5.4 Kapitel vier: Der Transport der Zakāt
5.4 Chapter Four Transporting Zakah
Vor vierzehnhundert Jahren führte der Islam sein einzigartiges Prinzip ein, dass die Zakah in dem Gebiet verteilt werden muss, in dem sie eingesammelt wird, anstatt sie einem Herrscher zu geben, damit er sie für Paläste, Diener und das Heer ausgibt, wie es damals allgemein üblich war. Die muslimischen Gelehrten sind sich einig, dass die Zakah an Berechtigte im selben geografischen Gebiet verteilt werden sollte, aus dem sie eingesammelt wurde.1 Dies gilt für die Zakah auf Vieh, Getreide und Früchte. Die Zakah auf Geld wird in dem Gebiet verteilt, in dem sich das Vermögen befindet, und nicht dort, wo der Eigentümer wohnt, falls er fern von dem zakatpflichtigen Vermögen lebt.2
Fourteen hundred years ago Islam introduced its unique principle that zakah must be distributed in the region in which it is collected, instead of being given to some ruler to spend on palaces, servants, and army, as was the common practice of the time. Muslim scholars agree that zakah should be distributed to deservants in the same geographical area from which it was collected.1 This applies to zakah collected on livestock, grain, and fruits. Zakah on money is distributed in the area of the asset and not where the owner lives, if he or she lives away from the zakated wealth.2
Dieser Grundsatz beruht auf der Überlieferung des Propheten ﷺ und seiner rechtgeleiteten Nachfolger.
This principle is based on the tradition of the Prophet (p) and his Wise Successors.
Als der Prophet ﷺ Zakat-Beauftragte in irgendein Gebiet oder einen Bezirk entsandte, wies er sie an, die Zakat an die Armen derselben Gegend zu verteilen. Die Anweisung, die er Mu'adh gab (deren Echtheit einhellig anerkannt ist), lautet: „Die Zakat ist an die Armen unter ihnen zu verteilen ...“ Mu'adh befolgte die Anweisungen des Propheten ﷺ buchstabengetreu. Er teilte den Jemen in Bezirke auf, sodass die Zakat innerhalb jedes Bezirks eigenständig eingesammelt und verteilt wurde. Er schrieb Briefe des Inhalts, dass die Zakat innerhalb desselben Stammes verteilt werden solle, aus dem sie eingesammelt wurde.3
When the Prophet sent zakah officers to any area or region, he instructed them to distribute to the poor in the same region. The instructions he gave Mu'adh (its authenticity is agreed upon) says "zakah is to be distributed to the poor among them . . ." Mu'adh implemented the instructions of the Prophet (p) to the letter. He divided Yemen into regions such that zakah was collected and distributed within each region autonomously. He wrote letters to the effect that zakah be distributed within the same clan from which it is collected.3
Abu Juhaifah sagt: „Der Zakat-Beauftragte des Gesandten Gottes (ﷺ) kam und nahm von den Reichen unter uns die Zakat und verteilte sie an unsere Armen. Ich war damals ein minderjähriges Waisenkind, und so gab er mir eine Kamelstute." (4) Es wird richtig überliefert, dass ein beduinischer Araber dem Gesandten Gottes (ﷺ) mehrere Fragen stellte. Darunter war: „Bei Gott, der dich gesandt hat, hat Gott dir befohlen, die Sadaqa von unseren Reichen zu nehmen und an unsere Armen zu verteilen?" Der Prophet antwortete: „Ja." (ﷺ) Abu 'Ubaid berichtet, dass 'Umar in seinem Testament schrieb: „Ich bitte meinen Nachfolger ... von den Rändern ihres Vermögens zu nehmen und es unter ihren Armen zu verteilen." (5) Dies war die Praxis zur Zeit 'Umars selbst. Sa'id bin al-Musayyib sagt: „'Umar schickte Mu'adh als Zakat-Beauftragten zu den Banu Kilab oder den Banu Sa'd. Mu'adh ging dorthin, sammelte die Zakat ein und verteilte alles, ohne etwas zurückzulassen. Er kehrte in denselben Kleidern zurück, in denen er gegangen war." (6) 'Umar wurde einmal gefragt, was mit der Zakat zu tun sei, die von beduinischen Arabern eingesammelt wurde. Er antwortete: „Bei Gott, ich werde die Sadaqa an sie selbst zurückgeben, bis jeder von ihnen Besitzer von hundert Kamelen wird, männlichen oder weiblichen Geschlechts."7
Abu Juhaifah says, "The zakah officer of the Messenger of God (p) came and collected zakah from the rich among us and distributed it to our poor. I was then a minor orphan, so he gave me a she-camel."4 It is correctly reported that a bedouin Arab asked the Messenger of God (p) several questions. Among them was, "By God Who sent you, is it God who commanded you to take the sadaqah from our rich and distribute it to our poor?" The Prophet answered, "Yes." Abu 'Ubaid reports that 'Umar wrote in his will "I ask my successor . . . to take from the peripheries of their wealth and distribute is among their poor."5 This was the practice during the time of 'Umar himself. Sa'id bin al Musayyib says "'Umar sent Mu'adh as zakah officer to bani Kilab or bani Sa'd. Mu'adh went there, collected zakah, and distributed all of it, leaving nothing. He came back in the same own clothes that he went in."6 'Umar was once asked what to do with the zakah collected from bedouin Arabs. He answered, "By God, I shall render the sadaqah to themselves, until each of them becomes the owner of a hundred camels, male or female."7
Der Transport der Zakah aus der Region, in der sie eingesammelt wird, während diese Region noch Arme enthält, verstößt gegen den Grund, aus dem sie eingesammelt wird. Der Verfasser von al-Mughni sagt: „Da die Zakah dazu bestimmt ist, die Armen zu bereichern, lässt die Erlaubnis, sie zu transportieren, die Armen jener Region in Not zurück."8 Gelehrte und Statthalter nach dem Propheten ﷺ folgten derselben Weisung. 'Imran bin Husain, ein Gefährte, wurde zur Zeit der Umayyaden als Zakah-Beauftragter eingesetzt. Als er von seinem Auftrag zurückkehrte, wurde er gefragt: „Wo ist das Geld?" 'Imran sagte: „Hast du mich etwa geschickt, um dir Geld zu bringen? Ich habe es so eingesammelt, wie wir es zur Zeit des Gesandten Gottes ﷺ taten, und so verteilt, wie wir es damals verteilten."9 Taus wurde als Zakah-Beauftragter in einer der Regionen des Jemen eingesetzt. Der Statthalter verlangte von ihm Rechenschaft, und seine Antwort lautete: „Ich habe von den Reichen genommen und den Bedürftigen gegeben."10 Farqad al-Sabkhi sagt: „Ich nahm die Zakah, die auf meinen Besitz fällig war, um sie in Makkah zu verteilen. Dort traf ich Sa'id bin Jubair, der sagte: ‚Nimm sie zurück und verteile sie in deiner Heimatstadt.'"11 Sufyan überliefert: „Die Zakah wurde von ar-Riy nach al-Kufah gebracht, doch 'Umar bin 'Abd al-'Aziz ordnete an, sie nach ar-Riy zurückzubringen."12
Transporting zakah from the region in which it is collected while that region still contains poor people violates the reason for which it is collected. The author of al Mughni says "since zakah is meant to enrich the poor, permitting transporting it leaves the poor of that region in need."8 Scholars and governors after the Prophet followed the same guidance. 'Imran bin Husain, a Companion, was appointed zakah officer at the time of the Umayyads. When he returned from his mission, he was asked "Where is the money?" 'Imran said, "Did you send me to bring you money?" I collected it the same way we used to at the time of the Messenger of God (p), and distributed it the same way we used to."9 Taus was appointed zakah officer in one of the regions in Yemen. He was asked for his account by the governor and his answer was, "I took from the rich and gave to the destitute.10 Farqad al Sabkhi says, I took zakah due on my wealth to distribute it in Makkah. There I met Said bin Jubair, who said, 'Take it back and distribute it in your hometown.'"11 Sufyan narrates "Zakah was taken from al Riy to al Kufah, but 'Umar bin 'Abd al Aziz ordered it taken back to al Riy."12
Abu 'Ubaid sagt: „Die Gelehrten sind sich einig, dass diese Überlieferungen bedeuten, dass die Menschen einer jeden Gegend Vorrang bei ihrer Zakah haben, solange es dort noch Bedürftige gibt, oder bis die gesamte Zakah verteilt ist." Er fährt fort: „Wenn der Beamte die eingesammelte Zakah transportiert, obwohl in der Gegend, aus der sie eingesammelt wurde, noch Bedarf besteht, muss die Regierung sie in ihre Gegend zurückbringen, wie es 'Umar bin 'Abd al-'Aziz tat und wie Sa'id bin Jubair überliefert hat."13
Abu 'Ubaid says, "Scholars all agree that these reports mean people of every region have priority on their zakah, as long as they still have anyone in need, or until all the zakah is distributed." He goes on, "If the officer transports collected zakah while there still is need in the region from which it was collected, the government must return it to its region, as did 'Umar bin 'Abd al 'Aziz, and as stated by Sa'id bin Jubair."13
Al-Nakha'i und al-Basri erlauben es einer Person, Zakat zu transportieren, um sie ihren eigenen Verwandten zu geben, die fern von ihr leben. Abu 'Ubaid sagt: „Dies ist nur in einzelnen Fällen erlaubt, nicht bei der massenhaften Zakat, die von der Regierung verwaltet wird.“ Abu 'Ubaid kommentiert die Überlieferung, dass Abu al-'Aliyah, ein Gefährte, seine fällige Zakat nach Madinah brachte, mit den Worten: „Ich glaube, er brachte sie zu seinen Sippenangehörigen und Verwandten.“14
Al Nakha'i and al Basri allow a person to transport zakah in order to give it to his own kin who live away from him. Abu 'Ubaid says, "This is permitted in individual cases only, not on the massive level of zakah administered by the government." Abu 'Ubaid comments on the story that Abu al 'Aliyah, a Companion, used to take his due zakah to Madinah, "I believe he was taking it to his kindred and relatives."14
Fälle, in denen die Überführung der Zakāt erlaubt ist
Cases in which transporting zakah is permissible
Die Gelehrten sind sich einig, dass überschüssige Zakat-Gelder in benachbarte Gebiete oder an die Zentralregierung überführt werden dürfen. Abu 'Ubaid berichtet, dass Mu'adh bis zum Tod des Propheten ﷺ und in der Zeit Abu Bakrs in Jemen blieb, danach zu 'Umar ging, der seine Stellung bestätigte. Eines Jahres sandte Mu'adh an 'Umar ein Drittel der in diesem Jahr eingesammelten Zakat. 'Umar war verärgert und sagte ihm: „Ich habe dich nicht als Eintreiber oder als Erheber der Dschizya gesandt. Ich habe dich beauftragt, von den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben.“ Mu'adh antwortete: „Ich habe dir nichts gesandt, obwohl ich hier niemanden finden konnte, der von mir etwas nimmt.“ Im folgenden Jahr sandte Mu'adh an 'Umar die Hälfte der eingesammelten Zakat. Sie tauschten ähnliche Aussagen wie im Vorjahr aus. Im dritten Jahr sandte Mu'adh an 'Umar die gesamte eingesammelte Zakat. 'Umar befragte ihn in gleicher Weise wie in den Jahren zuvor, woraufhin Mu'adh sagte: „Ich konnte niemanden finden, der davon etwas annehmen wollte.“15
Scholars agree that all excess zakah funds may be transported to neighboring areas or to the central government. Abu 'Ubaid reports that Mu'adh stayed in Yemen until the Prophet died and during the era of Abu Bakr, then went to 'Umar, who confirmed his position. One year Mu'adh sent 'Umar one third of the zakah collected in that year.'Umar was annoyed and told him, "I did not send you as a collector or as a taker of jiziah. I assigned you to take from the rich and render to the poor." Mu'adh answered, "I have not sent you anything that I can find anyone to take from me here." The following year, Mu'adh sent 'Umar one half of the collected zakah. They exchanged statements similar to the previous year. In the third year, Mu'adh sent 'Umar all the collected zakah. 'Umar questioned him the same way he did the previous years, whereupon Mu'adh said, "I could not find anyone who would take any of it."15
Der Einwand 'Umars deutet darauf hin, dass die Zakāt in dem Land verteilt werden muss, in dem sie eingesammelt wird, doch seine Zustimmung nach der Erklärung Mu'ādhs zeigt, dass es erlaubt ist, die Zakāt zu transportieren, wenn es in ihrer Region keine Berechtigten gibt.
'Umar's objection indicates that zakah must be distributed in the land where it is collected but his acceptance after Mu'adh's explanation shows that it is permissible to transport zakah when no deservants exist in its region.
Abgesehen von diesem allgemein anerkannten Fall gibt es Situationen, in denen zwar im Gebiet der Einsammlung noch ein Bedarf besteht, es dem Gesamtwohl der Gesellschaft aber förderlicher sein kann, einen Teil der eingesammelten Zakāt zu überführen. Die Schafiiten beispielsweise billigen eine Überführung in solchen Fällen nicht. Auch die Hanbaliten tun dies nicht.16
Diskussion und Analyse
Discussion and Analysis
Nach dieser Übersicht über die verschiedenen Meinungen und Texte zur Überführung eingesammelter Zakāt zeigt sich, dass der allgemeine Grundsatz lautet: Die Zakāt muss in demselben Gebiet verteilt werden, in dem sie eingesammelt wurde. Die Armen und Bedürftigen in diesem Land haben Vorrang vor allen anderen, da die Zakāt von ihren Nachbarn, Verwandten und Freunden eingesammelt wird.
After this survey of the different opinions and texts on the transportation of collected zakah, it appears that the general principle is that zakah must be distributed in the same area where it is collected. The poor and needy in that land have priority over all others, since zakah is collected from their neighbors, kin, and friends.
Ich finde jedoch keinen Grund, warum dieser allgemeine Grundsatz keine Ausnahmen haben sollte, besonders dann, wenn die Ausnahme von einer gerechten Regierung in Absprache mit dem repräsentativen Rat im Hinblick auf die öffentlichen Interessen der Muslime und des Islam getroffen wird. Wie Malik trefflich formuliert: „Den Transport der Zakat ist nicht erlaubt, außer wenn er durch das Ijtihad der Regierung geschieht, im Hinblick auf dringende Not.“21 Ibn al-Qasim, der Schüler Maliks, fügt hinzu: „Wenn dies aus Notwendigkeit geschieht, ist es in Ordnung.“22 Von Suhnun wird überliefert, dass er sagte: „Wenn die Regierung weiß, dass ein bestimmtes Land in großer Not ist, darf sie rechtmäßig einen Teil der gesammelten Zakat dorthin transportieren. Wenn eine Katastrophe eintritt, hat die Linderung des Leids ihrer Opfer Vorrang vor anderen Verwendungen der Zakat, denn ein Muslim ist der Bruder eines anderen Muslims; er lässt ihn nicht im Stich und unterdrückt ihn nicht.“23
However, I find no reason why this general principle should not have exceptions, especially if the exception is made by a just government in consultation with the representative council, in view of the public interests of Muslims and Islam. As Malik wonderfully puts it, "Transporting zakah is not permissible, except when done through the government's ijtihad, in view of pressing need."21 Ibn al Qasim, Malik's disciple adds, "If this is done out of necessity, it is all right."22 Suhnun is reported to say, "If the government knows a certain land has dire need, it can lawfully transport some of the collected zakah there. When catastrophe befalls, relieving its victims has priority above other uses of zakah, since a Muslim is a brother to a fellow Muslim; he does not let him down nor oppress him."23
In al-Mudawwanah erwähnt Malik, dass im Jahr, als in al-Madinah eine Hungersnot herrschte, 'Umar an 'Amr ibn al-'As schrieb, der sich in Ägypten aufhielt: „Hilfe, Hilfe für die Araber! Schicke uns eine Karawane, deren Anfang mich erreichen soll, während ihr Ende noch bei dir ist, beladen mit Mehl, eingewickelt in Gewänder.“ Als die Hilfe eintraf, verteilte 'Umar Nahrung und Kleidung unter den Hungernden und bestimmte Beauftragte, die beim Schlachten der Kamele helfen sollten, und sagte: „Die Araber lieben die Kamele. Ich fürchte, sie könnten es vorziehen, sie am Leben zu lassen. Lasst die Leute die Kamele schlachten und ihr Fleisch und Fett essen, und gebt ihnen die Gewänder, in denen das Mehl transportiert wurde, damit sie sie anziehen.“24
Fußnoten 1. Mushkilat al Faqr wa Kaifa 'Alajaha al Islam, von al Qaradawi, S. 114.
Footnotes 1. Mushkilat al Faqr wa Kaifa 'Alajaha al Islam, by al Qardawi, p. 114.
2. Hashiat al Dusuqi, Bd. 1, S. 500.
2. Hashiat al Dusuqi, Vol. l, p. 500.
3. Überliefert mit einer korrekten Überlieferungskette von Sa'id bin Mansur, von Taus. Al-Athram berichtet eine ähnliche Geschichte, wie in Nail al-Awtar, Band 2, S. 161, angegeben.
3. Reported via a correct chain by Sa'id bin Mansur from Taus. Al Athram reports a similar story, as stated in Nail al Awtar, Vol. 2, p. 161.
4. Überliefert von at-Tirmidhi, der hinzufügt: „Er ist gut." Ebd.
4. Reported by al Tirmidhi, who adds "It is good," Ibid.
5. Al Amwal, S. 595.
5. Al Amwal, p. 595.
6. Ebd., S. 596.
6. Ibid, p. 596.
7. Al-Musannaf, Bd. 3, S. 205.
7. Al Mussannaf, Vol. 3, p. 205.
8. Al Mughni, Bd. 2, S. 672.
8. Al Mughni, Vol. 2, p. 672.
9. Überliefert von Abu Daud und Ibn Madscha. Siehe Nail al-Awtar, Bd. 2, S. 161.
9. Reported by Abu Daud and Ibn Majah. See Nail al Awtar, vo1. 2, p.161.
10. Al Amwal, S. 595.
10. Al Amwal, p. 595.
12. Ebd.
12. Ibid.
13. Ebd.