1.10 Irak: Ein weiterer falscher Islamischer Staat im Entstehen
1.10 Iraq: Another Fake Islamic State In The Making
„Vorsichtige Anerkennung islamischer Symbolik ist der erprobte Weg muslimischer Könige und Diktatoren, und es wäre naiv zu behaupten, dass sie dies auf Dauer nicht aufrechterhalten könnten.“ – Noah Feldman Die laufenden Beratungen über die irakische Verfassung haben einmal mehr das Gespenst des Islams in der Zukunft des Landes heraufbeschworen. Manche argumentieren, der Islam solle zur primären Quelle der Gesetzgebung gemacht werden. Andere, allen voran die Kurden, bevorzugen es, dem Islam den Status von Riten und Ritualen zuzugestehen, und lehnen die Rolle des Islams im öffentlichen Leben ab.
“Cautious recognition of Islamic symbolism is the tried and true path of Muslim kings and dictators, and it would be naive to say definitely that they will not be able to sustain it over time.” -- Noah Feldman The current deliberations over the Iraqi constitution have once again raised the spectre of Islam in the country's future. Some argue that Islam should be made the primary source of legislation. Others most notably the Kurds prefer Islam to be given the status of rites and ritual and oppose Islam’ s role in public life.
Zuvor war unter dem Mandat des Übergangsverwaltungsgesetzes (Transitional Administrative Law, TAL) ein Kompromiss zwischen den beiden Seiten erzielt worden. Dieser besagt, dass der Islam die offizielle Religion und „eine Quelle der Gesetzgebung“ ist, legt zugleich aber fest, dass die Regierung kein Gesetz erlassen darf, das jenen festen Grundsätzen des Islam widerspricht, über die Konsens besteht. Außerdem gibt es Meinungsverschiedenheiten über die Bezeichnung des Irak.
Previously, under the mandate of Transitional Administrative Law (TAL) a compromise between the two sides was reached. It states Islam is the official religion and "a source of legislation," but also says the government may not enact a law "that contradicts those fixed principles of Islam that are the subject of consensus." There are also disagreements over the naming of Iraq.
Einige Führer haben vorgeschlagen, den offiziellen Namen des Landes in „Islamische Republik Irak“ zu ändern, ein Schritt, der sich gegen die Säkularisten des Irak richtet. Ob der Islam zur alleinigen Quelle der Gesetzgebung für den Irak wird oder das Land in Islamische Republik Irak umbenannt wird, bleibt die grundlegende Frage bestehen: Was macht einen islamischen Staat aus? Zwei vorherrschende Ansichten prägen das Denken sowohl muslimischer als auch nichtmuslimischer Menschen zu diesem Thema.
Some leaders have proposed changing the country's official name to the "Islamic Republic of Iraq," a move opposed by Iraq's secularists. Whether Islam becomes the sole source of legislation for Iraq or the country is renamed Islamic Republic of Iraq the basic question still remains-what constitutes an Islamic state? Two dominant views pervade Muslim and non-Muslim thinking on the subject.
Die erste Ansicht bestätigt die Vorstellung, dass ein Land als islamischer Staat gilt, wenn die Mehrheit seiner Einwohner Muslime sind. Dies ist eine grobe Verzerrung der Wirklichkeit. Eine deutliche Mehrheit in den USA glaubt an das Christentum, doch niemand vertritt die Auffassung, Amerika werde von der Bibel regiert und sei deshalb ein christlicher Staat.
The first view endorses the perception that if the majority of the inhabitants of a particular country are Muslims than the country is classified as an Islamic state. This is a gross misrepresentation of reality. A clear majority in the US believes in Christianity but no one holds the view that America is governed by the bible and is therefore a Christian state.
Mehr verbreitet, aber ebenso verkehrt ist die zweite Auffassung. Diese Auffassung behauptet, dass ein Land als islamischer Staat bezeichnet werden könne, wenn in der Verfassung irgendwelche Bezugnahmen auf den Islam enthalten sind. Die Vertreter dieser Meinung führen häufig Beispiele aus den Verfassungen muslimischer Länder an, um ihre Argumente glaubwürdig erscheinen zu lassen. So heißt es in Artikel II der ägyptischen Verfassung von 1980, dass der Islam die Religion des Staates sei und "die islamische Rechtsprechung die wichtigste Quelle der Gesetzgebung" sei. Das Grundgesetz Saudi-Arabiens von 1992 bestimmt, dass die Verfassung des Landes aus dem Koran und der Sunna (den Handlungen und Aussprüchen des Propheten Muhammad ﷺ) besteht.
More common but equally perverse is the second view. This view asserts that if some references are made to Islam in the constitution then the country can be called an Islamic state. Proponents of this opinion often cite examples from the constitutions of Muslim countries to lend credence to their arguments. For instance, Article II of the 1980 Egyptian constitution states that Islam is the religion of the state and "Islamic jurisprudence is the principal source of legislation." The 1992 Basic Law of Saudi Arabia states that the nation's constitution consists of the Quran and the Sunnah (the actions and sayings of the Prophet Muhammad (SAW)).
Artikel IV der iranischen Verfassung besagt, dass „alle zivilrechtlichen, strafrechtlichen, finanziellen, wirtschaftlichen, administrativen, kulturellen, militärischen, politischen und anderen Gesetze und Verordnungen auf islamischen Kriterien beruhen müssen". Und Artikel 227(1) der pakistanischen Verfassung lautet: „Alle bestehenden Gesetze sind in Übereinstimmung mit den Geboten des Islam zu bringen, wie sie im Heiligen Qur'an und in der Sunnah niedergelegt sind ... und kein Gesetz darf erlassen werden, das diesen Geboten widerspricht." Wenn irgendein unvoreingenommener Beobachter, unabhängig von seiner religiösen Ausrichtung, das Grundgesetz dieser Länder prüfen würde, würde er sehr schnell erkennen, dass der Islam mit solchen Verfassungen überhaupt nichts zu tun hat. Um beispielsweise Staatsoberhaupt von Saudi-Arabien, Iran oder Pakistan zu werden, muss man Saudi, Iraner bzw. Pakistaner sein. Dies widerspricht der islamischen Lehre, denn der Islam lehnt Nationalismus ab und verlangt, dass diejenigen, die um die Führung eines Landes kämpfen, zunächst Muslime sein müssen, bevor sie als geeignet betrachtet werden können.
Article IV of the Iranian constitution states that "all civil, penal, financial, economic, administrative, cultural, military, political, and other laws and regulations must be based on Islamic criteria." And Article 227(1) of the Pakistani constitution reads, "All existing laws shall be brought in conformity with the injunctions of Islam as laid down in the Holy Quran and Sunnah ... and no law shall be enacted which is repugnant to such injunctions." If any casual observer, irrespective of their religious orientation was to scrutinise the basic law of these countries they would very quickly realise that Islam has no relationship whatsoever with such constitutions. For instance to become a leader of Saudi Arabia, Iran or Pakistan one has to be a Saudi, Iranian or Pakistani. This contravenes Islamic teaching, as Islam abhors nationalism and insists that those contesting for leadership have to be Muslim before they can be considered suitable.
Im Islam gibt es zwei grundlegende Glaubenssätze, die den islamischen Staat vor allem anderen bestimmen: Die Souveränität gehört Gott, und die Autorität liegt beim Volk. Souveränität für Gott bedeutet, dass Gott der alleinige Gesetzgeber ist und der Islam das weltliche Leben der Muslime sowie der Nicht-Muslime, die im islamischen Staat leben, regeln muss. Bei den Muslimen soll ihr persönliches Leben vom Islam bestimmt werden, und der Staat hat keine Zuständigkeit für die Privatangelegenheiten seiner Bürger. Es gibt vier Hauptquellen des islamischen Rechts: den Koran, die Sunna, den Ijma' der Sahaba (Konsens der Gefährten des Propheten ﷺ) und den Qiyas (Analogieschluss auf der Grundlage göttlicher Gründe). Das grundlegende Recht des Staates wird ausschließlich aus diesen Quellen abgeleitet. Jede andere Quelle, sei es Brauch, Tradition, Umwelt, Geschichte oder der Mensch selbst, gilt als ungültig. Alle Gesetze zu wirtschaftlichen Angelegenheiten, sozialen Beziehungen, Bildungsfragen, der Außenpolitik und dergleichen werden aus den genannten Quellen abgeleitet.
In Islam, there are two basic tenets, which defines the Islamic state above all else namely sovereignty belongs to God and authority is with the people. Sovereignty to God means that God is the sole lawgiver and Islam must govern the temporal lives of Muslims and non-Muslims residing in the Islamic State. In the case of Muslims, their personal lives are to be governed by Islam and the state has no jurisdiction over the private affairs of its citizens. There are four main sources of Islamic law. Quran, Sunnah, Ijma Sahaba (Consensus of the Prophet's companions) and Qiyas (Analogy based on divine reasons). The basic law of the state is derived from these sources only. Any other source be it customs, traditions, environment, history or man himself is considered invalid. All laws related to economic matters, social relationships, educational affairs, foreign policy and the like are derived from the aforementioned sources.
Ebenso liegt die Autorität im Islam bei den Bürgern des islamischen Staates. Der Islam hat klar vorgeschrieben, dass das Volk das ausschließliche Recht hat, den Herrscher zu wählen, zur Rechenschaft zu ziehen und abzusetzen, falls er offen nichtislamische Gesetze umsetzt. Diese Rechte werden dem Herrscher durch die Bai'a (Treueeid, der dem Kalifen geleistet wird) übertragen, die im Wesen ein bindender Vertrag zwischen dem Herrscher und seinen Untertanen ist.
Likewise authority in Islam lies with the citizens of the Islamic state. Islam has clearly mandated that the people have the exclusive right to elect, account and dismiss the ruler if he openly implements non-Islamic laws. These rights are delegated to the ruler via the bayah (pledge of allegiance given to the Caliph), which, in essence is a binding contract between the ruler and his subjects.
Die Anmaßung der Herrschaft durch den Herrscher oder seine Verweigerung dieser Rechte gilt als eklatanter Verstoß gegen den Islam. In der Vergangenheit gab es einige Fälle, in denen der Herrscher sich die Bai'ah mit Gewalt verschafft hat und die Umma geschwiegen hat. Der Missbrauch der Bai'ah verwandelte den islamischen Staat nicht in eine Diktatur oder Theokratie, wie einige Historiker meinen. Dies ist vergleichbar mit der Manipulation von Stimmen bei der US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2000.
The usurping of authority by the ruler or his refusal to grant these rights is considered a flagrant violation of Islam. In the past there have been some occasions where the ruler has assumed the bayah by force and the Ummah has remained silent. The misuse of the bayah did not transform the Islamic state into a dictatorship or a theocracy as suggested by some historians. This is similar to misappropriation of votes in the 2000 US presidential race.
Die Tatsache, dass die Menschen das Ergebnis nicht anfochten, bedeutete, dass das Herrschaftssystem in Amerika weiterhin demokratisch ist. Deshalb ist der islamische Staat ein einzigartiger Staat, anders als jeder andere Staat der Welt heute.
The fact that the people did not challenge the outcome meant that the system of ruling in America continues to be democratic. Therefore the Islamic state is a unique state, unlike any other state in the world today.
Dieser Staat ist unter den Muslimen allgemein als Khilafah bekannt, und Nichtmuslime bezeichnen ihn häufig als Kalifat. Das Kalifat ist keine Theokratie, in der der von Gott auserwählte Stellvertreter Gottes Gesetz über die Untertanen durchsetzt. Es ist auch keine Diktatur oder Monarchie, in der Autorität und Gesetzgebung ausschließlich beim Diktator oder Monarchen liegen. Es weist eine gewisse Ähnlichkeit mit der Demokratie auf, insofern die Autorität vom Volk ausgeübt wird, um den Herrscher zu wählen und ihm Rechenschaft abzuverlangen. Doch unterscheidet es sich deutlich vom demokratischen Staat, der die Gesetzgebungsgewalt dem Parlament oder Kongress überträgt statt Gott. Trotz dieser offensichtlichen Unterschiede beschreibt der Westen das Kalifat weiterhin als Diktatur, Theokratie und Monarchie.
This state is commonly known amongst the Muslims as the Khilafah and is often referred by non-Muslims as the Caliphate. The Caliphate is not a theocracy where God's chosen representative implements God's law upon the subjects. Nor is it a dictatorship or a monarchy where authority and law-making reside exclusively with the dictator or monarch. It shares some resemblance with democracy in that authority is exercised by the people to elect and account the ruler. But differs greatly from the democratic state, which bestows the power of law-making to parliament or congress as opposed to God. Despite these glaring differences, the West still continues to describe the Caliphate as a dictatorship, theocracy and a monarchy.
Einige westliche Politiker haben sich sogar große Mühe gegeben, das Kalifat als totalitären Staat darzustellen. Diese Behauptung grenzt an Unaufrichtigkeit, um es milde auszudrücken. Tatsächlich trifft das Etikett des Totalitarismus eher auf westliche Staaten zu.
Some Western leaders have even gone at great lengths to portray the Caliphate as a totalitarian state. This claim borders on insincerity to say the least. In actual fact the label of totalitarianism is more applicable to Western states.
Wenn die Verabschiedung des PATRIOT Act in den USA und die Billigung der Anti-Terror-Gesetzgebung in Großbritannien kein Kennzeichen totalitärer Staaten ist, was dann?
If the passing of the PATRIOT ACT in the US and the endorsement of anti-terrorism legislation in Britain is not a hallmark of totalitarian states then what is?
Im Gegensatz dazu verbietet der Islam die Bespitzelung seiner Bürger, und alle, die eines Verbrechens für schuldig befunden werden, müssen vor einem Gericht verurteilt werden, bevor sie bestraft werden können. Solange der Westen sich weiterhin in den Mittelpunkt des Staatsaufbaus stellt, wie etwa in Afghanistan und im Irak, werden scheinislamische Staaten entstehen, die sich einer langen Liste pseudoislamischer Staaten anschließen. Solche Staaten tun wenig, um die islamischen Gefühle der Umma zu besänftigen. Stattdessen verlängern sie das Elend der Umma und setzen sie endlosen Kampagnen ausländischer Einmischung und Ausbeutung aus.
In contrast, Islam forbids spying on its citizens and all those found guilty of a crime have to be tried before a court of law before they can be punished. As long as the West continues to place itself at the centre of nation building like in Afghanistan and Iraq, fake Islamic states will be born to join a long list of pseudo Islamic states. Such states do little to mollify the Islamic sentiments of the Ummah. Instead they prolong the misery of the Ummah and subject her to endless campaigns of foreign interference and exploitation.
Um solches Leid und solche Qualen zu vermeiden, muss die Ummah alle ihre Kräfte bündeln und auf ein einziges Ziel hinarbeiten, nämlich die Wiedererrichtung des Kalifats. Hat etwa das Kalifat das Leid der Iraker beendet, als Bagdad im Jahr 1258 von den Mongolen geplündert wurde?
To avoid such pain and suffering the Ummah must pull all of her resources together and work towards a single project, which is the re-establishment of the Caliphate. Did not the Caliphate end the suffering of the Iraqis when Baghdad was ransacked by the Mongols in 1258?
20. August 2005
August 20, 2005