2.1 Zakat ist von Nichtmuslimen nicht zu entrichten
2.1 Zakah Is Not Required From Non-muslims
Unter den muslimischen Rechtsgelehrten besteht Übereinstimmung darüber, dass die Zakāt für den Muslim verpflichtend ist, der die Pubertät erreicht hat, bei klarem Verstand ist, frei ist und den festgesetzten Mindestbetrag, den Nisāb, besitzt, nach den Bedingungen der Scharia.1 Wir haben bereits die eindeutigen Texte des Qur'ān und die authentischen Aussprüche des Propheten ﷺ besprochen, die auf diese Pflicht hinweisen. Alle diese Texte bedeuten notwendigerweise, dass die Zakāt eine Pflicht ist. Sie wurde von den Muslimen Generation um Generation überliefert und ist sowohl in der Theorie als auch in der Praxis überwältigend als allgemein bekannter Grundsatz des Islam berichtet. Wer diese Pflicht leugnet, ohne eine Entschuldigung dafür zu haben, etwa dass er neu im Islam ist und keine Gelegenheit hatte, sich damit zu befassen, ist ein Ungläubiger, da eine solche Leugnung dem Abfall vom Islam gleichkommt.
There is an agreement among Muslim jurists that zakah is obligatory on the Muslim who has reached puberty, who is sane, who is free, and who owns the minimum assigned, nisab, according to the conditions in Shari'ah.1 We have previously discussed the clear texts of the Qur'an and authentic sayings of the Prophet that indicate this obligation. All these texts necessarily imply that zakah is an obligation. This has been inherited by Muslims generation after generation, and is overwhelmingly reported in both theory and application as a well known tenet of Islam. He who denies this obligation, without an excuse of being new in Islam and not having had a chance to study it, is a dis-believer, since such a denial amounts to apostating from Islam.
Die Muslime sind sich außerdem einig, dass die Zakāt als eine Pflicht des Islam von Nichtmuslimen nicht gefordert wird, da sie ein Teil dieser Religion des Islam ist und von demjenigen nicht erwartet werden kann, der nicht an den Islam glaubt. Ebenso wird die Zakāt für den vergangenen Zeitraum des Unglaubens von einer Person, die zum Islam übertritt, nicht als fällig betrachtet. Die muslimischen Rechtsgelehrten verweisen dabei auf das Ḥadīth, das Ibn ʿAbbās in den beiden authentischen Ḥadīth-Werken überliefert: Buḫārī und Muslim:
Muslims have also agreed that zakah, as an obligation of Islam, is not required from non-Muslims because it is a part of this religion of Islam and could not be expected of he who does not believe in Islam. By the same token, zakah will not be considered due for the past period of disbelief for a person who converts to Islam. Muslim jurists point to the hadith narrated by Ibn 'Abbas in the two correct books of hadith: Bukhari and Muslim:
Als der Gesandte Allahs ﷺ Mu'adh nach Jemen schickte, sagte er zu ihm: „Du wirst zu Leuten gehen, die zu den Leuten der Schrift gehören. Das Erste, wozu du sie aufrufen sollst, sei das Bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Gott und dass Muhammad ﷺ der Gesandte Gottes ist. Wenn sie das annehmen, dann sag ihnen, dass Gott ihnen vorgeschrieben hat, täglich und nachts fünfmal zu beten. Wenn sie das annehmen, dann sag ihnen, dass Gott ihnen die Zakat auferlegt hat, die von den Reichen unter ihnen genommen und den Armen unter ihnen gegeben werden soll."2
The messenger of Allah (p) when he sent Mu'adh to Yemen told him: 'You are going to folks who are of the people of the Book. The first thing you call them to should be to testify that there is no god but God and that Muhammad is the Messenger of God. If they accept that, tell them that God has made it obligatory on them to pray five times every day and night. If they accept that then tell them that God has imposed zakah on them, to be taken from the rich among them and given to the poor among them.'2
Diese Überlieferung deutet laut al-Nawawi und anderen darauf hin, dass alle Pflichten im Islam erst nach dem Glaubensbekenntnis gelten. Darüber besteht allgemeine Übereinstimmung.3
This saying indicates, according to al Nawawi and others, that all obligations in Islam come only after the declaration of faith. That much is universally agreed upon.3
„Und weil die Zakāt eine der Säulen des Islam ist", sagten die Rechtsgelehrten, „wird sie von einem Ungläubigen nicht verlangt." In diesem Sinne ähnelt sie dem Gebet und dem Fasten. Es gibt einen weiteren Grund für die Befreiung der Ungläubigen von der Zahlung der Zakāt, den al-Schirāzī anführt und an-Nawawī von der schafiitischen Rechtsschule billigt. Beide vertreten die Auffassung, dass die Zakāt eine Pflicht ist, die für Ungläubige nicht bindend ist, weil sie sie von vornherein nicht angenommen haben,4
"And because zakah is one of the pillars of Islam," said the jurists, "it is not required from a disbeliever," In that sense, it is similar to prayer and fasting. There is another reason for the exemption of disbelievers from payment of zakah, mentioned by al Shirazi and approved by at Nawawi of the Shafi'ites. They both contend that zakah is an obligation that is not binding on disbelievers because they did not accept it to start with,4
seien sie nun Angehörige der Kriegspartei oder Angehörige eines Schutzvertrags. Folglich ist ein Ungläubiger nicht verpflichtet, sie zu entrichten, solange er ungläubig bleibt, und wenn er zum Islam übertritt, soll er nicht für die Zeit des Unglaubens nach ausstehenden Zakat-Abgaben gefragt werden.5
be they from the people of war or the people of pledge. Consequently, a disbeliever is not obligated to pay it while he remains a disbeliever, and if he converts to Islam, should not be asked for any past dues of zakah for the period of disbelief.5
Nicht nur ist die Zakat von Nichtmuslimen nicht verpflichtend, sondern sie wird von ihnen auch als Form der Anbetung nicht angenommen, da die Voraussetzung für ihre Annahme das Glaubensbekenntnis zum Islam ist. Gott sagt: „Wir werden uns den Taten zuwenden, die sie (in ihrem Leben) vollbracht haben, und sie zu verstreutem, schwebendem Staub machen.“6 Doch muss hinzugefügt werden, dass gute Taten die Schwere der Strafe im Jenseits mindern, da die Strafe ebenso Abstufungen hat wie der Genuss Abstufungen hat.
Not only is zakah not required from non-Muslims, it is also not acceptable from them as a form of worship, since the prerequisite for its acceptance is the declaration of faith in Islam. God says: "We shall turn to whatever deeds they do (in their lives) and We shall make such deed floating dust scattered about."6 But it should be added that good deeds reduce the severity of punishment in the hereafter, since punishment has degrees just as enjoyment has degrees.
Dies gilt für den von Geburt an Ungläubigen. Was jedoch denjenigen betrifft, der vom Islam zum Unglauben abfällt, so wird die Zakah nicht erlassen, wenn sie bereits fällig geworden war, während er Muslim war.
All this applies to the born disbeliever. As for he who turns back from Islam to disbelief, zakah shall not be waived if it had already become due while he was Muslim.
Die Zakat ist eine unmittelbare Pflicht für Muslime, und das Abfallen vom Glauben (Apostasie) hebt diese Pflicht nicht auf, so wie finanzielle Verpflichtungen und fällige Bußgelder nicht erlassen werden können. Dies ist die Ansicht der Schafiiten, die der Meinung Abu Hanifas widerspricht.5
Zakah is a direct responsibility on Muslims and tampering with one's faith by apostating does not waive this responsibility, just as financial responsibilities and due fines may not be waived. This is the Shafiite opinion, which contradicts Abu Hanifah.5
Was die Zakat während der Zeit des Abfalls vom Islam betrifft, so sind die schafiitischen Rechtsgelehrten untereinander uneins. Einige sagen, die Zakat sei für jene Zeit fällig. Ich stimme ihnen zu, denn sie ist ein Recht der Armen und anderer Berechtigter und darf nicht durch den Abfall vom Islam hinfällig werden. Sie gleicht geschuldeten Bußen und finanziellen Verpflichtungen.
As for zakah due on the period of apostatehood, Shafiite jurists have differences among themselves. Some say zakah is due for that period. I agree with them, since it is a right of the poor and other deservants and should not be waived by apostatehood. It is similar to due fines and financial responsibilities.
Warum hat der Islam Nichtmuslime von der Zahlung der Zakah befreit?
Why Did Islam Exempt Non-Muslims from Paying Zakah?
Eine Frage mag sich uns stellen, wenn wir bedenken, dass der Islam reichlich Vorsorge für die Leute der Schrift und andere Nichtmuslime getroffen hat, indem er ihnen die Zusage Gottes und die Zusage seines Gesandten gibt, dass ihr Leben, ihr Eigentum und ihre Freiheiten im islamischen Staat geschützt sind und dass sie dieselben Rechte und Pflichten haben wie die Muslime. Warum hat der Islam dann in Bezug auf die Zakāt einen Unterschied gemacht zwischen Muslimen und nichtmuslimischen Minderheiten, die unter dem islamischen Staat leben, obwohl die Zakāt eine soziale Pflicht und eine finanzielle Abgabe ist, deren Erträge den wirtschaftlich schwachen und bedürftigen Bürgern des Staates helfen?
A question may occur to us when we consider that Islam has made bountiful provisions for the people of the Book and other non-Muslims, providing them with the pledge of God and the pledge of his Messenger that their lives, properties, and liberties be protected under the Islamic state and that they have the same rights and obligations as Muslims. So why then did Islam make the difference with respect to zakah between Muslims and non-Muslims minorities that live under the Islamic state, despite the fact that zakah is a social obligation and a financial due, whose proceeds help the economically weak and needy citizens of the state?
Zum Beantworten dieser Frage sollten wir auf zwei Überlegungen hinweisen. Die erste Überlegung ist, dass die Zakāt eine soziale Pflicht ist, ein festgelegtes Recht der Bedürftigen und Notleidenden, eine Finanzabgabe, die Gott den Wohlhabenden der Gemeinschaft auferlegt hat, um sie zu erheben und an deren Arme zu verteilen, in Erfüllung des Rechts der Brüderlichkeit, des Rechts der Gesellschaft und des Rechts Gottes.
To answer this question, we should point to two considerations. The first consideration is that zakah is a social duty, a defined right of the needy and destitute, a financial tax obligated by God to be taken from the wealthy in the nation and rendered to its poor in fulfillment of the right of brotherhood, the right of society, and the right of God.
Die zweite Überlegung ist, dass die Zakāh im Islam eine Form der Anbetung ist und eine der fünf Säulen, auf denen der Islam errichtet ist. In dieser Hinsicht gleicht die Zakāh dem Glaubensbekenntnis, dem Verrichten des Gebets, dem Fasten im Monat Ramadan und der Pilgerfahrt nach Makkah.
The second consideration is that zakah is a form of worship in Islam and one of the five pillars on which Islam is established. In this way, zakah is similar to the declaration of faith, establishment of prayers, fasting during the month of Ramadan, and pilgrimage to Makkah.
Wir haben auf vorherigen Seiten gezeigt, dass die Zakah in zahlreichen Versen des Qur'an mit dem Gebet verbunden wird. In anderen Versen steht sie in Beziehung zur Umkehr vom Glauben an Teilhaber Gottes. Dabei ist zu wissen, dass das Verrichten des Gebets das Kennzeichen dafür ist, Muslim zu werden und die Brüderschaft der anderen Muslime zu verdienen.
Kann eine Entsprechung der Zakah von Nicht-Muslimen als Steuer erhoben werden?
Can An Equivalent of Zakah Be Taken from Non-Muslims as a Tax?
Nachdem geklärt ist, dass die Zakāt von Nichtmuslimen religiös nicht gefordert wird, weil sie eine Form der Anbetung ist, stellt sich die Frage: Ist es erlaubt, von wohlhabenden Nichtmuslimen einen der Zakāt entsprechenden Betrag in Form einer regelmäßigen Steuer zu erheben, um ihn den Armen zukommen zu lassen?
After settling that zakah is not required religiously from non-Muslims because it is a form of worship, the question arises: Is it permissible to take an amount equal to zakah in the form of a regular tax from wealthy non-Muslims to be rendered to the poor?
Daher ist für Muslime das, was sie zahlen, eine Pflicht und eine Form der Gottesverehrung, während es für Nicht-Muslime eine einfache Steuer ist. Auf diese Weise vermeiden wir, zwischen Bürgern desselben Staates zu unterscheiden, indem wir Muslimen eine finanzielle Last auferlegen, der bei Nicht-Muslimen nichts Gleichwertiges gegenübersteht, und indem wir die technischen und administrativen Schwierigkeiten vermeiden, die dem Anwenden unterschiedlicher Regeln auf Muslime und Nicht-Muslime innewohnen.
Hence for Muslims what is paid is an obligation and a form of worship while for non-Muslims it is a simple tax. By so doing we avoid differentiating between citizens of the same state by imposing a financial burden on Muslims that has no equivalent on non-Muslims, and creating technical and administrative difficulties inherent in applying different rules on Muslims and non-Muslims.
Dies ist eine neue Angelegenheit, die kollektive Ijtihad fähiger muslimischer Rechtsgelehrter erfordert.8 Bis dies erreicht ist, sehe ich jedoch keinen Grund, warum ich nicht meine Meinung auf der Grundlage meiner Forschung und meines Verständnisses des Themas darlegen sollte, in der Überzeugung, dass eine solche individuelle Anstrengung den Weg zu einer soliden kollektiven Ijtihad öffnen könnte. Wenn diese Meinung richtig ist, gebührt Gott allein das Lob, und wenn sie falsch ist, bin ich derjenige, der getadelt werden sollte. Was mir nach meiner Forschung deutlich erscheint, ist, dass nichts dagegen spricht, dass ein Äquivalent zur Zakah von den Menschen des Treuevertrags in Form einer Steuer erhoben wird, wenn die zuständigen Stellen dies so beschließen. Die folgenden Punkte erläutern diese Behauptung.
This is a new matter which needs collective ijtihad of capable Muslim jurists.8 But until this is achieved, I find no reason why I should not put forward my opinion based on my research and my understanding of the subject, believing that such individual exertion of effort could open the way for a sound collective Ijtihad. If this opinion is correct, God alone deserves praise and if it is wrong it is I who should be blamed. What appears to me after research is that there is no reason why an equivalent to zakah should not be taken from the people of the pledge in the form of a tax if it is so decided by the proper authorities. The following points elaborate upon this assertion.
1. Juristen führen mehrere Abhandlungen über die Zakat-Pflicht bei Sklaven an. Ich habe diesen Gegenstand nicht behandelt, da er für unsere Zeit keine Relevanz mehr besitzt. Wer sich damit eingehender befassen möchte, kann folgende Werke konsultieren: al-Majmu', Bd. 5, S. 326-7; al-Mughni mit al-Sharh al-Kabir, S. 494; Rad al-Muhtar, Bd. 2, S. 5; Bulghat al-Salik, S. 206; Bidaiet al-Mujtahid, Bd. 1, S. 209 (al-Halabi-Ausgabe). Letzteres bietet eine gute Zusammenfassung der Ansichten der verschiedenen Rechtsschulen samt deren Belegen.
1. Jurists cite several studies about the obligation of zakah on slaves. I did not discuss this use because of its irrelevance to our time. Those who wish to study it may refer to al Majmu' Vol. 5, pp. 326-7, al Mughni with al Sharh al Kabir p. 494, Rad al Muhtar, Vol. 2, p. 5, Bulghat al Salik, p. 206, Bidaiet al Mujtahid, Vol. 1, p. 209, (al Halabi Print). The latter provides a good summary of the opinions of different schools of jurisprudence along with their supporting arguments.
2. Siehe Fath al-Bari, Bd. 3, S. 229.
2. See Fath at Bari, Vol.3, p. 229.
3. Hier geht es um eine grundsätzliche Frage: Werden die Ungläubigen mit den detaillierten Vorschriften der Scharia angesprochen, sodass ihre Strafe im Jenseits wegen der Nichtausführung zunehmen würde? Die Mehrheitsmeinung besagt, dass sie angesprochen werden, im Gegensatz zur Ansicht der Hanafiten. Ich beabsichtige jedoch nicht, diese Nebenfrage weiter zu erörtern, da dies hier nicht der geeignete Ort dafür ist.
3. There is here a question of principle; Are disbelievers addressed with the detailed requirement of Shari'ah, so their punishment would increase in the hereafter because of lack of performance? The majority view is that they are addressed, in opposition to the Hanafites' view. However, I do not intend to discuss this side issue any further, as this is not a suitable place for it.
4. Diese Begründung wirft ein neues Problem auf, nämlich: Wenn die Leute des Vertrags (ahl al-dhimma) heute wie die Muslime Zakat zu zahlen akzeptieren, so wie sie heute den Militärdienst akzeptieren, wäre es dann möglich, die Regeln der Zakat auf sie auszuweiten, da der Militärdienst für Muslime Dschihad ist, der wie die Zakat eine Form der Anbetung ist?
4. This justification brings a new issue, i.e. if the people of the pledge accept to pay zakah like Muslims the same way they accept nowadays military service, would it be possible to extend the rules of zakah to cover them, since military service for Muslims is jihad, which is, like zakah, a form of worship.