20. Die Industrienationen entwickelten sich durch die Übernahme von Freihandel und Märkten
20. The Industrialised nations developed due to the adoption of free trade and markets
Großbritannien gilt als Quelle der Doktrin des Laissez-faire und als das einzige Land, das Freihandel praktiziert hat. Großbritannien gilt als die einzige Nation, die sich mit wenig oder gar keinem staatlichen Eingreifen entwickelt hat. Dies ist jedoch weit von der Wahrheit entfernt, denn Großbritannien war das erste Land, das den Schutz junger Industrien einführte. Dabei werden ausländischer Konkurrenz Hindernisse in den Weg gelegt, damit sich inländische Unternehmen ohne Wettbewerber entwickeln können.
Britain is regarded as the fountain of laissez-faire doctrine and the only country to have practised free trade. Britain is regarded as the only nation to have developed with little or no state intervention. However, this cannot be further from the truth since Britain was the first country to establish infant industry protection. This is where obstacles are placed upon foreign competition to ensure domestic companies develop with no competitors.
Die Reform des Handelsrechts von 1721 wurde 1907 vom Wirtschaftshistoriker Brisco zusammengefasst:
The 1721 reform of the mercantile law was summed up by Brisco, an economic historian in 1907:
„Die Manufakturen mussten im Inland vor ausländischen Fertigwaren geschützt werden; die freie Ausfuhr von Fertigwaren musste gesichert werden; und wo möglich musste durch Prämien und Zuschüsse eine Förderung erfolgen.“38 Dies bedeutete, dass die Einfuhrzölle auf Rohstoffe gesenkt und die Zölle auf ausländische Industriewaren erheblich erhöht wurden. Insbesondere verbot Großbritannien die Einfuhr hochwertiger Waren aus einigen seiner Kolonien, sofern diese die britischen Industrien bedrohten.
‘manufactures had to be protected at home from foreign finished products; free exportation of finished articles had to be secured; and where possible, encouragement had to be given by bounty and allowance.’38 This meant import duties on raw materials were lowered, duties on foreign manufactured goods were significantly raised. Specifically, Britain banned the imports of superior goods from some of its colonies if they happened to threaten British industries.
Die nächste große Veränderung kam 1846 mit der Aufhebung der Corn Laws, also der Einfuhrzölle, die angeblich dazu dienten, die britischen Landwirte und Grundbesitzer vor der Konkurrenz billigen ausländischen Getreides zu schützen. Doch sollte dies die Industrialisierung auf dem Kontinent aufhalten, indem der Exportmarkt für die britische Landwirtschaft vergrößert wurde. Der technologische Vorsprung Großbritanniens, der den Übergang zu einem Freihandelsregime ermöglichte, war hinter hohen und lang anhaltenden Zollschranken erreicht worden. Die allgemeine Liberalisierung der britischen Wirtschaft war eine streng vom Staat überwachte Angelegenheit und wurde nicht durch einen Laissez-faire-Ansatz erreicht.
The next big change came in 1846 with the repeal of the Corn Laws, which were import tariffs ostensibly designed to protect British farmers and landowners against competition from cheap foreign grain imports. But this was intended to halt the move to industrialization on the continent by enlarging the export market for British agriculture. Britain’s technological lead that enabled the shift to a free trade regime had been achieved behind high and long lasting tariff barriers. The overall liberalisation of the British economy was a highly controlled affair overseen by the state and not achieved through a laissez-faire approach.
Mit dem Einsatz industrieller Förderstrategien segelte Großbritannien, als es im Jahr 1800 seinen Höhepunkt erreichte, auf der Suche nach Reichtümern rund um den Globus. Dieses Programm einer aggressiven Kolonisierung festigte Großbritanniens Stellung in der Welt und verlagerte die Kämpfe von der Eroberung von Territorien hin zu Märkten in Übersee. Es war diese koloniale Kriegsmaschinerie, die einen großen Teil von Großbritanniens wissenschaftlicher Forschung, Innovation, neuen Formen der Arbeitsorganisation und militärischen Strategie vorantrieb. Die liberalen Werte, die als Quelle von Großbritanniens Entwicklung gepriesen werden, kamen erst, nachdem das Land die globale Vorherrschaft errungen hatte. Erst nachdem Großbritannien die weltweite Vorherrschaft erreicht hatte, trat es für den Freihandel ein, um Zugang zu ausländischen Märkten zu erlangen. Freie Märkte kamen mit Sicherheit nach der Entwicklung und waren nicht der Katalysator, der das British Empire in Gang setzte.
With the use of industrial promotion strategies, Britain, when it reached its pinnacle in 1800, was navigating the seas in search of riches around the globe. This programme of aggressive colonisation entrenched Britain’s position in the world and changed battles from being fought for territories to offshore markets. It was this colonial war machine that drove a large chunk of Britain’s scientific research, innovation, new ways of organising labour and military strategy. The liberal values which are trumpeted as the source of Britain’s development arrived after achieving global domination. It was only after Britain achieved global supremacy that it championed free trade and this was to gain access to foreign markets. Free markets most certainly came after development rather than being the catalyst that launched the British Empire.
Auch die Entwicklung der USA verlief in ähnlicher Weise. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann die USA, ihren Handel zu liberalisieren, und die Gründe dafür legte Dr. Joon Change, ein Experte für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Cambridge, dar: „Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als die industrielle Vormachtstellung der USA unangefochten war, liberalisierte das Land schließlich seinen Handel und begann, sich für die Sache des Freihandels starkzumachen.
US development also occurred in a similar fashion. It wasn’t until after World War 2 that the US began to liberalise trade and the reasons for this was outlined by Dr Joon Change, an expert in economic history at Cambridge ‘it was only after World War 2 that the USA – with its industrial supremacy unchallenged - finally liberalized its trade and started championing the cause of free trade.
Sobald westliche Länder hinter protektionistischen Mauern eine industrielle Vorherrschaft errichtet haben, neigen sie dazu, für den Freihandel einzutreten, um den Nachzüglern die Leiter wegzuziehen und ihre Vorherrschaft zu festigen. Dies war mit Sicherheit bei Großbritannien in der Mitte des 19. Jahrhunderts der Fall, das die Liberalisierungsbewegung in Europa anführte. Die Vereinigten Staaten folgten hundert Jahre später einem ähnlichen Weg.
Once Western countries establish industrial dominance behind protectionist walls, they tend to advocate free trade in order to kick away the ladder from the followers and consolidate their dominance as was certainly the case for Britain in the mid 19th century which led the liberalisation drive in Europe. The United States followed a similar path a hundred years later.
Reference: Geopolitische Mythen - Adnan Khan