2.3 Das Kalifatssystem und seine Pflichten
2.3 The Khilafah System and its Obligations
Es ist notwendig, dass jede politische Bewegung und jeder Muslim, der daran arbeitet, das Kalifat wiederzuerrichten, einen klaren Einblick in das Wesen des islamischen Systems hat. Das Folgende stammt aus dem Buch Nidhaam ul-Hukm fil Islam, das Ruling System in Islam von Taqiuddin an-Nabhani (möge Allah sich seiner erbarmen), in dem das Herrschaftssystem dargelegt wird. Der Auszug erläutert die Struktur des Staates.
It is necessary that any political movement or any Muslim working to re-establish the Khilafah has a clear insight into the nature of the Islamic system. The following is from the book Nidhaam ul-Hukm fil Islam, the Ruling System in Islam by Taqiuddin an-Nabhani (may Allah have mercy on him), which details the ruling system. The extract elaborates the structure of the State.
Das Gerüst des islamischen Herrschaftssystems Das islamische Herrschaftssystem unterscheidet sich von allen anderen Herrschaftssystemen der Welt. Es unterscheidet sich in der Grundlage, auf der es aufgebaut ist, in seinen Prinzipien und Begriffen, in seinen Kriterien und Gesetzen, nach denen es regiert und die Angelegenheiten versorgt, in seiner Verfassung, in der Umsetzung und Durchführung der Gesetze sowie in der Art und Weise, wie der Staat vertreten wird, wodurch es sich von allen anderen Systemen der Welt abhebt.
The framework of the ruling system in Islam The Islamic ruling system is distinct from all other existing ruling systems in the world. It is different in the basis on which it is built, different in its principles and concepts, different in its criteria and laws by which it governs and looks after the affairs, different in its constitution and implementation and execution of laws, and in the way the state is represented which distinguishes it from all other systems in the world.
Das Gerüst des islamischen Herrschaftssystems ist nicht monarchisch.
The framework of the Islamic ruling system is not monarchical
Es billigt die monarchische Regierungsform nicht und hat nichts mit ihr gemein. Das monarchische System der Regierung sieht eine erbliche Herrschaft vor. Die Söhne erben den Thron von ihren Vätern und treten deren Erbe an. Im Islam hingegen gibt es keine erbliche Herrschaft; die Herrschaft wird von demjenigen ausgeübt, dem die Umma freiwillig und selektiv ihre Treueerklärung (Bai'a) gibt.
It does not approve of the monarchical form of government nor does it have anything in common with it. The monarchical system of government adopts a hereditary rule. The sons inherit the throne from their fathers, and they inherit their legacies. Whereas in Islam, there is no hereditary rule, the rule is performed by whom the Ummah gives her pledge of allegiance willingly and selectively.
Das monarchische System gewährt dem Monarchen besondere Vorrechte und Rechte, die ausschließlich ihm zustehen; er steht über dem Gesetz und ist niemandem Rechenschaft schuldig. Er ist das Symbol des Landes, entweder als Monarch ohne Herrschaftsbefugnisse wie die Monarchen Europas oder als Monarch, der herrscht und sogar zur Quelle der Regeln wird, indem er Land und Volk nach eigenem Ermessen führt, wie die Könige von Saudi-Arabien, Marokko und Jordanien.
The monarchical system allows the monarch special privileges and rights exclusively to him, he is above the law and he is answerable to none, he is the symbol of the country, either a monarch without ruling powers like the monarchs of Europe, or a monarch who rules and even becomes the source of the rules, running the land and the people as he wishes, like the kings of Saudi Arabia, Morocco and Jordan.
Das islamische System gewährt dem Khalifen oder dem Imam jedoch keinerlei besondere Vorrechte oder Rechte; er hat dieselben Rechte und Pflichten wie jeder einzelne Angehörige der Ummah. Er ist weder das Symbol der Ummah, das eine Ehrenstellung ohne jegliche Herrschaftsbefugnisse innehat, noch ein Symbol, das das Land und die Angelegenheiten der Menschen nach eigenem Gutdünken regiert und lenkt. Er ist ein Treuhänder (Stellvertreter) der Ummah in Herrschaft und Autorität. Die Ummah wählt ihn und leistet ihm aus freiem Willen den Treueid, damit er die Scharia Allahs an ihr umsetzt. In seinem Handeln sowie in der Art und Weise, wie er die Angelegenheiten der Ummah und ihre Interessen betreut, ist er durch die Scharia geleitet und begrenzt. Darüber hinaus gibt es im Islam keine erbliche Monarchie; er verabscheut sogar die erbliche Herrschaft und verbietet, dass die Herrschaft durch Erbschaft übernommen wird. Die Herrschaft wird vom Khalifen nur dann übernommen, wenn die Ummah ihm freiwillig den Treueid leistet.
The Islamic system however, does not allow the Khaleefah or the Imam any special privileges or rights, he has the same rights and duties of every single individual of the Ummah, he is not the symbol of the Ummah who holds an honorary position without any ruling powers, nor is he a symbol that rules and runs the country and people’s affairs as he pleases. He is a trustee (representative) of the Ummah in rule and in authority, the Ummah selects him and gives him the pledge of allegiance of her own choice to implement on her Allah’s Shari’ah. He is guided and restricted in his actions, ways of looking after the affairs of the Ummah and her interests by the Shari’ah. Besides there is no hereditary monarchy in Islam, it even abhors hereditary rule and forbids that the rule be taken by legacy. The rule is assumed by the Khaleefah only when the Ummah, willingly, gives him the pledge of allegiance.
Das Gerüst des islamischen Herrschaftssystems ist nicht republikanisch.
The framework of the Islamic ruling system is not republican
Das islamische Herrschaftssystem ist ebenfalls nicht republikanisch. Das republikanische System beruht auf dem demokratischen Regime, in dem die Oberhoheit beim Volk liegt. Das Volk hat das Recht zu herrschen und Gesetze zu erlassen; es behält sich das Recht vor, den Herrscher zu bestimmen und abzusetzen. Es behält sich das Recht vor, eine Verfassung zu verabschieden und neue Gesetze zu erlassen, Regeln abzuschaffen, zu ändern oder zu modifizieren. Das islamische Herrschaftssystem hingegen beruht auf der islamischen Aqida und auf den Gesetzen der Scharia. Die Oberhoheit liegt bei der Scharia Allahs und nicht beim Volk (Ummah). Die Ummah hat nicht das Recht, Gesetze zu erlassen, und auch der Khalifa hat dieses Recht nicht. Der alleinige Gesetzgeber ist Allah (SWT). Der Khalifa hat lediglich das Recht, die Regeln für die Verfassung und die Gesetze anzunehmen, die aus dem Buch Allahs (SWT) und der Sunnah Seines Gesandten abgeleitet sind. Die Ummah hat nicht das Recht, den Khalifa abzusetzen; was ihn absetzt, ist die Scharia. Die Ummah hat jedoch das Recht, ihn zu ernennen. Denn der Islam hat bestimmt, dass die Autorität ihr gehört und ebenso die Herrschaft, weshalb sie durch einen Khalifa vertreten wird, den sie auswählt und dem sie die Bay’ah gibt.
The Islamic ruling system is not republican either. The republican system is based on the democratic regime, where the supremacy is to the people. The people have the right to rule and legislate, they reserve the right to appoint the ruler and depose him. They reserve the right to adopt a constitution and enact new laws, to abolish, alter or modify the rules. Whereas the Islamic ruling system is based on the Islamic Aqeeda and on the Shari’ah laws. The supremacy is to the Shari’ah of Allah and not to people (Ummah), the Ummah has not the right to legislate, nor does the Khaleefah. The sole legislator is Allah (swt), the Khaleefah has only the right to adopt the rules for the constitution, and the laws that are derived from the Book of Allah (swt) and the Sunnah of His messenger. The Ummah does not have the right to remove the Khaleefah; what removes him is the Shari’ah; however the Ummah has the right to appoint him. For Islam has that the authority belongs to her and the rule belongs to her as well, so she is represented by a Khaleefah whom she selects and give the Bay’ah.
Im präsidialen Rahmen des republikanischen Systems übernimmt der Präsident der Republik die verbindlichen Befugnisse des Staatsoberhaupts und des Regierungschefs; er hat in seinem Kabinett keinen Premierminister, sondern Staatssekretäre, wie in den USA. Im parlamentarischen Rahmen hat der Präsident einen Premierminister, und die verbindlichen Regierungsbefugnisse liegen in den Händen des Ministerkabinetts und nicht beim Präsidenten der Republik, wie in Frankreich und Deutschland.
In the presidential framework of the republican system, the president of the republic takes up the mandatory powers of the head of state and the prime minister, he does not have in his cabinet a prime minister, but secretaries of state, like in the US. In the parliamentary framework, the president has a prime minister, and the mandatory ruling powers are in the hands of the ministerial cabinet not the president of the republic like in France and Germany.
Das Gerüst des islamischen Herrschaftssystems ist nicht imperial.
The framework of the Islamic ruling system is not imperial
Es ist auch kein Imperium, denn das imperiale Herrschaftssystem unterscheidet sich weit vom islamischen. Trotz der Unterschiede in der Abstammung werden die vom Islam beherrschten Regionen, obwohl sie von einer einzigen Verwaltung - im (Zentralamt) - regiert werden, nicht nach einem imperialen System regiert. Das imperiale System behandelt die Völker in den verschiedenen Regionen des Reiches nicht gleich. Die Zentralregion des Imperiums genießt stets gewisse Vorrechte in der Herrschaft, in den Finanzen und in der Wirtschaft. Die islamische Art des Regierens besteht darin, alle Untertanen in allen Regionen des Staates gleichzustellen. Der Islam gewährt den Nichtmuslimen, die die Staatsbürgerschaft besitzen, dieselben vollen Rechte, die die Muslime haben, und sie genießen auch dieselben Vorrechte. Darüber hinaus genießt jeder einzelne Bürger, unabhängig von seinem Glauben, bessere Rechte als in jedem anderen System, sogar besser als ein im Ausland lebender Muslim ohne Staatsbürgerschaft. Mit dieser Gleichheit unterscheidet sich das islamische System vollständig vom imperialen. Das islamische System macht die unter seiner Herrschaft stehenden Regionen weder zu Kolonien noch zu Ausbeutungsgebieten oder Quellen des Reichtums, der allein in die Zentralregion fließt. Vielmehr regiert und behandelt es alle Regionen gleich, denn der Islam betrachtet alle Regionen als eine einzige Einheit, egal wie weit sie voneinander entfernt liegen und wie viele verschiedene Völker dort leben. Jede einzelne Region gilt als Teil des Staates, und ihre Bürger genießen dieselben Rechte wie die in der Zentralregion. Der Islam macht die Herrschaftsgewalt, das System und seine Gesetzgebung in allen Regionen gleich.
It is neither imperial, since the imperial system of government is far from the Islamic one. Despite the differences of race, the regions ruled by Islam, although governed by a single administration - in (central office) - they are not ruled by an imperial system. The Imperial system does not treat the races equally in the various regions of the empire. The empires central region has always some privileges, in the rule, finance and economy. The Islamic way of ruling is to equate between all the subjects in all the regions of the state. Islam grants non-muslims who hold citizenship, the full rights that the Muslims have, they enjoy also the same privileges furthermore, every single citizen regardless of his or her creed enjoys better rights than in any other system, even better than a Muslim living abroad and holding no citizenship. With this equity, the Islamic system differs completely from the Imperial one. The Islamic system does not make the regions under its rule colonies, nor areas of exploitation, nor sources of wealth pouring into the central region alone, but rules and treats all regions the same, for Islam considers all regions to be one single entity, no matter how far apart they were, and no matter how many different races there are. Every single region is considered to be part of the state and its citizens enjoy the same rights as those in the central region. Islam makes the ruling authority, the system and its legislation the same in all the regions.
Das Herrschaftssystem im Islam ist kein föderales.
The ruling system in Islam is not a federal one
Das Herrschaftssystem im Islam ist nicht föderal. Seine Regionen haben Autonomie über ihre eigenen Angelegenheiten und genießen eine Art Selbstverwaltung, vereinen sich jedoch in der allgemeinen Herrschaft, einem System der Einheit, in dem Marrakesch im Westen als dasselbe betrachtet wird wie Chorasan im Osten; die Provinz Al-Fawwum wäre dasselbe wie Kairo, wenn es die islamische Hauptstadt wäre. Die Finanzierung und der Haushalt sind für alle Regionen ein und dasselbe. Das Geld wird gleichmäßig für die Angelegenheiten der Untertanen ausgegeben, unabhängig von der Wilayah. Wenn zum Beispiel die in einer Wilayah eingezogenen Steuern doppelt so hoch wären wie ihre Ausgaben, wird das Geld zur Deckung der Bedürfnisse dieser Wilayah ausgegeben, nicht entsprechend der Höhe der Steuern, die sie aufgebracht hat. Wenn die Steuern einer anderen Wilayah hinter ihren Ausgaben zurückbleiben, wird dies nicht berücksichtigt, sondern außer Acht gelassen, und das Geld wird aus dem allgemeinen Haushalt verwendet, um die Bedürfnisse der Wilayah zu befriedigen, unabhängig davon, ob sie genug Steuern eingenommen hat oder nicht.
The ruling system in Islam is not federal. Its regions have autonomy over their own affairs and enjoy some kind of self rule, but unite in the general rule, a system of unity, where Marrakesh in the West is considered to be the same as Khurasan in the East, the province of Al-Fawwoum would be the same of Cairo if it were the Islamic capital. The financing and the budget is one and the same for all the regions. Money is spent equally on the affairs of the subjects, regardless of the Wilayah. If for instance, the taxes collected in one Wilayah were double its expenditure, the money spent will be to cover the Wilayah’s needs but not according to how much tax it raised. If another Wilayah’s taxes fell short of its expenditure, this would not be considered, but dismissed and money will be spent to satisfy the Wilayah’s needs from the general budget whether it raised enough taxes or not.
Das islamische Herrschaftssystem ist daher ein Einheitsstaat und kein Bundesstaat. Deshalb unterscheidet es sich von anderen bekannten Systemen in seinen Ursprüngen und Grundlagen, auch wenn einige Aspekte anderen Systemen ähnlich sind. Aufgrund dessen, was wir bisher aufgeführt haben, kommen wir zu dem Schluss, dass das islamische System in seiner Herrschaft zentralisiert ist, wobei die oberste Autorität in der Zentrale angesiedelt ist und Autorität und Hegemonie jeden einzelnen Teil des Staates durchdringen, mag dieser auch noch so abgelegen sein. Die Unabhängigkeit irgendeines Teils davon ist nicht erlaubt, um sicherzustellen, dass der Staat nicht zerfällt. Die oberste Autorität ist das Organ, das die Heerführer, die Walis, Herrscher sowie die Beamten für Finanzen und Wirtschaft ernennt. Sie ernennt die Richter in allen Regionen und jene, deren Aufgabe das Regieren ist; sie ist die Initiatorin aller Regeln im ganzen Land.
Die Vision des Kalifats
The Vision of the Khilafah
Die verpflichtenden Befugnisse des Khalifen: Der Khalif ist der Staat. Ihm stehen alle verpflichtenden Befugnisse zu, die dem Staat übertragen sind, und diese sind: A - Er ist es, der die göttlichen Gesetze erlässt, die er für verbindlich erklärt. Sie werden dann zu Gesetzen, denen gehorcht werden muss, und ihre Verletzung wäre verboten.
The mandatory powers of the Khaleefah:- The Khaleefah is the state. He possesses full mandatory powers given to the state and they are:- A - It is he who makes the divine laws that he adopts binding. They would then become laws that have to be obeyed and their violation would be forbidden.
Er ist verantwortlich für die innere und äußere Politik des Staates; er ist der oberste Befehlshaber aller Streitkräfte und besitzt die vollen Befugnisse, Krieg zu erklären, Friedensverträge, Waffenstillstände und alle anderen Verträge abzuschließen.
B - He is responsible about the internal and foreign policies of the state; he is the high commander in chief of all the armed forces and he has full powers to declare war, hold peace treaties, truces and all other treaties.
C - Er hat die Befugnis, (ausländische) Gesandte anzunehmen oder abzulehnen, ebenso die Befugnis, muslimische Gesandte zu ernennen und abzuberufen.
C - He has the powers to accept (foreign) ambassador’s and to refuse them, as well as the power to appoint Muslim ambassadors and to remove them.
D - Es ist der Khalifah, der die Gehilfen und Walis ernennt und abberuft; sie alle sind ihm und dem Rat der Ummah gegenüber verantwortlich.
D - It is the Khaleefah who appoints and removes the assistants and Walis; they are all responsible before him and before the council of the Ummah.
E – Er ist es, der den obersten Richter (Qadhil-Qudhat) sowie die Bezirksverwalter, die Heerführer, die Generalstabschefs und die Oberbefehlshaber ernennt und absetzt; sie alle sind ihm verantwortlich und nicht dem Rat der Ummah.
E - It is he who appoints and removes the supreme judge (Qadhil-Qudhat), as well as district administrators, army commanders, chiefs of staff, and the commanders in chief; they are all (responsible) answerable to him and not to the Council of the Ummah.
F – Er ist es, der die göttlichen Gesetze annimmt, im Lichte derer der Haushalt des Staates aufgestellt wird, und er bestimmt die Einzelheiten des Haushalts sowie die Ausgaben jeder Behörde, die entsprechend ihren Bedürfnissen zugewiesen wird, sei es bei den Einnahmen oder den Ausgaben.
F - It is he who adopts the Divine laws, on the light of which the state’s budget is drafted, and he decides the details of the budget and the expenditure of each department which is allotted according to its needs, whether it is revenues or expenses.