1.4.1 Armut und Bruttosozialprodukt
1.4.1 Poverty and Gross National Product
Die ursprüngliche Theorie des Kapitalismus fordert die Steigerung der Produktion und folglich die Vermehrung des Reichtums der Nationen. Sie behauptet weiter, dass die gesteigerte Produktion, verbunden mit der Dynamik von Angebot und Nachfrage sowie dem Preismechanismus, die bestmögliche Verteilung des erzeugten Reichtums an die Mitglieder der Gesellschaft gewährleisten werde. Die Produktion von Reichtum unter dem Kapitalismus ist in den vergangenen einhundert Jahren kontinuierlich gestiegen, mit wenigen Ausnahmen während der Weltkriege. Inzwischen blieb die Zahl der Menschen, die auf Grundlage lokaler, nationaler und internationaler Maßstäbe als arm eingestuft werden, vom Wachstum des Reichtums unbeeindruckt. Dieses Phänomen ist weltweit zu beobachten und betrifft sowohl extrem reiche Nationen wie die USA als auch extrem arme Länder wie Haiti und die Länder Subsahara-Afrikas.
The original theory of capitalism calls for the increase in production and consequently the increase in the wealth of nations. It further claims that the increased production coupled with the dynamics of supply and demand and the price mechanism will guarantee the best distribution of the produced wealth to the members of the society. Production of wealth under capitalism has continuously risen over the past one hundred years, with few exceptions during world wars. In the meantime, the number of people who are classified as poor based on local national and international standards continued to be indifferent to the wealth growth. This phenomenon is a worldwide phenomenon which includes extremely rich nations such as the USA as well as extremely poor nations such as Haiti and the sub-Saharan Africa.
In einer Erklärung der Staats- und Regierungschefs auf einem der Welternährungsgipfel der Organisation der Vereinten Nationen für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) brachten sie ihre tiefe Besorgnis über das anhaltende Ausmaß des Hungers zum Ausdruck, der sowohl eine Bedrohung für die Gesellschaften der Nationen als auch für die Stabilität der internationalen Gemeinschaft selbst darstellt.51 Laut der Erklärung sei es „unerträglich, dass mehr als 800 Millionen Menschen auf der ganzen Welt, insbesondere in den Entwicklungsländern, nicht genug zu essen haben, um ihren grundlegenden Ernährungsbedarf zu decken.“ Die Staats- und Regierungschefs bestätigen, dass die Nahrungsmittelversorgung erheblich gestiegen ist, doch Armut und Hunger bestehen weiterhin. Trotz ihrer Anerkennung, dass die Nahrungsmittelversorgung zugenommen hat, ohne den Hunger zu verringern, bestanden sie darauf, dass die Lösung in noch mehr des Gleichen liege, nämlich in einer „gesteigerten Nahrungsmittelproduktion“.
In a statement made by the heads of state and government at one of the World Food Summits of the Food and Agriculture Organization (FAO), they expressed their deep concern over the persistence of hunger which constitutes a threat both to national societies and to the stability of the international community itself51. According to the statement, “it is intolerable that more than 800 million people throughout the world, and particularly in developing countries, do not have enough food to meet their basic nutritional needs.” The leaders confirm that food supplies have increased substantially, but poverty and hunger continue to persist. Despite their recognition that food supply has increased without reducing hunger, they insisted that the solution will be more of the same “increased food production.”.
In dieser Erklärung bestätigen die Führer der Welt, dass es ein ernstes Problem von Armut und Hunger gibt. Unterdessen erklären sie weiterhin, dass die Lösung darin besteht, die Ressourcen und Produkte zu vermehren. Sie hätten feststellen sollen, dass der Mangel nicht in der Produktivität der Nahrung liegt, sondern im Mechanismus ihrer Verteilung, der es nicht ermöglicht, dass jeder einzelne Mensch angemessenen Zugang zu Nahrung, Gütern und Dienstleistungen hat. Der Mechanismus der Verteilung der Ressourcen bleibt unverändert. Das Endergebnis wird weiterhin dasselbe sein. Die Vermehrung der Ressourcen wird den Reichtum der ohnehin Wohlhabenden vergrößern, aber denen nicht nützen, die diese Ressourcen am dringendsten benötigen.
In this declaration, the leaders of the world confirm the existence of a serious problem in poverty and hunger. In the meantime, they continue to declare that the solution is to increase the resources and products. They should have noted that the defect is not in the productivity of food; rather it is the mechanism of its distribution that fails to enable each and every person to have the proper access to food, commodities, and services. The mechanism of distribution of the resources remains unchanged. The end result will continue to be the same. The production of resources will increase the wealth of the already wealthy, but will not benefit those who need these resources the most.

Tatsächlich ist das Bruttonationaleinkommen bzw. das Bruttoinlandsprodukt einzelner Nationen sowie der Welt insgesamt seit Jahrzehnten gestiegen. Abbildung 3 zeigt den Anstieg der BSP-Zahlen für die Vereinigten Staaten seit 1929. Abgesehen von einer kurzen Zeitspanne ist das BSP stets gewachsen. Nach 1970 begann das BSP mit exponentiellen Raten zu steigen; zu dieser Zeit verabschiedeten sich die Vereinigten Staaten vom Goldstandard, worauf später noch näher eingegangen wird. Das aktuelle BSP der Vereinigten Staaten übersteigt vierzehn Billionen Dollar.
In fact, the gross national or domestic product of individual nations as well as of the world at large has been on the rise for decades. Figure 3 shows the increase in GNP figures for the United States since 1929. Except for a short period of time, the GNP has always increased. After 1970, the GNP began to increase at exponential rates; this is the time when the United States departed away from the gold standard; more on this later. The current GNP in the United States exceeds fourteen trillion dollars.

Die Armutszahlen und Armutsquoten in den Vereinigten Staaten sind in Abbildung 4 dargestellt. Beachten Sie, dass die Zahl der Armen nach 1970 weiter anstieg, obwohl der Gesamtreichtum des Landes exponentiell wuchs. Die Armutsquoten liegen trotz der enormen Vermögenszunahme (von 1 Billion US-Dollar im Jahr 1970 auf 14,5 Billionen US-Dollar im Jahr 2008) weiterhin im Durchschnitt bei etwa 12,5 %.
The poverty numbers and rates in the United States are shown in figure 4. Note that the number of poor people continued to increase after 1970 despite the fact that the total wealth in the country was increasing at an exponential rate. The poverty rates continue to average around 12.5% despite the tremendous wealth increase (from $1 trillion in 1970 to $14.5 trillion in 2008).
Abbildung 5 stellt den Vermögenszuwachs in den Vereinigten Staaten den Armutsquoten gegenüber. Beachten Sie, dass das Vermögen weiter wächst, während die Zahl der Armen im Durchschnitt bei etwa dreißig Millionen Menschen bleibt. Diese Zahlen beziehen sich auf die Vereinigten Staaten, das reichste Land der Welt und den Vorreiter des Kapitalismus.
Figure 5 contrasts the wealth increase in the United States with the poverty rates. Note how the wealth continues to increase while the number of poor people remains averaged around thirty million people. These figures pertain to the United States, the richest country in the world and the leader of capitalism.
Die Auswirkungen des Kapitalismus auf die Welt insgesamt sind verheerender. Die Armutszahlen und -quoten sind entmutigend. Diese Tatsache wird von Weltführern, internationalen Institutionen und Organisationen wie der Weltbank, der FAO und anderen anerkannt.
The impact of capitalism on the world at large is more devastating. The poverty numbers and rates are disheartening. This fact is recognized by world leaders, world institutions and organizations such as the World Bank, the FAO, and others.

Armut liegt nach gängiger Auffassung dann vor, wenn ein Mensch weniger Geld verdient, als er tatsächlich benötigt, um seine Grundbedürfnisse zu decken. Diese Definition steht im Einklang mit der kapitalistischen Sicht auf den Preis und dessen Rolle dabei, zu bestimmen, wer seine Bedürfnisse befriedigen kann und wer nicht. Ein Mensch, der weniger Geld verdient (Preis für seine Mühe oder Handelsware) als den Preis der Güter, die er zur Deckung seiner Bedürfnisse benötigt, ist demnach arm.
Poverty is said to exist when a person earns less money than he actually needs to fulfill his basic needs. This definition is consistent with the capitalist view of the price and its role in determining who would be able to satisfy his needs and who would not. A person who earns less money (price for his efforts or trade) than the price of the goods he needs to fulfill his needs is a poor one.

Daher ist eine Möglichkeit, Armut zu messen, Daten über Menschen zu erheben, die weniger als einen, zwei oder mehr Dollar pro Tag verdienen. Zahlen der Weltbank zeigen, dass es 1981 1,899 Milliarden Menschen gab, deren Einkommen weniger als 1 Dollar am Tag betrug. Diese Zahl sank bis 2005 auf 1,374 Milliarden. Steigt die Armutsgrenze auf zwei, drei, fünf oder zehn Dollar pro Tag, wird der Zustand der Welt unter dem Kapitalismus absolut erschreckend.
Hence, one way to measure poverty is to collect data on people who earn less than one, two, or more dollars per day. World Bank figures show that in 1981 there were 1.899 billion people whose income was less than $1 a day. This number was reduced to 1.374 billion in 2005. When the poverty line goes up to two, three, five, or ten dollars per day, the state of the world under capitalism becomes absolutely frightening.

Abbildung 6 zeigt Armutsdaten für mehrere Armutsgrenzen53. Man beachte, dass die Zahl der armen Menschen mit Ausnahme der Daten für 1 $ weiterhin über 40 % der Weltbevölkerung lag.
Figure 6 presents poverty data for several poverty lines53. Note that except for the $1 data, the number of poor people continued to stay above 40% of the world population.
Abbildung 7 zeigt die Entwicklung der Armutsquoten über die Jahre (1981–2005). Die größte Verringerung betrifft die Zahl der Menschen, die weniger als 1 Dollar am Tag verdienten; der Anteil der Menschen, die von weniger als 1 Dollar am Tag lebten, halbierte sich innerhalb von fünfundzwanzig Jahren (von 50 % auf 25 %). Für Menschen, die fünf oder zehn Dollar am Tag verdienten, wurde nur eine sehr geringe Verbesserung beobachtet. Im Jahr 1981 lebten 95 % der Weltbevölkerung ohne die Vereinigten Staaten und Westeuropa von weniger als 10 Dollar am Tag; fünfundzwanzig Jahre später war dieser Anteil nur auf 93 % gesunken. Im selben Zeitraum sind Preise und Inflation weltweit stark angestiegen.
Figure 7 shows the reduction of poverty rates over the years (1981-2005). The largest reduction is in the number of people who earned less than $1 a day; the rate of people living under $1 a day was reduced by half over twenty-five years (50% to 25%). Very little improvement was observed for people who earned five or ten dollars a day. In 1981, 95% of the world population excluding the United States and Western Europe lived under $10 a day; twenty-five years later, this percentage was reduced only to 93%. Over the same period, prices and inflation have soared worldwide.
Mit anderen Worten: Die 50 % derjenigen, die 1981 einen Dollar verdienten und in die Gruppe mit zwei Dollar aufgestiegen sind, stehen nicht unbedingt besser da. Das Bureau of Labor Statistics der Vereinigten Staaten verwendet ein Rechenwerkzeug, um die Inflationsrate des Verbraucherpreisindex (CPI) zu berechnen54. Mit diesem Rechner entspricht das, was 1981 für einen Dollar zu kaufen war, im Jahr 2005 einem Betrag von 2,15 Dollar. Anders gesagt: Die Menschen, die 1981 unter einem Dollar lebten, befinden sich 2005 weiterhin im gleichen Armutsstatus, auch wenn die Hälfte von ihnen nun von zwei Dollar am Tag leben kann. Der Verbraucherpreisindex für den Zeitraum 1947–2009 ist in Abbildung 8 dargestellt. Man beachte, wie stark die Preise nach 1972 gestiegen sind (zu dieser Zeit hat sich die Vereinigten Staaten vom Goldstandard gelöst).
In other words, the 50% of those who used to earn $1 in 1981 and moved to the $2 bracket are not necessarily better off. The Bureau of Labor Statistics in the United States uses a calculating tool to compute the consumer price index (CPI) inflation rate54. Using this calculator, what $1 could buy in 1981 requires $2.15 in 2005. In other words, the people who lived under $1 in 1981 continue to be in the same poverty status in 2005 even though half of them now live on $2 a day. The consumer price index for the period 1947-2009 is shown in figure 8. Note how sharply the prices increased after 1972 (this is the time when the United States departed from the gold standard).
Hunger: Ernährungsunsicherheit
Hunger: Food Insecurity
Vielleicht ist das Verheerendste, was Armut hervorbringt, der Hunger. Häufig wird Armut einfach an Menschen festgemacht, die weniger als einen vorher festgelegten Geldbetrag verdienen.
Perhaps the most devastating result of poverty is hunger. Quite often people refer to poverty simply in terms of people who earn less than a predetermined amount of money.

Das Problem wird wirklich ernst, wenn der Arme tatsächlich nicht in der Lage bleibt, seinen Magen mit der notwendigen Nahrung zu füllen, um ein würdiges Leben zu erhalten. Der Kapitalismus als System befasst sich nicht mit dem Problem des Hungers. Vielmehr bringen die Prinzipien des Kapitalismus die Möglichkeit mit sich, dass Einzelne in einer Gesellschaft einige ihrer Bedürfnisse nicht befriedigen können; bei diesen Bedürfnissen könnte es sehr wohl um die Nahrung gehen, die notwendig ist, um den Hunger zu beseitigen. Der Kapitalismus behauptet scheinheilig, dass nicht genügend Ressourcen (in diesem Fall Nahrungsmittel) vorhanden seien, um jeden hungrigen Magen zu sättigen. Als Antwort auf das Phänomen des Hungers unter dem Kapitalismus wurden viele Institutionen gegründet, um den Hunger zu bekämpfen. Die Existenz solcher Institutionen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaften ist ein einfacher Beweis dafür, dass der Kapitalismus als System das epidemische Problem des Hungers nicht nur nicht löst, sondern es tatsächlich verursacht. Der Islam hingegen (wie später noch erörtert wird) fordert die Beseitigung des Hungers und macht diese Forderung zu einem grundlegenden Prinzip des Islams. Vom Propheten Muhammad ﷺ wird überliefert, dass er sagte: „Allah und sein Gesandter distanzieren sich von einer Gemeinschaft, in der einer ihrer Angehörigen hungrig schlafen darf.“
The becomes problem really serious when the poor actually remains unable to fill his stomach with the necessary food to sustain a decent life. Capitalism as a system does not address the issue of hunger. In fact, the principles of capitalism give rise to the possibility that individuals in a society will not be able to satisfy some of their needs; these needs could very well be the need for food, which is necessary to eliminate hunger. Capitalism speciously claims that there is not enough resources (in this case food) to feed each and every hungry stomach. In response to the phenomenon of hunger under capitalism, many institutions were created to fight hunger. The existence of such institutions within the societies of capitalism is a simple proof that capitalism as a system not only fails to resolve the epidemic problem of hunger, but in fact it causes this problem. Islam, on the other hand (as will be discussed later), calls for the elimination of hunger and makes this call a fundamental principle of Islam. Prophet Mohammad is reported to have said, “Allah and his Messenger will disown a community which allows one of its members to sleep hungry.
Trotz des enormen Wachstums der Wirtschaft und des Reichtums der Vereinigten Staaten kam die Physician Task Force on Hunger in America (Anfang 1984 gegründet) zu dem Schluss, dass Hunger im ganzen Land ein Problem epidemischen Ausmaßes ist; er nimmt zu, nicht ab. Ferner kam sie zu dem Schluss, dass die gegenwärtigen Maßnahmen den Hunger in Amerika nicht lindern56. Diese Tatsache ist für viele kaum zu akzeptieren, wie Ardis Armstrong Young57 argumentiert. Sie wirft die Frage auf: „Warum lassen Amerikaner zu, dass Menschen hungern, obwohl sie genug Nahrung anbauen könnten, um die Welt zu ernähren, und sie mehr Nahrung verschwenden, als die Hungernden essen könnten?“ Larry Brown, Direktor des National Center on Hunger and Poverty, fasst das Hungerproblem in den Vereinigten Staaten in seinem Buch Hunger in America: The Growing Epidemic58 zusammen, wo er schreibt:
Hunger in der Welt
Hunger in the World
Wenn Hunger in den Vereinigten Staaten, dem reichsten Land der Welt, ein Problem mit epidemischen Ausmaßen ist, welche Ausmaße hat der Hunger dann in Haiti, Bangladesch, Kenia und dem übrigen Teil der Entwicklungs- und Schwellenländer? Die Statistiken zum Welthunger sind schockierend, alarmierend und erschreckend. Das Ausmaß des Problems zeigt sich daran, dass die verschwendeten Ressourcen und Lebensmittel der Welt mehr als ausreichen würden, um die Hungernden zu ernähren. Immer wieder wird deutlich, dass der Verteilungsmechanismus versagt und nicht die Knappheit der Ressourcen.
If hunger is a problem with epidemic proportions in the United States, the richest country in the world, then what proportions does hunger have in Haiti, Bangladesh, Kenya, and the rest of the developing and underdeveloped world? The statistics on world hunger are shocking, startling, and terrifying. The magnitude of the problem is signified when we know that the wasted resources and food in the world are more than sufficient to feed the hungry. Time and again, it is clear that the mechanism of distribution that is failing; it is not the insufficiency of the resources.
Laut veröffentlichten Daten und Statistiken zum Hunger der Weltbank und anderer Organisationen stirbt alle zwei Sekunden ein Mensch an Hunger und Unterernährung, 85 % davon sind Kinder. In den asiatischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern leben noch immer weit über 1,3 Milliarden Menschen in dem, was die Weltbank als absolute Armut (weniger als 1 Dollar pro Tag) bezeichnet hat, was zu verschiedenen Arten von Krankheiten, Unterernährung und möglichem Tod führt. In einer Erklärung des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, zum Bericht über die Millenniums-Entwicklungsziele 2009 heißt es:
According to published data and statistics on hunger by World Bank and other organizations, one person every other second dies out of hunger and malnutrition, 85% of these are children. In the Asian, African, and Latin American countries, well over 1.3 billion people are still living in what the World Bank has called absolute poverty (below $1 a day)53, which results in various types of illnesses, malnutrition, and potential death. In a statement made by the secretary general of the United Nations Ban Ki-moon to the Millennium Development Goals report 200959, he says,
Wir kommen bei der Erreichung unserer Ziele zu langsam voran. Und heute stehen wir einer globalen Wirtschaftskrise gegenüber, deren volle Auswirkungen noch nicht spürbar sind.
We have been moving too slowly to meet our goals. And today, we face a global economic crisis whose full repercussions have yet to be felt.
Zumindest würde es uns in einer Reihe wichtiger Bereiche vom Kurs abbringen, insbesondere in den Entwicklungsländern. Im schlimmsten Fall könnte es verhindern, dass wir unsere Versprechen einhalten, Millionen weitere Menschen in die Armut stürzen und das Risiko sozialer und politischer Unruhen bergen.

Die Länder südlich der Sahara erleben das Schlimmste dieser Zustände: 30 % ihrer Bevölkerung sind täglich der Gefahr von Hunger, Unterernährung und möglichem Tod ausgesetzt. Laut der Weltgesundheitsorganisation60 sterben jeden Tag mehr als fünfzigtausend Menschen an armutsbedingten Ursachen. Die größte von Hunger betroffene Gruppe sind Kinder, mit täglich dreißigtausend Todesfällen laut einem Bericht von UNICEF61.
Sub-Saharan Africa experiences the worst of such conditions, where 30% of its population faces the danger of hunger, undernutrition and potential death on a daily basis. According to the World Health Organization60, more than fifty thousand people die every day from poverty-related causes. The children are the largest segment hit by hunger with thirty thousand deaths daily according to UNICEF report61.
Hunger entzieht Menschen, besonders Kindern, die notwendige Nahrung für ihr Wachstum. Die Auswirkungen des Hungers auf große Bevölkerungsgruppen zeigen sich am Anteil der Kinder unter fünf Jahren, die untergewichtig sind. Im Jahr 1990 waren einunddreißig Prozent der Kinder unter fünf Jahren (das heißt eines von drei Kindern) in Asien, Afrika und Lateinamerika untergewichtig. Die Lage der Kinder hat sich seitdem nicht wesentlich verbessert; im Jahr 2007 waren in dieser Region noch mehr als 26 % der Kinder untergewichtig, und es wird erwartet, dass diese Quote aufgrund der aktuellen Finanzkrise noch weiter steigt.
Hunger deprives people, especially children, from receiving the necessary nutrition for growth. The impact of hunger on large populations is visible on the percentage of children under age five who are underweight. Thirty-one percent of children under five (that is, one out of every three children) in Asia, Africa, and Latin America were underweight in 1990. The status of children has not improved a lot since then; in 2007 more than 26% of the children in this region were still underweight and this rate is expected to rise even more due to the current financial crisis.

Spuren von Armut und Hunger sind in vielen Bereichen des menschlichen Lebens sichtbar. Von besonderer Bedeutung sind die Müttersterblichkeits- und Neugeborenensterblichkeitsraten (Neugeborene im Alter von weniger als achtundzwanzig Tagen), die in Abbildung 9 dargestellt sind. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jedes Jahr mehr als fünfhunderttausend Frauen bei der Geburt ihrer Kinder sterben. Die meisten Todesfälle ereignen sich in Afrika südlich der Sahara (50 % der Gesamtzahl), wo die Armutsquote weltweit am höchsten ist.
Footprints of poverty and hunger are visible in many aspects of the human life. Of particular significance is the maternal and neonatal (newborn babies less than twenty-eight days old) death rates shown in figure 9. The World Health Organization estimates more than five hundred thousand women die every year in the process of delivering children. The largest number of deaths occur in the sub-Saharan Africa (50% of the total), where the poverty rate is highest in the world.
Die Kluft im Wohlergehen von Müttern in der industrialisierten Welt und in der Entwicklungswelt spricht für eine unausgewogene Verteilung der Ressourcen. In Niger, dem Land mit dem höchsten Risiko eines Müttersterbens, endet beispielsweise jede siebte Geburt mit dem Tod der Mutter, verglichen mit einer von 47.600 Geburten in einem Land wie Irland.
The disparity between the well-being of mothers in industrial world and the developing world speaks for an out-of-balance distribution of resources. In Niger, for example, the country with the highest risk of maternal death, 1 out of 7 births will result in the death of the mother compared to 1 out of 47,600 in a country like Ireland.
Ebenso ist die Neugeborenensterblichkeit (die Wahrscheinlichkeit, dass ein Neugeborenes innerhalb von achtundzwanzig Tagen nach der Geburt stirbt) aufgrund extremer Armut und Hunger sehr hoch zu erwarten. Die WHO schätzt, dass im Jahr 2004 rund 3,7 Millionen Babys nach der Geburt starben. Abbildung 10 veranschaulicht die große Kluft zwischen der armen und der reichen Welt. In den Regionen mit niedrigem Einkommen sterben vierzig von 1.000 Neugeborenen, verglichen mit nur 3 von 1.000 in der Industriewelt.
By the same token, neonatal mortality (probability of newborn dying within twenty-eight days of birth) is expected to be very high due to extreme poverty and hunger. WHO estimates that around 3.7 million babies died after birth in 2004. Figure 10 illustrates the wide disparity between the poor and the rich worlds. Forty out of every 1,000 newborn babies die in the low-income regions compared to only 3 out of 1,000 in the industrial world.
Armut und Bildung
Poverty and Education
Neben den direkten Auswirkungen auf das Leben der Frauen, die Kinder gebären, und auf die Neugeborenen behindern Armut und Hunger den Fortschritt der Nationen, indem sie die Bildung hemmen. Extreme Armut erschwert das Lernen durch mangelhafte Ernährung, schlechte Gesundheit, fehlende Bücher, unzureichende Beleuchtung und fehlende Orte zum Erledigen der Hausaufgaben sowie durch die geringe Bildung der Eltern. Armut erhöht die Zahl der Schulabbrecher. Fehlende Bildung stellt ein Hindernis dar, das den Erwerb der notwendigen Mittel zur Verbesserung der Lebensqualität verhindert.
Besides the direct impact on the life of women who give birth to children and the newborn babies, poverty and hunger impede the progress of nations by inhibiting education. Extreme poverty obstructs learning through poor nutrition, bad health, lack of books, insufficient lighting and places to do homework and parental poor education. Poverty increases the rate of dropout of schools. Lack of education constitutes an obstacle which prevents the acquisition of the necessary means for improving life quality.

Dieser Zusammenhang führt zu einem Kreislauf, der sich nur schwer durchbrechen lässt: Armut behindert Bildung, während mangelnde Bildung die Armut aufrechterhält. Äußerst arme Menschen haben eine geringere Chance auf eine angemessene Ausbildung, die jedoch notwendig ist, um sich gegen besser gebildete Bewerber um Arbeitsstellen zu behaupten; ohne eine ordentliche Beschäftigung ist es nahezu unmöglich, dem Armutsstrudel zu entkommen. Unter der Herrschaft des Kapitalismus sind die armen Bevölkerungsschichten die am wenigsten gebildeten, und diejenigen mit der geringsten Bildung sind die ärmsten. Armut und Hunger beeinträchtigen die kognitiven Fähigkeiten von Kindern in der Schule. Berichte der UNESCO zeigen, dass untergewichtige und in ihrem Wachstum gehemmte Kinder infolge unzureichender Ernährung sich im Unterricht nicht konzentrieren können und Gefahr laufen, die Schule abzubrechen61.
This leads to a cycle which proves to be too difficult to break: poverty impedes education, while lack of education sustains poverty. Extremely poor people have lesser chance of getting proper education, which is necessary to compete for jobs with more educated people; without proper employment, it is almost impossible to get out of the poverty plunge. Under the dominance of capitalism, the poor segments of the population are the least educated; and those with the least education are the poorest. Poverty and hunger affect the cognitive ability of children in schools. UNESCO reports show that underweight and stunted children due to poor nutrition cannot concentrate in school and are likely to drop out61.
Die aktuellen Politiken unter der Vorherrschaft des kapitalistischen Systems haben es nicht geschafft, diesen Kreislauf zu durchbrechen. In den letzten Jahrzehnten blieben die Armen im Bildungsbereich weiterhin zurück, und die Armutsquoten bestanden fort. Im Jahr 2007 waren 77 Millionen Kinder im Grundschulalter in den Entwicklungsländern nicht in der Schule, und 57 % von ihnen waren Mädchen61. Fast eine Milliarde Menschen trat ins einundzwanzigste Jahrhundert ein, ohne ein Buch lesen oder ihren Namen schreiben zu können.
Current policies under the dominance of the system of capitalism have failed to break this cycle. Over the last few decades, the poor continued to lag behind in education, and the poverty rates continued to persist. Seventy-seven million children of primary school age in the developing world were not in school in 2007, 57% of them were girls61. Nearly a billion people entered the twenty-first century unable to read a book or sign their names.
Der Weltbildungsbericht (Education for All, EFA Global Monitoring Report) der UNESCO zeigt, dass „kleine Kinder mit dem größten Bedarf, die zugleich am meisten gewinnen würden, kaum Zugang zu Programmen zur Verbesserung der Bildung haben“. Die Abdeckung bleibt in den meisten Entwicklungsländern sehr gering, und für Kinder unter drei Jahren gibt es nur wenige Programme. Die größte Barriere für Bildung sind Armut und Hunger.

Abbildungen (11–14) zeigen Bildungsindikatoren für 125 Länder auf Grundlage des UNESCO-Berichts. Alle Indikatoren zeigen, dass die ärmsten Länder bei der Alphabetisierung Erwachsener, den Nettoeinschulungsquoten und der Verbleibsquote der Schüler bis zur fünften Klasse zurückliegen; infolgedessen liegt der Bildungsentwicklungsindex (EDI) für ein Drittel der Staaten der Welt unter 80 %, wobei Länder wie Tschad, Niger, Burkina Faso, Mali, Guinea und Mosambik einen Bildungsindex von unter 60 % aufweisen. Die Alphabetisierungsrate im Tschad und in Niger liegt bei weniger als 30 % der Gesamtbevölkerung. Angesichts des starken Zusammenhangs zwischen Armut und Bildung ist es sehr schwierig, eine Verbesserung des Wohlergehens der Menschen in diesen afrikanischen Staaten zu erkennen, es sei denn, es kommt zu einem ernsthaften Wandel in der Methode und Art der Vermögensverteilung in der Welt.
Figures (11-14) show education indicators in 125 countries based on UNESCO report61. All of the indicators show that the poorest countries lag behind in adult literacy, net enrolment ratios, and survival rate of students to grade 5; as a result, the education development indicator (EDI) for one-third of the nations of the world is below 80%, with countries like Chad, Niger, Burkina Faso, Mali, Guinea, and Mozambique having lower than 60% education index. The literacy rate in Chad and Niger is less than 30% of the total population. Given the strong correlation between poverty and education, it is very difficult to see an improvement in the well-being of Figures (11-14) show education indicators in 125 countries based on UNESCO report. All of the indicators show that the poorest countries lag behind in adult literacy, net enrolment ratios, and survival rate of students to grade 5; as a result, the education development indicator (EDI) for one-third of the nations of the world is below 80%, with countries like Chad, Niger, Burkina Faso, Mali, Guinea, and Mozambique having lower than 60% education index. The literacy rate in Chad and Niger is less than 30% of the total population. Given the strong correlation between poverty and education, it is very difficult to see an improvement in the well-being of the life of people in these African nations unless a serious change occurs in the method and style of wealth distribution in the world.
In den Vereinigten Staaten, dem größten und reichsten kapitalistischen Land, liegt die Analphabetenquote weiterhin bei 14 %, das heißt, einer von sieben Menschen verfügt nicht über die grundlegenden Lesefähigkeiten. Statistiken zeigen, dass die höchste Schulabbrecherquote in den ärmsten Gemeinschaften der Vereinigten Staaten zu finden ist, bei der hispanischen und der schwarzen Bevölkerung. Das Verhältnis der Schulabbrecher zwischen Weißen, Schwarzen und Hispanics ist über die letzten fünfunddreißig Jahre gleich geblieben: Hispanics liegen im Durchschnitt 3,6-mal so hoch wie Weiße, und Schwarze liegen 1,5-mal so hoch wie weiße Schulabbrecher (Abbildung 15). Dies wird dadurch weiter verdeutlicht, dass 75 % der Empfänger von Sozialhilfe in den Vereinigten Staaten nicht lesen können.