2.1 Seine Aufrichtigkeit und Integrität
2.1 His Honesty And Integrity
Der Prophet ﷺ war ein Mann, dessen Ehrlichkeit bei den Menschen um ihn herum allgemein bekannt war. Tatsächlich hatte ihm sein Stamm offiziell den Beinamen al-Amīn (der Vertrauenswürdige) verliehen.51 Selbst als sie ihn verfolgten und seine Botschaft ablehnten, vertrauten sie ihm dennoch ihre kostbarsten Besitztümer an. ‘Āishah sagte: „Er ﷺ trug ‘Alī auf, in Mekka zurückzubleiben, um all das Eigentum zurückzugeben, das der Gesandte Allahs ﷺ für die Menschen als Treuhand verwahrt hatte. In Mekka gab es niemanden (auch nicht unter seinen Feinden), der Wertsachen besaß, um die er fürchtete, außer dass er sie bei dem Gesandten Allahs ﷺ aufbewahrte, aufgrund der Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit, die über ihn [allen] bekannt war. ‘Alī blieb drei Tage und drei Nächte zurück, um alles auszuliefern, was ihm die Menschen dem Gesandten Allahs ﷺ anvertraut hatten, und holte dann den Propheten ﷺ ein, nachdem er diese Aufgabe erfüllt hatte.“52
The Prophet صلى الله عليه وسلم was a person whose honesty was common knowledge to those around him. In fact, his clansmen had officially titled him al-Amīn (the Trustworthy).51 Even when they persecuted him and rejected his message, they still trusted him with their most precious possessions. ‘Āishah said, “He صلى الله عليه وسلم instructed ‘Alī to stay behind in Mecca, to return all the property the Messenger of Allah صلى الله عليه وسلم had held in trust for people. There was nobody in Mecca (even his enemies) who had valuables that he feared for except that he kept them with the Messenger of Allah صلى الله عليه وسلم, due to the honesty and trustworthiness that was known [to all] about him. ‘Alī stayed back for three days and three nights to deliver everything entrusted by the people to the Messenger of Allah صلى الله عليه وسلم, and then caught up with him صلى الله عليه وسلم after completing that task.”52
Seine Aufrichtigkeit war so offensichtlich, dass sie selbst Menschen aus verschiedenen Epochen, Herkünften und Religionen erkennen. Tatsächlich ist es schwer vorstellbar, dass ein gerechter Mensch sein Leben liest und zu einem anderen Schluss kommt. Obwohl der schottische Philosoph und Historiker Thomas Carlyle (gest. 1881) Vorbehalte gegenüber dem Islam hatte, schwankte seine Faszination für die Aufrichtigkeit des letzten Propheten ﷺ mitunter zwischen Skepsis und offenbarer Überzeugung.
His honesty was so evident that even people from different eras, backgrounds, and religions recognize it. It is indeed difficult to imagine a fair person reading his life and arriving at a different conclusion. Although the Scottish philosopher and historian Thomas Carlyle (d. 1881) had his reservations about Islam, his fascination with the Final Prophet’s صلى الله عليه وسلم sincerity at times seemed to veer between skepticism and apparent conviction.
Das widerspricht ganz entschieden der Theorie vom Betrüger: Dass er ein Leben in diesem durchaus untadeligen, durchaus stillen und alltäglichen Rahmen führte, bis die Hitze seiner Jugendjahre verflogen war. Er war vierzig, bevor er von irgendeiner Sendung vom Himmel sprach. Alle seine Verfehlungen, wirkliche wie vermeintliche, datieren aus der Zeit nach seinem fünfzigsten Lebensjahr, als die gute Kadidscha starb. Alles „Streben nach Macht“ habe, so scheint es, bis dahin darin bestanden, ein ehrliches Leben zu führen; sein „Ruhm“, die bloße Wertschätzung der Nachbarn, die ihn kannten, hatte ihm bis dahin genügt. Erst als er bereits alt wurde … und der Frieden zum wichtigsten Gut wurde, das diese Welt ihm noch geben konnte, begann er die „Laufbahn des Ehrgeizes“; und, all seinem bisherigen Charakter und Dasein zum Hohn, trat er [von anderen] als erbärmlicher, leerer Scharlatan auf, um zu erwerben, was er nun nicht mehr genießen konnte! Was mich betrifft, so habe ich keinerlei Glauben an jene [Betrügertheorie].53
For instance, It goes greatly against the impostor-theory, the fact that he lived in this entirely unexceptionable, entirely quiet and commonplace way, till the heat of his years was done. He was forty before he talked of any mission from Heaven. All his irregularities, real and supposed, date from after his fiftieth year, when the good Kadijah died. All his ‘ambition,’ seemingly, had been, hitherto, to live an honest life; his ‘fame,’ the mere good-opinion of neighbours that knew him, had been sufficient hitherto. Not till he was already getting old… and peace growing to be the chief thing this world could give him, did he start on the ‘career of ambition;’ and, belying all his past character and existence, set up [by others] as a wretched empty charlatan to acquire what he could now no longer enjoy! For my share, I have no faith whatever in that [impostor-theory].53
In demselben Buch sagt Carlyle: „Die Lügen (westliche Verleumdung)
In the same book, Carlyle says, “The lies (Western slander)
welcher gutgemeinte Eifer diesen Mann (Muhammad ﷺ) umgeben hat
which well-meaning zeal has heaped round this man (Muhammad)
„…sind nur eine Schande für uns selbst.“54
are disgraceful to ourselves only.”54
Historische Persönlichkeiten, die die Hochstapler-Theorie als absurde Verleumdung zurückwiesen, gab es schon lange vor Carlyle. Als der Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم erstmals mit Herakleios (gest. 641), dem byzantinischen Kaiser, korrespondierte und ihn zum Islam aufrief, entsandte Herakleios sofort eine Abteilung, um jeden ausfindig zu machen, der die Prophetenschaft dieses Mannes bestätigen könnte. Der führende Widersacher Muhammads zu jener Zeit, Abū Sufyān ibn Ḥarb, gehörte zu denen, die festgenommen und in Anwesenheit der byzantinischen Würdenträger befragt wurden. Herakleios – ein Militärbefehlshaber, der in den jüdisch-christlichen Schriften bewandert war – stellte Abū Sufyān eine Reihe zentraler Fragen und prüfte dann seine Antworten anhand seiner Stammesgenossen. Nach Abschluss seiner Untersuchung sagte Herakleios unter anderem Folgendes zu Abū Sufyān: „Ich fragte dich, ob du ihn jemals der Lüge bezichtigt hast, bevor er das verkündete, was er [über die Prophetenschaft] verkündete. Du verneintest es, und ich weiß, dass er sich nicht scheuen würde, über andere zu lügen, und dann über Gott zu lügen … Und ich fragte dich, ob er jemals jemanden betrogen hat. Du verneintest es, und ebenso betrügen Gesandte niemals … Wenn das, was du sagst, wahr ist, wird er den Ort dieser meiner beiden Füße erobern. Und ich wusste [aus der Schrift], dass er bald erscheinen würde, aber ich hätte niemals angenommen, dass er aus euren Reihen sein würde. Und wenn ich wüsste, dass ich ihn sicher erreichen könnte, würde ich mich darum bemühen, ihn zu treffen. Und wäre ich in seiner Gegenwart, würde ich ihm persönlich die Füße waschen.“55
Historical figures who dismissed the imposter theory as preposterous slander existed well before Carlyle. When Prophet Muhammad صلى الله عليه وسلم first corresponded with Heraclius (d. 641), the Byzantine emperor, calling him to embrace Islam, Heraclius immediately dispatched a brigade to find anyone who could verify this man’s claims to prophethood. The leading adversary of Muhammad at that time, Abū Sufyān ibn Ḥarb, was among those apprehended and interrogated in the presence of the Byzantine dignitaries. Heraclius—a military commander versed in Judeo-Christian scriptures—asked Abū Sufyān a series of key questions, and then cross-checked his answers with his fellow clansmen. Upon completing his investigation, the following is some of what Heraclius said to Abū Sufyān, I asked you whether you ever accused him of lying before he stated what he stated [about prophethood]. You replied in the negative, and I know that he would not refrain from lying about others and then lie about God… And I asked you whether he ever betrayed [anyone]. You replied in the negative, and likewise the messengers never betray… If what you are saying is true, he will conquer the place of these two feet of mine. And I knew [from scripture] that he would soon emerge, but I never assumed that he would be from among you. And if I knew that I could reach him [safely], I would have been bent on meeting him. And if I were in his presence, I would personally wash his feet.55
In der Geschichte der Menschheit haben viele Hochstapler die Prophetie für sich beansprucht, doch es dauerte immer nur eine Weile, bis sich herausstellte, dass sie entweder psychisch gestörte Menschen oder skrupellose Opportunisten waren. Die erste Kategorie hatte nie einen Einfluss auf die Weltbühne, geschweige denn, dass sie ein vollständiges System von Glaubenssätzen und Gesetzen hervorbrachte, das den Respekt Tausender Weiser, Historiker, Philosophen und anderer Männer und Frauen der Weisheit gewonnen hätte. Die zweite Kategorie wird mit der Zeit als hinterhältig und manipulativ entlarvt, wobei der berüchtigte Joseph Smith (gest. 1844) ein Paradebeispiel dafür in der neueren Geschichte ist. Diese Wesenszüge sind typisch für diese zweite Kategorie und sind auch zu erwarten, denn so wie es schlimmer ist, über seine Freunde zu lügen als über einen beliebigen Fremden, und so wie es schlimmer ist, über seine Eltern zu lügen als über seine Freunde, gibt es nichts Abscheulicheres, als über Gott zu lügen. Wenn also ein Mann, der die einzigartige Wirkung auf die Welt hatte, die Muhammad ﷺ hatte (siehe Kapitel 3), zudem für seine makellose Ehrlichkeit bekannt war, obwohl sein öffentliches und privates Leben mit detailgetreuer Genauigkeit dokumentiert ist, dann darf sein Anspruch, der Prophet Gottes zu sein, nicht einfach verworfen werden.
In the history of humanity, many imposters have claimed prophethood, but it was always a matter of time before they were discovered to either be psychologically disturbed individuals or unethical opportunists. The first category has never had any influence on the world stage, let alone produced a complete system of beliefs and laws that would earn the respect of thousands of sages, historians, philosophers, and other men and women of wisdom. The second category is eventually exposed with the passage of time as sinister and manipulative, with the notorious Joseph Smith (d. 1844) being an iconic example of this in recent history. These are endemic qualities that permeate this second category, and should be expected to, because just as lying about your friends is worse than lying about a random person, and just as lying about your parents is worse than lying about your friends, there is nothing uglier than a person lying about God. So, when a man who had the unique impact on the world that Muhammad صلى الله عليه وسلم did (see Chapter 3) was also known for his impeccable honesty, despite his public and private life being documented with granular detail, then his claim of being God’s prophet should not be disregarded.
Ein weiterer eindrucksvoller Beweis seiner Aufrichtigkeit war seine entschiedene Weigerung, zuzulassen, dass man ihn überhöht. Jābir ibn ʿAbdillāh berichtet, dass es an dem Tag, an dem Ibrāhīm, der Sohn des Gesandten Allahs ﷺ, starb, eine Sonnenfinsternis gab. Als die Leute zu sagen begannen, die Finsternis sei wegen des Todes dieses kleinen Kindes eingetreten, erhob sich der Gesandte Allahs ﷺ sogleich und sprach: „Sonne und Mond verfinstern sich weder wegen des Todes noch wegen der Geburt irgendeines Menschen. Vielmehr sind sie zwei Zeichen Gottes, durch die Er Seine Diener in Furcht versetzt. Wenn ihr eine Finsternis seht, so betet und ruft Gott an.“56 Wäre der Prophet ﷺ ein narzisstischer Betrüger gewesen, so wäre dies die ideale Gelegenheit gewesen, aus einer so bequemen Glaubwürdigkeitssteigerung Nutzen zu ziehen. Diese zusammenfallenden Ereignisse boten jeder persönlichen Absicht eine enorme Chance, dennoch ließ der Prophet ﷺ nicht zu, dass andere dies so deuteten, als trauerten die Himmel um Ibrāhīm. Obwohl er vom tragischen Verlust tief getroffen war, bestieg er dennoch die Kanzel, wies die falsche Deutung zurück und stellte klar, dass Sonnenfinsternisse nichts anderem folgen als der kosmischen Ordnung, die Gott im geschaffenen Universum festgelegt hat.
Another powerful testament to his integrity was his adamant refusal to allow anyone to aggrandize him. Jābir ibn ‘Abdillāh narrates that there was a solar eclipse on the day that Ibrāhīm, the son of Allah’s Messenger صلى الله عليه وسلم, had died. When the people began to say that the eclipse was due to the death of this young child, Allah’s Messenger صلى الله عليه وسلم rose at once and said, “The sun and the moon are not eclipsed because of the death or birth of anyone. Rather, they are two of God’s signs, by which He instills fear in His slaves. When you see an eclipse, pray and invoke God.”56 Had the Prophet صلى الله عليه وسلم been a narcissistic imposter, this would have been the perfect opportunity to capitalize on such a convenient credibility booster. These coinciding events represented an immense opportunity for any personal agenda, and yet the Prophet صلى الله عليه وسلم would not allow others to interpret this as the skies being saddened for Ibrāhīm. Though hurting from the tragic loss, he صلى الله عليه وسلم still ascended the pulpit, dismissed the false interpretation, and established that eclipses follow nothing but the cosmic order set by God in the created universe.
Bei einer anderen Gelegenheit kam Ḥudhayfah b. al-Yamān vor der Schlacht von Badr mit einem ethischen Dilemma zum Propheten ﷺ.
On another occasion, Ḥudhayfah b. al-Yamān came to the Prophet صلى الله عليه وسلم prior to the Battle of Badr with an ethical dilemma.
Die heidnischen Quraisch hatten Ḥudhaifah und seinen Vater gerade freigelassen, unter der Bedingung, dass er sich nicht den Reihen Muhammads anschließen und nicht an seiner Seite gegen die Quraisch kämpfen würde. Obwohl die muslimische Armee benachteiligt war und kurz davor stand, einer Streitmacht gegenüberzutreten, die dreimal so groß war, sagte der Prophet ﷺ dennoch: „Dann zieht weiter [nach Madinah]. Wir werden unser Versprechen ihnen gegenüber halten, und wir werden gegen sie Hilfe von Allah suchen.“57 Seine prophetische Sittlichkeit erlaubte es ihm ﷺ nicht, selbst in einer äußerst verwundbaren Lage die Prinzipien von Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit zu beugen.
The pagans of Quraysh had just released Ḥudhayfah and his father on the condition that he would not join Muhammad’s ranks and fight Quraysh alongside him. Despite the Muslim army being disadvantaged and about to face a military force three times its size, the Prophet صلى الله عليه وسلم still said, “Then proceed on [to Madinah]. We will keep our promise to them, and we will seek aid from Allah against them.”57 His prophetic morals did not allow him صلى الله عليه وسلم, even in an extremely vulnerable position, to compromise the principles of honesty and uprightness.
51 Ibn Hishām, Al-Sīrah al-Nabawīyah, 1:183, 197.
51 Ibn Hishām, Al-Sīrah al-Nabawīyah, 1:183, 197.
52 Aḥmad ibn al-Ḥusayn al-Bayhaqī, Al-Sunan al-Kubrá (Beirut: Dār al-Kutub al-ʻIlmīyah, 2003), 6:472 #12696; Siehe auch: Ismā‘īl ibn Kathīr, Al-Bidāyah wal-Nihāyah (Kairo: Dār Hajar, 1997), 4:445.
52 Aḥmad ibn al-Ḥusayn al-Bayhaqī, Al-Sunan al-Kubrá (Beirut: Dār al-Kutub al- ʻIlmīyah, 2003), 6:472 #12696; See also: Ismā‘īl ibn Kathīr, Al-Bidāyah wal-Nihāyah (Cairo: Dār Hajar, 1997), 4:445.
Thomas Carlyle, David R. Sorensen (Hrsg.) und Brent E. Kinser (Hrsg.), On Heroes, Hero-Worship, and the Heroic in History (New Haven: Yale University Press, 2013), 59.
53 Thomas Carlyle, David R. Sorensen (ed.), and Brent E. Kinser (ed.), On Heroes, Hero-Worship, and the Heroic in History (New Haven: Yale University Press, 2013), 59.
54 Ebd., 52.
54 Ibid., 52.
55 al-Bukhārī, Ṣaḥīḥ al-Bukhārī, 1:8 #7.
55 al-Bukhārī, Ṣaḥīḥ al-Bukhārī, 1:8 #7.
56 al-Bukhārī, Ṣaḥīḥ al-Bukhārī, 2:39 #1060; Muslim, Ṣaḥīḥ Muslim, 2:630 #915.
56 al-Bukhārī, Ṣaḥīḥ al-Bukhārī, 2:39 #1060; Muslim, Ṣaḥīḥ Muslim, 2:630 #915.
57 Muslim, Ṣaḥīḥ Muslim, 3:1414 #1787.
57 Muslim, Ṣaḥīḥ Muslim, 3:1414 #1787.