Überlieferungen von Hadithen
Narrations Of Hadeeths
Die Ursachen der rechtlichen Meinungsverschiedenheiten, die unter den Rechtsgelehrten bezüglich der Überlieferung und Anwendung von Hadithen entstanden, lassen sich wie folgt unterteilen:
The causes of legal differences, which developed among jurists over the narration and application of Hadeeths may be subdivided as follows:
A) Verfügbarkeit der Hadithe
A) Availability Of Hadeeths
Es gab zahlreiche Fälle, in denen bestimmte Überlieferungen von Hadithen einige Gelehrte nicht erreichten, da die Sahaba, die sie überlieferten, sich in verschiedenen Regionen des islamischen Reiches niedergelassen hatten, und die großen Madhhabs in unterschiedlichen Teilen des Reiches gegründet wurden, noch bevor die umfassenden Sammlungen von Hadithen angefertigt wurden. Genauer gesagt: Die Madhhab des Abu Haneefah (702-767
There were numerous cases where certain narrations of Hadeeths, did not reach some of the scholars, due to the fact that the Sahaabah who narrated them had settled in various regions throughout the Islamic empire, and the major Madhhabs were founded in different parts of the empire before the comprehensive compilations of Hadeeths were made. To be more specific, the Madh-hab of Abu Haneefah (702-767
CE), Mālik (717–855 n. Chr.), Asch-Schāfiʿī und Aḥmad (778–855 n. Chr.) entstanden zwischen der Mitte des achten und dem frühen neunten Jahrhundert n. Chr., während die authentischsten und umfassendsten Sammlungen von Ḥadīth (die Sechs Authentischen170) erst in der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts und in den ersten Jahrzehnten des zehnten zur Verfügung standen.
CE), Maalik (717-855 CE), Ash-Shaafi’ee and Ahmad (778- 855 CE) were founded between the middle of the eighth century CE and the early part of the ninth, whereas the most authentic and comprehensive compilations of Hadeeth (the Sound Six170) were not available until the latter5 part of the ninth century and the early decades of the tenth.
(i) Abu Haneefah vertrat die Auffassung, dass das Istisqaa (Gebet um Regen) kein förmliches gemeinschaftliches Gebet (Salaah) umfasst. Seine Position stützte sich auf die Überlieferung von Anas ibn Malik, wonach der Prophet ﷺ bei einer Gelegenheit spontan ein Du'aa (Bittgebet) um Regen sprach, ohne ein Salaah zu verrichten.171
(i) Abu Haneefah ruled that Istisqaa (prayer for rain) did not include formal congregational prayer (Salaah). His position was based on the narration of Anas ibn Maalik in which the Prophet (s.w.), on an occasion, made a spontaneous Du’aa (supplication) for rain without making Salaah.171
(ii) Doch seine Schüler Abu Yusuf und Muhammad sowie die übrigen Imame waren sich alle darin einig, dass das Gebet um Regen (Salat al-Istisqa) rechtmäßig ist.172 Ihre Auffassung stützte sich auf die Überlieferung von ʿAbbad ibn Tamim und anderen, wonach der Prophet ﷺ zum Gebetsplatz hinausgegangen sei, sich der Qibla (der Richtung Makka) zugewandt um Regen gebeten, seinen Umhang gewendet und die Menschen in zwei Gebetseinheiten vorgebetet habe.173
(ii) However, his students Abu Yousuf and Muhammad and the other Imaams all agreed that Salaah for Istisqaa was correct.172 Their position was based on the narration of ‘Abbaad ibn Tameem and others in which the Prophet (s.w.)was reported to have gone out to the prayer area, made Du’aa for rain facing the Qiblah (direction of Makkah), reversed his cloak and led the people in two units of Salaah.173
B) Schwache Überlieferungen von Ahadith
B) Weak Narrations Of Hadeeths
Es gab Fälle, in denen einige Rechtsgelehrte ihre Urteile auf Hadithe stützten, die tatsächlich ḍaʿīf (schwach und unzuverlässig) waren, sei es, weil sie um die Unzuverlässigkeit dieser Hadithe nicht wussten, oder weil sie die Auffassung vertraten, dass ein schwacher Hadith ihrem Qiyās (analogischer Schlussfolgerung) vorzuziehen sei.174 So vertraten beispielsweise (i) Imam Abū Ḥanīfa, seine Gefährten und Imam Aḥmad ibn Ḥanbal die Ansicht, dass der Zustand der Wudūʾ-Reinheit durch Erbrechen aufgehoben werde, und stützten dieses Urteil auf einen Hadith, der ʿĀʾischa zugeschrieben wird, in dem sie berichtete, der Prophet ﷺ habe gesagt: „Wer von Qayʾ, Ruʿāf oder Qals (verschiedenen Formen des Erbrechens) betroffen wird, soll das Gebet verlassen, Wudūʾ machen und dann dort weitermachen, wo er aufgehört hat, ohne dabei zu sprechen.“175
There were cases where some jurists based their rulings on Hadeeths which were in fact Da’eef (weak and unreliable), because they were unaware of the unreliability of those Hadeeths or because they took the position that a weak Hadeeth was to be preferred to their Qiyaas (analogical deduction)174. For example, (i) Imaam Abu Haneefah, his companions and Imaam Ahmad ibn Hambal all held that the state of Wudoo is broken by vomiting basing their ruling on a Hadeeth attributed to ‘Aa’eshah in which she reportedly claimed that the Prophet (s.w.) had said, “Whoever is afflicted by Qay, Ru’aaf or Qals (different forms of vomiting) should leave (the Salaah), make Wudoo, then continue where he left off without speaking during it.”175
(ii) Imam asch-Schafi'i und Imam Malik entschieden aus zwei Gründen, dass Qai' (Erbrechen) die Wudu' nicht ungültig macht:
(ii) Imaam ash-Shaafi’ee and Imaam Maalik ruled for two reasons that Qay’ (vomit) did not break Wudoo:
Erstens war das oben erwähnte Hadith nicht authentisch, und zweitens wird das Qay' in anderen Quellen des islamischen Rechts nicht ausdrücklich als eine Handlung genannt, die das Wudu bricht.
First, the above mentioned Hadeeth was not authentic and second , Qay’is not specifically mentioned in other sources of Islamic law as an act which breaks Wudoo.
C) Bedingungen für die Annahme von Hadithen
C) Conditions For The Acceptance Of Hadeeths
Weitere Unterschiede unter den Rechtsgelehrten im Bereich der Sunnah entstanden aus verschiedenen Bedingungen, die sie für deren Annehmbarkeit aufstellten. So bestimmte Imam Abu Haneefah, dass ein Hadith bekannt (Mash-hoor, allgemein bekannt) sein musste, bevor er als zulässiger Beweis gelten konnte, während Imam Maalik festlegte, dass ein Hadith den Gebräuchen der Bewohner Madinas nicht widersprechen dürfe, um annehmbar zu sein. Imam Ahmad hingegen hielt Mursal-Hadithe176 als Beweis für annehmbar, während Imam ash-Shaafi'ee nur die Mursal-Hadithe des Sa'eed ibn al-Mussayib akzeptierte, die nach Ansicht der meisten Hadith-Gelehrten als äußerst authentisch galten.177
Other differences among jurists in the area of the Sunnah arose from various conditions they placed on its acceptability. For example, Imaam Abu Haneefah stipulated that a Hadeeth had to be Mash-hoor (well known) before being regarded as admisible evidence, whereas Imaam Maalik stipulated that a Hadeeth must not contradict the customs of the Madeenites in order to be admissible. On the other had, Imaam Ahmad considered Mursal176 Hadeeths acceptable as proof, while Imaam ash-Shaafi’ee accepted only the Mursal Hadeeths of Sa’eed ibn al-Mussayib which most Hadeeth scholars felt were highly authentic.177
D) Auflösung textlicher Widersprüche in Ḥadīthen
D) Resolutions Of Textual Conflict In Hadeeths
Die Begründer der Rechtsschulen (Madh-habs) und ihre Schüler verfolgten bei der Auflösung scheinbarer Widersprüche zwischen den wörtlichen Bedeutungen einiger überlieferter Ḥadīthe zwei Hauptwege. Manche Rechtsgelehrte wählten den Weg des „Tarjīḥ“, das heißt, sie gaben einigen Ḥadīthen den Vorzug und verwarfen andere zum selben Thema. Andere Rechtsgelehrte wählten hingegen den Weg des „Jamʿ“, der darin bestand, solche Ḥadīthe miteinander zu verbinden, indem man einen davon in einem allgemeinen Sinn anwandte. Ein Beispiel dafür ist ein authentischer Ḥadīth, in dem der Prophet ﷺ das Gebet zu bestimmten Zeiten untersagte und sagte: „Nach dem Morgengebet gibt es kein Gebet (erlaubt), bis die Sonne aufgegangen ist, und nach dem Nachmittagsgebet gibt es kein Gebet, bis die Sonne untergegangen ist.“178
The faounders of the Madh-habs and their students took two main approaches in resolving apparent contradictions between the literal meanings of some of the recorded narrations of Hadeeth. Some jurists chose the path of “Tarjeeh” which meant giving preference to some Hadeeths while rejecting others on the same topic. On the other hand, some of the other jurists chose the path of Jama’, which involved combining such Hadeeths using one in one in general sense. For example, there is an authentic Hadeeth in which the Prophet (s.w.) forbade Salaah at certain times saying; “No Salaah (is allowed) after fajr prayer until the sun has rised and after ‘Asr prayer until the sun has set.”178
Gleichzeitig gibt es andere, ebenso authentische Ḥadīthe, in denen bestimmte Salāhs ohne zeitliche Einschränkung empfohlen werden. Zum Beispiel: „Wenn einer von euch eine Masjid betritt, soll er zwei Raka'āt (Gebetseinheiten) beten, bevor er sich setzt.“179
At the same time there are other equally authentic Hadeeths in which certain Salaahs were recommended without time restriction. For example, “If any of you enters a masjid, he should pray two Raka’aat (units of prayer) before sitting down.”179
(i) Imam Abu Haneefah gab dem ersten Hadith den Vorzug und entschied, dass alle Formen des Salah zu den verbotenen Zeiten untersagt sind.
(i) Imaam Abu Haneefah gave preference to the first Hadeeth and ruled that all forms of Salaah were forbidden during the forbidden times.
(ii) Imam Malik, Imam asch-Schafi'i und Imam Ahmad haben die beiden Hadithe miteinander verbunden und entschieden, dass der erste Hadith allgemein gehalten ist und sich auf freiwilliges Gebet (Nafl) bezieht, während der zweite Hadith spezifisch ist und das überaus empfohlene Gebet (Mustahabb) auch zu den allgemein verbotenen Zeiten erlaubt.180
(ii) Imaam Malik, Imaam ash-Shaafi’ee and Imaam Ahmad combined the two Hadeeths, ruling that the first Hadeeth was general and referred to voluntary Salaah (Nafl), whereas the second Hadeeth was specific, allowing highly recommended Salaah (Mustahabb) even during the generally frobidden times.180
Die Hadith-Sammlungen von Bukhaaree, Muslim, Abu Daawood, at-Tirmidhee, an-Nasaaee und Ibn Maajah.
170 The Hadeeth books of Bukhaaree, Muslim, Abu Daawood, at-Tirmidhee, an-Nasaaee and Ibn Maajah.
171 Überliefert von Muslim (Sahih Muslim (englische Übersetzung), Bd. 1, S. 423-4, Nr. 1956).
171 Collected by Muslim (Sahih Muslim (English Trans.), vol. 1, pp. 423-4, no. 1956).
172 al-Mughnee, Bd. 2, S. 320. Siehe auch Bidaayah al-Mujtahid, Bd. 1, S. 182.
172 al-Mughnee, vol. 2, p. 320. See also Bidaayah al-Mujtahid, vol. 1, p. 182.
Überliefert von Muslim (Sahih Muslim (englische Übers.), Bd. 1, S. 422, Nr. 1948).
173 Collected by Muslim (Sahih Muslim (English Trans.), vol. 1, p. 422, no.1948).
174 al-Madkhal, S. 210.
174 al-Madkhal, p. 210.
175 Von Ibn Maajah überliefert, von ‘Aa’eshah, und als Da’eef (schwach) eingestuft
175 Collected by Ibn Maajah from ‘Aa’eshah and rated Da’eef (inaccurate)
von al-Albaanee in Da'eef al-Jaami' as-Sagheer (Beirut: al-Maktab al-Islaamee, 1079), Bd. 5, S. 167, Nr. 5434.
by al-Albaanee in Da’eef al-Jaami’ as-Sagheer (Beirut: al-Maktab alIslaamee, 1079), vol. 5, p. 167, no. 5434.
176 Hadith, überliefert von einem der Schüler der Sahaba, ohne den Namen des Sahabi zu nennen, von dem er ihn gehört hatte.
176 Hadeeth reported byone of the Students of the Sahaabah without mentioning the name of the sahabee from whom he had heard it.
177 Ibn Taymeeyah, Raf’ul-Malaam ‘an al-A’immah al-A’laam, (Beirut: alMaktab al-Islaamee, 3. Aufl., 1970), S. 31.
177 Ibn Taymeeyah, Raf’ul-Malaam ‘an al-A’immah al-A’laam, (Beirut: alMaktab al-Islaamee, 3rd . ed. , 1970), p. 31.