Epoche der kleineren Gelehrten
Period Of The Minor Scholars
Die Entwicklung der Fiqh-Wissenschaft in der Zeit der nachgeordneten Gelehrten der Madh-habs (850–950 n. Chr.), das heißt der zweiten Generation der Schüler, wurde durch folgende Faktoren beeinflusst.
The Development Of Fiqh During The Period Of The Minor Scholars Of The Madh-habs (850-950 CE) That Is, The Second Generation Of Students, Was Affected By The Following Factors.
A. Sammlung der Fiqh-Literatur
A. Comopilation Of Fiqh
Um Rechtsurteile zu fällen und Grundsätze festzulegen, mussten frühere Gelehrte einen großen Teil ihrer Zeit und Mühe darauf verwenden, in verschiedenen Teilen des islamischen Staates nach Ahadith und Athar (Aussprüchen und Handlungen der Sahaba und ihrer Schüler) zu suchen. In dieser Zeit wurde die Sunnah des Propheten ﷺ systematisch gesammelt und in Hadith-Büchern niedergeschrieben, wodurch die Gelehrten frei wurden, sich auf das Verständnis und die Anwendung des Hadith zu konzentrieren.
In order to make legal rulings and establish principles, previous scholars were obliged to spend a great deal of time and effort hunting in various parts of the Islamic State for Hadeeths and Athars (Sayings and acts of the Sahaabah and their students). In this period, the Sunnah of the Prophet (s.w.) was systematically collected and compiled in books of Hadeeth, thereby leaving scholars free to concentrate on the comprehension and application of Hadeeth.
Die Fiqh-Literatur wurde in dieser Epoche ebenfalls in großem Umfang und in systematischer Weise zusammengestellt. Einige Gelehrte verfassten ihre Rechtsurteile persönlich, während andere, wie Imaam Abu Haneefah und Imaam Ahmad ibn Hambal, verschiedene Probleme und deren Lösungen ihren Schülern diktierten, die sie anschließend niederschrieben. Imaam Maalik's al-Muwatta' ist eine Sammlung von Hadithen und Meinungen der Sahaabah zusammen mit seinen persönlichen Rechtsurteilen, und Imaam ash-Shaafi'ee's Fiqh-Werk mit dem Titel al-Umm enthält seine Rechtsurteile, die durch deren Belege untermauert sind.
Fiqh was also compiled on a wide scale and in a systematic fashion during this period. Some scholars personally compiled their own rulings, while others, such as Imaam Abu Haneefah and Imaam Ahmad ibn Hambal, dictated various problems and their solutioins to their students, who subsequently compiled them. Imaam Maalik’s alMuwatta’ is a collection of Hadeethss and opinions of the Sahaabah along with his personal ruolingl, and Imaam ash-Shaafi’ee’s book of Fiqh entitled al-Umm contains his legal rulings supported by their proofs.
Arten der Sammlung:
Types Of Compilation:
1. Die frühen Bücher der Fiqh-Literatur bestanden in der Regel aus einer Mischung von Rechtsurteilen, Ḥadīthen, Meinungen der Gefährten (Ṣaḥāba) und Meinungen der Schüler der Gefährten. Al-Muwaṭṭaʾ von Imām Mālik ist ein klassisches Beispiel für diese Stufe.
1. The early books of Fiqh were usually a mixture of legal rulings, Hadeeths, opinions of the Sahaabah and of students of the Sahaabah. Al-Muwatta’ of Imaam Maalik is a classical example of this stage.
2. Einige Werke der Fiqh-Literatur wurden über die Grundprinzipien des Fiqh verfasst, wobei Ahadith nur angeführt wurden, um die Richtigkeit der Schlussfolgerungen der Verfasser zu belegen. Kitaab al-Kharaaj von Imaam Abu Yoosuf116 und al-Umm von Imaam ash-Shaafi’ee sind beide gute Beispiele für diese Art des Schreibens.
2. Some books of Fiqh were written about the basic principles of Fiqh, Hadeeths being mentioned only in order to prove the correctness of the authors’ deductions. Kitaab al-Kharaaj by Imaam Abu Yoosuf116 and al-umm by Imaam ash-Shaafi’ee are both good examples of this type of writing.
3. Andere Bücher der Fiqh, die sich auf die Anwendung der Fiqh-Prinzipien konzentrierten, mit nur wenigen Verweisen auf Hadithe. Diese Bücher waren nach den jeweils behandelten Themen in Kapitel gegliedert. Die sechs Bücher von Imam Muhammad ibn al-Hasan117
3. Other books of Fiqh concentrated of the application of Fiqh principles with but little reference to Hadeeths. These books were arranged in chapters according to the issues under discussion. The six books of Imaam Muhammad ibn al-Hasan117
und al-Mudawwanah von Imam Ibn al-Qasim118 sind Beispiele für diese Art des Schreibens.
and al-Mudawwanah by Imaam Ibn al-Qaasim118 are examples of this type of writing.
Ursprünglich enthielt die Zusammenstellung der Belege für jedes gesetzliche Urteil zu verschiedenen Fragen die Texte der Ḥadīthe zusammen mit ihren Überlieferungsketten. Allmählich ließ die Sorge um die Überlieferungsketten nach, und die Gelehrten führten lediglich den Wortlaut des jeweiligen Ḥadīthes an, zusammen mit einem Verweis auf die Ḥadīth-Werke, in denen er zu finden ist.
At first, the compilation of proofs for each legal ruling on various issues included the texts of Hadeeths along with their chains of narrators. Gradually concern for the chains of narration decreased, and scholars merely quoted the text of the appropriate Hadeeth along with a reference to the books of Hadeeth in which it could be found.
Ich muss um den englischen Text bitten, den Sie übersetzt haben möchten. Ihre Nachricht enthält nur die Überschrift „B. Court Debates“, und ich habe bisher keinen Text, den ich übersetzen könnte. Bitte fügen Sie den vollständigen Abschnitt ein, und ich übersetze ihn ins Deutsche.
B. Court Debates
Auch in dieser Epoche fanden am Hof Disputationen statt, die dem Interesse und der Unterhaltung der Kalifen und der Mitglieder des königlichen Hofes dienten. Einige Gelehrte waren, ähnlich wie Magier, Sänger, Tänzer und Hofnarren, zu einer ständigen Einrichtung des königlichen Hofes geworden.119 Sie wetteiferten untereinander um die Gunst der Kalifen und erfanden Fragestellungen allein zu dem Zweck, darüber zu debattieren. Dadurch nahm die hypothetische Fiqh neue Dimensionen an: Sie entwickelte sich von ihrem erhabenen Ursprung in der Zeit der Sahaabah und der frühen Gelehrten hin zu einem lächerlichen Produkt der Hofdisputationen.
There were also court debates during this period which were held for the interest and amusement of the caliphs and members of the royal court. Some scholars like magicians, singers, dancers and jesters, had become a permanent fixture of the royal court.119 They competed among themselves for the favors of the caliphs, and they invented issues solely for the purpose of debate. As a result, hypothetical Fiqh took on new dimensions as it evolved from sublime origins in the era of the Sahaabah and the early scholars, to the ridiculous product of court debates.
Auch die Disputationen am Hof förderten Wettbewerbsdenken und Dogmatismus, denn wer in einer Disputation unterlag, verlor nicht nur die finanzielle Belohnung vom Kalifen, sondern auch sein persönliches Ansehen. Da der Verlust persönlichen Ansehens zudem den Verlust des Ansehens der eigenen Madh-hab nach sich zog, galt das Prinzip, die eigene Madh-hab zu verteidigen, ob im Recht oder im Unrecht, bald als Tugend. Infolgedessen breitete sich der Madh-hab-Sektierertum unter den Hofgelehrten rasant aus.
Court debates also spawned competitiveness and dogmatism, since the loser of a debate not only lost monetary reward from the caliph but also personal prestige. Furthermore, because loss of personal prestige also entailed loss of prestige on the part of one’s Madh-hab, the principle of defending one’s Madh-hab, right or wrong, came to be considered virtue. As a result, Madh-hab sectarianism became rampant among the court scholars.
C. Zusammenstellung der Hadithe
C. Compilation Of Hadeeths
Allerdings entstand unter Spezialisten der Hadith-Sammlung und -Kritik eine gegenläufige Strömung, die Fragen des Fiqh behandelte, ohne sich an die überlieferten Urteile der früheren Gelehrten zu binden. Sie gründete ihre Positionen auf authentische Ahadith, wo immer solche vorhanden waren, anstatt den früheren Urteilen sklavisch zu folgen, nur weil sie von angesehenen Gelehrten gefällt worden waren. Um die Probleme des Fiqh anhand des Hadith zu lösen, bemühten sich große Hadith-Gelehrte wie Imam al-Bukhaari (810–870 n. Chr.) und Imam Muslim (817–875 n. Chr.) mit großem Einsatz, authentische Ahadith des Propheten ﷺ und Athar der Sahaba aus allen möglichen Quellen zu sammeln.
However, there arose an opposing trend among specialists in Hadeeth compilation and criticism, where by issues of Fiqh were tackled without dependence on the traditional rulings of existing the earlier scholars by basing their positions on authentic Hadeeths wherever available, rather than slavishly following earlier rulings merely because they had been made by prominent scholars. Focusing on Hadeeth to resolve the problems of Fiqh, great scholars of Hadeeth like Imaam al-Bukhaaree (810-870 CE) and Imaam Muslim (817-875 CE) went to great pains to collect from all possible sources authentic Hadeeths of the Prophet (s.w.) and Athars of the Sahaabah.
Diese ordneten sie nach Kapiteln an, gemäß dem Schema, das die Fiqh-Gelehrten etabliert hatten. Der Initiator dieser Richtung war der letzte der großen Imame, Ahmad ibn Hanbal, der das umfangreichste Werk der Hadithe mit dem Titel al-Musnad zusammenstellte.120 Sowohl Imam al-Bukhari als auch Imam Muslim gehörten zu seinen Schülern.121
These, they arranged in chapters according to the format established by the Fiqh scholars. The initiator of this trend was the last of the major Imaams, Ahmad ibn Hambal, who compiled the most extensive work of Hadeeth called al-Musnad.120 Both Imaam alBukhaaree and Imaam Muslim were among his students.121
D. Die Gliederung der Fiqh
D. The Organization Of Fiqh
Durch die Übersetzungen der großen Werke der Wissenschaft und Philosophie aus Griechenland, Rom, Persien und Indien gewannen islamische Gelehrte Einblick in neue Systeme des Denkens, der Deduktion und der Inferenz. Dieses neue Wissen beeinflusste ihren Zugang zur Fiqh, die sie daraufhin in Grundlagen (Usool) und sekundäre Prinzipien (Furoo’) gliederten. Mit der Zeit entwickelten sich unter diesen Einflüssen Tafseer (Auslegung des Qur’aan), Hadeeth und Nahw (Grammatik) zu spezialisierten Wissenschaftszweigen.
Through translations of the great books of science and philosophy from Greece, Rome, Persia, and India,122 Islamic scholars gained insight into new systems of reasoning, deduction and inference. This new knowledge influenced their approach to Fiqh which they proceeded to organize into fundamentals (Usool) and secondary principles (Furoo’). In time, Tafseer (explanation of the Qur’aan), Hadeeth and Nahw (grammer) developed under these influences into specialized branches of learning.
Die Standpunkte der großen Fiqh-Gelehrten wurden festgehalten, und die primären Quellen des islamischen Rechts wurden ermittelt und nach ihrer Bedeutung geordnet. 123
The positions of major scholars of Fiqh were recorded and the primary sources of Islamic law were identified and classified in order of their importance. 123
115 Muhammad ibn Ahmad ibn Rushd, Bidaayah al-Mujahid, (Ägypten: al-Maktabah at-Tijaariyyah al-Kubraa, o. J.), Bd. 1, S. 405. Siehe auch as-Sayyid Saabiq, Fiqh as-Sunnah, (Beirut: Daar al-Kitaab al-Arabee, 3. Aufl. 1977), Bd. 2, S. 378.
115 Muhammad ibn Ahmad ibn Rushd, Bidaayah al-Mujahid, (Egypt: alMaktabah at-Tajaareeyah al-Kubraa, n.d.), vol. 1, p. 405. See also as-Sayyid Saabiq, Fiqh as-Sunnah, (Beirut: Daar al-Kitaab al-Arabee, 3rd. ed. 1977), vol.2.p.378.
116 Der Hauptschüler des Imams Abu Hanifa. 117 Einer der Hauptschüler des Imams Abu Hanifa. 118 Der Hauptschüler des Imams Malik.
116 The main student of Imaam Abu Haneefah. 117 One of the main students of Imaam Abu Haneefah. 118 The main student of Imaam Maalik.
119 Hassan Ibrahim Hassan, Islam: A Religious, Political, Social and Economic Study, (Iraq: University of Baghdad, 1967) S. 356–378.
119 Hassan Ibrahim Hassan, Islam: A Religious, Political, Social and Economic Study, (Iraq: University of Baghdad, 1967) pp. 356-378.