1.6 Europäische Union fürchtet den Islam und stuft die Beitrittsgespräche mit der Türkei herab
1.6 European Union Fearful Of Islam Downgrades Turkey's Entry Talks
„Wenn irgendeine Religion die Chance hätte, innerhalb der nächsten hundert Jahre über England, ja über Europa zu herrschen, dann könnte es der Islam sein“ --George Bernard Shaw Europäische Politiker haben begonnen, in der Öffentlichkeit Zweifel am Beitritt der Türkei zur EU zu äußern. Der österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser sagte, eine türkische Mitgliedschaft würde „übermäßige Forderungen an Europa stellen“. Der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos räumte vor zwei Wochen nach den französischen und niederländischen Referenden ein, dass die beiden Ablehnungen „ohne Zweifel“ die weiteren Erweiterungspläne „beeinflussen werden“. Umfragen in Frankreich und den Niederlanden zeigten, dass die Ablehnung einer Mitgliedschaft der Türkei einer der Hauptgründe war, aus denen die Wähler die EU-Verfassung ablehnten.
“If any religion had the chance of ruling over England, nay Europe within the next hundred years, it could be Islam” --George Bernard Shaw uropean politicians have started to raise doubts in public about Turkey’ s entry with the EU. Austrian Finance Minister Karl-Heinz Grasser said that Turkish membership “would make excessive demands of Europe.” Spanish Foreign Minister Miguel Angel Moratinos acknowledged two weeks ago, after the French and Dutch referendums, that “without a doubt” the two rejections were “going to affect” further expansion plans. Polls in France and the Netherlands showed that opposition to Turkey’ s membership was one of the key reasons voters gave for opposing the EU constitution.
Die jüngsten Entwicklungen stellen Abdullah Güls Behauptung vom vergangenen Dezember in Frage, dass die Entscheidung der Europäischen Union, die Beitrittsgespräche mit der Türkei voranzutreiben, zur Stabilität des muslimischen Landes beiträgt und ihm eine neue Position in Europa und in der islamischen Welt verschafft. Damit hängt die Beziehung der Europäischen Union zur Türkei nicht mehr davon ab, dass die Türkei umfassende politische und wirtschaftliche Reformen durchführt.
The latest developments pour cold water on Abdullah Gul‘s claim last December that the European Union's decision to extend membership talks with Turkey contributes to the Muslim country's stability and gives it a new position in Europe and the Islamic world. Thus European Union’ s relationship with Turkey no longer rests on Turkey undergoing extensive political and economic reforms.
Künftige Beziehungen zwischen den beiden werden vielmehr durch zwei wesentliche Faktoren bestimmt.
Rather future relations between the two will be decided by two major factors.
Der erste ist der „Zusammenprall der Zivilisationen“, und sowohl Politikern als auch den Völkern Europas und der Türkei ist ziemlich offensichtlich, dass dieser Zusammenprall unvermeidlich ist und andauert. Valéry Giscard d'Estaing, der frühere französische Präsident, sagte einmal, der Beitritt der Türkei als islamische und überwiegend asiatische Macht würde „das Ende Europas“ bedeuten. Heute werden Giscards Äußerungen nicht nur von anderen europäischen Politikern wiederholt, sondern finden auch weite Verbreitung in der Bevölkerung Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands und mehrerer anderer Länder. Es herrscht ein tiefes Gefühl der Islamophobie, das die Region erfasst und die Erinnerung an das vergangene Zeitalter wieder aufleben lassen hat, als das Osmanische Kalifat die Angelegenheiten Europas beherrschte. Ebenso lehnen die Muslime der Türkei einen Beitritt zur EU ab. Sie befürchten, ihrer islamischen Identität beraubt und gezwungen zu werden, westliche Werte zu übernehmen. So wurde beispielsweise die Rüge der EU wegen des Plans der Türkei, Ehebruch unter Strafe zu stellen, von Ankara rasch zurückgenommen. Dies erzürnte viele Türken und verstärkte nur ihre Sorge, dass Europa gezielt islamische Werte angreife.
The first is the ‘clash of civilisations’ and is pretty obvious to politicians as well as the peoples of both Europe and Turkey that this clash is inevitable and ongoing. Valery Giscard d'Estaing, the former French president once said that the entry of Turkey, as an Islamic and mostly Asian power, would spell "the end of Europe". Today Giscard’ s remarks are not only echoed by fellow European politicians, but are widely shared amongst the populations of Britain, France, Germany and several other countries. There is a deep sense of Islamophobia, which has swept the region and rekindled past memories of the Ottoman Caliphate dominating the affairs of Europe. Equally, the Muslims of Turkey are opposed to joining the EU. They fear that they will be stripped of their Islamic identity and forced to adopt western values. For example EU’ s chastisement over Turkey’ s plan to outlaw adultery was quickly reversed by Ankara. This angered many Turks and only heightened their anxiety that Europe was intentionally targeting Islamic values.
Dies ist zum Teil die Folge eines Klimas der Angst, das durch Amerikas Krieg gegen den Islam hervorgerufen wurde, und zum Teil auf den jahrhundertealten Konflikt zwischen der Christenheit und dem Islam zurückzuführen. Diese Polarisierung der Einstellungen ist nicht zu überwinden, solange die ideologischen Unterschiede zwischen den beiden Kulturen nicht erörtert und geklärt werden. Ein Vorgehen ohne einen solchen Dialog wird scheitern, ganz gleich, welche Fortschritte bei der Verwirklichung der von der EU gesteckten politischen und wirtschaftlichen Ziele erzielt werden.
This in part is born out of the climate of fear produced by America’ s war on Islam and in part is due to the centuries old conflict between Christendom and Islam. This polarization in attitudes is impossible to overcome, unless the ideological differences between the two cultures are debated and settled. To proceed in the absence of such a dialogue will result in failure, no matter what progress is made towards achieving the political and economic goals set out by the EU.
Zweitens: Europa hat es versäumt, seine eigenen muslimischen Bevölkerungsgruppen angemessen aufzunehmen. Wie groß sind also die Chancen, dass es gelingt, die Integration von 70 Millionen Türken erfolgreich zu bewältigen? Man nehme das Beispiel Großbritannien. Muslime bilden die sozial benachteiligste ethnische Gruppe. Im Oktober 2004 berichtete die Zeitung The Guardian: „Muslime hatten die höchste Arbeitslosenquote, den schlechtesten Gesundheitszustand, die meisten Behinderungen und die wenigsten Bildungsabschlüsse. In den meisten Belangen schnitten muslimische Frauen schlechter ab als muslimische Männer." vi Muslime in Frankreich und Deutschland sind noch weitaus schlechter gestellt. Das Verbot des Hidschabs, die willkürliche Befragung junger Muslime und die Verweigerung der Staatsbürgerschaft gehören zu den vordersten diskriminierenden Maßnahmen gegen Muslime.
The second is that Europe has failed to accommodate its own Muslim populations, so what are the odds that it can successfully manage the inclusion of 70 million Turks. Take the example of Britain. Muslims are the most socially deprived ethnic group. In October 2004 the Guardian newspaper reported: ’Muslims had the highest rate of unemployment, the poorest health, the most disability and fewest educational qualifications. In most respects Muslim women fared worse than Muslim men did.’ vi Muslims in France and Germany fair much worse. The banning of the hijab, the random interrogation of young Muslims and the withholding of citizenship are at the forefront of discriminatory acts carried out against Muslims.
Hinzu kommt, dass die Zurückhaltung der europäischen Mächte, in Bosnien und im Kosovo einzugreifen und die dortigen Muslime zu schützen, die Haltung Europas gegenüber den Muslimen unterstreicht, die an seinen Küsten leben. Im europäischen Denken bestärken die oben genannten Beispiele nur die Vorstellung, dass Muslime und der Islam mit dem Säkularismus unvereinbar seien.
Add to this, the reluctance of the European powers to intervene and protect Muslims of Bosnia and Kosovo underscores Europe’ s attitude towards Muslims living on its shores. In European minds, the above examples only reinforce the idea that Muslims and Islam are incompatible with secularism.
Es ist kaum zu glauben, dass die gegenwärtige Auseinandersetzung zwischen dem Islam und dem Westen sowie die Ungerechtigkeiten, die Europäer gegenüber ihrer eigenen muslimischen Bevölkerung begehen, den türkischen Führungskräften entgangen sein sollen. Wenn Gül es ernst meint damit, dass die Türkei in der muslimischen Welt eine neue Stellung einnimmt, dann kann er zumindest eines tun: standhaft gegen die Unterdrückung ihrer muslimischen Bevölkerung durch Europa auftreten. Dies lässt sich erreichen, indem die Türkei als Vorbedingung für jegliche Gespräche zwischen der Türkei und der EU eine deutliche Verbesserung ihrer Lage fordert. Eine solch mutige Geste würde das Ansehen der Türkei in der muslimischen Welt dramatisch steigern. Danach sollte Gül tief über die Vergangenheit der Türkei nachdenken, um herauszufinden, wie die heutige Türkei eine neue Stellung in Europa einnehmen kann. Er würde schnell zu dem Schluss kommen, dass die Türkei nur im Islam und unter dem Schutz des Kalifats eine herausragende Stellung unter den Nationen der Welt innehatte. Damals sehnten sich die unterdrückten Europäer nach der Gerechtigkeit des Kalifats und wünschten sich, Teil davon zu werden. Baten nicht die Menschen von Konstantinopel Sultan Mehmed darum, sie von der Tyrannei Konstantins zu befreien?
It is hard to believe that the current clash between Islam and the West and the injustices committed by Europeans towards their own Muslim populace has escaped the notice of Turkish leaders. If Gul is serious about Turkey occupying a new position in the Muslim world then the very least he can do is to stand firm against Europe’ s oppression of its Muslim populace. This can be achieved by Turkey demanding a significant improvement in their circumstances as a precursor to any talks between Turkey and the EU. Such a bold gesture would dramatically increase Turkey’ s standing in the Muslim world. Thereafter, Gul should dwell profoundly on Turkey’ s past in order to discover how the present Turkey can occupy a new position in Europe. He would quickly conclude that only in Islam and under the shade of the Caliphate did Turkey occupy a pre-eminent position amongst the nations of the world. Back then, the oppressed Europeans used to yearn for the justice of the Caliphate and longed to become a part of it. Did not the people of Constantinople implore Sultan Mohammed to liberate them from the tyranny of Constantine?
14. Juni 2005
June 14, 2005