5.2 Die verpflichtenden Befugnisse der beauftragten Gehilfen
5.2 The mandatory powers of the delegated assistants
Die Aufgabe des delegierten Assistenten
The task of the delegated assistant
Die Aufgabe des delegierten Assistenten besteht darin, dem Khalifah alle Arbeiten vorzulegen, die er durchzuführen beabsichtigt. Anschließend berichtet er dem Khalifah, welche Entscheidungen er getroffen und welche Verwaltungs- und Ernennungsaufgaben er erledigt hat, damit der Assistent nicht in seinen Befugnissen dem Khalifah gleichkommt. Daher besteht seine Aufgabe darin, seine Prüfung vorzulegen und sie dann auszuführen, es sei denn, der Khalifah hindert ihn daran.
The task of the delegated assistant is to submit to the Khalifah all the work he intends to perform. He then reports to the Khalifah what he has executed in terms of decisions and what he has discharged in terms of management and appointment, so that the assistant would not become like the Khalifah in his powers. Therefore, his job is to submit his review and then execute it, unless the Khalifah stops him from doing so. .
Der Beweis dafür ist das Wesen des Mu'awin, der als Stellvertreter des Khalifen in dem ihm übertragenen Aufgabenbereich tätig ist. Ein Stellvertreter handelt im Auftrag desjenigen, der ihn als seinen Stellvertreter eingesetzt hat. Somit wird er nicht unabhängig vom Khalifen, sondern berät sich mit ihm über jede Handlung, so wie 'Umar (ra) es tat, als er Wazir des Abu Bakr war: Er besprach mit Abu Bakr, was er zu tun beabsichtigte, und führte es dann entsprechend aus. Sich mit dem Khalifen zu beraten bedeutet nicht zwingend, dass er in jedem einzelnen Detail seine Erlaubnis einholen muss, denn dies widerspräche dem Wesen des Mu'awin. Es bedeutet vielmehr, die Angelegenheit mit ihm zu besprechen. Diese Angelegenheiten können die Notwendigkeit betreffen, einen fähigen Wali für eine der Provinzen einzusetzen, den Beschwerden der Menschen über Lebensmittelknappheit auf dem Markt nachzugehen oder jede andere Angelegenheit des Staates. Er kann ihm auch eine Sache in Form einer Vorlage unterbreiten, wodurch es dem Mu'awin künftig erlaubt sein kann, die Sache mit allen Einzelheiten durchzuführen, ohne dass er um Erlaubnis zum Handeln bitten muss. Wenn der Khalife jedoch den Befehl erteilt, die Umsetzung einer Angelegenheit zu stoppen, so darf sie nicht ausgeführt werden. Die Vorlage ist daher lediglich die Darlegung eines Vorschlags und die Beratung mit dem Khalifen darüber; sie bedeutet nicht, um Erlaubnis zur Durchführung der Aufgabe zu bitten. Der Mu'awin kann die betreffende Aufgabe ausführen, solange der Khalife ihn nicht daran hindert.
The evidence for this is the nature of the Mu’awin who is s a deputy of the Khalifah in the issue designated to him. A deputy acts on behalf of the person who appointed him as his deputy. Thus he does not become independent from the Khalifah, but rather reviews with him every action just as ‘Umar (ra) used to do when he was a wazir to Abu Bakr, whereby he would review with Abu Bakr what he intended to perform, then executed it accordingly. Reviewing with the Khalifah does not necessarily mean that he needs to ask his permission in every single detail, for this contradicts the nature of the Mu’awin. It rather means discussing the matter with him. These matters may be regarding the need of appointing a capable wali to one of the provinces, dealing with the complaints of the people regarding food shortage in the market, or any other affair of the state. He may also submit a matter to him, in the form of a presentation, which in the future may make it legitimate for the Mu’awin to carry out the matter with all its details, without the need for permission to act. However, if the Khalifah issues orders to stop the implementation of any matter, then it should not be executed. Hence, the presentation is simply the putting forward of a proposal and the consultation with the Khalifah about it; and it does not mean seeking permission to carry out the task. The Mu’awin can execute the task in question as long as the Khalifah does not stop him from doing so. .
Der Kalif sollte die Handlungen des Mu'awin und seine Verwaltung der Angelegenheiten überprüfen, um das Richtige zu billigen und das Falsche zu berichtigen. Dies deshalb, weil die Führung der Angelegenheiten der Ummah dem Kalifen übertragen ist und von ihm gemäß seinem eigenen Ijtihad wahrgenommen wird. Der Beweis dafür ist das Hadith über die Verantwortung gegenüber den Untertanen, in dem der Gesandte Allahs ﷺ sagte: .
The Khalifah should review the actions of the Mu’awin and his management of affairs, in order to approve what is right and redress what is wrong. This is so because the management of the Ummah’s affairs is commissioned to the Khalifah and discharged according to his own ijtihad. The evidence for this is the Hadith of responsibility over the subjects where the Messenger of Allah (PBUH) said: .
„Der Imam ist ein Hüter, und er ist für seine Untertanen verantwortlich.“ [Bukhari, Sahih, Nr. 893].
“The Imam is a guardian and he is responsible over his subjects.” [Bukhari, Sahih. #893].
Daher ist der Khalifah zur Führung der Regierungsgeschäfte berechtigt, und er trägt die Verantwortung gegenüber seinen Untertanen, während der delegierte Mu'awin nicht gegenüber den Untertanen verantwortlich ist, sondern lediglich für seine eigenen Handlungen. Die Verantwortung gegenüber den Untertanen beschränkt sich allein auf den Khalifah. Daher ist der Khalifah verpflichtet, die Handlungen des Mu'awin und dessen Amtsführung zu überprüfen, um seiner Pflicht gegenüber seinen Untertanen nachzukommen. Abgesehen davon kann der delegierte Gehilfe gelegentlich Fehler begehen, und der Khalifah muss solche Fehler korrigieren; daher muss er sämtliche Handlungen des Gehilfen überprüfen. Aus diesen beiden Gründen – der Erfüllung seiner Verantwortung gegenüber seinen Untertanen und der Korrektur möglicher Fehler des delegierten Gehilfen – ist der Khalifah verpflichtet, alle Handlungen des Mu'awin zu überprüfen.
Therefore, the Khalifah is entitled to the task of government and he is responsible over his subjects, whereas the delegated Mu’awin is not responsible over the subjects, but he is merely responsible for his own actions. The responsibility over the subjects is confined to the Khalifah alone. Therefore, the Khalifah is obliged to review the actions of the Mu’awin and his performance in order to fulfil his duty towards his subjects. Aside from this, the delegated assistant can sometimes make errors, and the Khalifah has to redress such errors, so he has to review all the assistant’s actions. Therefore, it is for these two reasons: fulfilling responsibility towards his subjects and redressing potential errors made by the delegated assistant, that the Khalifah is obliged to review all of the Mu’awin’s actions. .
Wenn der delegierte Assistent eine Angelegenheit entschieden hat und der Khalifah dem zustimmte, dann konnte der Mu'awin sie ohne jegliche Änderung ausführen. Hatte der Khalifah Einwände gegen das, was der Mu'awin ausgeführt hatte, dann wurde die Angelegenheit in diesem Fall geprüft. Wenn der Mu'awin ein Urteil richtig vollzogen hatte oder wenn er Gelder in den richtigen Bereichen oder für bestimmte Projekte ausgegeben hatte, dann tritt die Meinung des Mu'awin in Kraft, denn grundsätzlich ist es die Meinung des Khalifah, und der Khalifah hat kein Recht, das zu korrigieren, was der Mu'awin hinsichtlich der Regeln oder der Gelder, die er ausgegeben hat, vollzogen hat. Hatte der Mu'awin jedoch andere Arten von Handlungen vorgenommen, etwa die Ernennung eines Wali oder die Vorbereitung eines Heeres, so hat der Khalifah das Recht, die Entscheidung des Mu'awin zurückzunehmen und seine eigene Meinung durchzusetzen, wodurch die Handlungen des Mu'awin aufgehoben werden. Dies liegt daran, dass der Khalifah das Recht hat, seine eigenen Handlungen zu korrigieren, und daher hat er auch das Recht, die Handlungen seiner Assistenten zu korrigieren.
If the delegated assistant decided a matter and the Khalifah approved of it, the Mu’awin could then execute it without any alterations. If the Khalifah objected to what the Mu’awin executed, then in this case the matter would be examined. If the Mu’awin correctly carried out a verdict or if he spent some funds in the correct areas or in certain projects then the Mu’awin’s opinion comes into force, for in principle, it is the Khalifah’s opinion, and the Khalifah has no right to redress what the Mu’awin executed in terms of rules or funds he spent. However, if the Mu’awin had performed other types of actions, such as the appointment of a Wali or the preparation of an army, the Khalifah has the right to reverse the Mu’awin’s decision and enforce his own opinion, thus nullifying the Mu’awin’s actions. This is because the Khalifah has the right to redress his own actions so he has the right to redress the actions of his assistants. .
Dies ist die Beschreibung der Art und Weise, in der der Mu'awin seine Aufgaben wahrnimmt, und der Art und Weise, in der der Khalifah die Handlungen des Mu'awin überprüft. Sie leitet sich aus den Handlungen ab, die der Khalifah korrigieren darf, und aus denen, die er nicht korrigieren darf, weil die Handlungen des delegierten Mu'awin als Handlungen des Khalifah gelten. Zur Begründung: Dem delegierten Gehilfen ist es erlaubt, selbstständig zu regieren und Herrscher einzusetzen, so wie es dem Khalifah erlaubt ist, weil ihm die Befugnisse zum Regieren übertragen wurden. Ebenso ist er berechtigt, Beschwerden zu untersuchen oder jemanden damit zu beauftragen, da ihm die Voraussetzungen für Beschwerden übertragen wurden.
This is the description of the way in which the Mu’awin performs his duties and the way in which the Khalifah reviews the Mu’awin’s actions. It is derived from the actions the Khalifah is allowed to redress and the actions he is not allowed to redress, because the actions of the delegated Mu’awin are considered as actions of the Khalifah. As an explanation for this, it is allowed for the delegated assistant to rule by himself and to appoint rulers as it is allowed for the Khalifah. This is so, because the conditions of ruling have been conferred to him. He is also entitled to investigate the complaints or to deputize someone to do so, because the conditions of complaints have been verified for him. .
Er ist außerdem berechtigt, selbst die Führung des Dschihad zu übernehmen oder jemanden damit zu beauftragen, da die Voraussetzungen für den Krieg bei ihm erfüllt sind. Er ist berechtigt, Angelegenheiten, die er entschieden hat, selbst auszuführen oder jemanden mit deren Ausführung in seinem Namen zu betrauen, da ihm die Voraussetzungen für Meinungsäußerung und Verwaltung übertragen sind. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das, was der Mu'awin ausgeführt hat, nicht vom Khalifah rückgängig gemacht werden kann, sofern er darüber unterrichtet wurde. Es bedeutet vielmehr, dass er dieselben Befugnisse wie der Khalifah besitzt, jedoch in dessen Namen handelt und nicht unabhängig von ihm. Daher ist der Khalifah berechtigt, dem Mu'awin zu widersprechen und das Ausgeführte zu berichtigen oder jegliche seiner Handlungen rückgängig zu machen, wobei zu beachten ist, dass dies nur für die Art von Handlungen gilt, die der Khalifah bei seinen eigenen Handlungen berichtigen kann.
He is also entitled to take charge of Jihad by himself, or appoint someone to do so, for the conditions of war have been verified for him. He is entitled to execute matters he has decided or to deputize someone to execute them on his behalf, for the conditions of voicing an opinion and management are conferred to him. However, this does not mean that whatever the Mu’awin performed can’t be reversed by the Khalifah, as long as he had been briefed about it. It rather means that he possesses the same powers as the Khalifah, but he acts on his behalf and not independent of him. Therefore, the Khalifah is entitled to disagree with the Mu’awin and redress what has been executed or reverse any of his actions, bearing in mind that this applies only to the sort of actions which the Khalifah can redress of his own actions. .
Wenn der Mu'awin eine Vorschrift korrekt umgesetzt oder Mittel in den richtigen Bereichen ausgegeben hat, dann sind die Einwände des Khalifah unberechtigt, und die Entscheidung des Mu'awin wird vollzogen. Dies liegt daran, dass es im Grundsatz die eigene Entscheidung des Khalifah ist, und in solchen Fällen kann er selbst seine Entscheidung nicht rückgängig machen oder das, was er selbst bereits vollzogen hat, nicht aufheben. Daher kann er die Handlung seines Mu'awin nicht zurücknehmen. Hat der Mu'awin dagegen einen Wali, einen Verwalter, einen Heerführer oder einen anderen Beauftragten ernannt oder hat er eine Wirtschaftsstrategie, einen militärischen Plan, ein industrielles Programm oder ein ähnliches Vorhaben festgelegt, dann darf der Khalifah dies aufheben. Denn obwohl es als Meinungen des Khalifah gilt, fällt es unter die Kategorie von Entscheidungen, die der Khalifah auch dann korrigieren darf, wenn er sie selbst getroffen hat. Dementsprechend darf er die Entscheidungen des Mu'awin korrigieren. Zusammenfassend ist es dem Khalifah erlaubt, die Handlungen des Mu'awin aufzuheben. Die grundlegende Regel hierzu lautet: Der Khalifah kann jede Handlung des Mu'awin korrigieren, sofern es sich um eine Handlung handelt, die er auch dann korrigieren könnte, wenn er sie selbst vorgenommen hätte. Jede Handlung hingegen, die der Khalifah selbst nicht korrigieren kann, darf er auch dann nicht korrigieren, wenn sie von seinem Mu'awin ausgeführt wurde.
If the Mu’awin executed a rule correctly or spent funds in the right areas then the Khalifah’s objections would be illegitimate and the Mu’awin’s decision would be executed. This is because in principle, it is the Khalifah’s own decision and in such cases he himself cannot reverse his decision or nullify what he himself had executed. Hence, he could not reverse his Mu’awin’s action. However, if the Mu’awin had appointed a Wali, an administrator, an army commander or any other appointee or if he had laid down an economic strategy, a military plan or an industrial program or any similar undertaking, then the Khalifah is allowed to nullify it. This is because, although they are considered as being the Khalifah’s opinions they fall under the category of decisions which the Khalifah is entitled to redress even when done by himself. Accordingly he could redress the Mu’awin’s decisions. In conclusion it is allowed for the Khalifah to nullify the actions of the Mu’awin. The basic rule concerning this would be as follows: the Khalifah can redress any action undertaken by the Mu’awin as long as the action is from those which he can redress when undertaken by himself; whereas any action the Khalifah cannot redress of himself, he is not permitted to redress the same action if performed by his Mu’awin. .
Der delegierte Mu’awin ist keinem bestimmten Bereich des Verwaltungssystems zugeordnet, etwa dem Bildungsressort, denn diejenigen, die die Verwaltungsangelegenheiten leiten, sind Beamte und keine Herrscher; der delegierte Gehilfe hingegen ist ein Herrscher und kein Beamter. Seine Aufgabe besteht darin, die Angelegenheiten zu übernehmen, nicht aber die Rolle von Beamten zu bekleiden.
The delegated Mu’awin is not designated to any particular department of the administration system, like the education department, because those who take charge of the administration matters are civil servants and not rulers; whilst, the delegated assistant is a ruler, rather than a civil servant. His task is to take charge of the affairs and not to occupy the role of civil servants. .
Dies ist der Grund, weshalb er die Verwaltungsangelegenheiten nicht führt. Es bedeutet jedoch nicht, dass ihm jede Verwaltungshandlung untersagt ist. Vielmehr wird ihm eine allgemeine Verantwortung übertragen, und er ist nicht auf die Verwaltungsaufgaben beschränkt.
This is the reason why he does not run the administrative matters. However, it does not mean that he is prevented from carrying out any administrative action. Rather he is given general responsibility and is not confined to the administrative functions.