Im Hinblick auf die Texte zur Zakāt im Allgemeinen, ihre Zielsetzungen und die allgemeinen Interessen des Islam und der Muslime bin ich der Ansicht, dass Erwerbseinkommen, sei es Gehälter, Löhne, Einkünfte aus einem Beruf oder Erträge aus Kapital, das nicht im Handel angelegt ist, etwa in Schifffahrt, Flugzeugen und Hotels, bei Erhalt zakatpflichtig sind, ohne dass ein Ablauf von einem Jahr erforderlich ist.
In view of the texts on zakah in general, its objectives, and the general interests of Islam and Muslims, I believe earned income, whether salaries, wages, professional income, or return on capital invested in other than trade, such as shipping, planes, and hotels, is zakatable when received, without the requirement of the passage of one year.
Diese Ansicht wird durch die folgenden Punkte untermauert:
This opinion is substantiated by the following points:
1. Die Voraussetzung, dass ein Jahr vergangen sein muss, gilt für alle Vermögenswerte, einschließlich des Arbeitseinkommens, und stützt sich auf keinen richtigen oder guten Ausspruch, der nötig wäre, um daraus eine Bestimmung der Scharia abzuleiten oder einen ihrer allgemeinen Texte einzuschränken. Es existieren lediglich Meinungen einiger Gefährten.
1. The requirement of the passage of one year with respect to all funds, including earned income, is not based on any correct or good saying, which is necessary in order to derive a ruling in Shari’ah, or to restrict one of its general texts. All that exists are opinions of some Companions.
2. Die Gefährten und Nachfolger waren sich nicht einig, dass bei Arbeitseinkommen ein Jahr vergangen sein muss. Manche verpflichten zur Zakah, sobald Arbeitseinkommen erworben wird. Wenn die Gefährten und Nachfolger uneins sind, kann niemand behaupten, dass die Ansicht einiger übernommen werden müsse, und die Frage muss dann durch andere Texte entsprechend den allgemeinen Grundsätzen des Islam entschieden werden. Gott sagt: „Wenn ihr in irgendetwas uneins seid, so bringt es vor Gott und Seinen Gesandten.“33
2. Companions and Followers did not agree on requiring the passage of one year on earned income. Some obligate zakah when earned income is acquired. When Companions and Followers differ, no one can claim that the view of some must be taken, and the issue must then be settled by other texts in accordance with the general principles of Islam. God says, "If ye differ in anything among yourselves, refer it to God and His Apostle."33
3. Das Fehlen eines Textes oder eines Ijma' lässt die Rechtsschulen in der Frage des erwirtschafteten Einkommens so weit auseinandergehen, dass Ibn Hazm ihnen allen vorwarf, es seien bloße Behauptungen, die weder auf richtigen Texten aus dem Qur'an und der Sunna noch auf dem Ijma', dem Analogieschluss oder einer soliden Begründung beruhen. Ich selbst habe diese Unterschiede sowohl zwischen den Rechtsschulen als auch innerhalb jeder einzelnen Schule untersucht und dabei viele unnötige Einzelheiten und Verkomplizierungen festgestellt, so viele, dass ich nicht glaube, dass unsere leicht zugängliche Scharia, die sich an alle Menschen richtet, derart feine, komplizierte Einzelheiten aufnehmen kann, besonders in Bezug auf eine ihrer wesentlichen und vorrangigen Säulen.
3. The lack of a text or ijma' allows for schools of jurisprudence to disagree on the issue of earned income to such a degree that Ibn Hazm accused them all of being mere claims, unfounded on correct texts from Qur'an Sunnah, ijma' analogy, or sound rationalization. I myself have examined these differences as well as differences on the same issue inside each school of thought, and noted many unnecessary details and complications, so many that I do not believe it is at all likely that our easy-flowing Shari’ah, which is addressed to all people, can accommodate such minute, complicated details, especially with regard to one of its essential and more predominant pillars.
4. Die Auffassung, dass für das Einkommen aus Erwerbstätigkeit der Ablauf eines Jahres nicht erforderlich ist, entspricht tatsächlich eher der allgemeinen Aussage der Texte. Die Texte von Qur'an und Sunnah, die die Zakat zur Pflicht machen, sind allgemein und unbedingt und nennen keine Bedingung eines Jahresablaufs, wie etwa die Aussagen: „Entrichtet ein Viertel des Zehntels eurer amwal“ und „Auf Geld ist ein Vierzigstel fällig.“ Dies wird auch durch die allgemeine Aussage des Verses gestützt: „O ihr, die ihr glaubt, gebt von den guten Dingen, die ihr erworben habt.“34 Das Erwerben in dem Vers ist allgemein gehalten und betrifft Handel, freie Berufe oder Anstellung. Die Rechtsgelehrten stützen die Zakatpflicht auf Handelsgüter mit diesem Vers; warum sollten wir ihn nicht ebenso zur Stützung der Zakatpflicht auf erworbenes Einkommen heranziehen? Wenn die Rechtsgelehrten bei Handelsvermögen den Ablauf eines Jahres verlangen, dann nur, damit das Kapital seine Erträge hervorbringen kann. Bei Gehältern verhält es sich anders. Sie gelten als erworben, sobald sie empfangen werden.
4. The view that the passage of one year is not required with regard to earned income is in fact closer to the generality of the texts. Texts of Qur'an and Sunnah that obligate zakah are general and absolute, and do not mention a condition of the passage of a year, such as the sayings, "Bring in one-fourth of one-tenth of your amwal" and "On money, one-fortieth is required." This is also supported by the general implication of the verse, "O ye who believe, give out of the good things which ye have earned.34 Earning in the verse is general, and applies to trade, professional, or employment. Jurists use this verse to support the zakatability of trade; why can we not use it to support the zakatability of earned income. When jurists require the passage of one year with regard to zakah on trade assets, it is only to allow for the principal to produce its earnings. The case of salaries is different. They are earned when they are received.
5. Auch die sinngemäße Analogie stützt unsere Ansicht. Das verdiente Einkommen gleicht am ehesten den Feldfrüchten und Früchten im Augenblick der Ernte. Wenn Landwirte, selbst wenn sie das Land gepachtet haben, mit einem Zehntel oder einem Zwanzigstel belastet werden, warum sollten dann Angestellte und Ärzte nicht mit einem Vierzigstel ihrer Einkünfte belastet werden? Dies gilt umso mehr, als Gott in dem oben zitierten Vers das Verdienen mit dem Ertrag des Landes verbindet, wenn es weiter heißt: „und von den Früchten der Erde, die Wir für euch hervorgebracht haben." Warum sollten wir Dinge unterschiedlich behandeln, die Gott miteinander verbindet, während beide von derselben Gnade Gottes sind? Richtig ist, dass die Gnade Gottes im Ertrag der Erde deutlicher hervortritt und deshalb die Dankbarkeit dafür stärker betont wird. Das ist jedoch kein hinreichender Grund, die übrigen Einkünfte von der Pflicht zur Zakah auszunehmen. Der Unterschied in den anzuwendenden Sätzen spiegelt den Unterschied in der Betonung der Dankbarkeit ausreichend wider.
5. Sound analogy also supports our view. Earned income is most similar to crops and fruits when harvested; if farmers, even those who have rented the land, are charged on-tenth or one-twentieth, why not charge employees and physicians one-fortieth of their earnings, especially since God associates earning with the produce of land in the above-quoted verse that continues, "and of the fruits of the earth which we have produced for you." Why should we treat differently things that God associates together, while both of them are of the same grace of God. It is true that the grace of God is more dovioce in the produce of the earth, and consequently gratitude for that is more stressed, but this is not a sufficient grounds for exempting the other earnings from the obligation of zakah. The difference in applicable rates is sufficient reflection of the difference in the emphasis of thankfulness.
6. Die Voraussetzung, dass ein Jahr über das Erwerbseinkommen vergangen sein muss, bedeutet, dass viele gut bezahlte Angestellte und Fachleute von der Zakat-Pflicht befreit sind. Diese können entweder ihr gesamtes Einkommen im Laufe des Jahres ausgeben und entgehen so jeglicher Zakat, oder sie sparen und investieren einen Teil oder ihr gesamtes Einkommen und werden so nach einem Jahr zakatpflichtig. Dieser Ansatz führt dazu, dass die gesamte Last der Zakat auf mäßige oder sparsame Einkommensbezieher fällt, während verschwenderische Ausgeber befreit werden. Es ist kaum anzunehmen, dass unsere weise und gerechte Scharia es den mäßigen Ausgebern schwer machen würde, während sie die Last der verschwenderischen Ausgeber aufhebt.
6. The requirement of the passage of one year regarding earned income implies the exemption of many highly paid employees and professionals from the obligation of zakah. These may either expend all their earnings during the year, thus escaping totally any zakah, or save and invest part or all of their earnings, thus becoming zakatable after one year. This approach results in putting all the burden of zakah on moderate or thrifty income earners and exempting extravagant spenders. It is improbable that our wise and just Shari’ah would make it difficult for the moderate spenders while making the burden of the extravagant spenders null.
7. Die Forderung, dass über das Arbeitseinkommen ein Jahr vergehen muss, führt zu einem Ungleichgewicht bei der Verteilung der Last der Zakah, was zweifellos der Gerechtigkeit des Islam widerspricht. Man nehme das Beispiel eines Bauern, der sein Land pachtet. Er ist verpflichtet, zehn Prozent oder fünf Prozent zu entrichten, wenn seine Gesamternte 653 Kilogramm Getreide erreicht, während der Eigentümer des Landes auf das eingehende Pachtgeld keine Zakah zahlen muss. Ein solcher Widerspruch lässt sich nur auflösen, indem man die Zakah auf das Arbeitseinkommen anwendet, unabhängig davon, ob ein Jahr vergangen ist.
7. The requirement of the passage of one year on earned income ends up creating imbalance in the distribution of the burden of zakah, which is undoubtedly contrary to the justice of Islam. Take the example of a farmer who rents his land. He is required to pay ten percent or five percent if his total output reaches 653 kilos of grain, while the owner of the land is not required to pay any zakah on the incoming rent money. Such contradiction cannot be reconciled except by applying zakah on earned income regardless of the passage of one year.
8. Die Pflicht zur Zakah auf Arbeitseinkommen kommt den Armen und den übrigen berechtigten Gruppen in höherem Maße zugute. Diese Form der Zakah erbringt beträchtliche Erträge, zumal die Kosten der Einziehung gering sind, da die Zakah an der Quelle abgezogen werden kann, wie es Ibn Mas'ud, Mu'awiyah und 'Umar bin 'Abd al-'Aziz praktizierten. Ibn Abi Shaibah überliefert von Hubairah: „Ibn Mas'ud pflegte von den Gehältern je fünfundzwanzig von jeweils tausend abzuziehen." Dies wird auch von al-Tabarani überliefert.35 'Awn bin Muhammad sagt: „Ich sah, wie die Statthalter die Zakah abzogen, wenn sie Gehälter auszahlten."36 Von 'Umar bin 'Abd al-'Aziz wird überliefert, dass er die Zakah von Gehältern und Zuwendungen abzog.36 Darüber hinaus berichtet Malik im al-Muwatta von Ibn Shihab, dass „der Erste, der die Zakah von Gehältern nahm, Mu'awiyah bin Abi Sufyan war".37
8. The obligation of zakah on earned income is more beneficial to the poor and other deserving categories. This form of zakah produces huge proceeds, especially since the cost of collection is minimal, as zakah can be deducted at the source, as done by Ibn Mas'ud, Mu'awiyah, and 'Umar bin 'Abd al 'Aziz. Ibn Abi Shaibah reports from Hubairah, "Ibn Mas'ud used to deduct from salaries twenty-five out of each thousand." This is also reported by al Tabarani.35 'Awn bin Muhammad says "I saw the governors deducting zakah when they gave salaries."36 "Umar bin 'Abd al 'Aziz is reported to have been deducting zakah from salaries and grants.36 Moreover, Malik in al Muwatta reports from Ibn Shihab that "the first to take zakah from salaries was Mu'awiyah bin Abi Sufian."37
9. Die Pflicht zur Zakāt auf Arbeitseinkommen steht im Einklang mit dem Geist des Islam, der die Werte der Brüderlichkeit und der Fürsorge pflegt. Gott beschreibt die Gläubigen als jene, die „von dem ausgeben, was Wir ihnen als Unterhalt gegeben haben“, und Er gebietet: „O ihr, die ihr glaubt, gebt von dem aus, was Wir euch gewährt haben.“ Der Prophet ﷺ hat den Muslimen Abgaben aus ihrem Vermögen und ihrem Erwerb auferlegt. Al-Bukhārī überliefert von Abū Mūsā al-Ash'arī vom Propheten ﷺ: „Ein Sadaqa ist für jeden Muslim verpflichtend.“ Seine Zuhörer fragten: „O Prophet Gottes, was ist mit demjenigen, der nichts findet, woraus er ausgeben kann?“ Er antwortete: „Er muss mit seinen Händen arbeiten, damit er sich selbst nützt und Sadaqa gibt.“ Sie fragten: „Und wenn er keine Arbeit finden kann?“ Er sagte: „Dann soll er dem helfen, der in großer Not um Hilfe bittet.“ Sie fragten: „Und wenn er auch dazu nicht imstande ist?“ Da antwortete der Prophet ﷺ: „Er soll das Gute tun, was als gut bekannt ist, und sich vom Bösen fernhalten; das ist für ihn eine Sadaqa.“38
9. The obligation of zakah on earned income is consistent with the spirit of Islam in nourishing the values of brotherhood and caring. God describes believers as those who "spend out of what We have provided for them" and orders "O ye who believe, spend out of what We have provided for you." The Prophet (p) obligated charities on Muslim out of their wealth and their earnings. Al Bukhari reports for Abu Musa al Ash'ari from the prophet (p) "A sadaqah is obligated on each Muslim." His listeners questioned, "O Prophet of God, what about the person who finds nothing to spend from?" He answered, He must work with his hands, so he can benefit himself and give charity." "And if he cannot find a job? they asked, "He replied, "He must help the person who is desperate for help." They asked, "What if he cannot?" The Prophet then answered, "He must do what is known as good and abstain from evil; this is a charity for him."38
Die Befreiung dieser erneuerbaren Einkommen von der pflichtigen Zakat mit der Begründung, dass ein Jahr nicht vergangen sei, erlaubt vielen Menschen, zu verdienen, auszugeben und zu genießen, ohne die Bedürfnisse anderer mitzutragen und ohne einen Teil davon um Gottes willen abzuzweigen.
The exemption of those renewable incomes from obligated zakah for the excuse of the passage of one year allows many people to earn, spend, and enjoy without sharing in the needs of others and without assigning part for the sake of God.
10. Die Abschaffung der Bedingung des verstrichenen Jahres in Bezug auf Arbeitseinkommen bringt für die Zakat-Verwaltung ebenso wie für die Zakat-Zahlenden administrative Erleichterung und verfahrenstechnische Einfachheit bei der Berechnung und Einziehung der Zakat mit sich. Die Bedingung eines Jahres setzt voraus, dass Zahlende und Verwaltung jeden einzelnen Einkommensabschnitt aufzeichnen müssen, um dessen Veränderungen ein volles Jahr lang zu überwachen. Das bedeutet, dass die Zahlung der Zakat im Laufe des Jahres so häufig erfolgen müsste, wie Einkommensabschnitte erworben werden. Dies ist sehr umständlich und schwer umzusetzen, hinzu kommen die Kosten, die mit einem solchen Vorgehen verbunden sind.
10. The elimination of the condition of the year's passing with respect to earned income provides administrative convenience and procedural easiness in the calculation and collection of zakah for the zakah administration, as well as zakah payers. The condition of a year implies that payers and the administration must keep records of every segment of income earned in order to monitor its changes for one full year, which means that the payment of zakah shall be as frequent throughout the year as the frequency of the segments of income acquired. This is very cumbersome and difficult to pursue, in addition to the cost involved in such an exercise.