2.4 Musharrafs Blutbad in der Moschee
2.4 Musharraf's Bloodbath At The Masjid
„Musharraf könnte Amerikas letzte Hoffnung in Pakistan sein, und wenn er scheitert, würden sich die Fundamentalisten der islamischen Bombe bemächtigen." -- Anthony Zinni Die Verschärfung der Kämpfe zwischen den Studenten der Lal Masjid und der pakistanischen Armee hat Hunderte Tote und viele Verletzte gefordert. Dies veranlasste Präsident Musharraf zu folgender provokanter Erklärung: „Wenn sie sich nicht ergeben, sage ich hier heute, dass sie getötet werden. Sie sollten uns nicht zwingen, Gewalt anzuwenden. Sie sollten freiwillig herauskommen; andernfalls werden sie getötet werden…" Schon vor Musharrafs Ultimatum beeilte sich seine Regierung, die gesamte Schuld an der gegenwärtigen Krise Abdul Rashid Ghazi zuzuschreiben, dem Leiter der Madrasa. Eine genaue Betrachtung der Ereignisse, die der Pattsituation vorausgingen, legt jedoch nahe, dass die gesamte Affäre von der pakistanischen Regierung inszeniert wurde.
"Musharraf may be America's last hope in Pakistan, and if he fails, the fundamentalists would get hold of the Islamic bomb." -- Anthony Zinni The intensification of fighting between the students of Lal Masjid and the Pakistani army has left hundreds dead and many injured. This has prompted President Musharraf to issue the following provocative statement: “If they do not surrender so I am saying here today that they will be killed. They should not force us to use force. They should come out voluntarily; otherwise they will be killed…” Even before Musharraf’ s ultimatum, his government was swift to attribute the entire blame for the current crisis on Abdul Rashid Ghazi—the principal of the seminary. However, a close examination of the events preceding the standoff, suggests that the entire saga has been engineered by the Pakistani government.
Seit sechs Monaten hat die Regierung Musharraf das Verhalten der Studenten geduldet, wann immer diese ihre Autorität in Frage stellten. Die Anhäufung illegaler Waffen, die Entführung pakistanischer Gesellschaftsdamen und Polizisten sowie die Verschleppung von sechs chinesischen Frauen wurden von Regierungsvertretern nur mit gedämpfter Kritik beantwortet. Diese Aktivitäten fanden zudem nicht im Verborgenen statt, sondern wurden in aller Öffentlichkeit geplant und durchgeführt, in unmittelbarer Sichtweite der Zentrale des ISI, die sich in unmittelbarer Nähe zum Gelände der Lal Masjid befindet. Die häufigen Besuche von ISI-Beamten und Regierungsvertretern widerlegen die Behauptungen der Regierung, sie habe eine einvernehmliche Lösung angestrebt – besonders im Vergleich zur Heftigkeit, mit der die pakistanische Regierung auf ähnliche Vorfälle in den Stammesgebieten und andernorts in Belutschistan reagiert hat. Warum hat die pakistanische Regierung also so lange gewartet, die Moschee mit militärischem Gerät zu umstellen, das für einen überwältigenden Angriff geeignet ist?
For the past six months the Musharraf government has tolerated the behaviour of the students whenever they chose to challenge its writ. The accumulation of illegal arms, the abduction of Pakistani socialites and policemen, and the seizure of six Chinese women was met with muted criticism from government officials. Furthermore, these activities were not clandestine, and were planned and executed in full view of ISI’ s headquarters located in close proximity to the confines of the Lal Masjid. The frequent visit of ISI officials and government representatives negates government claims that it was exploring an amicable outcome— especially when measured against the ferocity of the Pakistani government’ s response to similar incidents in tribal agencies and elsewhere in Baluchistan. So why has the Pakistani government waited so long to barricade the Masjid with military hardware fit for an overwhelming assault.
Diese Frage lässt sich nur im breiteren Kontext der Herausforderungen beantworten, mit denen Musharrafs Herrschaft konfrontiert ist. Gegenwärtig hat sich die Regierung Musharraf sowohl mit der säkularen Opposition als auch mit islamischen Kräften auseinanderzusetzen, die seine Absetzung fordern.
This question can only be answered in the broader context of the challenges facing Musharraf’ s rule. At present the Musharraf government has had to contend with both the secular opposition and Islamic forces calling for his removal.
Die säkularen Kräfte, die von der Allianz zur Wiederherstellung der Demokratie (ARD) und von Oberster Richter Iftikhar unterstützt werden, haben an Schwung gewonnen und die Bemühungen Amerikas, Musharraf wiederwählen zu lassen, durchkreuzt. Um diese Bedrohung abzuwenden, hat Musharraf unter amerikanischer Schirmherrschaft geheime Gespräche mit einigen Führungspersönlichkeiten der säkularen Opposition geführt und gegen andere Gewalt eingesetzt. Die Todesfälle in Karatschi sind eine Erscheinungsform des letztgenannten Vorgehens. Was die Verhandlungen betrifft, so befinden sich die USA im Auftrag Musharrafs bereits in fortgeschrittenen Gesprächen mit Benazir Bhutto, mit dem Ziel, die säkulare Opposition zu zerschlagen und Musharraf eine zweite Amtszeit als Präsident zu sichern. Dies erklärt auch Bhuttos jüngste zweideutige Haltung gegenüber der All Parties Conference (APC) in London, die sie bisher gemieden hat.
The secular forces championed by the Alliance for the Restoration of Democracy (ARD) and Chief Justice Iftikhar have gained momentum and have frustrated America’ s initiative to get Musharraf re-elected. To diffuse this threat, Musharraf under US auspices has held secret talks with certain leaders of the secular opposition and has deployed force against others. The deaths in Karachi are a manifestation of the latter approach. As far as negotiations are concerned, the US on Musharraf’ s behalf is already engaged in advanced talks with Benazir Bhutto with aim to break the back of the secular opposition and secure a second presidential term for Musharraf. This also explains Bhutto’ s recent ambiguous stance on the All Parties Conference (APC) in Londonxv, which she has shunned so far.
Während die islamische Opposition, die mit Musharrafs proamerikanischer Politik und seiner neoliberalen Haltung unzufrieden ist, es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihn von der Macht zu verdrängen, haben einige zu militanten Mitteln gegriffen, andere ihrem Zorn in Protesten Luft gemacht. Doch die Quelle ihrer Verbitterung wird von den religiösen Seminaren genährt, die Amerika zur Säkularisierung oder Schließung vorgesehen hat. Anders als bei der säkularen Opposition, mit der Amerika zu Kompromissen bereit war und über die es eine Einigung vermitteln wollte, müssen die islamischen Kräfte in den Augen der amerikanischen Politikmacher mit vorgehaltener Waffe säkularisiert werden, und jeder Widerstand muss gebrochen werden. Daher ist die Umstellung der Lal Masjid durch das Militär ohne das Verhängen des Kriegsrechts, die Demütigung von Abdul Aziz Ghazi im pakistanischen Fernsehen, der plötzliche Abbruch der Gespräche, die Nachrichtensperre und die Verkündung von „Kapitulation oder Tod“ als Lösung der Krise ein bedrohliches Zeichen für die Zukunft der religiösen Seminare in Pakistan.
Whilst the Islamic opposition unhappy with Musharraf’ s pro- American policies and his neo-liberal attitudes have taken upon themselves to oust him from power. Some have resorted to militancy and others have engaged in protests to vent their anger. But the wellspring of their resentment is fuelled by the religious seminaries which America has identified for secularisation or closure. Unlike the secular opposition—where America was keen to compromise and broker a deal— the Islamic forces in the eyes of American policy makers must be secularised at gun point, and any resistance must be crushed. Hence the surrounding of Lal Masjid by the military in the absence of martial law, the humiliation of Abdul Aziz Ghazi on Pakistan television, the abrupt cancellation of talks, the media blackout and the announcement of ‘surrender or die’ as a solution to the crisis is an ominous sign for the future of religious seminaries in Pakistan.
Was sich an der Lal Masjid abgespielt hat, trägt alle Merkmale, zu einer Vorlage für Musharraf zu werden, um mit anderen religiösen Schulen und Einrichtungen umzugehen – ein Rezept für einen Bürgerkrieg. Hinzu kommt, dass der Zeitpunkt der Krise Musharraf gelegen kommt, denn er lenkt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von der säkularen Opposition und der katastrophalen Reaktion der Regierung auf die Überschwemmungen in Belutschistan ab.
What transpired at Lal Masjid has all the hallmarks of becoming a template for Musharraf to deal with other religious schools and institutions— a recipe for civil war. Not to mention that the timing of the crisis suits Musharraf, as it deflects the public’ s attention away from the secular opposition and the government’ s disastrous response to the floods in Baluchistan.
Offensichtlich ist, dass der Einsatz von Gewalt durch die Regierung, um sowohl säkulare als auch islamische Kräfte zu bekämpfen, den intellektuellen Bankrott von Musharrafs Leitspruch der „aufgeklärten Mäßigung“ offenlegt. Anstatt Gedanken einzusetzen, um die Ideen der Opposition zu bekämpfen, hat Musharraf auf Gewalt zurückgegriffen. Dieselbe Methode wurde von Musharrafs Verbündeten – Amerika, der NATO und Israel – unter dem Deckmantel des „Kampfes um Herz und Verstand“ wiederholt, und beide sind gescheitert, die islamischen Bewegungen im Irak, in Afghanistan und in Palästina niederzuschlagen. Welche Chance hat Musharraf also?
What is evident is that the utilisation of force by the government to deal with both secular and Islamic forces exposes the intellectual bankruptcy of Musharraf’ s mantra of enlightened moderation. Instead of employing thoughts to battle the ideas of the opposition, Musharraf has resorted to force. The same method has been repeated by Musharraf’ s allies—America, NATO and Israel— under the guise of ‘battle of hearts and minds’ and both have failed to crush the Islamic movements in Iraq, Afghanistan and Palestine. So what chance does Musharraf have?
9. Juli 2007
July 9, 2007