconsciousness theory and Antonio Damasio’s The Feeling of What Happens theory. Although it is not the purpose of this chapter to discuss the technicalities and shortcomings of these empirical theories (because they all have philosophical implications and assumptions, which are addressed below), none of them comprehensively addresses the hard problem of consciousness. Professor David Chalmers explains the failure of the biological approaches in addressing the hard problem of consciousness. In his book The Character of Consciousness, he 145.
mentions five perilous strategies that have been adopted194:
mentions five perilous strategies that have been adopted194:
1. Die erste Strategie besteht darin, etwas anderes zu erklären. Forscher räumen einfach ein, dass das Problem der Erfahrung vorerst zu schwierig ist. Koch gibt diese gescheiterte Strategie offen zu. In einem veröffentlichten Interview gestand er: „Nun, lassen Sie uns zunächst die wirklich schwierigen Aspekte vergessen, wie subjektive Gefühle, denn für sie gibt es vielleicht keine wissenschaftliche Lösung. Der subjektive Zustand des Spiels, des Schmerzes, der Lust, des Sehens von Blau, des Riechens einer Rose – zwischen der materialistischen Ebene, der Erklärung von Molekülen und Neuronen, und der subjektiven Ebene scheint ein riesiger Sprung zu liegen.“195.
1. The first strategy is to explain something else. Researchers simply admit the problem of experience is too difficult for now. Koch openly admits this failed strategy. In a published interview, he confessed: “Well, let's first forget about the real difficult aspects, like subjective feelings, because they may not have a scientific solution. The subjective state of play, of pain, of pleasure, of seeing blue, of smelling a rose—there seems to be a huge jump between the materialistic level, of explaining molecules and neurons, and the subjective level.”195.
2. Die zweite Strategie besteht darin, das harte Problem des Bewusstseins zu leugnen. Man entscheidet sich dafür, dass wir Zombies sind, die nur eine Illusion des freien Willens haben. Diese Strategie beschreibt die menschliche Wirklichkeit als eine biologische Maschine ohne subjektive Erfahrung. Mit anderen Worten: Sie ignoriert das Problem und definiert neu, was es bedeutet, Mensch zu sein.
2. The second strategy is to deny the hard problem of consciousness. It is to decide that we are zombies, with only an illusion of free will. This strategy describes the human reality as a biological machine with no subjective experience. In other words, it ignores the problem and redefines what it means to be human.
3. Die dritte Strategie behauptet, dass subjektive Erfahrung erklärt wird, indem man die physischen Prozesse in unserem Gehirn versteht. Das klingt jedoch wie Magie. Bewusste Erfahrung entsteht irgendwie, ohne dass es dafür eine Erklärung gibt. Die Frage lautet: Wie bringen diese Prozesse eine innere, subjektive Erfahrung hervor?
3. The third strategy claims that subjective experience is explained by understanding the physical processes in our brain. However, this sounds like magic. Conscious experience somehow emerges without any explanation. The question, how do these processes give rise to an inner subjective experience?
Ist nie beantwortet. Darüber hinaus sagt uns das Verständnis physikalischer Prozesse nichts darüber, wie es für eine Person ist, eine bestimmte innere bewusste Erfahrung zu haben.
is never answered. Furthermore, understanding physical processes tells us nothing about what it is like for a person to have a particular internal conscious experience.
4. Die vierte Strategie besteht darin, die Struktur der Erfahrung zu erklären. Diese Strategie sagt uns nichts darüber, warum Erfahrung überhaupt existiert, und indem sie lediglich die Struktur der Erfahrung erklärt, liefert sie uns keine Antworten darauf, wie es für einen Menschen ist, 146
4. The fourth strategy is to explain the structure of experience. This strategy tells us nothing of why experience exists in the first place, and just by explaining the structure of experience, it provides us with no answers to what it is like for a person to 146
haben einzigartige Erfahrungen.
have unique experiences.
Die fünfte Strategie besteht darin, das Substrat (die zugrunde liegende Basis oder Schicht) der Erfahrung zu isolieren. Ziel dieser Strategie ist es, die neuronale Grundlage der Erfahrung durch das Verständnis bestimmter Prozesse zu isolieren. Sie erklärt jedoch nicht, wie es sich anfühlt, eine innere bewusste Erfahrung zu haben, warum diese aus diesen Prozessen entsteht und wie.
5. The fifth strategy is to isolate the substrate (the underlying basis or layer) of experience. This strategy aims to isolate the neural basis for experience by understanding certain processes. However, this strategy does not explain what it is like to have an internal conscious experience, why it emerges from these processes and how.
Philosophie des Geistes
Enter the philosophy of mind.
Nun sind wir in der Lage, uns damit zu befassen, wie Philosophen des Geistes das Bewusstsein erklären, und zwar so, dass sie versuchen, das harte Problem anzugehen. Ein wichtiger Hinweis ist hier noch anzubringen: Wissenschaftliche Theorien haben implizite philosophische Annahmen. Daher wird die Auseinandersetzung mit den philosophischen Theorien zugleich die empirischen Theorien berühren. Professor Antti Revonsuo macht diesen Punkt deutlich:
Now we are in a position to address how philosophers of the mind explain consciousness in a way that attempts to address the hard problem. An important note to add here is that scientific theories have implied philosophical assumptions. Therefore, addressing the philosophical theories will also address the empirical theories. Professor Antti Revonsuo makes this point clear:
„Dennoch ist es auch für empirische Wissenschaftler nützlich, sich der verschiedenen philosophischen Alternativen bewusst zu sein, denn jede empirische Theorie beinhaltet notwendigerweise auch bestimmte implizite philosophische Festlegungen … Der gesamte empirische Ansatz, den ein Wissenschaftler gegenüber dem Bewusstsein verfolgt, wird von seinen vorgängigen philosophischen Festlegungen oder Intuitionen über die Natur der Wissenschaft und die Natur des Bewusstseins geleitet, unabhängig davon, ob er sich dieser Festlegungen bewusst ist oder nicht.“196.
“However, it is useful also for empirical scientists to be aware of the different philosophical alternatives, because every empirical theory also necessarily involves some sort of implicit philosophical commitments… The overall empirical approach that a scientist takes to consciousness is guided by his prior philosophical commitments or intuitions about the nature of science and the nature of consciousness, whether he is aware of such commitments or not.”196.
Die Professoren Ricardo Manzotti und Paolo Moderato betonen ebenfalls, dass die Neurowissenschaften „metaphysisch nicht unschuldig“ sind197 und dass „empirische Daten aus der Perspektive einer bestimmten Prämisse interpretiert werden müssen.“198
Professors Ricardo Manzotti and Paolo Moderato also highlight that the neurosciences are “not metaphysically innocent”197 and that “empirical data needs to be interpreted from the perspective of some premise.”198.
Keiner der verschiedenen philosophischen Versuche, das Bewusstsein zu erklären, ist umfassend genug, um die theistische Alternative herauszufordern. Diese Versuche lassen sich grob in materialistische oder physikalistische und nicht-materialistische Ansätze einteilen. Im Folgenden wird ein kurzer Überblick über diese Versuche gegeben und erläutert, warum sie gescheitert sind.
None of the various philosophical attempts to explain consciousness are comprehensive enough to challenge the theistic alternative. These attempts can be broadly categorised as materialist or physicalist, and non-materialist. Below is a brief account of these attempts and an explanation of why they have failed.
Materialistische Ansätze.
Materialistic approaches.
Im Anschluss an andere Forscher und Wissenschaftler werden die Begriffe Physikalismus und Materialismus im Folgenden synonym verwendet.199 200 Obwohl sie getrennte Ursprünge haben und sich in einigen begrifflichen Nuancen unterscheiden201, stellen diese Unterschiede für die in diesem Kapitel behandelten Konzepte kein Problem dar. Beide Begriffe besagen, dass sich Bewusstsein durch die Naturwissenschaften erklären lässt, bedeuten jedoch nicht zwangsläufig, dass bewusste Zustände mit Materieteilchen gleichgesetzt werden müssen.
Echoing other researchers and academics, the terms physicalism and materialism will be used interchangeably.199 200 Although they have separate histories and some conceptual differences201, these do not pose a problem to the concepts dealt with in this chapter. The two terms mean that consciousness can be explained by the physical sciences, but do not always imply that conscious states must be equated to bits of matter.
Physische Fakten sind nicht alle Fakten!
Physical facts are not all the facts!.
Bevor ich zu all den materialistischen Ansätzen komme, möchte ich erklären, wie Physikalismus und Materialismus im Allgemeinen durch Frank Jacksons überzeugendes Mary-Argument untergraben werden. Hier ist eine Zusammenfassung davon: Mary hat ihr ganzes Leben in einem schwarzweißen Raum verbracht und erwirbt Informationen über die Welt über schwarzweiße Computer und Fernseher. In ihrem Raum hat Mary Zugang zu allen wissenschaftlich objektiven Informationen darüber, was geschieht, wenn Menschen physikalische Phänomene sehen. Sie weiß alles über die Wissenschaft des Wahrnehmens von Objekten mit dem menschlichen Auge. Dennoch ist ihr unbekannt, wie es ist, Farben zu sehen. Eines Tages darf sie den Raum verlassen. In dem Moment, in dem sie die Tür öffnet, sieht sie eine rote Rose und erlebt zum ersten Mal die Farbe Rot. Sie schätzt die Farbe Rot erst in dem Moment, in dem sie sie sieht. Ihr Wissen über alle physikalischen Fakten bezüglich visueller Wahrnehmung und Farben hat sie nicht auf die neue Erfahrung, Rot zu sehen, vorbereitet. Sie wusste nicht, wie es ist, eine rote Rose zu sehen, indem sie die physikalischen Fakten lernte; sie wusste nur, wie sich diese Erfahrung anfühlt, in dem Moment, in dem sie eintrat.
Before I get into all the materialist approaches, I would like to explain how physicalism and materialism in general are undermined by Frank Jackson’s powerful Mary argument. Here is a summary of it: Mary has lived in a black and white room all her life and acquires information about the world via black and white computers and televisions. In her room, Mary has access to all of the scientific objective information about what happens when humans see physical phenomena. She knows everything about the science related to perceiving objects with the human eye. Yet, she is unaware of what it is like to see colours. One day she is allowed to leave the room. The moment she opens the door she looks at a red rose, and experiences the colour red for the first time. She only appreciates the colour red the moment she sees it.202 Her knowledge about all the physical facts concerning visual perception and colours did nothing to prepare her for the new experience of seeing red. She did not know what it was like to see a red rose by learning the physical facts, she only knew what that experience was like the moment it occurred.
Chalmers liefert die folgenden Prämissen, um zu zeigen, dass das Mary-Argument den Materialismus außerstande setzt, das harte Problem des Bewusstseins zu lösen:
Chalmers provides the following premises to show that the Mary argument renders materialism unable to solve the hard problem of consciousness:
1. Maria kennt alle physikalischen Fakten.
1. Mary knows all the physical facts.
2. Maria kennt nicht alle Fakten.
2. Mary does not know all the facts.
3. Die physischen Tatsachen erschöpfen nicht alle Tatsachen.203.
3. The physical facts do not exhaust all the facts.203.
Chalmers’ Argument hier zeigt, dass Wissen über die physische Welt nicht zu Wissen über die subjektive bewusste Wirklichkeit führt – zum Beispiel darüber, wie es ist, Rot zu sehen. Dies scheint den Materialismus zu untergraben. Chalmers verallgemeinert das Argument auf folgende Weise:
Chalmers’s argument here shows that knowledge of the physical world will not lead to knowledge of subjective conscious reality—for example, what it is like to see red. This seems to undermine materialism. Chalmers generalises the argument in the following way:
1. Es gibt Wahrheiten über das Bewusstsein, die sich nicht aus physischen Wahrheiten ableiten lassen.
1. There are truths about consciousness that are not deducible from physical truths.
2. Wenn es Wahrheiten über das Bewusstsein gibt, die sich nicht aus physikalischen Wahrheiten ableiten lassen, dann ist der Materialismus falsch.
2. If there are truths about consciousness that are not deducible from physical truths, then materialism is false.
3. Materialismus ist falsch.204.
3. Materialism is false.204.
Physikalismus und Materialismus erklären das Subjektive nicht.
Physicalism and materialism do not explain subjective.
Bewusstsein, weil das Wissen über das physische Gehirn nicht zu einem Verständnis einer subjektiven Erfahrung führt und nicht erklärt, warum diese Erfahrung aus der Gehirnaktivität entsteht. Der Materialismus ist unzureichend, denn es gibt Tatsachen über das Bewusstsein, die sich nicht aus physikalischen Tatsachen ableiten lassen.
consciousness because knowledge of the physical brain does not lead to an understanding of a subjective experience, and why that experience emerges from brain activity. Materialism is inadequate, because there are facts about consciousness that cannot be deduced from physical facts.
Das Mary-Argument hat interessante Einwände hervorgebracht. Ein Einwand besagt, es sei nicht möglich zu bestimmen, was Mary wüsste, wenn sie alle physikalischen Tatsachen erwürbe. Dieser Einwand verkennt das Mary-Argument. Er geht davon aus, das Argument stelle in den Mittelpunkt, wie es sich anfühlt, alle physikalischen Tatsachen zu kennen. Das Argument richtet sich jedoch darauf, dass Mary nicht wissen kann, wie es ist, Rot zu sehen, wenn sie diese Erfahrung nie gemacht hat. Daher muss sich jeder Einwand gegen das Mary-Argument darauf konzentrieren, was Mary dadurch gewinnt, dass sie Rot sieht, und nicht darauf, was sie wüsste, wenn sie alle physikalischen Tatsachen hätte.
The Mary argument has generated interesting objections. One objection argues that it is not possible to identify what Mary would know if she acquired all of the physical facts. This objection misunderstands the Mary argument. It assumes that the Mary argument is focused on what it is like to know all the physical facts. However, the argument is focused on Mary’s inability to know what it is like to see red if she never had the experience of seeing red. Therefore, any objection to the Mary argument must focus on what Mary gains by seeing red and not what she would know if she had all the physical facts.
Ein weiterer Einwand ist die Fähigkeitshypothese (Ability Hypothesis). Diese Hypothese behauptet, dass Mary keinerlei neues Wissen gewinnt, sondern lediglich neue Fähigkeiten erwirbt. Wenn jemand beispielsweise lernt, Fahrrad zu fahren, lernt er nicht etwas Neues über das Fahrrad, sondern erwirbt einfach die Fähigkeit, es zu fahren. Dieser Einwand gilt als unzureichend. Wenn Mary beim Verlassen des Raumes neue Fähigkeiten erwerben kann, dann ist es auch möglich, dass sie neue Fakten gewinnt, die sie vor dem Verlassen des Raumes nicht besaß. Wenn jemand Fahrradfahren lernt, erwirbt er nicht nur die Fähigkeit dazu, sondern gewinnt auch neue Fakten. Wer etwa schnell einen Hang hinunterfährt, wird irgendwann lernen, die Bremsen nicht ständig zu benutzen, da dies die Felgen überhitzen lässt. Für eine kontrollierte Abfahrt müssen die Bremsen sanft in Impulsen von etwa zwei Sekunden betätigt werden. Professor Brian Loars Einwand stellt eine starke Herausforderung für das Mary-Argument dar. Loar argumentiert, dass Mary kein neues Wissen über Rot erwirbt, sondern lediglich eine neue Art, das zu begreifen, was sie bereits über diese Farbe wusste. Diese Strategie behauptet, dass es nur eine Eigenschaft gibt, die unterschiedliche Begriffe dieser Eigenschaft hervorbringen kann. Diese Begriffe sind physisch-funktionale Begriffe und phänomenale Begriffe (Begriffe, die sich auf subjektive Erfahrung beziehen). Als Mary zum ersten Mal Rot sah, erlebte sie daher keine neue Eigenschaft und erfuhr auch keine neuen Fakten darüber. Sie erlebte vielmehr eine andere Art, das zu begreifen, was sie bereits kannte. Bevor sie den Raum verließ, erkannte sie die Eigenschaft Rot in physisch-funktionalen Begriffen. Als sie den Raum verließ, erwarb sie jedoch eine neue Art, die physische Eigenschaft Rot in phänomenalen Begriffen zu erkennen. Mary kann phänomenale Begriffe nur dann erwerben, wenn sie Rot sieht, denn diese Begriffe entstehen allein dadurch, dass man die Farbe Rot sieht.205 Das Hauptproblem von Loars Strategie besteht darin, dass sie auf der Annahme beruht, wir könnten phänomenale Begriffe aus der Beobachtung physischer Eigenschaften gewinnen. Doch dies wirft die Frage auf: Wie können unsere Gehirne, während wir den bewussten Zustand erleben, eine physisch-funktionale Eigenschaft zu beobachten, ein phänomenales Konzept erwerben? Loar liefert darauf keine hinreichende Antwort. Der Nicht-Physikalist wird dann einwenden, das Mary-Argument behalte seine Gültigkeit, weil es eine Antwort auf diese grundlegende Frage gebe: Wir gewinnen phänomenale Konzepte, weil Dinge (einschließlich uns selbst) sowohl physische als auch phänomenale Eigenschaften besitzen. Zusammengefasst: Die Behauptung, phänomenale Konzepte könnten aus einer physischen Eigenschaft hervorgehen, reicht nicht aus, um das Wissen zu erklären, das man aus dem Erleben einer subjektiven bewussten Erfahrung gewinnt.206
Another objection is the Ability Hypothesis. This hypothesis asserts that Mary does not gain any new knowledge, but only acquires new abilities. For example, when someone learns how to ride a bike they are not learning new things about the bike, they simply acquire the ability to ride it. This objection is considered inadequate. If Mary can gain new abilities when she leaves the room, then it is also possible that she gains new facts that she did not have prior to leaving the room. When someone learns how to ride a bike, they do not only acquire the ability to do so, they also gain new facts. For example, if someone is riding downhill fast, they will eventually learn not to constantly use the brakes as this will cause the rims to overheat. For a controlled descent, the brakes must be gently squeezed with around two second pulses. Professor Brian Loar’s objection provides a strong challenge to the Mary argument. Loar argues that Mary does not acquire new knowledge about red, only a new way of conceptualising what she already knew about the colour. This strategy declares that there is only one property that can give rise to distinct concepts of that property. These concepts are physical-functional concepts and phenomenal concepts (concepts that refer to subjective experience). So, when Mary saw red for the first time, she was not experiencing a new property and learning new facts about it. She was experiencing a different way of conceptualising what she already knew. Prior to leaving the room, she recognised the property of red in physical-functional terms. However, when she left the room, she acquired a new way of recognising the physical property of red in phenomenal terms. Mary can only acquire phenomenal concepts when she sees red, because these concepts come about only by seeing the colour red.205 The main problem with Loar’s strategy is that it is based on the assumption that we can acquire phenomenal concepts from observing physical properties. However, this begs the question: How can our brains, while we experience the conscious state of observing a physical-functional property, acquire a phenomenal concept? Loar does not provide any adequate answer. The non-physicalist will then state that the Mary argument holds its ground because it provides an answer to that fundamental question: we gain phenomenal concepts because things (including ourselves) contain physical and phenomenal properties. In summary, to claim that phenomenal concepts can arise from a physical property is inadequate to explain the knowledge one gains from experiencing a subjective conscious experience.206
Es gibt noch andere Gründe, warum Loars Strategie der phänomenalen Begriffe nicht entscheidend ist. Für ausführliche Diskussionen und Erwiderungen auf Loars Ansatz verweise ich auf Michael Tyes Consciousness Revisited: Materialism Without Phenomenal Concepts207, Erhan Demircioglus Physicalism and Phenomenal Concepts208, Karol Polcyns Brian Loar on Physicalism and Phenomenal Concepts209 und David Chalmers' Aufsatz Phenomenal Concepts and the Explanatory Gap210.
There are other reasons why Loar’s phenomenal concept strategy is not decisive. For detailed discussions and responses to Loar’s account, please refer to Michael Tye’s Consciousness Revisited: Materialism Without Phenomenal Concepts207, Erhan Demircioglu’s Physicalism and Phenomenal Concepts208, Karol Polcyn’s Brian Loar on Physicalism and Phenomenal Concepts209 and David Chalmers’s essay, Phenomenal Concepts and the Explanatory Gap210.
Auch die akademische Literatur zum Mary-Argument ist umfangreich, mit überzeugenden Argumenten sowohl für als auch gegen den Physikalismus. Dies ist nicht der Ort, die Literatur zu diesem Thema zu erörtern. Die akademischen Diskussionen widerlegen jedoch das in diesem Abschnitt Dargelegte nicht schlüssig.
The academic literature on the Mary argument is also vast, with compelling arguments supporting and challenging physicalism. This is not the space to explore the literature on the topic. However, the academic discussions do not conclusively undermine what has been presented in this section.
„Lassen wir das Problem ignorieren“: Eliminativer Materialismus Eliminative Materialisten gehen davon aus, dass sich alles durch physikalische Prozesse erklären lässt, und sie akzeptieren nicht, dass subjektive Bewusstseinszustände existieren. Sie argumentieren, dass das Gehirn aus Neuronen besteht, die physikalische und chemische Prozesse durchlaufen; daher werde die Erklärung dieser komplexen Prozesse irgendwie auch das Bewusstsein erklären.211 Eliminative Materialisten behaupten, dass die Vorstellungen der „Volkspsychologie“, die wir entwickelt haben, um subjektives Bewusstsein zu beschreiben (aufgrund des derzeitigen Mangels an Lösungen durch die physikalischen Wissenschaften), überflüssig werden, sobald die Neurowissenschaft „ausgereift“ ist212. Dann werde die Neurowissenschaft das subjektive Bewusstsein durch „neuronale Aktivität in spezialisierten anatomischen Bereichen“ ersetzen.213 Zusammengefasst: Die Wissenschaft werde eines Tages erklären, was wir subjektives Bewusstsein nennen; daher werde das schwierige Problem gelöst sein.
‘Let’s ignore the problem’: Eliminative materialism Eliminative materialists assume everything can be explained via physical processes, and do not accept that subjective conscious states exist. They argue that the brain is made up of neurons undergoing physical and chemical processes; therefore, explaining these complex processes will somehow explain consciousness.211 Eliminative materialists assert that the ideas of ‘folk psychology’ we have developed to describe subjective consciousness (due to the current lack of solutions provided by the physical sciences) will be made redundant when neuroscience has “matured”212. This is when neuroscience will replace subjective consciousness with “neural activity in specialized anatomical areas”.213. In summary, science will one day explain what we call subjective consciousness; therefore, the hard problem will be solved.
Im Anschluss an den eliminativen Materialismus vertritt die analytische Philosophin Patricia Churchland die Auffassung, dass sich die scheinbare Frage nach dem subjektiven Bewusstsein entmystifizieren lässt, sobald unser wissenschaftliches Wissen besser wird. Churchland argumentiert, das harte Problem des Bewusstseins sollte nicht von anderen Problemen der Neurowissenschaft unterschieden werden. Der Grund dafür sei, laut Churchland, dass die Forschung eine Reihe ungelöster Probleme vor sich habe, und zu behaupten, sie würden niemals gelöst, sei unvernünftig. Dass das harte Problem als rätselhaft oder als schwierige Herausforderung für den Physikalismus beschrieben wird, bedeute noch nicht, dass es niemals eine wissenschaftliche Lösung finden wird. Zur Stützung ihrer Argumente verweist Churchland auf die Geschichte der Wissenschaft. Diese zeige, dass die Wissenschaft viele „harte Probleme“ gelöst hat, was darauf hindeute, dass auch das harte Problem des Bewusstseins gelöst werden wird.214
Echoing the eliminative materialist approach, the analytical philosopher Patricia Churchland asserts that the apparent question of subjective consciousness will be demystified when we improve our scientific knowledge. Churchland argues the hard problem of consciousness should not be distinguished from other problems in neuroscience. The reason, according to Churchland, is that researchers have an array of problems that are unaddressed, and to argue that they will never be solved seems unreasonable. Just because the hard problem is described as mysterious or a difficult challenge to physicalism does not mean that it will never have a scientific solution. Churchland refers to the history of science in support of her arguments. History shows that science has solved many ‘hard problems’, indicating that the hard problem of consciousness will also be solved.214
Jedoch sagen uns physikalische und chemische Prozesse nichts darüber, wie es für ein bestimmtes bewusstes Wesen ist, ein inneres subjektives Erleben zu haben. Daraus folgt, dass für den eliminativen Materialisten innere subjektive Erlebnisse lediglich eine Illusion sind. Anders gesagt: Vertreter dieser Auffassung erkennen das harte Problem des Bewusstseins nicht wirklich an, denn sie behaupten, dass Materie und physikalische Prozesse alles seien, was zur Erklärung von allem benötigt werde. Dennoch können Materie und physikalische Prozesse nichts darüber aussagen, wie es ist, ein inneres subjektives bewusstes Erleben zu haben. Hinzu kommt, dass Materie das Entstehen subjektiven bewussten Erlebens nicht erklären kann, weil Materie kalt, blind und nicht bewusst ist. Etwas kann nichts hervorbringen, es sei denn, es enthält dieses Etwas bereits oder besitzt die Fähigkeit, es hervorzubringen. Materie und physikalische Prozesse sind nicht bewusst und können daher kein subjektives bewusstes Erleben hervorbringen, da sie es nicht in sich tragen. Frank Jackson und Philip Pettit vertreten die Auffassung, dass die Behauptung des eliminativen Materialisten nicht logisch folgt, wonach die Wissenschaftsgeschichte gezeigt habe, dass eine physikalistische Sprache unsere primitive Alltagspsychologie ersetzen werde. Ihre Begründung lautet, dass es unvernünftig ist, die Schlussfolgerungen einer Theorie zu verwerfen, nur weil möglicherweise eine andere Theorie entdeckt wird, die einen größeren Erklärungsumfang und eine größere Erklärungskraft besitzt. Es könnte sein, dass die Aussagen der „schwächeren“ Theorie trotz einer wissenschaftlich besseren Erklärung derselben Phänomene weiterhin wahr sind. Jackson und Pettit veranschaulichen dies an der kinetischen Gastheorie. Die kinetische Gastheorie untersucht „das mikroskopische Verhalten von Molekülen und die Wechselwirkungen, die zu makroskopischen Zusammenhängen führen“.215 Diese Theorie nutzt statistische Analysen, um genaue „Ergebnisse für makroskopische Erscheinungsformen mikroskopischer Phänomene“ zu liefern. (Ebd.) Jackson und Pettit stellen die Hypothese auf, dass eine fiktive „Super-kinetische" Theorie, die nicht-statistische, deterministische Berechnungen der „genauen Position, Masse, Geschwindigkeit und Größe jedes einzelnen Gasmoleküls" liefern würde, keine Grundlage böte, die Tatsache zu verwerfen, dass Gase Temperatur und Druck besitzen.216 Der Grund sei, dass die Super-kinetische Theorie keine „Informationen enthält, die den relevanten Teil der alten Theorie stützen".217 Jackson und Pettit fassen ihre Argumentation zusammen:
However, physical and chemical processes tell us nothing about what it is like for a particular conscious being to have an internal subjective experience. This implies that, for the eliminative materialist, inner subjective experiences are just an illusion. In other words, proponents of this view do not really accept the hard problem of consciousness, because they claim that matter and physical processes are all that is required to explain anything. Nevertheless, matter and physical processes cannot tell us anything about what it is like to have an inner subjective conscious experience. Furthermore, matter cannot explain the emergence of subjective conscious experience because matter is cold, blind and non-conscious. Something cannot give rise to anything unless it contains that thing in the first place or has the ability to give rise to it. Matter and physical processes are non-conscious and therefore cannot give rise to subjective conscious experience as they do not contain it. Frank Jackson and Philip Pettit maintain that the eliminative materialist’s claim—that the history of science has shown that a physicalist language will replace our primitive folk psychology—does not logically follow. The basis of their argument is that it is unreasonable to reject the conclusions of a theory due to the potential discovery of another theory that may have greater explanatory scope and power. It could be that the claims of the ‘weaker’ theory are still true despite a scientifically better way of explaining the same phenomena. Jackson and Pettit use the kinetic theory of gases as an example. The kinetic theory of gases studies “the microscopic behavior of molecules and the interactions which lead to macroscopic relationships”.215 This theory uses statistical analysis to provide accurate “results for macroscopic manifestations of microscopic phenomena”. (Ibid) Jackson and Pettit postulate that if a hypothetical “Super Kinetic” theory provided non-statistical, deterministic calculations of the “exact position, mass, velocity, and size of every gas molecule” it would not provide a basis to reject the fact that gases have temperature and pressure.216 The reason is that the super kinetic theory does not contain “information that supports the relevant part of the old theory.”217 Jackson and Pettit summarise their argument:
„Und doch sind keine reduktiven Identifikationen von Temperatur und Druck mit fundamentalen Eigenschaften der kinetischen Superheorie möglich. Temperatur zum Beispiel ist weder die Masse, die Geschwindigkeit noch die Position eines einzelnen Moleküls. Es gibt selbst nach den großzügigsten Maßstäben keinen Isomorphismus zwischen den Gasgesetzen, die in Temperatur, Druck und Volumen formuliert sind, und den Gesetzen, die in Masse, Position und Geschwindigkeit der Moleküle der kinetischen Superheorie formuliert sind. Die grundlegenden taxonomischen Prinzipien der beiden Theorien sind sehr verschieden.“218
“And yet no reductive reductive identifications of temperature and pressure with fundamental properties of the super kinetic theory are possible. Temperature, for instance, is not the mass, velocity, or position of any individual molecule. There will be no isomorphism even by the most relaxed standards between gas laws framed in terms of temperature, pressure, and volume and the laws framed in terms of mass, position, and velocity of molecules of the super kinetic theory. The basic taxonomic principles of the two theories are very different.”218
Vor diesem Hintergrund ist der eliminative Materialismus keine adäquate Erklärung des harten Problems des Bewusstseins, da er übersieht, was überhaupt erklärt werden muss. Die Schlussfolgerungen des eliminativen Materialismus lassen sich auf folgende Absurdität zurückführen: Wir besitzen keine innere Subjektivität. Unsere Fähigkeit, innere subjektive Erfahrungen zu machen, ist jedoch eine Tatsache der ersten Person; sie zu leugnen ist absurd.
In light of this, eliminative materialism is not an adequate explanation of the hard problem of consciousness as it ignores what requires explaining in the first place. The conclusions of eliminative materialism can be reduced to the following absurdity: we do not have inner subjectivity. However, our ability to have inner subjective experiences is a first-person fact; it is ludicrous to deny it.
Der eliminative Materialismus wurde durch den Philosophen Daniel Dennett populär, als er sein Buch „Consciousness Explained“ veröffentlichte. In diesem stark kritisierten Buch definierte er Bewusstsein neu, indem er das ignorierte, was erklärungsbedürftig ist: unsere subjektiven bewussten Zustände. Laut Dennett haben wir keine echten persönlichen subjektiven Erfahrungen; wir sind lediglich biologische Roboter. Mit anderen Worten, wir sind Zombies mit der Illusion subjektiver Erfahrung. Die Kritik an Dennetts Ansatz, der auch als Multiple-Drafts-Theorie bekannt ist, hat Professor Antti Revonsuo in seinem Buch „Consciousness: The Science of Subjectivity“ zusammengefasst:
Eliminative materialism became popular with the philosopher Daniel Dennet when he published his book, Consciousness Explained. In this heavily criticised book, he redefined consciousness by ignoring what requires explaining: our subjective conscious states. According to Dennet, we have no real personal subjective experiences; we are simply biological robots. In other words, we are zombies with the illusion of subjective experience. Criticism of Dennet’s approach, also known as Multiple Drafts theory, has been summarised by Professor Antti Revonsuo in his book, Consciousness: The Science of Subjectivity:
„Dennetts Theorie ist stark kritisiert worden, weil sie den Begriff „Bewusstsein“ offenbar so umdefiniert, dass er etwas ganz anderes bezeichnet als das, was wir ursprünglich erklären wollten. Dennetts berühmtes Buch von 1991 trägt den Titel „Consciousness Explained“ (Bewusstsein erklärt), doch viele meinten, es hätte besser „Consciousness Explained Away“ (Bewusstsein wegerklärt) heißen sollen. Was die meisten Menschen erklärt haben wollten, ist das phänomenale Bewusstsein, die Qualia und die Subjektivität, Dennett aber tut sie als bloße Illusionen ab.“219.
“Dennet’s theory has been heavily criticized because it seems to redefine ‘consciousness’ in such a way that the term comes to mean something very different from what we originally set out to explain. Dennet’s famous 1991 book is titled ‘Consciousness Explained’, but many felt it should have been called ‘Consciousness Explained Away’. What most people wanted to find an explanation for is phenomenal consciousness, qualia and subjectivity, but Dennet dismisses them as mere illusions.”219.
„Subjektivität existiert, ist aber nur Materie": Reduktiver Materialismus Der reduktive Materialismus behauptet, dass zwischen physikalischen Vorgängen und subjektiven bewussten Erfahrungen eine Wissenslücke besteht. Seine Vertreter meinen jedoch, dass sich diese Lücke innerhalb einer materialistischen Philosophie erklären lässt. Anhänger dieser Auffassung behaupten, dass subjektive bewusste Erfahrung existiert, aber nicht von physikalischen Vorgängen verschieden ist. Ihre Argumentation stützt sich darauf, dass es einen Zusammenhang zwischen bestimmten Aktivitäten im Gehirn und bestimmten bewussten Erlebnissen gibt; daher lasse sich Bewusstsein auf physikalische Vorgänge reduzieren. Anders als der eliminative Materialismus erkennt der reduktive Materialismus an, dass subjektives Bewusstsein existiert, meint aber, es lasse sich auf physikalische Geschehnisse in unserem Gehirn zurückführen. Auf diese Weise ist subjektives Bewusstsein mit neurochemischer Aktivität identisch.220 Zwar gibt es derzeit keine Möglichkeit, alle subjektiven bewussten Zustände auf physikalische Phänomene zurückzuführen, doch beruht der reduktive Materialismus auf der Erwartung, dass die Neurowissenschaft dem Weg der anderen Wissenschaften folgen wird, in denen alte Begriffe wie „Wärme“ durch „die Wissenschaft von der mittleren kinetischen Energie der Moleküle“ ersetzt wurden. Ebenso könnte die Neurowissenschaft Wörter wie „Liebe“ durch ein neurochemisches Äquivalent ersetzen. Im Kern bedeutet dies: „Bewusstsein ist nichts weiter als ein komplexes Geflecht neuronaler Aktivitäten, die in unserem Gehirn ablaufen“.22.
‘Subjectivity exists, but it’s just matter’: Reductive materialism Reductive materialism asserts that there is a knowledge-gap between physical processes and subjective conscious experiences. However, they maintain that the gap can be explained within a materialistic philosophy. Proponents of this view assert that subjective conscious experience exists, but is not distinct from physical processes. The basis for their arguments is that there is a link between certain activities in the brain and certain experiences of consciousness; therefore, consciousness can be reduced to physical processes. Reductive materialism, unlike eliminative materialism, accepts that subjective consciousness exists, but can be reduced to physical happenings in our brains. In this way, subjective consciousness is identical with neurochemical activity.220 Although there is currently no way of reducing all subjective conscious states to physical phenomena, reductive materialism is based on the expectation that neuroscience will follow the other sciences in that old terms, such as ‘heat’, will have been replaced with ‘the science of mean kinetic energy of molecules’. Similarly, neuroscience may replace words like ‘love’ with a neurochemical equivalent. In essence, “consciousness is nothing over and above a complex set of neural activities going on in our brain”.22.
Diese Sichtweise ist keine adäquate Erklärung für subjektive Bewusstseinszustände, denn sie beruht auf der Annahme, dass subjektive Erfahrungen real sind, die sich aber durch künftige Fortschritte in den Neurowissenschaften erklären lassen werden. Im Kern argumentiert der reduktive Materialismus, dass subjektive Bewusstseinszustände auf physische Gehirnzustände reduziert werden. Damit wird das harte Problem des Bewusstseins jedoch nicht gelöst. Allein durch die Beobachtung feuernder Neuronen lässt sich nicht erkennen, wie es für einen bestimmten Organismus ist, einen subjektiven Zustand zu erleben. Der reduktive Materialismus erklärt außerdem nicht, woher die bewusste Erfahrung kommt. Neurobiologie und subjektive Erfahrung sind grundverschieden. Die bloße Aussage, Bewusstsein entstehe aus nichtbewussten physischen Prozessen, ist nicht ausreichend. Wie die eliminativen Materialisten sind auch die reduktiven Materialisten nicht in der Lage, das harte Problem zu lösen. Die inneren subjektiven Wirklichkeiten des Menschen werden damit erneut ignoriert. Professor Revonsuo erklärt:
This view is not an adequate explanation for subjective conscious states, because it is based on the assumption that subjective experiences are real, but will be explained in the future by developments in neuroscience. Essentially, reductive materialism argues that subjective conscious states will be reduced to physical brain states. This does not solve the hard problem of consciousness. It is impossible to know what it is like for a particular organism to experience a subjective state simply by observing a bunch of neurons firing. Reductive materialism also doesn’t explain the source of conscious experience. Neurobiology and subjective experience are completely different. Simply explaining that consciousness emerges from non-conscious physical processes is not adequate. Just like the eliminative materialists, reductive materialists cannot solve the hard problem. The inner subjective realities of the human being are once again being ignored. Professor Revonsuo explains:
„Dennoch scheint klar zu sein, dass es etwas ganz anderes ist, von neuronalen Entladungen, Aktivierungen und Deaktivierungen in verschiedenen Hirnarealen oder der oszillatorischen Synchronie in neuronalen Assemblies zu sprechen, als von Schmerzempfindungen, Farberlebnissen, leidenschaftlichen Emotionen oder inneren Gedanken zu sprechen – und das wird sich auch niemals ändern. Was dabei ausgeklammert wird, ist in erster Linie der subjektive Aspekt der bewussten mentalen Ereignisse.“222
“Still, it seems clear that to talk about neural firings, activations and deactivations in different brain areas or oscillatory synchrony in neural assemblies is not at all the same thing as talking about feelings of pain, sensations of colour, passionate emotions or inner thoughts—and never will be. What is being left out is, first and foremost, the subjective aspect of the conscious mental events.”222
Der Unterschied zwischen eliminativem Materialismus und reduktivem Materialismus ist recht subtil. Der eliminative Materialismus vertritt die Auffassung, dass das subjektive Bewusstsein eine Illusion ist und nicht existiert. Nach diesem Ansatz ist die Illusion des subjektiven Bewusstseins nichts weiter als feuernde Neuronen. Der reduktive Materialismus erkennt an, dass subjektives Bewusstsein existiert, behauptet jedoch, dass es nichts weiter als physische Aktivität im Gehirn ist. Beide scheitern daran, die Tatsache des subjektiven Bewusstseins aus der Erste-Person-Perspektive zu erklären.
The difference between eliminative materialism and reductive materialism is quite subtle. Eliminative materialism argues that subjective consciousness is an illusion and does not exist. According to this approach, the illusion of subjective consciousness is nothing more than neurons firing. Reductive materialism accepts that subjective consciousness exists, but maintains that it is nothing more than physical activity in the brain. Both fail to address the first-person fact of subjective consciousness.
„Es ist, was man tut“: Behaviorismus Ein weiterer Ansatz, der die Schlussfolgerungen des eliminativen Materialismus teilt, ist der Behaviorismus. Der Behaviorismus postuliert, dass Bewusstsein in verhaltensbezogenen Begriffen definiert wird. Behavioristen behaupten, dass eine Person nur dann einen bestimmten bewussten Zustand hat, wenn dieser durch ihr Verhalten nachgewiesen werden kann (zum Beispiel hat Susan Schmerzen, wenn sie nach einem Schlag mit einem Gegenstand „Autsch!“ ruft). Der Behaviorismus leugnet subjektive bewusste Erfahrung und definiert Bewusstsein als die Art, wie wir handeln, und nicht als die Art, wie wir sind. Dieser Ansatz leugnet das harte Problem des Bewusstseins, weil er nicht anerkennt, dass Menschen mentale Zustände haben können, ohne irgendein Verhalten zu zeigen. Wie der Philosoph David Lund argumentiert, können wir nicht leugnen, dass wir innere subjektive Zustände erleben, die nicht immer durch unser Verhalten offenbar werden.223
‘It’s what you do’: Behaviourism Another approach that shares the conclusions of eliminative materialism is behaviourism. Behaviourism postulates that consciousness is defined in behavioural terms. Behaviourists assert that a person only has a certain conscious state if it can be verified by that person’s behaviour (for example, Susan is in pain if, after being struck with something, she cries ‘ouch!’). Behaviourism denies subjective conscious experience, and defines consciousness as the way we act rather than the way we are. This approach denies the hard problem of consciousness because it fails to acknowledge that humans can have mental states without displaying any behaviour. As the philosopher David Lund argues, we cannot dismiss the fact that we do experience inner subjective states that are not always revealed via our behaviours.223
Der Behaviorismus setzt einen bewussten Zustand mit einem physischen Zustand gleich. Das Problem dieses Ansatzes besteht darin, dass er die Tatsache außer Acht lässt, dass es der bewusste Zustand ist, der das Verhalten verursacht. Zum Beispiel ist es der Schmerz, der Susan dazu bringt, „autsch!“ zu sagen; Schmerz und das Sagen von „autsch!“ sind daher nicht miteinander identisch.
Behaviourism makes a conscious state identical to a physical state. The problem with this approach is that it ignores the fact that it is the conscious state that causes the behaviour. For example, it is the pain that provokes Susan to say ‘ouch!’, so pain and saying ‘ouch!’ are not identical to each other.
„Nur eine Ansammlung von Eingaben, mentalen Zuständen und Ausgaben“: Funktionalismus Funktionalisten postulieren, dass Bewusstsein als die Funktionen oder Rollen definiert ist, die es erfüllt, und dass es aus einer Reihe von Beziehungen innerhalb eines Organismus oder Systems hervorgeht, ganz wie bei einem Computer. Eine Funktion wird als eine Beziehung zwischen Eingaben, mentalen Zuständen und Ausgaben definiert. Wenn ich zum Beispiel meinen Bus herankommen sehe (Eingabe), erlebe ich den mentalen Zustand der Sorge, ich könnte zu spät kommen, weil ich meinen Bus verpassen könnte (mentaler Zustand); dann laufe ich zur Bushaltestelle (Ausgabe). Funktionalisten behaupten, dass Bewusstsein einem Computerprogramm ähnelt, das aus komplexen Mustern im Gehirn entsteht.224 Der Funktionalismus ist auf eine Reihe von Einwänden gestoßen.225
‘Just a bunch of inputs, mental states and outputs’: Functionalism Functionalists postulate that consciousness is defined as the functions or roles it plays, emerging from a set of relations within an organism or system, just like a computer. A function is defined as a relation of inputs, mental states and outputs. For example, if I see my bus arriving (input), I experience the mental state of worrying that I may be late due to the possibility of missing my bus (mental state); I then run towards the bus stop (output). Functionalists assert that consciousness is similar to a computer program, which arises from complex patterns within the brain.224 Functionalism has faced a number of objections.225
Eine davon ist, dass der Funktionalismus subjektive bewusste Zustände nicht erfassen kann, weil diese sich nicht funktional verstehen lassen.226 Daraus folgt jedoch nicht, dass man allein dadurch, dass man alle Inputs, mentalen Zustände und Outputs kennt, automatisch wüsste, wie es für einen bestimmten Organismus ist, einen mentalen Zustand zu erleben. Ich kann nachvollziehen, dass jemand, der einen gefährlichen, auf ihn zulaufenden Hund sieht (Input), Angst empfindet (mentaler Zustand) und mit Sicherheit in Richtung Schutz flieht (Output). Doch wenn ich die Beziehungen zwischen Input, mentalem Zustand und Output kenne, bin ich dadurch dem, wie es für diese Person ist, sich in einem bestimmten mentalen Zustand zu befinden, nicht näher. Es sagt mir auch nichts darüber, wie und warum mentale Zustände aus diesem Geflecht von Beziehungen entstehen. Um auf das obige Beispiel zurückzukommen: Ich kann nicht wissen, wie es für einen anderen ist, das Gefühl zu erleben, von einem gefährlichen Tier bedroht zu werden. Zu verstehen, wie mentale Zustände mit Inputs und Outputs zusammenhängen, führt nicht dazu, zu wissen, wie es ist, sich in diesem mentalen Zustand zu befinden.
One of these is that functionalism is unable to consider subjective conscious states because they cannot be understood functionally.226 It does not follow that just by knowing all of the inputs, mental states and outputs we will somehow know what it is like for a particular organism to experience a mental state. I can understand that when someone sees a dangerous dog running towards them (input), they will experience fear (mental state), they will inevitably run for safety (output). However, by knowing the relations between the input, mental state and output, I am no closer to understanding what it is like for that person to be in a particular mental state. It also tells me nothing about how and why mental states arise from the set of relations. Referring back to the above example, I cannot know what it is like for someone else to experience the feeling of being threatened by a dangerous animal. Understanding how mental states relate to inputs and outputs does not give rise to knowing what it is like to be in that mental state.
Viele Akademiker vertreten die Auffassung, dass der Funktionalismus trotz seiner Beliebtheit als Lösung des schwierigen Problems des Bewusstseins wenig Gewicht hat.227.
Many academics maintain that despite its popularity, functionalism does not carry much weight as a solution to the hard problem of consciousness.227.
„Es liegt in der Komplexität“: Emergenter Materialismus.
‘It’s in the complexity’: Emergent materialism.
Diese Vorstellung beruht auf dem Konzept der Emergenz. Emergenz tritt auf, wenn Dinge so angeordnet werden, dass sie sich zu komplexen Gebilden wandeln und komplizierte Kausalbeziehungen entstehen, aus denen neue Phänomene hervorgehen.228 Es gibt zwei Arten des emergenten Materialismus: den starken und den schwachen.
This idea is based on the concept of emergence. Emergence occurs when things become arranged in such a way that they transform into complex entities and have complicated causal relationships from which new phenomena appear.228 There are two types of emergent materialism: the strong and the weak.
Die schwache Form behauptet, dass wir das subjektive Bewusstsein irgendwann verstehen werden, sobald alle komplexen physischen Prozesse verstanden sind. Die schwache Form mag erklären, wie Bewusstsein aus physischen Prozessen entsteht, doch daraus folgt nicht, dass sie zu einem Wissen darüber führt, wie es sich für einen bewussten Organismus anfühlt, ein inneres subjektives Erleben zu haben. Wird das Rätsel des subjektiven Bewusstseins verschwinden, sobald wir verstanden haben, wie es aus all den komplexen physischen Prozessen entsteht? Wenn ja, dann scheint dies genau das zu leugnen, was ursprünglich erklärt werden müsste. Bleibt das subjektive Bewusstsein dagegen bestehen, dann leidet der emergente Materialismus unter denselben Problemen wie der reduktive Materialismus: Das subjektive Bewusstsein mag eine physische Grundlage haben, ohne uns jedoch etwas darüber zu sagen, wie es sich anfühlt, diese subjektiven bewussten Erfahrungen zu haben.229
The weak form asserts that we will eventually understand subjective consciousness once all of the complex physical processes are understood. The weak form may explain how consciousness emerges from physical processes, but it does not follow that it will lead to knowledge of what it is like for a conscious organism to have an inner subjective experience. Will the mystery of subjective consciousness disappear once we have understood how it emerges from all of the complex physical processes? If it does, then it seems to be denying what requires explaining in the first place. If subjective consciousness remains, then emergent materialism suffers from the same problems as reductive materialism; subjective consciousness may have a physical basis without telling us anything about what it is like to have these subjective conscious experiences.229
Eine Variante des schwachen emergenten Materialismus vertritt die Auffassung, dass wir niemals alle physikalischen Prozesse verstehen werden, die dem subjektiven Bewusstsein zugrunde liegen. Theoretisch betrachtet könnten wir jedoch, wenn wir jemals ein vollkommenes Verständnis davon hätten, wie das Gehirn funktioniert, auch das subjektive Bewusstsein verstehen. Diese Form des schwachen emergenten Materialismus erklärt jedoch überhaupt nichts. Im Kontext der in diesem Kapitel dargelegten Argumentation ist es rationaler, eine Erklärung anzunehmen, die das harte Problem des Bewusstseins tatsächlich erklärt, als einen Ansatz anzunehmen, der dies nicht tut.
A variant of weak emergent materialism maintains that we will never understand all of the physical processes that underpin subjective consciousness. However, theoretically speaking, if we were ever to have a perfect understanding of how the brain works, we could understand subjective consciousness. This form of weak emergent materialism does not explain anything at all. In the context of the argument presented in this chapter, accepting an explanation that actually explains the hard problem of consciousness is more rational than accepting an approach that does not.
Die starke Form des emergenten Materialismus vertritt die Auffassung, dass subjektives Bewusstsein ein natürliches Phänomen ist; jede physikalistische Theorie, die sich um seine Wirklichkeit bemüht, übersteige jedoch die Fähigkeiten des menschlichen Verstandes. Diese Form der Emergenz besagt, dass wir ein neues Phänomen X aus Y gewinnen können, ohne zu wissen, wie X aus Y entsteht. Der starke emergente Materialismus hält daran fest, dass wir aus den komplexen physikalischen Prozessen etwas Neues hervorbringen können, doch die Lücke in unserem Verständnis davon, wie dieses Neue entsteht, werde niemals geschlossen werden. Dieser Ansatz erklärt das harte Problem des Bewusstseins nicht, denn er räumt ein, dass es nicht erklärt werden kann. Meiner Ansicht nach unterscheidet sich dies nicht von der Aussage: „Es geschieht einfach. Es ist so komplex, dass niemand es weiß.“ Revonsuo argumentiert, der starke emergente Materialismus werde subjektives Bewusstsein niemals erfassen können, und selbst wenn man uns die richtige Theorie gäbe, wäre sie „das, was Hamster aus Charles Darwins Entstehung der Arten machen würden, wenn man ein Exemplar davon in ihren Käfig legte“.230 Da wir versuchen, das harte Problem des Bewusstseins zu erklären, hindert uns die Abtuung des subjektiven Bewusstseins als Geheimnis nicht daran, als vernünftige Person einen Ansatz anzunehmen, der es tatsächlich kohärent erklärt. Wird die Wissenschaft subjektives Bewusstsein irgendwann erklären? Wie aus den oben genannten materialistischen Ansätzen hervorgeht, lautet das Hauptargument, dass eine wissenschaftliche Erklärung die gegenwärtige Lücke in unserem Wissen eines Tages schließen wird. Dieser Ansatz liefert jedoch keine angemessene Erklärung des Bewusstseins, da ich glaube, dass es sich dabei um einen Fall des Trugschlusses der „Wissenschaft der Lücken“ handelt. Wenn wir die wissenschaftliche Methode und die Wissenschaftsphilosophie untersuchen, werden wir verstehen, dass subjektives Bewusstsein außerhalb der Reichweite der Wissenschaft liegt. Die bisherigen Erfolge der Wissenschaft beruhten darauf, dass sie neue Phänomene beobachten oder neue theoretische Modelle bereitstellen konnte, die vorhandene beobachtbare Daten erklärten. Die Beschaffenheit des Erlebens eines bestimmten bewussten Lebewesens kann von der Wissenschaft nicht erfasst werden. Wissenschaftler sind auf die Beobachtungen beschränkt, die ihnen zur Verfügung stehen, denn die Wissenschaft ist „gezwungen, ihre Aufmerksamkeit auf Probleme zu beschränken, die Beobachtungen lösen können".
The strong form of emergent materialism argues that subjective consciousness is a natural phenomenon; however, any physicalist theory that attempts to address its reality is beyond the capacity of the human intellect. This form of emergence argues that we can get a new phenomenon X from Y, without knowing how X emerges from Y. Strong emergent materialism maintains that we can get something new from the complex physical processes, but the gap in our understanding of how this new thing emerges will never be closed. This approach does not explain the hard problem of consciousness, as it admits that it cannot be explained. In my view this is no different to saying, “It just happens. It is so complex that no one knows.” Revonsuo argues that strong emergent materialism will never be able to address subjective consciousness, and even if we were to be given the correct theory, it “would equal what hamsters could make of Charles Darwin’s Origins of Species if a copy was placed in their cage.”230 Since we are trying to explain the hard problem of consciousness, dismissing subjective consciousness as a mystery does nothing to prevent a rational person from accepting an approach that actually does coherently explain it. Will science eventually explain subjective consciousness? As seen from the above materialist approaches, the main argument is that a scientific explanation will someday close the current gap in our knowledge. This approach, however, does not provide an adequate explanation of consciousness, as I believe it is a form of the ‘science of the gaps’ fallacy. If we examine the scientific method and the philosophy of science, we will understand that subjective consciousness is beyond the reach of science. The previous successes of science stemmed from the fact that they were able to observe new phenomena or provide new theoretical models that explained existing observable data. The likeness of a particular conscious organism cannot be understood by science. Scientists are limited to the observations they have, because science is “forced to restrict its attention to problems that observations can solve”.
231 Da es unmöglich ist, subjektives Bewusstsein (die Perspektive der ersten Person) aus der Perspektive der dritten Person zu beobachten, kann die Wissenschaft das subjektive Bewusstsein nicht erfassen. Wie zuvor erwähnt, würden wir selbst dann, wenn wir alles über das Gehirn wüssten, das harte Problem des Bewusstseins nicht lösen können. Gehirnaktivität zeigt lediglich an, dass etwas geschieht, nicht jedoch, wie es sich anfühlt, dass dieses Etwas geschieht. Selbst wenn sämtliche neurochemischen Aktivitäten im Gehirn eines Menschen kartiert und mit den Berichten dieser Person über ihr subjektives Erleben in Beziehung gesetzt würden, könnte die Wissenschaft das konkrete Erleben dieser Person nicht bestimmen oder erklären, warum es aus physischen Prozessen hervorgeht.
231 Since it is impossible to observe subjective consciousness (first-person perspective) from the perspective of the third person, science cannot address subjective consciousness. As mentioned before, even if we were to know everything about the brain we would still not be able to address the hard problem of consciousness. Brain activity only indicates that something is happening, not what it is like for that something to happen. Even if all of the neurochemical activity were mapped out in someone’s brain and correlated with first-person accounts of his or her subjective experience, science would be unable to determine that particular person’s experience or why it results from physical processes.
Selbst wenn in zehn Jahren eine neue wissenschaftliche Theorie oder biologische Erklärung für das Bewusstsein entwickelt würde, könnte sie dennoch nicht bestimmen, wie es sich für einen Menschen anfühlt, eine subjektive Erfahrung zu haben, oder warum genau diese subjektive Erfahrung aus physischen Prozessen entsteht. Subjektive bewusste Erfahrung liegt außerhalb des Bereichs einer wissenschaftlichen Erklärung. Vor diesem Hintergrund scheitern materialistische Versuche, das Bewusstsein zu erklären, umfassend. Der Neurophysiologe John C. Eccles fasst dieses Scheitern treffend zusammen: „Ich behaupte, dass das menschliche Geheimnis durch den wissenschaftlichen Reduktionismus mit seinem Anspruch des versprechenden Materialismus unglaublich herabgewürdigt wird….“232.
Even if, ten years from now, a new scientific theory or biological explanation for consciousness is developed, it would still not be able to determine what it is like for a person to have a subjective experience, or why that particular subjective experience emerges from physical processes. Subjective conscious experience is outside of the scope of a scientific explanation. In light of the above, materialistic attempts to explain consciousness fail comprehensively. The neurophysiologist John C. Eccles aptly summarises this failure: “I maintain that the human mystery is incredibly demeaned by scientific reductionism, with its claim in promissory materialism….”232.
Nichtmaterialistische Ansätze Diese Ansätze räumen ein, dass die Wirklichkeit mehr umfasst als die Materie. Dies ist eine Sichtweise, die der Islam und der Theismus im Allgemeinen anerkennen. Wir sind mehr als Materie und Energie; unserer Existenz wohnt eine geistige Komponente inne. Allerdings zielen mehrere dieser Strategien darauf ab, das Bewusstsein zu erklären, ohne die Existenz Gottes anzuerkennen oder anzuführen. Ich werde diese kritisieren und erklären, wie der Theismus die vernünftigste Art bietet, das Bewusstsein zu erklären.
Non-materialistic approaches These approaches admit that the.re is more to reality than matter. This is a view that Islam, and theism in general, recognises. We are more than matter and energy; there is a spiritual component to our existence. However, several of these strategies aim to explain consciousness without admitting, or invoking, the existence of God. I will criticise these and explain how theism provides the most rational way of explaining consciousness.
„Sie sind verschieden, aber wir wissen nicht, wie": Substanzdualismus.
‘They’re different, but we do not know how’: Substance Dualism.
Die Substanzdualismus ist die Auffassung, dass es zwei verschiedene Substanzen gibt: eine ist physisch und die andere nicht-physisch. Diese Substanzen sind grundlegend voneinander verschieden und existieren unabhängig voneinander. Im Kontext unserer Diskussion behauptet der Substanzdualismus, dass Bewusstsein und Gehirn verschieden sind und nicht aus derselben Substanz stammen; das eine ist materiell, das andere immateriell, und dennoch wirken sie miteinander zusammen. Diese Darstellung des Bewusstseins ist sehr intuitiv und macht unsere alltäglichen Erfahrungen verständlich. So erleben wir zum Beispiel, dass bewusste Zustände physische Zustände verursachen können und umgekehrt. Wenn ich das subjektive bewusste Erleben von Traurigkeit habe, kann dies den physischen Zustand des Stirnrunzelns oder Weinens hervorrufen. Umgekehrt gilt: Wenn ich mir den Kopf an einem Gegenstand stoße, empfinde ich das innere subjektive Erleben von Schmerz. Ein zentraler Einwand gegen den Substanzdualismus lautet, dass bewusste Zustände und das Gehirn so grundlegend verschieden sind, dass es unmöglich sei zu erklären, wie sie miteinander in Wechselwirkung treten. Dies ist als das Wechselwirkungsproblem bekannt; es gibt, so einige Philosophen, keine kohärente Darstellung dafür, wie und warum das materielle Gehirn und das immaterielle Bewusstsein interagieren.233
Substance dualism is the view that there are two different substances: one is physical and the other is non-physical. These substances are fundamentally distinct and exist independently of each other. In the context of our discussion, substance dualism maintains that consciousness and the brain are different and are not from the same substance; one is material and the other immaterial, yet they interact with each other. This account of consciousness is very intuitive, making sense of our everyday experiences. For instance, we experience that conscious states can cause physical states, and vice versa. If I have the subjective conscious experience of sadness, it can cause the physical state of frowning or crying. On the converse side, if I bump my head on an object, I will feel the inner subjective experience of pain. A key objection to substance dualism is that since conscious states and the brain are radically different, then knowing how they interact is impossible. This is known as the interactionist problem; there is— according to some philosophers—no coherent account of how and why the material brain and the immaterial consciousness interact.233
Doch dieser Einwand beruht auf der falschen Annahme, dass wir nicht berechtigt sind zu glauben, dass X Y verursacht, wenn wir nicht wissen, wie X Y verursacht. Es gibt viele Fälle kausaler Zusammenhänge, in denen wir wissen, dass das eine das andere verursacht, ohne zu wissen, wie.
However, this objection is based on the false assumption that if we do not know how X causes Y, then we are not justified to believe that X causes Y. There are many cases of causal interactions in which we know one thing causes another without knowing how.
Obwohl der Substanzdualismus eine starke Alternative zur theistischen Position darstellt, wirft er, wenn er innerhalb eines nichttheistischen Paradigmas vertreten wird, einige grundlegende Fragen nicht auf bzw. bleibt sie unbeantwortet: Woher stammt die immaterielle Substanz? Wie existiert sie im physischen Universum? Außerdem liefert eine theistische Erklärung eine kohärentere Darstellung davon, wie das physische Gehirn und das nichtphysische Bewusstsein miteinander interagieren. Deshalb ist eine theistische Form des Dualismus der kohärenteste Ansatz (siehe den Abschnitt „Gott ist die beste Erklärung“ weiter unten).
Although substance dualism is a strong contender to the theistic alternative, if substance dualism is adopted within a non-theistic paradigm, it does not address some fundamental questions: Where did the immaterial substance come from? How does it exist in the physical universe? Moreover, a theistic explanation provides a more coherent account of how the physical brain and non-physical consciousness interact. This is why a theistic type of dualism is the most coherent approach (see God Is the Best Explanation section below).
„Es ist ein glücklicher Zufall“: Epiphänomenalismus Nach dieser Theorie sind bewusste Zustände von physischen Zuständen verschieden, und physische Zustände verursachen bewusste Zustände, aber nicht umgekehrt. Auf diese Weise sind bewusste Zustände kausal wirkungslos. Gängige Einwände gegen den Epiphänomenalismus lauten, dass es, wenn er wahr wäre, keine kausale Rolle spielen würde, dass ein Schmerzempfinden in meiner Hand (bewusste Erfahrung), das durch eine heiße Flamme ausgelöst wird, dafür sorgt, dass meine Hand sich wegbewegt (physischer Zustand). Ein anderes Beispiel: Sollte man das unglückliche Erlebnis haben, von einem betrunkenen Mann verfolgt zu werden, der fest entschlossen ist, eine zerbrochene Flasche nach einem zu werfen, dann mag der Anblick der auf einen zufliegenden Flasche die bewusste Erfahrung von Angst hervorrufen, doch das Angstgefühl würde einen nicht dazu bringen, sich zu ducken und zu schützen; die Abwehrbewegung geschähe aufgrund irgendeines zufälligen Unfalls. Das widerspricht unserem grundlegenden Verständnis der menschlichen Wirklichkeit. Wir wissen, dass körperliche Reaktionen aufgrund subjektiver bewusster Zustände auftreten und dass wir subjektive Gefühle und Erfahrungen aufgrund physischer Ursachen erleben. Wäre der Epiphänomenalismus wahr, läge die menschliche Psychologie in Trümmern. Man stelle sich nur einen depressiven Patienten vor, der seinem Psychotherapeuten sagt, seine innerlichen Gefühle der Depression verursachten seine Angstattacken, und zur Antwort bekommt, damit habe das nichts zu tun.
‘It’s a lucky accident’: Epiphenomenalism With this theory, conscious states are distinct from physical states, and physical states cause conscious states, but not the other way around. In this way, conscious states are causally impotent. Popular rejections of epiphenomenalism include that, if true, a sensation of pain in my hand (conscious experience) due to a hot flame plays no causal role in my hand moving away (physical state). Another example includes that if you were to have the unfortunate experience of being chased by a drunkard hell-bent on throwing a broken bottle at you, the sight of the bottle moving towards you might create the conscious experience of fear, but the feeling of fear would not cause you to duck and protect yourself; your defensive move would occur due to some random accident. This contradicts our basic understanding of the human reality. We know that we have physical reactions due to subjective conscious states, and we also experience subjective feelings and experiences due to physical causes. If epiphenomenalism were true, human psychology would be in ruin. Just imagine a patient with depression telling his psychotherapist that his internal feelings of depression cause his anxiety attacks, only to be told that it has nothing to do with it.
„Alles ist bewusst": Panpsychismus.
‘Everything is conscious’: Panpsychism.
Der Panpsychismus ähnelt in gewisser Weise dem Eigenschaftsdualismus, der davon ausgeht, dass es nur eine Substanz gibt (die physische Substanz), diese jedoch zwei Eigenschaften besitzt: physische und nicht-physische bzw. subjektive bewusste Eigenschaften. Der Panpsychismus behauptet, dass die Materie eine Form von subjektivem Bewusstsein enthält. Aus dieser Sicht wird argumentiert, dass Bewusstsein eine intrinsische Eigenschaft des Universums ist und eine kausale Rolle spielt. Zu den Vertretern des Panpsychismus gehören die Professoren David Chalmers und Thomas Nagel. Da jeder Bestandteil der Materie Bewusstsein enthält, ist das Bewusstsein des Gehirns lediglich eine Anhäufung dieser Bewusstseinsbestandteile. Eine Form des Panpsychismus besagt, dass alle Materie auf dieselbe Weise bewusst ist wie der Mensch. Die andere Form des Panpsychismus behauptet, dass das in der Materie enthaltene Bewusstsein sich in einem grundlegenden Zustand befindet, der auch als Protobewusstsein bezeichnet wird.
Panpsychism is somewhat similar to property dualism, which asserts that one substance exists (physical substance), but contains two properties (physical and non-physical or subjective conscious properties). Panpsychism asserts that matter contains a form of subjective consciousness. From this perspective, it argues that consciousness is an intrinsic property of the universe and it plays a causal role. Advocates of panpsychism include professors David Chalmers and Thomas Nagel. Since each component of matter contains consciousness, the brain’s consciousness is just an accumulation of these components of consciousness. One form of panpsychism states that all matter is conscious in the same way humans are. The other form of panpsychism asserts that consciousness contained in matter is in a basic state, also known as protoconsciousness.
Es gibt eine Reihe von Problemen mit dem Panpsychismus. • Erstens fehlt jeglicher Beleg für die Behauptung, dass Materie subjektives Bewusstsein enthält. Protonen, Elektronen, Quarks und Atome zeigen keinerlei Anzeichen, subjektives Bewusstsein zu besitzen.234.
There are a number of problems with panpsychism. • Firstly, there is an absence of evidence for the claim that matter contains subjective consciousness. Protons, electrons, quarks and atoms do not exhibit any signs of having subjective consciousness.234.
• Zweitens liefert dieser Ansatz keine hinreichende metaphysische oder physikalische Erklärung dafür, wie Materie Bewusstsein enthält. Woher stammt die Eigenschaft des Bewusstseins? Wie enthält Materie diese subjektive bewusste Eigenschaft? Das Versagen des Panpsychisten, diese Fragen zu beantworten, untergräbt jede metaphysische und physikalische Erklärung.
• Secondly, this approach fails to provide an adequate metaphysical or physical explanation of how matter contains consciousness. Where did the property of consciousness come from? How does matter contain this subjective conscious property? The panpsychist’s failure to answer these questions undermines any metaphysical and physical explanation.
• Drittens gibt es keine Beispiele dafür, dass Bewusstsein außerhalb der subjektiven Erfahrung eines lebenden Wesens existiert. Was bedeutet zum Beispiel Schmerz ohne ein Selbst oder ein „Ich“? Was bedeutet es, sich eines Gedankens bewusst zu sein, ohne dass es jemanden gibt, der denkt? Diese Fragen legen nahe, dass Bewusstsein nur dann Sinn ergibt, wenn ein einheitliches bewusstes Wesen eine Reihe subjektiver Zustände erlebt.
• Thirdly, there are no examples of consciousness existing outside of the subjective experience of a living entity. For instance, what does pain mean without a self or an ‘I’? What does being conscious of a thought mean without someone who is thinking? These questions strongly suggest that consciousness only makes sense with a unified conscious being experiencing an array of subjective states.
• Schließlich: Wie kann aus vielen Materieteilchen, die alle eine Form von Bewusstsein enthalten, eine einheitliche bewusste Erfahrung entstehen? Wie gelingt es einzelnen Materieteilchen, die subjektives Bewusstsein besitzen, sich zu einer sinnvollen, einheitlichen Erfahrung zusammenzufügen? Wären unsere bewussten Erfahrungen lediglich das Ergebnis vieler bewusster Elemente, die in den physischen Bestandteilen des Gehirns enthalten sind, so wäre unsere Erfahrung unzusammenhängend oder weniger einheitlich. Professor Edward Feser äußert sich zur einheitlichen Bedeutung einer einzelnen bewussten Erfahrung. Er erklärt, dass unsere Erfahrungen nicht bloß eine Summe vieler verschiedener bewusster Elemente sind; unsere Erfahrungen haben einen einheitlichen Charakter. Er veranschaulicht seine Argumentation am Beispiel der bewussten Erfahrung des Lesens eines Buches:
• Finally, how can a unified conscious experience emerge from many pieces of matter that all contain a form of consciousness? How do individual pieces of matter that contain subjective consciousness manage to add up to a meaningful, unified experience? If our conscious experiences were just a result of many conscious elements contained in the physical parts that make up the brain, our experience would be incoherent, or less unified. Professor Edward Feser comments on the unified meaning of a single conscious experience. He explains that our experiences are not just a summation of many different conscious elements; our experiences have a unified feel. He presents his case using the conscious experience of reading a book:
„Die Erfahrung besitzt eine kohärente Bedeutung oder einen Sinn, und zwar einen Sinn für ein einziges Subjekt der Erfahrung. Du bist dir nicht nur der Form, der Oberflächenbeschaffenheit, der Farben usw. als getrennter Elemente bewusst, sondern du bist dir ihrer als eines Buches bewusst; und du bist es, der sich ihrer bewusst ist, und nicht unzählige neuronale Ereignisse, von denen jedes irgendwie einen bestimmten Aspekt des Buches ‚bewusst‘ wahrnimmt.“ 235.
“The experience has a coherent significance or meaning, and significance or meaning for a single subject of experience. You are not only aware of the shape, texture, colors, etc. as separate elements, but are aware of them as a book; and it is you who are aware of them, rather than myriad neural events somehow each being ‘aware’ of one particular aspect of the book.” 235.
Es gibt zu den Ansätzen, die ich oben zusammengefasst habe, eine umfangreiche akademische Diskussion. Die Absicht war jedoch, diese Ansätze kurz vorzustellen und einige Einwände zur Sprache zu bringen, die ihre Fähigkeit in Frage stellen, subjektives Bewusstsein so hinreichend zu erklären, wie es der Theismus tut.
There is a lot of academic discussion around the approaches I have summarised above. However, the main intention was to briefly introduce these approaches and bring to light some criticisms which undermine their ability to explain subjective consciousness as sufficiently as theism does.
Gott ist die beste Erklärung.
God is the best explanation.
Wie erklären wir Bewusstsein angesichts der gescheiterten Versuche, unsere subjektiven persönlichen Erfahrungen umfassend zu erklären? Ein theistischer Ansatz ist die angemessenste Erklärung. Es ist weit vernünftiger anzunehmen, dass ein allwissender, bewusster Akteur mit Willen und Absicht der Urheber allen Bewusstseins ist. Hier sind drei Hauptgründe, warum Gott die beste Erklärung ist:
How do we explain consciousness in light of the failed attempts to comprehensively explain our subjective personal experiences? A theistic approach is the most adequate explanation. It is far more reasonable to postulate that an All-Aware, conscious agent with volition and purpose is the author of all consciousness. Here are three main reasons why God is the best explanation:
Erstens beantwortet es eine Frage, die keine der bestehenden Ansichten beantwortet hat: Woher kommt das Bewusstsein? Professor J. P. Moreland erklärt, wie es nicht durch natürliche physikalische Prozesse entstanden sein kann: „Unser Wissen über die natürliche Welt würde uns positive Gründe liefern, nicht zu glauben, dass irreduzibles Bewusstsein in ihr auftritt, z. B. scheint die geometrische Umordnung inerter physikalischer Entitäten in verschiedene räumliche Strukturen kaum auszureichen, um das Auftreten von Bewusstsein zu erklären.“236
Firstly, it answers a question that none of the existing views have answered: Where did consciousness come from? Professor J. P. Moreland explains how it could not have been via natural physical processes: “Our knowledge of the natural world would give us positive reasons for not believing that irreducible consciousness would appear in it, e.g., the geometrical rearrangement of inert physical entities into different spatial structures hardly seems sufficient to explain the appearance of consciousness.”236
Wenn Materie und Bewusstsein verschieden sind, folgt daraus, dass Bewusstsein nicht aus Materie hervorgegangen sein kann. Enthält die Materie jedoch bewusste Eigenschaften, so stellt sich die Frage, wie diese Eigenschaften entstanden sind. Diese ontologische Frage müssen wir stellen, denn Bewusstsein unterscheidet sich sehr stark von materieller Substanz. Um die Tatsache zu erklären, dass subjektive bewusste Erfahrungen existieren, muss Gott das Bewusstsein erschaffen haben. Es ist weit kohärenter, einen allwissenden bewussten Akteur zu postulieren, um das Bewusstsein zu erklären. Aus dieser Perspektive bietet der Theismus eine weit reichhaltigere Erklärung. Moreland argumentiert, dass physikalistische und materialistische Erklärungen des Bewusstseins über „…keine plausible Möglichkeit verfügen, das Auftreten irreduzibler, echter mentaler Eigenschaften/Ereignisse im Kosmos zu erklären… verglichen mit den reichen explanatorischen Ressourcen des Theismus….“237.
If matter and consciousness are distinct, it follows that consciousness could not have emerged from matter. However, if matter contains conscious properties, then how did these properties arise? We need to ask this ontological question because consciousness is very different from material stuff. In order to explain the fact that subjective conscious experiences exist, God must have created consciousness. It is far more coherent to postulate an All-Aware conscious agent to explain consciousness. From this point of view, theism offers a far richer explanation. Moreland argues that physicalist and materialist accounts of consciousness have “…no plausible way to explain the appearance of irreducible, genuine mental properties/events in the cosmos… when compared to the rich explanatory resources for theism….”237.
Zweitens beantwortet der Theismus die Frage, wie das Bewusstsein in die physische Welt gelangen konnte. Vielen Menschen erscheint es überraschend, wie nicht-physische Entitäten wie die Seele mit physischen Aspekten wie den Körpern von Menschen und Tieren interagieren und sie sogar steuern können. Der Theismus erklärt dies jedoch sehr natürlich. Der umfassende Wille Gottes und Seine göttliche Tätigkeit sichern eine Welt, in der Physisches und Nicht-Physisches miteinander interagieren. Charles Taliaferro erklärt:
Secondly, theism answers how consciousness could have entered the physical world. It often surprises people how non-physical entities like the soul can interact, and in fact control, physical aspects like the bodies of humans and animals. However, theism explains this very naturally. God’s comprehensive will and Divine activity ensure a world where the physical and non-physical interact. Charles Taliaferro explains:
„Doch in einer theistischen Sicht auf das Bewusstsein steckt hinter dem Entstehen des Bewusstseins kein Taschenspielertrick und auch kein einzelner, gesonderter Wunderakt Gottes. Das Bewusstsein entsteht aus dem physischen Kosmos durch einen fortwährenden, umfassenden Willen Gottes, dass es eine Welt aus physischen und nicht-physischen Gegenständen, Eigenschaften und Beziehungen gibt. Die Beziehung zwischen Materie, Energie, Bewusstsein und den Gesetzen von Raum und Zeit, schlechthin, gründet in einer überwältigenden, göttlichen Wirksamkeit.“238
“But in a theistic view of consciousness, there is no parlor trick or discrete miraculous act of God behind the emergence of consciousness. Consciousness emerges from the physical cosmos through an abiding comprehensive will of God that there be a world of physical and non-physical objects, properties, and relations. The relation between matter, energy, consciousness, the laws of space-time, tout court, all stem from an overwhelming, divine, activity.”238
Aus einer nicht-theistischen Sicht auf das Bewusstsein scheint das Bewusstsein auf wundersame Weise ohne jede hinreichende physische Erklärung aufgetaucht zu sein. Der Theismus steht jedoch nicht vor diesem Problem, denn das Entstehen des Bewusstseins gilt dort als Teil der Wirklichkeit. Da Gott bewusst, ewig lebendig und allwissend ist, ist es plausibel, dass die Welt, die Er erschaffen hat, Wesen enthält, die ein bewusstes Selbstgewahrsein besitzen. Taliaferro kommt ähnlich zu dem Schluss:
According to a non-theistic approach to consciousness, consciousness seems to have miraculously popped into existence without any adequate physical explanation. However, theism does not face this problem, as the emergence of consciousness is viewed as part of reality. Since God is conscious, Ever-Living and All-Aware, it is plausible that the world He created contains beings with a conscious awareness of themselves. Taliaferro similarly concludes:
„Aus der Perspektive einer grundlegend materialistischen Kosmologie erscheint das Entstehen von Bewusstsein seltsam; es wird mit der Behauptung verglichen, dann geschehe ein Wunder.“ Aus der Perspektive des Theismus hingegen kann das Entstehen von Bewusstsein als etwas gesehen werden, das tief in der Natur der Wirklichkeit selbst verwurzelt ist. Die Erschaffung des tierischen und menschlichen Bewusstseins ist kein isoliertes Wunder, sondern ein Abbild der zugrunde liegenden Struktur der Wirklichkeit.239
“From the vantage point of a fundamentally materialist cosmology, the emergence of consciousness seems strange; it is likened to claiming ‘then a miracle happens.’ But from the vantage point of theism, the emergence of consciousness may be seen as something deeply rooted in the very nature of reality. The creation of animal and human consciousness is not some isolated miracle, but a reflection of the underlying structure of reality.”239
Der Theismus erklärt die Wechselwirkung zwischen nichtphysischen mentalen Zuständen und physischen Gehirnzuständen. Der Wille und die Macht Gottes haben es ermöglicht, dass sich eine solche Wechselwirkung vollzieht, denn sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Wirklichkeit, die Gott erschaffen hat. Einfach gesagt: Wenn zu Beginn des Kosmos nur Materie existiert hätte, dann hätte es kein Bewusstsein gegeben. Wenn jedoch am Anfang eine Form von Bewusstsein die physische Welt erschaffen hat, dann ergibt die Wechselwirkung zwischen nichtphysischen mentalen Zuständen und physischen Gehirnzuständen einen Sinn.
Theism explains the interaction between nonphysical mental and physical brain states. God’s will and power have enabled such interaction to take place, as this interaction is part and parcel of the reality that God has created. Simply, if, in the beginning of the cosmos, only matter existed, then consciousness would not. However, if in the beginning a type of consciousness created the physical world, then the interaction between nonphysical mental states and physical brain states makes sense.
Drittens erklärt der Theismus unsere Fähigkeit, subjektive bewusste Zustände zu haben, und die Tatsache, dass wir ein Bewusstsein davon besitzen, wie es ist, selbst Geschmäcker, Klänge und Oberflächenbeschaffenheiten zu erleben. Da das Universum von einem Ewig-Lebendigen, Lebendigen, Allwissenden Wesen erschaffen wurde, folgt daraus, dass uns diese Fähigkeit gegeben wurde, uns unserer inneren subjektiven Zustände bewusst zu sein:
Thirdly, theism explains our ability to have subjective conscious states and the fact that we have an awareness of what it is to be like ourselves, experiencing tastes, sounds and textures. Since the universe was created by an Ever-Living, Alive, All-Aware Being, it follows that we have been given this capacity to be aware of our inner subjective states:
„Gott, es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Lebendigen.“240.
“God, there is no god except Him, the Ever Living.”240.
„Und Er ist der Allfeinsinnige, der Allwissende.“241.
“And He is the All-subtle, the All-aware.”241.
Eine theistische Erklärung für das Entstehen des Bewusstseins besitzt größere Erklärungskraft als konkurrierende Erklärungen. Ich muss hier jedoch betonen, dass ich den Nutzen biologischer Erklärungen beim Aufspüren neuronaler Korrelate nicht bestreite. Die Neurowissenschaft kann ebenso kraftvoll und fruchtbar in einem theistischen Rahmen betrieben werden. Was ich befürworte, ist, den Theismus als philosophische Grundlage hinzuzunehmen, um das vollständig zu erklären, was nichttheistische Erklärungen nicht leisten können: das harte Problem des Bewusstseins. In diesem Sinne ist mein Ansatz eine Form des Dualismus, die als theistischer Dualismus bezeichnet werden kann. Im theistischen Dualismus wird die Neurowissenschaft nicht untergraben, und alle Forschungsprojekte können weiterhin ihre erstaunlichen Einsichten und Ergebnisse zu diesem Thema liefern. Der theistische Dualismus ist jedoch eine metaphysische These, die eine umfassende Erklärung bietet. Professor Taliaferro vertritt eine ähnliche Position: „Ich sehe nicht ein, warum die Hirnwissenschaften ihre Untersuchung der psychophysischen Wechselwirkung nicht fortsetzen könnten. Das Versäumnis, Bewusstsein metaphysisch mit Hirnzuständen zu identifizieren, behindert die Untersuchung von Korrelationen keine Sekunde lang. Außerdem kann man Dualist sein und Bewusstsein und Hirnzustände, Person und Körper als funktionale Einheiten behandeln, ohne anzunehmen, dass metaphysisch nur eine Art von Ding im Spiel ist. Der Leib-Seele-Dualismus (oder, wie ich es lieber nenne, der integrative Dualismus) ist eine These der Metaphysik … Der integrative Dualismus ist keine wissenschaftliche Hypothese, die mit wissenschaftlichen Aussagen konkurriert.“ 242: Die Existenz Gottes ist erforderlich, um die Existenz und das Entstehen subjektiven bewussten Erlebens zu erklären. Darüber hinaus weisen das harte Problem des Bewusstseins und die Existenz innerer subjektiver Erfahrungen deutlich auf ein allwissendes Wesen hin, das das Universum und die Fähigkeit von dir und mir erschaffen hat, uns unserer subjektiven bewussten Zustände gewahr zu sein.
A theistic explanation for the emergence of consciousness has greater explanatory power than competing explanations. I must stress here, however, that I am not denying the usefulness of biological explanations in unearthing neuro-correlations. Neuroscience can be conducted just as vigorously and fruitfully in a theistic context. What I am advocating is adding theism as a philosophical basis to fully explain what non-theistic explanations cannot: the hard problem of consciousness. In this sense, my approach is a form of dualism, which can be called theistic-dualism. In theistic-dualism, neuroscience is not undermined, and all the research projects can continue to provide their amazing insights and conclusions on the topic. However, theistic-dualism is a metaphysical thesis that provides a comprehensive explanation. Professor Taliaferro advocates a similar position: “I do not see why the brain sciences cannot continue with its study of psycho-physical interaction. The failure to identify metaphysically consciousness with brain states does not for a nanosecond impede the study of correlation. Moreover one may be a dualist and treat consciousness and brain states, the person and body, as functional units without supposing that there is only one kind of thing metaphysically that is in play. Mind-body (or, as I prefer to call it, integrative) dualism is a thesis in metaphysics… integrative dualism is not a scientific hypothesis that competes with any scientific claims.” 242, God’s existence is required to explain the existence and emergence of subjective conscious experience. In addition, the hard problem of consciousness and the existence of inner subjective experiences clearly point to an All-Aware Being, that created the universe and the ability for you and me to have an awareness of our subjective conscious states.
Wir sollen nicht viel über die Seele wissen.
We are not meant to know much about the soul.
Muslimische Leser werden zu Recht fragen, ob diese Argumentation mit der normativen islamischen Theologie vereinbar ist. Der übliche Einwand lautet unter anderem, dass der Koran ausdrücklich feststellt, die Ruh (also Seele, Geist, Bewusstsein oder das, was den Körper belebt) gehöre zur Angelegenheit oder zum Befehl Gottes, und der Mensch sei nur mit sehr wenig Wissen darüber ausgestattet. Deshalb solle man in dieser Frage schweigen: „Und sie fragen dich nach dem Geist. Sprich: ‚Der Geist gehört zur Angelegenheit meines Herrn, und euch wurde vom Wissen nur wenig gegeben.‘“ {Und sie fragen dich nach dem Geist. Sprich: Der Geist gehört zur Angelegenheit meines Herrn, und euch ist vom Wissen nur wenig gegeben.}243
Muslim readers will rightly ask if this argument is compatible with normative Islamic theology. The common objection usually includes the fact that the Qur’an explicitly states that the rooh (meaning soul, spirit, consciousness or the thing that animates the body) is the affair or command of God and humanity has been given very little knowledge about it. Therefore, we should keep silent on the matter: “And they ask you, [O Muhammad], about the soul. Say, ‘The soul is of the affair of my Lord. And you have not been given of knowledge except a little.’”243
Um diesen scheinbaren theologischen Widerspruch aufzulösen, muss verstanden werden, dass dieser Vers das Wesen des Bewusstseins bzw. der Seele betrifft, nicht deren Existenz. Der Vers bekräftigt, dass eine immaterielle Substanz den Körper belebt – mit anderen Worten, eine Seele oder ein Bewusstsein. Genau das hat das Argument in diesem Kapitel dargelegt: dass die Existenz des Bewusstseins nur durch eine nicht-materialistische Weltanschauung erklärt werden kann. Das Kapitel geht nicht über das hinaus, was ohnehin bereits in den islamischen Quellentexten angelegt ist. So bekräftigt der Qur'an beispielsweise, dass der Ruh vom materiellen Universum verschieden ist, dass er den Körper belebt, dass er ein einheitliches „Ich“ ist und dass er von Gott erschaffen wurde. Daher widerspricht nichts hier den zentralen orthodox-islamischen Grundsätzen.
To reconcile this apparent theological conflict, it must be understood that this verse concerns the essence of consciousness or the soul, not its existence. The verse affirms that an immaterial substance animates the body—in other words, a soul or consciousness. This is exactly what the argument in this chapter has presented: that the existence of consciousness can only be explained by a non-materialist worldview. The chapter is not discussing anything beyond what is already implied by Islamic source texts. For instance, the Qur’an affirms that the rooh is different from our material universe, that it animates the body, that it is a unified ‘I’, and that it was created by God. Therefore, nothing here contradicts core orthodox Islamic principles.
Abschließend denke ich, dass wir die Tatsache berücksichtigen müssen, dass Gott uns auffordert, in uns selbst nachzudenken. Dadurch können wir zu dem Schluss gelangen, dass wir ohne Gott keine subjektive bewusste Erfahrung haben könnten. Mit anderen Worten: Indem wir Gott leugnen, leugnen wir uns selbst!
To conclude, I think we must consider the fact that God tells us to ponder within ourselves, and by doing so we may conclude that if there is no God, then we could not have any subjective conscious experience—in other words, by denying God, we deny ourselves!.
„Denken sie denn nicht bei sich selbst nach?“244
“Do they not reflect within themselves?”244