Gründe für die Unterschiede
Reasons For Differences
Die unterschiedlichen Herangehensweisen der Gelehrten der Ahl al-Hadith und der Ahl ar-Ra'y lassen sich auf bestimmte politische Faktoren zurückführen, verbunden mit den unterschiedlichen sozio-kulturellen Hintergründen der beiden Regionen, in denen sich ihre Rechtsschulen entfalteten. Seit der Zeit des letzten der Rechtgeleiteten Kalifen, ʿAlī ibn Abī Ṭālib, wurde die Hauptstadt des islamischen Staates zunächst nach Irak und dann nach Syrien verlegt. So verlor der Hiǧāz
The Different approaches of the Ahl al-Hadeeth and Ahl arRa’I scholars may be traced to certain political factors combined with the differing socio-cultural backgrounds of the two areas in which their schools of thought flourished. From the time of the last Righteous Caliph, ‘Alee ibn Abee Taalib, the Cpital of the Islamic state was shifted first to Iraqand then to syria. Thus, the Hijaaz 106
Hidschaaz blieb von den Unruhen und dem Zustrom fremder Kulturen und Ideen verschont, die sich im Zentrum des Staates ereigneten. Das Leben im Hidschaaz blieb aufgrund seiner Abgeschiedenheit unbeschwert und schlicht. Der Hidschaaz war zudem die Heimat des Propheten ﷺ und die Geburtsstätte des islamischen Staates. Folglich gab es in dieser Region eine Fülle an Hadithen sowie einen Reichtum an Rechtsentscheidungen der ersten drei Kalifen, Abu Bakr, ‘Umar und ‘Uthmaan. Irak hingegen war für die Muslime ein neues und fremdes Land. Als dort die Hauptstadt des islamischen Staates ihren Sitz hatte, wurde es zu einem regelrechten Schmelztiegel verschiedener Kulturen und brachte eine große Zahl von Situationen und Ereignissen hervor, die außerhalb der Erfahrung der Gelehrten jener Zeit lagen. Da zudem nur wenige Sahaabah sich dort niedergelassen hatten, waren Hadithe dort längst nicht so zahlreich verfügbar wie im Hidschaaz. Tatsächlich wurde Irak zur Geburtsstätte erfundener Hadithe und zum Nährboden für die meisten frühen abweichenden Sekten. Da sie sich nicht auf die Gültigkeit überlieferter Hadithe verlassen konnten, neigten die Gelehrten des Irak dazu, sich in geringerem Maße auf Hadithe zu stützen als die Gelehrten des Hidschaaz. Die wenigen Hadithe, die diese irakischen Gelehrten für zuverlässig hielten, wurden nur unter Erfüllung sehr strenger Bedingungen angenommen. Die natürliche Folge dieser Entwicklung war, dass die irakische Rechtsschule und ihre Gelehrten sich mehr auf Vernunft und Logik stützten als auf die überlieferte Sunnah des Propheten ﷺ.107
was spared much of the turbulence and influx of foreign cultures and ideas which took place at the center of the state. Life in the Hijaaz continued to be easy-going and simple, due to its isolation. The Hijaaz was also the home of the Prophet (s.w.) and the birth-place of the Islamic state. Consequently, there was an abundance of Hadeeths in this region as well as a wealth of legal rulings made by the first three caliphs, Abu Bakr, ‘Umar, and ‘Uthmaan. On the other hand, Iraq was a new and strange land for Muslims. When capital of the Islamic State was stationed there, it became a virtual melting pot of various cultures and gave rise to a great number of situations and events, which were outside the experience of Muslim scholars of the time. Furthermore, because the number of Sahaabah who settled there was small, Hadeeths were not nearly as available there as in Hijaaz. Indeed, Iraq became the birth-place of fabricated Hadeeth as well as the breeding ground for most of the early deviant sects. Not being able to rely on the validity of quoted Hadeeth, the scholars of Iraq tended to rely on Hadeeth, to a lesser extent than did the scholars of the Hijaaz. The few Hadeeths which these Iraqi scholars considered accurate were only accepted after the fulfillment of very strict conditions. The natural result of this development was that the Iraqi school of thought and its scholars depended more on reason and logic than on the narrated Sunnah of the Prophet (s.w.).107