8.3 Kapitel drei: Diskussion und Analyse
8.3 Chapter Three Discussion And Analysis
Übereinstimmungen und Unterschiede der beiden Ansichten
Points of agreements and differences of the two views
Nach der Untersuchung der Für und Wider, Abgaben zusätzlich zur Zakāh zu erlauben, zeigt sich, dass ihre Unterschiede nicht so groß sind, wie man vielleicht meinen könnte. Sie stimmen in bestimmten Punkten alle überein:
After surveying the pros and cons of permitting financial dues in addition to zakah, we find that their differences are not as great as one may think. They all agree on certain points:
A. Die Pflicht, bedürftige Eltern zu versorgen.
A. The obligation to provide for needy parents.
B. Die Pflicht, für den Lebensunterhalt anderer bedürftiger Verwandter aufzukommen, wobei jedoch Uneinigkeit darüber besteht, welcher Grad der Verwandtschaft von dieser Pflicht umfasst ist.
B. The obligation to spend on provisions for other needy relatives, although there are differences as to the degree of relation included in this obligation.
C. Die Pflicht, für Bedürftige zu sorgen, die dringend Nahrung, Kleidung oder Unterkunft benötigen. In seinem Ahkam al-Qur'an sagt al-Jassas: „Die Pflicht ist im Allgemeinen die Zakat, außer wenn bestimmte Umstände eintreten, die andere Abgaben erfordern, wie die Notwendigkeit von Nahrung für die Hungrigen, Kleidung für die Nackten oder Bestattungskosten für die Verstorbenen."1 Ähnlich verhält es sich mit dem Verleihen von Eimern, Kochtöpfen oder Äxten an Menschen in höchster Not, da die Abwendung von Schaden nach dem Ijma' eine Gemeinschaftspflicht aller Muslime ist.
C. The obligation to provide for the deprived who are in desperate need of food, clothing, or shelter. In his Ahkam al Qur'an, al Jassas says, "The obligation is generally zakah, except when certain things happen that require other payments, such. as necessity of food for the hungry, clothes for the naked, or funerals for the deceased."1 Similar to this is lending buckets, cooking pots, or axes to those in dire need, since prevention of harm is a collective obligation on all Muslims according to ijma'.
D. Die Pflicht, für öffentliche Notwendigkeiten zu zahlen, etwa die Verteidigung muslimischen Landes, die Befreiung muslimischer Gefangener, die von Ungläubigen genommen wurden, sowie die Heilung von Krankheiten und die Linderung von Hungersnöten. Hierüber besteht unter den muslimischen Gelehrten einstimmige Übereinkunft. Im Sharh al-Minhaj sagt al-Ramli: „Zu den kollektiven Pflichten [furud al-kifayah] gehört die Verpflichtung, Schaden von Muslimen abzuwenden, einschließlich der Bereitstellung von Kleidung für die Unbekleideten und Nahrung für die Hungernden, wenn die Mittel der Zakah und die Gelder der öffentlichen Schatzkammer nicht ausreichen. Diese Pflicht trifft jene, die über ihren jährlichen Bedarf hinaus einen Überschuss besitzen. Ferner muss das Maß der Hilfe nach der am meisten anerkannten Ansicht die Bereitstellung des Auskommens sein und nicht lediglich das Überleben sichern. Ähnlich wie Nahrung und Kleidung sind Notwendigkeiten wie medizinische Versorgung und andere notwendige Dienste."2
D. The obligation to pay for public necessities such as defending Muslim land, freeing Muslim captives taken by unbelievers, and curing diseases and relieving from famines. This is agreed upon unanimously by Muslim scholars. In Sharh al Minhaj, al Ramli says, "Among the collective obligations [furud al kifayah] are the requirement to prevent harm to Muslims including providing clothing to the clotheless and food to the hungry if zakah funds and public treasury funds are not sufficient. This requirement is obligated on those who have excess above their yearly needs. Moreover, the amount of help must equal, according to the most accepted view, the provision of sufficiency and not merely subsistence. Similar to food and clothing are necessities such as medical cars and other necessary services."2
Es wird in Teil vier erwähnt, dass al-Nawawi, ein Schafiit, der Ansicht ist, dass die Versorgung der regulären Armee neben der Zakat-Zahlung die Pflicht der Reichen des Landes sei. Ibn al-'Arabi fügt in seinem Ahkam al-Qur'an hinzu: „Wenn die Zakat entrichtet wird und darüber hinaus ein weiterer Bedarf entsteht, müssen die Reichen einstimmig verpflichtet werden, diesen Bedarf zu decken. Malik sagt: ‚Alle Muslime sind verpflichtet, für die Befreiung ihrer Kriegsgefangenen zu sorgen, selbst wenn dies ihren gesamten Reichtum beanspruchen sollte.' Wenn ein Statthalter außerdem durch einen Akt der Unterdrückung die bereits eingesammelte Zakat nicht verteilt, müssen die Reichen dennoch für die Bedürfnisse der Armen aufkommen, und zwar nach der Ansicht, die ich für die richtigste halte."3 In seiner Qur'an-Auslegung betont al-Qurtubi dasselbe: „Die Gelehrten sind sich einig, dass, wenn nach der Verteilung der Zakat ein Bedarf entsteht, Mittel eingesammelt und für diesen Bedarf verwendet werden müssen."4 In seinem al-I'tisam schließt al-Shatibi: „Ist die öffentliche Staatskasse leer und sind die Bedürfnisse des Heeres an Mitteln immer noch nicht gedeckt, so kann eine gerechte Regierung den Reichen Steuern auferlegen, die ausreichen, um diese Bedürfnisse zu decken, bis die Staatskasse wieder über Mittel verfügt."5
It is mentioned in part four that al Nawawi, a Shafi'ite, believes providing for the regular army is the duty of the country's rich, besides zakah payment. Ibn al 'Arabi in his Ahkam al Qur'an, adds, "If zakah is practiced, and some further need arises, the rich must be obligated to provide for this need by unanimous agreement. Malik says, 'Muslims are all obligated to provide for freeing their prisoners of war, even if this were to take all their wealth.' Moreover, if a governor, by an act of oppression, does not distribute the already-collected zakah, the rich must still provide for the needs of the poor, according to the view I think most correct."3 In his explanation of the Qur'an, al Qurtubi emphasizes the same: "Scholars are in agreement that if a need arises after the distribution of zakah, funds must be collected and used for that need."4 In his al I'tisam, al Shatibi concludes, "If the public treasury is empty and the needs of the army for funds are still not satisfied, a just government can impose on the rich taxes sufficient to provide for these needs, until the treasury has funds again."5
All diese Aussagen sind eindeutige Belege dafür, dass es in allgemein anerkannten Fällen finanzielle Pflichten geben kann, die über die Zakat hinausgehen. Erstaunlicherweise stammen diese Zitate von Gelehrten, die bekanntermaßen der Ansicht sind, dass es außer der Zakat keine weiteren finanziellen Pflichten gibt. Das zeigt, dass sie mit dieser Position vor allem verhindern wollen, dass unterdrückerische und unnötige Abgaben erhoben werden, die gewöhnlich von Herrschern auferlegt und für deren eigenes Vergnügen und das ihrer Anhänger verwendet werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es zwischen den beiden Parteien keine echten Unterschiede gibt.
All these are clear statements that there are agreed upon cases in which financial duties may exist in addition to zakah. Amazingly enough, those quotations are from scholars known to believe that there are no other financial duties besides zakah, which reveals that what they mean by this position is the prevention of oppressive and unneeded taxes usually imposed by rulers and used for their own pleasures and those of their supporters. However, this does not mean there are no real differences between the two parties.
Die Bereiche tatsächlicher Meinungsverschiedenheit lassen sich wie folgt zusammenfassen:
The areas of real difference can be summarized as follows:
A. Das fällige Recht auf die Landwirtschaft zur Zeit der Ernte.
A. The due right on agriculture at the time of harvesting.
B. Abgaben auf Vieh.
B. Dues on livestock.
C. Das Recht des Gastes.
C. The right of the guest.
D. Das Recht auf nachbarschaftliche Hilfe.
D. The right to neighborly help.
Diese gelten bei den Gläubigen als Pflichten neben anderen finanziellen Abgaben außer der Zakāt, während sie von den Gegnern als wünschenswerte Akte der Wohltätigkeit betrachtet werden, außer im Falle der Not, wie al-Jassās anführt: „Das Verleihen dieser Geräte (wie Eimer, Kochtopf und Axt) kann im Falle der Not verpflichtend sein, wenn die Weigerung zu leihen Anlass zu Tadel und Strafe ist. Die Weigerung zu leihen in Fällen, in denen keine dringende Not besteht, ist jedoch nur ein Zeichen schlechter Manieren und niedriger Moral, die bei Muslimen nicht zu finden sein sollte, denn der Prophet ﷺ sagt: ‚Ich wurde gesandt, um die guten Charaktereigenschaften zu vervollkommnen.‘“⁶7
All these are considered obligations by the believers in other financial duties besides zakah while they are viewed as desirable acts of benevolence by the opponents, except in the case of necessity, as stated by al Jassas: "Lending these tools (like the bucket, cooking pot, and axe) may be obligatory in case of necessity, when refusal to lend is a cause for blame and punishment. But refusal to lend in cases where there is no dire necessity is only a sign of bad manners and low morality that is not supposed to be a trait of Muslims, since the Prophet (p) says, 'I was revealed to in order to complete the good moralities.'6"7
E. Der wichtigste Punkt des Unterschieds ist das Recht der Armen, aus dem Vermögen der Reichen versorgt zu werden, das von Gelehrten gefordert wird, die der Ansicht sind, dass es neben der Zakāt noch weitere Pflichten gibt.
E. The most important point of difference is the right of the poor to be taken care of out of the wealth of the rich, which is called for by scholars who believe that there exist duties besides zakah.
Wiegen und Diskussion
Weighing and discussion
Diese Streitfragen erfordern eine Untersuchung, um die richtige Position zu ermitteln.
These areas of dispute require study in order to discover the correct position.
A. Das Recht der Armen auf die landwirtschaftlichen Erträge zur Erntezeit wurde im dritten Teil des ersten Bandes untersucht, und man kam zu dem Schluss, dass dieses Recht, obwohl es in einem mekkanischen Vers erwähnt wird, tatsächlich der Ushr ist, also die Zakah selbst. Die frühe Anordnung im mekkanischen Vers verkündet die allgemeine Pflicht, deren Einzelheiten später in Medina folgen.
A. The right of the poor to agricultural produce at the time of harvest was studied in part three of volume one, and it was concluded that this right, though mentioned in a Makkan verse, is in fact the Ushr, which is zakah itself. The early ordinance in the Makkan verse proclaims the general obligation, whose details come later in Madinah.
B. Was das Recht des Gastes betrifft, so geht aus den Texten hervor, dass damit der fremde Gast gemeint ist, der in einer Gegend reist, in der er niemanden kennt. Dies kommt dem Reisenden (ibn as-sabil) nahezu gleich, weshalb Ibn 'Abbas und mehrere Nachfolger sogar erklären, der Reisende sei der Gast.8 Die Überlieferungen besagen ausdrücklich, dass das Recht des Gastes darin besteht, ihm Speise und Unterkunft anzubieten.
B. As for the right of the guest, it is apparent from the texts that this means the stranger guest traveling in an area where he knows nobody. This is almost the same as the wayfarer, that Ibn 'Abbas and several Followers even explain that the wayfarer is the guest.8 The sayings explicity state that the guest's right is to be offered food and shelter.
Das ist in der Tat etwas anderes als die Zakah.
This is indeed different from zakah.
C. Die Gewährung nachbarschaftlicher Hilfe ist zweifellos verpflichtend, und ihre Verweigerung ist ein Grund für Wehklage und zieht Tadel nach sich. Diese Pflicht ist außerdem von der Zakāh verschieden.
C. Extending neighborly help is undoubtedly obligated and its refusal is a cause for woe and severs censure. This due is also different from zakah.
D. Dass die Armen aus dem Vermögen der Reichen versorgt werden müssen, ist im Schari'a-Recht eine so allgemein bekannte Angelegenheit, dass die dazu gehörigen Verse oder Überlieferungen nicht angeführt werden müssen.
D. As for the right of the poor to be taken care of from the wealth of the rich, it is a matter so well-known in Shari'ah that the verses or sayings about it need not be quoted.
Die Erörterung der Belege der Gegner
Discussing the evidence of the opponents
Aus allen Texten von Koran und Sunna, die von den Gegnern weiterer finanzieller Abgaben neben der Zakat als Beweis angeführt werden, geht klar hervor, dass sich die Zakat von allen anderen finanziellen Pflichten auf Vermögen unterscheidet. Die Zakat ist die einzige dauerhafte, regelmäßige und klar bestimmte finanzielle Verpflichtung der Reichen. Sie muss stets entrichtet werden, ungeachtet dessen, ob es in der Gesellschaft Arme und Bedürftige gibt oder nicht. Sie wird als Gottesdienst an Gott und als Akt der Dankbarkeit für die Gnaden verrichtet, die Er den Reichen erwiesen hat. Sie ist eine Reinigung und Heiligung der verzakteten Vermögenswerte sowie der Seelen ihrer Besitzer.
From all texts of Qur'an and Sunnah presented as argument by the opponents of financial dues beside zakah. It is clear that zakah is distinct from all other financial duties on wealth. Zakah is the only permanent, regular, and well-defined financial obligation due from the rich. It must always be paid, regardless of the existence or non-existence of poor and needy in the society. It is performed as a worship to God and an act of thankfulness for the graces He bestowe on the rich. It is a purification and sanctification of the zakated assets as well as the souls of their owners.
Was die übrigen finanziellen Verpflichtungen betrifft, etwa Abgaben, die zur Unterstützung der Armen erhoben werden, wenn die Einnahmen aus der Zakat nicht ausreichen, so sind diese Verpflichtungen zeitlich begrenzt und lediglich am Umfang des Bedarfs bemessen. Folglich richten sie sich nach den jeweiligen Umständen. Diese Verpflichtungen sind nicht unbedingt individueller, sondern kollektiver Natur, in dem Sinne, dass andere von der Pflicht befreit sein können, wenn der Bedarf bereits durch einige der wohlhabendsten Zahlenden gedeckt wird. Man darf jedoch bestimmte Ausnahmefälle nicht außer Acht lassen, in denen eine solche kollektive Verpflichtung zu einer individuellen und konkreten wird, etwa dann, wenn nur eine einzige wohlhabende Person vorhanden ist, die Hilfe leisten kann.
As for other financial obligations, such as dues collected to support the poor in case of inadequacy of zakah proceeds, these obligations are temporary ad measured only by the amount of need. Consequently, they differ according to circumstances. These obligations are not necessarily individual but collective, in the sense that if the needs are provided for by some of the richest payers, others may be exempted. One must not forget certain exceptional cases, in which such a collective obligation becomes individual and specific, like when there exists only one rich person available to extend help.
Ibn Taimiyah kommentiert die Aussage „Auf den Besitz sind außer der Zakāh keine weiteren Abgaben auferlegt“:
Ibn Taimiyah comments on the statement 'There are no other dues imposed on wealth besides zakah':
Fußnoten.
Footnotes.
1. Al-Jassas, Ahkam al-Qur'an, Bd. 3, S. 131.
1. Al Jassas, Ahkam al Qur'an, Vol. 3, p. 131.
2. Nihayat al Muhtaj, Bd. 7, S. 194.
2. Nihayat al Muhtaj, Vol. 7, p. 194.
3. Ibn al-ʿArabi, Ahkam al-Qur'an, Teil eins, S. 59-60.
3. Ibn al 'Arabi, Ahkam al Qur'an, part one, pp. 59-60.
4. Tafsir al-Qurtubi, Bd. 2, S. 223.
4. Tafsir al Qurtubi, Vol. 2, p. 223.
5. Al I'tisam, Bd. 1, S. 103.
5. Al I'tisam, Vol. 1, p. 103.
6. Überliefert von al-Bukhari in al-Adab al-Mufrad, Ibn Sa'd in at-Tabaqat, al-Hakim in al-Mustadrak und al-Baihaqi über eine korrekte Überlieferungskette. Siehe at-Taisar, Bd. 1, S. 362.
6. Reported by al Bukhari in al Adab al Mufrad, Ibn Sa'd in al Tabaqat, al Hakim in al Mustadrak, al Baihaqi via a correct chain. See al Taisar, Vol. 1, p. 362.
7. Al-Jassas, a. a. O., S. 584.
7. Al Jassas, op. cit. p. 584.
8. Tafsir Ibn Kathir, Bd. 1, S. 208.
8. Tafsir Ibn Kathir, Vol. 1, p. 208.
9. Von Ahmad überliefert, von Anas. Seine Überlieferer sind diejenigen der verlässlichen Bücher. Siehe at-Targhib, Bd. 1, S. 263. Ebenso überliefert von Abu Dawud und Ibn al-Mundhir. Siehe ad-Durr al-Manthur, Bd. 1, S. 49.
9. Reported by Ahmad from Anas. Its narrators are those of the correct books. See al Targhib, Vol. 1, p. 263. Also reported by Abu Daud and Ibn al Mundhir. See al Durr al Manthur, Vol. 1, p. 49.
10. Überliefert von Ahmad und in Abu Dawud, im Kapitel über die Zakat. Al-Hafiz al-'Iraqi kommentiert: „Seine Überlieferungskette ist gut, und seine Überlieferer sind vertrauenswürdig.“ Wie al-Suyuti in al-La'ali' (Bd. 2, S. 140) angibt. Der verstorbene Ahmad Shakir bewertet es in seinen Anmerkungen zum Musnad des Ahmad (Bd. 3, S. 173) als richtig (sahih).