7.3 Bewahrt, wie versprochen
7.3 Preserved as Promised
{Wahrlich, Wir haben die Ermahnung herabgesandt, und Wir werden sie gewiss bewahren.} Hinweis: Dies ist eine Übersetzung aus dem Englischen; der Qur'an-Vers wurde gemäß der üblichen deutschen Koranübersetzung wiedergegeben (Sure 15:9).442
“Indeed, it is We who sent down the Qur’an and indeed, We will be its Guardian.”442
Die Bewahrung und Unverfälschtheit des Korans wurden darin kühn verheißen. Man sollte sich fragen, wie ein Buch, das vor allem dem Gedächtnis anvertraut und über einen Zeitraum von dreiundzwanzig Jahren auf Knochen, Palmblättern und Lederstücken festgehalten wurde, überdauern konnte. Menschen lernten einen Teil des Korans vom Propheten ﷺ oder von seinen Gefährten, kehrten dann in ihre Heimatländer zurück und unterrichteten ihn ihren Familien, Freunden und Schülern, die ihn wiederum anderen weitergaben. Diese voneinander getrennten mündlichen Überlieferungen setzten sich über Jahrhunderte hinweg unabhängig voneinander auf der ganzen Erde fort. Dennoch rezitieren heute alle 1,8 Milliarden Muslime den Koran genau so, wie er den Gefährten des Propheten ﷺ gelehrt und im ursprünglichen uthmanischen Kodex niedergeschrieben wurde. Selbst konkurrierende Richtungen (d. h. Sunniten, Schiiten, Charidschiten) rezitieren denselben Koran. Und doch finden wir eineinhalb Jahrtausende später keine Widersprüche in der Bedeutung zwischen all diesen mündlichen Überlieferungen weltweit. Was die etablierten Lesarten einiger Verse betrifft, so tragen sie nur zur Schönheit der vielschichtigen Bedeutungen des Textes bei.443 Zu akzeptieren, dass eine solche Übereinstimmung bloßer Zufall sein könnte, oder dass eine weltweite Absprache über eine mündliche Fassung des Korans stattgefunden hat, oder dass eine Verschwörung dieses Ausmaßes logistisch überhaupt möglich war, ist unvernünftig. Die italienische Orientalistin Laura Vaglieri (gest. 1989) von der Orientalischen Universität Neapel bezeugt in ihrem Buch An Interpretation of Islam: „Wir haben noch einen weiteren Beweis für den göttlichen Ursprung des Korans in der Tatsache, dass sein Text seit dem Tag seiner Offenbarung bis heute über die Jahrhunderte hinweg rein und unverändert geblieben ist.“444
The preservation and incorruptibility of the Qur’an were boldly promised therein. One should wonder how a book primarily committed to memory and documented on bones, palm leaves, and leather scraps over the span of twenty-three years could survive. People would learn some Qur’an from the Prophet صلى الله عليه وسلم or his Companions, then travel back to their homelands and teach it to their families, friends, and students, who would then relay it to others. These separate oral transmissions continued independently for centuries, across the earth. Despite that, all 1.8 billion Muslims today somehow still recite the Qur’an exactly as it was taught to the Prophet’s صلى الله عليه وسلم Companions and written in the original Uthmanic codex. Even competing denominations (i.e., Sunni, Shiite, Kharijite) recite the same Qur’an. And yet, a millennium and a half later, we do not find contradictions in meaning between all these oral traditions worldwide. As for the established variant readings of some verses, they only add to the beauty of the text’s multi-layered meanings.443 To accept that such consistency could be mere coincidence, or that global collusion on a spoken version of the Qur’an has taken place, or that a conspiracy of this magnitude was even logistically possible, is irrational. Italian Orientalist Laura Vaglieri (d. 1989) of Naples Eastern University attests in her book, An Interpretation of Islam, “We have still another proof of the divine origin of the Quran in the fact that its text has remained pure and unaltered through the centuries from the day of its delivery until today.”444
Bemerkenswert ist außerdem, dass der Koran in seiner heutigen schriftlichen Form genau mit den ursprünglichen Koran-Manuskripten übereinstimmt, die von den Gefährten des Propheten ﷺ zusammengestellt wurden. Selbst die wenigen Abweichungen in der Schreibweise, über die von einigen Gefährten berichtet wird, wurden während der Herrschaft der ersten vier Kalifen des Islam ausgeglichen, von allen Gefährten akzeptiert, und die Übereinstimmung mit einer einzigen Abschrift fand ihre Zustimmung im Konsens. Um dies voll zu würdigen, sollte man unvoreingenommen bedenken, dass Rechtschreibprüfungen und ähnliche Funktionen der modernen Technik viele Schreibfehler unserer heutigen Zeit abgemildert haben, unsere E-Mails und Textnachrichten jedoch nach wie vor Rechtschreib- und Grammatikfehler aufweisen. Betrachten wir dann die vormoderne Schreibtradition, zurück in eine Welt vor der Erfindung des Buchdrucks und vor der Massenalphabetisierung. Es sollte uns nicht überraschen, dass es für die religiösen Texte der Vergangenheit Hunderttausende von voneinander abweichenden Manuskripten gibt, unabhängig davon, ob dies unschuldig oder böswillig geschah, und unabhängig davon, ob Originale dieses Textes zum Abgleich zur Verfügung standen. Beim Koran hingegen wurde dies verhindert, dank der Bewahrung des Uthman-Kodex, dank seines massenhaften Auswendiglernens, seines starken poetischen Rhythmus, der das Memorieren erleichtert, und dank seiner täglichen Verwendung im Leben eines Muslims. Zusammen bilden diese Faktoren einen einzigartigen Verstärkungsmechanismus, der in der Geschichte seinesgleichen sucht.445
It is also remarkable that the Qur’an in written form today perfectly matches the original manuscripts of the Qur’an compiled by the Prophet’s Companions. Even the few scribal differences reported from some of the Companions were reconciled during the reign of Islam’s first four caliphs, accepted by all the Companions, and conformity with one copy won their consensus. To fully appreciate this, impartial consideration should be given to the fact that while spell-check and similar features afforded by modern technology have mitigated many lapses in our writing today, our emails and text messages still fall prey to spelling and grammatical errors. Then consider the premodern scribal tradition, rewinding to a world before the printing press and before mass literacy. It should not surprise us to have hundreds of thousands of misaligned manuscripts for the religious texts of the past—irrespective of whether this was done innocently or maliciously, and irrespective of whether originals of that text were available for cross-verification. But with the Qur’an, this was averted due to that Uthmanic codex being preserved, in addition to its mass-memorization, its strong poetic rhythm that facilitates memorization, and its daily usage in a Muslim’s life, which together constitute a genius reinforcement mechanism unrivaled in history.445
Manche Leute behaupten, dass der Koran ursprünglich von einer zentralen Instanz kodifiziert wurde, und zwar früh genug, dass es möglich war, der Verbreitung abweichender Manuskripte zuvorzukommen.
Some people claim that the Qur’an was initially codified by a central authority, and this happened early enough to make preempting the spread of non-conforming manuscripts possible.
Sie behaupten, dass die Sammlung durch Abū Bakr und die Vereinheitlichung durch ʿUthmān frühe Manuskripte hätten beseitigen können, die sie willkürlich für unerwünscht hielten. Ein solcher Verdacht ist nicht überraschend, denn die Bibel wurde durch staatlich erzwungene Verordnungen geheim gehalten und blieb den Laien bis 1.500 Jahre nach Jesus Christus, nach der Protestantischen Reformation, unzugänglich. Die einzigartige dezentrale Verbreitung des Qurʾān machte es jedoch unmöglich, seinen Inhalt später zu verändern, anders als bei den „autorisierten Überarbeitungen“ der Bibel, die bis heute immer wieder herausgegeben werden.
They contend that the compilation of Abū Bakr and standardization of ʿUthmān could have purged whatever early manuscripts they arbitrarily deemed undesirable. Such a suspicion is not unexpected, given that the Bible was kept secret by government-enforced dictates and remained inaccessible to the laity until 1,500 years after Jesus Christ , following the Protestant Reformation. However, the Qur’an’s unique decentralized dissemination made it impossible for anyone to later modify its content, unlike the “authorized revisions” of the Bible that continue being issued until the present day.
Da diese Überlieferung des Qur'an nicht allein von den schriftlichen Aufzeichnungen abhängt, ist es möglich, das Geschriebene mit dem Mündlichen abzugleichen und so sicherzustellen, dass die Verschriftlichung und Weitergabe gewissenhaft erfolgten. Daher ist es vor allem seine Bewahrung in den Herzen derer, die ihn auswendig gelernt haben, die ihn unsterblich gemacht hat, wie Allah sagt: „Vielmehr ist der Qur'an deutliche Verse [bewahrt] in den Brüsten derer, denen Wissen gegeben wurde, und niemand leugnet unsere Verse außer den Frevlern.“446
Furthermore, since this transmission of the Qur’an does not solely hinge on the written records, this allows for measuring the written against the oral to ensure that the documentation and dissemination processes were scrupulous. Hence, its preservation in the hearts of those who memorized it that is what has immortalized it, as Allah says, “Rather, the Qur’an is distinct verses [preserved] within the chests of those endowed with [sacred] knowledge, and none rejects our verses but the wrongdoers.”446
Die Orientalistin Alford T. Welch schreibt: Für Muslime ist der Ḳurʾān weit mehr als eine Heilige Schrift oder heilige Literatur im üblichen westlichen Sinn. Seine primäre Bedeutung hat er für die überwiegende Mehrheit über die Jahrhunderte in seiner mündlichen Form, in der er zuerst erschien, als die „Rezitation“ (kurʾān), die Muhammad ﷺ über einen Zeitraum von etwa zwanzig Jahren seinen Anhängern vortrug … Die Offenbarungen wurden von einigen Gefährten Muhammads ﷺ zu seinen Lebzeiten auswendig gelernt, und die so begründete mündliche Überlieferung hat seitdem eine ununterbrochene Geschichte, die in mancher Hinsicht unabhängig von der schriftlichen Fassung des Ḳurʾān ist und ihr sogar überlegen gilt … Über die Jahrhunderte wurde die mündliche Überlieferung des gesamten Ḳurʾān von professionellen Rezitatoren bewahrt, während alle Muslime Teile des Ḳurʾān auswendig lernen, um sie im täglichen Gebet zu verwenden. Bis vor Kurzem wurde die Bedeutung des rezitierten Ḳurʾān im Westen selten vollständig erkannt.447
Orientalist Alford T. Welch writes, For Muslims, the Ḳurʾān is much more than scripture or sacred literature in the usual Western sense. Its primary significance for the vast majority through the centuries has been in its oral form, the form in which it first appeared, as the “recitation” (kurʾān) chanted by Muhammad to his followers over a period of about twenty years… The revelations were memorized by some of Muhammad’s followers during his lifetime, and the oral tradition that was thus established has had a continuous history ever since, in some ways independent of, and superior to, the written Ḳurʾān… Through the centuries the oral tradition of the entire Ḳurʾān has been maintained by the professional reciters, while all Muslims memorise parts of the Ḳurʾān for use in the daily prayers. Until recently, the significance of the recited Ḳurʾān has seldom been fully appreciated in the West.447
442 Der Koran 15:9, Übersetzung Saheeh International
442 The Qur’an 15:9, Saheeh International Translation.
443 Die islamische Überlieferung enthält einen reichen Schatz dokumentierter Informationen über die Lesarten vor der Zeit Uthmans. Kurz gesagt, hatte der Prophet ﷺ seinen Gefährten erlaubt, diese abweichenden Lesarten und mundartlichen Aussprachen in ihrer Rezitation anzunehmen.
443 The Islamic tradition has a wealth of documented information on pre-Uthmanic readings. In a nutshell, the Prophet صلى الله عليه وسلم had permitted his Companions to adopt these variant readings and dialectical pronunciations in their recitation.
Siehe: Ammar Khatib und Nazir Khan, „The Origins of the Variant Readings of the Qur’an“, Yaqeen Institute for Islamic Research, 23. August 2019.
See: Ammar Khatib and Nazir Khan, “The Origins of the Variant Readings of the Qur’an,” Yaqeen Institute for Islamic Research, August 23, 2019.
444 Laura Veccia Vaglieri, An Interpretation of Islam (Washington: American Fazl Mosque, 1957), 41.
444 Laura Veccia Vaglieri, An Interpretation of Islam (Washington: American Fazl Mosque, 1957), 41.
Siehe: Abu Zakariya, The Eternal Challenge (London: One Reason, 2015), 35-40.
445 See: Abu Zakariya, The Eternal Challenge (London: One Reason, 2015), 35-40.
446 Der Koran 29:49, Saheeh International Übersetzung.
446 The Qur’an 29:49, Saheeh International Translation.
447 Alford T. Welch, R. Paret und J. D. Pearson, „Al-Ḳurʾān“, in: Encyclopedia of Islam, 2. Auflage, hrsg. von P. Bearman u. a. (Leiden: Brill, 2001).
447 Alford T. Welch, R. Paret, and J. D. Pearson, “Al-Ḳurʾān,” in Encyclopedia of Islam: 2nd edition, edited by P. Bearman, et al (Leiden: Brill, 2001).