1.4.6 Die Etikette der Fitna*
1.4.6 The Etiquette of fctinja*
Die meisten Vorschriften zur Istinja* und zum Betreten der Toilette werden von den Rechtsgelehrten als Empfehlung (nadb) ausgelegt. Diese sind aus der Sunna bekannt und umfassen das Aufsuchen eines abgelegenen Ortes beim Verrichten der Notdurft – nach der Meinung in der Rechtsschule –, das Unterlassen des Sprechens, das Verbot, die Istinja* mit der rechten Hand vorzunehmen, das Nichtberühren der Geschlechtsteile mit der rechten Hand sowie weitere Vorschriften neben diesen, die in den Überlieferungen festgelegt wurden.
The majority of the ahkdm of istinja* and of visiting the privy are interpreted Y the jurists as a recommendation (nadb). These are known through the SUnna, and include seeking a remote place when answering the call of nature—according to the opinion in the school—refraining from speech, the prohibition of performing istinjd* with the right hand, not touching the genitals with the right hand, and others besides these that have been laid down in the traditions.
Sie waren uneins über eine allgemein bekannte Frage, nämlich das Zuwenden zur Qibla bzw. das Abwenden von ihr beim Verrichten der Notdurft oder beim Urinieren. Die Rechtsgelehrten vertreten dazu drei Meinungen. Erstens: Es ist überhaupt nicht erlaubt, sich beim Verrichten der Notdurft der Qibla zuzuwenden, sei es in der Toilette oder an einem anderen Ort. Zweitens: Dies ist uneingeschränkt erlaubt. Drittens: Es ist innerhalb von Siedlungen und Ortschaften erlaubt, nicht jedoch in der Wüste oder an anderen Orten außerhalb von Siedlungen und Städten.
They disagreed about one widely known issue and that is the facing of the qibla or turning the back to it while relieving oneself or urinating. The jurists have three opinions about it. First, that it is not permitted at all to face the qibla while relieving oneself, whether in the privy or at any other location. Second, that this is permitted absolutely. Third, that it is permitted within settlements and townships, but not in the desert or places other than settlements and towns.
Der Grund für ihre Meinungsverschiedenheit sind zwei etablierte, aber einander widersprechende Überlieferungen. Die erste ist die Überlieferung des Abu Ayyub al-Ansari, in der berichtet wird, dass der Prophet ﷺ gesagt habe: „Wenn ihr den Abort aufsucht, dann wendet euch weder der Qibla zu noch kehrt ihr ihr den Rücken zu, sondern wendet euch nach Osten oder nach Westen.“83 Die zweite Überlieferung stammt von ʿAbdullah ibn ʿUmar, der sagte: „Ich stieg auf das Dach des Hauses meiner Schwester Hafsa und sah den Gesandten Allahs ﷺ auf zwei Ziegelsteinen sitzen, um seine Notdurft zu verrichten, wobei sein Gesicht nach Syrien und sein Rücken zur Qibla gerichtet war.“
The reason for their disagreement are two established but conflicting traditions. First is the tradition of Abu Ayyub al-Ansan in which the Prophet (God’s peace and blessings be upon him) is reported to have said, “When you visit the privy, do not face the qibla or turn your back toward it, but turn toward the east or the west”.83 The second tradition is related from cAbd Allah ibn TJmar, who said, “I ascended the roof of my sister Hafsa’s house and saw the Messenger of Allah (God’s peace and blessings be upon him) on top of two bricks, answering the call of nature, with his face toward Syria and his back toward the qibla”.
Die Rechtsgelehrten sind sich über diese beiden Überlieferungen uneins und vertreten drei Auffassungen. Die erste Auffassung beruht auf der Methode der Harmonisierung, die zweite auf der Methode der Bevorzugung, und die dritte ist die Methode, bei einem Widerspruch auf die ursprüngliche Erlaubnis zurückzugreifen. Mit ursprünglicher Erlaubnis (barā'a aṣliyya) meine ich das Fehlen eines Ḥukm.
The jurists are divided over these two traditions into three opinions. The first opinion is based upon the method of reconciliation, the second on the method of preference, and the third is the method of resorting to the original permission when there is a conflict. I mean by original permission (bar£a asliya), the absence of a hukm.
Diejenigen, die die Methode des Ausgleichs (der Versöhnung) anwandten, deuteten die Überlieferung des Abu Ayyub al-Ansari dahingehend, dass sie sich auf die Wüste (offene Flächen) bezieht, wo es keine Deckung gibt, und deuteten die Überlieferung des Ibn Umar dahingehend, dass sie sich auf das Vorhandensein einer Deckung bezieht. Dies ist die Meinung Maliks.
Those who adopted the method of reconciliation construed the tradition of Abu Ayyub al-AnsarT to relate to the desert (open spaces), when there is no cover, and construed the tradition of Ibn TJmar to relate to the existence of a cover. This is Malik’s opinion.
Diejenigen, die die Methode der Präferenz anwandten, zogen die Überlieferung des Abu Ayyub vor, denn bei einem Widerspruch zwischen zwei Überlieferungen, von denen die eine eine Vorschrift festlegt und die andere dem allgemeinen Grundsatz entspricht, der in diesem Fall das Fehlen eines Hukm ist, und wenn nicht bekannt ist, welche der beiden zeitlich der anderen vorausging, ist es notwendig, die Überlieferung anzunehmen, die eine Vorschrift festlegt. Der Grund dafür, dass man verpflichtet ist, nach der einen Überlieferung zu handeln, die von verlässlichen Überlieferern weitergegeben wurde, und die andere aufzugeben, obwohl auch sie von verlässlichen Überlieferern berichtet wurde, und trotz der Möglichkeit, dass die eine später als die andere oder vor ihr festgelegt wurde, besteht darin, dass wir nicht berechtigt sind, eine Vorschrift, nach der als Pflicht gehandelt werden muss, angesichts einer Vermutung aufzugeben, die eine Aufhebung auferlegt, für die wir keine Befugnis haben, es sei denn, es ist überliefert, dass diese Überlieferung später war. Die Wahrscheinlichkeiten, auf die man sich bei den Ahkam stützt, also jene, die die Ahkam auferlegen oder aufheben, sind durch das Gesetz begrenzt. Außerdem wird nicht jede Wahrscheinlichkeit, über die man sich einigen mag, angenommen. So sagen sie, die Verpflichtung zum Handeln werde nicht durch wahrscheinliche Überzeugung auferlegt, sondern durch eine feststehende Regel auferlegt; damit meinen sie das Vorhandensein einer feststehenden Regel, die es verpflichtend macht, gemäß einer Wahrscheinlichkeit zu handeln.
Those who adopted the method of preference, preferred the tradition of Abu Ayyub, for in case of conflict of two traditions, one prescribing a law and the other conforming to the general principle, which in this case is the absence of a hukm, and it is not known which one precedes the other in time, it is necessary to adopt the tradition that lays down a law. The reason for being obliged to act according to one tradition that has been transmitted by reliable narrators and to relinquish the other, although it has also been reported by reliable narrators, and despite the possibility that one of them was later than the other or it was laid down before it, is that we are not permitted to relinquish a law that must be acted upon as an obligation in the face of a conjecture imposing an abrogation for which we have no authority, unless it has been related that this tradition was later. The probabilities that are relied upon for the ahkam, that is, those that impose the ahkam or withdraw them, are limited by the law. Moreover, not every probability that may be agreed upon is accepted. Thus, they say that the liability to act is not imposed by probable conviction, but is imposed by a definitive rule, they mean by it the existence of a definitive rule that makes it obligatory to act according to a probability.
Dies ist die Methode von Abu Muhammad ibn Hazm al-Andalusi. Sie ist eine ausgezeichnete Methode, die auf den Grundsätzen der juristischen Argumentation beruht und sich auf die Regel stützt, dass ein Zweifel nicht das aufheben kann, was durch einen Beweis aus dem Gesetz feststeht. Diejenigen, die die Methode des Rückgriffs auf den zugrunde liegenden Grundsatz im Falle eines Widerspruchs übernommen haben, haben sie auf der Regel errichtet, dass der Zweifel das Urteil (hukm) beendet und zurücknimmt, sodass es so ist, als gäbe es keine Regel. Dies ist die Methode von Dawud al-Zahiri, doch Abu Muhammad ibn Hazm widersprach ihm in dieser Frage, obwohl er zu seinen Anhängern gehört.
This method that we have described is the method of Abu Muhammad ibn Hazm al-AndalusL This is an excellent method based on the principles of juristic reasoning, and it relies on the rule that doubt cannot remove what has been established by an evidence from the law. Those who adopted the method of recourse to the underlying principle in case of conflict have erected it on the rule that doubt terminates the hukm and withdraws it, and it is as if there is no rule. This is the method of Dawud al-Zahiri, but Abu Muhammad ibn Hazm opposed him on this issue, even though he is one of his followers.
Der Qadi (Ibn Rushd) sagte: „Dies ist, was wir in diesem Buch festzustellen beabsichtigten aus den Fragen, die wir für solche halten, die den Weg von Grundsätzen einschlagen; und dies sind jene, die im Recht häufiger zum Ausdruck gebracht wurden, das heißt, die meisten von ihnen beziehen sich auf Fragen, die im Gesetz ausdrücklich genannt werden, entweder unmittelbar oder dem Sinn nach. Wenn wir uns an etwas dieser Art erinnern, überprüfen wir es in diesem Buch. Das Meiste, auf das ich mich bei der Zuschreibung von Meinungen an ihre Urheber gestützt habe, stammt aus dem Kitab al-Istidhkar, und ich gestatte (bitte) jedem, der Fehler meinerseits findet, sie zu berichtigen. Allah ist es, Der Beistand und Erfolg gewährt.“
The QadT (Ibn Rushd) said, “This is what we sought to establish in this book from the issues we thought take the course of principles, and these are what have been expressed more often in the law, that is, most of them relate to issues expressly stated in the law, either directly or inherently. When we remember anything of this nature, we verify it in this book. Most of what I have relied upon, with respect to attributing opinions to their authors, is from Kitab al-Istidhkar^ and I permit (request) whosoever finds errors on my part to correct them. It is Allah Who grants help and success.”