1.2 Die moralische Notwendigkeit des Prophetentums
1.2 The Moral Necessity Of Prophethood
Angesichts der weit verbreiteten Vorstellung moralischer Autonomie in unserer Zeit verlangen Menschen oft eine rationale Erklärung dafür, warum jemand nicht einfach ohne Glauben und ohne offenbarte Moral „ein guter Mensch sein“ kann. Gewiss sind humanistische Tugenden wie Mitgefühl und Gerechtigkeit an sich lobenswert, teilweise angeboren und können in diesem Leben Gottes Segen nach sich ziehen. Doch im größeren Zusammenhang der Heilserlangung im Jenseits ist die Annahme der Botschaft Gottes – nachdem man sie kennengelernt hat – notwendig, um die eigene Güte vor Gott gelten zu lassen. Gutsein hängt ab von der eigenen Existenz, von guten Absichten und von den verschiedenen Fähigkeiten und Mitteln (Kraft, Reichtum usw.), mit denen ein Mensch diese Absichten verwirklicht.
With the notion of moral autonomy being widespread in our era, people often demand a rational explanation for why someone cannot “just be a good person” without faith and scriptural morality. Certainly, humanistic virtues such as compassion and justice are independently praiseworthy, partially inborn, and can invite God’s blessings in this life. However, in the grander scheme of salvific eligibility in the hereafter, accepting God’s message—upon discovering it—is necessary for validating one’s goodness before God. Being good is contingent upon one’s existence, good intentions, and the various faculties and resources (strength, wealth, etc.) by which a person enacts these intentions.
Da all diese Eigenschaften und Charakterzüge von Gott verliehen sind, würde die Zurückweisung Gottes dieses Gute im Jenseits unbelohnbar machen, denn es wäre dann – seinem Wesen nach – ein plagiiertes Gutes. Wir Menschen betrachten die beeindruckendste Forschung zu Recht mit Ehrfurcht und Bewunderung, doch diese Empfindung schlägt rasch in Abscheu um, sobald wir erkennen, dass es in Wahrheit die Arbeit eines anderen war, dessen Beitrag dieser betrügerische Mensch absichtlich verschwiegen hat. Menschen sehen Plagiat nicht nur als schändlich an, sondern als verwerflich.
Since all these qualities and characteristics are endowed by God, rejecting God would render this good unrewardable in the afterlife, for it would then be—in essence—a plagiarized goodness. We as people rightfully view the most impressive research with awe and admiration, but that sentiment quickly transforms into disgust upon realizing it was actually the work of another whose contribution this fraudulent person deliberately hid. People do not just see plagiarism as disgraceful, but rather as condemnable.
Ein weiterer Grund, warum der Glaube an die Gesandten untrennbar mit einem guten Charakter verbunden ist, liegt darin, dass nur die Gesandten das Gute umfassend bestimmen können, und zwar durch die Eingebung, die sie von Gott empfangen. Moralphilosophen zum Beispiel ist es nie gelungen, sich darüber zu einigen, wie das allgemein anerkannte Prinzip „Schade nicht“ anzuwenden ist, und zwar wegen der Komplexität der jeweils unterschiedlichen Kontexte.
Another reason why believing in the messengers is inseparable from being a good person is that only the messengers can thoroughly define good, through the inspiration they receive from God. Moral philosophers, for instance, have never been able to agree on how to apply the widely accepted principle of “do no harm” because of the complexity of varying contexts.
Selbst bei der „goldenen Regel“, andere so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte, fällt es in der Praxis nicht immer leicht, das richtige Gleichgewicht zwischen einander widerstreitenden Tugenden zu finden, obwohl nahezu jeder diese Regel in der Theorie anerkennt. Aristoteles erörterte bekanntlich diese schwierige Notwendigkeit, die „goldene Mitte“ zwischen zwei Extremen des Übermaßes im sittlichen Verhalten zu finden. Auch die Geschichte zeigt, dass Menschen – selbst mit guten Absichten und einer fortgeschrittenen Bildung – ihr Leben nach Grundsätzen führen, die zerstörerisch sind; der dadurch verursachte Schaden kann, wie ein Krebs, oft verborgen bleiben, bis er irreparabel ist. Solche Menschen mögen ernsthaft danach gestrebt haben, „gut zu sein“ und „niemandem zu schaden“, während sie das Übel und die Not, die ihre Ideen ihnen selbst und der Gesellschaft zufügten, nicht bemerkten.
Even with the “golden rule” of treating others as you would like to be treated, though it is accepted by nearly everyone in theory, striking the perfect balance between competing virtues is not always easy in practice. Aristotle famously discussed this challenging need to find the “golden mean” between two poles of excess in moral behavior. History also attests that people— even with good intentions and advanced education—often live their lives with principles that are destructive and, like cancer, the damage caused can sometimes remain hidden until it is irreparable. Such people may have genuinely sought “being good,” and “not hurting anyone,” while oblivious to the evil and hardship their ideas inflicted against themselves and society.
Kurz gesagt, die Regel „Schade nicht“ wird stets Gefahr laufen, dem Altar der subjektiven Moral geopfert zu werden. Aus diesem Grund hat Gott Seinen letzten Gesandten ﷺ gesandt, um das Gute vollständig zu bestimmen, und so die Menschheit vor Kurzsichtigkeit, der Abstumpfung, der wir alle durch gesellschaftliche Prägung ausgesetzt sind, und den Verzerrungen unserer Wahrnehmung zu schützen, die dem oft folgen. Allah sagt: {Und wisst, dass unter euch der Gesandte Allahs ist. Würde er euch in vielen Angelegenheiten gehorchen, so würdet ihr in Bedrängnis geraten. Doch Allah hat euch den Glauben beliebt gemacht und ihn in eure Herzen schön erscheinen lassen, und Er hat euch den Unglauben, die Auflehnung und den Ungehorsam verhasst gemacht. Diese sind die Rechtgeleiteten.}21
In a word, the “do no harm” rule always risks being sacrificed at the altar of subjective morality. For this reason, God sent His final messenger صلى الله عليه وسلم to fully define goodness, protecting humanity against shortsightedness, the desensitization we all experience from social conditioning, and the perversions of our perceptions that often follow. Allah says, And know that among you is the Messenger of Allah. If he were to obey you in much of the matter, you would be in difficulty, but Allah has endeared to you the faith and has made it pleasing in your hearts and has made hateful to you disbelief, defiance, and disobedience. Those are the [rightly] guided.21
Tawḥīd (der reine Monotheismus), das heißt, Gott in allem, was allein Ihm zukommt, als den Einzigen anzuerkennen, ist das höchste und vollkommenste Gut, und dieses wäre ohne die Gesandten ebenfalls unmöglich. Die Menschheit könnte Gott ohne die Propheten und Gesandten nicht erkennen, weder Seine Schönheit und Erhabenheit wissen, noch den Weg zu Seinem Wohlgefallen kennen, weder Seine Verheißungen und Drohungen erfassen, noch Seinen vorschreibenden Willen verwirklichen, den Er aus Liebe zum Wohl Seiner Schöpfung verordnet hat. Man bedenke nur den trostlosen Zustand der Welt, bevor Gott Noah ,22 entsandte, oder die Finsternis, die die Menschheit nach Jesus Christus und kurz vor dem Erscheinen des Propheten Muhammad ﷺ umhüllte, um zu verstehen, dass die Menschheit an jedem Wendepunkt ihrer Geschichte moralisch auf das Prophetentum angewiesen war.
Tawḥīd (pure monotheism), which is to single God out in everything unique to Him, is the ultimate supreme good, and this would also be impossible without the messengers. Humanity cannot know God, nor know His beauty and grandeur, nor know the path to His pleasure, nor know His promises and threats, nor embody His prescriptive will which He lovingly ordained for the betterment of His creation, without the prophets and messengers. Consider the dismal state of the world before God sent Noah ,22 or the darkness that smothered humanity after Jesus Christ and shortly before the advent of Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم, to understand humanity’s moral need for prophethood at every junction of human history.
21 Der Koran 49:7, Übersetzung Saheeh International
21 The Qur’an 49:7, Saheeh International Translation.
22 Ein Akronym für ʿalayhi as-salām, was übersetzt bedeutet: Friede sei mit ihm – wird üblicherweise bei den Propheten und Gesandten Gottes verwendet.
22 An acronym for ‘alayhi al-salām, which translates as: peace be upon him – usually used with the prophets and messengers of God.