4.2 Der Glaube an die Vorherbestimmung
4.2 Faith In Destiny
Kein Unglück trifft die Erde oder euch selbst, ohne dass es in einem Buch verzeichnet wäre, bevor Wir es hervorbringen. Das ist für Allah wahrlich ein Leichtes – damit ihr nicht über das verzweifelt, was euch entgangen ist, und nicht über das frohlockt, was Er euch gegeben hat. Und Allah liebt keinen eingebildeten Prahler.174
No disaster strikes upon the earth or among yourselves except that it is in a register before We bring it into being. Indeed that, for Allah, is easy—in order that you not despair over what has eluded you and not exult [in pride] over what He has given you. And Allah does not like every self-deluded and boastful person.174
Als man den Propheten Muhammad ﷺ fragte, den Grundglauben des Islam zu definieren, sagte er ﷺ: Glaube bedeutet, an Allah, Seine Engel, Seine Schriften, Seine Gesandten und den Jüngsten Tag zu glauben und an die Bestimmung zu glauben, an ihr Gutes und an ihr Böses [alles von Allah].175
When asked to define the fundamental belief of Islam, the Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم said, Faith is to believe in Allah, His angels, His scriptures, His messengers, the Last Day, and to believe in destiny, the good of it and the evil of it [all being from Allah].175
Der Glaube, dass alles in Gottes Hand liegt und immer war und sein wird, und dass Gott dieses Leben mit seinen Höhen und Tiefen aus einer Weisheit gestaltet hat, die nur Er ganz kennt und die unsere begrenzten Verstände nicht erfassen können, sind zwei mächtige Kraftquellen, die das Leben erträglich und genießbar machen.
Belief that everything is and will always be in God’s hands, and that God has constructed this life with ups and downs for a wisdom only He fully knows and our finite minds cannot, are two powerful resources that make life endurable and enjoyable.
Die Lehren des Propheten Muhammad ﷺ über die Bestimmung stehen nicht nur im Gegensatz zu der atheistischen Weltsicht, die die Wirklichkeit als zufällig und ungelenkt versteht, als etwas, das allein im Griff unbarmherziger, unerbittlicher physikalischer Gesetze steht, die keinen Zweck verfolgen und keinerlei Trost bieten. Sie verneinen auch die deistische Vorstellung, Gott greife nicht in die Welt ein, eine Vorstellung, die viele Gläubige verinnerlicht haben. Diese Vorstellung beraubt die Menschen des Panzers des Vertrauens darauf, dass Gott jedes Atom dieses Universums lenkt. Der Prophet ﷺ lehrte, dass das Anlegen dieses Panzers eine Voraussetzung für einen gültigen Glauben ist, indem er in einer von zahlreichen Überlieferungen zu dieser grundlegenden Wahrheit sagte: „Würdest du für die Sache Gottes Gold in der Menge des Berges Uḥud spenden, nähme Gott es nicht von dir an, bis du an die göttliche Bestimmung glaubst – dass du gewiss bist, dass dich nie verfehlen würde, was dich erreicht, und dass dich nie erreichen würde, was dich verfehlt. Und würdest du mit einem anderen Glauben sterben, würdest du in das Höllenfeuer eingehen.“176
The Prophet Muhammad’s صلى الله عليه وسلم teachings on destiny do not just stand in contrast to the atheistic worldview that misperceives reality as random and undirected, existing solely in the grip of a merciless, relentless set of physical laws which serve no purpose and offer no reassurances. They also negate the deistic notion that God does not intervene in the world, a notion that many theists have internalized. This notion deprives people of the armor of confidence in God overseeing every atom of this universe. The Prophet صلى الله عليه وسلم taught that donning this armor was a requirement of valid faith, by saying in one of numerous traditions about this essential truth, Were you to donate for God’s cause an amount of gold that was equivalent to Mount Uḥud, God would not accept it from you until you believed in the Divine decree— whereby you are certain that whatever reached you would never have missed you, and that whatever missed you was never going to reach you. And were you to die believing otherwise, you would enter the Hellfire.176
Herbert Benson, MD, Mitbegründer des Benson-Henry Institute for Mind Body Medicine, schließt gegen Ende seiner medizinischen Untersuchung von Glauben und Heilung mit den Worten: „Die Daten, die ich vorgelegt habe, zeigen, dass bejahende Überzeugungen und Hoffnungen sehr heilsam sind und dass insbesondere der Glaube an Gott viele positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat.“177 Ähnlich schreibt Bryan Walsh in „The Science of Happiness“: „Studie um Studie hat ergeben, dass religiöse Menschen tendenziell weniger depressiv und weniger ängstlich sind als Nichtgläubige und besser mit den Wechselfällen des Lebens umgehen können als Nichtgläubige … Es ist, als wäre ein Gefühl von Spiritualität und eine aktive, soziale religiöse Praxis ein wirksamer Impfstoff gegen das Virus der Unglücklichkeit.“178 Eine weitere große, weltweite Studie des Pew Research Center kam zu dem Ergebnis, dass Menschen, die aktiv am religiösen Leben teilnehmen, tendenziell glücklicher sind.179 Man mag einwenden, dass diese islamischen Lehren über Glauben und Gottergebenheit auch von anderen Glaubenstraditionen geteilt werden. Das ist zwar richtig, doch diese Gemeinsamkeit lässt sich als Beweis für die Prophetie Muhammads ﷺ anführen und nicht dagegen, denn er brachte eine Botschaft, die in mancher Hinsicht mit anderen Schriften übereinstimmt, von denen er keine Kenntnis hatte (siehe Kapitel 7).
Herbert Benson, MD, a cofounder of the Benson-Henry Institute for Mind Body Medicine, concludes near the end of his medical exploration of belief and healing, “The data I have presented is that affirmative beliefs and hopes are very therapeutic, and that faith in God, in particular, has many positive effects on health.”177 Similarly, Bryan Walsh, in The Science of Happiness, writes that “Study after study has found that religious people tend to be less depressed and less anxious than nonbelievers, better able to handle the vicissitudes of life than nonbelievers… It’s as if a sense of spirituality and an active, social religious practice were an effective vaccine against the virus of unhappiness.”178 Another large, global study by Pew Research Center found that people actively involved in religious life tend to be happier.179 It may be claimed that these teachings of Islam on faith and deference to God are shared by other faith traditions as well. While true, this commonality can be argued as a proof for Muhammad’s prophethood صلى الله عليه وسلم, not against it, since he brought a message that agrees in some respects with other scriptures that he had no knowledge of (see Chapter 7).
Darüber hinaus legte der Prophet ﷺ auf dieses Thema einen besonderen Nachdruck, der es von den Überresten früherer Schriften unterscheidet, und zwar in einem Umfeld, das von abergläubischen Glaubenssätzen über das Schicksal und böse Vorzeichen durchdrungen war.
Furthermore, the Prophet صلى الله عليه وسلم placed distinctive emphasis on this particular topic in a way that sets it apart from the remnants of prior scriptures, in an environment replete with superstitious dogmas about fate and bad omens.
Der Prophet ﷺ lehrte seine Anhänger außerdem, dass der Glaube an die Bestimmung (Qadar) und die menschliche Handlungsfähigkeit ontologisch nebeneinander bestehen, wobei dies keine Wirklichkeit ist, die Gottes Allmacht verneint. Dass Gott der Menschheit echte Handlungsfähigkeit verleiht, ist Ausdruck Seiner vollkommenen Gerechtigkeit, denn sie ist notwendig für die menschliche Verantwortlichkeit: Wir sind nur für das zur Rechenschaft zu ziehen, was wir frei gewählt haben. Indem er ﷺ diese Lehre vermittelte, schuf er in der klassischen Debatte zwischen Willensfreiheit und Determinismus einen einzigartigen und wirkmächtigen Platz, einen Platz namens Islam (Hingabe). Indem man sich dem schöpferischen Willen Gottes unterwirft, kann man die entmutigende Last ablegen, in Gottes geschaffenem Universum etwas tragen zu müssen, das man nicht kontrollieren kann; und indem man sich Seinem gebietenden Willen unterwirft, kann man endlich die Last ablegen, den ständig wechselnden Maßstäben einer gottlosen Gesellschaft gerecht werden zu müssen. Wie Charles Taylor in seinem maßgeblichen Werk „A Secular Age“ anerkennt, ist es „der Ruf, sich im Islam Gott zu unterwerfen, der Menschen auf eine Weise ermächtigt, wie es auf keine andere Art möglich ist“.180
The Prophet صلى الله عليه وسلم also taught his followers that faith in destiny coexists with human agency as an ontological reality, though not a reality that denies God’s omnipotence. God granting humanity real agency is a manifestation of His perfect equity, in that it is necessary for human accountability: we are only accountable for what we freely choose to do. In teaching this doctrine, he صلى الله عليه وسلم carved a unique and powerful place in the classic free-will versus determinism debate, a place called Islam (submission). By submitting to God’s creative will, one can relinquish the demoralizing burden of carrying what one cannot control in God’s created universe, and by submitting to His prescriptive will, one can finally set down the burden of trying to live up to the constantly changing standards of a godless society. As Charles Taylor recognizes in his seminal work, A Secular Age, it is “the call to submit to God in Islam which empowers humans in a way unavailable in any other fashion.”180
Ohne den Glauben, dass Gott letztlich die Kontrolle innehat, wird innerer Frieden unerreichbar bleiben. Ein Mensch würde ständig von der Vorstellung heimgesucht, dass widerstreitende kosmische Mächte miteinander ringen. Das würde wiederum die Integrität der Spiritualität eines Menschen zerstören, denn selbst wenn er Gott anbetete, würde er sich dennoch um andere feindliche Mächte im Universum sorgen. Mit der Überzeugung jedoch, dass es letztlich Gott ist, der Ereignisse ins Dasein bringt, wird Zufriedenheit mit dem Leben und die Süße des Glaubens erreichbar – auch wenn ich nur gerade so viel Willen besitzen mag, dass ich für das verantwortlich bin, worauf ich Einfluss nehmen kann. Wie der Prophet ﷺ in einer authentischen Überlieferung sagte: „Er hat den Geschmack des Glaubens gekostet – derjenige, der mit Allah als seinem Herrn, der Hingabe als seiner Religion und Muhammad als seinem Gesandten zufrieden ist.“181
Without the belief that God is ultimately in control, inner peace will remain out of reach. A person would be forever haunted by the prospect of dueling cosmic forces. This would in turn destroy the integrity of a person’s spirituality, because even if they worshipped God, they would still worry about other adversarial forces in the universe. But with conviction that it is ultimately God who brings events into existence, even if I may have just enough of a will to be accountable for what I can influence, contentment with life and the sweetness of faith become attainable. As the Prophet صلى الله عليه وسلم said in an authentic tradition, “He has tasted faith—the one who is pleased with Allah as their Lord, submission as their religion, and Muhammad as their messenger.”181
Manche mögen sich fragen, wie der therapeutische Wert der Lehren Muhammads ﷺ einen logischen Beweis für sein Prophetentum darstellen könne, da Heilung und Glück philosophisch betrachtet lediglich ästhetische Faktoren seien. Doch wir dürfen Beweise nicht auf solche beschränken, die sich rational begründen lassen, und wir dürfen auch die Bedeutung der gelebten Erfahrungen nicht verkennen, die jene teilen, die diese Lehren in sich aufnehmen.
Some may wonder how the therapeutic value of Muhammad’s صلى الله عليه وسلم teachings can constitute a logical proof for his prophethood, when healing and happiness are merely aesthetic factors, philosophically speaking. But we cannot restrict proofs to those that can be rationalized and fail to recognize the importance of the lived experiences shared by those who imbibe these teachings.
Diese Glaubensinhalte, die der Prophet Muhammad ﷺ lehrte, verliehen seinen Anhängern eine bewundernswerte Widerstandskraft angesichts von Armut, Furcht und anderen Herausforderungen, denen Menschen überall begegnen. Diese Widerstandskraft und Seelenruhe stellen daher einen weiteren Aspekt der Schönheit des Islams dar, der seine Harmonie mit der menschlichen Natur zeigt.
These beliefs taught by the Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم afforded his followers wonderful resilience in the face of poverty, fear, and other challenges that humans everywhere encounter. This resilience and peace of mind therefore constitute yet another aspect of Islam’s beauty that demonstrates its harmony with human nature.
174 Der Koran 57:22-23, Übersetzung von Saheeh International
174 The Qur’an 57:22-23, Saheeh International Translation.
Muslim, Ṣaḥīḥ Muslim, 1:36 #8.
175 Muslim, Ṣaḥīḥ Muslim, 1:36 #8.
176 Abū Dāwūd, Sunan Abī Dāwūd, 4:225 #4699.
176 Abū Dāwūd, Sunan Abī Dāwūd, 4:225 #4699.
177 Herbert Benson und Marg Stark, Timeless Healing: The Power and Biology of Belief (New York: Simon & Schuster, 1997), 211.
177 Herbert Benson and Marg Stark, Timeless Healing: The Power and Biology of Belief (New York: Simon & Schuster, 1997), 211.
178 Bryan Walsh, „Does Spirituality Make You Happy?“ in The Science of Happiness:
178 Bryan Walsh, “Does Spirituality Make You Happy?” in The Science of Happiness:
Neue Entdeckungen für ein freudigeres Leben, Sonderausgabe Time (New York: Time Inc.)
New Discoveries for a More Joyful Life, Special Time Edition (New York: Time Inc.
Bücher, 2016), 80.
Books, 2016), 80.
179 Conrad Hackett, Alan Cooperman, et al., „Religion’s Relationship to Happiness, Civic Engagement, and Health Around the World“, Pew Research Center, 31. Januar 2019.
179 Conrad Hackett, Alan Cooperman, et al., “Religion’s Relationship to Happiness, Civic Engagement, and Health Around the World,” Pew Research Center, January 31st, 2019.
180 Charles Taylor, A Secular Age (Cambridge: Harvard University Press, 2007), 818.
180 Charles Taylor, A Secular Age (Cambridge: Harvard University Press, 2007), 818.
Muslim, Ṣaḥīḥ Muslim, 1:62 #34.
181 Muslim, Ṣaḥīḥ Muslim, 1:62 #34.