9.4 Kapitel vier: Grundsätze der Erhebung von Steuern und Zakāh
9.4 Chapter Four Principles Of Levying Taxes And Zakah
Steuern müssen als verpflichtende, vom Staat durchgesetzte Abgaben auf bestimmten Grundsätzen des gesunden Menschenverstandes beruhen, andernfalls verursachen sie Unruhe und Unordnung. Gelehrte und Steuerexperten haben über diese Grundsätze in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder gestritten. Adam Smith fasste diese Grundsätze im achtzehnten Jahrhundert zusammen als: die Grundsätze der Gerechtigkeit, der Gewissheit, der Bequemlichkeit und der Sparsamkeit.1 Dieses Kapitel gliedert sich daher in vier Abschnitte, in denen diese Grundsätze sowohl in Bezug auf Steuern als auch auf Zakah erörtert werden.
Taxes, as obligatory levies enforced by the state, must be based on certain principles of common sense, otherwise they cause unrest end disturbance. Scholars and taxation experts throughout the past few centuries have argued over these principles. Adam Smith in the eighteenth century sums up these principles as: the principles of justice, certainty, convenience, and economy.1 This chapter consequently has four sections in which these principles are discussed in relation to both taxes and zakah.
ERSTER ABSCHNITT DAS PRINZIP DER GERECHTIGKEIT
SECTION ONE THE PRINCIPLE OF JUSTICE
Das Gerechtigkeitsprinzip besagt laut Smith, dass alle Bürger des Staates an der Finanzierung der Staatsausgaben beteiligt sein müssen, jeder entsprechend seiner Leistungsfähigkeit, d. h. im Verhältnis zu seinem Einkommen, das vom Staat geschützt wird.² Dieses Prinzip steht im Einklang mit der Scharia im Allgemeinen und mit der Zakāh selbst, wie in diesem Abschnitt erläutert wird.³
The principle of justice, according to Smith,2 means all citizens of the stats must share in financing the government's expenditures, each according to his ability, i.e. in proportion to his income, which is protected by the state.3 This principle is consistent with Shari'ah in general and with zakah itself, as will be explained in this section.
Gerechtigkeit ist ein allgemeines Prinzip im Islam. Sie ist eine der Eigenschaften Gottes, einer Seiner herrlichen Namen, auf denen die Himmel und die Erde gründen, und um ihrer Festigung willen sandte Gott Gesandte und Bücher. Der Qur'an erklärt in ausdrücklichen Worten: „Wir sandten schon zuvor Unsere Gesandten mit klaren Zeichen, und sandten mit ihnen das Buch und die Waage (von Recht und Unrecht) herab, damit die Menschen in Gerechtigkeit auftreten.“4 Dieses Prinzip der Gerechtigkeit zeigt sich bei der Zakat auf folgende Weise:
Justice is a general principle in Islam. It is one of the characters of God, one of His glorious names on which the heavens and earth are based, for the establishment of which God sent messengers and Books. The Qur'an declares in explicit words, "We sent aforetime Our apostles with clear signs, and sent down with them the Book and the Balance (of right and wrong) that people may stand forth in justice."4 This principle of justice is apparent in zakah in the following manner:
1. Gleichheit in der Pflicht Die Zakāh ist jedem Muslim auferlegt, der den Nisāb besitzt, ungeachtet seiner Rasse, Hautfarbe, sozialen Stellung oder seines Geschlechts. Der Schwache und der Starke, der Edle und der Gemeine, der Herrscher und die Untertanen, der Gelehrte und der Unwissende – alle sind in der Pflicht zur Zakāh gleich. Das ist bei Steuern nicht der Fall, besonders bei den früheren Anwendungen im Westen, als Adlige und Geistliche von Steuern befreit waren.5
1. Equality in obligation Zakah is obligated on each Muslim who owns nisab, regardless of race, color, social status, or sex. The weak and the strong, the noble and the common, the governor and the subjects, the learned and the ignorant. All are equal in the obligation of zakah. This is not the case with taxes, especially in past Western applications when nobles and clergymen were exempt from taxes.5
ZWEITER ABSCHNITT: DAS PRINZIP DER GEWISSHEIT
SECTION TWO THE PRINCIPLE OF CERTAINTY
Gewissheit bei der Besteuerung bedeutet, dass die Steuer klar und eindeutig bestimmt sein muss, ohne Mehrdeutigkeit, die Raum für willkürliche Anwendung lässt. Gewissheit bezieht sich neben der Berechnung und Festlegung des zu zahlenden Betrags auch auf Zeitpunkt und Verfahren der Zahlung. Adam Smith hält den Grundsatz der Gewissheit für sehr wichtig, da der Steuerpflichtige alle seine Verpflichtungen mit Sicherheit kennen muss. Gewissheit kann nach Smith sogar wichtiger sein als die Gerechtigkeit selbst.
Certainty in taxation means the tax must be well defined in an exclusive manner without ambiguity that leaves room for arbitrary application. Certainty refers to time and procedure of payment in addition to the calculation and definition of the amount that must be paid. Adam Smith believes the principle of certainty is very important, since the taxpayer must know with certainty all his obligations. Certainty, according to Smith, may even be more important than justice itself.
Es besteht kein Zweifel, dass Gewissheit in hohem Maße mit der Stabilität jedes Steuersystems zusammenhängt.
There is no doubt that certainty has much to do with the stability of any tax system.
Wenn sich die Steuerzahler an die Steuern, ihre Sätze und die Zahlungsverfahren gewöhnen, werden Steuerzahlungen sowohl für sie als auch für die Regierung einfacher. Aus diesem Grund glauben einige Steuerexperten, wie Canard, dass jede alte Steuer gut und jede neue Steuer zweifelhaft sei. Die Stabilität des Steuersystems hilft, ebenso wie die Stabilität des Wirtschaftsrechts, Vertrauen in das System und seine Zukunft aufzubauen, und damit in den Wohlstand wirtschaftlicher Tätigkeiten.28
If the taxpayers become accustomed to the taxes, their rates, and payment procedures, tax payments become easier for them and for the government as well. Because of this, some taxation specialists, like Canard, believe that every old tax is good and every new tax is dubious. Stability of the taxation system, like stability of business law, helps build confidence in the system and its future, and thus in the prosperity of economic activities.28
Zweifellos bietet das System der Zakāt ein hohes Maß an Gewissheit. Die Zakāt ist von Gott in Seinem ewigen Buch vorgeschrieben; niemand kann darin etwas hinzufügen oder streichen. Gott bestimmt ihre Sätze, die uns durch den Gesandten Gottes ﷺ überliefert wurden, und wir verfügen über ein gewaltiges Erbe an Rechtswissenschaft, das Erklärungen und Einzelheiten bereitstellt. Alle grundlegenden Bestimmungen der Zakāt sind festgelegt und durch keine menschliche Anstrengung veränderbar. Diese grundlegenden Bestimmungen zu kennen ist für jeden Muslim als Teil der Religion des Islam verpflichtend. Die Zakāt ist die beständigste Finanzinstitution, die die Menschheit je gekannt hat.
DRITTER ABSCHNITT: DAS PRINZIP DER ERLEICHTERUNG
SECTION THREE THE PRINCIPLE OF CONVENIENCE
Bequemlichkeit, das dritte Prinzip der Besteuerung, das Adam Smith formuliert hat, bedeutet, dass die Steuer und ihre Erhebungsverfahren den Steuerzahlern so bequem wie möglich gemacht werden müssen, damit sie die Steuer mit Freude und Zufriedenheit entrichten, oder zumindest ohne Zweifel oder Unannehmlichkeiten.
Convenience, the third principle of taxation given by Adam Smith, means that the tax and its collection procedures must be made most convenient to taxpayers, so they give the tax with pleasures and satisfaction, or at least without doubt or inconvenience.
Ein kurzer Blick auf die islamischen Gesetze und Vorschriften zur Zakāh zeigt, wie sehr dieses Prinzip beachtet wird. Dies wird in vielen Fällen deutlich:
A quick glance at Islamic laws and instructions about zakah reveals how much this principle is observed. This is apparent in many occasions:
1. Ahmad berichtet von 'Abd Allah bin 'Umar, dass der Gesandte (ﷺ) sagte: „Die Sadaqat des Viehs der Muslime muss an ihren Tränkstellen eingesammelt werden.“ In einer anderen Überlieferung, die Ahmad und Abu Daud berichten, sagte der Prophet (ﷺ): „Es darf weder Herbeibringen noch Wegnehmen von zakatpflichtigem Besitz geben. Ihre fällige Sadaqat darf nur an ihren eigenen Wohnorten eingesammelt werden.“29 Laut al-Khattabi bedeutet „kein Herbeibringen und kein Wegnehmen“, dass die Zahlungspflichtigen nicht verpflichtet werden dürfen, ihren Besitz zum Einsammler zu bringen, und die Zahlungspflichtigen ihren Besitz auch nicht vom Einsammler wegbringen sollen, mit der Absicht, es ihm schwer zu machen, die zakatpflichtigen Güter zu verfolgen. Zakatpflichtige Güter müssen an den Orten, an denen sich dieser Besitz befindet, gezählt und die Zakat dort berechnet werden.30 Al-Shawkani fügt hinzu: „Dieser Ausspruch bedeutet, dass der Einsammler derjenige ist, der zur Einsammlung der Zakat reist, da dies für die Zahlenden leichter ist.“31
1. Ahmad reports from 'Abd Allah bin 'Umar that the Messenger (p) said "Sadaqat of Muslims' livestock must be collected at their watering places." in another version reported by Ahmad and Abu Daud, the Prophet (p) said, "There should be no bringing or taking away of zakatable assets. Their due sadaqat must not be collected except in their own locales."29 According to al Khattabi, "No bringing and no taking away" means zakah payers must not be asked to bring their assets to the collector, nor should the payers take their assets away from the collector with the intention of making it difficult for him to pursue the zakatable items. Zakatable items must be counted and zakah estimated in the localities of these assets."30 Al Shawkani adds, "This saying means the collector is the one who travels for zakah collection, since this is easier for payers."31
ABSCHNITT VIER: DAS WIRTSCHAFTLICHE PRINZIP
SECTION FOUR THE ECONOMICAL PRINCIPLE
Das Wirtschaftlichkeitsprinzip besagt, dass die Erhebungskosten so gering wie möglich sein müssen. Zu diesen Kosten zählt sowohl das, was der Staat zahlt, etwa die Gehälter der Steuereinnehmer sowie Verwaltungs- und Transportkosten, als auch das, was die Zahlungspflichtigen aufwenden, um Berichte und Abrechnungen zu erstellen oder ihre Beschwerden bzw. Einwände gegen die veranschlagten Beträge zu bearbeiten.
The economical principle means collection cots must be minimum. These cots includes what the state pays, such as collectors' salaries and administrative and transportation costs, in addition to what the payers expend to prepare reports and accounts or to process their complaints or objections to the estimated amounts .
Offensichtlich besteht der Zweck einer Steuer darin, dem Staat Nettoeinnahmen zur Finanzierung öffentlicher Ausgaben zu verschaffen. Wird der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit nicht beachtet, so wird ein großer Teil des Ertrags dafür verwendet, den Erhebungsprozess selbst aufrechtzuerhalten.34
Obviously, the purpose of a tax is to bring net income to the state to finance public expenditures. When the principle of economy is not observed, a large portion of proceeds is used to sustain the collection process itself.34
Der Islam verbietet Verschwendung und gebietet Maß und mitunter Sparsamkeit. Dies gilt ebenso für öffentliche Gelder wie für die persönlichen Ausgaben des Einzelnen. Ja, das islamische Recht ist sogar weit mehr darauf bedacht, bei der Verwendung öffentlicher Gelder zu sparen.
Islam prohibits extravagance and ordains moderation and sometimes thrift. This applies as much to public funds as to individual spending. Rather Islamic law is much keener to economize when using public funds.
Es wurde zuvor gezeigt, wie streng der Gesandte (ﷺ) gegenüber Geschenken an die Zakat-Beamten war und wie er auf die Sparsamkeit bei den Erhebungskosten achtete. Er war erzürnt über Einnehmer, die Geschenke von Zahlenden annahmen, und forderte sie auf, diese Geschenke in die öffentliche Staatskasse abzuliefern.
It was show earlier how strict the Messenger (p) was about gifts to zakah officers, and economizing collection costs. He was angered by collectors who accepted gifts from payers, and asked them to give these gifts to the public treasury.
Zakat soll grundsätzlich an demselben Ort verteilt werden, an dem sie eingesammelt wird; dies spart Transportkosten. Wir haben zuvor gesehen, wie die Zakat-Beamten zur Einsammlung auszogen und ohne Rückstände zurückkehrten, da sie alle Einnahmen im selben Gebiet verteilten.
Fußnoten
Footnotes.
1. Mabadi' 'Ilm al Maliyah al 'Ammah von Dr. Muhammad Fu'ad Ibrahim, Bd. 1, S.
1. Mabadi' 'Ilm al Maliyah al 'Ammah by Dr. Muhammad Fu'ad Ibrahim, Vol. 1, pp.
262-263.
262-263.
Er war ein britischer Ökonom und Philosoph des achtzehnten Jahrhunderts. Sein Buch „The Wealth of Nations“ gilt als die Bibel des freien Wirtschaftssystems.
2. He was a British economist and philosopher of the eighteenth century. His book, The Wealth of Nations is considered the bible of the free economic system.
3. „Der Islam legt das Fundament der Besteuerung", ein Artikel von Dr. Ahmad Thabit ʿAwaidah.
3. "Islam Lays Down the Foundation of Taxation," an article by Dr. Ahmad Thabit 'Awaidah.
4. Sure Al-Hadid, 57:25.
4. Sura al Hadid, 57:25.
5. Ahmad Thabit 'Awaidah, a. a. O.
5. Ahmad Thabit 'Awaidah, op. cit.
6. Al Muhalla, Bd. 5, S. 199-200.
6. Al Muhalla, Vol. 5, pp. 199-200.
7. Manche Gelehrte deuten den Überschuss (al-ʿafw) als Zakāt, da die Zakāt ein kleiner Teil aus dem Überfluss ist.
7. Excess is interpreted by some scholars as zakah, since zakah is a little taken out of plenty.
8. Sure al-A'raf, 7:199.
8. Sura al A'raf, 7:199.
9. Sure al-Baqarah, 2:219.
9. Sura al Baqarah, 2:219.
10. Überliefert von Abu 'Ubaid, al-Amwal, S. 375, und von Ibn Abi Shaibah.
10. Reported by Abu 'Ubaid, al Amwal, p.. 375, and by Ibn Abi Shaibah.