1.1 Der Kapitalismus: Eine historische Perspektive
1.1 Capitalism: A Historical Perspective
Der Kapitalismus bezeichnet in diesem Buch das System, das die wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten einer Gesellschaft auf der Grundlage kapitalistischer Theorien organisiert. Daher ist sogleich festzuhalten, dass das Scheitern des Kapitalismus nicht zwangsläufig das Scheitern und den Zusammenbruch der Gesellschaft oder des Staates bedeutet, der den Kapitalismus als Wirtschaftssystem übernimmt. Gesellschaften und Staaten können andere Systeme übernehmen und sich ohne Kapitalismus an eine neue Umgebung anpassen. Doch das Scheitern des Wirtschaftssystems wird großen Einfluss darauf haben, wie gut der Staat und die Gesellschaft ihre gewöhnlichen Funktionen erfüllen und die Bedürfnisse der Gesellschaft und der Einzelnen befriedigen können, bis ein neues System geschaffen und gefestigt ist.
Capitalism, in the context of this book, refers to the system which is responsible for organizing the economic and financial affairs of a society on the basis of theories of capitalism. As such, it should be immediately noted that the failure of capitalism does not necessarily mean the failure and collapse of the society or state which adopts capitalism as an economic system. Societies and states can adopt other systems and can adapt to a new environment without capitalism. However, the failure of the economic system will have a great impact on the ability of the state and the society to carry their normal functions and to satisfy the needs of the society and the individuals until a new system is created and stabilized.
Ein weiterer Punkt, den wir festhalten sollten, bevor wir fortfahren: Kapitalismus bedeutet für verschiedene Menschen Unterschiedliches. Verschiedene Definitionen und Charakterisierungen des Kapitalismus finden sich in zahlreichen Büchern und Nachschlagewerken. Die am weitesten akzeptierte Definition des Kapitalismus ist ein „auf Privateigentum beruhendes Wirtschaftssystem“. Im Merriam-Webster-Wörterbuch wird er als „ein Wirtschaftssystem definiert, das durch privates oder unternehmerisches Eigentum an Kapitalgütern, durch Investitionen, die durch private Entscheidungen bestimmt werden, und durch Preise, Produktion und Verteilung von Gütern gekennzeichnet ist, die hauptsächlich durch Wettbewerb auf einem freien Markt bestimmt werden“. Im allgemeineren Sinne bezeichnet Kapitalismus typischerweise ein System, in dem die Produktionsmittel privat kontrolliert werden; Arbeit, Waren und Kapital auf einem Markt gehandelt werden; Gewinne an die Eigentümer ausgeschüttet oder von den Investoren reinvestiert werden; und Löhne an die Arbeitenden gezahlt werden. Zu den Befürwortern und Verfechtern des Kapitalismus in diesem Sinne gehören Adam Smith, Francis Bacon, David Hume, David Ricardo, Max Weber, John Maynard Keynes, Milton Friedman und viele andere. Zu seinen Gegnern und Kritikern zählen Karl Marx, Friedrich Engels, Wladimir Lenin und viele andere.
Another issue to note before we proceed is that capitalism means different things to different people. Various definitions and characterization of capitalism can be found in numerous books and references. The most widely accepted definition of capitalism is an “economic system based on private ownership.” It is defined in the Merriam-Webster dictionary as “an economic system characterized by private or corporate ownership of capital goods, by investments that are determined by private decision and by prices, production, and the distribution of goods that are determined mainly by competition in a free market.” In the more general sense, capitalism typically refers to a system in which the means of production are privately controlled; labor, goods, and capital are traded in a market; profits are distributed to owners or reinvested by the investors; and wages are paid to labor. Proponents and advocates of capitalism in this capacity include Adam Smith, Francis Bacon, David Hume, David Ricardo, Max Weber, John Maynard Keynes, Milton Friedman, and many others. Opponents and critiques of capitalism include Karl Marx, Friedrich Engels, Vladimir Lenin, and many others.
Karl Marx glaubte, dass der Kapitalismus dazu bestimmt sei, als einer der evolutionären Zyklen einer Gesellschaft aufzusteigen, wie es die „Unausweichlichkeit des historischen Materialismus“32 vorschreibe. Nach derselben Theorie glaubte Marx auch, dass der Kapitalismus schließlich verfallen und verschwinden werde, und so den Weg für den Aufstieg des Sozialismus und Kommunismus freimachen werde. Diese Theorie fand vor dem Ende des zwanzigsten Jahrhunderts ein Ende, als der Sozialismus in der Sowjetunion zusammenbrach. Gestützt auf Marx' eigene Theorie der Entwicklung von Gesellschaften kam Francis Fukayama zu dem Schluss, dass der Endpunkt der ideologischen Entwicklung der Menschheit die liberale Demokratie (einschließlich des Kapitalismus) und nicht der Kommunismus sei33. Dieses von Fukayama festgestellte endgültige Ende erwies sich jedoch nur als ein weiches und vorübergehendes, als die Märkte zu kollabieren begannen, Banken scheiterten und „eine gewisse Vision des Kapitalismus zusammengebrochen ist“, um Fukayamas eigene Worte aus seinem Artikel „The Fall of America, Inc.“ zu verwenden.
Karl Marx believed that capitalism was destined to rise as one of the evolutionary cycles of a society as dictated by “historical materialism inevitability”32. Using the same theory, Marx also believed that capitalism will eventually decay and vanish, leaving the way for the rise of socialism and communism. This theory was put to an end before the end of the twentieth century when socialism collapsed in the Soviet Union. Relying on Marx’s own theory of the development of societies, Francis Fukayama concluded that the end point of mankind’s ideological evolution was liberal democracy (including capitalism) rather than communism33. However, this final end as detected by Fukayama turned out to be only a soft and temporary one when the markets began to collapse and banks began to fail and “a certain vision of capitalism has collapsed,” using Fukayama’s own words in his article “The Fall of America, Inc.” .
Adam Smiths Begründung für „das System der natürlichen Freiheit“ in „Der Wohlstand der Nationen“ (1776) gilt gemeinhin als Beginn der klassischen politischen Ökonomie des Kapitalismus. Smith entwickelte eine Reihe von Konzepten, die auch heute noch eng mit dem Kapitalismus verbunden sind. Er vertritt die Auffassung, dass das Streben des Einzelnen nach seinem eigenen Vorteil unbeabsichtigt ein kollektives Gut für die Gesellschaft hervorbringt. Zur Unterstützung des freien Unternehmertums kritisierte Smith Monopole, Zölle, Abgaben und andere staatlich erzwungene Beschränkungen und hielt den Markt für den gerechtesten und effizientesten Verteiler von Ressourcen. David Ricardo teilte in „Grundsätze der politischen Ökonomie und der Besteuerung“ (1817) Smiths Ansichten und entwickelte die Theorien des Kapitalismus weiter.
Adam Smith’s reasoning for “the system of natural liberty” in The Wealth of Nations (1776) is usually taken as the beginning of classical political capitalist economy. Smith devised a set of concepts that remain strongly associated with capitalism today. He argues that the pursuit of individual self-interest unintentionally produces a collective good for society. In support of free enterprise, Smith criticized monopolies, tariffs, duties, and other state-enforced restrictions and believed that the market is the most fair and efficient arbitrator of resources. David Ricardo, in “The Principles of Political Economy and Taxation” (1817), shared Smith’s views and further developed the theories of capitalism.
Das Aufkommen der Theorien des Kapitalismus Mitte des achtzehnten Jahrhunderts fiel zusammen mit zwei anderen Phänomenen, nämlich der „Trennung von Kirche und Staat“ und dem „Zeitalter der Aufklärung“, und ging diesen in gewisser Hinsicht sogar voraus. Die aus diesen Phänomenen hervorgegangenen Ideen hatten einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Kapitalismus als Mittel zur Organisation von finanziellen und wirtschaftlichen Transaktionen in der Gesellschaft. Tatsächlich lässt sich argumentieren, dass der Kapitalismus als eine natürliche Folge der Trennung von Kirche und Staat entstanden ist. Die Trennung von Kirche und Staat bewirkt, dass der Mensch von religiösen Lehren außerhalb des Bereichs der Kirche befreit wird. Diese Freiheit zeigt sich in vier Hauptbereichen, nämlich der Redefreiheit, der Eigentumsfreiheit, der Glaubensfreiheit und der persönlichen Freiheit. Die Redefreiheit definiert, once vollständig genutzt und entwickelt, das politische System einer Gesellschaft und führt zu verschiedenen Formen der Demokratie. Die Eigentumsfreiheit definiert, once vollständig genutzt und entwickelt, das wirtschaftliche System einer Gesellschaft und führt zu verschiedenen Formen des Kapitalismus. Die beiden übrigen Freiheiten definieren und prägen die individuellen Charaktere in der Gesellschaft und bringen verschiedene Formen von Religion, Bräuchen, Traditionen, Moral, Ethik und körperlicher Erscheinung hervor; once vollständig genutzt und entwickelt, bestimmen sie die Gestalt des Gesellschaftssystems. Das politische System der Demokratie, das wirtschaftliche System des Kapitalismus und das soziale System des Individualismus bilden zusammen mit der Idee der Trennung von Kirche und Staat die Struktur einer vollständigen und umfassenden Ideologie.
The rise of the theories of capitalism in the mid-eighteenth century coincided and in some ways was preceded by other phenomena, namely, “the separation of church and state” and the “era of Enlightenment.” Ideas derived from these phenomena had a great impact on the development of capitalism as a means of organizing the financial and economic transaction in the society. In fact, it can be argued that capitalism has emerged as one of the natural consequences of the separation of church and state. The separation between church and state dictates that man becomes free from the religious doctrines outside the scope of the church. This freedom manifests itself in four major areas, namely, the freedom of speech, the freedom of ownership, the freedom of worship, and the personal freedom. The freedom of speech, once fully utilized and developed, defines the political system of a society and leads to various forms of democracies. The freedom of ownership, once fully utilized and developed, defines the economic system of a society and leads to various forms of capitalism. The other two forms of freedom define and shape the individual characters in the society giving rise to various forms of religion, customs, traditions, morals, ethics, and physical outlook; once fully utilized and developed, they define the shape of the social system. The political system of democracy, the economic system of capitalism, and the social system of individualism, together with the idea of the separation of the church and state, forms the structure of a complete and comprehensive ideology.
Diese Ideologie wird wechselweise als die Ideologie der Demokratie oder des Kapitalismus bezeichnet. Beide Begriffe beziehen sich auf dieselbe Struktur. Die Befürworter der Ideologie verwenden den Namen „Demokratie“, wenn sie den Aspekt der politischen Freiheit der Ideologie betonen wollen. Um die jüngsten Kriege und Invasionen in Irak und Afghanistan zu rechtfertigen, betonten US-Politiker die Notwendigkeit, „Demokratie“ in diese Länder zu exportieren. Zusammen mit der Demokratie kommen selbstverständlich auch der Kapitalismus und der soziale Individualismus. Um die aktuelle Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft zu verstehen, verwendeten Wirtschaftswissenschaftler und Politiker den Namen „Kapitalismus“. Der Punkt ist, dass „Demokratie“ und „Kapitalismus“ dieselbe ideologische Struktur bezeichnen.
This ideology is interchangeably referred to as the ideology of Democracy or capitalism. Both refer to the same structure. The proponents of the ideology use the name “Democracy” when they want to emphasize the political freedom aspect of the ideology. In trying to justify the recent wars and invasions of Iraq and Afghanistan, US politicians emphasized the need to export “Democracy” to these nations. Of course, along with democracy go capitalism and the social individualism. In trying to understand the current financial crisis and their impact on the society, the economists and politicians used the name “capitalism.” The point is that “Democracy” and “capitalism” refer to the same ideological structure.
Diese Ideologie entstand ursprünglich, als die Kaiser und Könige Europas und Russlands die Religion als Mittel benutzten, um die Völker auszubeuten und ihnen Unrecht zuzufügen. Sie setzten den Klerus als Werkzeug für diese Ausbeutung ein. Das führte dazu, dass einige Philosophen und Denker die Religion vollständig ablehnten. Andere erkannten die Religion zwar an, forderten aber ihre Trennung von den alltäglichen Angelegenheiten der Menschen. Schließlich einigte sich die Meinung der Mehrheit der Philosophen und Denker auf eine Idee, nämlich die Trennung von Religion, Leben und Staat. Das war eine Kompromisslösung zwischen dem Klerus, der alles im Namen der Religion kontrollieren wollte, und den Philosophen und Denkern, die die Religion und die Autorität des Klerus verneinten. Folglich ist die Haupdoktrin, die der Ideologie des Kapitalismus/der Demokratie zugrunde liegt, die Trennung der Religion vom Leben. In einem Brief an die Danbury-Baptisten aus dem Jahr 1802 schrieb Thomas Jefferson, dass die amerikanische Verfassung eine Mauer der Trennung zwischen Kirche und Staat errichten solle.
This ideology originally emerged when the emperors and kings of Europe and Russia were using religion as a means to exploit the peoples and transgress against them. They used the clergy as an instrument for this exploitation. This led some philosophers and thinkers to deny religion completely. Others acknowledged religion but called for its separation from the people’s daily life affairs. Eventually, the opinion of the majority of the philosophers and thinkers settled on one idea, which is the separation of religion from life and state. That was a compromise solution between the clergy who sought to control everything in the name of religion and the philosophers and thinkers, who denied religion and the authority of the clergy. Consequently, the main doctrine, which underlines the ideology of capitalism/democracy, is the separation of religion from life. In a letter to the Danbury Baptists in 1802, Thomas Jefferson wrote that the American constitution should build a wall of separation between church and state36.
Das Verständnis der Auswirkungen der Trennung von Kirche (Religion) und Staat sowie der Lebensbereiche ist unerlässlich, wenn man die moralischen und ethischen Krisen erörtert, die hinter der gegenwärtigen Finanzkrise stehen. Sie hilft, den Hintergrund für Schlussfolgerungen wie die von Milton Friedman zu verstehen: „Die einzigen gemeinsamen Interessen, die Anteilseigner haben, sind die Maximierung des Gewinns“; „Jede Verpflichtung, andere soziale Verantwortung zu übernehmen als Geld zu verdienen, ist eine unrechtmäßige Steuer oder sogar Diebstahl“37. Die historische Entwicklung des Kapitalismus als eines Systems, das aus der Trennung von Kirche und Staat hervorgegangen ist, ermöglicht zudem, die Dynamik des Kapitalismus in Gesellschaften zu begreifen, in denen das Christentum nicht die dominierende Religion war.
Understanding the effect of the separation of church (religion) from state and the life affairs will be quite necessary when discussing the moral and ethic crises which stand behind the current financial crisis. It helps understanding the background for conclusions such as the one made by Milton Friedman: “The only common interests shareholders have is to maximize profits”; “Any commitment to fulfilling social responsibilities other than making money is an illegitimate tax, or even theft”37. The historic development of capitalism, as one that emerged from the separation of church and state, also allows one to understand the dynamics of capitalism in societies where Christianity was not the dominant religion.