4.11 Der Khalifah ist an die Regeln der Scharia hinsichtlich der Übernahme (Erlassung von Gesetzen) gebunden.
4.11 The Khalifah is restricted to the Shari’ah rules regarding adoption (enacting of laws)
Der Khalifa ist in seinen Befugnissen zur Übernahme (von Regeln) durch die göttlichen Vorschriften gebunden. Es ist ihm daher untersagt, eine Regel zu übernehmen, die nicht aus den göttlichen Beweisen abgeleitet wurde. Ferner ist er verpflichtet, sich auf die Regeln zu beschränken, die er übernommen hat, sowie auf die Methode des Ijtihad (der Ableitung von Regeln), zu der er sich verpflichtet hat. Daher ist es ihm untersagt, eine Regel zu übernehmen, die nach einer Methode abgeleitet wurde, die der von ihm übernommenen widerspricht, oder einen Befehl zu erlassen, der den von ihm übernommenen Regeln widerspricht. Der Khalifa ist somit in zwei Angelegenheiten eingeschränkt: .
The Khalifah is restricted by the divine rules in his powers of adoption. He is thus forbidden from adopting a rule that has not been extracted from the divine evidences. He is also obliged to restrict himself to the rules he has adopted, and to the method of ijtihad (extracting rules) he has committed himself to. Therefore he is forbidden from adopting a rule that has been extracted by a method that is contrary to the one he had adopted, or from issuing an order that contradicts the rules which he has adopted. The Khalifah is thus restricted with two matters: .
Die Belege für den ersten Punkt, nämlich dass der Kalif bei der Übernahme der göttlichen Regeln eingeschränkt ist, lauten:
The evidences for the first matter, i.e. the Khalifah is restricted regarding the adoption of the divine rules, are: .
1. Allah (SWT) hat jeden Muslim, einschließlich des Kalifen, verpflichtet, seine Handlungen nach den göttlichen Regeln auszurichten. Allah (SWT) sagt: .
1. Allah (S.W.T) has obliged every Muslim, including the Khalifah to conduct his actions according to the divine rules. Allah (S.W.T) says: .
„Doch nein, bei deinem Herrn, sie werden nicht glauben, bis sie dich zum Richter machen über das, was zwischen ihnen strittig ist." [TMQ 4:65]
"But no, by your lord, they will not believe (in the truth) until they make you judge of what is in dispute between them." [TMQ 4-65] .
Die Ausführung von Handlungen gemäß den göttlichen Regeln verpflichtet den Muslim, eine bestimmte Regel anzunehmen, wenn das Verständnis der Rede des Gesetzgebers voneinander abweicht, d. h. wenn das Verständnis der Bedeutung der Rede des Gesetzgebers variiert. Somit wird die Übernahme einer bestimmten Regel aus verschiedenen Regeln für den Muslim verpflichtend, wenn er eine Handlung ausführen will, d. h. wenn er die Regel umsetzen will. Dies ist auch für den Khalifah verpflichtend, wenn er seine Pflicht erfüllt, die in der Herrschaftsausübung besteht.
Conducting actions according to the divine rules obliges the Muslim to adopt a specific rule when understanding of the Legislator’s speech varies, i.e. when understanding the meaning of the Legislator’s speech varies. So adopting a specific rule from amongst various rules becomes obligatory upon the Muslim when he wants to carry out an action, i.e. when he wants to implement the rule. This is also obligatory upon the Khalifah, when he performs his duty, which is the ruling. .
2. Der Inhalt des Treueeids (Bay'ah), den der Khalifah erhält, verpflichtet ihn, die islamische Scharia einzuhalten, da es sich um einen Treueeid auf das Buch (Allahs) und die Sunnah handelt. Es ist ihm daher verboten, ihn zu brechen, und er kann sogar den Unglauben begehen, wenn er dies in der festen Überzeugung tut. Verstößt er gegen die Scharia, ohne dies zu glauben, gilt er als ungehorsam, als Frevler und als Rebell.
2. The content of the text of the bayah which the Khalifah is given obliges him to abide by the Islamic Shariah, as it is a bayah on the Book and the Sunnah. He therefore is forbidden from violating it and may even commit an act of disbelief if he did so with conviction. If he violated the Shariah without conviction he would be considered disobedient, a wrongdoer and a rebel. .
3. Der Khalifah ist eingesetzt, um die Scharia umzusetzen. Daher ist es ihm verboten, bei der Regierung der Muslime auf etwas anderes als die Scharia zu verweisen. Dies liegt daran, dass die Scharia dies entschieden für unrechtmäßig erklärt hat, und zwar in dem Maße, dass der Glaube dessen gefährdet ist, der nach anderem als dem Islam regiert; und dies ist eine Angelegenheit, die entschiedene Konsequenzen trägt. Das bedeutet, dass der Khalifah bei seiner Übernahme der Regeln, d. h. beim Erlassen von Gesetzen, ausschließlich an die göttlichen Regeln gebunden ist. Wenn er ein Gesetz aus etwas anderem als der Scharia erlässt, begeht er einen Akt des Unglaubens, sofern er dies in der Überzeugung tut, und einen Akt des Ungehorsams, des Unrechts und der Auflehnung, sofern er nicht an dieses Gesetz glaubt. Was den zweiten Punkt betrifft: Der Khalifah ist an die Regeln gebunden, die er übernimmt, und an die Methode der Ableitung, der er sich verpflichtet. Der Beweis dafür ist, dass die göttliche Regel, die der Khalifah ausführt, die göttliche Regel ist, die auf seinem Nacken liegt und nicht auf dem eines anderen. Mit anderen Worten ist es die göttliche (scharia-rechtliche) Regel, die er übernommen hat, um seine Angelegenheiten zu führen, und nicht irgendeine beliebige göttliche Regel. Das bedeutet: Wenn der Khalifah eine Regel ableitet oder einer Regel folgt, wird diese göttliche Regel zur Regel Allahs auf seinem Nacken. Er ist dann auch darin gebunden, diese Regel für alle Muslime zu übernehmen, und es ist ihm verboten, eine andere Regel zu übernehmen, denn eine andere Regel wäre nicht die Regel Allahs auf seinem Nacken und somit keine göttliche (scharia-rechtliche) Regel für ihn und folglich auch keine göttliche (scharia-rechtliche) Regel für die Muslime. Daher ist er in den Anordnungen, die er für die Untertanen erlässt, an die göttlichen (scharia-rechtlichen) Regeln gebunden, die er übernommen hat. Es ist ihm verboten, eine Anordnung zu erlassen, die dem widerspricht, was er an göttlichen (scharia-rechtlichen) Regeln übernommen hat. Würde er dies tun, wäre es, als erließe er eine Anordnung, die der göttlichen (scharia-rechtlichen) Regel zuwiderläuft; daher ist es ihm verboten, eine Anordnung zu erlassen, die dem widerspricht, was er an göttlichen (scharia-rechtlichen) Regeln übernimmt.
3. The Khalifah is appointed to implement the Sharia, therefore he is forbidden to refer to anything other than Sharia in ruling the Muslims. This is because Sharia has made this decisively unlawful, to the point where belief is compromised for anyone who rules by other than Islam, and this is a matter which carries decisive connotations. This means that the Khalifah is restricted in his adoption of the rules, i.e. in his enacting of laws, solely by the divine rules. If he enacts any law from other than Sharia, he would be committing an act of disbelief if he did so with conviction, and an act of disobedience, wrongdoing and rebellion if he did not believe in it. As for the second matter, the Khalifah is restricted to the rules that he adopts, and to the method of deduction he commits himself to. The evidence for this is that the divine rule that the Khalifah executes is the divine rule that is upon his neck and not on anybody else. In other words it is the divine (Shariah) rule that he adopted to conduct his affairs and not just any divine rule. This means that if the Khalifah extracted a rule or imitated in a rule, this divine rule would become Allah’s rule on his neck. He would be restricted also in adopting this rule for all the Muslims, and forbidden from adopting any other rule, for another rule would not be Allah’s rule upon his neck, and therefore it would not be a divine (Shariah) rule for him, and accordingly it would not be a divine (Shariah) rule for the Muslims. Therefore he is restricted in the orders which he decrees for the subjects by the divine (Shariah) rules that he has adopted. He is forbidden from issuing an order that conflicts with what he has adopted in terms of divine (Shariah) rules. In the case he did so, it would be as if he issued an order contrary to the divine (Shariah) rule, hence he is forbidden from issuing an order conflicting with what he adopts in terms of divine (Shariah) rules. .
Auch das Verständnis der göttlichen (scharia-rechtlichen) Regel variiert je nach der Methode der „Istinbat“ (Ableitung). Wenn der Khalifah der Ansicht ist, dass die ‘Illah (wirksame Rechtsursache) einer Regel nur dann als göttliche Ursache gilt, wenn sie aus einem göttlichen (scharia-rechtlichen) Text entnommen ist, und wenn er weder das Interesse (maslaha) als göttliche Ursache betrachtet noch die Masalih mursala (ungebundenen Interessen) als göttlichen (scharia-rechtlichen) Beweis ansieht, dann hat er die Methode der Istinbat für sich selbst festgelegt. Demgemäß muss er sich an sie halten, und es wäre falsch für ihn, eine Regel zu übernehmen, deren Beweis die „Masalih mursala“ wäre, oder einen Analogieschluss (qiyas) auf eine ‘illah (Ursache) zu stützen, die nicht aus einem göttlichen (scharia-rechtlichen) Text abgeleitet wurde. Denn eine solche Regel würde für ihn nicht als göttliche Scharia-Regel gelten, die ihm obliegt, weil er ihre Quelle nicht als göttlichen (scharia-rechtlichen) Beweis anerkennt; daher wäre sie in seiner Sicht keine göttliche Scharia-Regel. Und da eine solche Regel für den Khalifah nicht als göttliche Regel gilt, würde sie auch für die Muslime keine göttliche Regel sein. Das wäre so, als hätte der Khalifah eine der Scharia fremde Regel übernommen, und dies ist verboten. Ist der Khalifah dagegen ein „Muqallid“ (Nachahmer) oder ein Mujtahid fi’l-Mas’ala (Rechtsgelehrter in einer einzelnen Frage) und hat keine bestimmte Methode der Istinbat, so darf er in diesem Fall jede göttliche (scharia-rechtliche) Regel übernehmen, gleich welchen Beweises, solange er einen wahrscheinlichen Beweis hat; und er ist in der Übernahme der Regeln an keine Methode gebunden. Er ist nur insofern gebunden, als er Anordnungen erlässt: Er darf sie nicht anders erlassen als in Übereinstimmung mit den Regeln, die er übernommen hat.
The understanding of the divine (Shariah) rule also varies according to the method of "Istinbat" (extraction). If the Khalifah considers that the ‘Illah (effective legal cause) of the ruling is considered a divine cause if taken from a divine (Shariah) text, and he does not consider the interest (maslaha) as a divine cause, nor consider the Masalih mursala (unrestricted interests) as being a divine (Shariah) evidence, then he would have defined the method of istinbat for himself. Accordingly, he must restrict himself to it, and it would be wrong for him to adopt a rule that had its evidence as "Masalih Mursala", or to use an analogy (qiyas) based on an ‘illah (cause) that was not extracted from a divine (Shariah) text. For such a rule would not be considered a divine Shariah rule upon his neck, because he does not consider its source as a divine (Shariah) evidence, therefore it would not be a divine Shariah rule in his view. And since such a rule is not considered a divine rule for the Khalifah, it would also not be a divine rule for the Muslims. This would be as if the Khalifah adopted a rule alien to the Shariah and this is forbidden. If the Khalifah is a "Muqallid" (imitator) or a Mujtahid fi’l-Mas’ala (Jurisprudent in a single matter), and has no specific method of Istinbat, in this case, he is allowed to adopt any divine (Shariah) rule whatever its evidence, as long as he has a probable evidence, and he would not be restricted by any method in adopting the rules. He is only restricted when he issues orders, not to issue them except in accordance with the rules he has adopted.