5.2 Kapitel Zwei: Die Stellung der Absicht bei der Zakāt
5.2 Chapter Two The Place Of Intention In Zakah
Die Zakāt besitzt als Gottesdienst und zugleich als finanzielle Abgabe einen doppelten Charakter. Sie ist eine Steuer-Gottesdienst beziehungsweise ein Gottesdienst-Steuer.
Zakah, as a form of worship and at the same time a financial tax, has a dual character. It is a tax-worship or a worship-tax.
Diese zweiseitige Eigenschaft der Zakāt steht am Anfang der Frage der Absicht.
This two-sided characteristic of zakah lies at the start of the issue of intention.
Die Absicht ist bei der Zakāt unerlässlich.
Intention is indispensable in zakah
Die überwiegende Mehrheit der Rechtsgelehrten vertritt die Ansicht, dass die Absicht (Niyyah) eine Voraussetzung für die Entrichtung der Zakah ist, da sie ein Akt der Anbetung ist und alle Akte der Anbetung eine Absicht erfordern.
The overwhelming majority of jurists believe intention is a prerequisite for performing zakah, since it is a rite of worship, and all rites of worship demand intention.
Gott sagt: „Und ihnen wurde nichts anderes befohlen, als Gott zu dienen, ihm aufrichtig ergeben in Hingabe, rechtgläubig zu sein, das Gebet zu verrichten und die Zakāt zu entrichten." Der Gesandte Gottes ﷺ sagt: „Die Taten werden nach den Absichten beurteilt." Fehlt die Absicht, so ist die Entrichtung der Zakāt zwecklos und ohne Geist. Die Absicht zur Zahlung der Zakāt muss beim Zahlenden vorhanden sein, gleichgültig, ob er seine eigene Zakāt oder die der Personen unter seiner Vormundschaft entrichtet.1
God says, "And they have been commanded no more than this: to worship God, offering him sincere devotion, being true (in faith), to establish regular prayer, and to practice zakah." The Messenger of God (p) says, "Deeds are considered by their intentions." Lack of intention makes the payment of zakah purposeless and spiritless. Intention for zakah payment must exist on the part of the payer, whether he pays his own zakah or that of persons under his guardianship.1
Al-Auzā'ī widerspricht der Mehrheit und hält die Absicht (niyyah) für die Entrichtung der Zakāt nicht für erforderlich. Er sagt: „Die Absicht ist keine notwendige Voraussetzung, denn die Zakāt ist eine Form der Schuld, und bei der Begleichung von Schulden gibt es keine solche Bedingung. Weil für die Zakāt keine Absicht erforderlich ist, wird sie auch auf das Vermögen minderjähriger Waisen erhoben und von denjenigen mit Gewalt eingezogen, die sich weigern zu zahlen.“ Ihm wird entgegnet, dass die Zakāt als Gottesdienst eine Absicht erfordert, gemäß dem Ausspruch: „Die Taten sind nur nach den Absichten.“ Ihr Vergleich mit Schulden trifft nicht vollständig zu, denn eine Schuld kann vom Gläubiger erlassen werden, während die fällige Zakāt nicht erlassen werden kann. Die Absicht ist zudem nötig, um die Zakāt von der allgemeinen freiwilligen Wohltätigkeit zu unterscheiden.
Al Awza'i disagrees with the majority and does not consider intention a prerequisite for performing zakah. He says, "Intention is not a necessary requirement because zakah is a form of debt and there is no such condition when debts are paid. Because zakah does not require intention, it is charged on the wealth of minor orphans and taken by force from those who refuse to pay.2 He is replied that zakah as a worship requires intention, according to the saying, "Deeds are by their intentions." Its analogy to debts is not complete, since a debt can be waived by the creditor, while due zakah cannot be waived. Intention is further needed to distinguish zakah from general voluntary charity.
Die Ansicht von al-Awza'i wird auch von einigen Malikiten vertreten, doch die anerkannte Meinung in der malikitischen Rechtsschule ist, dass die Absicht erforderlich ist. Was die Entrichtung der Zakah unter Zwang betrifft, so wird der Zahlende von Gott nicht belohnt.3
Al Awza'i's view is shared by some Malikites, but the accredited opinion in the Malikite school is that intention is required. As for taking zakah by force, the payer is not rewarded by God.3
Die Absicht muss nicht in Worte gefasst werden. Sie ist lediglich ein Wille im Herzen des Zahlenden, der die Entrichtung der Zakah begleitet.4 Einige Malikiten halten sogar eine Absicht für zulässig, die aus der zielgerichteten Berechnung des geschuldeten Betrags und dessen Verteilung an die Zakah-Berechtigten erschlossen wird.5
Intention need not be put in words. It is only a will in the payer's heart that accompanies the payment of zakah.4 Some Malikites even consider acceptable intention inferred by the purposeful calculation of the due amount and its distribution to zakah deservants.5
Absicht, wenn die Zakāt vom Staat eingezogen wird
Intention when zakah is collected by the government
Wenn der Staat Zakat einzieht, ist der Zakatzahlende verpflichtet, die Absicht (niyyah) zu haben. Die Absicht des Einziehenden allein genügt nicht, wenn der Zahlende die Zakat freiwillig gibt, nach der Mehrheit der Rechtsgelehrten; al-Shafi'i wird in einer Überlieferung nicht dazu gezählt.6 Al-Nawawi bemerkt: „Was den Menschen betrifft, der sich weigert, Zakat zu zahlen, und dem der Staat die Zakat mit Gewalt abnimmt: Wenn ein solcher Mensch beim Einziehen der Zakat die Absicht fasst, ist die Bedingung erfüllt, auch ohne die Absicht des Einziehenden. Fasst der Zahlende nicht die notwendige Absicht, so genügt die Absicht des Einziehenden, soweit die Anwendung des Gesetzes betroffen ist, und der Zahlende braucht nicht aufgefordert zu werden, eine weitere Zahlung zu leisten.“7 Ibn Qudamah sagt: „Wenn die Zakat vom Staat unter Anwendung von Gewalt eingezogen wird, ist die gesetzliche Pflicht zur Zahlung der Zakat erfüllt.“ Abu al-Khattab und Ibn 'Aqil, beide Hanbaliten, sind jedoch der Ansicht, dass aus religiöser Sicht der Gottesdienst der Zakat in einem solchen Fall nicht vollzogen wird, wegen des Mangels an Absicht beim Zahlenden. Ibn 'Aqil fügt hinzu: „Wenn Rechtsgelehrte die Anforderungen der Zakat in solchen Fällen als erfüllt betrachten, meinen sie damit, dass die gesetzliche, nicht aber die religiöse Pflicht erfüllt ist.“8 Ibn al-'Arabi, ein Malikite, erklärt, dass bei einer Zakat, die mit Gewalt eingezogen wird, dem Menschen, von dem sie genommen wird, kein Lohn zusteht.9 Was die Hanafiten betrifft, so glauben sie, dass die Zakat auf nicht sichtbares Vermögen nicht durch eine Zwangszahlung erfüllt werden kann, die der Staat vom Zahlenden einzieht, da der Staat grundsätzlich nicht für die Einziehung dieser Zakat zuständig ist.10
If the government collects zakah, the zakah payer is required to have intention. The intention of the collector alone does not suffice if the payer gives zakah willingly, according to the majority of jurists; al Shafi'i in one report is not included.6 Al Nawawi remarks, "As for the person who refuses to pay zakah, from whom the government extracts zakah by force, if such a person makes intention when zakah is taken, the condition is satisfied, even without the collector's intention. If the payer does not make the necessary intention, that of the collector suffices as far as the application of the law is concerned, and the payer need not be asked to make another payment."7 Ibn Qudamah says, "If zakah is collected by the government with the use of force, the legal obligation of paying zakah is fulfilled." However, Abu al Khattab and Ibn 'Aqil, both Hanbalites, believe that from the religious point of view, the worship of zakah is not performed in such a case, because of the payer's lack of intention. Ibn 'Aqil adds, "When jurists consider zakah requirements satisfied in such cases, they mean that the legal, but not religious, obligation is satisfied."8 Ibn al 'Arabi, a Malikite, explains that when zakah is collected by force, no reward is due the person from whom it is taken."9 As for Hanafites, they believe zakah of non-apparent wealth cannot be fulfilled by forced payment extracted from the payer by the state, since the state is not, in principle, in charge of collecting this zakah.10
Zeitpunkt der Absicht
Time of intention
Die Hanafiten verlangen, dass die Absicht die tatsächliche Zahlung der Zakāt an die Berechtigten oder an den Staat begleitet, ebenso wie bei anderen Gottesdiensten.11 Nach den Malikiten muss die Absicht im Augenblick der tatsächlichen Zahlung oder dann bestehen, wenn der Zahlende den als Zakāt zu entrichtenden Betrag vorbereitet. Besteht die Absicht, Zakāt zu zahlen, zu keinem dieser beiden Zeitpunkte, so genügt auch eine nachfolgende Absicht nicht.12 Die Schafiiten lassen zu, dass der Absicht die Zahlung folgt. Nach al-Nawawī ist es schwierig, die Absicht gleichzeitig mit der Zahlung zu haben.13 Die Hanbaliten stimmen mit den Schafiiten darin überein, dass die Absicht der tatsächlichen Zahlung vorausgehen darf.14 Ich bin der Ansicht, dass der Zeitpunkt der Absicht auf Erleichterung und Einfachheit gegründet sein sollte. Im Allgemeinen genügt der Wille, Zakāt zu zahlen, der Bedingung der Absicht, ohne dass es nötig ist, sich in kleinste Einzelheiten zu verlieren.
Hanafites require that intention accompany the actual payment of zakah to the deservants, or to the government, the same as with other worship.11 According to Malikites, intention should exist at the time of actual payment or when the payer is preparing the amount to be paid as zakah. If the intention of paying zakah does not exist at either of these two times, any following intention does not suffice.12 Shafi'ites accept intention followed by payment. According to al Nawawi, it is difficult to have intention simultaneously with payment.13 Hanbalites agree with the Shafi'ites that intention may preceed actual payment.14 I believe the timing of intention is a matter that should be founded on easiness and simplicity. Having, in general , the will to pay zakah satisfies the intention requirement, without need for going into minute details.
1. Hashiat al Sawi on al Sharh al Saghir, Bd. 1, S. 235, und Al Rawdah von al Nawawa, Bd. 2, S. 208.
1. Hashiat al Sawi on al Sharh al Saghir, Vol. 1, p. 235, and Al Rawdah, by al Nawawa, Vol. 2 , p. 208.
2. Al Mughni, Bd. 2, S. 638.
2. Al Mughni, Vol. 2 , p. 638.
3. Sharh al-Risalah von Ibn Naji, Bd. 1, S. 317–318.
3. Sharh al Risalah by Ibn Naji, Vol. 1, pp. 317-8.
4. Al Mughni, Bd. 2, S. 638, Matalib Uli al Nuha, Bd. 2, S. 121.
4. Al Mughni, Vol. 2, p.638, Matalib Uli al Nuha, Vol. 2, p. 121.
5. Al Sawi, a. a. O., und Hashiat al Dusuqi, Bd. 1, S. 500.
5. Al Sawi, op. cit., and Hashiat al Dusuqi, Vol. 1, p. 500.
6. An-Nawawi sagt: „Diese zweite Ansicht ist diejenige, die al-Qadi Abu at-Tayyib, die Verfasser von al-Muhadhdhab und at-Tahdhib sowie die meisten Rechtsgelehrten der späteren Generationen gutgeheißen haben." Ar-Rawdah, Bd. 2, S. 208.
6. Al Nawawi says "this second view is the one approved by al Qadi Abu al Tayeb, the authors of al Muhadhdhab and al Tahdhib and most of the later generations' jurists. Al Rawdah, Vol. 2, p. 208.
7. Ebd., S. 208–209.
7. Ibid, pp. 208-209.
8. Al Mughni, Bd. 2, S. 640-641.
8. Al Mughni, Vol. 2, pp. 640-641.
9. Sharh al-Risalah, Bd. 1, S. 318, und al-Sharh al-Kabir, Bd. 1, S. 503.
9. Sharh al Risalah, Vol. l , p. 318, and al Sharh al Kabir, Vol. 1, p. 503.
10. Radd al-Muhtar, Bd. 2, S. 14.
10. Radd al Muhtar, Vol. 2, p. 14.