6.3 Widerlegung des westlichen Gesellschaftssystems
6.3 Refuting the Western Social System
Die Sicht auf Mann und Frau im Westen entstand aus der katholischen und protestantischen religiösen Vorstellung, die die Frau, nicht aber den Mann, als Ursprung der Sünde ansah. Die christliche Auffassung maß jedoch auch der Beziehung zwischen Mann und Frau großen Wert bei, die auf die Ehe beschränkt war. Die Ehe wurde geschätzt, um eine Familie zu gründen, die in der Gesellschaft eine erzieherische und moralische Rolle spielt. Als die Aufklärung im achtzehnten Jahrhundert n. Chr. die Gesellschaft mit ihrem modernen westlichen Denken prägte, übernahm die Gesellschaft den Säkularismus. Der Säkularismus trennte die Religion vom Leben und von jeder Beziehung zur Gesellschaft, während er neue Konzepte wie Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit durchsetzte. Der Säkularismus entwickelte eine neue Vorstellung von Mensch und Gesellschaft, die dem Christentum entgegengesetzt ist. Dennoch veränderte er die weltliche Sicht auf die Frau, die in der Gesellschaft sowohl in der theologischen als auch in der philosophischen Literatur vorherrschte, nicht. Stattdessen versuchten einige Philosophen, diese Sicht philosophisch und intellektuell zu rechtfertigen. Viele Philosophen des Liberalismus und der Aufklärung wie Hume, Hobbes, Locke, Kant, Rousseau und Montesquieu blieben skeptisch gegenüber der geistigen Fähigkeit der Frauen. Sie schlossen sich der Ansicht griechischer Philosophen an, die vertraten, dass der Mann von Natur aus geistig überlegen sei. So sagte der griechische Philosoph Aristoteles, wie in The Story of Philosophy von Will Durant erwähnt: „Die Frau verhält sich zum Mann wie der Sklave zum Herrn, der Handarbeiter zum Geistesarbeiter, der Barbar zum Griechen. Die Frau ist ein unvollendeter Mann, der auf einer niedrigeren Stufe der Entwicklungsleiter stehen geblieben ist.“
The view about man and woman in the West emerged from the Catholic and Protestant religious perception that viewed woman, but not man, as the origin of sin. However, the Christian view did also give great value to the relationship between the man and the woman, which was confined to marriage. Marriage was valued in order to form a family, that plays an educational and moral role in the society. When the Enlightenment movement dominated the society with its modern Western thinking in the eighteenth century CE, the society adopted secularism. Secularism separated religion from life and all relation with the society, whilst imposing new concepts such as freedom, equality and social justice. Secularism gave a new perception about man and society that is contrary to Christianity. Despite that, it did not change the worldly view about women that was prevalent in society, both in theological and philosophical literature. Instead, some philosophers attempted to justify the view philosophically and intellectually. Many philosophers of liberalism and Enlightenment such as Hume, Hobbes, Locke, Kant, Rousseau, and Montesquieu, remained skeptical about the mental faculty of women. They endorsed the view of Greek philosophers, who maintained that the male is, by nature, mentally superior to female. For instance, as mentioned in The Story of Philosophy by Will Durant, the Greek philosopher, Aristotle, said, “Woman is to man as the slave to the master, the manual to the mental worker, the barbarian to the Greek. Woman is an unfinished man, left standing on a lower step in the scale of development.”.
Nicht viele westliche Philosophen hatten in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts die Frage der Gleichberechtigung der Geschlechter aufgeworfen, mit Ausnahme einiger weniger, etwa John Stuart Mill in seinem Buch „The Subjection of Women“. Die westeuropäischen Gesetze wurden nach der demokratischen Revolution und der Säkularisierung der Gesellschaft von der bereits bestehenden Sichtweise beeinflusst. Die Säkularisierung brachte den Frauen keine neuen Rechte. Stattdessen wurden sie als minderwertig betrachtet. So bestimmte beispielsweise der Code Napoléon, auch Code civil der Franzosen genannt, der im Jahr 1804 erlassen wurde, in Artikel 217: „Eine Ehefrau kann, auch wenn sie nicht in Gütergemeinschaft lebt oder güterrechtlich getrennt ist, ohne die Zustimmung ihres Ehemannes bei der Handlung oder seine schriftliche Einwilligung weder etwas verschenken, verpfänden noch unentgeltlich oder entgeltlich erwerben.“ Viele Philosophen behaupteten, Frauen hielten sich von der Politik fern, weil sie von Natur aus nicht dafür geeignet seien. Politische Rechte wurden Frauen erst im zwanzigsten Jahrhundert n. Chr. zugestanden.
Not many Western philosophers had proposed the issue of gender equality in the second half of the nineteenth century, except for a few, such as John Stuart Mill in his book, The Subjection of Women. The Western European laws were influenced by the pre-existing view, after the democratic revolution and secularization of the society. Secularization did not give new rights to women. Instead, it deemed her inferior. For example, the Napoleonic Code, also called the Civil Code of the French, issued in 1804, stipulated in article 217, “A wife, although noncommunicant or separate in property, cannot give, pledge, or acquire by free or chargeable title, without the concurrence of her husband in the act, or his consent in writing.” Many of the philosophers asserted that women stayed away from politics, because they were not suitable for it by nature. Political rights were given to women only in the twentieth century CE.
Zum Beispiel gewährte Frankreich den Frauen das Wahlrecht im Jahr 1945, volle anderthalb Jahrhunderte nach der Französischen Revolution. Es war die Französische Revolution, die nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Vernunft rief und in Gestalt der Frau Marianne als bedeutendes republikanisches Symbol und nationale Ikone verkörpert wurde. Zusammengefasst hat die moderne Bewegung der Aufklärung die weltliche Sicht auf die Frau nicht verändert. Ihre sogenannte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Vernunft richteten sich im Grunde allein an die Männer und schlossen die Frauen aus. Ein Beleg dafür ist das Scheitern des Änderungsantrags, den John Stuart Mill zur zweiten Reformbill von 1867 einbrachte. Der Antrag wurde im britischen Unterhaus eingebracht, um in den Wahlgesetzen den Begriff „Mann“ durch den Begriff „Person“ zu ersetzen. Doch nur 73 Abgeordnete stimmten dafür, während eine Mehrheit von 194 Abgeordneten dagegen stimmte.
For example, France granted women the right to vote in 1945, a full century and a half after the French Revolution. It is the French Revolution that called for liberty, equality, fraternity and reason and was personified in the form of the woman, Marianne, as a significant republican symbol and national icon. In summary, the modern Enlightenment movement did not change the worldly view about women. Its so-called liberty, equality, fraternity and reason were all basically directed to men alone, excluding women. An evidence for this is the failure of the amendment proposed by John Stuart Mill to the Second Reform Bill of 1867. The amendment was tabled in the British House of Commons to change the term ‘man’ to the term ‘person,’ in election laws. However, only 73 members voted in favor, whilst a majority of 194 members voted against.
Obwohl die moderne westliche Aufklärungsbewegung die bestehende Auffassung über die jeweilige gesellschaftliche Stellung von Mann und Frau beibehielt, veränderte sie die Sicht auf die Beziehungen zwischen ihnen und deren Ergebnis. Der Säkularismus tat dies durch die Übernahme der Idee der Freiheit sowie durch seine Definition von Glück und Vergnügen. Er reduzierte die Vorstellung von den Beziehungen zwischen Mann und Frau auf eine sexuelle Beziehung. Im Widerspruch zur christlichen Kirche stellte er das Konzept von Ehre, Würde und Keuschheit infrage. Die christliche Kirche betrachtete das Streben nach Vergnügen als Sünde. Augustinus von Hippo (gest. 430) lehrte, dass Sexualität nur der Fortpflanzung dienen dürfe und dass vergnügungsorientierter oder lustbetonter Sex zu meiden sei. Diese Ansicht wurde fast tausend Jahre später von Thomas von Aquin (gest. 1274) wiederholt. Das Christentum betrachtete den Geschlechtsverkehr also als einen körperlichen, fleischlichen, satanischen Akt, der nur im Rahmen der Ehe erlaubt war, allein zum Zweck der Kindererzeugung, und auf eine einzige erlaubte Stellung und an bestimmten Tagen beschränkt.
Although the modern Western Enlightenment movement maintained the pre-existing view related to the respective statuses of men and women in society, it changed the view towards the relations between them and their outcome. Secularism did so through its adoption of the idea of freedom and its definition of happiness and pleasure. It reduced the view about the relations between male and female to a sexual relationship. It challenged the concept of honor, dignity and chastity, in contradiction to the Christian Church. The Christian Church considered seeking pleasure as sin. Augustine of Hippo (died 430) taught that sex was only to be used for procreation, and that recreational, or lustful, sex was to be avoided. This view which was echoed nearly a thousand years later by Thomas Aquinas (died 1274). So, Christianity considered sex as a physical, carnal, satanic act, which was allowed only within the framework of marriage, for the sake of childbearing alone and limited to a single permissible position, on particular days.
Im Gegensatz dazu wurde die Übernahme der modernen westlichen Sicht auf sexuelle Beziehungen durch das Aufkommen der Soziologie und der Psychologie unterstützt, die auf der Grundlage der säkularen intellektuellen Basis und der materialistischen Methodik gründeten. Daher minderte die moderne westliche Sicht die Bedeutung der Familie, obwohl sie sie nicht insgesamt abschaffte. Anschließend erweiterte und übertrieb sie die Rolle von Gesellschaft und Staat bei der Erziehung, wie etwa im Werk von Émile Durkheim deutlich wird. Die moderne westliche Sicht behauptete den Zusammenhang menschlichen Verhaltens mit sexuellen Motiven und warnte vor der Rolle der Unterdrückung für gesellschaftliche Produktivität und psychische Erkrankungen, während sie die sexuelle Befreiung förderte, wie es in den Werken von Sigmund Freud beispielhaft zum Ausdruck kommt. Der marxistische Sozialismus, der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts n. Chr. entstand, schritt in diese Richtung voran. Der marxistische Sozialismus verteidigte die sexuelle Befreiung und ihre Form sexueller Beziehungen und machte die Abschaffung der Ehe und der Familie zu einem der ausdrücklichen Ziele des Kommunismus. Er erörterte den Feminismus und vertrat die Auffassung, die Ehe sei eine Erscheinungsform des Privateigentums. In seinem Buch „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates“ behauptete Friedrich Engels, die Ehe sei die Unterwerfung eines Geschlechts unter das andere und stelle eine Form des Klassenkampfes innerhalb der Geschichte dar. Nach der marxistischen Sicht drängt die Ehe die Rolle der Frau in der Gesellschaft an den Rand und macht sie der wirtschaftlichen Vormachtstellung des Mannes untergeordnet, weshalb sie fortbesteht, während das Familiensystem eine kapitalistische Institution sei.
In contrast, the adoption of the modern Western view of sexual relationships was supported by the emergence of sociology and psychology, founded on the basis of the secular intellectual basis and materialist methodology. So the modern Western view diminished the importance of family, although it did not abolish it as a whole. It then expanded and exaggerated the role of society and state in upbringing, as manifest in the work of Emile Durkheim, for example. The modern Western view asserted the link of human behavior with sexual motives, warning of the role of repression in social productivity and mental illness, whilst promoting sexual liberation, as exemplified in the works of Sigmund Freud. Marxist socialism, that emerged in the mid of the nineteenth century CE, proceeded in this direction. Marxist socialism defended sexual liberation and its type of sexual relationships, making the abolition of marriage and family as one of the express objectives of communism. It discussed feminism and maintained that marriage is a manifestation of private property. In his book, The Origin of the Family, Private Property and the State, Friedrich Engels maintained that marriage is the submission of one gender to another and that it is a form of class struggle within history. According to the Marxist view, marriage marginalizes the role of a woman in the society, making her subservient to the economic supremacy of man, thereby persisting, whilst the family system is a capitalist institution.
Das neunzehnte Jahrhundert n. Chr. endete mit seinen ideologischen Konflikten, begleitet von daraus resultierenden politischen und wirtschaftlichen Reformen. Diese änderten jedoch nichts an der Lage der Frauen. Dann begrüßten die westlichen Gesellschaften das zwanzigste Jahrhundert n. Chr. vom Anfang bis zur Mitte, mit dem Ausbruch zweier Weltkriege, die die Frauen in den Bereich der Produktion und des Dienstes stürzten. Die westlichen Gesellschaften schufen dadurch eine neue Situation, die sie zwang, einige der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rechte der Frauen anzuerkennen. Diese neue Situation ebnete den Weg für die Verstärkung dessen, was man die feministische Bewegung nennt, in ihren Aktivitäten und ihrem Erheben von Forderungen. Darüber hinaus veränderte die Bewegung ihre Ziele und Strategien. Die sogenannte feministische Zweite Welle begann in den Sechzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts n. Chr. und richtete sich mit einer neuen, auf Genderismus ausgerichteten Vision gegen das gesamte, im Westen bestehende Gesellschaftssystem. Genderismus bedeutet die Beseitigung der Geschlechterdiskriminierung auf Grundlage der Zweiheit von Mann und Frau und umfasst Geschlechterstereotypisierung, Geschlechterrollen, Geschlechtsbestimmung und Geschlechterbewusstsein. Der Fokus der feministischen Zweiten Welle auf die Beseitigung der Geschlechterdiskriminierung wurde von den Philosophien des Liberalismus, der Freiheit, des Marxismus, des Existenzialismus und des postmodernen Dekonstruktivismus inspiriert. Die Bewegung wurde von Bewegungen zur sexuellen Befreiung und von Schwulenorganisationen unterstützt. So war das Ziel nicht mehr nur die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, sondern auch die Abschaffung jeglicher Diskriminierung zwischen den Geschlechtern. Nach Jahrzehnten wurde das Thema der Geschlechterdiskriminierung von internationalen Organisationen übernommen, darunter die Vereinten Nationen, die es 1979 in der Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) als Konzept aufnahmen. Danach wurde Geschlechterdiskriminierung in den Dokumenten der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung (ICPD) in Kairo, Ägypten, im Jahr 1994 als Begriff und Konzept festgeschrieben, gefolgt von der Weltfrauenkonferenz in Peking im Jahr 1995. Viele westliche Nationen haben die Sichtweise des Genderismus nach und nach ganz oder teilweise übernommen.
The nineteenth century CE ended with its ideological conflicts, accompanied by resultant political and economic reforms. However, these did not change the condition of women. Then Western societies welcomed the twentieth century CE, from its beginning to its middle, with the outbreak of two world wars that plunged women into the arena of production and service. Western societies thereby created a new situation that forced them to recognize some of the political, economic and social rights of women. This new situation paved way for the intensification of what is called the feminist movement in its activities and raising of demands. Moreover, the movement changed its objectives and strategies. What is called the second-wave of feminism began in the sixties of the twentieth century CE, targeting the entire social system pre-existing in the West with a new vision focused on genderism, which is eliminating gender discrimination based on male-female duality, encompassing gender stereotyping, gender roles, gender determination and gender awareness. Second-wave feminism’s focus on eliminating gender discrimination was inspired by the philosophies of liberalism, freedom, Marxism, existentialism and the post-modernist deconstructionism. The movement was supported by sexual liberation movements and gay organizations. Thus, the objective had become not just for the sake of equality between men and women, but also for the sake of abolition of all discrimination between genders. After decades, the subject of gender discrimination was adopted by the international organizations including the United Nations, which adopted it as a concept in the Convention on the Elimination of all Forms of Discrimination Against Women (CEDAW) of 1979. Then gender discrimination was stipulated as a term and concept in the documents of the International Conference on Population and Development (ICPD) in Cairo, Egypt, of 1994, followed by the World Conference on Women in Beijing in 1995. Many Western nations have gradually endorsed the view of genderism, as a whole or partially.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Westen hat seine Sicht auf Männer, Frauen und die Natur der Beziehungen zwischen ihnen im Laufe vieler Jahrzehnte infolge zahlreicher wirtschaftlicher, kultureller, politischer und sozialer Faktoren verändert. Man kann sagen, dass das moderne westliche Gesellschaftssystem jenes System ist, das das Zusammentreffen zweier Heterosexueller oder Homosexueller organisiert, also die Beziehung, die durch ihr Zusammentreffen zwischen ihnen entsteht, und alles, was daraus hervorgeht oder sich daraus ergibt. Es ist ein ungültiges System, das dem Verstand und der Fitra (der menschlichen Natur) widerspricht. Seine Ungültigkeit zeigt sich in den Grundlagen, auf denen es aufgebaut ist:
In summary, the West changed its view about men, women and the nature of relationships between them as a consequence of many factors pertaining to economic, cultural, political and social matters, that occurred over many decades. It can be said that the modern Western social system is the system that organizes the meeting of two heterosexuals or homosexuals, that means the relationship created between them by their meeting and what branches out or results from it. It is an invalid system contradicting the intellect and fitra (human nature). Its invalidity is evident in the foundations upon which it is built: