4.3 Literarische Formen und Stil
4.3 Literary Forms And Style
Der Qur'an ist die Offenbarung Allahs zur Rechtleitung der Menschheit und keine Dichtung oder Literatur. Dennoch wird er mündlich und schriftlich ausgedrückt, weshalb seine literarischen Formen und sein Stil hier kurz betrachtet werden können.
The Qur'an is the revelation from Allah for the guidance of mankind and not poetry or literature. Nevertheless it is expressed verbally and in written form, and hence its literary forms and style may be considered here briefly.
Grundsätzlich gibt es zwei Hauptformen der Literatur:
Broadly speaking there are two main literary forms:
Das ist eine Übersetzungsaufgabe, aber der Text „Prose.“ ist nur ein einzelnes Wort und ich kann dir nicht sagen, was damit gemeint ist. Bitte sende mir den englischen Text, den du übersetzt haben möchtest.
Prose.
Poesie.
Poetry.
Mit Prosa ist eine Ausdrucksweise gemeint, die der alltäglichen Umgangssprache nahesteht und sich von der Dichtung dadurch unterscheidet, dass ihr jede auffällige Kunstfertigkeit von Rhythmus und Reim fehlt.
By prose is meant a way of expression close to the everyday spoken language, and distinct from poetry insofar as it lacks any conspicuous artifice of rhythm and rhyme.
Der Koran ist keine Poesie
The Qur'an Is Not Poetry
Nicht nur europäische Orientalisten haben einige Passagen des Qur'ān als „poetischer“ als andere beschrieben: Auch die Gegner Muḥammads ﷺ hatten sich bereits dieses Arguments bedient und ihm vorgeworfen, er sei ein Dichter oder ein Wahrsager. Dies wird vom Qur'ān selbst widerlegt:
Not only European orientalists have described some passages of the Qur'an as more 'poetic' than others: the opponents of Mu4ammad had already used this argument, accusing him of being a poet or a soothsayer. This is refuted by the Qur'an itself:
„Es ist nicht das Wort eines Dichters; wenig glaubt ihr! Auch ist es nicht das Wort eines Wahrsagers; wenig lasst ihr euch ermahnen. (Dies ist) eine Offenbarung, herabgesandt vom Herrn der Welten.“ (Al-Qur'an 69:40-43)
'It is not the word of a poet; little it is ye believe! Nor is it the word of a soothsayer: little admonition it is ye receive. (This is) a message sent down from the Lord of the worlds' (Al- Qur'an 69: 40-43)
Die Vorwürfe gegen Muhammad ﷺ, die in der oben genannten Passage widerlegt werden, stützen sich auf die Verwendung eines bestimmten Stils im Qur'an, der als saj' bezeichnet wird oder ihm nahekommen soll.
The accusations against Muhammad refuted in the above passage are based on the usage of a particular style, employed in the Qur'an, which is said to be like saj' or close to it.
Das Wort saj' wird üblicherweise mit „gereimter Prosa“ übersetzt, d. h. einer literarischen Form mit einer gewissen Betonung von Rhythmus und Reim, die sich aber von der Poesie unterscheidet. Saj' ist nicht wirklich so anspruchsvoll wie die Poesie, wurde jedoch von arabischen Dichtern verwendet und ist die bekannteste der vorislamischen arabischen Prosodien. Sie unterscheidet sich von der Poesie durch das Fehlen des Metrums, d. h. sie folgt keinem gleichbleibenden Rhythmusschema, und sie teilt mit der Poesie das Element des Reims [der, wenn er für den Koran verwendet wird, fasila (Pl. fawasil) heißt], wenn auch in vielen Fällen etwas unregelmäßig angewandt.
The word saj' is usually translated as 'rhymed prose', i.e. a literary form with some emphasis on rhythm and rhyme, but distinct from poetry. Saj' is not really as sophisticated as poetry, but has been employed by Arab poets, and is the best known of the pre-Islamic Arab prosodies. It is distinct from poetry in its lack of metre, i.e. it has no consistent rhythmic pattern, and it shares with poetry the element of rhyme, [Called fasila ( pl. fawasil) when used for the Qur'an] though in many cases somewhat irregularly employed.
Der Unterschied zwischen Literatur und dem Qur'an
The Difference Between Literature And The Qur'an
Ibn Chaldun (gest. 809 n. H./1406), der bekannte Verfasser der Muqaddima, wies in einer Passage über die Literatur der Araber auf den Unterschied zwischen der Literatur im Allgemeinen und dem Koran sowie zwischen dem Saj' im Besonderen und dem Koran hin:
Ibn Khaldun (d. 809H/1406), the well-known author of the muqaddima pointed out in a passage on the literature of the Arabs the difference between literature and the Qur'an in general and between saj' and the Qur'an in particular:
„Es sollte bekannt sein, dass die arabische Sprache und die arabische Redeweise in zwei Zweige geteilt sind. Der eine davon ist der gereimte Vers (Dichtung) ... Der andere Zweig ist die Prosa, das heißt die nicht metrische Rede ... Der Qur'an ist in Prosa verfasst. Er gehört jedoch weder zu der einen noch zu der anderen der beiden Kategorien. Man kann ihn weder als schlichte Prosa noch als gereimte Prosa bezeichnen. Er ist in Verse gegliedert. Man gelangt an Einschnitte, an denen das Gefühl einem sagt, dass die Rede aufhört. Dann wird sie wieder aufgenommen und im nächsten Vers „wiederholt“. Reimbuchstaben, die diese Redeweise zur gereimten Prosa machen würden, sind nicht vorgeschrieben, und es kommen auch keine Reime vor (wie sie in der Dichtung verwendet werden). Diese Lage ist mit dem Vers des Qur'an gemeint:“
'It should be known that the Arabic language and Arab speech are divided into two branches. One of them is rhymed poetry ... The other branch is prose, that is, non-metrical speech ... The Qur'an is in prose. However, it does not belong in either of the two categories. It can neither be called straight prose nor rhymed prose. It is divided into verses. One reaches breaks where taste tells one that the speech stops. It is then resumed and "repeated" in the next verse. (Rhyme) letters, which would make that (type of speech) rhymed prose are not obligatory, nor do rhymes (as used in poetry) occur. This situation is what is meant by the verse of the Qur'an:
„Gott hat die beste Geschichte offenbart, ein Buch, das harmonisch gestaltet ist und wiederholte Verse enthält …" (Al-Qur'an 39: 23).
'God revealed the best story, a book harmoniously arranged with repeated verses ...' (Al-Qur'an 39: 23).
[Ibn Khaldun: The Muqaddima, Princeton, 1967, Vol. 3, p.368; Ibn Khaldun: Muqaddima, Cairo, n.d., p.424.] Beispiele:
[Ibn Khaldun: The Muqaddima, Princeton, 1967, Vol. 3, p.368; Ibn Khaldun: Muqaddima, Cairo, n.d., p.424.] Examples:
Ein gutes Beispiel für eine sadsch'-artige Passage im Qur'an wäre Sure al-Ikhlas (). Sie ist in ihrem Rhythmus etwas unregelmäßig und hat einen Reim, der auf die Silbe „ad" endet.
Erzählung im Qur'an
Narrative In The Qur'an
Der Koran enthält zahlreiche Erzählungen (Qisas, Sg. Qissa), auf die der Koran selbst verweist:
The Qur'an contains many narratives (qisas, sg. qissa), referred to in the Qur'an itself:
„Wir erzählen dir die schönsten Geschichten, indem Wir dir diesen (Teil des) Qur'an offenbaren …“ (Al-Qur'an 12: 3).
'We do relate unto thee the most beautiful of stories, in that We reveal to thee this (portion of the) Qur'an ...'(Al-Qur'an 12: 3).
Diese Erzählungen, die wichtige Aspekte der Botschaft des Qur'an veranschaulichen und unterstreichen, erfüllen ihre Funktionen auf vielfältige Weise. Die folgenden sind einige der häufigeren Muster:
These narratives, which illustrate and underline important aspects of the Qur'anic message, fulfil their functions in a variety of ways. The following are some of the more common patterns:
Erläuterung der allgemeinen Botschaft des Islam.
Explanation of the general message of Islam.
Allgemeine Anleitung und Erinnerung.
General guidance and reminder.
Stärkung der Überzeugung des Propheten und der Gläubigen.
Strengthening the conviction of the Prophet and the believers.
Erinnerung an die früheren Propheten und ihren Kampf.
Reminder of the earlier prophets and their struggle.
Hinweis auf die Kontinuität und Wahrheit der Botschaft Muhammads ﷺ.
Indication for the continuity and truth of Muh. ammad's message.
Gegenargumente gegen einige Gegner des Islam, etwa Juden und Christen.
Providing arguments against some opponents of Islam, such as e.g. Jews and Christians.
Was den Inhalt dieser Überlieferungen betrifft, lassen sich grob gesagt folgende drei Arten unterscheiden:
As far as the contents of these narratives are concerned, one may, broadly speaking, distinguish between the following three kinds:
Geschichten der Propheten Allahs, ihrer Völker, ihrer Botschaft, ihres Rufs, ihrer Verfolgung usw.; wie z. B. die Erzählungen über Nuh (Sure 26), Musa (Sure 28), 'Isa (Sure 19) und viele andere.
Gleichnisse im Qur'an
Similes In The Qur'an
Der Koran bedient sich an vielen Stellen auch Gleichnissen (amthāl, Sg. mathal), um bestimmte Wahrheiten zu erläutern oder wichtige Punkte der Botschaft einzuprägen, indem er sie mit etwas Bekanntem vergleicht oder sie bildhaft beschreibt. [Siehe z. B. 16: 75-6.] „Er sendet Wasser vom Himmel herab, und die Täler fließen, jedes nach seinem Maß; doch die Fluten tragen den Schaum fort, der an die Oberfläche steigt. Ebenso aus jenem (Erz), das man im Feuer schmilzt, um Schmuck oder Gerät zu machen, entsteht ein Schaum, der gleich ist ..."
The Qur'an also employs similes (amthal, sg. mathal) in many places to explain certain truths or to drive home important points of the message, by likening it to something well known or describing it in a pictorial manner. [See, e.g. 16: 75-6.] 'He sends down water from the skies and the channels flow, each according to its measure; but the torrents bear away the foam that mounts up to the surface. Even so, from that (ore)
und ebenso der Schaum von dem, was sie im Feuer erhitzen, um Schmuck oder Gerätschaften daraus zu machen. So prägt Gott (durch Gleichnisse) Wahrheit und Eitelkeit ein: Denn der Schaum vergeht wie Gischt, die hinausgeworfen wird; was aber den Menschen nützt, bleibt auf der Erde. So prägt Gott Gleichnisse.{Al-Qur'an 13:17}
which they heat in the fire to make ornaments or utensils therewith there is scum likewise, thus doth God (by parable) show forth the truth and vanity, for thc scum disappears like froth cast out; while that which is for the good of mankind remains on the earth. Thus doth God set forth parables' (Al-Qur'an 13: 17).
Passagen mit Qul
Passages with Qul
Mehr als 200 Passagen im Qur'an beginnen mit dem Wort „Qul“ (Sprich:). Dies ist eine Anweisung an den Propheten Muhammad ﷺ, die folgenden Worte in einer bestimmten Situation an sein Publikum zu richten, etwa als Antwort auf eine gestellte Frage, als Bekräftigung eines Glaubensinhalts oder als Verkündung einer rechtlichen Entscheidung usw.
More than 200 passages in the Qur'an open with the word 'Qul' (say:), which is an instruction to the Prophet Muhammad to address the words following this introduction to his audience in a particular situation, such as e.g. in reply to a question that has been raised, or as an assertion of a matter of belief, or announcement of a legal ruling, etc.
„Sprich: Uns wird nur das treffen, was Gott uns bestimmt hat. Er ist unser Beschützer …" (Al-Qur'an 9: 51).
'Say: Nothing will happen to us except what God has decreed for us: He is our Protector ...' (Al-Qur'an 9: 51).
„Sprich: O ihr Leute der Schrift! Tadelt ihr uns etwa nur deshalb, weil wir an Gott glauben und an das, was zu uns herabgesandt wurde, und an das, was zuvor herabgesandt wurde, und weil die meisten von euch Frevler sind?" (Al-Qur'an 5:62).
'Say: O people of the book. Do ye disapprove of us for no other reason than that we believe in God, and the revelation that has come to us and that which has come before (us) and perhaps that most of you are rebellious and disobedient?' (Al-Qur'an 5: 62).
„Sie fragen dich nach (den Dingen, die als) Beute aus dem Krieg (genommen wurden). Sprich: Solche Beute steht zur Verfügung Gottes und des Gesandten. So fürchtet Gott und haltet die Beziehungen untereinander in Ordnung; gehorcht Gott und Seinem Gesandten, wenn ihr gläubig seid." (Al-Qur'an 8:1)
'They ask thee concerning (things taken as) spoils of war. Say: (Such) spoils are at the disposal of God and the apostle: for fear God and keep straight the relation between yourselves: obey God and His apostle, if ye do believe' (Al-Qur'an 8: 1).
Eide im Koran
Oaths In The Qur’an
In einer Reihe von Stellen bedient sich der Koran schwurähnlicher Wendungen (aqsām, Sg. qasam). [Zu einer kurzen Erörterung siehe auch Abdullah Yusuf Ali, a. a. O., Anhang XIV, S. 1784–7.] Ihre Funktion besteht darin, eine Argumentation zu bekräftigen und zu stützen sowie Zweifel im Geist des Zuhörers zu zerstreuen. Im arabischen Text werden diese Passagen häufig mit dem Wort „wa“ oder der Wendung „la uqsimu“ (wahrlich, ich schwöre) eingeleitet.
In a number of places the Qur'an employs oath-like expressions (aqsdm, sg. qasam). [For a brief discussion see also Abdullah Yusuf Ali, op. cit., App. XIV, pp. 1784-7.] Their function is to strengthen and support an argument, and to disperse doubts in the mind of the listener. In the Arabic text these passages are often opened by the word 'wa' or the phrase 'la uqsimu' (indeed I swear).
Manchmal schwört Allah selbst einen Eid:
Sometimes an oath is taken by Allah himself:
„Doch nein, bei deinem Herrn, sie werden nicht eher wahrhaft glauben, bis sie dich zum Richter machen in allem, worüber sie untereinander uneins sind, und in ihren Seelen keinen Widerstand gegen deine Entscheidungen finden, sondern sie mit vollständiger Überzeugung annehmen." (Al-Qur'an 4: 65)
'But no, by thy Lord, they can have no real faith until they make thee judge in all disputes between them and find in their souls no resistance against thy decisions but accept them with fullest conviction' (Al-Qur'an 4: 65).
Andere Schwüre werden bei der Schöpfung Allahs geleistet:
Other oaths are taken by Allah's creation:
„Bei der Sonne und ihrem (strahlenden) Glanz, bei dem Mond, wenn er ihr folgt, bei dem Tag, wenn er ihre (der Sonne) Pracht offenbart, bei der Nacht, wenn sie sie verhüllt; beim Himmelsgewölbe und seinem (wunderbaren) Bau, bei der Erde und ihrer (weiten) Ausdehnung, bei der Seele und der Ausgewogenheit und Ordnung, die ihr gegeben wurde ...“ (Al-Qur'an 91: 1-7).
'By the sun and his (glorious) splendour, by the moon as she follows him, by the day as it shows up (the sun's) glory, by the night as it conceals it; by the firmament and its (wonderful) structure, by the earth and its (wide) expanse, by the soul and the proportion and order given to it ...' (Al-Qur'an 91: 1-7).
„Nein, ich schwöre bei dieser Stadt …" (Al-Qur'an 90: 1).