3.1 Rettungspakete
3.1 Bailouts
Die britische Regierung verpflichtete sich, bis zu 50 Milliarden Pfund zur Verbesserung der Bilanzen angeschlagener Banken bereitzustellen, und zwar durch direkte Investitionen, einschließlich Vorzugsaktien. Das Rettungspaket umfasste außerdem 200 Milliarden Pfund an Notfallfinanzierung durch die Ausweitung des Special Liquidity Scheme, der es Banken ermöglicht, sich für „kurzfristige“ Liquiditätsbedürfnisse zu verschulden, sowie 250 Milliarden Pfund für staatlich garantierte Schuldtitel.
The UK government committed to pay up to £50 billion to improve the balance sheets of stricken banks, by way of direct investment including preference shares. The bailout package also included £200 billion to provide emergency funding via extension of the Special Liquidity Scheme which enables banks to borrow for “short term” liquidity needs and £250 billion for debt issuance backed by the government.
Die Notfall-Kapitalspritze für die Royal Bank of Scotland und die Halifax Bank of Scotland konnte nicht als Kapitalinvestition betrachtet werden, da die britische Regierung gar nicht über das Kapital verfügte, um es zu investieren. Infolgedessen wird das Geld ihren Kreditaufnahmen zugeschlagen. Zusammen mit der Verstaatlichung von Northern Rock und Bradford and Bingley hat die Regierung damit ihre goldene Regel gebrochen, nur über den gesamten Konjunkturzyklus hinweg zu Investitionszwecken und nicht zur Finanzierung laufender Ausgaben Kredite aufzunehmen.
The emergency injection of capital into the Royal Bank of Scotland and Halifax Bank of Scotland, could not be seen as an investment of capital because the UK government did not have the capital available to invest. Consequently the money will be added to their borrowings. When coupled with the nationalisation of Northern Rock and Bradford and Bingley the government has broken its golden rule of only borrowing to invest over the economic cycle and not for funding day to day spending needs.
Im Vergleich dazu verpflichteten sich die Vereinigten Staaten am 2. Oktober, 700 Milliarden Dollar für den Ankauf „giftiger" Vermögenswerte notleidender Finanzinstitute bereitzustellen, um Liquidität zu schaffen, bis sich die Vermögenspreise erholen. Dieser Plan wurde später dahingehend geändert, dass die US-Regierung auch Beteiligungen an der Rekapitalisierung einiger Institute übernahm.
In comparison the US on the 2nd of October committed to $700 billion to buy “toxic” assets of stricken financial organisations to provide liquidity until asset prices recover, a plan which was amended later to include the US government taking positions in the recapitalisation of some institutions.
Die Verwendung des emotional aufgeladenen Wortes „giftig“ ruft Bilder einer Katastrophe wie in Tschernobyl hervor, und das mag eine passende Analogie sein, doch ist dies nicht das einzige Bild, das mit „giftig“ verbunden wird. Es wäre schwierig, einem giftigen Gut einen positiven Wert oder Preis zuzuschreiben, es sei denn, man wollte damit jemanden verletzen. Die offensichtliche Begründung für das Rettungspaket lautet, dass die Einspeisung von Steuergeldern in das Wall-Street-Kasino zwar nicht fair sei, aber ein notwendiges Übel darstelle, das die „belasteten Vermögenswerte“ freisetzen und Liquidität an den Finanzmärkten schaffen werde, wodurch eine dringend benötigte neue Welle von Kreditvergabe, Kreditaufnahme und der nächste Wachstumszyklus ausgelöst würde. Gegen diesen Ansatz gibt es mehrere Probleme.
The use of the emotive word “toxic” conjures up images of some form of Chernobyl disaster, and whilst that may be an appropriate analogy, that’s not the only imagery associated with toxic. It would be difficult to find a positive value or price for something toxic, unless one was using it to injure someone. The apparent rationale for the bailout plan is that while the injection of tax payers' money into the Wall Street casino may not be fair, it is a necessary evil that will free up the “troubled assets” and create liquidity in the financial markets, thereby triggering a much-needed new wave of lending, borrowing and the next round of growth. There are several problems with this approach.
1. Die Unfähigkeit, Käufer für die „toxischen Anlagen“ zu finden (ein in sich widersprüchlicher Begriff), ist kein Liquiditätsproblem, sondern ein Preisproblem. Es gibt einen Markt für sie, nur ist der Marktpreis für Banken und Investmentfonds, die überleben wollen, nicht akzeptabel. Wenn der Markt sie als Ramsch bewertet, wer ist dann die Regierung, dass sie sie anders bewerten dürfte? Das offenbart das eigentliche Vertrauensproblem. Es ist ein Problem des fehlenden Glaubens und Vertrauens, und dieses rührt daher, dass es zu viel Ramsch bzw. aufgeblähte Vermögenswerte im Verhältnis zu realen Vermögenswerten gibt. Die Liquiditätskrise besteht nicht darin, dass keine Liquidität verfügbar wäre; vielmehr sind diejenigen, die über Liquidität verfügen, in einer ernsten Abschwungphase und angesichts überhöhter Vermögenspreise nicht bereit, auszugeben. Besitzer von Liquidität sind nicht willens, sie an Besitzer von Ramsch zu verleihen, insbesondere wenn diese möglicherweise scheitern.
1. The inability to find buyers for the “toxic assets” (such a contradiction in terms) is not a liquidity problem but a price problem. There is a market for them, but the problem is that the price in the market is unpalatable to banks and investment funds that want to survive. If the market prices them as junk, who is the government to price them otherwise? This betrays the real problem of confidence. The problem is one of a lack of faith and trust, and this is because of too much junk/overblown assets relative to real assets. The liquidity crisis is not that there is no liquidity available, simply that those with it will not spend in a serious downturn and with overblown asset prices. Owners of liquidity are not willing to lend it to owners of junk, particularly if they may fail.
2. Obwohl 700 Milliarden Dollar eine wirklich große Summe sind, reichen sie keineswegs aus. Sie machen nur einen Bruchteil der angehäuften faulen Kredite und der künftig wahrscheinlichen Verluste aus. Die Washington Post berichtete am 29. September, dass 20 der größten Finanzinstitute der USA Hypotheken und hypothekenbesicherte Wertpapiere im Umfang von 4,7 Billionen Dollar hielten (dazu kommen nicht erfasste CDOs). Auch die Verluste aus Credit Default Swaps (CDS) beginnen nun zu schmerzen, und auch dieser Markt ist unreguliert, unveröffentlicht und riesig. Inzwischen ist sehr fraglich, ob die verschiedenen Rettungspakete, Kredite und Garantien der US-amerikanischen, britischen und europäischen Regierungen jemals zurückgezahlt werden. Diese Beträge beliefen sich am 4. Dezember 2008 auf mehr als 10 Billionen Dollar.
2. Although $700 billion is a really large number, it is no way large enough. It is only a fraction of the accumulated bad debts and likely debts moving forward. The Washington Post reported on the 29th of September that 20 of the US’s largest financial institutions owned $4.7 trillion in mortgages and mortgage backed securities (with non recorded CDOs on top of that). CDS losses are also now beginning to hurt and this too is unregulated, unreported, and huge. It is now very questionable as to whether the assorted bailout, loans, and guarantees from the US/UK/European governments will ever be paid. Amounts which as of December 4, 2008 were in excess of $10 trillion.
3. Das eigentliche Grundproblem der Immobilienblase und der Subprime-Kredite wird nicht angegangen. Infolgedessen werden Millionen Menschen in den USA ihre Häuser verlieren und noch weiter in die Armut getrieben. Während die Regierung große Finanzinstitute rettet, die zuvor äußerst aggressiv Hypotheken verkauft haben, stehen Millionen Menschen vor dem Verlust von allem: ihrem Zuhause, ihrem Vermögen und ihrer Arbeit. In diesen Rettungspaketen ist nichts für die Opfer der Immobilienblase vorgesehen, und die Medien beeilen sich, ihnen die Schuld zuzuschieben, weil sie sich angeblich "übernommen" oder Hypotheken aufgenommen hätten, die sie sich nicht leisten konnten. Dennoch bleiben die aggressiven Verkaufspraktiken ungestraft. Warum werden die Opfer nicht gerettet, damit sie ein Dach über dem Kopf behalten können? Wenn die Regierungen dies täten, würden sie wenigstens echte Werte (Häuser) übernehmen.
3. The main underlying problem of the housing bubble and sub prime lending is not addressed. Consequently millions in the US will lose their homes and be driven even further into poverty. At the same time that the government is bailing out major financial institutions, following aggressive mortgage selling by those same institutions there are millions who will lose everything (their homes, wealth, and jobs). There is no provision in these bailouts for the victims of the housing bubble and the media is quick to point blame at them for “over-extending” or taking out mortgages they couldn’t afford. Yet the aggressive sales policies are not punished. Why are the victims not being bailed out to enable them to keep a roof over their heads? If the governments did this then they would at least be taking on real assets (houses).
4. Die Konjunkturpakete sind nur ein lästiger „Zusatz“. Die Autoindustrie bat um ein Rettungspaket in Höhe von 25 Milliarden Dollar, aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Flaute und des Niedergangs in ihrer eigenen Branche. Das Finanzrettungspaket wird gutes Geld (von den Steuerzahlern oder über eine aufgeblähte Geldmenge – das Drucken weiterer Dollar) in die Deckung der giftigen Verluste der Spekulanten fließen lassen. Dieses Geld wird in einem schwarzen Loch verschwinden, um die Verluste der Banken auszugleichen, und weder Hauseigentümern noch der breiten Öffentlichkeit helfen.
4. The economic stimulus packages are only an inconvenient “add-on”. The auto industry pleaded for a $25 billion bail out due to the overall economic malaise and decline in their own industry. The financial bailout will send good money (from the taxpayers, or via inflated money supply – printing of more dollars) to cover the toxic losses of the speculators. That money will fall into a black hole to cover their (bank’s) losses and will not help homeowners or the general public.
Die Bedenken über die Verschwendungssucht der Rettungspolitik der US-Regierung haben zugenommen. Die New York Times berichtete am 27. November, dass die Federal Reserve und das Finanzministerium am Dienstag, dem 25., neue Kreditprogramme in Höhe von 800 Milliarden Dollar angekündigt hätten und damit signalisierten, dass sie so viel Geld drucken würden, wie nötig sei, um das angeschlagene Bankensystem des Landes wiederzubeleben.
Concerns about the profligacy of the US government’s spendthrift bailout policies have accelerated. The NY Times reported on the 27th of November that with the Federal Reserve and the Treasury announcing a new $800 billion in lending programs on Tuesday the 25th, that they were sending a message that they would print as much money as needed to revive the nation’s crippled banking system.
„Im letzten Jahr hat die Regierung direkte und indirekte finanzielle Verpflichtungen in Höhe von rund 7,8 Billionen Dollar übernommen. Das entspricht etwa der Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung der Nation und übertrifft die 700 Milliarden Dollar bei Weitem, die der Kongress für das Rettungsprogramm des Finanzministeriums bewilligt hat.“ 1
“In the last year, the government has assumed about $7.8 trillion in direct and indirect financial obligations. That is equal to about half the size of the nation’s entire economy and far eclipses the $700 billion that Congress authorized for the Treasury’s financial rescue plan.” 1
Neben den staatlichen Rettungspaketen setzen notleidende Kreditgeber auch auf die Aussetzung der Bilanzierungsregel "Mark to Market" als Rettungsanker. Nach dieser Regel mussten Institute ihre Hypothekenaktiva zum zuletzt gehandelten Marktpreis bewerten. Inzwischen wurden jedoch Änderungen eingeführt, die der Financial Accounting Standards Board (FASB) auf Druck der großen Banken vorgenommen hat, um vorteilhaftere modellbasierte Bewertungen zu ermöglichen. Kreditgeber können nun so tun, als gäbe es die Verluste nicht, oder ihre Erfassung aufschieben, wodurch die Transparenz, nach der Anleger so dringend verlangen, auf gefährliche Weise verloren geht.
In addition to the government bailouts, distressed lenders are looking to the suspension of "mark to market" accounting rules as a means of salvation. These rules required institutions to value their mortgage assets according to the most recently traded price. However, changes recently implemented by the Financial Accounting Standards Board (FASB) under pressure from the large banks to allow more advantageous model based valuations have now been brought in. Lenders are now able to pretend that the losses do not exist, or defer accounting for them, thereby dangerously removing the transparency that investors so desperately need.
„Dadurch erhalten Unternehmen in vielen Fällen mehr Spielraum, Schätzungen und ihr eigenes Urteilsvermögen einzusetzen, wenn sie den Markt als „ungeordnet“ oder von Liquiditätsproblemen erfasst betrachten“ 2.
“It gives companies more leeway to employ estimates and their own judgment in many cases when they deem the market to be "disorderly" or seized by liquidity problems” 2.
Infolgedessen können die Banken nun überhöhte Werte für ihre Hypothekenaktiva ausweisen und behaupten, dass ihre Bilanzen gut kapitalisiert seien. Sie müssten keine zusätzlichen Mittel aufnehmen, um neue Kredite zu finanzieren. Doch wie ein Mensch ohne Schmerzempfinden einer ernsthaften Verletzung ausgesetzt ist, so geht diese Maßnahme mit dem Risiko einher, dass dieselben Finanzinstitute zu größeren Risiken verleitet werden. Letztlich wird dies wahrscheinlich zu größeren Verlusten führen, sodass sie versuchen könnten, sich durch riskante Spekulationen aus dem Problem herauszuspielen, ohne ihre tatsächliche wirtschaftliche Lage offenzulegen.
As a result the banks can now present inflated values for their mortgage assets, and that their balance sheets are well capitalized. They would not need to raise more capital in order to fund new loans. However, like the person with no sensitivity to pain runs the risk of serious injury, this move encourages the same financial institutions to take greater risks. In the end this will likely lead to more losses, allowing them to try to gamble their way out of the problem without reporting their true economic position.
1 U.S. Details $800 Billion Loan Plans, 25 November 2008, New York Times, http://www.nytimes.com/2008/11/26/business/economy/26fed.html?pagewanted=1&_r=2.
1 U.S. Details $800 Billion Loan Plans, 25 November 2008, New York Times, http://www.nytimes.com/2008/11/26/business/economy/26fed.html?pagewanted=1&_r=2.
2 SEC lockert Rechnungslegungsregel – BankBankBanks für die Krise verantwortlich, 30. September 2008, Washington Post, http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/09/30/AR2008093002298.html?hpid=topnews
2 SEC Loosens Accounting Rule BankBankBanks Blame for Crisis, 30 September 2008, Washington Post, http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/09/30/AR2008093002298.html?hpid=topnews