3.1 Unbegründete Furcht
3.1 Unfounded Fear
Der Einsturz des gewaltigen Welthandelszentrums an der Wall Street und der Zusammenbruch der gewaltigen Finanzinstitute der Wall Street werfen auf spektakuläre Weise zwei Bilder des Islam auf: ein Bild, das Furcht verbreitet und Bedrohung in sich trägt, und ein Bild, das vor Leben und Wohlstand strahlt. Die terroristischen Anschläge, die am 11.9.2001 das Welthandelszentrum zerstörten, haben es sehr schwer gemacht, die wahre islamische Sicht auf die Welt darzustellen. Trotz der wiederholten Aufrufe von Politikern, Philosophen und Denkern, zwischen dem Islam als Religion und jenen, die die Anschläge verübt haben, zu unterscheiden, war die Verzerrung des Islambildes erheblich. Sieben Jahre nach der Verschärfung des Krieges gegen den Terror brach der Finanzmarkt der Wall Street zusammen, doch diesmal waren die Terroristen Ökonomen, sie kamen aus dem System selbst und waren keine Muslime. Infolgedessen steht die Öffentlichkeit vor zwei Sichtweisen und zwei Bildern: Das eine zeigt den Islam als Bedrohung, das andere als Gewinn. Dieser Teil des Buches befasst sich mit diesem Dilemma. Es ist nicht die Absicht dieses Teils, das Thema Terrorismus ausführlich zu erörtern; dies wird in einer anderen Veröffentlichung behandelt werden. Es wird nur innerhalb der Grenzen und des Umfangs dieses Buches besprochen.
The collapse of the Wall Street’s giant world trade center and the collapse of Wall Street’s giant financial institutions spectacularly raise two images of Islam: An image that spreads fear and carries threat; and an image that shines with life and prosperity. The terrorist attacks which demolished the world trade center on 9/11/2001 have made it very difficult to portray the true Islamic view of the world. Despite the repeated calls by politicians, philosophers, and thinkers to distinguish between Islam as a religion and those who carry the attacks, the distortion of the image of Islam was quite significant. Seven years after heightening the war on terrorism, wall street financial market collapsed, but this time the terrorists were economists and were from within the system, and were not Muslims. As a result, the public is stuck with two views and two images; one portrays Islam as a threat and the other one as a benefit. This part of the book addresses this dilemma. It is not the intention of this part to discuss the issue of terrorism at length; this will be dealt with in another publication. It will only be discussed within the limits and the scope of this book.
Wenn das Thema Terrorismus breit diskutiert wird, ziehen viele Menschen weiterhin eine klare Grenze zwischen dem Islam als einer weltweiten Religion und den Taten des Terrorismus. Mit dieser Unterscheidung und Klarheit dürfte es keine ernsthafte Furcht vor dem wachsenden Einfluss des Islams geben. Diese Sichtweise wurde jedoch nicht von dem ehemaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld geteilt. In einem seiner Kommentare stellte er den Aufstieg des islamischen politischen Systems als Bedrohung für den Westen im Allgemeinen dar, wie in einem Artikel der New York Times vom 12. Dezember 2005 unter dem Titel „21st-century Warnings of a Threat Rooted in 7th Century“ berichtet wurde.158 In diesem Artikel zeigt Bumiller, wie zahlreiche hochrangige Politiker den Islam als Bedrohung für die westliche Zivilisation und die Demokratie betrachten. Wayne Kopping nutzte 2006 das Thema Radikalismus, Fundamentalismus und Terrorismus und produzierte den Film „Obsession – The Threat of Radical Islam“.159 Ziel des Films war es, vor den angeblichen Gefahren des radikalen Islams zu warnen.
When the issue of terrorism is widely debated, many people continue to draw a hard line between Islam as a global religion and the acts of terrorism. With this type of distinction and clarity, there should not be a serious fear from the rising trend of Islam. This view, however, was not the case with the former Defense secretary, Donald Rumsfeld. In one of his comments, he portrayed the rise of the Islamic political system as a threat to the west in general, as reported in an article published by The New York Times on December 12, 2005, under the title “21st-century Warnings of a Threat Rooted in 7th Century.”158 In this article, Bumiller shows how score of high level politicians view Islam as a threat to western civilization and democracy. Capitalizing on the issue of radicalism, fundamentalism, and terrorism, Wayne Kopping produced in 2006 the film “Obsession—The Threat of Radical Islam.”159 The purpose of the movie was to warn against the threats presumably posed by radical Islam.
Der Krieg gegen den Terrorismus sowie die unzähligen Medienangebote, Blogs, Webseiten, Radio-Talkshows und Publikationen haben dazu beigetragen, was in Europa und den USA sowohl auf öffentlicher als auch auf offizieller Ebene einer „Islamophobie“ gleichkommt. In Frankreich wurde eine Resolution verabschiedet, die das Tragen islamischer Kopfbedeckungen durch muslimische Frauen an öffentlichen Schulen untersagt. Mehrere europäische Länder erwogen ein Gesetz gegen das Tragen des Schleiers durch muslimische Frauen. Die Vereinigten Staaten verabschiedeten mehrere sicherheitsbezogene Gesetze, darunter Profiling, Spionage, Telefonabhörmaßnahmen, den Patriot Act und weitere Gesetze, die alle indirekt mit Muslimen in Zusammenhang stehen.
The war against terrorism and the myriad of media outlets, blogs, web pages, radio talk shows, and publication have helped create what amounts to an “Islamophobia” at the public as well as the official levels in Europe and the USA. In France, a resolution was passed against wearing Islamic head dress by Muslim women in public schools. Several European countries contemplated a law against Muslim women wearing the veil. The United States adopted several security related laws including profiling, spying, wire tapping, patriot law, and other laws, all of which have been indirectly related to Muslims.
Der Punkt ist, dass ein erheblicher Teil von Furcht die Atmosphäre rund um den Islam und seine mögliche Entfaltung überschattet hat. Mit diesem Phänomen umzugehen ist keine einfache Aufgabe, besonders wenn sich herausstellt, dass die Täter einiger der schlimmsten Anschläge Muslime sind. Terrorismus als solcher ist ein abscheuliches Verbrechen; er kann auf keine Weise geduldet, akzeptiert oder gerechtfertigt werden. Das sei gesagt. Ebenso muss klar sein, dass der Islam als Religion und als umfassende Ideologie nicht die Ursache oder der Grund für Terrorismus ist. Im Gegenteil: Der Islam kann als umfassendes System eine entscheidende Rolle dabei spielen, den Terrorismus und das Umfeld, das Terrorismus hervorbringt, zu beseitigen.
The point here is that a significant element of fear has clouded the atmosphere of Islam and its potential rise. Dealing with this phenomenon is not a simple task, especially when the identities of people who carry some of the worst attacks are revealed and found to be Muslims. Terrorism as such is a horrible crime; it cannot be condoned or accepted or justified in any way. This is said; it must also be clear that Islam as a religion and a comprehensive ideology is not the cause or reason behind terrorism. On the contrary, Islam, in its capacity as a comprehensive system, can play a decisive role in eliminating terrorism and the environment which breeds terrorism.
Das Argument dieses Buches zieht sich durch das ganze Werk: Der Islam als Ideologie funktioniert als ein Gesamtsystem. Damit der Islam die erwarteten Ergebnisse hervorbringt, muss er auf mehr als einer Ebene umgesetzt werden. Selbst die Wirtschafts- und Finanzsysteme, die von verschiedenen Seiten weltweit große Anerkennung gefunden haben, können Stabilität und Wohlstand nicht gewährleisten, sofern sie nicht mit den sozialen, politischen und ethischen Bestandteil der Ideologie verbunden werden. Dass der Islam als umfassendes System in der islamischen Welt nicht gelebt oder umgesetzt wird, erschwert es, das gesellschaftliche Verhalten weltweit dem Islam zuzuschreiben, sei es im Bereich des Krieges oder des Friedens. Es ist kein Zufall, dass der Islam in den ersten dreizehn Jahren seines anfänglichen Aufstiegs einen großen Teil seiner Gesetzgebung, Regeln und Vorschriften ausgelassen hat. Tatsächlich wurden alle Regeln, die unmittelbar mit der Organisation der Gesellschaft und dem gesellschaftlichen Verhalten zusammenhängen, in den letzten zehn Jahren des Lebens des Propheten ﷺ offenbart, als ein Staat für den Islam geschaffen wurde.
The argument throughout this book has been that Islam as an ideology functions as a whole system. For Islam to produce the expected outcome, it needs to be implemented at more than one level. Even the economic and financial systems, which have received a great approval from several parties around the world, are not expected to provide the stability and prosperity unless coupled with the social, political, and ethical components of the ideology. The fact that Islam as a comprehensive system is not practiced or implemented in the Islamic world, makes it difficult to attach global societal behavior to Islam, whether in the fields of war or peace. It is not a coincident that Islam for the first thirteen years of its initial rise left out a great part of its legislation, rules, and regulations. In fact, all of the rules which are directly related to the organization of society and societal behavior were revealed during the last ten years of the life of the Prophet when a state for Islam was created.
Mit Ausnahme der Riten und der persönlichen Aspekte des Islam wurden die praktischen Aspekte des islamischen Staates im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts und des ersten Jahrzehnts des einundzwanzigsten Jahrhunderts abgelöst. Infolgedessen wurde die Zivilisation des Islam, die über die vorangegangenen dreizehnhundert Jahre geblüht hatte, durch eine Mischung aus verschiedenen Zivilisationen ersetzt. Seit der Abschaffung des Kalifats 1924 in Istanbul prägten verschiedene Formen des Nationalismus, verbunden mit Spielarten des Kapitalismus und des Sozialismus, die Welt des Islam. Die Vorherrschaft dieser Zivilisationen spiegelte sich in vielen Lebensbereichen wider, darunter die Regierungsstruktur, das Wirtschaftssystem, die Bildungseinrichtungen, die Lebensweise und die internationalen Beziehungen. Sie war auch während der Ära der antikolonialen Befreiungsbewegungen, die die Mehrheit der Länder der Dritten Welt erfassten, deutlich sichtbar. Während des größten Teils des zwanzigsten Jahrhunderts waren die vorherrschenden Ideologien und Zivilisationen von nationalsozialistischen Bewegungen geprägt, zu denen in Ägypten der Nasserismus, die palästinensischen nationalen Bewegungen, die indo-pakistanischen Bewegungen, die indonesischen Bewegungen, die türkischen nationalistischen Bewegungen und ähnliche gehörten.
Except for the rituals and personal aspects of Islam, the practical aspects of the Islamic state were superseded throughout the twentieth century and the first decade of the twenty-first century. As a result, the civilization of Islam, which flourished for the previous thirteen hundreds years, was replaced by a mixture of civilizations. Since the caliphate was abolished in 1924 in Istanbul, various types of nationalism coupled with variations of capitalism and socialism dominated the world of Islam. The dominance of these civilizations was reflected in many aspects of life including the government structure, the economic system, the educational institutions, the lifestyle, and international relations. It was also remarkably visible during the era of anticolonial national liberation movements, which swept the majority of third world countries. For the majority of the twentieth century, the dominant ideologies and civilizations were stamped by national socialist movements, which characterized Egypt Nasirism, Palestinian national movements, Indo-Pakistani movements, Indonesian movements, Turkish nationalist movements, and the like.
Merkmale des Islam begannen in den nationalen Bewegungen gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts aufzutreten, als der Schah von Iran 1979 durch eine Revolution gestürzt wurde, die von Ayatollah Khomeini angeführt wurde. Im gleichen Zeitraum führte die sowjetische Invasion Afghanistans zu einer Gegenrevolution, die durch afghanischen Nationalismus, lokalen Islam und westlichen liberalen Idealismus gekennzeichnet war. Später im Jahrhundert verschob der Zusammenbruch des Sozialismus und der Sowjetunion die nationalsozialistischen Bewegungen in der muslimischen Welt hin zu nationaldemokratischen Bewegungen.
Traits of Islam began to appear in the national movements towards the end of the twentieth century when the shah of Iran was toppled by a revolution led by Ayatollah Khomeini in 1979. During the same period, the Soviet invasion of Afghanistan prompted a counterrevolution characterized by Afghan nationalism, local Islam, and Western liberal idealism. Later in the century, the collapse of socialism and the Soviet Union shifted the national socialist movements in the Muslim world to national democratic movements.
Der Punkt ist, dass die islamische Zivilisation in den letzten hundert Jahren nicht die treibende Kraft hinter den Ereignissen und dem gesellschaftlichen Verhalten in der muslimischen Welt war. Die wesentlichen Ereignisse wurden von Nationalismus, Sozialismus und später im Jahrhundert von Demokratie und Liberalismus geprägt. Eine Mischung dieser Zivilisationen hat nahezu jedes Umfeld in der gesamten muslimischen Welt geschaffen. Dazu gehört das Umfeld der Armut in Ländern wie Ägypten und Indonesien oder der Wohlstand in Ländern wie Katar und Bahrain. Dazu gehören auch der Mangel an wirtschaftlicher Entwicklung in vielen Regionen sowie politische Instabilität und Unterdrückung in anderen. Die Verantwortung des Islam für die Zustände, die in diesem Zeitraum herrschten, ist nahezu null und vernachlässigbar. Tatsächlich bestanden einige der Zustände, die an vielen Orten der muslimischen Welt fortdauerten, in der Verfolgung islamischer Aktivisten und in der erzwungenen Verdrängung des Islam aus dem praktischen Leben der Menschen. Die Türkei zum Beispiel untersagt bis heute einige islamische öffentliche Praktiken, etwa die muslimische Kleiderordnung für Frauen.
The point here is that the Islamic civilization was not the main driver of events and societal behavior in the Muslim world for the past one hundred years. The main events were driven by nationalism, socialism, and later in the century by democracy and liberalism. A mixture of these civilizations created almost every environment in the entire Muslim world. This includes the environment of poverty in countries like Egypt and Indonesia or prosperity in countries like Qatar and Bahrain. It also includes lack of economic developments in many parts and political instability and oppression in other parts. The responsibility of Islam for the conditions which prevailed throughout this period of time is almost null and negligible. In fact, part of the conditions which persisted in many places in the Muslim world included the persecution of Islamic activists and forced ejection of Islam from the practical life of people. Turkey, for example, continues to ban some Islamic public practices like the Muslim women dress code.
In dieser Zeit, die durch den Ausschluss des Islam als Zivilisation und Ideologie gekennzeichnet ist, entstand in einigen Teilen der muslimischen Welt ein Umfeld des Militanten und der Gewalt. Ein Teil dieser Militanz war eine Folge und Fortsetzung zuvor entstandener Befreiungsbewegungen unter den Bedingungen von Besatzung, Kolonialismus oder sozialer Unterdrückung. Al-Qaida beispielsweise erwuchs aus dem Schoß der afghanischen antisowjetischen Dschihad-Bewegung, die teilweise durch verdeckte Operationen der USA unterstützt und finanziert wurde. Die Hamas wiederum wurde in Palästina inmitten des Aufstands gegen die israelische Besatzung palästinensischer Gebiete geboren, der die Entstehung mehrerer Richtungen palästinensischer nationaler Befreiungsbewegungen ausgelöst hatte. Trotz des offensichtlich islamischen Charakters dieser militanten Bewegungen trug der Islam nicht zu dem Umfeld bei, in dem eine dieser Bewegungen entstand. Der Islam wurde in der Mehrzahl dieser Bewegungen als Mittel zur Rekrutierung und als Inspirationsquelle für ihre Mitglieder benutzt.
During this period, which is characterized by an exclusion of Islam as a civilization and ideology, an environment of militancy and violence was created in some parts of the Muslim world. Part of this militancy was an outgrowth and continuation of previously created liberation movements under conditions of occupation, colonialism, or social repression. Al-Qaeda, for example, grew out of the womb of the Afghan anti-Soviet jihad movement, which was in part supported and funded by US covert operations. Hamas, in Palestine, was born in the midst of uprising against Israeli occupation of Palestinian lands, which had instigated the creation of several brands of Palestinian national liberation movements. Despite the apparent Islamic character of these militant movements, Islam did not contribute to the environment in which any of these movements was created. Islam was used in the majority of these movements as a recruiting vehicle and a source of inspiration for the members.
Bevor der Islam in den Vordergrund rückte, inspirierten Nationalismus und patriotisches Empfinden dieselbe Bevölkerungsschicht, die auch die Kämpfer früherer Epochen hervorgebracht hatte. Mit anderen Worten: Umgebungen von Gewalt, Krieg, Unterdrückung, Terrorismus, Besatzung, Armut, wirtschaftlicher Benachteiligung und politischer Instabilität prägten den Großteil der Dritten Welt, einschließlich der muslimischen Welt, ohne dass der Islam Teil des gesellschaftlichen Gefüges dieser Länder war. Als Antwort auf diese Bedingungen und Umstände griffen die Völker dieser Länder auf zahlreiche Ideologien und politische Programme zurück; wenn eine Ideologie scheiterte oder an Kraft verlor, kam eine andere zum Tragen. Die palästinensischen Bewegungen liefern das beste Beispiel für dieses Phänomen, in dem die nationalistischen und patriotischen Antriebe nach und nach durch islamische ersetzt wurden. In Afghanistan half der Islam, die stammesbezogenen Motive des afghanischen Volkes anzufachen. Der Punkt ist hier: Der Islam als Ideologie ist nicht dafür verantwortlich zu machen oder zu loben, zu empfehlen oder zu verurteilen für all die Aktivitäten und Bewegungen, die sich im letzten Jahrhundert ereignet haben.
Before Islam was drawn into the front, nationalism and sense of patriotism inspired the same crowd which supplied the fighters of the earlier periods. In other words, the environments of violence, war, repression, terrorism, occupation, poverty, economic deprivation, and political instability were predominant throughout the majority of the third world including the Muslim world, without Islam being part of the mosaic of the land. In response to these conditions and environments, the nations of these lands used many ideologies and political agendas; when an ideology fails or runs out of energy, another one comes into play. The Palestinian movements provide the best example of this phenomenon, where the nationalistic and patriotic drivers were slowly replaced by Islamic ones. In Afghanistan, Islam helped fuel the tribal motives of the Afghan people. The point here is that Islam as an ideology is not the one to blame or praise, to commend or to condemn for whatever activities and movements which culminated in the last one hundred years.
Als der Islam herrschte und die islamische Zivilisation in den Ländern des Islams die führende und vorherrschende war, konnten Historiker viele Ereignisse, Zustände und Umfelder ohne Weiteres dem Islam zuschreiben. Das galt selbst dann, als der islamische Staat während der Kreuzzüge seinen schwächsten Punkt erreichte, denn der Islam stellte weiterhin das Recht des Landes. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Islam während der Periode islamischer Vorherrschaft und bis zu ihrem Niedergang am Ende des neunzehnten Jahrhunderts für Auf und Ab, Verzweiflung oder Hoffnung, Stabilität oder Chaos, wirtschaftlichen Fortschritt oder Rückgang, Gewalt oder Frieden und wissenschaftlichen Fortschritt oder dessen Fehlen verantwortlich war. Die Erfindungen in Bagdad oder Samarkand, die Architektur in Andalusien oder Istanbul und die Bibliotheken in Alexandria oder Bagdad sind zweifellos Ergebnisse der islamischen Zivilisation. Heute gibt es Tausende muslimische Erfinder, Wissenschaftler, Schriftsteller und Gelehrte. Doch die Wahrheit, die jeder Beobachter auf diesem Gebiet anerkennt, ist, dass diese brillanten Menschen nicht das Produkt der islamischen Zivilisation sind, obwohl viele von ihnen gläubige Muslime sind. Es steht außer Frage, dass der Islam dazu beiträgt, die Persönlichkeit von Wissenschaftlern und Erfindern zu formen, und zu ihrer Produktivität beiträgt; das Umfeld jedoch, das ihre Fähigkeit zu erfinden und herausragende Leistungen zu erbringen hervorbrachte, ist ein Produkt der zeitgenössischen Zivilisationen, die wiederum eine Mischung aus Nationalismus, Liberalismus, Sozialismus, Kapitalismus und Demokratie sind.
When Islam ruled and the Islamic civilization was the main and dominant one in the lands of Islam, historians could easily attribute many events, conditions, and environments to Islam. This was true even when the Islamic state was at its weakest point during the crusade wars, because Islam continued to provide the law of the land. There is no dispute that during the period of Islamic dominance and until its decline at the end of the nineteenth century, Islam was responsible for the ups and downs, the despair or hope, the stability or chaos, the economic progress or downturn, the violence or peace, the scientific advancement or the lack of it. The inventions made in Baghdad or Samarqand, the architecture in Andalusia or Istanbul, the libraries in Alexandria or Baghdad are undoubtedly the results of Islamic civilization. Today, there are thousands of Muslim innovators, scientists, writers, and scholars. But the truth of the matter, which is recognized by any observer in the field, is that these brilliant people are not the product of the Islamic civilization, despite the fact that many of them are devout Muslims. There is no question that Islam helps molding the personality of scientists and innovators and contributes to their productivity; but the environment, which created their ability to invent and excel, is a product of the contemporary civilizations, which in turn are mix of nationalism, liberalism, socialism, capitalism, and democracy.
Im Kern gilt: Ein Muslim, der einen Nobelpreis in Literatur oder Naturwissenschaft gewinnt, erbringt diese Leistung unter den Bedingungen und Systemen, die von anderen Ideologien als dem Islam geschaffen wurden. Es ist nicht gerecht, solche Errungenschaften dem Islam zuzuschreiben, wenn der Islam weder die Gesetze des Landes bestimmt noch die Zivilisation dieses Landes geprägt hat. In Gesellschaften, die von nichtislamischen Gesetzen regiert werden, sind muslimische Leistungsträger schlicht nicht das Produkt des Islam. Ebenso ist ein Muslim, der einen Markt voller Menschen in die Luft sprengt oder eine Bombe in einem Flugzeug mitführt, ebenfalls nicht das Produkt des Islam. Beide sind Produkte der Gesetze, Regelungen, Systeme und Zivilisationen, die in den Gesellschaften vorherrschen, in denen beide Gruppen – Wissenschaftler wie Terroristen – heranwachsen.
In essence, a Muslim who wins a Noble Prize in literature or science achieves this performance under the conditions and systems created by ideologies other than Islam. And it is not fair to attribute such achievements to Islam when Islam is not the driver of the laws of land or the maker of the civilization of the land. In societies ruled by non-Islamic laws, Muslim achievers are simply not the product of Islam. By the same token, a Muslim who blows up a market full of people or carries a bomb on an airplane is not a product of Islam either. Both are the products of the laws, regulations, systems, and civilizations which dominate the societies in which both brands—scientists or terrorists—grow.
Solange der Islam nicht zur Quelle der Gesetze und Systeme im Land wird und nicht zum wichtigsten Leitfaden für die Zivilisation und das gesellschaftliche Verhalten, ist es ideologisch nicht korrekt, irgendeines der zeitgenössischen Ereignisse dem Islam zuzuschreiben. Wie jede Ideologie kann auch die theoretische Grundlage des Islams allein nicht das erwartete Ergebnis hervorbringen, solange nicht die praktische Phase beginnt, in der die Systeme umgesetzt werden, die aus dieser Grundlage hervorgehen. Dieses Prinzip gilt sowohl für die Wirtschaft des Islams als auch für seine Politik. Während der ersten dreizehn Jahre des ersten Aufstiegs des Islams gab es eine umfassende Diskussion über viele Aspekte des gesellschaftlichen Verhaltens und Themen wie Armut, Gerechtigkeit, Moral, Vermögensverteilung, Krieg, Frieden, familiäre Bindungen und vieles mehr. Und der Islam übernahm keine Verantwortung für die Handlungen von Menschen, die diese Dinge lebten und praktizierten, obwohl einige der Muslime an diesen Handlungen beteiligt waren. Zum Beispiel setzten einige Muslime, die in dieser Zeit in Mekka lebten, ihre Beteiligung an Wucherpraktiken fort, die vom Islam verurteilt wurden.
Until and unless Islam becomes the source of laws and systems in the land, and becomes the main guide for the civilization and the societal behavior, it will be ideologically incorrect to attribute any of the contemporary events to Islam. As any ideology, the theoretical foundation of Islam alone cannot produce its expected outcome unless it begins the practical period by implementing the systems that emanate from this foundation. This principle applies to the economics of Islam as well as to its politics. During the first thirteen years of the first rise of Islam, there was an extensive discussion on many aspects of the societal behavior and issues such as poverty, justice, morals, wealth distribution, war, peace, family ties, and much more. And Islam did not take the responsibility over the actions of people living and practicing any of these issues, although some of the Muslims were part of these actions. For example, some Muslims living in Mecca during that era continued to be part of the usury practices, which were condemned by Islam.
Auch nach der Gründung des islamischen Staates in Medina übernahmen die islamische Gesellschaft und der Staat keine Verantwortung für Muslime, die weiterhin außerhalb des Geltungsbereichs der islamischen Gesellschaft und des Staates lebten. Dies ist wichtig zu wissen, denn wenn der Islam die Verantwortung für eine Angelegenheit übernimmt, muss er die volle Befugnis besitzen, das Ergebnis dieser Angelegenheit sowie alle Faktoren, die dazu beitragen, zu beeinflussen. Als der Prophet Muhammad ﷺ mit dem Stamm der Quraisch in Mekka einen Friedensvertragschloss, willigte er ein, jeden Muslim auszuweisen, der gegen den Willen der Quraisch in den islamischen Staat auswandert. In der von Ibn Hisham zusammengestellten Biografie des Muhammad ﷺ wird überliefert,160 dass ein Muslim aus Mekka floh und nach Medina kam, um den Schutz des islamischen Staates zu suchen. Der Prophet ﷺ zwang jedoch diesen Mann auf Verlangen der Quraisch, nach Mekka zurückzukehren. Als dieser Mann erneut floh und begann, militante Angriffe gegen die Quraisch zu führen, distanzierte sich der Prophet ﷺ von seinen Handlungen und verweigerte ihm jegliche Art von Unterstützung.
Even after the creation of the Islamic state in Medina, the Islamic society and state did not assume responsibility for Muslims who continued to live outside the scope of the Islamic society and the state. This is important to know, because Islam, when it assumes the responsibility over an issue, it must have the complete authority to impact the outcome of that issue as well as all the parameters that contribute to it. When Prophet Mohammad (PBUH) conducted a peace treaty with the Quraish tribe of Mecca, he agreed to expel any Muslim who migrates to the Islamic state against the will of Quraish. It is narrated in the biography of Mohammad, as compiled by Ibn Hisham,160 that a Muslim fled Mecca and ran into Medina seeking the protection of the Islamic state; but the Prophet forced that man to return to Mecca based on the request of Quraish. When that man fled again and began to carry militant assaults against Quraish, the Prophet (PBUH) distanced himself from his actions and refused to provide him with any type of support.
In der Zwischenzeit führte der Prophet ﷺ als Oberhaupt eines Staates die Beziehungen zwischen seinem Staat und anderen Staaten mit voller Verantwortung. Die Regeln für den Umgang zwischen seinem Staat und der übrigen Welt waren klar festgelegt, sowohl im Frieden als auch im Krieg. Der Islam stellte einen vollständigen und umfassenden Rahmen für die Regeln des Umgangs bereit. Diese Regeln werden jedoch auf staatlicher Ebene angewandt, nicht auf der Ebene einzelner Personen oder Gruppen. Die Verantwortung für die Handlungen ist zentralisiert und klar definiert. Der islamische Staat oder das islamische System übernimmt weder die Verantwortung noch trägt er die Folgen für die Handlungen von Einzelpersonen oder Gruppen außerhalb des Zuständigkeitsbereichs des Staates. Mein Punkt ist hier, dass der Islam für islamische Handlungen oder Ereignisse vollständig verantwortlich sein kann, nur wenn er die Kontrolle über die Gesellschaft und die Rechtsordnung des Landes besitzt. Erst wenn der Islam an der Macht ist, die Gesetze des Landes vom Islam bestimmt und kontrolliert werden und eine zentrale Führung in Gestalt eines Kalifen die Verantwortung trägt, können wir allgemeines Verhalten und Handlungen dem Islam zuschreiben. Solange der Islam nicht an der Macht ist und eine zentrale Führung fehlt, werden die sporadischen, unbeständigen und krampfhaften Handlungen vieler Muslime in der Welt außerhalb des Rahmens des islamischen Systems und der islamischen Ideologie bleiben; jeder Einzelne wird für seine eigenen Handlungen selbst verantwortlich sein.
In the meantime, the Prophet as a leader of a state conducted the relations between his state and other states with complete responsibility. The rules of engagement between his state and the rest of the world were well defined, whether in peace or war. Islam provided a full and complete script for the rules of engagement. But these rules are carried out at a state level, and not at the levels of individuals or groups. The responsibility for the acts are centralized and well defined. The Islamic state or system does not assume the responsibility or bear the consequences over the acts of individuals or groups outside the scope of the state. The point I want to make here is that for Islam to be fully responsible for Islamic acts or events, it must be in control of the society and the rules of the lands. Once Islam is in control, and the laws of the land are driven and controlled by Islam, and a central leadership in the form of a caliph is in charge, then and only then we can attribute general behavior and actions to Islam. While Islam is not in power, and a central leadership is absent, the sporadic, fitful, and spasmodic acts of many Muslims in the world will continue to be outside the scope of the Islamic system and ideology; each individual will be responsible for his own acts.
Abgesehen von den ersten dreizehn Jahren im Leben Muhammads ﷺ ist dies in der gesamten Geschichte des Islams das erste Mal, dass Muslime in Gesellschaften und Staaten leben, die nicht vom Islam und seinen Ordnungen regiert werden. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass in jener ersten Phase von dreizehn Jahren die Ordnungen des Islams noch nicht vollständig offenbart waren und der islamische Staat zuvor nie bestanden hatte. Diesmal sind die Ordnungen des Islams bereits zusammengestellt und finden sich in den Originaltexten des Qur'an, der Sunnah und in zahlreichen Werken der Rechtswissenschaft; außerdem liegt eine Geschichte von mehr als dreizehn Jahrhunderten tatsächlicher Praxis für alle leicht zugänglich vor. Grundsätzlich jedoch ähneln sich die beiden Epochen, denn die Existenz eines islamischen Staates und einer zentralen Führung ist für die Umsetzung des Islams unerlässlich. Dass die Regeln und Gesetze des Islams gesammelt und in vielen Quellen zu finden sind, bedeutet nicht, dass diese Gesetze von selbst wirken oder allein durch die Überzeugung in den Herzen derer, die an sie glauben. Gesetze und Regeln brauchen einen zentralen Staat und eine Regierung, um sie zu aktivieren. Ebenso laufen die Systeme von Wirtschaft, Regierung, Sozialleben und Rechtsprechung in einer Gesellschaft nicht von selbst ab; damit diese Systeme wirksam sind und ihre Ergebnisse hervorbringen, benötigen sie ein politisches System, das sie einrichtet, ihre Leistung überwacht und sie vor Korruption schützt.
Aside from the first thirteen years of the life of Mohammad (PBUH), this is the first time, throughout the history of Islam, where Muslims find themselves living in societies and states which are not governed by Islam and its systems. The difference, though, is that during the first thirteen years’ period, the systems of Islam were not completely revealed and the Islamic state was never created before. This time around, the systems of Islam have already been compiled and can be found in original texts of the Quran, the Sunnah, and many books of jurisprudence; moreover, a history of more than thirteen centuries of real practice is readily available for all. Fundamentally, though, the two eras are similar, because the existence of the Islamic state and central leadership is essential for the implementation of Islam. The fact that the rules and laws of Islam are compiled and can be found in many sources does not mean that these laws perform on their own or by the power of conviction in the hearts of those who believe in these laws. Laws and rules need a central state and governance to activate them. By the same token, the systems of economy, governance, social life, and jurisprudence do not run on their own in a society; in order for these systems to be active and produce their results, they require a political system to install these systems, monitor their performance, and protect them from corruption.
Der Punkt hierbei ist, dass die Befürchtung mancher Menschen hinsichtlich der Umsetzung des Islam nicht realistisch ist. Diese Befürchtung entsteht aus der falschen Vorstellung, der Islam stehe hinter den Handlungen, die man gewohnt war, dem Islam zuzuschreiben. Diese Furcht ist real, aber sie beruht nicht auf realen Grundlagen. Sie basiert auf der Prämisse, die islamische Ideologie sei ein aktiver Akteur in den Angelegenheiten, die in der Welt herrschen, einschließlich solcher extremer Art. Die Wahrheit ist, dass der Islam nicht Teil des Gemischs von Ideologien war, die die Weltangelegenheiten und die Politik in den letzten hundert Jahren geprägt haben. Im Gegenteil, der Islam ist im Aufstieg begriffen und hat, in vielen Fällen unter großen Schwierigkeiten, versucht, das aktuelle ideologische Gemisch herauszufordern. Folglich sollte der Islam aus der Perspektive einer Ideologie betrachtet und geprüft werden, die um einen Fuß in den Weltangelegenheiten ringt. Die Grundlage dieser Prüfung sollte das theoretische Fundament des Islam und die Geschichte des Islam in der Praxis sein.
The point here is that the fear that some people may have regarding the implementation of Islam is not realistic. This fear is created out of the false perception that Islam stands behind the actions that people have been accustomed to attribute to Islam. This fear is real, but it is not founded on real grounds. It is based on the premise that the Islamic ideology is an active participant in the affairs prevailing in the world including those of extreme nature. The truth of the matter is that Islam has not been part of the mix of ideologies, which have shaped the world affairs and politics for the last one hundred years. On the contrary, Islam has been rising, and in many cases with great difficulty, to challenge the current ideological mix. Consequently, Islam should be viewed and scrutinized from the perspective of an ideology seeking a foothold in the world affairs. The basis of this scrutiny should be the theoretical foundation of Islam and the history of Islam in action.
Die Gültigkeit jeder Ideologie sollte zunächst auf der Ebene ihrer Theorie geprüft werden. Wurde die Ideologie über einen ausreichend langen Zeitraum praktiziert, so sollte sie außerdem auf der Ebene der Umsetzung geprüft werden. Die Theorie des Islam ist vollständig, wurde zusammengestellt und lässt sich in zahlreichen Quellen finden; daher kann sie überprüft und getestet werden. Der Islam wurde zudem umgesetzt und hat eine Geschichte der Umsetzung über dreizehnhundert Jahre (mehr als jede andere einzelne Ideologie). Daher kann auch die praktische Umsetzung des Islam geprüft und verifiziert werden.
The validity of any ideology should be first tested at the level of its theory. If the ideology had been practiced for a sufficient period of time, then it should also be tested at the implementation level. The theory of Islam is complete and had been compiled and can be found in numerous sources; therefore, it can be verified and tested. Islam also had been implemented and has a history of implementation over thirteen hundred years (more than any other single ideology). Therefore, the practical implementation of Islam can also be tested and verified.