1.5.1 Virtuelle Wirtschaft
1.5.1 Virtual Economy
Bevor ich die Aspekte der virtuellen Wirtschaft beschreibe, möchte ich ein Parallelkonzept aufzeigen, das in Computersystemen existiert. Analogien helfen dabei, den Umfang und die Bedeutung des Problems zu verstehen.
Before describing the aspects of the virtual economy, let me draw a parallel concept which exists in computer systems. Analogy helps understand the scope and the significance of the problem.
In den früheren Zeiten der Computersysteme waren Speicherbausteine sehr teuer, und ihre Kapazitäten waren verhältnismäßig klein. Zum Beispiel kostete 1 Megabyte Arbeitsspeicher (RAM) mehr als 10.000 $! Es war nahezu unmöglich, ein Computersystem mit etwa 100 Megabyte zu bauen (der Speicher hätte mehr als 1 Million $ gekostet). Die klugen Architekten von Computersystemen erfanden daraufhin das Konzept des virtuellen Speichers. Die Idee bestand darin, die Illusion zu erzeugen, dass der Speicher virtuell groß sei (etwa 100 Gigabyte). Diese Illusion wird durch die Nutzung des relativ günstigen und großen Speicherplatzes der Festplatte ermöglicht.
In the earlier days of computer systems, memory devices were very expensive and their sizes were relatively small. For example, 1 megabyte of memory (RAM) cost more than $10,000! It was almost impossible to build a computer system with say 100 megabytes (memory would cost more than $1 million). The smart architects of computer systems invented the notion of virtual memory. The idea was to create the illusion that the memory was virtually large (say 100 gigabytes). The illusion is made possible by using the relatively inexpensive and large storage provided by hard disk space.
Das Konzept des virtuellen Speichers beruht auf der Annahme, dass Benutzerprogramme nicht die ganze Zeit im teuren realen Hauptspeicher liegen müssen. Ein kleiner Teil des Programms befindet sich im Hauptspeicher, während der Rest des Programms und seine Daten auf dem günstigen, aber großen Festplattenspeicher liegen. Mit der Zeit werden Teile des Programms und der Daten zwischen Speicher und Festplatte hin- und hergetauscht. Der Benutzer bemerkt niemals, dass der Speicher zu klein ist, um sein Programm zu fassen. Für den Benutzer hat der Speicher eine virtuell große Kapazität. Er ist zufrieden und kann größere Programme mit viel kleinerem realen Speicher ausführen; es ist eine Illusion, aber eine schöne. Natürlich kann das Computersystem abstürzen, wenn ein gieriges Programm mehr realen Speicher zu nutzen beginnt, als das System tatsächlich hat. Dieses Phänomen ist unter Computerarchitekten als Thrashing bekannt, und sie sind sich dessen wohl bewusst und haben verschiedene Wege entwickelt, damit umzugehen oder es ganz zu verhindern. Wo ist nun die Analogie im Wirtschaftssystem?
The concept of virtual memory works under the assumption that user programs do not need to reside in the main (expensive) real memory all the time. A small portion of the program will reside in main memory, while the rest of the program and its data reside on the cheap but large disk space. Over time, pieces of the program and data will be swapped back and forth between the memory and the disk. The user will never know that the memory is too small to hold her program. For the user, the memory has a virtually large size. She is happy and can execute larger programs using much smaller real memory; it is an illusion, but a nice one. Of course the computer system may crash when a greedy program begins to use more real memory than the system actually has. This concept is known for computer architects as thrashing and they are well aware of it and have come up with different ways to cope with it or prevent it altogether. Now, where is the analogy in the economic system?
Die einfachste finanzökonomische Analogie zum Konzept des virtuellen Speichers ist das Kreditkartensystem. Nehmen wir eine Familie mit einem monatlichen Einkommen von 3.000 Dollar. Die Familie zahlt 2.500 Dollar als Mindestbetrag auf ihren Schuldenstand, der sich einschließlich der Zahlungen für ein Haus, zwei Autos und Weihnachtseinkäufe auf 360.000 Dollar belaufen könnte. Der tatsächliche reale Wohlstand der Familie beträgt 36.000 Dollar im Jahr (in der Computer-Analogie 36 Megabyte); über zehn Jahre sind das 360.000 Dollar (vergleichbar mit 360 Megabyte virtuellem Speicher). Anstatt den realen Wohlstand von 36.000 Dollar im Jahr zu nutzen, verwendet die Familie den erweiterten (virtuellen) Wohlstand von zehn Jahren (360.000 Dollar). In Wirklichkeit existieren die 360.000 Dollar zu dem Zeitpunkt, an dem die Familie beginnt, dieses große virtuelle Geld zu nutzen, nicht.
The simplest financial economic analogy to the virtual memory concept is the credit card system. Take the example of a family with a monthly income of $3,000. The family pays $2,500 as a minimum payment on their debt balance, which could be $360,000 including the payments on a house, two cars, and holiday shopping. The actual real wealth of the family is $36,000 a year (36 megabytes in computer analogy); this amounts to $360,000 over ten years (similar to 360 megabytes of virtual storage). Instead of using the real wealth of $36,000 a year, the family uses the extended (virtual) wealth of ten years ($360,000). In reality, the $360,000 does not exist at the time when the family begins to use this large virtual money.
Die Bank, die von der Federal Reserve unterstützt wird, springt ein und stellt die große Summe bereit in der Erwartung, dass dieses Geld im Laufe der Zeit tatsächlich erwirtschaftet wird. Wenn alles gut läuft, verdient die Familie weiterhin 3.000 Dollar im Monat und leistet weiterhin ihre Mindestzahlungen; dann verläuft alles reibungslos, und der Unterschied zwischen dem, was virtuell, und dem, was real ist, kommt nicht an die Oberfläche und verursacht kein Problem. Die Familie lebt weiterhin glücklich in der Illusion von 360.000 Dollar virtuellem Vermögen.
The bank supported by the Federal Reserve steps in and allocates the large amount of money in anticipation that this money will actually be generated over time. If all goes well, the family continues to earn $3,000 a month and continues to pay their minimum payments; then everything goes smooth and the difference between what is virtual and what is real will not surface to cause any problem. The family continues to happily live with the illusion of $360,000 virtual wealth.
Doch wenn etwas schiefgeht, etwa die Entlassung des erwerbstätigen Familienmitglieds, was nicht selten vorkommt, oder eine schwere gesundheitliche Erkrankung eintritt, die mehr Geld verschlingt, als die Versicherung zahlt, und dadurch weitere Schulden für die Gesundheitsversorgung entstehen, oder aus einem anderen Grund, dann kommt es zum Thrashing. Die virtuelle Kapazität der Familie verdampft, und die mit virtuellem Speicher erworbenen Vermögenswerte können ebenfalls verschwinden. Tatsächlich kann der Zusammenbruch des virtuellen Vermögens der Familie auch das absolute reale Vermögen der Familie beeinträchtigen, etwa ein durch Erbschaft erworbenes Grundstück! Diese Art von Szenario tritt ständig auf, und wir alle kennen viele Beispiele aus dem wirklichen Leben. Ein herausragendes Beispiel, über das in den Medien berichtet wurde, ist der Fall des Milliardärs Donald Trump. Er ist es gewohnt, Projekte in Milliardenhöhe zu leiten, und wenn er die Forderungen der Gläubiger nicht erfüllen kann, meldet er Insolvenz an.
But when something goes wrong, such as a layoff of the working member of the family, which is not uncommon, or a serious health condition occurs and consumes more money than what the insurance company pays resulting on more healthcare debt, or any other reason, then thrashing will take place. The virtual capacity of the family evaporates, and the assets acquired with virtual memory may also vanish. In fact, the collapse of the virtual wealth of the family may affect the absolute real wealth of the family, such as a land owned through inheritance! This type of scenario occurs all the time, and we all know many real-life examples. One outstanding example, which was reported in the media, is the case of the billionaire Donald Trump. He is used to running projects sizing in billions of dollars, and when he fails to meet the demands of the creditors, he files for bankruptcy135.
Abbildung 22 zeigt das Wachstum des virtuellen Vermögens (proportional zur Verschuldung), während das reale Vermögen (proportional zum Einkommen) über mehr als dreizehn Jahre nahezu unverändert blieb. Beachten Sie, dass die wohnungsbezogene Verschuldung pro Familie von 120.000 $ auf 183.000 $ gestiegen ist, während das entsprechende Einkommen im selben Zeitraum unverändert blieb.
Figure 22 shows the growth of the virtual wealth (proportional to the debt), while the real wealth (proportional to income) remained almost steady for more than thirteen years. Note how the home-related debt has increased from $120,000 to $183,000 per family while the corresponding income remained unchanged over the same period.
Auf der größeren Ebene der Wirtschaft, wo Konzerne, Fabriken und alle Arten von Unternehmen zusammenwirken und funktionieren, ähnelt das Konzept des virtuellen Reichtums den oben genannten Beispielen, ist jedoch in viel größerem Maßstab angelegt. Im Laufe der Jahre wurde die virtuelle Wirtschaft unter dem Kapitalismus zum dominantesten Teil der Wirtschaft, der die reale Wirtschaft nahezu vollständig verdeckt hat. Tatsächlich ist die virtuelle Wirtschaft so bedeutend geworden, dass die politische Führung vor der Möglichkeit warnt, die Wirtschaft von den virtuellen Werten wieder auf ihre realeren Werte herunterzudrücken.
At the larger scale of the economy, where corporations, factories, and all types of enterprises interact and function, the concept of virtual wealth is similar to the examples above but much larger in scale. Over the years, the virtual economy under capitalism became the most dominant part of the economy which has almost totally masked the real economy. In fact, the virtual economy has become so prominent that the political leadership warns against the possibility of pushing the economy down from the virtual values to its more real values.
In einer Erklärung, die Fed-Chef Bernanke am 3. April 2008 vor einem Kongressausschuss abgab, sagte er 99,
In a statement made to a congressional committee on April 3, 2008, the Fed Reserve chief Bernanke said99,
Hätte man Bear Stearns scheitern lassen, wäre es zu einer chaotischen Auflösung der Bear-Stearns-Investments gekommen, die von Privatpersonen und anderen Finanzinstituten gehalten wurden. Zudem wären die nachteiligen Folgen eines Zahlungsausfalls nicht auf das Finanzsystem beschränkt geblieben, sondern hätten sich über Effekte auf Vermögenswerte und die Kreditverfügbarkeit breit in der Realwirtschaft bemerkbar gemacht.
If Bear Stearns had been allowed to fail, it would have led to a chaotic unwinding of Bear Stearns investments held by individuals and other financial institutions. Moreover, the adverse impact of a default would not have been confined to the financial system but would have been felt broadly in the real economy through its effects on asset values and credit availability.
Beachten Sie, wie Bernanke auf den Schutz der Realwirtschaft als das Ziel anspielt, das zur Rettung von Bear Stearns vor dem Zusammenbruch angeführt wurde.
Note how Bernanke alludes to the protection of the real economy as the objective cited for protecting Bear Stearns from failing.

In einem am 11. Oktober 2008 im Newsweek veröffentlichten Artikel schreibt Daniel Gross: „Schon 2002 notierte die Aktie von Apple weit unter dem Betrag der Barmittel in den Büchern des Unternehmens, wodurch seinen Marken und Produkten ein Wert von null zugeschrieben wurde, verglichen mit mehreren Milliarden auf dem Höhepunkt des Booms.“ Beachten Sie, wie die Aussage auf das Bestehen zweier Sichtweisen der Wirtschaft verweist: eine reale Wirtschaft, die sich im Betrag der Barmittel in den Unternehmensbüchern widerspiegelt, und eine aufgeblähte, überzogene Sicht, die sich in den aktuellen Aktienkursen des Marktes zeigt. In diesem Fall lag der virtuelle Wert unter dem realen Wert.
In an article published by the Newsweek, October 11, 2008, Daniel Gross writes100, “Back in 2002, Apple’s stock was trading far below the level of cash on its books, ascribing a value of zero to its brands and products, compared with several billion at the height of the boom.” Note how the statement refers to the existence of two views of the economy: a real economy which is reflected by the level of cache on corporate books and an inflated, exaggerated view which is reflected in the current stock values of the market; in this case the virtual value was observed to be below the real value.
Die virtuelle Wirtschaft (VE) steht in engem Zusammenhang mit dem Scheitern des finanzkapitalistischen Systems, das heute zu beobachten ist. Die VE lässt die Wirtschaft weit größer erscheinen, als sie tatsächlich ist. Wie beim virtuellen Speicher von Computern beruht die virtuelle Wirtschaft auf der Annahme, dass nicht auf das reale Geld zugegriffen wird, und daher ist es möglich, mit einem angenommenen größeren (virtuellen) Wert des Geldes zu arbeiten.
Virtual economy (VE) is strongly related to the failure of the financial capitalist system as being witnessed today. VE allows the economy to appear much larger than its real size. As in the case of virtual memory computers, virtual economy is based on the assumption that the real money will not be tapped into, and therefore, it is possible to deal with an assumed larger (virtual) value for the money.
Denken Sie daran, dass eines der Hauptprinzipien des Kapitalismus mit der Definition des Wertes von Produkten zusammenhängt. Der Produktwert im Kapitalismus ist ein Maß für den relativen Nutzen eines bestimmten Produkts oder seinen relativen Tauschwert im Vergleich zum Nutzen anderer Dinge; wenn der Tauschwert in Relation zum Geld steht, wird der Wert als Preis bezeichnet. Daher erlaubt die Grundlage des Kapitalismus die Existenz eines virtuellen relativen Wertes für Produkte anstelle eines realen Wertes, auf den sich die Menschen stets beziehen können. Infolgedessen ist es in der Marktwirtschaft möglich, dass der Wert eines bestimmten Marktsegments, etwa Öl, innerhalb kurzer Zeit zwischen zwei Extremen schwankt. Die Wertdefinition im Kapitalismus erlaubt es, dass diese Schwankung je nach den gegenwärtigen Umständen eintritt. Wirtschaftliche, politische und soziale Bedingungen wirken als Auslöser, die die Werte verschiedener Produkte und Marktsegmente schwanken lassen und Turbulenzen erzeugen, die letztlich einen totalen Zusammenbruch herbeiführen können.
Aktienmärkte und die virtuelle Wirtschaft
Stock Markets and the Virtual Economy
Die Börsenaktivitäten zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts brachten ein neues Phänomen in der Wirtschaft hervor: Der mit Aktienwerten verbundene Reichtum wuchs weitaus schneller als der mit der realen Wirtschaft verbundene Reichtum. Als die Börse in New York im Oktober 1929 zusammenbrach, führten Ökonomen den Crash auf die große Diskrepanz zwischen den aufgeblähten Aktienwerten und den Werten der realen Vermögenswerte der Wirtschaft zurück. Obwohl sich Ökonomen über die Ursache des Börsenkrachs von 1929 bis 1932 nicht einig sein mögen, räumen sie alle ein, dass die Kurse der Versorgerwerte („utility stocks“) zu hoch getrieben wurden.
The stock market activities at the start of the twentieth century created a new phenomenon in the economy, where the wealth associated with stock values grew at much higher rate than the wealth associated with the real economy. When the stock market collapsed in New York in October 1929, the economists attributed the crash to the great difference between the inflated values of stocks and the values of the real assets of the economy. Although economists may not agree on the cause of the 1929-1932 stock market crash, they all admit that the utility stocks prices drove up too high.
Die Zeitschrift The Economist bestand am 2. November 1929 darauf, dass die Aktienkurse zu hoch seien, und schrieb134: „Es gibt Grund zu der Hoffnung, dass die Entleerung des übertriebenen Ballons der amerikanischen Aktienwerte der Welt zum Guten gereichen wird.“ Mit anderen Worten: Die Aktienwerte waren stark aufgebläht. Um dieses Thema weiter auszuführen: Es wurde festgestellt, dass die Aktienwerte am Finanzmarkt im Zeitraum zwischen 1925 und 1929 um 120 % stiegen, während das Wirtschaftswachstum im selben Zeitraum 17 % nicht überschritt (durchschnittlich 3,5 % pro Jahr). Als der Markt 1932 schließlich zusammenbrach, verlor er über 90 % seines Wertes. Der Markt kehrte zu seinem realen Wert zurück, der offensichtlich weit unter dem lag, was der Aktienmarkt anzeigte (101, 134).
The Economist magazine insisted on November 2, 1929, that the stock prices were too high and wrote134, “There is warrant for hoping that the deflation of the exaggerated balloon of American stock values will be for the good of the world.” In other words, the stock values were highly inflated. To elaborate further on this issue, it was found that the stock values in the financial market increased during the period between 1925 and 1929 by 120%, while the economic growth for the same period has not exceeded 17% (an average of 3.5% per year). In 1932, when the market finally collapsed, it lost over 90% of its value. The market returned to its real value which was obviously much lower than what the stock market indicated (101, 134).
Präsident Herbert Hoover stimmte zu, dass die Kurse an der Börse außerordentlich hoch seien und dass sie nichts als eine spekulative Blase seien, verursacht durch die Fehler des Federal Reserve Board. Hoover erklärte: „Eine dieser Wolken war eine amerikanische Welle des Optimismus, geboren aus dem anhaltenden Fortschritt über das Jahrzehnt, den das Federal Reserve Board in die Börsenblase von der Art der Mississippi-Blase verwandelte“102. So war die allgemeine Ansicht, dass die Aktienkurse zu hoch seien.

Als Beispiel sei angenommen, dass der reale Wert eines Unternehmens 10 % seines gesamten virtuellen Werts entspricht; das ist in der Welt der virtuellen Wirtschaft keine Seltenheit. Praktisch kann nur höchstens 10 % des gesamten virtuellen Kapitals, das durch den Aktienkurs des Unternehmens gegeben ist, in echtes Geld umgewandelt werden; der Rest ist gleich null. Wenn die Eigentümer der Unternehmensanteile (bzw. Aktionäre) bemerken, dass ein großer Investor beginnt, seine Besitztümer zu verkaufen (um sie in echtes Geld umzuwandeln), breitet sich unter den Aktionären eine Panik aus; sie eilen, ihre Besitztümer zu verkaufen, in der Hoffnung, noch etwas echtes Geld zu sichern, bevor ihre Aktien an Wert verlieren. Dann kommt es zu einem Zusammenbruch, der den virtuellen Wert des Unternehmens auf seinen realistischeren Grundwert herabdrückt.
As an example, assume that the real value of some company is equivalent to 10% of its total virtual value; this is not uncommon in the realm of virtual economy world. Practically, the amount that can be turned into real money can be no more than 10% of the total virtual capital given by the stock value of the company; the rest is equal to none. When the owners of the company shares (or stockholders) notice that a major investor begins to sell his possessions (to convert them to real money), a panic among shareholders begin to propagate; they rush to sell their possessions hoping to cache in some real money before their stocks lose value. Then a collapse takes place and brings down the virtual value of the company to its more realistic basic value.
Lassen Sie uns das Beispiel gründlicher durcharbeiten, mit einfacher Analyse und Rechnung, damit die Leser nicht verwirrt werden (Abbildung 23). Angenommen, es gibt in einem Unternehmen eintausend Aktien. Jede Aktie sei außerdem 100 $ wert. Der virtuelle Aktienwert des Unternehmens beträgt also 100.000 $. Der Einfachheit halber nehmen wir an, dass der reale Wert des Unternehmens auf Grundlage seiner Vermögenswerte und seiner Produktion 10.000 $ beträgt. Mit anderen Worten: Der reale Wert des Unternehmens entspricht 10 % seines virtuellen Wertes. Nun nehmen wir an, ein großer Investor verkauft fünfzig Aktien zu je 100 $ und kassiert 5.000 $. Wenn die übrigen Anteilseigner ihre Aktien ebenfalls verkaufen, in der Hoffnung, echtes Geld vom Unternehmen zu erhalten, können sie bestenfalls nicht mehr als 5.000 $ erhalten, nämlich den verbleibenden Teil des realen Unternehmenswertes. Das ergibt 5.000/950, also ungefähr 5,25 $ pro Aktie. Wenn nun eine weitere Person schneller handelt als die übrigen und fünfzig Aktien etwa zu je 50 $ verkauft und 2.500 $ kassiert, dann muss sich die übrige Menge die verbleibenden neunhundert Aktien für höchstens 2.500 $ teilen, also 2,75 $ pro Aktie, wenn alle Aktien auf einmal verkauft werden. Angenommen, weitere zweihundert Aktien werden zu je 10 $ gehandelt, was 2.000 $ ergibt. Vom Unternehmenswert bleiben dann 500 $, verteilt auf siebenhundert Aktien. Der Aktienkurs dieses Unternehmens sinkt damit auf 0,71 $. Wenn schließlich alle 10.000 $ aufgebraucht sind, fällt der Wert der Aktie auf null. Die verbleibenden Aktien verlieren ihren Wert vollständig.
Banken, Wucher und die virtuelle Wirtschaft
Banks, Usury, and the Virtual Economy
Wucher ist die zweite bedeutende Ursache für die Entstehung virtuellen Reichtums, durch den die Wirtschaft viel größer erscheint, als ihr realer Wert es rechtfertigt. Wucher wird im Merriam-Webster-Wörterbuch definiert als „die Ausleihe von Geld gegen eine Zinsgebühr für dessen Nutzung“; dieser Begriff stammt vom mittellateinischen usuria, was Zins bedeutet. Die Bedeutung von Wucher wurde dahingehend verändert, dass damit der über einen vorgegebenen Satz hinausgehende Zinssatz bezeichnet wird. Diese Änderung erfolgte, um die Erhebung von Zinsen auf Geld zu legitimieren. In der islamischen Kultur und Religion wird das Wort Wucher dem Wort riba gleichgesetzt. Riba leitet sich vom Wort für Zunahme ab. Angewandt auf den Begriff des Wuchers bedeutet es die Vermehrung von Geld auf Kosten des Geldes anderer Menschen. Diese Definition beruht auf dem Koranvers:
Usury is the second major cause for the creation of virtual wealth which causes the economy to appear much larger in size than its real value. Usury is defined in Merriam-Webster dictionary as “the lending of money with an interest charge for its use”; this comes from the Medieval Latin usuria, which means interest. A modification was made to the meaning of usury to indicate the interest rate charged above a predetermined rate. This modification was made in order to legitimize the charging of interest on money. In the Islamic culture and religion, the word usury is mapped to the word riba. Riba comes from the word increase. When applied to the concept of usury, it means the increase of money at the expense of the money of other people. This definition is based on the Quranic verse:
Das [Zins/Wucher – Riba], was ihr hingebt, um damit den Zuwachs am Vermögen der Menschen zu vermehren, wird bei Allah keine Vermehrung finden. (Quran 30:39)
That [usury-riba] which you lay out for increase through the money of other people will have no increase with Allah. (Quran 30:39)
Wucher, oder der Zinssatz, wie er am häufigsten genannt wird, ist ein Eckpfeiler der Finanzpolitik im Kapitalismus. Die Federal Reserve nutzt ihn, um Schwankungen von Markt und Wirtschaft auszugleichen. In einer Rezession senkt die Federal Reserve Bank den Zinssatz (Wucherwert), um die Kreditaufnahme anzuregen und die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen zu steigern. Umgekehrt erhöht sie den Wucherwert, um die Inflation während übermäßigen Wirtschaftswachstums einzudämmen. Entscheidend ist hier zu verstehen, dass der Wucher in der kapitalistischen politischen Ökonomie eines der wichtigsten Instrumente zur Steuerung der Konjunkturschwankungen ist. Vielleicht das einzigartigste Merkmal der kapitalistischen Wirtschaft überhaupt ist der weit verbreitete Einsatz von Finanzinstitutionen, die Darlehen an Einzelpersonen, Unternehmen, Institutionen und sogar an Regierungen selbst vergeben.

Die Menge und die Rate des Geldes, das in Richtung der Investoren und Kunden fließt, wird mit Sicherheit geringer sein als die Menge und die Rate des Geldes, das in Richtung der Banken fließt. Mit der Zeit häufen die Banken mehr Reichtum an als der Gesamtreichtum, den der Markt entweder durch Kredite der Banken oder durch die Produktion von Waren und Dienstleistungen ansammelt. Der Unterschied zwischen dem von den Banken angehäuften Reichtum und dem vom Markt getragenen Reichtum liefert einen weiteren Grund für die duale Sicht auf die Wirtschaft: die reale und die virtuelle. Um dieses Phänomen weiter zu veranschaulichen, betrachten wir die folgenden zwei Fälle.
The amount and rate of money which flows in the direction of investors and customers will certainly be less than the amount and rate of money which flows in the direction of the banks. Over time, the banks accumulate more wealth than the total wealth collected by the market either through loans from the banks or through production of goods and services. The difference between the wealth accumulated by the banks and the wealth sustained by the market provides another reason for the dual views of the economy: the real and the virtual. To further illustrate this phenomenon, consider the following two cases.
Betrachten wir den Kreditfall, in dem die Bank einem Investor einen Kredit gewährt. Nehmen wir an, die Bank hat einen Kredit über 100 Millionen US-Dollar mit 5 % Riba für ein Jahr gewährt. Nehmen wir außerdem an, dass die Inflation in diesem Zeitraum 2 % betrug; der tatsächliche Wert des Zinssatzes beträgt nach der Inflationsbereinigung 3 %. Angenommen, der Investor, der das Geld geliehen hat, konnte es einsetzen, um Güter und Dienstleistungen zu produzieren, und erzielte am Ende der Kreditlaufzeit einen Gewinn von 2 %. Nun beträgt die Gesamtsumme, die an die Bank zurückzuzahlen ist, 103 Millionen US-Dollar, während das real verfügbare Geld aus dem Kredit, der Investition und dem Gewinn 102 Millionen US-Dollar beträgt. Das bedeutet, dass sich auf dem Bankkonto 1 Million US-Dollar befinden, denen vor Ort kein realer Wert entspricht. Dieser Überschuss ist der Riba; er stellt das reine Wachstum des Geldes dar, das keinem Wachstum in der Wirtschaft entspricht. Die Wirtschaft wuchs um 2 Millionen US-Dollar, das Geld um 3 Millionen US-Dollar. Nur 2 Millionen US-Dollar des Geldwachstums entsprechen einem realen Wohlstandswachstum. Dies ist es, worauf der Koran mit dem Wachstum von Geld auf Kosten des Geldes anderer Menschen verweist: „Was ihr an Riba gebt, um es beim Vermögen der Menschen zu vermehren, wird bei Allah nicht zunehmen" (Koran 30:39).
Consider the loan case, where the bank provides a loan for an investor. Let’s assume that the bank provided a loan of $100 million with 5% usury for one year. Let’s assume also that the inflation during this period was 2%; the actual value of the interest rate becomes 3% after inflation adjustment. Assume further that the investor who borrowed the money was able to use the borrowed money to produce goods and services and generate 2% profit at the end of the loan period. Now the total amount of money to be paid back to the bank is $103 million, while the real available money due to the loan, investment, and profit is $102 million. This means that there is $1million in the bank account which does not correspond to any real value on the ground. This surplus is the usury; it represents the pure growth of money which does not correspond to any growth in the economy. The economy grew by $2 million; the money grew by $3 million. Only $2 million of the money growth corresponds to economic real wealth growth. This is what the Quran refers to as money growth at the expense of other people’s money: “That [usury-riba] which you lay out for increase through the money of other people will have no increase with Allah” (Quran 30:39).

Abbildung 25 zeigt, wie die Federal Reserve Bank Geld auf ihr eigenes Konto pumpt, ohne Rücksicht auf das wirtschaftliche Wachstum vor Ort[107]. Die Daten zeigen, dass sich die Geldreserven zwischen 1994 und 2008 mehr als vervierfachten; die gesamte Bargeldwährung und Reserven verdoppelten sich in weniger als vier Monaten nach dem Zusammenbruch der Lehman Brothers Bank. Die Währungsreserven stiegen von 850 Milliarden US-Dollar am 10. September 2008 auf 1.702 Milliarden US-Dollar am 31. Dezember 2008. Es versteht sich von selbst, dass die Wirtschaft in diesem Zeitraum (112 Tage) nicht um 200 % hätte wachsen können.
Figure 25 shows how the Federal Reserve Bank pumps money into its own account without consideration to the economic growth on the ground107. The data shows how the money reserves multiplied more than four times between 1994 and 2008; the total cache currency and reserves doubled in less than four months after the collapse of the Lehman Brothers Bank. The currency reserves rose from $850 billion on September 10, 2008, to $1,702 billion on December 31, 2008. It is needless to say that during this period (112 days), the economy could not have grown 200%.
Die Praxis der Federal Reserve trägt zur Explosion des virtuellen Reichtums bei, anstatt sich darum zu bemühen, ihn zu kontrollieren. Anstatt das Wachstum des virtuellen Reichtums auf Kosten des Wachstums der Realwirtschaft einzudämmen, verschärft die Fed dieses Phänomen noch.
The practice of the Federal Reserve contributes to the explosion of virtual wealth instead of working to control it. Instead of containing the phenomenon of virtual wealth growth at the expense of real economy growth, the Fed aggravates it.
Weltweit ist die Höhe der zinstragenden Schulden von Staaten und Regierungen erschreckend. Die Gesamtsumme der Schulden von sechzig Ländern überstieg Ende 2008 65 Billionen US-Dollar112. Die auf diese Schulden gezahlten Zinsen übersteigen jährlich 3 Billionen US-Dollar; allein diese Zinsen sind mehr als der Geldbetrag, der benötigt würde, um die Welt aus der tiefen Rezession zu holen, in die sie gestürzt wurde.
Worldwide, the interest baring debt of states and governments is shocking. The total amount of debts for sixty countries exceeded $65 trillion at the end of 2008112. The interest paid on this debt exceeds $3 trillion a year; this interest alone is more than the amount of money required to pull the world out of the deep recession it plunged in.
Auf globaler Ebene übernehmen der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank (WB) eine ähnliche Rolle wie die Federal Reserve in den Vereinigten Staaten. Der IWF und die WB gewähren nahezu jedem Land der Welt verzinste Kredite; sie knüpfen an die Kredite für viele Empfänger Bedingungen, die das reale Wirtschaftswachstum jedes Landes sowie die Währungsreserven und Währungswerte beeinflussen. Die Auslandsschulden der fünfundzwanzig ärmsten Länder beim IWF erreichten Ende 2008 129,3 Milliarden US-Dollar.
Gold-/Silberstandard und die virtuelle Wirtschaft
Gold/Silver Standard and the Virtual Economy
Der Goldstandard bzw. Silberstandard bezeichnet das Währungssystem, bei dem die Währung eines Landes durch ein Edelmetall wie Gold und/oder Silber gedeckt ist. Wenn die Währung, etwa der Dollar, durch Gold oder Silber gedeckt ist, wäre es nahezu unmöglich, die Finanzen des Landes auf so hohe Werte anwachsen zu lassen, ohne dass das Land die Gefahr eingeht, seine Gold- oder Silberreserven zu erschöpfen. Die virtuelle Wirtschaft, die im heutigen Kapitalismus gedeiht, hätte nicht Wirklichkeit werden können, wenn die Hauptwährung (z. B. der US-Dollar) weiterhin an den Goldstandard gebunden geblieben wäre.
Gold/silver standard refers to the monetary system where the currency of a nation is backed by a precious metal such as the gold and/or silver. When the currency such as the dollar is backed by gold or silver, it would be almost impossible to grow the finances of the country to such high limits where the country risks the depletion of its gold or silver reserves. The virtual economy, which thrives in the world of capitalism today, could not have become a reality, if main currency (e.g. US dollar) remained linked to the gold standard.
Bis zum Ersten Weltkrieg galt Gold als Währungsstandard aller großen Handelsnationen der Welt. Jedes Land band seine Währung an Gold zu einem konstanten und unveränderlichen Kurs. Unter dem Goldstandard erlebten die internationalen Währungssysteme eine beispiellose Phase der Stabilität und des Wohlstands. Im Kern sorgte der Goldstandard für eine monetäre Disziplin. Die Menge an Geld, die ein Land drucken konnte, war durch die Goldmenge in seinen Reserven begrenzt, denn die Länder konnten verpflichtet werden, ihr Geld in Gold umzutauschen. Die Wechselkurse zwischen den Währungen verschiedener Nationen blieben im klassischen Goldsystem ziemlich konstant.
Until World War I, gold ruled as the monetary standard of all the major trading countries in the world. Each country pegged its currency to gold at a constant and unchanging rate. Under the gold standard, the international monetary systems enjoyed a period of unprecedented stability and prosperity. In essence, the gold standard provided monetary discipline. The amount of currency a country could print was limited by the amount of gold in their reserves, because countries could have faced the requirement to convert their money to gold. Exchange rates between currencies of different nations remain fairly constant in the classical gold system.
Die Ära des Goldstandards wurde im Ersten Weltkrieg abrupt unterbrochen. Die kriegführenden Länder beschlossen, Geld zu drucken, ohne es durch Gold zu decken, um die extrem hohen Kosten des Krieges zu finanzieren. Eine enorme Menge an Geld wurde ohne solide Deckung in die Märkte gepumpt, was zu hoher Inflation führte. Diese Situation hielt während des gesamten Krieges und darüber hinaus an. Deutschland musste im Rahmen eines Reparationsplans 132 Milliarden Mark zurückzahlen und war verpflichtet, diesen Betrag durch Gold zu decken. Offensichtlich konnte Deutschland diese Anforderung nicht erfüllen; Deutschland konnte sein Gold nicht ausgeben, um Kriegsverbrechen zu bezahlen. Die europäischen Verbündeten hatten zu viel Geld von den Vereinigten Staaten geliehen, die die Rückzahlung ihrer Kredite forderten. Die Unfähigkeit Deutschlands, den Reparationsplan der Nachkriegszeit einzuhalten, und das Versagen der alliierten Länder, ihre Kreditverpflichtungen gegenüber den Vereinigten Staaten zu erfüllen, bildeten einen Vorwand für den Zweiten Weltkrieg.

Die Wahl lag bei den US-amerikanischen Finanzpolitikern zwischen zwei Wirtschaftsformen. Auf der einen Seite stand eine reale Wirtschaft, gestützt auf goldgedeckte Währungen, die langsam, aber sicher wächst. Auf der anderen Seite stand eine virtuelle Wirtschaft, gekennzeichnet durch reine Papier- (und später digitale) Währungen ohne jede Deckung durch ein Edelmetall, weder Gold noch Silber. Die virtuelle Wirtschaft ermöglichte eine praktisch große Liquidität, ermöglichte ein beispielloses Wachstum des Wohlstands, ermöglichte eine unvergleichliche Überlegenheit gegenüber dem sozialistischen Lager der Sowjetunion und ermöglichte die Erhaltung der US-Goldreserven. So verlockend diese Option auch sein mochte, wurde sie zum ersten Stein im Grab der kapitalistischen Wirtschaft.
The choice was in the hands of US financial policy makers between two forms of economy. A real economy backed by gold-based currencies, which grows slowly but surely. Or a virtual economy characterized by pure-paper (and later digital) currencies without any backup from any precious metal, gold or silver. The virtual economy option allows for a virtually large liquidity, allows for an unprecedented wealth growth, allows unparalleled superiority over the Soviet Socialists camp, and allows the preservation of the US gold reserves. As attractive as this option could be, it became the first brick in the grave of the capitalist economy.
Der Kalte Krieg und der erbitterte Kampf gegen den sowjetischen Sozialismus boten für diese Option das geeignete Umfeld, um zu gedeihen, und sie bildeten den Schild, der die politischen Entscheidungsträger daran hinderte, die Gefahren einer solchen Option sorgfältig abzuwägen. Die Gier der Finanzinstitute, die für die Bereitstellung der Liquidität verantwortlich waren, insbesondere des Konsortiums der US-Notenbank Federal Reserve, trieb diese Option mit großem Eifer und großer Begierde voran. Damit wurde der Weg für die Aufhebung des Bretton-Woods-Abkommens geebnet.
The cold war and the fierce struggle with the Soviet socialism provided the suitable environment for this option to flourish and provided the shield which prevented policy makers from carefully evaluating the dangers of such option. The greed of the financial institutions which were responsible for providing the liquidity, in particular the US Federal Reserve Consortium pushed this option forward with great avidity and eagerness. The path was thus paved for the revocation of Bretton Woods Act.
Die Krise der Konvertibilität von Dollar in Gold zeigte sich deutlich an der Höhe der Dollarbestände, die in den Zentralbanken Europas lagen. Bis 1966 hielten die europäischen Zentralbanken mehr als 14 Milliarden Dollar. Die Vereinigten Staaten verfügten jedoch nur über Goldreserven in Höhe von 13,2 Milliarden Dollar, von denen 10 Milliarden Dollar für den Bedarf des US-Binnenmarktes benötigt wurden. Hätten Regierungen und ausländische Zentralbanken auch nur ein Viertel ihrer Bestände auf einmal eingelöst, so hätten die Vereinigten Staaten ihren Verpflichtungen nicht nachkommen können. Der relativ niedrige Goldpreis von 35 Dollar pro Unze, wie er durch das Bretton-Woods-System festgelegt war, verleitete Spekulanten, Goldhändler und vermögende Akteure dazu, Gold zu kaufen und zu horten, wodurch sich die Abnahme der Goldbestände auf den Weltmärkten beschleunigte.

Zum ersten Mal in der Geschichte wurde Gold offiziell zu einer bloßen Ware, deren Preis den Regeln und Gesetzen des Marktes unterliegt. Abbildung 26 zeigt den Anstieg der Goldpreise und ihre Schwankungen auf Grundlage der London Spot Gold Prices117. Die Goldpreise blieben bis 1972 nahezu stabil, als die Vereinigten Staaten den Goldstandard aufgaben. Nach der Finanzkrise von 2008 überstieg der Goldpreis 1.200 US-Dollar pro Unze.
For the first time in history, the gold officially became just a commodity, whose price is subject to market rules and regulations. Figure 26 shows the rise of gold prices and their fluctuation based on the London Spot Gold Prices117. The gold prices remained almost stable until 1972 when the United States relinquished the gold standard. After the financial crisis in 2008, the price of gold exceeded $1,200 per ounce.
Seit dem Zusammenbruch von Bretton Woods im Jahr 1971 und dem Ende des Goldstandards hat sich der Dollar zur standardmäßigen internationalen Reservewährung entwickelt. In den zwanzig Jahren vor 1970 stiegen die internationalen Dollarreserven nur um etwa 55 % an, das entspricht 2,7 % pro Jahr. Zwischen 1971 und 2001, mit der Einführung des Dollars anstelle des Goldstandards, sind die Reserven um über 2.000 % gewachsen, also um mehr als 66 % pro Jahr118. Abbildung 27 zeigt das Wachstum des Weltvermögens seit 1972. Ein solches Wachstum wäre unter dem Goldstandard nicht möglich gewesen. Als sich jedoch die Vereinigten Staaten vom Abkommen von Bretton Woods abwandten und die Verbindung zwischen dem Dollar und dem Gold lösten, befreiten sie den Dollar von der Fessel des Goldes und entfesselten sein Potenzial für virtuelles Wachstum.
Since the breakdown of Bretton Woods in 1971 and the end of the gold standard, the dollar has become the default international reserve currency. The twenty years prior to 1970, international dollar reserves increased only about 55%, at a rate of 2.7% a year. Between 1971 and 2001, with the adoption of the dollar instead of gold standard, reserves have increased over 2,000%, at a rate of more than 66% a year118. Figure 27 shows the growth of the world wealth since 1972. Such growth could not have been possible under the gold standard. But when United States turned against Bretton Woods Agreement and broke the link between the dollar and the gold, it freed the dollar from the rein of the gold and unleashed its potential for virtual growth.
Nach dem Ende des Bretton-Woods-Abkommens konnte das Gold die Wachstumsrate der auf dem Dollar basierenden Wirtschaft nicht mehr begrenzen; dennoch gab es eine weitere Leine, die den Dollar davon abhielt, in exponentiellen Raten in die Höhe zu schnellen, wie in Abbildung 27 vermerkt. Diese Leine bestand aus einer Reihe von Vorschriften und Beschränkungen, die nach der großen Depression von 1929 gegen Finanzinstitute erlassen wurden. Die Beschränkungen wurden in den 1930er Jahren von politischen Führern eingeführt, um einer künftigen Depression vorzubeugen. Im Kern beschränkten die Beschränkungen die Fähigkeit der Finanzinstitute, ihren Reichtum zu vermehren, indem sie immer mehr Kredite vergaben und immer mehr Zinsen auf diese Kredite erwirtschafteten. Nach den Vorschriften mussten Kreditnehmer beim Aufnehmen eines Darlehens zur Finanzierung eines Hauskaufs einen erheblichen Betrag als Anzahlung leisten. Dadurch fiel der verzinsliche Teil des Darlehens relativ kleiner aus.