Der Zaiditische Madhhab
The Zaydee Madh-hab
Der Begründer: Imam Zaid (700–740 n. Chr.)
The Founder: Imaam Zayd (700-740 CE)
Diese Rechtsschule führt ihren Ursprung auf einen der Urenkel von ʿAlī ibn Abī Ṭālib über dessen Sohn al-Ḥusayn zurück. Imām Zayds Vater, ʿAlī Zayn al-ʿĀbidīn, war für sein großes Rechtswissen und seine Überlieferung von Ḥadīthen bekannt. Zayd ibn ʿAlī wurde im Jahr 700 n. Chr. in al-Madīnah geboren und wurde bald einer der angesehensten Gelehrten der ʿAlawiyyah-Familie. Er überlieferte Ḥadīthe von all seinen Verwandten, einschließlich seines älteren Bruders Muḥammad al-Bāqir.137 Zayd erweiterte sein Wissen, indem er in die anderen großen Lernzentren im Irak reiste, nach Kufa, Basra und Wāsit, wo er mit seinen Zeitgenossen wie Abū Ḥanīfah und Sufyān ath-Thawrī zusammenkam und Ansichten austauschte.
This Madh-hab traces its origin to one of ‘Alee ibn Abee Taalib’s great grandsons through his son al-Husayn. Imaam Zayd’s father, ‘Alee Zayn al-‘Aabideen, was well known for his great legal knowledge and his narration of Hadeeths. Born in al-Madeenah in the year 700 CE, Zayd ibn ‘Alee soon became one of the foremost scholars of the ‘Alawee family. He narrated Hadeeths from all of his relatives including his older brother, Muhammad al-Baaqir.137 Zayd expanded his knowledge by travelling to the other major centers of learning in Iraq, Kufah, Basrah and wasit, where he sat and exchanged views with his contemporaries like Abu Haneefah and Sufyaan ath-Thawree.
Der umayyadische Kalif Hischam ibn ʿAbdul-Malik (Herrschaft 724–743 n. Chr.) ließ keine Gelegenheit aus, die Familie der ʿAlawiyyin zu erniedrigen und zu demütigen, und Zaid ibn ʿAlī wurde häufig besonders angefeindet.
The Umayyad caliph, Hishaam ibn ‘Abdul-Malik (reign 724- 743 CE) never missed an opportunity to degrade and humiliate the ‘Alawee family and Zayd ibn ‘Alee was often singled out for abuse.
Er durfte die Stadt Madeenah nicht ohne die Erlaubnis ihres Statthalters verlassen, und seine Gesuche um Erlaubnis wurden häufig immer wieder abgelehnt. Schließlich wurde Zayd der erste unter den Nachkommen ʿAlīs, der nach der Katastrophe von Karbalaa versuchte, dem Kalifat der Umayyaden die Macht zu entreißen. Er reiste heimlich nach Kufah, wo sich ihm die Schiiten aus dem Irak, aus Wasit und anderen Orten anschlossen, und traf Vorbereitungen für einen Kampf gegen die Umayyaden. Mehrere seiner Verwandten warnten ihn davor, sich auf die Kufaner zu verlassen, da gerade deren Verrat an Imam Husayn zu dessen vorzeitigem Tod geführt hatte, doch er beachtete ihre Warnungen nicht. Noch bevor seine Vorbereitungen abgeschlossen waren, brachen unter seinen neuen Anhängern Streitigkeiten aus, als sie erfuhren, dass er die ersten Kalifen, Abū Bakr und ʿUmar, nicht für Abtrünnige hielt, die das Kalifat seinem Großvater gestohlen hätten. Die Mehrheit seiner Anhänger wandte sich von ihm ab und erklärte seinen Neffen Jaʿfar as-Sādiq anstelle von Zayd zum Imam der Zeit.
He was not allowed to leave the city of Madeenah without the permission of its governor and his repuests for permission were often turned down repeatedly. Eventually, Zayd became the first of ‘Alee’s descendants to try to wrest the caliphate from the Umayyads after the catstrophe at Karbalaa. He travelled sectetly to Kufah where he was joined by the Shi’ites of Iraq, Wasit and other places, and made preparation to do battle with the Umayyads. A number of his relatives warned him against depending on the Kufans, as it was their betrayal of Imaam Husayn which led to his untimely death, but he did not heed their warnings. Before his preparations were complete, disputes arose among his new followers when they found out that he did not consider the first caliphs, Abu Bakr and ‘Umar, to be apostates who stole the caliphate from his grandfather. The majority of his followers broke away from him and declared his nephew, Ja’far as-Sadiq, to be the Imaam of the time instead of Zayd.
Die Armee Hischāms nutzte die Verwirrung aus und überraschte Kufa mit einem Angriff. Nur etwas mehr als vierhundert Anhänger scharten sich um Imam Zayd, und er fiel während der Kämpfe, die daraufhin ausbrachen. 138
Hishaam’s army took advantage of the confusion and made a surprise attack on Kufah. Only a little more than four hundred followers rallied to Imaam Zayd’s side and he was killed during the fighting which ensued. 138
Entstehung der Zaydī-Madhhab
Formation Of The Zaydee Madh-hab
Imam Zaid war ein Gelehrter, der sich vor allem mit der Überlieferung von Ḥadīthen und dem Rezitieren des Qur'ān befasste. Er lehrte in Lehrkreisen in den Städten Madīna, Baṣra, Kūfa und Wāsiṭ und hatte daher eine große Zahl an Schülern. Die Methode, die Zaid anwandte, bestand darin, Ḥadīthe zu überliefern und die Kunst der Qur'ān-Rezitation zu lehren. Wurden rechtliche Fragen aufgeworfen, so löste er sie entweder selbst oder wählte die Meinung eines seiner Zeitgenossen, etwa des Rechtsgelehrten ʿAbdurraḥmān ibn Abī Laylā. Die Rechtsentscheidungen der Madhhab wurden weder von Zaid selbst diktiert noch niedergeschrieben, sondern von seinen Schülern.
Imaam Zayd was a scholar concerned mainly with the narration of Hadeeths and recitation of the Qur’aan. He taught in circles of learning in the cities of Madeenah, Basrah, Kufah and Wasit, and thus had a large number of students. The method used by Zayd was that of narrating Hadeeths and teaching the art of Qur’anic recitation. If legal questions were raised, he would solve them or choose an opinion of one of his contemporaries like the jurist ‘Abdur-Rahman ibn Abee Laylaa. The rulings of the Madh-hab were not dictated nor recorded by Zayd himself; but by his students.
Rechtsquellen der zaiditischen Madhhab
Sources Of Law Used By The Zaydee Madh-hab
Die Rechtsgelehrten der Madh-hab leiteten aus den Urteilen des Imams Zayd die folgenden Quellen ab, auf deren Grundlage sie die islamischen Gesetze herleiteten.
The jurists of the Madh-hab evolved the following Sources from Imaam Zayd’s rulings as the basis from which they deduced Islamic laws.
1. Der Qur'an
1. The Qur’aan
Der Qur'an galt als die primäre Quelle des islamischen Rechts.
The Qur’aan was considered the primary source of Islamic law.
Die bestehende Abschrift des Qur’aan wurde als vollständig angesehen, ohne jegliche Auslassungen, wie sie von vielen extremistischen schiitischen Sekten behauptet werden.
The existing cop0y of the Qur’aan was considered to be complete without any of the deletions claimed by many extremist Shi’ite sects.
2. Die Sunnah
2. The Sunnah
Die Aussagen, Handlungen und Billigungen des Propheten ﷺ galten als die zweitwichtigste Quelle des islamischen Rechts. Die Sunna war nicht auf die Überlieferungen der Familie ʿAlawī oder ihrer Anhänger beschränkt, sondern umfasste alle verlässlichen Überlieferungen.
The sayings, actions and approvals of the Prophet (s.w.) were considered the second most important source of Islamic law. The Sunnah was not restricted to narrations of the ‘Alawee family or their followers, but included all reliable narration.
3. Aqwaal ‘Alee
3. Aqwaal ‘Alee
Aussagen und Entscheidungen von ʿAlī ibn Abī Ṭālib, die nicht lediglich seine persönlichen Meinungen waren, betrachtete Imam Zayd als Teil der Sunnah. Das heißt: Wenn ʿAlī nicht gesagt hatte oder andeutete, dass es sich um seine Meinung handelte, nahm Zayd an, dass es vom Propheten ﷺ stammte. Zayd akzeptierte jedoch nicht alles, was ʿAlī zugeschrieben wurde, und fällte mitunter Entscheidungen, die dem widersprachen, was als Entscheidungen ʿAlīs überliefert wurde. So wird beispielsweise berichtet, dass ʿAlī entschieden habe, die Zakāh dürfe von Waisen eingezogen werden, während Zayd entschied, dass dies nicht zulässig sei.
Rulings and statements of ‘Alee ibn Abee Taalib which were not merely his personal opinions were considered by Imaam Zayd to be a part of the Sunnah. That is, If ‘Alee did not say or imply that it was his opinion, then Zayd assumed that it was from the Prophet (s.w.). However, Zayd did not accept everything attributed to ‘Alee and somethimes made rulings contrary to what were claimed to be ‘Alee’s rulings. For example, it is reported that ‘Alee ruled that Zakaah could be collected from orphans while Zayd ruled that it could not.
4. Ijmāʿ der Gefährten
4. Ijmaa’ Of The Sahaabah
Zayd erkannte den Ijmaa' der Gefährten (Sahaba) als eine Quelle des islamischen Rechts an. Daher hielt er, obwohl er der Meinung war, dass sein Großvater für die Führung besser geeignet war als die Kalifen Abu Bakr, ʿUmar und ʿUthmān, die einstimmige Anerkennung ihres Kalifats durch die Gefährten für rechtlich bindend.
Zayd recognized the Ijmaa’ of the Sahaabah as a source of Islamic law. Hence, although he felt that his grandfather was better suited for leadership than Caliphs Abu Bakr, ‘Umar, and ‘Uthmaan, the unanimous acceptance of their caliphate by the Sahaabah made it, in his opinion, legally binding.
5. Qiyās
5. Qiyaas
Nach Ansicht der Rechtsgelehrten dieser Madhhab beinhalteten sowohl das Prinzip der Istihsan als auch das der Istislah eine Form der analogen Schlussfolgerung. Folglich betrachteten sie beide als Teil dessen, was in der anderen Madhhab als Qiyas bekannt war.
According to the jurists of this Madh-hab, both the principles of Istihsaan and that of Istislaah involved a form of analogical deduction. Consequently, they considered them a part of what was known a Qiyaan in the other Madh-hab
6. ʿAql
6. ‘Aql
Die menschliche Vernunft wurde im 8. Jahrhundert n. Chr. als Quelle des islamischen Rechts betrachtet, und zwar dort, wo keine der früheren Quellen anwendbar war. Als junger Mann hatte Imam Zayd Wasil ibn ‘Ata, den Begründer der Mu‘tazila-Schule, kennengelernt und bei ihm studiert. Die Mu‘taziliten waren die Ersten, die das Prinzip des ‘Aql (der Vernunft) vertraten: Was der Verstand als gut erachte, sei gut, und was er als schlecht erachte, sei schlecht. Nach Auffassung der Mu‘taziliten kam der ‘Aql jedoch unmittelbar nach dem Qur'an und der Sunnah, weshalb sie den Qiyas sowie die Meinungen der Sahaba139 ablehnten. Imam Zayd hingegen stellte das Prinzip des ‘Aql an die letzte Stelle und erkannte den Qiyas an.
Human intellect was considered as a source of Islamic law in ce where none o the previous sources was applicable. As a youth, Imaan Zayd had met and studied under Waasil ibn ‘Ataa, founder of the Mu’tazilite school of thought. The Mu’tazilites were the first to propound the principle of ‘Aql; whatever, the intellect considered good was good and whatever it consedered bad was bad. However, according to the Mu’taziah, ‘Aql came directly after the Qur’aan and Sunnah, and thus they rejected Qiyaas, as well as the opinions of the Sahaabah,139 whereas Imaam Zayd placed the principle of ‘Aql last and recognized Qiyaas.
Hauptschüler der Zaydi-Madhhab
Main Students Of The Zaydee Madh-hab
Die Schüler des Imams Zayd haben die Lehre der Madhhab überliefert. Sie haben jedoch auch die Urteile anderer Gelehrter aus der Familie der ʿAlawiyyīn sowie der Zeitgenossen Zayds aufgenommen.
Imaam Zayd’s students recorded the Madh-hab. However, they also included the rulings of others scholars form the ‘Alawee family as well as Zayd’s contemporaries.
‘Amr ibn Hai war vielleicht der berühmteste unter Imam Zayds Schülern. Er verbrachte lange Zeit mit ihm in Madinah und begleitete ihn auf den meisten seiner Reisen. ‘Amr sammelte Imam Zayds Lehre in zwei bedeutenden Werken mit den Titeln Majmu‘ al-Hadith und Majmu‘ al-Fiqh. Zusammen werden sie al-Majmu‘ al-Kabir genannt. Obwohl alle Hadith-Überlieferungen im Majmu‘ al-Hadith von der Familie der ‘Alawi stammen, finden sich zu ihnen allen entsprechende Überlieferungen in den berühmten sechs Hadith-Büchern.
‘Amr ibn hai was perhaps the most famous of Imaam Zayd’s students. He spent a long time with him in Madeenah and accompanied him on most of his journeys. ‘Amr compiled Imaam Zayd’s teaching in two major works entitled Majmoo’ al-Hadeeth and Mjmoo’ al-Fiqh. Together they are called al-Majmoo’ alKabeer. Although all of the Hadeeth narrations in Majmoo’ alHadeeth are from the ‘Alawee family they all have corresponding narrations in the famous six books of Hadeeth.
Al-Hādī ilā al-Ḥaqq, Yaḥyā ibn al-Ḥusayn (860–911 n. Chr.)
Al-Haadee Elaa Al-Haqq, Yahyaa Ibn Al-Husayn (860-911 CE)
Die Zaiditen beschränkten sich nicht auf die Rechtsentscheidungen des husainidischen Zweigs der ʿAlawiten-Familie. Daher flossen auch die Ansichten al-Qāsim ibn Ibrāhīm al-Hasanīs (787–857 n. Chr.), der für seine Gelehrsamkeit berühmt wurde, in die Rechtsentscheidungen der zaiditischen Madhhab ein. Noch größeren Einfluss auf die Madhhab hatte jedoch al-Qāsims Enkel al-Hādī ilā l-Haqq, der zum Imam des Jemen ernannt wurde. Im Jemen wurde nach der zaiditischen Madhhab ein islamischer Staat errichtet, der ihr einen festen Halt gab und ihren Fortbestand bis heute sicherte.
The Zaydees did not restrict themselves to the rulings of the Husaynee side of the ‘Alawee family. Hence, the opinions of alQaasim ibn Ibraaheem al-Hasanee (787-857 CE), who became renowned for his scholarship, were also included in the rulings of the Zaydee Madh-hab. However, al-Qaasim’s grandson, al-Haadee elaa al-Haqq, who was made the Imaam of Yemen, made an even greater impact on the Madh-hab. An Islamic state was set up in Yemen according to the Zaydee Madh-hab which gave it a firm footing and ensured its survival till today.
Al-Hasan Ibn ʿAlī Al-Husaynī (845–917 n. Chr.)
Al-Hasan Ibn ‘Alee Al-Husaynee (845-917 CE)
Al-Hasan, bekannt als an-Naasir al-Kabeer, war ein Zeitgenosse al-Haadis. Er lehrte die zaiditische Rechtsschule in Dailam und Dschiilan. Er war ein großer Gelehrter, und seine Nachfolger betrachten ihn als den Erneuerer der Rechtsschule.140
Al-Hasan, known as an-Naasir al-Kabeer, was a contemporaryof alHaadee. He taught the Zaydee Madh-hab in Dailam and Jeelan. He was a great scholar and its considered by his successors as the reviver of the Madh-hab.140
Anhänger der Zaidi-Madhhab
Followers Of The Zaydee Madh-hab
Heute finden sich die Anhänger dieser Madhhab hauptsächlich im Jemen, wo sie die Madhhab der Mehrheit seiner Einwohner ist.
Today, the followers of this Madh-hab are mostly found in Yemen where it is the Madh-hab of the Majority of its inhabitans.