5.5 Die verschiedenen Lesarten
5.5 The Various Readings
Al-Qira'a (Pl. Qira'at) leitet sich vom Wort qara'a ab, „lesen, rezitieren", von dem auch das Wort Qur'an abgeleitet ist. Es handelt sich um ein Verbalnomen mit der Bedeutung Rezitation. In der Fachsprache bezeichnet es sowohl die mündliche Rezitation des Qur'an als auch die Vokalisierung des geschriebenen Textes, die der mündlichen Rezitation entspricht.
Al-qira'a (pl. qiraa'at) is derived from the word qara'a, 'reading, reciting'; from which also the word Qur'an is derived. It is a verbal noun, meaning recitation. In technical language it describes the oral recitation of the Qur'an as well as the punctuation of the written text, which corresponds to the oral recitation.
Beispiele:
Examples:
Mawdudi [Introduction to the Study of the Qur’an, Delhi, 1971, S. 21.] hat sehr überzeugend die richtige Auffassung einiger anerkannter Lesarten-Unterschiede erklärt. Er schrieb, dass in Al-Fatiha (1:3) die Lesarten „maliki“ und „mâliki“ beide eine der Eigenschaften Allahs beschreiben, und dass es überhaupt keinen Widerspruch gibt zwischen „Herrscher“ und „Eigentümer“ des Tages des Gerichts, sondern „diese beiden Lesarten machen die Bedeutung des Verses umso klarer“.
Mawdudi [Introduction to the Study of the Qur’an, Delhi, 1971, p.21.] has very convincingly explained the proper understanding of some accepted difference in reading. He wrote that in al-fatiha (1: 3): the readings "maliki" and " mâliki " both describe one of the attributes of Allah, and there is absolutely no contradiction between 'sovereign' and 'master' of the day of judgement, but 'these two readings make the meaning of the verse all the more clear'.
Ähnlich verhält es sich mit 5:8: arjulakum [Lesart von Nafi, Hafs 'an Asim, Kisa'i] und arjulikum [Lesart von Ibn Kathir, Abu Amr, Abu Bakra 'an 'Asim, Hamza] tragen zwei Bedeutungen: „Wasche" oder „Wische" deine Füße. Beide sind in der Tat richtig, denn unter gewöhnlichen Umständen wird ein Mann seine Füße waschen, während eine andere Person, zum Beispiel ein Reisender, sie abwischen mag. Hier trägt der Text des Qur'an beide Bedeutungen zugleich. Dies ist in der Tat ein einzigartiges Merkmal der Offenbarung von Allah.
Similarly 5:8 arjulakum [Reading of Nafi, Hafs 'an Asim, Kisa'i.] and arjulikum [Reading of Ibn Kathir, Abu Amr, Abu Bakra 'an 'Asim, Hamza.] carry two meanings: "Wash" or "Wipe" your feet Both are indeed correct, for under normal circumstances a man will wash his feet, while some other person e.g. a traveler may wipe them. Here the text of the Qur'an carries both meanings at the same time. This is indeed a unique feature of the revelation from Allah.
Leser unter den Sababa Das Lesen und Rezitieren des Qur'an wird seit Beginn der Offenbarung praktiziert, und der Prophet ﷺ war der Erste, der rezitierte. Dies wurde bereits im Abschnitt über die Überlieferung des Textes behandelt. Nach seinem Tod setzte sich die Rezitation durch seine Gefährten fort. Unter den berühmten Lesern, von denen viele der Tabi'un lernten, waren Ubay bin Ka'b, 'Ali, Zaid bin Thabit, Ibn Mas'ud, Abu Musa al-Ash'ari und viele andere.
Readers among the Sababa Reading and reciting of the Qur'an has been done since revelation began, and the Prophet was the first to recite. This has already been discussed in the section on transmission of the text. After his death, the recitation continued through his Companions. Among the famous readers from whom many of the tabi'un learned, were Ubay bin Ka'b, 'Ali, Zaid bin Tbabit, Ibn Mas'ud, Abu Musa al-Ash'ari and many others.
Spätere Entwicklung Später, als Muslime sich in vielen Teilen der Welt niederließen, wurde der Koran auf verschiedene Weise rezitiert, und einige dieser Weisen entsprachen nicht dem anerkannten Text und den überlieferten Lesarten vom Propheten ﷺ und von den Gefährten. Dies machte eine gründliche Prüfung und Unterscheidung zwischen dem erforderlich, was sahih (authentisch) ist, und dem, was schadh (abweichend) ist.
Later Development Later on, with Muslims settling in many parts of the world, the Qur'an was recited in a variety of ways, some of which were not in accordance with the accepted text and the transmitted readings from the Prophet and the Companions. This necessitated a thorough screening and distinction between what is sahih (sound) and what is shadh (exceptional).
Die sieben Lesarten Die „sieben Lesarten" wurden im zweiten/achten Jahrhundert vereinheitlicht. Ibn Mujahid, ein muslimischer Gelehrter des neunten Jahrhunderts, verfasste ein Buch mit dem Titel „Die sieben Lesarten", in dem er sieben der verbreiteten Vortragsweisen des Qur'an als die am besten überlieferten und zuverlässigsten auswählte. Andere wurden daraufhin in den Hintergrund gedrängt und sogar abgelehnt, darunter die Lesarten des Ibn Mas'ud und des 'Ubay bin Ka'b. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man sich auf eine dieser sieben Lesarten oder auf alle von ihnen beschränken muss. Im Folgenden sind die lokale Herkunft der sieben Lesarten sowie die Namen der Leser [Zu ihren kurzen Biografien siehe Fihrist, I, S. 63ff.] und einige mit ihnen verbundene Überlieferer (rawis) aufgeführt:
The Seven Readings The 'seven readings' were standardised in the second/eighth century. Ibn Mujahid, a ninth-century Muslim scholar, wrote a book entitled The Seven Readings, in which he selected seven of the prevailing modes of recitation as the best transmitted and most reliable. Others were subsequently disfavoured and even opposed, among them the readings of Ibn Mas'ud and 'Ubay bin Ka'b. However, this is not to say that one must restrict oneself to one of these seven readings, or to all of them. Below are listed the local origin of the seven readings and the names of readers [For their short biographies see Fihrist ,I, p. 63ff.] and some transmitters (rawis) connected with them:
Ort Leser Überlieferer Medina Nafi' (169/785) Warsh (197/812).
Place Reader Transmitter Madina Nafi' (169/785) Warsh (197/812).
Makka Ibn Kathir (120/737).
Makka Ibn Kathir (120/737).
Damaskus, Ibn ʿĀmir (118/736).
Damascus Ibn 'Amir (118/736).
Basra Abu 'Amr (148/770).
Basra Abu 'Amr (148/770).
Kufa 'Asim (127/744) Hafs (180/796).
Kufa 'Asim (127/744) Hafs (180/796).
Kufa Hamza (156/772).
Kufa Hamza (156/772).
Kufa Al-Kisa'i (189/804) Duri (246/860).
Kufa Al-Kisa'i (189/804) Duri (246/860).
Die Lesarten Nr. 1 und 5 sind von besonderer Bedeutung: Die von Warsh überlieferte Lesart ist in Afrika weit verbreitet, mit Ausnahme Ägyptens, wo – wie heute in fast allen anderen Teilen der muslimischen Welt – die von Hafs überlieferte Lesart befolgt wird.
Readings No. 1 and 5 are of particular importance: the reading transmitted by Warsh is widespread in Africa, except Egypt, where, as now in almost all other parts of the Muslim world, the reading transmitted by Hafs is observed.
Andere Ansichten
Other Views
Später entstanden weitere Lesarten, sodass es zehn oder vierzehn bekannte Lesarten gibt. Zusätzlich zu den oben genannten sieben bilden die folgenden die zehn und die vierzehn Rezitatoren:
Later on other views emerged, making ten or fourteen well-known readings. In addition to the seven above, the following make up the ten and the fourteen readers:
Ort: Medina Überlieferer (Leser): Abu Ja'far (130/747)
Place Reader Transmitter Madina Abu Ja'far (130/747)
Basra Ya'qub (205/820)
Basra Ya'qub (205/820)
Kufa Khalaf (229/843)
Kufa Khalaf (229/843)
Basra Hasan al-Basri (110/728)
Basra Hasan al Basri (110/728)
Makka Ibn Muhaisin (123/740)
Makka Ibn Muhaisin (123/740)
Basra Yahya al-Yazidi (202/817)
Basra Yahya al-Yazidi (202/817)
Kufa al-A'mash (148/765)
Kufa al-A'mash (148/765)
Die Lesarten werden außerdem wie folgt eingeteilt: [Suyuti, Itqan, I, S. 77] Die mutawatir (von vielen überliefert; sie umfassen die sieben bekannten Lesarten).
The readings are also divided as follows: [Suyuti, Itqan, I, p 77] The mutawatir (transmitted by many; they include the seven well-known readings).
Die Ahad (überliefert von einem; es sind drei, die auf die Sahaba zurückgehen, und zusammen mit den sieben ergeben sie die zehn).
The ahad (transmitted by one; they number three, going back to the sahaba and together with the seven make up the ten).
Das Shādh (die Ausnahmen; sie gehen nur auf die Tābiʿūn zurück).
The shadh (exceptional; they go back to the tabi'un only).
Muslimische Gelehrte haben drei Kriterien für die Annahme jeder Qira'a sowie drei Kriterien für die Bevorzugung einiger gegenüber anderen festgelegt. Die beste Überlieferung war selbstverständlich die mutawatir. Die drei Kriterien für die Annahme anderer Lesarten lauten:
Muslim scholars have laid down three criteria for the acceptance of any qira'a and three criteria for preferring some over others. The best transmission was of course mutawatir. The three criteria for acceptance of other readings are:
Zusammenfassung
Summary
Die beste Zusammenfassung dieses Themas findet sich vielleicht in den Worten des Gelehrten Abu-l-Khair bin al-Jazari (gest. 833/1429), der schrieb:
The best summary on this topic is perhaps contained in the words of the scholar Abu-l-Khair bin al-Jazari (d.833/1429), who wrote:
„Jede Lesart, die mit der arabischen Grammatik übereinstimmt, sei es auch nur in einer Hinsicht, und mit einer der Mushafs des ʿUthmān, sei es auch nur wahrscheinlich, und die eine gesunde Überlieferungskette hat, ist eine richtige (ṣaḥīḥ) Lesart. Sie darf nicht abgelehnt, und ihre Geltung darf nicht bestritten werden. Sie gehört vielmehr zu den sieben Lesarten (Aḥruf), gemäß denen der Qur'an offenbart wurde, und die Menschen sind verpflichtet, sie anzunehmen, gleichgültig, ob sie von den sieben Imamen, den zehn oder von anderen anerkannten Imamen stammt. Wenn aber eine dieser drei Bedingungen nicht erfüllt ist, muss sie als schwach (ḍaʿīf), als außergewöhnlich (shādh) oder als nichtig (bāṭil) zurückgewiesen werden, gleichgültig, ob sie von den Sieben stammt oder von einem, der älter ist als sie.' [Suyuti, Itqan, I, p.75 ]
'Every reading in accordance with Arabic (grammar) even if (only) in some way, and in accordance with one of the masahif of 'Uthman, even if (only) probable, and with sound chain of transmission, is a correct (sahih) reading, which must not be rejected, and may not be denied, but it belongs to the seven modes (ahruf) according to which the Qur'an was revealed, and the people are obliged to accept it, no matter whether it is from the seven Imams, or the ten or from other accepted Imams, but when one of these three conditions is not fulfilled, it must be rejected as weak (daif) or exceptional (shadh) or void (batil), no matter whether it is from the seven or from one who is older than them.' [Suyuti, Itqan, I, p.75 ]